Tagesarchiv für den 3. März 2011

Veh pro Hoffmann, Petric lobt Veh

3. März 2011

„Bist du ein Bayern-Blog, oder bist du ein HSV-Blog?“ So fragten die Kollegen, als ich ihnen heute erzählte, dass ich kurz noch einmal auf München gegen Gelsenkirchen eingehen wolle. Weil: Der Herr van Gaal hat ja nach dem Spiel mit hochrotem Kopf zweimal gesagt: „So ist Fußball.“ Und dann ein Novum: Ich glaube nicht, dass sich ein Bayern-Trainer schon einmal so beklagt hat, dass „der Gegner nur hinten drin stand.“ Und dass sich der Gegner dann auch noch erdreistete, zu kontern und sogar ein Tor zu schießen. Wie kommt dieses „blinde“ Schalke dazu? Wenn es nicht zu bitter wäre, müsste man drüber lachen. Hoffentlich hält diese Bayern-„Form“ noch bis zum nächsten Wochenende, also rund eine Woche nach dem Mainz-Spiel. Dann muss der HSV in München antanzen, und wenn dann die Bayern immer noch so spielen wie der HSV zu seinen „Glanzzeiten“, also quer, quer, quer und zurück, dann gäbe es da sogar ganz gute Chancen. Nun gut, erst kommt Mainz, und diese 90 Minuten am Sonntag werden schwer genug.

Wobei ich nicht gesagt haben will, dass dieses Spiel zu schwer wird. Der HSV hat am heutigen Nachmittag sehr emsig und hart trainiert. Da war Leben in der Bude, das war Tempo drin und es ging mächtig zur Sache. Das A-Team spielte gegen die Reserve, es gab drei Dritte. Zuerst spielte David Jarolim im Stamm, weil Heiko Westermann immer noch pausierte (nicht am Teamtraining teilnahm). Und rechts draußen spielte Änis Ben-Hatira, sowohl Piotr Trochowski als auch Jonathan Pitroipa durften im B-Team zur Sache gehen. Im letzten Drittel allerdings wurden Jarolim und Ben-Hatira zu den Reservisten geschickt, und Trochowski (für „Jaro“ auf der Sechs) und Pitroipa kamen.

Etwas außergewöhnlich war, dass diesmal der Stamm 4:1 siegte. Oftmals gewann zuletzt das B-Team, aber diesmal eben nicht. Ein gutes Omen? Ruud van Nistelrooy hatte die Reservisten in Führung gebracht, dann trafen Paolo Guerrero, Ze Roberto, Piotr Trochowski und Mladen Petric mit einem Super-Alleingang von der Mittellinie. Auch das Tor von Trochowski erhielt viel Beifall von den Kiebitzen, denn der „kleine Dribbelkünstler“ lupfte den Ball geschickt über Torwart Tom Mickel, der Ball prallte von der Unterkante der Torlatte über die Linie. Das spendierten sogar die „Matz-abber“ „Benno Hafas“ und „Gravesen“ Applaus – und lobten ausdrücklich die „Schusstechnik“ des „Nationalspielers a.D.“. So, nun bin ich alles losgeworden, was es in Sachen Trochowski wieder einmal zu sagen gab. Nein, stopp, etwas gibt es doch noch: Armin Veh überlegt bis Sonntag noch, ob er es noch einmal mit „Troche“ auf der rechten Seite wagen sollte. Ende offen. Das gilt übrigens auch für die etwaige Vertragsverlängerung von Piotr Trochowski, obwohl ich heute nach der Pressekonferenz erfuhr (nur ein Gerücht?), dass sich der HSV am Ende der Saison von Trochowski trennen wird – anders gesagt: Der Vertrag des Mittelfeldspielers soll wohl nicht verlängert werden. „Troche“-Gegner sollten sich den 3. März 2011 merken . . .

Um noch einmal zum Trainingsspiel zurück zu kommen: Collin Benjamin senste erst Mladen Petric sehr kompromisslos um, danach auch Paolo Guerrero. Das sah nach echter Zweikampfhärte aus. Und Ruud van Nistelrooy trat Änis Ben-Hatira ein wenig ungestümer in die Hacken. Was ich aber enorm schätze (weil es nicht jeder macht!): Der Niederländer kam Sekunden danach auf den humpelnden Kollegen zu, streichelte ihm kurz durch das Haar – was ich als Entschuldigung wertete.

Ansonsten herrscht im Volkspark ja höchste Alarmstufe. Das Thema Hoffmann (und Kraus) sowie das Thema Veh ist Nummer eins. Noch vor Mainz. Weit vor Mainz. Was wird aus Bernd Hoffmann? Und was wird bloß aus Armin Veh? Wie „Scholle“ schon schrieb: Dieser März wird entscheidend sein. Es geht hoch her, hinter den Kulissen, und ein Gerücht jagt das nächste. Ich möchte (mit dem Bauch) keine neue(n) Prognose(n) mehr abgeben. Was soll das auch? Der Aufsichtsrat weiß ja selbst noch nicht, wohin der Hase in Sachen Hoffmann laufen soll, laufen wird. Da wird in den nächsten Tagen noch so manche Diskussion geführt werden müssen, um eine einheitliche Linie nach außen hin zu vertreten. Und wenn ich hier schon gefragt worden bin, wie ich zu Bernd Hoffmann stehe, so muss ich immer wieder sagen: „Ich bin kein Hoffmann-Freund, ich bin kein Hoffmann-Feind.“ Da ich die Entscheidung der Räte ohnehin nicht beeinflussen kann, sehe ich diesem Datum eigentlich ganz gelassen entgegen. Was mich aber überrascht, dass hier (bei Matz ab) plötzlich so viele Hoffmann-Freunde schreiben. Mehr Freunde als Gegner. Bislang hatte ich gedacht, dass sich das hier (bei Matz ab) die Waage halten würde. Aber egal, jeder, ob Freund, ob Feind, wird sich noch in Geduld üben müssen.

Wobei sich Armin Veh heute auch (wohl) eindeutig für Bernd Hoffmann ausgesprochen hat. Der Trainer zu dieser Diskussion: „Ich möchte mich da gar nicht groß einmischen, ich kann nur sagen: Da wird ja jetzt einen Sportdirektor verpflichtet haben, glaube ich das auch beurteilen zu können, ohne das dann auf die Waagschale zu legen, hat unser Präsident hier vor allem im kaufmännischen Bereich sehr viel geleistet. Der Verein steht gut da. Da kann er sich mit seiner Kernkompetenz letztlich voll reinhauen – also müsste das normal aus meiner Sicht geklärt sein. Aber ich bin nicht derjenige, der das entscheidet.“ Also pro Hoffmann, Herr Veh? Der Coach: „Ich möchte mich da nicht festlegen, ich kann ja auch nicht alles sagen, was ich gerade denke. Weil ich dafür nicht zuständig bin. Ich kann nur sagen, dass es von der Logik her ja auch keinen Sinn machen würde, einen Mann, der schon Jahre dabei ist, der dem Verein auch finanziell eine Lage verschafft hat, die glaube ich gar nicht so schlecht ist, dass der denjenigen dann ja auch mehr für die Arbeit tun kann, weil er jetzt ja einen Sportdirektor hat, und dann den auszuwechseln – das macht aus meiner Sicht keinen Sinn.“ Also Veh pro Hoffmann. Mehr wollte er aber nicht mehr sagen: „Dafür bin ich nicht zuständig, das müssen andere entscheiden.“ So ist es.

Armin Veh ist für die Mannschaft zuständig, und die steht vor einem höchst unangenehmen Gang. Es ist ein Sechs-Punkte-Spiel. Mladen Petric rechnet vor: „Wen wir 2:0 gewinnen sollte, dann stünden wir erstmalig wieder auf einem internationalen Startplatz. Und jeder weiß, was das bedeutet.“

Kurios ist: In diesen Wochen beklagt der HSV erstmalig seit Jahren keinerlei Verletzungssorgen. Veh kann aus dem Vollen schöpfen. Und es gibt jede Menge Härtefälle: Jarolim, van Nistelrooy, Elia, Pitroipa, Trochowski. Trotz allem ist die Mannschaft nun (endlich) auf dem besten Wege, noch eine Mannschaft zu werden. Petric dazu: „Die Stimmung ist gut, diejenigen, die nicht spielen behalten die Ruhe. Sie sind zwar angespannt, aber es gibt keinerlei Probleme.“ Das sieht man, das merkt man – diese Phase ist sicherlich die beste seit über einem Jahr. Und das trotz der großen Probleme im HSV, die es um Hoffmann und Veh gibt. Petric: „Das eine oder andere Thema wird in der Mannschaft schon angesprochen, da hat jeder, wie auch bei den Fans, seine Meinung. Wenn es dann aber auf den Platz geht, dann weiß sich jeder wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren – wir können es ja ohnehin nicht beeinflussen.“

Zurück zum sportlichen Part. Der HSV ist in diesem Jahr deutlich besser, als noch im Herbst. Petric erklärt: „Es läuft besser, das sieht jeder bei uns, wir stehen kompakter, wir spielen konzentrierter, wir haben in der Vorbereitung sehr gut und hart gearbeitet.“ Der Torjäger weiter: „An diesem Formanstieg hat der Trainer sicherlich auch einen großen Anteil – er gut gearbeitet mit der Mannschaft, ich finde, dass er eine Super-Arbeit macht.“ Dann nimmt der Kroate noch ein wenig konkreter zur schwebenden Trainerfrage Stellung: „Es ist sicherlich schon schade, dass man ein solches Thema hat, dass man da ziemlich ins Ungewisse schaut.“ Auf die Frage, ob sich Armin Veh in den letzten Wochen verändert habe, antwortet Mladen Petric: „Nein, der ist völlig klar, man spürt nicht, dass sich da irgend etwas verändert hat.“

Schlusswort von Mladen Petric zu Gegner Mainz 05: “Jeder hat im Laufe der Hinrunde erwartet, dass die Mainzer einbrechen, aber sie sind nicht eingebrochen. Und sie halten sich immer noch gut da oben, es ist schon erstaunlich, was die auch in diesem Jahr aus sich herausholen.” Wenn das keine Warnung ist, dann weiß ich es auch nicht . . .

19.44 Uhr