Tagesarchiv für den 7. Februar 2011

Wovon träumt van Nistelrooy?

7. Februar 2011

Die Ruderboote sind vom Rasen gezogen, die Wasserski-Läufer haben dafür gesorgt, dass das Grün inzwischen angewachsen ist – es kann wieder Fußball gespielt werden im Volkspark. Wir durften heute noch einmal auf den neuverlegten Teppich, wenn an diesem Abend gespielt werden müsste, dann würde es dennoch eine kleinere Schlammschlacht geben, denn es quitscht und quatscht noch überall, wenn man über die heilige Fläche läuft. Die Deutsche Fußball-Liga wird übrigens erst morgen über eine Neuansetzung entscheiden (so der HSV), denn die Herren aus Frankfurt müssen erst noch mit der Hamburger Polizei Rücksprache halten, damit es auch von der Seite der Sicherheit keine Hindernisse gibt. Vieles deutet aber auf den 16. Februar hin, das wollen anscheinend beide Vereine. Die Anstoßzeit, die dem HSV und St. Pauli vorschwebt, liegt zwischen 18 Uhr und 18.30 Uhr.

So, damit ist das Thema Derby und Rasen für mich absolut erledigt. Es gibt ja auch Wichtigeres. Ruud van Nistelrooy ist ein solches Kapitel. Ich habe keinen Hehl daraus gemacht, dass ich ein großer Verehrer seiner niederländischen “Majestät” bin, denn sowohl fußballerisch als auch verbal, wenn wir mit ihm sprechen durften, hat er mich stets voll überzeugt. Jetzt aber hat sich das grundlegend geändert – was nicht nur meiner Wendehals-Mentalität zuzuschreiben ist. Das Interview, das der Niederländer den Kollegen der Bild gegeben hat, das verschlug mir wirklich die Sprache. Wie kann ein Ruud van Nistelrooy so etwas sagen? Oder denkt er ganz einfach, dass wenn es einer sagen darf, dann er? Ich bin fassungslos. Er wird den HSV auf jeden Fall im Sommer verlassen, weil er jetzt doch besser zu einem Klub möchte, mit dem er noch etwas erreichen kann? Ja, wovon träumt der gute Mann?

Etwas erreichen? Das könnte er auch noch mit dem HSV. Sogar in dieser Saison. Ruud van Nistelrooy müsste nur Tore am Fließband schießen, damit der HSV doch noch, in diesem Sommer, einen internationalen Startplatz erreicht. Was spricht dagegen? Die schlechten Mitspieler? Der Trainer, der ihn nicht in Form bringt? Der schlechte Rasen in Hamburg? Zu wenig Liebe der Fans? Ein zu lascher Aufsichtsrat? Ein zu lauer Vorstand?

Der gute Ruud macht es sich zu einfach. Sich in dieser Form vom Acker zu machen, das wäre wirklich viel zu billig. Und irgendwie mag ich es auch noch immer nicht glauben, dass es am Ende so kommen wird. Es kann doch nicht allein daran liegen, dass er nicht zu Real Madrid zurück durfte. Wobei ich denke, dass es letztlich ein Glück für ihn war, denn unter Mourinho muss hundertprozentig Leistung gebracht werden, da kann man selbst im Training nicht einfach mal kürzertreten. Und ob RvN diesem Leistungsdruck noch Stand gehalten hätte? Mir kommt doch da der eine oder andere Zweifel.

Gespannt bin ich darauf, wie Armin Veh in Sachen Aufstellung reagieren wird? Kann er einen Mann, der für den Sommer schon seinen Abschied angekündigt hat (weil er woanders mehr erreichen will), noch bedenkenlos bringen? Vor dem St.-Pauli-Spiel hatte der Coach noch voller Überzeugung gesagt: „Ich habe nicht vor, Ruud van Nistelrooy aus der Mannschaft zu nehmen.“ Obwohl es ihm einige Zeitungen durchaus nahe gelegt hatten. Jetzt, nach diesem Interview, dürfte Armin Veh eventuell geneigt sein, diese Meinung noch einmal zu überdenken. Zumal ich schon Stimmen aus der Mannschaft gehört habe (vor dem St.-Pauli-Spiel!), die darauf warteten, dass Armin Veh seine Meinung noch einmal kontrolliert, gegebenenfalls auch revidiert. Der eine oder andere befürchtete nämlich schon einen „Dienst nach Vorschrift“ – ohne Raute im Herzen. Um noch kurz auf das gestern erwähnte Interview zu kommen, in dem „van the man“ davon sprach, dass er noch mal international mit dem HSV spielen will: Dieses Interview wurde Mitte Dezember geführt – und dann im Februar veröffentlicht, ohne dabei an Real Madrid und das Gerangel zu denken . . .

Sportchef Bastian Reinhardt wurde heute auf die neueste Entwicklung um RvN angesprochen, aber der ehemalige Abwehrspieler hielt den Ball flach: „Dazu werde ich in der Öffentlichkeit keinerlei Stellung beziehen. Wenn Ruud vom Länderspiel zurück ist, dann werde ich das in aller Ruhe mit ihm besprechen, mehr gibt es dazu von meiner Seite aus nicht zu sagen.“ Was aber ist von einem Spieler, der (auch) öffentlich verkündet, demnächst den Verein verlassen zu wollen (um woanders mehr zu erreichen), noch zu erwarten? Voller Einsatz? Kampf bis zum Letzten? Eventuell noch die Gesundheit riskieren? Reinhardt: „Darüber möchte ich gar nicht spekulieren. Das werde ich mit ihm persönlich klären.“

Ich denke dabei spontan an die Partie in Mönchengladbach, das letzte Spiel des Jahres 2010. Vor diesem Kick hatte Armin Veh versprochen: „Ich stelle dort nur jene Spieler auf, die 90 Minuten lang 100 Prozent bringen können, die rennen und kämpfen bis zur letzten Sekunde.“ Wenn das auch immer noch gilt, dann dürfte es über einen zukünftigen Einsatz von Ruud van Nistelrooy wohl kaum noch eine zweite Meinung geben.

Das nächste Spiel für den HSV findet in Wolfsburg statt. Da hängt der Haussegen wohl immer noch gewaltig schief, denn der verschossene Elfmeter von Diego hat für reichliche Turbulenzen gesorgt. Die Frage an den HSV-Sportchef: Ist es ein Vorteil für den HSV, dass es dieses riesige Theater beim VfL Wolfsburg gibt? Bastian Reinhardt: „Irgendwo gibt es ja immer Alarm, wenn wir uns damit noch befassen müssten, dann hätten wir sehr viel zu tun. Wir sollten in erster Linie mal auf uns schauen.“ Genau. Und da steht dann auch noch eine Niederlage aus dem letzten Spiel zu Buche, dieses unrühmliche 0:2 in Nürnberg. Obwohl der Sportchef heute schon relativierte: „Wir haben ja nach dem Nürnberg-Spiel tierisch um die Ohren bekommen, aber jetzt hat dort auch Leverkusen verloren – so schlecht scheinen die Nürnberger ja dann doch nicht zu sein.“ Das stimmt. Nürnberg war ja auch nicht ganz so schlecht (wie der HSV), denn die „Clubberer“ haben ja schließlich gewonnen.

Bleibt im Interesse des HSV zu hoffen, dass der VfL Wolfsburg sich in dieser Woche noch nicht von seinem Trainer trennt, und dass das für Donnerstag angekündigte neue Regentief über Norddeutschland keine so nachhaltige Wirkung hat, wie das vom vergangenen Wochenende.

(So, das ist Künstlerpech, inzwischen wurde Steve McClaren vom VfL entlassen, es sitzt also gegen den HSV auf jeden Fall ein neuer Trainer auf der Bank – und wenn es nur der bisherige Assistent Pierre Littbarski ist.
Ergänzt um 18.36 Uhr)

Zwei Dinge noch am Rande: Als wir heute von der Rasen-Begehung in die Katakomben kamen, sprang dort ein alter und guter Bekannter Seil: Romeo Castelen. Der vom Pech verfolgte Niederländer schwitzte reichlich, machte äußerlich aber schon wieder einen richtig guten Eindruck. So, als könne er schon am Wochenende wieder ein Tor gegen den VfL Wolfsburg schießen. „Ich fühle mich auch sehr gut, habe keinerlei Beschwerden mehr. Ich trainiere viel, und wenn es ohne weitere Verletzungen geht, dann hoffe ich darauf, dass ich im März wieder an den Ball kann.“ Ich habe ihm gesagt: „Wir drücken dir alle die Daumen, ganz Hamburg hofft darauf, dass du es doch noch einmal zurück auf den Platz schaffen kannst und wirst.“

Und dann wurde ich oft schon nach einem weiteren Sorgenkind gefragt: Hermann Rieger. Wie geht es unserem Kult-Masseur? Ich kann sagen, dass ich es in den letzten Wochen oft versucht habe, ihn zu erreichen (so auch heute), aber es sagt mir immer eine freundliche Damen-Stimme: „Dieser Vodafon-Anschluss ist derzeit nicht erreichbar . . .“ Ich werde es weiter versuchen.

Am Dienstag übt das Rest-Aufgebot des HSV um 15 Uhr im Volkspark. Heute wurde im Stadion trainiert, aber nur in der Mixedzone, dort, wo nach den Spielen die Interviews geführt werden. Dort wurde gelaufen, gedehnt, gesprintet und sogar ein Lichtschrankentest veranstaltet. Damit jeder weiß, wie schnell er selbst und wie schnell die anderen Kollegen sind.

16.31 Uhr