Tagesarchiv für den 5. März 2011

Gulden für Hoffmann?

5. März 2011

Fix was los, beim HSV! Und ein neuer Name sorgt dabei für viel Unruhe: Björn Gulden. Das, was der Abendblatt-Kollege Kai Schiller in der heutigen Ausgabe geschrieben hat, das stimmt alles. Der Mann der Deichmann-Gruppe soll, so steht es dort zu lesen, der Nachfolge-Kandidat von Bernd Hoffmann sein – werden. Das waren auch meine Erkenntnisse, das wussten auch Kollegen anderer Zeitungen, nur eines war uns allen unbekannt: der Name Gulden. Deswegen konnte diese Geschichte nicht geschrieben werden, aber Kai Schiller ist eben ein guter Mann. Er hat den Namen ans Tageslicht gefiltert, und alle wissen nun (alle Zeitungen), dass dieser Name auch zu 100 Prozent stimmt. Pech nur für Gulden (oder kein Pech für den HSV?), dass er noch bis Ende 2011 an Deichmann gebunden ist.

Kurios stellt sich diese Geschichte für mich deshalb dar, weil in den vergangenen Tagen immer wieder (vor allem) Jürgen Hunke angegriffen wurde. Der ehemalige HSV-Präsident wird verdächtigt, dass er Hoffmann weg haben will. Und nun sollten alle Hunke-Gegner ganz, ganz aufmerksam lesen. Am besten zwei- oder dreimal:

Der HSV-Aufsichtsrat hat bereits im Herbst einen Headhunter damit beauftragt, einen Nachfolger für Bernd Hoffmann zu finden. Wohl gemerkt, für die, die es noch nicht begriffen haben: im Herbst! Als Jürgen Hunke noch nicht einmal davon träumte, wieder in den Aufsichtsrat zu kommen. Im Herbst! Und der Headhunter soll dem HSV in etwa 30 Namen vorgelegt haben. Darunter auch Björn Gulden. Und wenn Gulden frei gewesen wäre, dann wäre er wahrscheinlich jetzt schon HSV-Vorstandsvorsitzender – wo wird gemunkelt. Weil Hoffmann dann wohl zurückgetreten wäre, wenn er von seinem Nachfolger gewusst hätte. Da Gulden aber nicht frei war, blieb alles ruhig. Es kam die Aufsichtsrats-Wahl im Januar, es kamen die vier neuen Räte hinzu – und auf die wurde und wird nun eingedroschen. Was das Zeug hält. Immer drauf. Aber was ist eigentlich mit der Aktion „Headhunter“ im Herbst? Muss man vielleicht mal drüber nachdenken.

Gespannt bin ich nun mal darauf, wie Bernd Hoffmann auf diese neue Situation reagieren wird. Und noch einmal kurios: Ein „alter“ Rat auf die Frage, wieso der Headhunter bereits im Herbst, da hörte ich folgende Luftblase: „Wir wollten nur mal für den Fall der Fälle ausloten, ob es überhaupt einen Nachfolger für Bernd Hoffmann geben würde, sollten wir uns mal von ihm trennen wollen.“
Aha.
Und schön zu wissen, dass sich auch solche Gedanken gemacht werden. Aber ob diese fadenscheinige Ausrede überhaupt jemand glaubt? So dumm kann doch eigentlich niemand sein. Aber gut, für mich passt das genau in die jetzige Situation – es wird in den nächsten Tagen und Wochen wohl noch heftig drunter und drüber gehen.

Hoffentlich lassen sich davon aber die Spieler nicht verunsichern. Bis jetzt habe ich die Vermutung, dass sich die Mannschaft von dieser Hektik nicht anstecken lässt. Alles geht seinen geregelten Gang. So auch heute beim Abschlusstraining. Auf dem Hinweg in die Arena erfuhr ich von einem Gerücht, das mir überhaupt nicht gefiel: Mladen Petric wird wohl nicht trainieren, er soll muskuläre Probleme habe. Ach du dickes Ei, habe ich mir gedacht, aber dann mischte der Kroate dann doch ohne jede Einschränkung mit. Und das, was er tat, sehr wieder einmal sehr gut aus. Als Spielzüge über die Flügel geübt wurden, als es Flanken von rechts und links gab, da köpften Petric und der ebenfalls sehr gut aufgelegte Paolo Guerrero einige sehr schöne Tore gegen Frank Rost. Geflankt von rechts hat übrigens Jonathan Pitroipa, der morgen den Vorzug gegenüber Änis Ben-Hatira und Piotr Trochowski erhalten wird.

Auf der anderen Seite des Spielfeldes versuchten sich derweil die Reservisten in Sachen Torschüssen. Dabei war es ein Genuss zu sehen, wie Ruud van Nistelrooy ein Ding nach dem anderen gegen Tom Mickel versenkte. Apropos Mickel, er wird morgen statt Jaroslav (Sorry. Danke MS!) Drobny auf der Bank sitzen, der Tscheche hat „Daumen“. Nicht auf der Bank sitzt dagegen erneut Eljero Elia, den Trainer Armin Veh erneut nicht berücksichtigte. Berechtigt, falls ich gefragt werden sollte. Von Elia kommt einfach zu wenig. Dagegen hatten Piotr Trochowski und David Jarolim heute einige sehr gute Szenen, was für mich beweist, dass sie sich nicht hängen lassen. Einige Sorgen machte mir heute noch das Verhalten von Marcell Jansen, der sich hin und wieder an die Leisten (vornehmlich links) fasste, der sich fast ständig dehnte, ausschüttelte, der oft in die Knie ging, um die Muskulatur zu strecken. Zudem lief Jansen für mich nicht völlig “rund”. Mal abwarten, was das morgen gibt.

Eine höchst unglückliche Rolle spielt in diesen Tagen für mich Ruud van Nistelrooy. „Er wirkt auf mich wie ein Spieler, der sein Probetraining beim HSV absolviert“, sagte mir in dieser Woche ein Trainingskiebitz, und ein anderer befand: „Ruud bewegt sich nur noch wie ein Tourist.“ So war es auch heute, im Abschlussspielchen (über den halben Platz). Das A-Team gewann über 15 Minuten mit 2:0, die Tore erzielten Guerrero und Petric (Abstauber nach verunglücktem Guerrero-Schuss). Am Sonntag dürfte es aber gegen Mainz 05 (Anstoß 17.30 Uhr) eine nicht so klare Sache werden. Obwohl ein 2:0-Sieg natürlich super passen würde. Bei einem Heimsieg morgen würde der HSV wohl noch die schwächelnden Bayern einholen können, aber darüber wird in der nächsten Woche vermehrt geschrieben.

Der HSV tritt gegen Mainz mit folgender Elf an: Rost; Demel, Kacar, Mathijsen, Aogo; Westermann, Ze Roberto; Pitroipa, Jansen; Guerrero, Petric.
Schiedsrichter ist Babak Rafati (Hannover).

18.44 Uhr