Tagesarchiv für den 6. Februar 2011

“Das geht mir auf den Keks”

6. Februar 2011

Es ist so schön, wieder daheim zu sein. Oh, wie ist das schön. Niemand sagt so wundervoll wie einige von Euch, was ich alles nicht kann. Traumhaft. Jetzt weiß ich, dass ich nicht nur wieder dabei bin, sondern auch wieder voll mittendrin. Danke, danke, danke. Es ist ja tatsächlich so, Satire kann ich auch nicht. Mal wieder versucht und voll ins Klo gegriffen, so kann es gehen. Einen hab’ ich noch . . . Irgendwann. Obwohl ich die Warnung schon verstanden habe: „Schuster, bleib’ bei deinen Leisten . . .“ Aber: Es wird mich wahrscheinlich doch noch einmal reizen.

Ich will ja nicht gleich wieder alle schocken, aber das muss ich schnell noch einmal loswerden, wie herrlich es hier ist: Da schreibt doch am Freitag ein ganz toller „Matz-abber“, dass er sich seinen „Scholle“ wieder wünscht. Dafür habe ich und hatte ich sogar absolutes Verständnis, schon immer, schon vorher, deswegen hatte dieser „Scholle“, ja, genau dieser gewünschte „Scholle“, diese Freitags-Geschichte, die „Scholle“ besser geschrieben hätte, auch schon geschrieben. Ich wollte mal den Wünsch-Onkel spielen – und? Ist aufgegangen. „Scholle“ wurde gewünscht, „Scholle“ hat geschrieben. Man muss es nur mal wollen. Finde ich. „Matz ab“ ist ja auch so etwas wie „Wünsch Dir was“. Wer jetzt wieder meckert, dass „Scholle“ das geschrieben hat, dem sei auch noch schnell erklärt, dass alles mit mir abgesprochen war und ist. Wie es auch immer sein soll – und ist.

Nein, nein, Ihr Lieben, es macht mir voll wieder Spaß. Ich als Pressechef des HSV habe mich aber, leider, ein wenig daneben benommen, und hoffe deswegen, dass nun alle diejenigen, die dem HSV den Spielausfall anlasten, mir irgendwann in ferner Zukunft verzeihen können und werden. Der HSV hat in den Augen einiger dilettantisch gehandelt, aber ich kann dazu nur sagen: Geschätzte dreißig Mal wurde der Rasen im Volkspark schon in der Woche vor einem Spiel gewechselt, und geschätzte dreißig Mal ging es gut. Tatsache. Der Rasen rollte nicht weg, und der Regen tröpfelte bis unten durch. Diesmal, obwohl alle, alle es wussten, dass ein kleines Regengebiet durch den Norden ziehen würde, wurde der Rasen wieder und allen Unkenrufen zum Trotz – gewechselt, und das ist in den Augen jener Fans, die dem HSV Fehler ankreiden, fatal gewesen.

Warum? Warum, so wird gefragt, wurde so spät gewechselt? Weil eventuell auch in den Niederlanden Frost herrschte? Lächerlich. Die haben ihren Rasen gefälligst unter Glas zu legen, oder sie haben den Frost abzuschalten. Sonst kauft man (in diesem Fall der HSV) den Rasen eben woanders, lässt ihn dann mit dem Flieger aus Südafrika, Spanien oder Portugal einfliegen. Kost’ ja nichts. 100 000 Euro kostet dieser neue Frost-Rasen, der kein Wasser durchlässt, er kommt aus den Niederlanden. Ein neuer Rasen aus dem warmen Süden könnte wohl demnach ruhig mal das Doppelte kosten . . .

Ich habe Verständnis für jeden, der viel Geld für die Reise zum Derby investiert hat. Ernsthaft jetzt. Die Damen und Herren tun mir echt leid. Wirklich. Aber auch das ist eine Seite des Fußballs, ab und an fällt mal ein Spiel aus – welche Dilettanten es auch immer verursacht haben, das steht auf einem anderen Blatt. Ich saß, wie der “Matz-abber“ „Ostfriesenraute“ schon richtig geschrieben hat, im Elysee, unterhielt mich aber nicht mit Kollegen, sondern mit zwei Freunden. Ganz privat war ich dort – und nicht im Dienst. Wir drei Jungs haben einst alle gemeinsam in der Jugend von BU gespielt (zuletzt dreimal in Folge Meister), einer von den beiden Freunden kam aus Wellingsbüttel, der andere aus Houston (Texas). Letzterer heißt Wolfgang Anderson und sagte seiner Frau per Handy: „Houston, wir haben ein Problem – das Spiel fällt aus.“ Der gute Mann wollte, er ist 62 Jahre jung, vielleicht ein letztes Mal das Hamburger Derby sehen. Wollte. Und hat dafür viel Geld geopfert. Wie viele andere HSV-Fans übrigens auch. Im Elysee klagten mir Vater Hans und Sohn Ralf aus Karlsruhe ihr Leid: „Wir haben zwei Jahre gespart, damit wir uns dieses Derby leisten können – und nun das.“ Die beiden Herren waren untröstlich. Und dann gab es noch den einen Herren, der Minuten nach der Absage mit den folgenden Worten auf Armin Veh zustürmte: „Herr Dr. Veh, ich bin extra aus Amerika zum Derby gekommen, das Spiel fällt nun aus – können Sie mir wenigstens ein Autogramm geben?“ Wenn „Mann“ so nett gebeten wird, dann kann sich auch ein Armin Veh nicht diesem Wunsche verschließen, er schrieb. Natürlich.

Aber viele andere HSV-Fans waren ebenso enttäuscht wie diese(r) „Amerikaner“. Spielausfälle werden, das ist gut an der Bundesliga, zwar seltener, aber sie sterben eben nie so richtig aus. Es wird immer mal wieder eine Absage geben, und die wird dann auch wieder viele Enttäuschungen nach sich ziehen. Und viele Fans werden frustriert ihren Heimweg antreten. Was ich übrigens auch schon mal – als Berichterstatter – erlebt habe. Wir waren per Auto zum Spiel Bochum – HSV unterwegs, und als wir von der Autobahn in Richtung Parkplatz fuhren, hieß es im Radio: „Bochum – HSV wurde soeben abgesagt“. Ja, dann haben wir geflucht, und zwar nicht viel Druckreifes. Uns aber ging damals nur die Zeit flöten, nicht aber das Geld für die Fahrt. Deswegen kann ich den Ärger von vielen Fans (wie der Mann aus Houston, wie die Männer aus Karlsruhe) natürlich verstehen. Ist das aber nicht höhere Gewalt? Dilettantismus des HSV hin oder her? Armin Veh sagte heute: „Auch wenn wir den alten Rasen im Stadion gelassen hätten, wäre das Spiel abgesagt worden.“ Weil in dieser Bundesliga Fuß- und nicht Wasserball gespielt wird. Im Moment jedenfalls noch.

Apropos Veh. Den habe ich heute so erlebt, wie einst in Bremen, als er Piotr Trochowski zusammenstauchte. Veh war sauer, man, war der geladen, er tobte geradezu. Sein Hals war dreimal so dick wie sonst. Nicht weil er meine wahren Gründe für die Spielabsage gelesen hatte, sondern weil er sich nach einigen Fragen der TV-Journalisten „hochfuhr“. Weil sich St. Pauli, so die TV-Journalisten, angeblich über die Absage beschwert hatte, weil St. Pauli angeblich die drei Punkte „kampflos“ haben wollte. „Das geht mir total auf den Keks“, wetterte Veh, „die bringen es nicht fertig, einen gescheiten Rasen auf ihren Platz zu bringen, wir bemühen uns darum, einen richtig guten Rasen zu präsentieren – und dann regen die sich auf. Auf dem Rasen, der vorher hier lag, hätten wir ebenso wenig spielen können, das steht mal fest. Wir wollen doch Fußball spielen. Und wenn diese Leute keine Ahnung haben, dann sollen sie her kommen und sich den Rasen ansehen. Und nicht so gescheit daherreden.“

Damit war Armin Veh aber noch lange nicht am Ende. Es ging weiter: „Die sollen mal schön auf dem Teppich bleiben. Dass es so regnet, wer kann das beeinflussen? Ich habe auch keine Lust drauf, dass wir hier wieder wie die Deppen da stehen. Und ich sehe ja schon, in welche Richtung das wieder geht, das merke ich ja schon. Die, die einen miserablen Rasen haben, die sagen uns, was wir falsch machen – und das geht mir auf den Keks. Die sollten mal schön den Ball flach halten.“

Armin Veh munter (oder besser: sauer) weiter: „Wer will denn das, dass das Spiel abgesagt wurde? Wer? Wir? Bei St. Pauli habe ich immer wieder gehört und gelesen, dass es dort Verletzte, Verletzte und Verletzte gegeben hat – und dann sollen wird dafür verantwortlich sein, dass wir das Spiel absagen? Es ist nicht zu ändern, auf diesem Rasen war ein Spiel unmöglich, es war schlicht unmöglich, und es ging eben nicht. Damit muss man fertig werden. Und sich nicht darüber aufregen. Auf dem Platz, auf dem die spielen, hat das mit Fußball nichts zu tun. Die wechseln den Rasen nicht, wir wechseln den Rasen, weil wir den Zuschauern ein vernünftiges Fußballspiel bieten wollen – und die regen sich darüber auf. Und darüber kann ich mich dann aufregen.“

Dann nahm Armin Veh auch noch Stellung zu den enttäuschten Zuschauern: „Ich habe ja mitbekommen, dass da Fans extra aus Amerika gekommen sind, um das Derby zu sehen – aber wer kann das denn ändern, dass dieses Spiel nicht gespielt werden kann? Wir alle müssen damit fertig werden. Ich ärgere mich doch auch, dass wir nicht spielen können.“ Und: „Es wurde ja auch in die Richtung argumentiert, dass wir den Rasen hätten früher auslegen müssen, dazu kann ich nur sagen, dass wir den neuen Rasen stets in der Woche vor einem Heimspiel ausgelegt haben. Und immer hat es hingehauen. Diesmal eben nicht. Ich sage es ganz deutlich: Es liegt nicht daran, dass wir diesen Rasen zu spät ausgelegt haben, es liegt einzig und allein am Dauerregen. Dass das Spiel ausfällt, das hat ja niemand absichtlich gemacht, das ist höhere Gewalt, denn auf diesem Platz, der voll unter Wasser steht, kann ganz einfach nicht gespielt werden. Und wenn die keine Ahnung haben, dann sollen die den Babbel halten . . .“ Babbel soll so viel wie Mund oder Rand heißen.

Seinen Trainer-Kollegen Holger Stanislawski nahm Veh ausdrücklich von dieser Schelte aus: „Dass ich den Stani leiden kann, das ist ja eh klar, der kann auch ruhig mal etwas anderes erzählen, trotzdem kann ich ihn gut leiden. Ansonsten aber, wenn irgendjemand etwas sagt und sich wichtig macht, aber von nichts etwas weiß, dann rege ich mich auf. Dann sage ich auch klar, dann ist der Kuschelkurs vorbei. Ich bin nicht ewig der Kuschelbär . . .“ Von Veh waren viele Freunde und auch seine Söhne aus der Ferne angereist, auch sie waren natürlich enttäuscht. Sie sahen aber auch ein, dass da nichts dran zu ändern ist.

Übrigens: Trainiert wurde im Volkspark heute dennoch. Auf dem Nebenplatz. Ging gut. Zehn gegen zehn. Ruud van Nistelrooy fehlte dabei, aber der ist einen Tag vorher nach Holland – zur Familie. Morgen (Montag) muss er dann zur Nationalmannschaft. Für Verwirrung hatte heute noch ein Interview mit „van the man“ gesorgt, in dem er sagte, er wolle mit dem HSV wieder international spielen. Wieso das, ist die Frage? Wollte er nach dem geplatzten Wechsel zu Real nicht im Sommer ganz sicher aus Hamburg flüchten? Das Interview muss alt gewesen sein, oder? RvN ist dazu nicht zu befragen, und das nicht nur deshalb, weil er in den Niederlanden weilt. Er redet im Moment nicht, weil er wegen des Real-Wechsels (der platzte) noch immer sauer ist – und sich unverstanden fühlt.

Ich werde diese RvN-Aussage auf jeden Fall mit äußerster Vorsicht genießen, denn in meinen Augen muss (muss, das wiederhole ich gerne) der HSV im Sommer abspecken und dramatisch verjüngen. Da ist dann kein Platz mehr für die „älteren Herren“, denke ich mal. Lasse mich aber auch gerne vom Gegenteil überzeugen. Aber das ist im Moment ja auch nicht das Thema. Das Thema ist die Derby-Absage.

PS: Das will ich nicht verheimlichen, St. Pauli hat auf die Spielabsage mit Verständnis reagiert. Allen Unkenrufen zum Trotz. Aber verständnisvoll haben ja auch die meisten HSV-Fans geäußert . . .

Morgen wird im Volkspark wieder um 10 Uhr geübt – auch für das nächste St.-Pauli-Spiel.

18.04 Uhr

Warum das Derby tatsächlich ausfiel . . .

6. Februar 2011

Natürlich hat der HSV schuld. Da gibt es gar keine zwei Meinungen. Die wollten doch dieses Derby ausfallen lassen, schon seit Tagen, ach was, schon seit Wochen. Die wollen ganz einfach nicht mehr gegen St. Pauli spielen. Auch das Wiederholungsspiel und eventuelle das Wiederholungsspiel des Wiederholungsspiels wird ausfallen. Ganz sicher. Der HSV hat St. Pauli einfach satt. Weil St. Pauli auch zu gut ist. Und damit gefährlich. Zu gefährlich. Früher war es doch so: Wer ist die Nummer eins im Norden? Der HSV. Wer ist heute die Nummer eins im Norden? Eben. Jetzt reduziert sich diese Frage schon auf eine Stadt: Wer ist die Nummer eins in Hamburg? Früher hätte man diese Frage doch nicht stellen müssen: der HSV. Klar. Aber heute? Der HSV hat Angst vor den Braunen, und deswegen fand dieses Derby nicht statt. So einfach ist das.

Obwohl: Es gibt natürlich noch viele, viele Gründe mehr. St. Pauli hätte doch ohne Ebbers, Rothenbach, Oczipka, Bruns, Morena, Lechner und Schultz antreten müssen. Und wenn St. Paulis B-Mannschaft dann noch einmal, wie zuletzt gegen Köln, 3:0 gewonnen hätte, dann wären die HSV-Verantwortlichen doch im Dreieck gesprungen. Motto: „Wir geben ein paar Dollar mehr als die vom Kiez aus, aber St. Paulis No-name-Truppe gewinnt hier – da stimmt doch was nicht.“ Deswegen: Spielausfall. Sollte das Derby doch irgendwann in weiter Ferne einmal nachgeholt werden, dann, so steht es in den Wiederholungsstatuten, muss St. Pauli mit stärkster Elf antreten.

Beim HSV darf dagegen ruhig der eine oder andere Spieler fehlen, denn damit erhöht sich die gesicherte Ausrede, denn eine Niederlage muss ja erklärt werden. Und das kann man dann doch besser, wenn gegen St. Pauli neben Kacar auch noch Rost, Westermann, Mathijsen, Jarolim, Ze Roberto, van Nistelrooy und Petric fehlen. Dazu hat der HSV nun in kommenden Wochen die Gelegenheiten, dafür zu sorgen, dass diese Spieler eventuell gesperrt werden (Motto: „Mach et, Otze“) , oder sie werden im Training umgetreten – Motto: Natürliches Ausleseverfahren. Deswegen dieser Spielausfall.

Schuld hat ja auch die Elefantendame „Mogli“, unser Abendblatt-„Orakel“. Die hatte ja innerhalb von Sekunden auf den Derby-Sieger St. Pauli getippt. Als die HSV-Oberen das gesehen hatten, brach im Volkspark Panik aus. Bernd Hoffmann rief bei Jörg Kachelmann an und flehte den „Wetterfrosch a. D.“ an: „Was immer auch in Ihrer Macht steht, drehen Sie die Schleusen über Hamburg auf, wenn es geht, auch nur über dem Volkspark. Es muss hier junge Hunde regnen, lieber, lieber Herr Kachelmann, damit wir dieses Spiel absagen können.“ Kachelmann, der im Moment zwar andere Sorgen hat, outete sich aber als HSV-Fan – und gehorchte: „Wasser marsch.“ Deswegen: Spielausfall.

Wobei die HSV-Fans im Prinzip ja auch mal stolz auf ihre Führung sein kann, den eigentlich heißt es ja immer: „Die sind so unfähig, die bekommen nichts hin . . .“ Aber jetzt einen Spielausfall. Ist das nichts?

Wobei jetzt auch die Elefantendame „Mogli“, so möchte es nach neuesten Meldungen der HSV-Aufsichtsrat, noch eine Chance der Korrektur erhalten soll, nein sogar muss! Die Crew um Ernst-Otto Rieckhoff besteht dann, vor einem eventuellen Wiederholungsspiel, darauf, dass diesmal der HSV die Honigmelone ist, und St. Pauli die Wassermelone. „Erstens“, sagt Rieckhoff, „werden wir als Honigmelone nicht mit einer Wassermelone, Sie verstehen, WASSER-Melone, in Verbindung gebracht, und zweitens sind wir doch viel, viel kleiner als diese hässlich-grüne Wassermelone, die dann stellvertretend für den FC St. Pauli vernascht werden müsste.“ Und dann hätte der HSV wahrscheinlich auch bessere Chancen, dass „Mogli“ den HSV doch noch als Derby-Sieger „ermittelt“. Deswegen: Spielausfall.

Damit der Verkehr auf dem Kiez nicht zusammenbricht, deswegen fiel das Derby auch noch aus. Die wollten da doch tatsächlich ein Public Viewing stattfinden lassen, die Braunen, das geht doch wohl mal gar nicht. Im Volkspark wird gedaddelt, und auf St. Pauli amüsieren sich 200 000 Zuschauer und mehr? Die spinnen doch, die Römer. Nein, die St. Paulianer, sorry. Die sollen mal schön die Leinwände wieder abbauen – und dann fertig. Wo kommen wir dann hin, wenn hier schon im Februar ein Sommermärchen stattfindet? Spinnen denn die, diese R . . . Deswegen: Spielausfall. Völlig zu recht.

Aber den Spielausfall gab es ja auch noch, weil die beim HSV absolut einsichtig sind. Und blind. Das wissen wir doch alle. Und wenn jetzt dieser Spielausfall noch der I-Punkt ist, auf das, was sich Bernd Hoffmann, Katja Kraus und vor allen Dingen Bastian Reinhardt an Missetaten erlaubt haben, dann ist es nun vollbracht. Die können doch gar nichts, die beim HSV, der Hoffmann und der Reinhardt und die Kraus und der Veh. Nur einen Spielausfall, den kriegen die gerade noch so hin. Aber auch nur deswegen, weil der Schiedsrichter ja genau so blind ist, wie sie selbst. Die haben doch den Perl so lange bearbeitet, bis der sagte: „Okay, dann lasst es bitte so lange und ausgiebig regnen, dass hier auch wirklich kein einziger Ball mehr aufspringt – wenn er zu Rasen fällt.“ Und dann wurde, wie geschrieben, Kachelmann angehauen. Den Rest haben wir alle erlebt: Spielausfall.

An diesem Spielausfall, das sollten dann wirklich alle bedenken, hat natürlich auch Lotto King Karl mitgewirkt. Der hatte Silvester ja im Abendblatt gewettet, dass der HSV das Derby gegen St. Pauli nicht verliert. Andernfalls würde er mit dem Hund von „Stani“ Gassi gehen. Und als Lotto gehört hat, wer bei St. Pauli alles ausfällt, da hat er es mit der Angst bekommen, hat ganz fest an einen St.-Pauli-Sieg (Motto: „Braun ist Hamburgs Perle“) geglaubt – und auch den Kachelmann angerufen. Um noch zusätzlich (Wasser-)Druck zu entfachen. Hat geholfen: Spielausfall.

Nur ein Gerücht ist, dass der HSV in Zukunft den gebrauchten Rasen des Millerntors aufkauft, um ihn dann im Volkspark verlegen zu lassen. Der HSV schießt doch kein Eigentor. Mit einem so ramponierten Rasen kann man doch keinen Spielausfall konstruieren, also das stimmt auf keinen Fall. St. Pauli kann den Millerntor-Acker ruhig anderweitig entsorgen, aber nicht beim HSV.

Ebenfalls nur ein Gerücht ist, dass der FC St. Pauli den HSV zu dieser Derby-Absage genötigt hat. Littmann-Nachfolger Orth wollte, so hieß es in dem Gerücht, endlich auch einmal eine eigene Pressekonferenz geben, aber das entbehrt natürlich jeglicher Grundlage.

Richtig ist aber, dass das Wort Wasserstandsmeldungen nun eine völlig neue Dimension bekommt. Wie oft war in der Vergangenheit sowohl vom HSV als auch vom FC St. Pauli zu hören: „Wir geben keine Wasserstandsmeldungen ab.“ Meistens ging es dabei um Neuzugänge, Trainer-Entlassungen oder eine lapidare Sportchef-Suche, aber in Zukunft wird sich nun jeder hüten, von Wasserstandsmeldungen zu sprechen, denn sonst würden die Fans ja sofort vermuten: Spielausfall.

So ganz nebenbei, das hat der HSV auch mit dieser Absage bezwecken wollen, wird die Wirtschaft enorm angekurbelt. Die Hotels haben vor diesem geplanten Derby bestens ihre Betten verkauft, und sie verkaufen es auch zu den eventuell angesetzten Wiederholungsspielen. Dazu nehmen Fluggesellschaft und die arg gerupfte Bahn ja doppelt und dreifach und eventuell auch vierfach (falls mehrere Wiederholungsspiele ausfallen sollten, wovon ja auszugehen ist) ein. Die Deutsche Bahn, das ließ sie im Zusammenspiel mit dem HSV schon durchblicken, benutzt diese Gelder dann, um damit Schlaglöcher zu stopfen, vornehmlich in Schleswig-Holstein, wo der Zugverkehr ja wochenlang zum Erliegen gekommen war.

Schuld hat ja auch die Rasen-Innung der Niederlande. Die hatten dem HSV diesen Rollrasen, der keinen Tropfen Wasser durchlässt, regelrecht aufgeschwatzt. Quasi als Test. Dadurch sollte bewiesen werden, wie regenundurchlässig Rasen aus Holland ist. Diese neu gewonnenen Erkenntnisse kommen nun auch den holländischen Tomatenzüchtern zu Gute, denn sie bauen ihre Pflanzen nun nur noch auf „Volkspark-Rasen“, von dem das Wasser abperlt (Günter Abperlt). Dann kann es in Deutschland ab sofort nie wieder heißen: Holland-Tomaten bestehen zu 99 Prozent (oder auch nur 90?) aus Wasser. Experiment gelungen: Spielausfall.

Klasse für die Polizei, und das hat der HSV auch prima eingefädelt, dass für eventuelle Notfälle schon einmal geübt werden konnte. Keine Trocken-Übung, sondern eine leicht verwässerte für die Hamburger Polizei, die wissen nun ganz genau, was bei einem „richtigen“ Derby (das ist ein Derby, das auch stattfindet) zu tun ist. Es war schon Klasse zu sehen, und genau das wollte der HSV damit erreichen, wie perfekt die Polizei funktioniert. Wusste das vorher niemand? Genau! Das wusste vorher ja keiner. Weil das in diesem Jahr ja noch nie benötigt wurde, aber jetzt weiß auch die besorgte Mama in Barmbek, dass sie ihren 12-jährigen Knaben ganz beruhigt in den Volkspark fahren lassen kann – die Polizei, dein Freund und Helfer, ist ja schon da.

Und überhaupt: Die Dilettanten vom HSV (Reinhardt, Hoffmann, Kraus und Co), die haben mit diesem Sonntag auf jeden Fall bewiesen, dass sie doch etwas können: „Wir können nicht nur nicht faxen, wir können auch ein Derby nicht stattfinden lassen.“ Ist das nicht klasse?

PS: Ihr habt sicherlich noch viele, viele Gründe mehr, warum der HSV (die Dilettanten) dieses Spiel hat ausfallen lassen. Schreibt sie mir, gebt sie mir um die Ohren – ich habe mich schon so sehr daran gewöhnt.

Und noch ein PS: Alles nur ein Witz, Ironie, Satire – oder was auch immer Ihr wollt.

14.51 Uhr (nicht vergessen: um 15.30 Uhr Sky einschalten, wird HSV gegen St. Pauli live übertragen)

(auch nur ein Witz)