Tagesarchiv für den 6. März 2011

Das Ende der HSV-Ära Hoffmann

6. März 2011

Nach der 2:4-Pleite gegen Mainz wurde es auch hinter den Kulissen beim HSV noch einmal turbulent. Die Aufsichtsräte besuchten den Vorstand und teilten mit, dass es eine neue Entwicklung in Sachen Vertragsverlängerung gegeben habe. Eine Erklärung wurde danach auch den Medien zugespielt, sie lautet wie folgt: „Der Aufsichtsrat hat heute über den Antrag abgestimmt, die Verträge mit Bernd Hoffmann und Katja Kraus vorzeitig um ein Jahr zu verlängern. Der Antrag hat mit 7:5 Stimmen nicht die erforderliche Mehrheit gefunden. „Der Aufsichtsrat ist überzeugt, dass Bernd Hoffmann und Katja Kraus ihrer Arbeit für den HSV weiter wie bisher professionell nachkommen werden“, sagte Ernst-Otto Rieckhoff, Vorsitzender des Aufsichtsrates.

Der Versuch eines Kompromisses ist also gescheitert. Was aber dahinter steckt, ist das: Bernd Hoffmann wird kein neues Angebot mehr erhalten, der Aufsichtsrat sucht nun einen Nachfolger für den Posten des Vorstands-Vorsitzenden – die HSV-Ära Hoffmann wird, so wie es am heutigen Abend aussieht, somit spätestens im Dezember 2011 ein Ende finden. Allerdings ist damit das Vakuum, das bislang Bestand hatte, nicht vom Tisch. Der HSV bleibt nun erst einmal blockiert und handlungsunfähig.

So, um auf die sportliche Seite dieses schweren Tages zu kommen, wie in der Schlussphase des Mainz-Spiels die HSV-Mannschaft. Es war nach dem 2:2-Ausgleich absehbar, dass dieser HSV noch wird baden gehen müssen, denn es stimmte hinten und vorne nicht, zudem gab es viele Räume, die den Mainzern quasi kampflos überlassen wurden. Ein echtes Trauerspiel. Der HSV war dem Sieger vor allem in einem Punkt hoffnungslos unterlegen: Tempo. Es war ein Genuss, diese jungen Mainzer spielen und rennen zu sehen, zum Schluss war es ein Klassenunterschied. Ich hatte es vorher angekündigt, dass wir in diesem Spiel einen Hauch von Borussia Dortmund würden erleben können, und genau so ist es auch eingetreten. Sollte jeder HSV-Spieler einmal den Wunsch verspüren, sich diese 90 Minuten noch einmal anschauen zu wollen, dann wird er in sich gehen müssen. Das war vor allem nach dem 2:2-Ausgleich wie Rentner-Fußball gegen ICE-Tempo. Als neutraler Beobachter muss man ganz einfach von dieser Mainzer Mannschaft begeistert sein, so sieht der Fußball von heute aus. Und der HSV spielt noch immer den Fußball von gestern.

Die Stimmen der Trainer:

Thomas Tuchel: „Wir haben dieses Spiel verdient gewonnen. Wir haben eine bessere zweite Hälfte als die erste gespielt, Wir hatten in Halbzeit eins nicht die nötige Ruhe, um zu Torchancen zu kommen. Wir mussten natürlich mit dem 0:1 einen Rückschlag hinnehmen, der nicht einfach war. Ich glaube auch, dass die große Leistung heute darin besteht, dass sich die Mannschaft auch schon gegen Ende der ersten Halbzeit davon freigemacht hatte, mit diesem 0:1 und der Fehlentscheidung zu hadern. Dass wir denn den erneuten Rückstand noch einmal egalisieren konnten und dann sogar als Sieger vom Platz gingen, das macht mich heute schon stolz, ich bin sehr zufrieden.“

Armin Veh: „Ich sehe es ähnlich, der Mainzer Sieg war verdient. Mainz war insgesamt die bessere Mannschaft, war zielstrebiger, frecher und schneller wie wir heute. Wir hatten Schwierigkeiten, sind aber zweimal in Führung gegangen, und wenn man dann merkt, dass der Gegner schneller ist, dann muss man trotz allem so clever sein, dass man nicht so in Konter läuft. Nach dem 2:2 hatte Mainz zu große Räume zum Kontern. Sicher hätten wir etwas holen können, aber der Mainzer Sieg ist verdient, die bessere Mannschaft hat heute gewonnen.“

Armin Veh weiter: „Woran es lag, das kann ich so schnell nach dem Spiel auch nicht sagen, der Gegner war besser. Wir haben es einfach nicht geschafft, unser Spiel, das wir uns vorgenommen hatten, durchzusetzen.“

Armin Veh über das Experiment mit Gojko Kacar und Heiko Westermann: „Ich denke, dass das kein Experiment mehr ist. Kacar hat, bis auf die Situation vor dem 2:3, als er den Ball klären muss, ein gutes Spiel abgeliefert. Und dass Heiko Westermann im Mittelfeld bleibt, das ist im Normalfall so, ich sehe keinen Grund, das zu ändern.“

Armin Veh über die Auswechslungen zu Pause (Jansen und Pitroipa raus): „ Das geschah nicht aus Verletzungsgründen, sondern deshalb, weil wir keinen Zugriff hatten. Wir hatten ja nur ein glückliches Tor gemacht, ansonsten aber zu viel Mainzer Spiel zugelassen.“

Veh über die Chancen des HSV, doch noch international zu spielen: „Das muss man realistisch sagen, dass diese Niederlage eine kleine Vorentscheidung war. Momentan brauchen wir darauf nicht mehr zu schielen. Fünf Punkte Rückstand auf Bayern, sechs Punkte auf Mainz – momentan brauchen wir darüber nicht mehr nachdenken. Obwohl man es auch niemals abhaken sollte, doch heute gegen einen unmittelbaren Konkurrenten verloren zu haben, das wiegt schon schwer. Aus meiner Sicht war Mainz heute besser. Ich habe bei uns viele Dinge gesehen, die mir nicht gefallen haben.“

Veh über die Umstellungen im Mittelfeld (zweite Hälfte mit der Rauten-Taktik): „Ich wollte dadurch die Mitte besser zumachen, was am Anfang auch ganz gut geklappt hat, wir waren zunächst nach vorne auch präsenter und gefährlicher – aber das zweite Gegentor war entscheidend. Dennoch darf man sich zum Schluss im eigenen Stadion nicht so auskontern lassen, wie wir es dann taten.“

Veh über die Mainzer: „Die waren ins in Sachen Schnelligkeit überlegen, das war das Problem. Wir haben den Schürrle nie in den Griff bekommen, aber Mainz ist nach Dortmund auch die beste Auswärtsmannschaft. Die hatten hier nichts zu verlieren, die waren frech und schnell und stark. Und wir haben hinten dann später zu viele Fehler gemacht. Wir haben dieses Spiel nicht in der Offensive verloren.“

Armin Veh über die Auswechslung von Marcell Jansen: „Ich habe ihn heute nicht gut gesehen – er sieht das anders. Ich aber muss Entscheidungen treffen.“

Veh über die Gründe dieser Niederlage: „Mein Gott, Mainz war heute einfach besser. Es muss ja auch nicht am fehlenden Willen liegen, es muss nicht eine Sache des Kopfes sein, es kann ja auch mal am Gegner liegen, der einfach mal besser war. Mainz war einfach gut, wir nicht. Schnelligkeit ist wichtig, es ist wichtig, den Ball schnell nach vorne zu spielen, das haben die Mainzer viel schneller gemacht, wir haben es nicht geschafft – warum auch immer. Mainz hat schnörkellos gespielt, alle marschieren mit, der linke Verteidiger, der rechte Verteidiger, alle gehen mit in die Spitze und schalten aber auch blitzschnell wieder um – das machen viele Mannschaften. Und es gibt immer mehr junge Spieler, die das schon sehr, sehr gut beherrschen.“

Veh über Schiedsrichter Babak Rafati: „An ihm lag es nicht, dass wir verloren haben, ganz klar. Sicher hat er uns einen Elfmeter nicht gegeben, als Paolo Guerrero gelegt worden war, aber auch einen Elfmeter muss man ja erst einmal verwandeln.“

21.24 Uhr

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