Tagesarchiv für den 24. Februar 2011

Westermann: “Mit Erfolg läuft es immer besser”

24. Februar 2011

Der HSV ist mal wieder dran. Nicht mal wieder dran zu verlieren, sondern mit einem Sieg die Ambitionen auf einen internationalen Startplatz zu untermauern. Und was war in der Vergangenheit, wenn der HSV mal wieder ganz nah dran war? Genau. Nürnberg und St. Pauli lassen grüßen. Jetzt, vor dem Gastspiel beim 1. FC Kaiserslautern, ist der HSV wieder mal dran – und deswegen wäre ein Auswärtssieg auch endlich einmal die passende Antwort. Obwohl Kapitän Heiko Westermann schon relativierte: „Ich habe bei den beiden Niederlagen in der Rückrunde nicht gesehen, dass wir eingebrochen wären. Das sind wir nämlich nicht. Wir werden sicher nicht alle Spiele gewinnen, aber wir werden mit diesem Zusammenhalt überwiegend die meisten Spiele gewinnen, und dann bin ich davon überzeugt, dass wir am Ende doch Platz fünf erreichen. Und ein Sieg auf dem Betzenberg würde für uns ein enormer Schritt nach vorne sein.“

Würde. Aber ist es gerade in diesen Tagen nicht für einen Auswärtssieg doch ein wenig zu unruhig? Die T-Frage steht immer mehr im Mittelpunkt des Interesses, und so etwas könnte letztlich auch die Mannschaft beschäftigen und in ihrem Spiel beeinträchtigen. Was wird aus Armin Veh? Viele hatten ja erwartungsfroh gehofft, dass der Trainer sich heute erklären würde, aber das geschah nicht. Obwohl Veh (natürlich) nach seiner sportlichen Zukunft befragt worden ist. Weil er ja öffentlich erklärt hatte, dass er „keine Lust mehr auf diese Eierei“ habe. Heute sagte Armin Veh vielsagend: „Man muss immer im Gespräch sein, das habe ich anscheinend geschafft. Na ja, dass ich immer das erfahre, was andere schon wissen – das ist ja auch schön.“ Weiter führte der Coach aus: „So, wie es zurzeit ist, so habe ich es gestern gesagt. Es ist noch nichts entschieden.“ Und: „Wir könnten mit den Gesprächen natürlich noch warten bis Mai . . . Aber wir werden in der nächsten Zeit, zeitnah, Gespräche führen, und dann werden wir mal sehen, was dabei rauskommt.“

Die Zukunft des Trainers bleibt also ungewiss. Wird dieses Vakuum aber der Mannschaft gut tun? Heiko Westermann sagt diplomatisch: „Herr Veh ist auf jeden Fall noch bis Juli hier, wir bleiben alle noch bis Juli zusammen, von daher werden wir alle Gas geben bis Juli, und dann werden wir sehen, was dabei rauskommt.“ So ist es doch. Profihaft auf jeden Fall. Zu einem eventuellen Verbleib des Trainers sagt Heiko Westermann noch: „Nicht nur ich interessiere mich dafür, ob der Coach bleibt, das möchte doch jeder wissen. Es wäre schon wichtig, da eine gewisse Kontinuität hinein zu kriegen – die Philosophie, dass man auf dieser Position mehrere Jahre Kontinuität hat, und dann denke ich schon, dass wir dann Erfolg haben.“ Alles hängt letztlich vom Erfolg ab, und den sieht Westermann jetzt.

Aber egal wie es mit Armin Veh weitergehen oder auch ausgehen wird, es scheint doch so, dass beim HSV keine Ruhe einkehren wird. Um es mit „Lotto King Karl“ zu sagen (so ein Lied von ihm): „Irgendwas ist ja immer . . .“ Und Ruhe? Zu diesem Thema hat selbst Westermann seine eigene Meinung: „Was heißt Ruhe? Beim HSV ist, seit ich hier bin, noch keine Ruhe eingekehrt. Wir konzentrieren uns aber auf unsere Sachen, wir denken von Spiel zu Spiel – alles andere können wir ohnehin nicht beeinflussen.“

Was aber beeinflusst werden kann, das ist die Leistung, die in den Spielen abgerufen wird. Und das sah zuletzt stabiler und konzentrierter aus – trotz der zwei Niederlagen. Wie es scheint, gibt es auch ein Umdenken innerhalb der Mannschaft, es sieht allmählich doch so aus, als dass aus diesem Kader doch noch eine Einheit werden könnte. Was auch Westermann so sieht, denn er sagt: „Ich habe das Gefühl, dass es seit der Rückrunde anders läuft bei uns als zuvor. Man sieht ja auch daran, dass wir oft ohne Gegentore geblieben sind, dass das der Schlüssel für unseren Erfolg ist. Wir stehen hinten gut, und vorne können wir immer unser Tor machen.“ Und zur mannschaftlichen Geschlossenheit? Westermann: „Ich denke, dass wir im taktischen Bereich einen Schritt weiter sind. Jeder weiß, was er zu tun hat, die Aufgabenverteilung stimmt.“ Und der zwischenmenschliche Bereich? Der Kapitän: „Da hatten wir nie Probleme.“

Das kann man so oder auch so sehen. Viele haben es so gesehen, dass sich diese Mannschaft einfach gewehrt hat, eine Mannschaft zu werden. Und das haben auch Spieler oft genug so gesehen und gesagt. Wenn Heiko Westermann es nun anders sieht (und sagt), dann mag das auch damit zusammenhängen, dass er keinen Blick mehr zurück werfen möchte. Schnee von gestern. Seine Erklärung für die Mannschaft als Mannschaft: „Es kommt natürlich hinzu, dass es Erfolge gibt. Und hat man Erfolge, dann läuft es immer besser, dann wird auch das Verhältnis untereinander besser.“

Genau das ist dann (oder jetzt) in den Spielen erkennbar. Die HSV-Mannschaft arbeitet jetzt konzentrierter und disziplinierter nach hinten. Westermann: „Jetzt sind bei uns fast alle Spieler fit, wir haben ziemlich hart trainiert, wir sind fitter, wir können diese langen Wege auch machen, wir sind taktisch besser drauf, weil alle da sind – das ist das Wichtigste. In der Vorrunde haben wir oft versucht, klein-klein gespielt, da haben wir oft die Gegentore gefangen – das machen wir nun nicht mehr.“ Und: „Man sieht in der Bundesliga doch immer mehr, dass je besser man umschaltet, desto besser ist man. Das machen wir zurzeit gut, deswegen holen wir nun unsere Punkte.“

Heiko Westermann hat ja bekanntlich David Jarolim nun bereits zum zweiten Mal verdrängt. Erst als Kapitän, nun auf der Sechs. Westermanns Kommentar: „Wir sitzen alle in einem Boot, es ist die Entscheidung des Trainers, und ich versuche, auf dieser Position so gut wie möglich zu spielen. Und wenn es für die Mannschaft das Beste ist, dass ich dort spiele, dann soll es eben so sein.“ Generell befindet er: „Ich möchte zentral spielen, dass kann ich als Innenverteidiger und auf der Sechs. Beide Positionen sind artverwandt.“ Abschließend sagt der ehemalige Schalker: „Wichtig ist doch, dass wir alle zusammenhalten, und das es keinen Riss in der Mannschaft gibt.“ Das scheint im Moment noch so zu sein.

Zum Kaiserslautern-Spiel wird Armin Veh wohl seine Mannschaft personell (gegenüber dem 4:0 gegen Werder) verändern. Links ist Marcell Jansen angedacht, rechts Piotr Trochowski. Letzterer wird viele (hier, bei Matz ab, wohl 50 Prozent) überraschen. Veh über „Troche“: „Auf der Sechs ist es ganz einfach schwer, da jetzt ja noch Westermann dazu gekommen ist, zu David Jarolim und Ze Roberto. Und auf der Zehn ist es so, dass wir da ja mit einem zweiten Stürmer spielen. Dann bleibt eigentlich nur die Außenposition, die ja nicht unbedingt seine Position ist.“ Dann sagt Veh aber noch: „Was Troche aber immer macht, und ich habe es nicht einmal umgekehrt erlebt, er gibt niemals auf, er lässt es auch nie ruhiger angehen. Er ist fleißig, und wenn einer fleißig ist, dann ist er bei mir auch nicht weg. Deshalb kann es am Sonnabend durchaus sein, dass er von Anfang an spielt.“ Ein Hammer. Mit Piotr Trochowski gegen Kaiserslautern?! Veh: „Wenn ich ihn aufstelle, dann weiß ich, dass er sich reinhängt, dass er nicht aufgibt – das gefällt mir. Das ist der Unterschied zu dem einen oder dem anderen. Wenn einer sich im Training aber so anbietet, dann hat er bei mir immer eine Chance.“

Eljero Elia zum Beispiel hat im Moment nicht die besten Chancen. Es ist aber schon komisch zu sehen, wie Elia, Jarolim oder auch Ruud van Nistelrooy zu den Reservisten gehen, wenn die Mannschaft, so wie heute, getrennt wird. Dabei bin ich noch kurz im Training. Bei der heutigen Einheit wurde viel geflankt und geköpft. Das sah u. a. so aus: Ein Tor stand da, wo es immer steht (auf der Torauslinie), das andere stand gegenüber auf der Strafraumlinie. Gehütet von Frank Rost und Jaroslav Drobny. Im Feld (im dann nur noch kleinen Feld) standen sich mal jeweils fünf und auch später jeweils vier Spieler gegenüber. Von den Außenpositionen flankten Marcell Jansen, Jonathan Pitroipa, Trochowski und Elia. Mein Eindruck: Obwohl es Plustemperaturen gab, fröstelte es einigen doch sehr. Man glaubt ja gar nicht, wie schlecht auch Profi-Fußballer flanken können. Vornehmlich Elia und auch Jansen. Pitroipa war ganz gut, der Nationalspieler a. D. namens T. auch . . . In der Mitte wurden dann nach Herzenslust geköpft, es gab luftige Duelle noch und nöcher. Wobei mir Mladen Petric am besten gefiel. Viel Lob heimste auch Muhamed Besic ein – von Rost nämlich. Die Kopfbälle des Nachwuchsspielers sahen teilweise sehr gut aus.

Kurz vor Ende der Einheit spielten dann noch einmal sieben gegen vier. Die vier: Guy Demel, Gojko Kacar, Joris Mathijsen und Dennis Aogo. Die sieben: Ze Roberto, Westermann, Pitroipa, Jansen, Trochowski, Petric und Guerrero. Und zehn Minuten vor dem Ende wurden dann noch Flanken von links und rechts vor das Tor gebracht – und Schluss.

17.29 Uhr