Tagesarchiv für den 12. Februar 2011

1:0 in Wolfsburg – da geht noch was!

12. Februar 2011

Der HSV meldet sich zurück. Und zwar mit einer sehr guten Leistung und einem 1:0-Sieg beim VfL Wolfsburg. Das Unternehmen „neun Punkte“ ist damit sehr erfolgreich gestartet worden, das Derby kann kommen – und danach auch Werder Bremen. Auch wenn das Tor per Foulelfmeter erzielt wurde, so war dieser Auswärtssieg absolut verdient, es konnte nach 90 Minuten nur den Sieger HSV geben. Die Aufholjagd hat begonnen, jetzt muss „nur“ noch nachgelegt werden. Ein höchst erfreulicher Sonnabend, dieser 12. Februar 2011.

So allmählich kommt Armin Veh (und der HSV) der Wunsch-Formation, die vor der Saison durch die Köpfe fast aller Fans und Experten geisterte, näher. Und wenn dann zu bedenken ist, dass Könner wie Paolo Guerrero, Piotr Trochowski, Eljero Elia und auch Jonathan Pitroipa draußen sitzen, dann kann der geneigte Hamburger Anhänger hoffen, dass es personell keine weiteren Rückschläge mehr gibt. Diese Vorstellung sah nach Fußball aus. Natürlich scheint der VfL Wolfsburg verunsichert, natürlich griff bei den Niedersachsen nicht ein Rädchen in das nächste, aber ein Trainerwechsel sorgt meistens für Bewegung, und das hat der HSV diesmal sehr gut abgefangen.

Nach vorne waren immer einige Hamburger in Bewegung, noch besser lief es aber nach hinten, denn da machten sie dann alle mit. Die Räume wurden gut zugestellt, die Zweikämpfe angenommen und meistens gewonnen, zudem klappte das Umschalten sehr gut, insbesondere Ze Roberto schaltete einige Male blitzschnell um.

Nach acht Minuten kam der HSV, der das Geschehen bis dahin offen halten konnte, besser ins Spiel. Der Ball wurde lange in den eigenen Reihen gehalten, es wurde diszipliniert, konzentriert und souverän gespielt – das lief fast im Stile einer Heimmannschaft. Wolfsburger Tormöglichkeiten blieben vor der Pause Mangelware, erst ein Zufallsprodukt, als Änis Ben-Hatira einen Ball zurückköpfte und Guy Demel die Kugel nicht mehr kontrollieren konnte (was auch schwer genug war), stand Grafite erstmals im Blickpunkt. Den Schuss des Brasilianers hielt Frank Rost aber sensationell, statt 1:1 nur Eckball für die Wölfe.

Völlig berechtigt hieß es zur Pause 1:0 für den HSV. Die einzige Szene, die bis dahin Ruud van Nistelrooy hatte, führte zur Führung. Der Niederländer bediente seinen Nebenmann Mladen Petric mit einem Zuckerpass, der Däne Kjaer stand falsch und säbelte danach Petric um – Elfmeter. Den verwandelte der Gefoulte selbst souverän, sein sechstes Saisontor (32.). Höchst erfreulich: Beim anschließenden Jubel wurde Petric sogar von van Nistelrooy geknuddelt, das war schön anzusehen – es geht doch!

Natürlich lief es noch nicht alles so rund, wie vielleicht von Veh und den Fans erhofft. Guy Demel, der sich im zweiten Durchgang steigern konnte, hatte zum Beispiel wieder einmal arge Schwierigkeiten auf seiner rechten Abwehrseite, auf der immer wieder Tuncay nach vorne marschierte. Der Türke war sicher einer der besten Spieler der Wolfsburger, aber mir fiel er ein wenig zu oft – der nächste Schauspieler in der Bundesliga?

In der Mitte der Viererkette stand der HSV ganz hervorragend. Heiko Westermann verdiente sich die Note eins, er eroberte unglaublich viele Bälle, an ihm gab es kaum ein Vorbeikommen – ein echter Kapitän. Joris Mathijsen spielte seinen Part ganz solide und routiniert herunter, da brannte nichts an. Und Dennis Aogo hatte seine linke Seite bestens im Griff, von dort drohte dem HSV kaum einmal Gefahr. Aogo knöpfte für mich an seine Leistung im Länderspiel gegen Italien an, schon da gefiel er mir gut (defensiv), nach vorne wurde er bei seinen Vorstößen für meine Begriffe zu oft übersehen. In Wolfsburg marschierte der deutsche Nationalspieler seltener mit in die Offensive, was er ja auch dann nicht unbedingt braucht, wenn Jansen vor ihm „herumturnt“.

Die beiden Sechser rackerten wie in ihren guten Zeiten überall, gingen weite Wege, waren deutlich wirkungsvoller als ihre Gegenspieler vom VfL. David Jarolim war nach Westermann der zweitbeste Balleroberer, lief wieder viel, auch wenn ihm im Abspiel nicht immer alles gelang. Mir ist aber dennoch viel, viel wohler, wenn „Jaro“ dort aufläuft, denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Robert Tesche auch nur annähernd so effektiv spielen könnte, wie der Tscheche. Eine gute Partie bot Ze Roberto, der zwar nie glänzte, der aber immer bestens im Bilde war. Was mich wieder einmal überzeugte: Ze war wieder einmal enorm ballsicher, er übernahm Verantwortung, bot sich auch auf engstem Raum immer wieder an – und wusste stets etwas mit der Kugel anzufangen.

Auf der rechten Seite durfte Ben-Hatira diesmal ran, mir gefällt es, dass der Trainer so viel Vertrauen zu ihm hat. Allerdings muss der gute Änis aufpassen, dass er seine besten Szenen nicht nur in der Arbeit nach hinten hat. Dort blockierte er einige VfL-Vorstöße, dort lief er so manchen Raum zu – aber diese Fleißarbeit kostet Kraft – und Konzentration. Die fehlt ihm dann, wen er Akzente in der Offensive setzen muss und will. Daran muss Änis Ben-Hatira noch arbeiten, vor allem im Training. Auffällig: Die Linksflanken von Ben-Hatira „verhungerten“ oftmals auf dem Weg in den VfL-Strafraum, da muss er sich einfach mehr und besser konzentrieren.

Auf der linken Seite durfte Marcell Jansen diesmal wieder von Beginn an mitmachen. Das Motto von Armin Veh dürfte lauten: Jedes Spiel bringt den Nationalspieler wieder den 100 Prozent näher. Diese Maßnahme des Trainers ist sicher absolut richtig, auch wenn Jansen für mich maximal bei 80 Prozent ist. Ist Jansen aber gesund (und verletzungsfrei), dann gehört er in diese Mannschaft, dann kann der HSV von seinen Offensivqualitäten profitieren – was aber diesmal noch nicht der Fall war.

Und vorne? Da geschah mir oftmals ein wenig zu wenig. Anfangs wirkten beide Stürmer nicht sonderlich gedankenschnell, was sich allerdings bei Mladen Petric nach einer durchwachsenen Anfangsphase schnell änderte. Sein Tor dürfte dem Kroaten zudem sehr, sehr gut getan haben und zusätzliche Kräfte wecken. Nach seinem Treffer wirkte Petric in manchen Szenen wie befreit und beflügelt.

Was nicht auf seinen Nebenmann zutraf. Ruud van Nistelrooy blieb weit hinter seinen Möglichkeiten, mich enttäuschte er bis auf eine Szene (den Pass zum 1:0) total. Mitte der zweiten Halbzeit hätte ich mir gewünscht, dass Armin Veh Jonathan Pitroipa gebracht hätte. Der rechts, Ben-Hatira neben Petric, das wäre sinnvoll gewesen – und hätte für so manche Entlastung gesorgt. „Van the man“ wirkte auf mich nicht fit, was er auch in der 64. Minute gnadenlos offenbarte, als er eine „Hundertprozentige“ saft- und kraftlos vergab. Er zeigt mir auch viel zu wenig Temperament (oder Anteilnahme am Spiel seiner Mannschaft). Da muss schon noch mehr kommen, wenn er wieder ganz der Alte werden will.

Und als ich das schreibe, kommt ein Wechsel (79.). Paolo Guerrero für RvN – so geht es natürlich auch. Aber mit „Pit“ hätte der HSV gegen die anstürmenden Wolfsburger besser Konter fahren können – Veh hatte andere Gedanken. Guerrero hat natürlich auch die Qualität, den Ball vorne halten zu können.

Es klappte ja auch so. Und ohnehin hat hier nur einer das Sagen: Armin Veh. 1:0 sind doch die schönsten Siege. Und jetzt scheint nach vorne (oder oben) doch noch etwas zu gehen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

17.31 Uhr