Tagesarchiv für den 2. März 2011

Der März wird DER Monat für den HSV

2. März 2011

Ruhe. Zumindest am und im Stadion. Alle hatten sich irgendwie irgendwohin verzogen. Die Vorstandsbüros waren leer, die Pressestelle nur zum Teil vor Ort besetzt. Zudem herrscht, so auf der Geschäftsstelle derzeit banges Warten. Warten auf eine Entscheidung bezüglich des aktuellen Vorstandes, von dem mit Sicherheit auch der eine oder andere Job auf der Geschäftsstelle abhängig sein wird. Fats täglich müssen Kraus und Hoffmann mit ihren Angestellten sprechen und über die aktuelle Lage aufklären. Eine unschöne Situation, die sich auch die sicher gut vorstellen können, die selbst noch nie in einer derart misslichen Lage waren. Schon deshalb plädiert Hoffmann heute kurz für sich und seine derzeitigen Angestellten: „Wir haben zur Kenntnis genommen, dass der Entscheidungsprozess im März abgeschlossen sein soll. Ich sehe uns für die Zukunft im Team mit Katja Kraus, Oliver Scheel und vor allem Frank Arnesen exzellent für den HSV aufgestellt.“

Es herrscht weiter eine Situation vor, die sich erst geklärt haben wird, wenn sich der Aufsichtsrat zu einer klaren Entscheidung pro oder contra Vorstandsboss Bernd Hoffmann durchgerungen hat. Und obwohl sich in den bedingt repräsentativen Umfragen beim Abendblatt und den Kollegen der Morgenpost ein Großteil der Leser für einen Verbleib Hoffmanns aussprechen, scheint sich der Aufsichtsrat gegen den streitbaren und verdienten Vorstandsboss entschieden zu haben.

Mehr noch: Einen Tag vor der gestrigen Aufsichtsratssitzung gab es eine erste Probeabstimmung. Besser gesagt, Chefkontrolleur Ernst Otto Rieckhoff holte sich im Vorfeld per email und Telefon eine Stimmungslage ein, die kein klares Ergebnis brachte. Soll heißen: es gab zwar nicht die für Hoffmann nötige Zweidrittelmehrheit (8:4), aber eben auch noch keinen mehrheitsfähigen neuen Kandidaten. In den nächsten Tagen sollen sich die Räte über Hilke und den zweiten Kandidaten – ich nenne ihn mal Mr. X – Ihre Gedanken machen. Ziel ist es, in einem Rutsch eine Entscheidung zu fällen. Also: Hoffmann verlängern – oder ihn absetzen und unmittelbar danach den Nachfolger präsentieren.

Es soll einhellig entschieden werden, der Aufsichtsrat ist darum bemüht, seine zuletzt demonstrative Zerrissenheit zu widerlegen.

Und es scheint, wie in meiner zweiten Aktualisierung gestern/heute geschrieben, mit dem ehemaligen HSV-Vorstand und Ex-Sportfive-Manager Joachim Hilke ein erster Kandidat gefunden zu sein. Ende der Neunzigerjahre als Delegierter von HSV-Vermarkter Ufa (heute: Sportfive) in den HSV-Vorstand unter Präsident Rolf Mares berufen, verfügt der Marketing-Stratege über wirtschaftliches Knowhow angewendet auf einen Bundesligaverein. Klingt wie der Titel einer Diplomarbeit, heißt aber im Grunde nichts anderes, als dass Hilke weitreichend Kenntnisse darüber besitzt, wie ein Sportverein zu vermarkten ist. Dennoch gilt der passionierte Golfer (spielte in der Jugend-Nationalmannschaft) nicht als einzige Alternative. So soll neben einer zweiten externen Neubesetzung auch einen internen Kandidaten geben. Das wiederum kann eigentlich nur bedeuten, dass es sich um Frank Arnesen in Doppelfunktion handelt. Zumindest fällt mir bei der Durchsicht aller Namen kein geeigneter Kandidat auf.

Aber egal wie, in den nächsten Tagen wird sich gerade in diesem Thema noch eine Menge tun. Da werden weitere Namen ins Gespräch kommen. Und, um das mal klarzustellen: die Namen werden in aller Regel nicht von der Presse erfunden, sondern von Kontrolleuren und anderen Entscheidungsträgern ins Rennen geworfen. Um auch noch mal Bezug auf den einen oder anderen Post hier zu nehmen, allein aus der Tatsache, dass nicht irgendwann ein Name auftaucht, der es letztlich auch wird irgendwelche Verschwörungstheorien abzuleiten, die Presse würde etwas erfinden, ist realitätsfremd und naiv. Ein Sportchef macht sich bei der Kaderplanung über einen ganzen Haufen von Spielern gleichwertig intensiv Gedanken. Zwar kann er – auch weil es der Spieler manchmal gar nicht will – nicht alle verpflichten, dennoch haben auch die nichtverpflichteten Spieler den Status Wunschspieler im Vorfeld verdient.

So, wie jetzt Julian Schieber und Ilkay Gündogan vom 1. FC Nürnberg eine wichtige Rolle in den Bemühungen des HSV-Sportvorstandes (Arnesen und Noch-Sportchef Bastian Reinhardt) spielen. Dabei erscheint es nicht unwahrscheinlich, dass einer oder gar beide nicht den Weg nach Hamburg finden, dennoch sind sie keine Falschmeldungen oder Erfindungen der Presse. Nein, der HSV ist sehr interessiert – was nicht gleichzusetzen ist mit einer Verpflichtung. Gleiches gilt für die Trainer-Namen Ralf Rangnick und Robin Dutt, die als potenzielle Nachfolger von Armin Veh gehandelt werden. Nur an tatsächlichen Verpflichtungen festzumachen, welcher vorher von uns spekulierte Name tatsächlich korrekt spekuliert wurde, ist selten kurz gedacht. Wobei ich mir sicher bin, dass das auch die unter uns, die eine solche Argumentation immer wieder mal hier im Blog anbringen, selbst wissen.

Das nur, um den nächsten Tagen vorzubeugen. Denn gerade in Sachen Vorstand wäre alles andere als eine relativ breite Bande geeigneter Kandidaten, aus denen am Ende der eine mit dem besten Konzept und der besten Vorstellung auserwählt wird, auch fahrlässig. Hilke wurde mir als Name bestätigt, der ehemalige Aufsichtsratskandidat Dr. Ralph Hartmann wurde genannt, ist (zumindest mir noch) nicht bestätigt worden. Zudem soll es wie oben bereits erwähnt, auch einen Ansatz für eine interne Lösung geben. Wie auch immer…

Aber zurück zu den Fakten. Die lagen heute mal wieder auf dem Platz, sahen gut aus – garantieren allerdings auch nichts. Die Mannschaft hat heute bis auf Frank Rost und Heiko Westermann, die beide heute (15 Uhr, an der Imtech-Arena) wieder einsteigen sollen, sehr gut trainiert. War am Nachmittag zumeist Passspiel angesagt, gab es am Morgen ein nettes Turnier mit drei Mannschaften auf verkürztem Feld. Auffällig hierbei war das Engagement von – Eljero Elia! Tatsächlich! Der Niederländer ackerte, versuchte sich in Flankenläufen, er schoss – und er gab endlich mal nicht auf. Zwar ist seine Körpersprache in den Pausen gewöhnungsbedürftig und wirkt oft teilnahmslos, aber im Spiel war er da. Genauso wie die anderen zuletzt Gescholtenen oder Degradierten. Große Ausnahme: Ruud van Nistelrooy. Der Niederländer kommt einfach nicht in Fahrt. Er will es momentan offenbar auch nicht. Anders sind seine Minusauftritte in den Übungseinheiten der letzten Wochen nicht mehr zu erklären.

Ganz anders präsentiert sich derzeit der zweite HSV-Oldie, Zé Roberto. Der Brasilianer, der für mich auch in den letzten Spielen immer zu den Besten gehörte, macht richtig Spaß. Im Training immer Dreh- und Angelpunkt seiner jeweiligen Mannschaft, war das verengte Spielfeld heute ein Genuss für den Edeltechniker. Mehr noch: Zé Roberto bereitete nicht nur vor, er traf auch selbst. Und er proklamiert weiter das große Ziel: „Wir müssen unser Heimspiel am Sonntag gegen Mainz gewinnen und anschließend Fünfter sein. Und den Platz geben wir dann auch nicht mehr her.“ Der Linksfuß, der mit vier Gelben Karten vorbelastet ist und in seiner Bundesligakarriere noch nie wegen einer fünften Gelben pausieren musste, hofft „endlich auf den großen Schritt“. Der „Bald-Rekordausländer“ (noch drei Spiele fehlen ihm, um Sergej Barbarez als Ausländer mit den meisten Bundesligaeinsätzen zu überholen) fordert eine Denkweise von Spiel zu Spiel und macht sich selbst keine Gedanken außer über das Mainz-Spiel. Auch nicht darüber, ob er seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag verlängern will oder nicht. „An meiner Zukunftsplanung hat sich nichts verändert. Es bleibt alles offen und ich werde mich Ende März entscheiden.“

Ihr seht, der März könnte DER Monat für den HSV werden. Sportlich wie personell steht der Verein vor einer ganz entscheidenden Phase, was die nächste Zukunft betrifft. Schaffen es Veh und die Mannschaft noch in den internationalen Wettbewerb? Wird Hoffmanns Vertrag verlängert? Oder muss der Vorstandsboss einem neuen – und wenn ja, wem? – Platz machen? Entscheidungen von einer Tragweite, wie wir sie seit Jahren nicht mehr hatten.

Gerade deshalb wäre es mein Wunsch, dass wir hier als Blog, der seit Jahren wunderbar funktionieret und noch Jahre funktionieren soll, den HSV in der Phase mit dem nötigen Support versehen. Das heißt nicht, dass wir nur über das schreiben sollen, was gut und positiv ist. Nein, das heißt, dass wir uns kritisch aber inhaltlich sachlich mit den offenen Entscheidungen auseinandersetzen. Dazu gehören Dieters News und Spekulationen, dazu gehört Eure Meinung insbesondere – aber ganz sicher gehören keine persönlichen Beleidigungen dazu. Weder untereinander noch gegenüber Außenstehenden.

In diesem Sinne: Nur der HSV!

Bis morgen (dann wieder mit dem Blogvater Matz!),

Euer Scholle

19.25 Uhr