Tagesarchiv für den 1. März 2011

Bericht heute live aus der Raute – ZWEITE Aktualisierung!!

1. März 2011

+++++++Zweite Aktualisierung, gleich hier, ohne sie in den Text zusätzlich einzubauen: Joachim Hilke, Executive Vice President International Marketing & Sales bei Sportfive und ehemaliges Vorstandsmitglied des HSV, ist nach meinen Informationen einer von zwei möglichen Alternativen für den Fall, dass Bernd Hoffmanns Vertrag nicht verlängert wird.
Und: Ralf Rangnick gilt als heißer Kandidat auf die Nachfolge von Armin Veh. Allerdings soll Rangnick auch einen Vertrag vom VfL Wolfsburg unterschriftsreif vorliegen haben. Zudem soll sich der HSV nach der Verfügbarkeit von Freiburgs Trainer Robin Dutt erkundigt haben++++++++

Als Ernst-Otto Rieckhoff um 20.32 Uhr nach 90 Minuten den Sitzungsraum verließ, verriet schon sein Gesichtsausdruck, dass es keine Entscheidung geben würde. „Ich hatte es ihnen angekündigt – und so ist es auch gekommen. Wir haben alle Themen besprochen und werden heute nichts verkünden. Wir werden uns weiter mit dem Thema beschäftigen. Über den Zeitrahmen möchte ich mich nicht genau äußern. Wenn wir etwas zu verkünden haben, melden wir uns.“

Punkt.

Punkt? Mitnichten. Das Thema ist zu wichtig, um es in einem kurzen Statement abzuhandeln. Das weiß auch der Ratsvorsitzende. Und deshalb blieb er für uns noch für ein paar Fragen stehen. Ob es nicht wichtig wäre, das Thema des Ersten Vorsitzenden angesichts der bevorstehenden Saison schnell zu klären? Rieckhoff nickt. „Das ist richtig. Der Monat März bietet sich für die Entscheidung an. In dem Zeitraum müssen wir es auch einhalten können.“

Eine Entscheidung fällt also noch im März. In diesem Zeitrahmen hatte auch Trainer Armin Veh seinerseits ein klares Statement angekündigt. Weil er es von einem möglichen Verbleib Hoffmanns abhängig macht? Rieckhoff wollte sich diesbezüglich nicht äußern. Der Aufsichtsrat sei nicht in der Vorgesetztensituation für den Trainer. Das sei ein völlig separates Thema. Allerdings dürfte es für Veh, der ja auch seinerseits eine Option bis zum 31. Mai hat, seinen Vertrag zu kündigen, entscheidend sein, wer sein Vorgesetzter ist, wer es wird oder eben bleibt. „Ich will das nicht kommentieren“, so Rieckhoff kurz.

Dann wollten wir natürlich wissen, was überhaupt heute besprochen wurde. Neben der normalen Tagesordnung, die nach Rieckhoffs Statement noch einen Bericht des Vorstandes vorsah, waren mögliche neue Vorstandskandidaten kein Thema. Oder? Rieckhoff klar: „Nein.“ Ob der Zeitplan intern abgesteckt wurde? „In etwa.“ Ob es schon einen Termin für die nächste Sitzung gibt? Rieckhoff wieder klar: „Nein.“

Klar ist, dass sich die Räte nicht einig sind. Dem Vernehmen nach sollen sich deutlich mehr als die lange Zeit vermuteten vier Räte inzwischen gegen Hoffmann aussprechen. Ob Rieckhoff hofft, irgendwann eine einhellige Meinung im Zwölfer-Rat hofft? „Wir machen das in unserem stillen Kämmerlein. Ich gehe davon aus, dass wir dann irgendwann eine Lösung haben.“

Sollte er auch. Alles andere wäre eine Katastrophe. Eine noch größere, als wie in diesem Moment alle Entscheidungen erneut zu schieben. Zumal die sportliche Leitung – Trainer wie Spieler – auf eine Entscheidung drängen und von „Rumeiern“ sowie davon in sportlichen Entscheidungen „gelähmt“ zu sein sprechen.

Eine nachvollziehbare Position, wie ich finde. Selbst Spielerberater bestätigen mir, beim HSV derzeit keinen konkreten Ansprechpartner ausmachen zu können. Somit gehen dem HSV Spieler von der Stange, die interessant sein könnten. Eine Vermutung, die Rieckhoff vehement verneint. Oder es zumindest mit deutlichen Worten versucht: „Der HSV ist in dieser Zeit überhaupt nicht gelähmt. Alle sind an ihrem Arbeitsplatz. Die Spieler, der Trainer, der Vorstand und auch der Aufsichtsrat.“ Es würde ganz normal gearbeitet, so der Ratsvorsitzende. „Ich lege Wert auf die Feststellung, vom Vorstand werden alle Spielerverträge bearbeitet. Wir sind gar nicht gelähmt. Alles läuft seinen gewohnten Gang.“

Okay, was sonst soll Rieckhoff auch sagen? Er MUSS sich vor die Räte stellen, er MUSS alles positiv darstellen. Dieser Verein hat ein Problem – zumindest noch in diesem Monat. Deshalb spielen die Räte die Karte „sportlicher Erfolg schlägt alles“ aus und setzen weiter auf einen guten Rückrundenverlauf. „Ich glaube, dass wir jetzt eine sehr wichtige Phase vor uns haben. Und ich traue dieser Mannschaft. Ich traue dieser Mannschaft zu, dass wir alle Ziele erreichen werden. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir für die nächsten Aufgaben wohlgerüstet sind“, plädiert Rieckhoff für mehr Zeit, um dann dennoch zu sagen, das eine schnelle Entscheidung wichtig sei: „Das ist richtig. Das wäre sehr gut. Und ich bin optimistisch.“

Punkt. Mehr kam dann wirklich nicht.

Mehr gibt es aber dennoch zu sagen.

Denn: Wie kann der große Verein HSV funktionieren, wenn er seinen Obersten Entscheider nicht bestimmen kann. Es kann hier nicht mehr um die Person Bernd Hoffmann gehen, dessen Vita und dessen Arbeit ist zigfach in dem Rat ausdiskutiert worden. Über Hoffmann sowie natürlich seine Vorstandskollegin Katja Kraus sind alle Argumente ausgetauscht. Nein, das alles ist nicht gut. Das tut weder den betroffenen Personen gut, noch dem Verein an sich. Hier muss jetzt Klarheit geschaffen werden, um diese – auch das, was ich heute wieder schreiben musste – Diskussionen endlich abebben zu lassen. Deshalb bleibt die Frage: warum gibt es keine Entscheidung. Zumal auch klar ist, dass Hoffmann acht der zwölf Stimmen braucht. Alles andere würde bedeuten, dass er gehen muss. Es kann hier nur um Taktiererei innerhalb des Rates gehen, dass der eine den anderen vielleicht doch noch von seiner Position abbringen und umstimmen will.

Meine Vermutung ist, dass es hier einfach noch keine klare Mehrheit pro oder contra Bernd Hoffmann gibt. Es wird sogar über ein Verhältnis 6:6 gesprochen. Das wiederum würde zwar bedeuten, dass Hoffmann im Dezember gehen müsste, allerdings wäre der Verein dann wirklich gelähmt. Denn es würde ebenso bedeuten, dass Hoffmann seinen Vertrag als Erster Vorsitzender erfüllen soll. Pikanter Hintergrund: genau wie bei einer möglichen Bestätigung Hoffmanns bedarf es innerhalb des Rates einer Zweidrittelmehrheit (acht Stimmen), um Hoffmann vor Vertragsende abzusetzen.

Eine ganz schwierige Kiste, wie Ihr seht…

Leichter ist es da sportlich. Ich hatte Euch auch sportliche News versprochen, die ich angesichts der Themenlage kurz halten will. Frank Rost und Joris Mathijsen haben das heutige Training vorzeitig abgebrochen, sollen aber beide in den nächsten Tagen wieder voll mittrainieren. Heiko Westermann wurde mit einer leichten Zerrung geschont und Armin Veh betonte mal wieder, dass Eljero Elia sich mehr anbieten muss, um zu spielen. Das Tischtuch sei zwar lange nicht zerschnitten zwischen ihm und dem Niederländer, so Veh, „aber wenn er spielen will, muss er sich zerreißen, mir etwas anbieten. Er muss besser sein, als die, die mit ihm konkurrieren.“

Und dann, um uns den Abschied aus diesem Blog heute noch etwas angenehmer zu gestalten, als mit der schweren Kost der HSV-Bürokratie, haute Armin Veh heute Nachmittag noch ein Schmankerl raus. Er kenne Thomas Tuchel, den Trainer vom nächsten Gegner Mainz 05, noch aus Augsburger Zeiten. Den FSV-Coach habe er 1992 in die Ligamannschaft hochgezogen. Allerdings habe der heutige Shootingstar unter den Bundesligatrainern ein überschaubares Talent als Spieler gehabt. Und bei der letzten Trainertagung im Januar hatte Veh sich seinen einstigen Schützling zur Brust genommen: „Ich habe ihm gesagt, dass ich in der Rückrunde an ihm vorbeiziehen will Er ist zwar auch Augsburger – aber ich bin älter. Deshalb beanspruche ich den fünften Platz für uns.“

So einfach kann‘s sein. Oder eben nicht.

Egal wie, sollte noch was passieren, melde ich mich heute Nacht noch mal!

Ansonsten: Euch allen eine schöne Nacht und auf bald!

Scholle (immer noch hungrig)

Ihr habt alle auf einen neuen Blog gewartet – und ich muss Euch noch um ein wenig Geduld bitten. Ihr werdet leider noch ein wenig weiter warten müssen. Ich sitze gerade in der Raute, die für den öffentlichen Verkehr leider nichts mehr zu Essen anbietet. Der Koch muss seine Bahn kriegen. Verständlich – aber bitter für mich. Ebenso die Ansage des Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst Otto Rieckhoff, der beim Hineingehen in den abgesperrten Raum kurz an(drohte)sagte: “Es war nie Sinn und Zweck, das Thema so konkret zu besprechen. Wir werden definitiv keine Beschlüsse fassen und deshalb auch nichts sagen.” Dafür beraten sich die zwölf – nein besser: zehn Kontrolleure (Karan und Krug fehlen entschuldigt) bei Rinderroulade und Rotkohl über die Zukunft des HSV-Vorstandes. Worüber sie beraten und ob am Ende doch ein Ergebnis dabei herausspringt, berichte ich Euch nachher live vor Ort. Dazu erhaltet Ihr die heute wenigen sportlichen Neuigkeiten des Tages. Später als sonst – dafür aber kompakt…

In diesem Sinne – bis später.

Euer hungriger Scholle