Tagesarchiv für den 18. März 2011

Jansen und Pitroipa sind draußen

18. März 2011

Als Michael Oenning um 17.10 Uhr auf dem Trainingsplatz die Mannschaft um sich versammelte, da kristallisierte sich die gedachte Elf für das morgige Spiel gegen den 1. FC Köln heraus: Heung Min Son musste mit zu den Reservisten, Eljero Elia rutschte quasi in letzter Sekunde in die Stamm-Formation. Damit war klar, wie der HSV morgen beginnen würde: Rost; Diekmeier, Kacar, Mathijsen, Aogo; Westermann, Ze Roberto; Ben-Hatira, Elia; van Nistelrooy, Petric. Schiedsrichter der Partie ist der 31-jährige Robert Hartmann aus Wangen (Allgäu), der sein zweites Erstligaspiel pfeifen wird.

Oenning hat personell einige Veränderungen vorgenommen. Vor allem im Kader aufgeräumt. Es gibt prominente Opfer: Marcell Jansen und Jonathan Pitroipa sind diesmal nur auf der Tribüne, neben ihnen fanden auch Robert Tesche, Collin Benjamin, Tomas Rincon und Muhamed Besic keinerlei Berücksichtigung.

Dazu hat Oenning vor allen Dingen eine ganz große Personalie angepackt. Er hat Ruud van Nistelrooy in die Mannschaft zurückgeholt. Jetzt darf gehofft werden. Darauf, dass „van the man“ endlich einmal wieder (und noch einmal?) seine explosive Seite an den Tag legen wird, hoffen auch darauf, dass das Spiel eins in einer neuen HSV-Ära auch frische Kräfte bei jedem Spieler freisetzen wird. Es wird, ganz eindeutig, ein ganz schweres Spiel, denn die Kölner befinden sich in diesem Jahr deutlich im Aufwind, haben sich längst von der Rolle eines Abstiegskandidaten verabschiedet. Junge Spieler (und ein Trainer, der auf junge Leute baut) haben den Umschwung bewirkt, Hamburg wird diese Talente bestaunen können.

Beim HSV stehen dagegen wieder einmal die älteren Kräfte im Blickfeld. Ruud van Nistelrooy wurde erstmalig wieder nicht von Bondscoach Bert van Marwijk für die Nationalmannschaft berufen, und auf der deutschen Seite traf es Heiko Westermann. Der HSV-Kapitän wurde von Bundestrainer Joachim Löw darüber informiert, dass er in den Spielen gegen Kasachstan und Australien nicht im DFB-Kader sein wird. Ein herber Rückschlag für Westermann, der seine Nichtberücksichtigung aber mit Fassung trug. Was bleibt ihm auch anderes übrig?

Für Ze Roberto wird dieser Sonnabend, der 19. März 2011 ein ganz besonderes Datum. Der Brasilianer wird gemeinsam mit Sergej Barbarez an erster Stelle jener ausländischen Spieler stehen, die die meisten Partien bestritten haben, nämlich 330. Herzlichen Glückwunsch an den „großen Ze“ – bleibt auch für ihn die Hoffnung, dass dieser Tag dann auch mit einem HSV-Erfolg gekrönt wird.

Darauf wird auch Änis Ben-Hatira hoffen, der erneut in der Start-Elf stehen wird. Er bleibt eine der HSV-Überraschungen dieses Jahres. Doch Änis gibt sich bescheiden, er sagt: „Das, was ich derzeit erlebe, ist noch nicht mein Durchbruch. Ich bin erst auf dem Weg dorthin, das muss ich einmal klarstellen.“ Und: „Ich muss jetzt das nachholen, was ich in den letzten Jahren versäumt habe.“

Der HSV will mit ihm verlängern, und zwar bis 2014, aber es wird derzeit noch verhandelt. „Vorstellbar ist alles“, sagt der Mittelfeldspieler, der einst mit der deutschen U-21-Nationalmannschaft Europameister geworden ist. Damals mit Spielern wie Özil, Khedira, Boateng. Sie alle haben Karriere gemacht, Ben-Hatira (noch) nicht. Er sagt: „Mir hat auch etwas das Glück gefehlt.“ Und er weiß, was im derzeit ebenso fehlt: „Effektivität und Torgefahr.“ Daran will er arbeiten. Weil er seinen Weg in und mit Hamburg gehen möchte. Dabei war er vor Saisonbeginn eigentlich schon weg, war sich fast mit Mainz 05 einig. Aber auch nur fast. Und vielleicht beflügelt ja auch der Wechsel von Armin Veh auf Michael Oenning noch ein bisschen mehr. Ben-Hatira sagt: „Bei jedem Trainerwechsel gibt einen kleinen Push, gerade für die Spieler, die lange nicht gespielt haben.“

So, bevor es nun zum Matz-ab-Treffen geht (welch ein Stress!): Franz Beckenbauer war heute in Hamburg. Als Bier-Botschafter. Man weiß ja aus dem Fernsehen, dass der Kaiser eine große Affinität zu der Weißbiermarke aus Erding hat. Und das Großartige an Beckenbauer ist ja, dass er es schafft, bei seinen Auftritten fast immer sympathisch und glaubwürdig zu sein. Der Mann ist da wirklich ein Phänomen. „Vor 30 Jahren, als ich beim HSV gespielt habe, da gab es in Hamburg im Wirtshaus, nein, Kneipe heißt das hier, da gab es noch kein Weißbier“, erzählt er. Das sei jetzt ja anders. Auch dafür also sei er mitverantwortlich, irgendwie. Der Franz spricht auch noch kurz über den Fußball. Und befindet: „Was im Moment in der Bundesliga passiert, ist verrückt. Der Fußball ist irrational, aber zur Zeit ist da wirklich sehr viel Bewegung.“ Er meint ausdrücklich die Trainerwechsel in der Eliteliga: „Das ist ja fast ein Zirkus.“ Für die Bayern (und den HSV) sei es ein verlorenes Jahr. „Nur noch um Platz drei“ gehe es für seinen Verein. Sogar eine Kritik erlaubt er sich an den handelnden Personen beim Rekordmeister: „Man hat sicherlich Fehler gemacht. Einer war, sich in der Winterpause nicht weiter zu verstärken.“

Wohl gemerkt, die Bayern waren gemeint. Nicht der HSV. Obwohl der auch ohne Winter-Verstärkungen auskommen musste. Mangels Kohle. Aber das ist ja schon einmal ein Gewöhnungsprozess für den kommenden Sommer gewesen. . .

Aber, nun erst einmal der Matz-ab-Abend, und dann die Geißböcke. Euch allen ein schönes und erfolgreiches und friedliches Wochenende.

18.27 Uhr

Nächste Einträge »