Tagesarchiv für den 21. Februar 2011

Was wird aus dem Duo Hoffmann/Kraus?

21. Februar 2011

Die wichtigste Baustelle ist geschlossen worden. Ein Sportchef wurde gefunden – und sogar unter Vertrag genommen! Kompliment dem Aufsichtsrats-Vorsitzenden Ernst-Otto Rieckhoff, der das – im Zusammenspiel mit den Räten und vornehmlich Bernd Hoffmann – endlich geschafft hat. Eine Ära und eine neue Kultur des bislang viel gescholtenen Kontrollgremiums? Es ist zu hoffen. Arnesen fängt zwar erst im Sommer an, aber das heißt nicht, dass er bis dahin nicht im Sinne des HSV denkt – und tätig ist. Der Mann weiß, wo in Hamburg der Hebel angesetzt werden muss, und er wird dementsprechend auch schon früher zur Sache gehen. Nach wie vor gibt es nämlich genügend Baustellen, die von Arnesen beackert werden müssen. Und zwar schnellstens, denn andere Vereine haben bereits alle Weichen für die Zukunft und die nächste Saison gestellt, der HSV hinkt diesbezüglich noch ein wenig hinterher.

Die größte Baustelle, die jetzt eigentlich ganz dringend geschlossen werden müsste, ist die des Vorstandes. Was wird auf Bernd Hoffmann, was aus Katja Kraus? Ihre Verträge laufen zum Jahresende aus, nun sollte demnächst und zeitnah eine Entscheidung getroffen werden, ob es mit ihnen weitergeht, oder ob es zum Jahre 2012 einen neuen Vorstand geben wird. Vor der Aufsichtsratswahl vor einigen Wochen standen die Zeichen für eine Vertragsverlängerung ja eher auf Sturm, das heißt, der HSV (-Aufsichtsrat) würde die Zusammenarbeit mit dem Duo Hoffmann/Kraus wohl beenden. Nach der Wahl hatte ich aber das Bauchgefühl, dass die Leute, die aus der „Opposition“ in den Kreis der Räte gewählt wurden (und die eher als Hoffmann-„Gegner“ galten), keine ganz so harte Linie mehr verfolgen würden. Wie gesagt, ein Bauchgefühl, mehr nicht. Wie es wird, wenn es darauf ankommt, bleibt abzuwarten. Ich gehe aber zum jetzigen Zeitpunkt schon davon aus, dass mit Hoffmann/Kraus doch wieder verlängert wird.

Auch schon deshalb, weil damit erstens Kontinuität gewahrt werden würde, und weil zweitens die Position des Vorstandsvorsitzenden ja doch erheblich an Gewicht verloren hat – durch Frank Arnesen. Der Däne ist vom Sommer 2011 an der neue große starke Mann des HSV, er allein (mit seinem Team) wird die Verantwortung im sportlichen Bereich tragen, und genau das ist es ja, was viele (die meisten) HSV-Mitglieder und auch die Fans wollten. Es wird wahrscheinlich auch in Zukunft noch den einen oder anderen Alleingang geben (so wie es Hoffmann oft nachgesagt wurde), aber dann einzig und allein von Frank Arnesen. Und der Mann, das weiß ich aus Gesprächen mit mehreren Experten, der hat es tatsächlich drauf. Der ehemalige dänische Nationalspieler kennt sich nicht nur bestens im Welt-Fußball aus, er kennt auch die Bundesliga ganz genau (obwohl er noch nie hier tätig war) – und er kennt beinahe jedes Talent in Europa mit Namen. Nachwuchsarbeit war eine Hauptbetätigung von ihm. Und gerade auf diesem Sektor schwärmen sie alle geradezu von ihm. Da kommt, wenn mich nicht alles täuscht, etwas ganz Großes auf den HSV zu.

Und gerade die Tatsache spricht ja auch für Bernd Hoffmanns Bleiben, denn: Jahrelang wurde dem Boss vorgeworfen, er würde keinen starken Mann an seiner Seite dulden. Auch ich habe das oft genug und lange geglaubt. vielleicht war ja auch etwas Wahres daran – bis Hoffmann selbst gemerkt hat, dass er ganz dringend einen Fußball-Experten an seiner Seite benötigt. Spätestens zu dem Zeitpunkt, als Matthias Sammer verpflichtet werden sollte, war der lange erhobene Vorwurf an Hoffmann aber haltlos, denn Sammer wäre gewiss kein Mann gewesen, der sich vom Vorstandsboss in den sportlichen Bereich hätte hineinreden lassen. Und genau das trifft auch auf Arnesen zu. Der Däne den Sport (und das ist und bleibt die Nummer eins), Hoffmann die Wirtschaft – so könnte es doch gehen.

Aber dazu sollte in naher Zukunft die Entscheidung der Räte erfolgen: Pro Hoffmann, contra Hoffmann? Damit alle wissen, wie die Zukunft des HSV aussieht. Denn es gibt ja auch Baustellen im Bundesliga-Bereich – und auch darunter. Was wird zum Beispiel aus den Siegenthaler-Leuten in Ochsenzoll? Die Crew um Paul Meier ist gerade erst installiert worden, aber wird sie von Frank Arnesen auch übernommen? Der Däne will sich darüber erst dann ein Bild verschaffen, wenn er seine Arbeit in Hamburg aufgenommen hat. Und dann wird entschieden, wer bleiben darf und wer gehen muss. Immerhin ist es nicht so, dass Arnesen aus der Ferne schon den Daumen senkt – oder hebt. Er verschafft sich erst einen Ein- und Überblick, und genau das ist der richtige Weg.

Etwas eher aber sollten die personellen Probleme rund um die Bundesliga-Mannschaft schon angepackt und gelöst werden. Was wird aus Frank Rost, dessen Vertrag ausläuft? Was wird aus Ze Roberto, dessen Vertrag ebenfalls ausläuft? Was geschieht mit Eljero Elia, der zwar in seiner Nationalmannschaft spielt und hin und wieder dabei glänzt, der in Hamburg aber keinen Fuß vor den anderen bringt? Und was wird auch aus Piotr Trochowski, dessen Kontrakt mit dem HSV auch im Sommer enden wird. Um „Troche“ tut es mir wirklich leid. Ich weiß, dass ich damit nicht jedermanns Geschmack treffe, trotz allem schreibe ich es. Denn es ist doch so: Trochowski war in der Hinrunde Stammspieler, er hat, auch wenn das nicht alle so sehen, als einer der wenigen HSV-Profis konstant seine Leistung gebracht. Nicht immer gut, aber auch nicht vorwiegend schlecht. Und auf seine Kreisel, die ihm immer vorgeworfen wurden, hatte er seit diesem Herbst fast komplett verzichtet – weil er sein Spiel umgestellt hatte.

Mit dem (ehemaligen) Sportchef Bastian Reinhardt gab es um die Jahreswende ja schon erste Gespräche, aber es gab kein Vorankommen. Und nun dürfte Frank Arnesen gefragt sein. Ganz sicher kennt er Trochowski und dessen Spiel, und er wird sich gewiss auch schon Gedanken über die Trochowski-Zukunft gemacht haben. Von den HSV-Verantwortlichen war in den letzten Jahren immer wieder zu hören, dass Piotr Trochowski die in ihn gesetzten Erwartungen noch lange nicht erfüllt hat, die Frage ist nun, ob er die nächste Chance bekommt, es noch einmal zu versuchen. Ganz sicher würde aber dazu auch gehören, dass er einen Trainer hat (oder bekommt), der ihm das Vertrauen schenkt. Und im Moment hat „Troche“ ohnehin nur dann eine Chance auf Bewährung, wenn der eine oder andere Mittefeldspieler ausfallen sollte. Wobei Armin Veh wohl ganz von ihm abgerückt ist, denn gegen Werder gab es trotz einer klaren Führung nur zwei Aus- und Einwechselungen, es kamen Ben-Hatira und Tesche – Trochowski aber schmorte weiter und bis zum Ende auf der Bank. Ein klares Zeichen, dass er bei Armin Veh keine Chance mehr hat?

Auf jeden Fall ist es so, dass Trochowski niemals bei einem Trainer darum betteln würde, dass er mal wieder eingesetzt wird. Der Nationalspieler a. D. ist keiner, der seinem Vorgesetzten sonst wo hinein kriecht, noch ist er ein Schleimer. Und das ist auch gut so. Wäre es anders, so würde er bei mir (und sicher nicht nur bei mir) viel verlieren.

Ähnlich verhält es sich mit David Jarolim, der sich nun an fünf Fingern ausrechnen kann, dass er kaum noch einmal zum Stammpersonal (also Anfangsformation) gehören wird. Dazu waren die Aussagen des Trainers nach dem 4:0-Sieg über Werder zu eindeutig. Heiko Westermann und Ze Roberto sind die (neun) Sechser, für „Jaro“ bleibt – so lange sich keiner verletzt oder gesperrt ist – nur die Bank. Und das wird der ehemalige HSV-Kapitän ganz sicher auf Dauer nicht ertragen wollen. Er ist dann mal weg – im Sommer.

Wie ja auch garantiert schon Ruud van Nistelrooy. Was ich menschlich sehr bedauere, was sportlich aber durchaus vertretbar ist. Zumal das Werder-Spiel eines ganz deutlich gezeigt hat (mir jedenfalls): Im HSV-Angriff kann es nur einen von diesen zwei Spitzen geben: „RvN“ oder Mladen Petric. Letzterer blühte doch beim Sieg am Sonnabend ganz groß auf. Nach durchwachsenem Beginn war der Kroate nicht nur der dominierende Mann in der HSV-Offensive, er untermauerte sein großartiges Spiel auch mit einer Leistung, die aus einer Mischung von Lust, Spaß, Willen und Leidenschaft bestand. Spätestens nach seinem Treffer zum 1:0 war Petric nicht mehr zu halten, und eine solche Leistung habe ich zuletzt bei ihm gesehen, als Ruud van Nistelrooy noch nicht beim HSV unter Vertrag stand . . . Mladen Petric wirkte wie befreit, und er weiß, dass wenn er solche Leistungen bringt, alle Fans nur auf ihn blicken. Das genießt er – und das braucht er auch irgendwie für sein Spiel. Es ist ja nicht zum Nachteil für den HSV, es ist das Gegenteil.

Training am Dienstag zweimal: 10 und 15 Uhr im Volkspark.

16.26 Uhr