Tagesarchiv für den 4. März 2011

Mathijsen: “Wir sind eine Mannschaft”

4. März 2011

Alles bleibt offen. Vorerst jedenfalls. Die Trainerfrage und das Thema Vorstand. Wobei natürlich auch die sportliche Seite der Medaille total offen ist – das Sonntags-Match gegen die frechen, die kessen und die sehr guten Mainzer. Ich kann es immer wieder nur betonen: Das wird ein ganz, ganz heißes Ding, denn die Tuchel-Truppe steht immer noch vor dem HSV, sie begeistert bei ihren Auftritten stets durch ihre Lauffreudigkeit, durch ihren Spielwitz und durch ihre Geschlossenheit. Ein Hauch von Borussia Dortmund wird am Sonntag durch den Volkspark wehen. Und ich halte es da schon mit Joris Mathijsen, der zu den bevorstehenden 90 Minuten sagt: „Ich könnte auch schon mit einem 1:0-Sieg gut leben.“ Wozu man wissen muss, dass der HSV mit einem 2:0-Erfolg den Platz mit Mainz tauschen würde. Platz fünf! Obwohl der für mich im Moment noch nicht so wichtig wäre, schön wäre es, wenn der am Ende der Saison, genau am 14. Mai, zu Buche stehen würde.

Heute wurde zwar am Nachmittag trainiert, aber wir haben alle, Fans und Berichterstatter, nichts davon gesehen. Es wurde im Stadion trainiert, nicht auf dem Rasen, sondern in den Katakomben. Erfreulich daran war nur, dass Heiko Westermann das gesamte Programm absolvieren konnte, so dass einem Einsatz des Kapitäns am Sonntag wohl nichts mehr im Wege stehen dürfte. An diesem Sonnabend geht die Mannschaft zum Abschlusstraining noch einmal auf den Rasen, und zwar um 16 Uhr, dann aber ist die Einheit (erneut) nicht öffentlich.

Wenn mich nicht alles täuscht, dann dürfte zum Mainz-Spiel der talentierte Eljero Elia wohl zum dritten Mal in Folge nicht im Kader stehen. Zwar hat der Niederländer in dieser Woche ganz ordentlich trainiert, das aber langt Armin Veh ganz offensichtlich noch nicht. Elia muss besser sein als die Konkurrenz, und das ist er trotz aller Anstrengungen nicht. Noch nicht. Noch haben Heung Min Son und auch Tunay Torun die Nasen leicht vorne. Beim Trainer jedenfalls. Ohnehin wird die Ersatzbank wieder voller Prominenz sein, der HSV kann sich inzwischen den Luxus leisten, Spieler wie Ruud van Nistelrooy, David Jarolim und Piotr Trochowski zusehen zu lassen. Die Mannschaft stellt sich schon seit Wochen nicht mehr von allein auf, und das ist endlich auch gut so.

„Es hat sich nach der Winterpause einiges bei uns verbessert. Es gab nur ein Spiel, in dem es nicht so gut für uns lief, das war die Partie in Nürnberg, ansonsten aber waren wir immer klar besser – auf jeden Fall aber besser als der Gegner“, sagt Joris Mathijsen und ergänzt: „Die Jungs haben in der Vorbereitung auf die Rückrunde gut gearbeitet. Ich war ja nicht dabei, ich war verletzt und hatte meine eigene Vorbereitung, aber es läuft seit Jahresbeginn deutlich besser für uns. Wir sind wieder eine Mannschaft geworden, wir sind ganz schwer zu schlagen. Und jetzt haben wir wichtige Spiele vor der Brust, und wenn man gegen einen direkten Konkurrenten spielen muss, dann muss man gewinnen, sonst ist es vorbei.“

Die Begründung, warum es nun besser läuft beim HSV, die liefert der Innenverteidiger auch gleich mit: „Wir haben uns zusammengesetzt und darüber gesprochen, was falsch gelaufen ist. Wir haben zu viele Gegentore kassiert, daraus haben wir unsere Lehren gezogen. Wir stehen jetzt kompakter, wir sind eine Mannschaft. Das war gleich zum Auftakt gegen Schalke zu sehen, die hatten kaum Chancen gegen uns.“ Und die Kollegialität? Ist die besser geworden? Mathijsen: „Diese Frage verstehe ich nicht. Wir spielen doch schon einige Jahre zusammen. Frank Rost ist lange da, Guy Demel ist lange da, ich bin fünf Jahre da, vorne gibt es viele Spieler, die auch schon drei Jahre oder länger da sind – in der Mannschaft ist alles okay. Natürlich sind einige Sachen in den letzten Jahren passiert, aber wir wollen alle erfolgreich sein. Das aber ist nicht mehr so leicht, heute in der Bundesliga erfolgreich zu sein – das sieht man jetzt auch an den Bayern. Wir versuchen es und versuchen, unsere Leistung zu bringen.“ Und das klappt in diesem Jahr eben besser, als noch 2010.

Dass die offenen Baustellen, die es abseits des sportlichen Betriebs gibt, die Konzentration auf die Spiele stören könnte, ist für Mathijsen kein Thema. Er sagt: „Wir sprechen in der Kabine nur über das kommende Spiel, nicht darüber, was zurzeit im Verein passiert. Das ist etwas für andere Leute, von der Mannschaft hat damit keiner etwas zu tun. Sicher kennen wir die Themen, über die viel gesprochen wird, aber für uns geht es nur darum, die nächsten drei Punkte zu holen. Was oben passiert, das können nicht wir entscheiden.“

Nach seiner Knöchelverletzung kämpft Joris Mathijsen noch um den hundertprozentigen Anschluss an die Teamkollegen. Die Narbe an seinem rechten Fuß schimmert noch immer rot, sie sieht noch ein wenig „gefährlich“ aus, aber er spielt damit. Und gibt zu: „Bei 100 Prozent bin ich nicht, ich habe vielleicht etwas zu früh angefangen, hatte gleich eine englische Woche, hatte danach auch wieder Schmerzen – aber nicht so, dass ich nicht spielen könnte. Es wird aber jeden Tag besser, und ich fühle mich jetzt auf jeden Fall schon besser, als in der vergangenen Woche.“

Besser fühlt sich auch Paolo Guerrero. Im Hinspiel in Mainz (16. Oktober) sorgte er für den späten 1:0-Siegtreffer, aber das gab ihm damals keinen zusätzlichen Schwung. Erst jetzt ist der Peruaner so richtig gut „im Saft“, und das ist ihm nun auch im Training anzumerken. Paolo läuft viel, geht weite Wege und, das vor allem ist erkennbar, hat sehr viel Lust am Fußball. Zudem klappt das Zusammenspiel mit Sturm-Partner Mladen Petric sehr, sehr gut. Guerrreo sagt: „Ich fühle mich leicht, habe die Kraft zum Laufen, im Moment ist alles super.“ Für das Laufen hat er auch seine Erklärung: „Ich war damals zu schwer. Damals hatte ich 84 Kilo, heute habe ich 81 Kilo, das macht sich bemerkbar.“ Er isst nun weniger, und in diesem Fall ist weniger eben mehr. Für Paolo jedenfalls. Und zum Vorteil des HSV.

Und dass Paolo Guerrero noch einmal das Siegtor für den HSV gegen Mainz erzielt, dagegen hat wohl kein Hamburger Anhänger etwas einzuwenden.

Schiedsrichter der Partie ist übrigens Babak Rafati aus Hannover. Bei ihm ziehen ja viele (Fans und Kollegen von mir) die Augenbrauen hoch, aber ich sehe diese Ansetzung doch ein wenig gelassener. Ich finde Rafati gut. Zwar hat der HSV unter seiner Leitung von sieben Spielen nur eines gewonnen (ein 2:1 gegen den KSC), aber jede Negativ-Serie hat einmal ein Ende – wir werden es am Sonntag erleben.

PS: Am 18. März findet in der Raute das nächste Matz-ab-Treffen statt.

19.25 Uhr