Tagesarchiv für den 9. März 2011

Magath und Arnesen – das passt nicht!

9. März 2011

Bayern München! Hey, am Sonnabend geht es gegen Bayern München! Der HSV zu Gast an der Isar. Der alte Klassiker. Das ewige Nord-Süd-Duell, das Treffen der ganz Großen des deutschen Fußballs. Na gut, einer von den Klubs ist vielleicht auch ein „ehemals ganz Großer“. Aber er spielt immerhin noch in der Bundesliga, und das ist nach dem, was ich derzeit in Hamburg abspielt, ja ein kleines Wunder. Der HSV wird, so sagen es ja viele hier voraus, aber auf jeden Fall demnächst in der Zweiten Liga anzutreffen sein. Und wenn nicht Zweite Liga, dann sogar noch darunter. So wie es vor Jahren einmal ein HSVer (der durchaus Einfluss auf den Verein hatte) ankündigte, der nichts dagegen hätte, wenn „der HSV eines Tages wieder auf dem Sportplatz Gustav-Falke-Straße spielen würde“. Das isst ein Grandplatz. Nichts Großes, sondern nur kein Rasen. Aber wird es jetzt schon so weit kommen?

Erst einmal kommt ja Bayern. Das heißt, Bayern kommt nicht, der HSV muss dorthin. Und diese Aufgabe wird sportlich mindestens so schwer, wie für den Aufsichtsrat das Chaos im Klub zu beseitigen. Ich möchte das gewiss nicht ins Lächerliche ziehen, denn es ist ja alles ernst genug. Was mir total auf den Geist geht, das ist die Tatsache, wie aggressiv hier „diskutiert“ wird. Das ist Wahnsinn. In dieser Form hat es das noch nie gegeben. Damit meine ich nicht nur den Matz-ab-Blog, sondern überhaupt die gesamte Stimmung im Verein. Es fehlt nur noch, dass man schon mal die Waffen für das Duell wählen sollte. Das kann doch alles nicht wahr sein. Wo sind wir nur hingekommen? Das hat doch mit Fairness und demokratischem Verständnis nichts, aber auch überhaupt nichts mehr zu tun.

Da sollte sich jeder „vernünftige Mensch“, der zuletzt ein wenig ausgerastet (und weit über das Ziel hinaus geschossen) ist, vor seine Brust klopfen und sich fragen: „Ist das alles überhaupt noch angemessen? Ist das alles noch normal?“ Und jeder, der dann weiß, dass er Mist gebaut hat, der sollte sich ab jetzt doch ein wenig mäßigen.

Und zu diesem Punkt bitte ich zu bedenken: Als vor Jahren mit Willi Schulz und Jürgen Hunke zwei Räte abgewählt wurden, als ein Manfred Ertel und ein Jo-Jo Liebnau durchgefallen waren, als nun auch Ronny Wulff und Bernd Enge zum Beispiel „raus fielen“ – herrschte da ein ähnlich aggressives Gemisch im HSV vor? Nein, nein und nochmals nein. Da herrschte Ruhe. Da gab es nicht den kleinsten Aufstand, da wurde nicht geschossen, gezankt, denunziert, diffamiert. All das ist jetzt an der Tagesordnung. Um nicht falsch verstanden zu werden: Jeder, der für Bernd Hoffmann ist, sollte es auch sagen (dürfen). Und natürlich darf und sollte sich jeder der will, auch für den Vorstandsvorsitzenden stark machen dürfen, sich engagieren dürfen. Nur die Mittel dafür, die sollten noch halbwegs zivilisiert sein. Der HSV galt und gilt schon immer als Nobel-Klub, da verbietet es sich eigentlich schon, mit Argumenten zu operieren, die weit unterhalb der Gürtellinie anzusiedeln sind. Warum dieser Krawall?

Ich bitte darum jeden, sich zu mäßigen. Und ich möchte nicht nur bitten, ich fordere es auch ein. Von jedem. Das, was hier zuletzt abging, das ist kein HSV-Niveau. Dieser Aufsichtsrat ist schließlich von den Mitgliedern gewählt worden. Wie auch schon der Aufsichtsrat davor. Jetzt den „Hermann“ zu machen, weil diese Räte nicht passen, ist mir einfach zu leicht. Und, auch das kann ich nur noch einmal betonen: Der „alte“ Aufsichtsrat hatte im Herbst den „Headhunter“ bestellt, um einen neuen Vorstandsvorsitzenden zu suchen – also war Bernd Hoffmann auch schon bei (vielen) bei einigen Räten vor der Wahl im Januar „unten durch“ Diese Tatsache aber wird beharrlich ignoriert. Immer drauf auf Ertel, Hunke, Erhardt und Co.

Nur wegen der 7:5-Abstimmung? Bei der Gelegenheit gratuliere ich dem Fernsehsender „HH1“. Er wird mehr gesehen, als ich dachte. Viel mehr sogar. Ich musste an meinem freien Dienstag sehr viele Telefonate führen, weil ich mich in der Montags-Sendung „Rasant“ missverständlich ausgedrückt habe. Ich sprach davon, dass es eine Woche vor der 7:5-Abstimmung schon eine Abstimmung gegeben habe, die 9:3 endete. Diese Abstimmung hat es als Abstimmung aber nicht gegeben. Es lief vielmehr so ab: Zehn Räte saßen beieinander, nur Gerd Krug und Ian Karan fehlten. Da sollte jeder Rat mal sagen, wie er sich die Zukunft des HSV, speziell des Vorstandes vorstellt. Jeder Rat sprach locker, flockig und frei von der Seele, und wer hinterher „zusammenzählte“, der stellte für sich fest: „Eine eindeutige Mehrheit gegen Bernd Hoffmann.“ Es war kein 9:3, wie ich es erfahren hatte, es war vielleicht ein 9:1 oder 8:2 gegen, ich wiederhole mich, gegen Bernd Hoffmann. Aber es war auch, das sage ich deutlich, keine (!) Abstimmung, sondern nur eine Diskussion. Dass es eine Woche später offiziell ein 7:5 dabei heraus kam, ändert für mich nur unwesentlich die Situation – denn es blieb ja negativ für Bernd Hoffmann. Wenn auch nur mit einer Stimme.

Wobei ich noch eines sagen möchte: Ich habe seit Monaten immer wieder betont, dass ich weder ein Hofmann-Freund noch ein Hoffmann-Feind bin. Daran hat sich nichts geändert. Ich könnte mit dem Verbleib von BH durchaus leben, ich könnte aber auch mit einem Neuanfang leben. Gerade so, wie es der demokratisch gewählte Aufsichtsrat möchte und hin bekommt. Dass ich nun noch keinen abschließenden Kommentar zum „HSV-Ende“ von Bernd Hoffmann geschrieben habe, das liegt daran, dass ich durchaus noch glaube, dass er eine Chance zum Bleiben haben wird. Dank der „Kämpfe“ für ihn, eventuell auch dank seiner Arbeit, die er auch in Zukunft noch für den Klub professionell verrichten wird – wie ich glaube. Das gilt übrigens auch für Katja Kraus. Ihr, das möchte ich bei der Gelegenheit auch noch einmal loswerden, hat von der Opposition (im vergangenen Jahr) schon so mancher Herr einmal nachgesagt, dass sie auf ihrem Sektor „sehr gute Arbeit“ leistet und geleistet hat. Die Herren, die das sagten, werden sich erinnern. Ich glaube deshalb, dass die Zukunft des jetzigen Vorstandes noch nicht endgültig besiegelt ist, es gibt noch eine kleine Chance. Und ich glaube auch, dass das Duo Hoffmann/Kraus darauf noch hofft.

Zu einem anderen Punkt: Felix Magath. Er wird wohl in der neuen Saison kein Schalke-Trainer mehr sein – also ein Mann für den HSV? Viele, viele träumen davon, aber ich denke, dass daraus nichts werden kann, denn: Mit Frank Arnesen hat der HSV bereits einen „starken Mann“ als Sportchef gefunden. Und dieser „starke Mann“ passt einfach nicht zu einem „starken, super-starken“ Felix Magath. Das geht ganz einfach nicht zusammen. Selbst als Vorstandsvorsitzender des HSV würde Magath nicht passen, denn er wollte mit Sicherheit viel bestimmen, wenn nicht fast alles – und was soll dann ein Arnesen noch hier? Und dazu noch ein „starker“ Trainer? Nein, das „Modell Magath“ wird in diesem Sommer (wohl) kaum zustande kommen. Es sei denn, Arnesen tritt seinen Job beim HSV gar nicht erst an, aber wer das glaubt (oder hofft), der, das darf ich verraten, wird sich verschätzen, denn Arnesen wird kommen – und er bringt eventuell Salomon Kalou (25) vom FC Chelsea mit nach Hamburg.

So, noch kurz zum sportlichen Teil dieser Woche. Im Training standen sich heute einmal mehr A gegen B gegenüber, es wurden drei Drittel gespielt. Zwei Drittel lang stand es 0:0 (trotzdem ein Spiel mit Feuer), dann erzielte Paolo Guerrero (nach einem Einwurf-Fehler von Dennis Diekmeier!) die Tore zum 2:0-Sieg der Stamm-Mannschaft. Dem 2:0 war ein krasser Fehlpass von Piotr Trochowski, der diesmal nicht besonders gut aufgelegt war, vorauf gegangen. Für A spielte Tom Mickel im Tor, weil Frank Rost heute im Kraftraum tätig war. Rechts verteidigte Tomas Rincon, der Guy Demel vertrat (Wadenprellung). Joris Mathijsen machte das Programm bis zum Beginn des dritten Drittels mit, dann lief er in die Kabine – er hat immer noch Schmerzen mit seinem operierten rechten Knöchel. In der A-Anfangsformation spielte Heung Min Son links, später, im dritten Drittel, kam für ihn Jonathan Pitroipa. Für Mathijsen rückte David Jarolim in die A-Elf, Heiko Westermann ging in die Innenverteidigung (Lennard Sowah spielte dann für B). Immer im Team der Reservisten spielte Marcell Jansen, da bahnt sich offensichtlich ein kleiner Machtkampf zwischen Armin Veh und dem Nationalspieler an. Nach dem Spiel liefen alle Spieler aus – bis auf Dennis Aogo. Der unterhielt sich mit dem Trainer unter vier Augen. Es ging ganz offensichtlich um fußballspezifische Dinge (wie Stellungsspiel?).

Wer nun aufmerksam gelesen hat, dem wird nicht entgangen sein, dass Dennis Diekmeier (Fersensporn beidseitig) wieder mit von der Partie ist. Die „Neuerwerbung“ vom 1. FC Nürnberg mischte schon ganz ordentlich mit und sagte später: „Ich habe noch etwas Angst beim Abstoppen, auch die Luft ist noch knapp – natürlich. Wann ich wieder dabei bin, ist schwer einzuschätzen, ich will mich da nicht unter Druck setzen.“ Er wird wohl erst für die Regionalliga-Mannschaft von Rodolfo Cardoso einige Spiele bestreiten.

Diekmeier hat eine schwierige Zeit hinter sich, das ganze HSV-Team (und der natürlich auch der Verein) durchlaufen gerade eine solche schlimme Phase. Wie auch der Kapitän heute befand. Heiko Westermann zur aktuellen Situation: „Es ist eine schwierige Zeit für uns alle, trotz allem müssen wir uns alle selber an die eigene Nase packen und müssen da durch. Alles zu tun für den Verein in den letzten neun Spielen, damit vielleicht doch noch etwas möglich ist.“ Dann müsste aber schon am Sonnabend beim ebenfalls angeschlagenen FC Bayern gewonnen werden – und ist das möglich? Vielleicht deshalb, weil die Münchner in der kommenden Woche das schwere Champions-League-Spiel gegen Inter Mailand haben . . . Vielleicht.

Und der HSV dürfte in München noch immer nicht mit dem besten Nervenkostüm auflaufen. Oder bietet ein anderer mehr? Westermann sagt weiter: „Es ging bei uns in den letzten Wochen und Monaten weniger um Fußball, es wurde viel diskutiert und geredet – das ist natürlich schade. Wir als Mannschaft können daran aber nichts ändern. Da kann ich mich nur wiederholen. Vielleicht sind die Bedingungen, um gute Spiele abliefern zu können, nicht immer ganz gut gewesen, aber wir sollten uns diesbezügliche keine Ausreden suchen. Wir stehen trotz allem immer noch auf dem Platz – und kein anderer.“ Der Kapitän sagt dann noch: „Das, was mich besonders an der ganzen Situation nervt, ist die Tatsache, dass man immer wieder solche Fragen beantworten muss. Das geht schon auf die Nerven – über Monate geht das so, das stört durchaus.“

Und so wie es nun aussieht, wird es auch noch ein paar Tage – vielleicht sogar Wochen – noch so weitergehen. Es laufen viele Verträge aus, einige Spieler müssten damit rechnen, eventuell verkauft zu werden – aber alle hängen sie in der Luft. Das kann störend sein, das kann sich auch durchaus negativ auswirken, aber auf der anderen Seite ist nun jeder Spieler auch angehalten, Bestleistung zu zeigen – um sich auch für andere Klubs (neben dem HSV) anzubieten.

19.12 Uhr