5. Februar 2011
Mehr geht doch kaum. Auch wenn sich die HSV-Profis heute um 16 Uhr auf dem Trainingsplatz befanden, sie werden die Ergebnisse sehen. Und dementsprechend auch die Tabelle. Denn die bietet dem HSV, sollte dieser gegen den FC St. Pauli seine Hausaufgaben mit etwas mehr Passion als in der letzten Woche (Nürnberg und Training) erledigen, die Chance, verlorene Punkte aus Nürnberg wiedergutzumachen und bis auf drei Punkte an die Europa-League-Ränge heranzurücken. „Wir wollen das Nürnberg-Spiel vergessen machen“, hatten unter der Woche alle Spieler wiederholt. Und das können sie. Jetzt. In einem Spiel, das keine künstlichen Motivationshilfen nötig haben darf: Im 131 Stadtderby gegen den FC St. Pauli.
Nötig sein wird allerdings der gute Wille der Platzkommission (Stadionchef Kürt Krägel, Schiedsrichter Günter Perl und ein DFL-Abgeordneter), die am Sonntagvormittag den neu verlegten Rasen auf dessen Bespielbarkeit testen werden. Und ganz ehrlich, heute wollte Trainer Armin Veh trotz der gestrigen Absage doch im Stadion trainieren – und musste passen. Noch ist das Grün nicht bespielbar. Es hätte zu viel geregnet, wodurch die Verlegung des aus den Niederlanden herangekarrten Rasens alles andere als optimal verlaufen sei. Ob das Spiel tatsächlich ausfallen könnte? „Bis jetzt sieht es nicht so aus“, so Krägel.
Aber wirklich sicher ist es auch noch nicht. Einer der Rasenverleger sagte mir gestern, dass die Rasenkanten in der kurzen Zeit nicht ausreichend verwachsen könnten und es so wie bei einem frisch verlegten Teppich dazu führen könnte, dass sich die einzelnen Rasenrollen verschieben. Die großen Regengüsse wären zudem hinderlich.
Ein Spielausfall, weil der Rasen locker ist?
Wenn ja, wäre es ein historischer Ausfall. Allerdings rechne ich nicht damit. Eigentlich rechnet sogar keiner damit. Ich kann mir auch beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Rasenprofis das nicht hinkriegen. Selbst wenn der Regen heute noch mal Vollgas gab und es so bleiben soll.
Dass die Mannschaft wetterfest ist, bewies sie heute, als es ab 16 Uhr an der Imtech-Arena zur Abschlusseinheit ging. 30 Minuten wurden auf zwei Hälften Kombinationen mit Flanke und Torabschlüssen geübt (Demel erschütternd wie so oft, Elia legte dagegen „Brandbomben“), ehe es 15 Minuten A gegen B ging. Ein Spiel ohne Highlights. Zumindest ohne sportliche, denn es ging 0:0 aus. Allerdings hatte Veh dann doch noch eine kleine Überraschung parat. Oder war es gar keine Überraschung? Naja, wie auch immer, auf jeden Fall stellte er David Jarolim wieder für Robert Tesche in die A-Elf. Der Tscheche, der die letzten beiden Tage von Veh in die B-Elf degradiert worden war, wird morgen im Derby zur Startelf zählen. Und ganz ehrlich, es hätte mich sehr gewundert, hätte Tesche, der es bislang auf gerade drei Spiele über 90 Minuten und drei Einwechslungen in den Schlussminuten bringt, ausgerechnet in dem Derby seine Chance erhalten.
Ansonsten blieb es in der A-Elf wie unter der Woche. Elia und Pitroipa sind draußen, Jansen und Ben-Hatira besetzten auch heute wieder die Außenbahnen, Petric und van Nistelrooy werden im Sturm beginnen. Dazu ersetzt wie erwartet Mathijsen den rotgesperrten Kacar in der ansonsten unveränderten Viererkette. Mehr gibt es von dem völlig verregneten Training, bei dem eine tapfere Bloggerin aus unserer Mitte, die namentlich nur sehr ungern erwähnt werden mag, tapfer (und das sogar ohne Regenschirm) dem Unwetter trotzte, nicht zu berichten.
Wobei uns die letzten Wochen eines gelehrt haben: Trainingsleistungen besagen nichts.
Und das ist in diesem Fall auch gut so. Letzte Woche wurde super Trainiert und schlecht wie nie gespielt. Und so schlecht wie diese Woche war es im Training lange nicht mehr. Das musste selbst Trainer Armin Veh eingestehen. Der wurde in den Einheiten sogar – was er sonst immer seinem Assistenten Michael Oenning überlassen hatte – richtig laut. Er tauschte drei Positionen von Anfang der Woche bis zum Ende (Jaro, Elia, Pit raus) – aber auch er wusste, dass Trainingsleistungen bei dieser Mannschaft keinen Aufschluss auf die Leistungsstärke sind. Im Gegenteil, so schlecht diese Woche lief, so groß ist meine Hoffnung, dass es morgen gegen Pauli umso besser wird.
Was mir Hoffnung macht?
Einiges. Ruud van Nistelrooy beispielsweise. Der Niederländer mit spanischem Herz ruhte sich unter der Woche aus. Nur wer genau hinsah, sah ihn auf dem Platz. Auch Mladen Petric macht mir Hoffnung, weil er frisch wirkt. Im Training trifft er aus allen Lagen, im Gespräch scheint er nach der frustrierenden Wechselposse in der Sommerpause endlich seinen Frieden mit allem und jedem beim HSV geschlossen zu haben. Selbst Trainer Armin Veh, der ihn zu Saisonbeginn auf die ungeliebte Außenbahn verschoben und den Kroaten so verärgert hatte, scheint verziehen. Gestern bei der Pressekonferenz lobte Veh seinen Angreifer und garantierte ihm die Startelf, heute im Training lobte der Coach seinen Stürmer immer wieder – weil er auch wirklich jeden Abschluss versenkte.
Aber ich muss hier, vielleicht auch weil ich es so kurz vor dem Derby einfach gern so haben will, die Abwehrkette loben. Am Freitag hatte ich Joris Mathijsen noch sehr kritisch gesehen. Der Niederländer schien noch keinen Rhythmus gefunden zu haben, wirkte zu langsam und ohne Bindung. Allerdings sah das heute schon besser aus. Gegen einen guten Piotr Trochowski, einen nicht minder starken Tunay Torun (nicht im Kader) und einen sehr guten Paolo Guerrero ließen Mathijsen, Westermann, Demel und Aogo nichts anbrennen. Im Gegenteil: sie setzten Veh‘s Forderung, schnell umzuschalten, gut um. Auch wenn die letzten Pässe und Flanken als „noch ausbaufähig“ zu bewerten sind.
Meine Verwunderung über die Umbesetzung der Außen hatte ich angesichts der personellen Situation beim FC St. Pauli gestern schon erläutert. Umgedreht werte ich daher die morgige Reservebank mit Drobny, Rincon, Tesche, Trochowski, aber vor allem Elia, Pitroipa und Guerrero als großes Plus. Sollte es offensiv ähnlich schlecht laufen wie zuletzt im Frankenland, könnte Veh mit den letztgenannten Dreien reagieren. Und zwar mit richtig Qualität.
Ich muss auch ehrlich zugeben, jetzt, wo die Sonnabendspiele bis auf Gladbach gegen Stuttgart durch sind, die Ergebnisse (bis auf Hoffenheim) komplett für Dortmund aber sicher auch den HSV als Gewinn gewertet können, kommt sie langsam, meine Derby-Stimmung. Okay, ich befürchte zwar gerade, dass Wolfsburg nach der spielerisch wirklich unglücklichen Niederlage in Hannover am nächsten Wochenende so heiß und motiviert (vielleicht ja auch durch einen neuen Trainer) wie lange nicht sein wird, wenn der HSV kommt. Aber das ist zum Glück erst in sieben Tagen. Bis dahin hoffe ich, dass die HSV-Profis sich ihrer Aufgabe bewusst werden und ihr so oft zitiertes „großes Potenzial“ endlich auch umsetzen. Denn nichts schmeckt süßer als ein Derbysieg.
Es ist alles gesagt. Ab jetzt zählen Taten. Nichts anderes.
Von dieser voraussichtlichen Startelf: Rost – Demel, Westermann, Mathijsen, Aogo – Ben-Hatira, Jarolim, Zé Roberto, Jansen – Petric, van Nistelrooy.
In diesem Sinne: Bis morgen!
19.05 Uhr
Tags: Elia, Guerrero, Jansen, Jarolim, Petric, Pitroipa, Trochowski, van Nistelrooy, Veh, Westermann