Tagesarchiv für den 21. März 2011

Veh gratulierte Oenning

21. März 2011

Um Missverständnissen vorzubeugen: Armin Veh hat sich das Spiel des HSV gegen Köln im Fernsehen live angesehen. Er war um 15.30 Uhr nicht mir dem Hund unterwegs, sondern hat sich für seine ehemalige Mannschaft gefreut, dass es diesen hohen und schönen Sieg gegeben hat. Und er hat sich auch für Michael Oenning gefreut, den er dann auch spontan angerufen hat, um ihm zu gratulieren. Es gibt das keinen Stress, keinen Neid, keinen Ärger zwischen Vorgänger und Nachfolger – Armin Veh sieht das fair und ganz locker und sagt: „Aus dem Alter bin ich schon lange raus. Und mit Michael habe ich acht Monate gut zusammen gearbeitet, es steht nichts zwischen uns.“
Wie Veh den Erfolg beurteilt? „Der HSV hatte ein 0:6 wieder gut zu machen, es waren einige Leute nicht mehr da, es gab einiges Neues, und er zudem traf mit Köln auf die schlechteste Auswärtsmannschaft. Das passte optimal – so wie wir eine Woche zuvor für die Bayern optimal gepasst hatten“, sagt der 50-jährige Coach.

So kurios es auch klingt: Armin Veh hatte schon jetzt das eine oder andere Angebot von Klubs, die zurzeit einen Trainer als Retter suchen, doch er lehnte ab: „Ich kann das nicht so wie der Felix, ich kann nicht nach drei Tagen schon wieder einen anderen Verein übernehmen. Aber da ist eben jeder anders. Ich lasse jetzt alles mal in Ruhe auf mich zukommen, und dann werde ich mich entscheiden.“ Es gibt, so denke ich, auf jeden Fall ein Wiedersehen, und darauf freue ich mich. Wie wohl auch Ze Roberto, der im ZDF nach dem Spiel gesagt hatte: „Armin Veh ist ein sehr guter Trainer, und er hat einen ganz feinen Charakter.“ Veh würde es so ausgedrückt haben: „Er ist ein ganz feiner Kerle.“

Aber jetzt ist Oenning. Michael Oenning. Und ich hatte heute auf dem Weg zur U-Bahn ein kleines Aha-Erlebnis. Ich telefonierte mit Handy, da verfolgte mich ein älterer Herr, der eigentlich in die gegensätzliche Richtung gegangen war, so lange und beharrlich, bis ich mein Telefonat beendet hatte. Dann sagte er, und er musst das wohl unter allen Umständen loswerden, zu mir: „Von mir aus sollen die beim HSV noch so viele Leute rausschmeißen, nur den Oenning, den sollten sie behalten. Das ist der beste Trainer, der kommt bei mir so in der Schiene von Klopp und Tuchel, den Oenning dürfen die auf keinen Fall laufen lassen.“ Volkes Stimme – es soll ja etwas dran sein . . .

Und wenn Armin Veh jetzt sagt, dass es auch Neues beim HSV (gegen Köln) gegeben habe, dann ist damit sicher auch die personelle Besetzung der Startformation gemeint. Michael Oenning hat seine Vorstellungen umgesetzt. Und wird es sicher noch weiterhin tun. Ich könnte mir vorstellen, dass er dabei auch den Namen Heiko Westermann spielt. Dynamik auf Sechs hin, Dynamik auf der Sechs her – so geht es doch auch nicht. Der Nationalspieler (a. D.) spielt in Sachen Aufbau einfach zu viele Fehlpässe. Kommt da demnächst ein Tausch mit Gojko Kacar auf uns zu? Oder kommt doch eher David Jarolim wieder zurück. Den würde ich ja favorisieren, wir Ihr wisst, und es war schön zu hören (am Sonnabend), dass sich dieser Meinung auch die meisten Kollegen (von den Hamburger Zeitungen) anschließen. Der Mann (Name ist der Redaktion bekannt – ein Scherz!), der in der Arena neben mir sitzt, sagte nach dem x-ten Westermann-Stockfehler: „Da sieht man dann doch, dass Jarolim fehlt . . .“

Wobei ich nichts gegen Heiko Westermann habe, das muss ich auch ganz klar sagen, denn: Er ist eine jener HSV-Spieler, die 90 Minuten lang immer alles geben, die 90 Minuten lang nur für die Mannschaft (und den Klub) unterwegs sind. Und glaubt mir: Auch in jenen Phasen, in denen es im HSV (auch in der Truppe) drunter und rüber ging, als partout nichts laufen wollte, da hat Heiko Westermann stets kühlen Kopf bewahrt und hat es allen vorgelebt, wie man aus diesen kritischen Zeiten wieder heraus kommt. Da hat, sage ich offen und ehrlich, da hat mir Heiko Westermann schon sehr imponiert. Andere (Kollegen) ließen die Ohren hängen, aber er gab sich immer kämpferisch und ging gegen alle störenden Faktoren an. Deswegen würde ich ihn auch nie aus der HSV-Mannschaft heraus nehmen wollen – nur etwas nach hinten zurück versetzen. Und dann auf der Sechs David Jarolim – oder Gojko Kacar.

Falls dann doch noch einmal eine gewisse Dynamik, die ja von Westermann kommen soll, fehlen sollte, so könnte ja auch durchaus Westermann mal als Innenverteidiger – völlig überraschend – mit nach vorne marschieren. Das gibt es in anderen Vereinen ja auch, warum nicht beim HSV? In diesem Punkt liegt mir der ehemalige HSV-Profi Borisa Djordevic schon seit Jahr und Tag in den Ohren, denn er sagt mir stets: „Der HSV ist taktisch immer so leicht auszurechnen, weil die beiden Innenverteidiger nur dann über die Mittellinie marschieren, wenn es Standards vor dem gegnerischen Tor gibt. Warum aber gehen die nicht mal mit, wenn es im Spiel angebracht ist? Als Überraschung? Dann müsste sich eben mal ein Mittelfeldspieler fallen lassen – das ist doch alles nur eine Sache der Absprache und des Auges und des Spielverständnisses innerhalb des Teams.“ Treffer.

So, nun noch drei Dinge zum Abschluss.
1.) Vom HSV kam heute folgende Mail:

Am Montag, 21. März 2011 um 12 Uhr, ging das Hamburger Weg Förderprojekt Eisvogel in die nächste Runde: Schüler und Schülerinnen des Gymnasiums Grootmoor begannen heute im Rahmen ihres Oberstufen-Profilfaches „System– System Erde” mit ersten wissenschaftlichen Untersuchungen zur Gewässergüte des Baches Seebek in Bramfeld. Außerdem legten sie auf der angrenzenden Streuobstwiese eine Wildblumenwiese an. Dabei packte Heung Min Son vom HSV tatkräftig mit an. Seit 2009 unterstützen der Hamburger Weg und Globetrotter Ausrüstung das Projekt Eisvogel.

„Der Schutz unserer Natur ist wichtig, deshalb unterstütze ich das ´Projekt Eisvogel`, erklärte HSV-Profi Heung Min Son. „Tiere und Pflanzen bekommen an der Seebek einen Platz zum Leben. Freiwillige Naturschützer bringen hier vollen persönlichen Einsatz. Da kann jeder mithelfen. Ich mache heute auch mit – für unsere grüne Perle Hamburg.” Zusammen mit dem NABU, Globetrotter und den Schülern und Schülerinnen des Gymnasiums Grootmoor nahm Heung Min Son erste Proben von Bachbewohnern aus der Seebek, um die Wassergüte bestimmen zu können.

So, nun wieder „Matz ab“: Ich bin hocherfreut, wie gut Heung Min Son schon unsere Sprache beherrscht – und dass er sich jetzt sogar schon mit Bramfeld und der Seebek auskennt. Das kann sicher nicht jeder HSV-Profi von sich behaupten . . .

Dann gab es von der Deutschen Presse-Agentur noch folgenden Beitrag, den ein „Ex-HSVer“ gestaltete. Die Gedanken sind sicherlich nicht die schlechtesten:

2.) Matthias Sammer hat das Trainer-Roulette in der Bundesliga kritisiert. „Überrascht hat mich die Diskussion um die Trainer und Vereine. Es macht keinen guten Eindruck, weil wir neben den ganzen Entscheidungen auch mal wieder über sportliche Dinge diskutieren sollten“, sagte der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Sonntagabend im TV-Sender Sky.

„Ich finde, da sieht es im deutschen Fußball nicht so gut aus, wie manche denken.“ Sammer sprach sich dafür aus, über eine ähnliche Regel wie in Italien und Spanien nachzudenken. Dort darf ein Trainer innerhalb einer Saison nicht zwei oder mehr Mannschaften betreuen. Er sei der Meinung, „dass wir Systeme im Interesse der Inhalte vielleicht reglementieren müssen. Wenn das zum Schutz dient, sollte man zumindest darüber nachdenken.“

Der 43-Jährige hatte Anfang des Jahres eine Offerte des HSV abgelehnt und ist nun nach eigener Aussage „froh, beim DFB zu sein, auch weil ich das Chaos etwas von außen betrachten kann“. Sammer bedauerte: „Wir führen keine sportliche Diskussion in Deutschland, sondern nur noch personelle und strukturelle Diskussionen.“ Er wies darauf hin, dass die Bundesliga nur mit dem FC Schalke 04 im Viertelfinale der Champions League vertreten sei und in der Europa League überhaupt nicht mehr. „Wenn das unser Anspruch ist, sich zu freuen, dass wir den vierten Champions-League-Platz wiederbekommen – dann macht mir das Bauchschmerzen.“

So, nun wieder „Matz ab“.
3.) Ganz kurz noch einmal in eigener Sache. Beim Doppelpass (Sonntag, „Sport 1“) hatte ich ja gesagt, dass St. Pauli für mich absteigen wird – neben Borussia Mönchengladbach. Das haben mir einige HSV-Fans, die auch mit dem braunen Nachbarn sympathisieren, verübelt. Diejenigen haben vielleicht nicht mehr meinen Zusatz gehört (war aber zu hören!): „Leider.“ Ja leider, denn ich wäre schon dafür, dass St. Pauli drin bleibt, denn allein die beiden Derbys sorgen doch immer für unheimlich viel Leben in der Stadt. So aber, wie es jetzt um den Klub vom Millerntor steht, würde es mich schon wundern, wenn der Gang in Liga zwei noch vermieden werden könnte – da muss man der prekären Lage schon einmal ins Auge schauen dürfen.
Aber, um es kurz noch auf den Punkt zu bringen: Ich würde mich dennoch freuen, wenn die Stanislawski-Truppe drin bliebe – denn dann könnte im nächsten Jahr ja auch ein neuer Stadtmeister gekürt werden.

Noch ein PS: Heute war kein Training im Volkspark, am Dienstag aber auch noch nicht.

15.24 Uhr