Tagesarchiv für den 10. Februar 2011

Ruud erklärt sich: “100 000 Prozent HSV” + ERGÄNZUNG

10. Februar 2011

++++Sehr wichtige Ergänzung zum Sportchef+++++

Eines kann man ihm nie vorwerfen: er stellt sich. Und auch wenn mir die nachrichtlichen Inhalte seiner Ausführungen nicht immer gefallen, sie sind verlässlich. Weil er sagt, was er denkt. So auch heute. Da wollte der Angreifer das ziemlich unterschiedlich interpretierte Interview mit dem niederländischen TV-Sender RTL klarstellen. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch mal darüber reden muss, weil ich damit eigentlich seit zwei Wochen abgeschlossen hab‘. Aber ich mache es. Es gibt hier ja ein bisschen Theater um nichts. Fragen um nichts.“ Gemeint war, wie Ihr Euch alle denken könnt, der öffentlich entstandene Eindruck, er sei nur noch mit halbem Herzen beim HSV. Genährt dadurch, dass er in einem TV-Interview vor dem Mittwoch-Länderspiel davon sprach, dass er noch 14 Mal für den HSV spielen „muss“, bevor Schluss ist. Und während er trotz penetranter Fragen nach einen eventuellen „Doch-Verbleib“ in Hamburg standhaft erklärte, auch an dieser Haltung habe sich nichts geändert, betonte er, Vollgas geben zu wollen. Und das mit Nachdruck: „Ich sage es noch einmal für alle: Ich bin vollkommen und mit 100000 Prozent und mit voller Leidenschaft für den HSV. Ich glaube, das konnte man auch in den letzten Spielen sehen und im Training sehen.“

Kurzer Einwurf: im Training nicht. Und auch gegen Nürnberg (wie alle anderen auch) nicht. Aber sowohl die zweite Halbzeit auf Schalke als auch sein Einsatz gegen Frankfurt stimmten.

Aber zurück zu Ruuds Ansprache: „Ich werde die nächsten drei Monate alles geben, um mit dem HSV alles zu erreichen. Da war ein Thema in der Winterpause mit einem gewissen Real Madrid. Aber bis dahin war ich vollkommen zufrieden hier. Die Vereine haben sich nicht einigen können, da war ich enttäuscht. Aber ich bin ein Spieler, nicht der Verein. Jetzt ist der Knopf umgeschaltet und ich bereite mich auf eine geile Woche vor mit drei Derbys. Und die ist wichtig für uns. Ich hoffe, dass das Thema damit erledigt ist.“

Für Veh ist es das. Für mich auch. Solange Ruud auf dem Platz seine Leistung bringt, gibt es zu ihm und seine Wechselgedanken nicht mehr viel zu sagen. Denn: Er gibt (ab jetzt?) Vollgas, will mit dem HSV etwas erreichen und wechselt im Sommer den Verein. Punkt.

Und ehrlich gesagt, hat er am Anfang der Woche sogar einen sehr richtigen Aspekt angesprochen. Da sprach er bei den Kollegen von der „Bild“ darüber, dass in Hamburg Verunsicherung vorherrsche, weil neben den 20 auslaufenden Spielerverträgen auch entscheidende Positionen innerhalb des Vereins (Vorstand, Trainer) noch unbesetzt sind. „Ich habe meinen Vertrag verlängert, weil ich darauf hoffe, dass das passiert, was man mir angekündigt hat“, sagt Dennis Aogo und erläutert das Problem, mit dem sich alle Beteiligten derzeit beschäftigen müssen: „Aber wer weiß, ob diejenigen, die mir die Zukunftspläne aufgezeigt haben, am Ende überhaupt die Zukunft gestalten dürfen?“ Ob Dennis da nicht etwas ins Blaue seinen Vertrag verlängert hat? „Ja“, sagt er, „aber ich glaube fest daran, dass alles gut wird und in der nächsten Zeit alles geklärt wird.“

Es herrscht eine Situation, die sicher nicht lustig ist, beim HSV aber inzwischen mit Humor genommen wird. Zumindest vom Trainer. Der lauschte heute dem Vortrag der Zillertaler Abgeordneten, die über das Trainingslager (9. – 16. Juli) des HSV im Sommer. Der HSV wohnt in einem Luxustempel, der seinesgleichen sucht. Bilder davon sind bereits auf www.hsv.de zu sehen. „Die Bedingungen sind optimal“, so Clubmanager Bernd Wehmeyer. „Da solltest Du besser auch mitkommen“, scherzte HSV-Sprecher Jörn Wolf, angesichts der luxuriösen Aussichten. Und Wolf hatte die Lacher auf seiner Seite, auch Veh selbst. „Ich bin zwar der, der das Trainingslager plant – aber wer weiß, ob ich es auch noch durchführe…“

Worte, die zeigen, dass die HSV-verantwortlichen Humor haben. Einen Humor mit ernstem Hintergrund, denn Veh macht auch kein Geheimnis daraus, dass er unzufrieden mit der Situation ist. Unzufrieden damit, dass die neue Serie nicht geplant werden kann. Darauf angesprochen, weicht er aus: „Sie sind doch alle schon lange dabei und wissen, wie das ist. Über so einen Zustand braucht man nicht lange zu diskutieren.“

Und damit hat Veh recht. Unabhängig davon, ob der HSV mit oder ohne ihn weiterplant, es ist an der Zeit für klare Entscheidungen. Denn, und deshalb fahre ich das Thema hier überhaupt erst so groß, ich habe mich in den letzten Tagen mit verschiedenen Spielerberatern unterhalten, die mit dem HSV aktuell wegen ihrer Spieler zu tun haben. Und alle – genau genommen sind es drei, mit denen ich gesprochen habe – sagen das Gleiche: dieser HSV ist noch ohne klaren Plan. „Der Verein hat Ziele, die attraktiv für Spieler sind. Der Verein selbst ist interessant. Aber keiner kann sagen, mit wem man in den nächsten Jahren zusammenarbeitet“, sagt einer der Berater. Es fehle an Planbarkeit für ihre Spieler. „Das macht es für jeden Akteur schwer, zuzusagen.“ Das sei bei anderen Vereinen anders.

Was ich meine, ist, dass der HSV gerade jetzt, wo er einen großen Umbruch plant, auch die Entscheidungsträger bestimmen muss. Es geht darum, ein Konzept zu entwickeln, das von allen getragen wird. Denn nichts wäre verheerender, als wenn die jetzige Führung ein Konzept aufstellt, das von einer etwaig neuen Führungscrew für nicht gut befunden und entsprechend wieder abgerissen wird. Konstanz ist das Zauberwort!

Und Ruud hat‘s gesagt. Veh hat’s angedeutet. Der Vorstand weiß es, der Aufsichtsrat auch. Umso erstaunter war ich, als ich vom Ratsvorsitzenden hörte, man habe keine falsche Eile. Die Kontrolleure würden die Entscheidungen in Ruhe und ohne Hektik treffen, so Ernst-Otto Rieckhoff. Worte, die sein Vorgänger Horst Becker vor zweieinhalb Jahren fast im Wortlaut identisch wählte, bezogen auf den neuen Sportchef. Und selbst auf der Position schien der HSV in den Augen der Kontrolleure bis vor kurzem nicht die optimale Lösung gefunden zu haben – oder wie sonst soll das Sammer-Theater gedeutet werden?

Aber zurück zum Sportlichen. Alle Nationalspieler sind heil und gesund zurück. Bis auf Son (mit Südkorea gegen die Türkei) haben auch alle gespielt. Auch Joris Mathijsen. Der Niederländer spielte gegen Österreich eine Halbzeit und sammelte so vor der heißesten Derbywoche der HSV-Geschichte nach seinen knapp vier Monaten Pause wichtige Spielpraxis. Am Sonnabend in Wolfsburg ist der Linksfuß neben Heiko Westermann in der Innenverteidigung gesetzt, weil Gojko Kacar, der mir auf und neben dem Platz immer besser gefällt, rotgesperrt ist. Ob Joris automatisch drinbleibt, wenn er gegen die Autostädtler eine ordentliche Leistung zeigt? Veh weicht aus. Er will sich nicht festlegen. Dafür hatte Kacar zuletzt zu gute Leistungen gezeigt.

Dabei hätte der Serbe, der die Situation sensationell sportlich nimmt, nach eigener Aussage gar kein Problem damit, wieder auf die Bank zu rotieren. „Weil das voraussetzt, dass wir gegen Wolfsburg gut spielen und somit etwas holen“, so Kacar. „So gern ich das Derby spielen würde – und ich habe echt noch nie so ein echtes Derby gespielt – ich wäre glücklicher, wenn am Sonnabend alle super spielen und wir gewinnen. Erst die Mannschaft, dann ich.“ Und auch meinen ersten Verdacht, Kacar könnte die in solchen Momenten gängigen Phrasen dreschen, erlischt er im Keim. „Ich habe gut gespielt, weil ich das erste Mal beim HSV so richtig fit bin. Ich habe die komplette Vorbereitung mitgemacht, alle Spiele gespielt. Und ich habe vorher in der Winterpause super gearbeitet. Ich weiß, dass ich endlich die Form habe, die ich von mir erwartet. Für mich läuft es, auch wenn ich jetzt die dumme Sperre ertragen muss. Und das mache ich nicht von einem einzigen Spiel abhängig. Auch nicht von zweien. Ich bleib dran!“

Kacar, der auf mich oft einen eher introvertierten, manchmal schon zu passiven Eindruck gemacht hatte, taut auf. Und wie!
Das heutige Training war dann allerdings nicht ganz so schön zu sehen, wie Kacars Entwicklung. Denn das war eher langweilig. Kurzes Aufwärmprogramm, langes Kreisspiel, kurzes Zonenspiel, ein paar Flanken und Torschüsse – und nach 80 Minuten war wieder Schluss. Kein Akteur fiel besonders auf – keiner fiel ab. Aogo (im Kraftraum) und Demel regenerierten ihre 90 Minuten Länderspiel auf ihre Art, der Rest war auf dem Platz. Einzige Ausnahme: Jonathan Pitroipa. Das pfeilschnelle Leichtgewicht musste sich einem verspäteten Flug aus Frankfurt geschlagen geben, verpasste die Nachmittagseinheit und soll heute (14 Uhr an der Imtech-Arena) wieder einsteigen.

Zum Startelf reicht es bei dem Rechtsaußen wohl dennoch nicht. Denn Veh kündigte bereits an, genau so spielen zu wollen, wie er auch am Sonntag aufgestellt hätte. Soll heißen: Rost – Demel, Westermann, Mathijsen, Aogo – Ben-Hatira, Jarolim, Zé Roberto, Jansen – Petric, van Nistelrooy. Elia und Pitroipa wären demnach ebenso auf der Bank wie Guerrero, Tesche, Trochowski, Rincon und Drobny. Genaueres dazu liefere ich Euch morgen nach dem Abschlusstraining.

In diesem Sinne, bis morgen!

19.44 Uhr

P.S.: Weil es erwähnt zu werden verdient: Muhamed Besic hat nach einem Kraftakt, überhaupt das nötige Visum zur Einreise in die USA zu bekommen, dem Vernehmen nach ein sehr gutes Länderspiel für die bosnische Nationalmannschaft hingelegt. Und das weder in der Innenverteidigung noch rechts in der Viererkette, sondern auf der Sechs!

Nächste Einträge »