Tagesarchiv für den 27. Februar 2011

Der HSV bald auf Dortmunds Spuren . . .

27. Februar 2011

Armin Veh geht, Armin Veh bleibt, Veh hat keine Lust mehr auf diese Eierei, Veh bleibt, Veh geht – ja was denn nun? Ich weiß es doch auch nicht. Weil alle nur noch rumeiern. Der Trainer selbst, die Verantwortlichen des HSV schon lange. Und, so die offizielle Version, so soll es ja auch noch zwei, drei Wochen weitergehen. Nichts Genaues weiß man nicht. Falls mich jemand fragt, denke ich mir eine Antwort immer mit dem Bauch aus: Armin Veh bleibt bis zum Saisonende, denn der HSV steht zurzeit auf Platz sechs, hat Platz fünf noch in Blickweite. Warum also jetzt den Trainer vor die Tür setzen? Aber am Saisonende, da wird Veh, und da vertraue ich nur meinem Bauch, Abschied nehmen von Hamburg.

Was ich nach wie vor nicht begrüße, aber das steht auf einem ganz anderen Papier. Armin Veh ist wahrscheinlich zum schlechtesten Zeitpunkt zum HSV gekommen, den ein Trainer sich nur aussuchen konnte, doch darüber habe ich bereits genügend Texte verfasst . . .

Wobei ich beim Thema Team mit Geist angekommen bin. Und bei „richtigem“ Fußball. War das nicht eine Wucht, wie Dortmund die Bayern entzaubert hat? Unglaublich. Ich kann mich nicht erinnern, dass der Rekordmeister auf eigener Anlage jemals so von einem deutschen Gegner so beherrscht, teilweise sogar vorgeführt worden ist. Warum ich das hier erwähne? Nicht, weil ich eine vielleicht gerade verheilte Wunde wieder aufreißen will (BVB – HSV). Es ist vielmehr die Tatsache, dass der HSV in diesem Sommer genau jenen Dortmunder Weg einschlagen wird (und muss), den auch die Borussia ging. Die Dortmunder waren doch unter der Führung Niebaum/Mieer finanziell mausetot, nachdem sie jahrelang „Millionenden“ zum Fenster hinausgeschmissen hatten. Und nun diese Wandlung – unfassbar!

Ihr werdet es aber erleben, dass der HSV nach dieser Saison auf den Spuren der Borussia wandelt. Ihr werdet es erleben, ganz sicher. Ich vertraue dabei vor allem dem neuen Sportchef Frank Arnesen. Der soll seine Hauptaufgabe in den vergangenen Jahren ja auch darin gehabt haben, beide Augen auf die Jugend zu richten. Nun wurde hier (bei Matz ab) ja schon genug gemault, dass bei Chelsea nie auch nur ein eigener Nachwuchsspieler das Licht der Premier League erblickt hat – was ja auch stimmen mag. Dennoch weiß ich aus berufenem Munde, dass Arnesen sich gerade im Nachwuchsbereich, und zwar im europäischen (!), bestens und überragend auskennt. Und deshalb muss der Däne dem HSV ganz einfach genügend junge Talente anschleppen – die in den letzten Jahren eben nicht in (und nach) Hamburg angeschleppt wurden. Der HSV muss doch mal in der Lage sein, kontinuierlich eigene Spieler an die Erste Liga heranzuführen. Herr Arnesen, übernehmen Sie! Sie sind im Prinzip meine letzte Hoffnung – nachdem es schon seit Jahrzehnten nicht geklappt hat.

Zur Erinnerung: Bei Dortmund spielt ein 18-jähriges Talent namens Mario Götze. Jetzt schon A-Nationalspieler. Der kam 2001 (!) von Eintracht Hombruch zur Borussia. Und: Es spielt für Schwarz-Gelb auch ein Mann namens Kevin Großkreutz. Der ist erst 22 Jahre alt, wurde auch schon A-Nationalspieler (lief und arbeitete gestern, ganz nebenbei, einen Mann namens Lahm in Grund und Boden) und kam nicht etwa von Inter Mailand. Auch nicht vom FC Barcelona. Er kam von Rot-Weiß Ahlen, und zwar im Jahre 2009. Nuri Sahin (22), der BVB-Kapitän, wurde auch von Dortmund entdeckt, und zwar beim „Welt-Verein“ RSV Meinerzhagen. Sven Bender (21) kam von München 1860, Marcel Schmelzer (23) vom 1. FC Magdeburg, der 22-jährige Torwart Mitchell Langerak, der gegen die Bayern völlig unaufgeregt seine Bundesliga-Premiere gab, wurde vom „Weltklasse-Klub“ Melbourne Victory verpflichtet, Stürmer Robert Lewandowski (22) kam von Lech Posen, wurde hierzulande einigen Erstliga-Klubs wie Sauerbier angeboten, bevor der BVB zugriff. Von dem Japaner Shinji Kagawa und dem Paraguayer Lucas Barrios einmal ganz abgesehen.

All diese Namen machen mir Hoffnung, dass der HSV diesen Weg auch einschlagen – und sich so an den eigenen Haaren aus dem Sumpfe ziehen wird. Und mal ehrlich: Ist ein solcher Fußball, den die Borussia in dieser Saison bietet, nicht einfach nur herrlich anzusehen? „Ich bin gespannt, ob diese junge Truppe dieses Tempo auch in der zweiten Halbzeit noch gehen kann – und wird“, hatte die Lichtgestalt Franz Beckenbauer zur Pause in München gefragt. Nach einer weiteren Stunde war er schlauer: Dortmund konnte dieses Tempo gehen. Die laufen nicht nur alle, die sprinten sogar. Die rasen wie die Hasen, die geben wie von Sinnen alles. Klasse. Einen solchen Überflieger-Fußball spielt in Deutschland nur Dortmund. Und wer auch immer von den jungen Kerlen nach dem Spiel gefragt wird, wieso das so ist, dann wird nur darauf verwiesen: „Wir sind ein Team, wir sind alle befreundet, hier kämpft jeder für jeden, wir verstehen uns auf dem Platz und im Alltag bestens.“ Das sagt jeder. Und ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass es nicht stimmt. Da passt einfach alles. So muss Fußball aussehen. Und wenn ich mir vorstelle, dass so auch bald der HSV . . . Sensationell, diese Vorstellung.

Fußball ist ja ein Laufspiel . . . Und auch in diesem Punkt gibt es beim HSV einigen Nachholbedarf. In Kaiserslautern klafften mir oft zu riesige Lücken zwischen Defensive und Offensive, da wurde auch nicht entschlossen nachgerückt, als der HSV nach der Pause am Drücker war. Aber liegt das nur am Alter der Spieler? Wenn das so einfach wäre, dann würden doch alle Vereine mit einem Talentschuppen a la Dortmund spielen. Wenn ich nur daran denke, dass beim BVB ein Robben nicht nur gedoppelt, sondern oftmals auch mit gleich drei Leuten bewacht wurde, die dann bei Balleroberung alle auch blitzartig umschalteten, dann wissen wohl alle in Hamburg, woran es hapert, woran hart gearbeitet werden müsste.

Aber nun weg vom kommenden Meister. Der HSV hat noch alle Chancen, ins internationale Geschäft zu kommen, es stehen noch zehn Spiele auf dem Programm. Wobei die nächsten beiden Partien nicht ganz so einfach werden, denn zu Hause gegen Mainz wird es schon ganz, ganz schwer. Und gerade diese Begegnung müsste der HSV schon gewinnen, um sich die Chance zu erhalten. Danach geht es zum FC Bayern, und dort zu gewinnen – schafft bekanntlich nicht jeder. Da aber die Mannschaft inzwischen selbst davon überzeugt ist, dass sie sich in diesem Jahr auf dem Wege der Besserung befindet, sollte sie es in den kommenden beiden Spielen mal unter Beweis stellen, dass es tatsächlich so ist – und dass das nicht nur hohle Worte sind.

Gespannt bin ich, wohin nun der Weg von Piotr Trochowski führen wird. Ob er sich noch einmal durch gute Trainingsleistung in die Startelf spielen kann? Ob er von der Bank aus kommend auf sich aufmerksam machen kann? Oder ob er künftig keine Berücksichtigung mehr finden wird? Ich gebe allen seinen (und meinen) Kritikern gegenüber zu, dass „Troche“ in Kaiserslautern kein Bein vor das nächste gesetzt hat. Das war gar nichts, das war ganz schwach. Er sollte eigentlich „rechtsdraußen“ spielen, hielt sich verstärkt aber in der Mitte auf. Es spricht für Armin Veh, dass er Trochowski nach dem Schlusspfiff nicht in Grund und Boden rammte (verbal natürlich nur), sondern nur eine sehr moderate Kritik äußerte. Der Spieler selbst wird wohl wissen, dass das nicht sein Tag gewesen ist. Wobei ich deutlich sage: schade. Für Trochowski selbst – und auch für mich.

Themawechsel. Während ich schreibe, läuft das Spiel Frankfurt – Stuttgart nebenbei. VfB-Spieler Delpierre wurde vom Platz gestellt, nachdem er den Frankfurter Provokateur Maik Franz umgeschubst hat. Das war Rot, klare Sache, aber dass ein Mann wie Wolfgang Stark immer noch nicht weiß, was dieser Franz auf dem Platz alles anstellt, dass niemand ihn nur aus heiterem Himmel umschubst, das kann ich nicht begreifen, das will mir auch nicht in den Kopf. So allmählich müssten doch alle Schiedsrichter wissen, was da abgeht – mit Franz. Der hatte, als der Ball vor einem Freistoß ruhte, dem VfB-Kapitän Delpierre – natürlich total unabsichtlich – auf den Fuß getreten. Übel, ganz, ganz übel, dass das ein so erfahrenes Gespann nicht sieht. Und sogar erst noch den falschen Spieler (Khalid Boulahrouz) vom Platz stellt. Ich wäre übrigens sehr gerne bereit, den Schiedsrichtern ein Videoband mit jenen Franz-Methoden zusammen zu schneiden, wie dieser Herr schon seit Jahren schauspielert und provoziert. Die Unparteiischen beeindrucken doch vor jeder Saison mit solchen Videobändern (bei allen Profi-Klubs werden diese vorgestellt), auf den klassische Fouls zu sehen sind. Warum nicht auch solche Dinge?

Zurück zum HSV. Über den Acker in der Pfalz haben sich alle aufgeregt. Und in der Tat, so etwas geht gar nicht. Ich kann mich erinnern, als der damalige HSV-Vorstands-Boss Werner Hackmann mal dabei war, als der Rasen in der Arena gewechselt wurde, da standen wir am Rande und er sagte zu mir: „In einigen Jahren wird hier Kunstrasen verlegt, da bin ich mir ganz, ganz sicher.“ Er hat es nicht mehr erlebt, aber wie lange wird es noch dauern? Weil ich dazu heute aus Richtung Geesthacht gefragt wurde, wie es sich mit dem Rasen und dem Kunstrasen verhält, hier die DFB-Geschichte dazu:

DURCHFÜHRUNGSBESTIMMUNGEN ZUR SPIELORDNUNG

ALLGEMEINER TEIL 1. Spielfeld und Stadion §1
Platzanlage
Jeder Verein hat die Pflicht, eine ordnungsgemäße Sportplatzanlage zur Verfügung zu stellen und dafür zu sorgen, dass die während eines Spieles auftretenden Schäden am Spielfeldaufbau unverzüglich behoben werden können. Dies gilt insbesondere auch für beschädigte Tore.
Der Spielfeldaufbau erfolgt nach den geltenden Bestimmungen der Fußball- Regeln (Regel 1) und ist daher von Werbung durch Dritte freizuhalten. Über Ausnahmen befindet der DFB.
§2
Platzsperre
Wird gegen einen Verein eine Platzsperre verhängt, so sind die in die Sperrzeit fallenden Heimspiele auf einem Platz auszutragen, der mindestens 30 Kilometer entfernt liegt und nicht ebenfalls einer Platzsperre unterworfen ist.
Erzielt der Verein, gegen den eine Platzsperre verhängt ist, gegenüber den möglichen Einkünften auf seiner Platzanlage Mehreinnahmen, sind diese ab- zuführen. Über die Verwendung entscheidet das Präsidium des DFB.
§3
Spielfläche
Das Spielfeld der Sportplatzanlage muss eine Naturrasen-Spielfläche haben. Die Spielfeldabmessung muss 105 Meter x 68 Meter betragen. Der DFB-Spielausschuss kann innerhalb folgender Bandbreite Ausnahmen bewilligen: Länge zwischen 100 Meter und 110 Meter, Breite zwischen 64 Meter und 75 Meter. Außerhalb der Begrenzungslinien des Spielfelds soll eine mindestens 1,5 Meter breite Grasnarbe oder Kunstrasenfläche vorhanden sein. Der ganze Spielfeld- bereich soll 120 Meter x 80 Meter betragen.
Bei Bundesspielen der Junioren und Juniorinnen und der 2. Frauen-Bundesliga ist als Ausweichplatz ein Kunstrasenplatz zulässig, der den Abmessungen von Absatz 1 entsprechen muss.

So, das war die offizielle Version in Sachen Rasen. Wir ein neuer Natur-Rasen verlegt, kostet das den Vereinen in der Regel um die 100 000 Euro.

Da der HSV erst am Sonntag auf Mainz 05 treffen wird, hatte die Mannschaft heute einen freien Tag – und auch der Montag ist noch frei. Weiter geht es am Dienstag um 10 Uhr im Volkspark. Auf Natur-Rasen.

17.03 Uhr