Monatsarchiv für Februar 2011

Der HSV-Rat vor einer wichtigen Entscheidung

28. Februar 2011

Die Ruhe vor dem großen Sturm? Heute war beim HSV Ruhetag, aber morgen geht es los: Am Dienstag versammelt sich der HSV-Aufsichtsrat, dann geht es in Runde eins um die Zukunft von Bernd Hoffmann und Katja Kraus. Nichts soll morgen entschieden werden, also noch keine Panik, es sollen nur die Weichen gestellt werden. In welche Richtung könnte es gehen, denn die Vertragsverlängerungen stehen nun an? Bis zum Ende des Jahres laufen die Verträge des Duos, was passiert danach? Geht es mit ihnen weiter – oder wird der Klub einen neuen Vorstand suchen und installieren? Hinter den Kulissen des HSV gibt es diverse Gerüchte – und immensen Betrieb. Der geht mit dem frühstücken, und der geht mit jenem zur Mittagszeit essen, um alles von allen Seiten ganz genau zu beleuchten. Und um zu raten und zu beeinflussen. Wahlkampf der etwas anderen Art. Reden und überreden lassen, das ist hier die Frage. Davon bekommt die Öffentlichkeit absolut nichts mit, aber es herrscht emsige Betriebsamkeit. Und ich als Außenstehender kann dazu nur mein ganz bescheidenes Urteil abgeben: „Es ist wirklich noch nichts entschieden, weder zur einen noch zur anderen Seite, erst einmal wird das Für und Wider beleuchtet.“ Und das ist auch gut so.

Wenn ich aber zuletzt geschrieben habe, dass ich – sagt mir mein Bauch – eher mit einer Vertragsverlängerung von Hoffmann und Kraus rechne, so wurde mir schon in den letzten Tagen von verschiedenen Seiten signalisiert, dass mein Bauch vielleicht doch ein wenig falsch liegen könnte. Ich hatte das daran festgemacht, dass die neu in den Aufsichtsrat gewählten Mitglieder, die eher der Anti-Hoffmann-Fraktion zugerechnet wurden, sich inzwischen sehr moderat über den Vorstandsvorsitzenden geäußert hatten. Dass ich daraus (oder mein Bauch) geschlussfolgert hatte, dass es mit unverändertem Vorstand weitergehen werde, sei aber, so wurde mir versichert, falsch gewesen. „Die Herren wollten mit ihrer Zurückhaltung“, so wurde mir mitgeteilt, „nur nicht mit der Tür ins Haus fallen.“ Intern würden aber schon sämtliche Probleme und Problemzonen des HSV und seiner Führung angesprochen werden, was auch vor der Aufsichtsratswahl schon oft genug getan worden ist.

Aha. Dann lassen wir uns alle mal überraschen. Auf jeden Fall scheint es nicht so zu sein, wie mir heute am Vormittag ein Herr vom HSV weismachen wollte: „Die Mehrheit für Hoffmann liegt bei acht zu vier – Hoffmann bleibt also im Amt.“ Nochmals aha. Aber es soll gar kein Verhältnis von 8:4 existieren. Alles also nur heiße Luft? Höchst wahrscheinlich. Der neue Aufsichtsrat hatte zuletzt die Entscheidung im Fall „Sportchef Matthias Sammer“ mit 12:0 Stimmen getroffen. Und der neue Aufsichtsrat hatte die Entscheidung für den neuen Sportchef Frank Arnesen ebenfalls mit 12:0 Stimmen getroffen. Einheitlich also.
Und das spricht für meine These, dass es in diesem neuen HSV-Rat wesentlich besser, geordneter und auch disziplinierter zugeht, als noch im alten Rat. Die zwölf Herren sind offenbar daran interessiert, in einhelliges Ergebnis zu erzielen und Geschlossenheit nach außen zu dokumentieren. Und sie sind deshalb bereit, darüber ausführlich und höchst intensiv zu sprechen, sich die verschiedensten Standpunkt anzuhören, dann erst abzuwägen. Alles nur zum Wohle des HSV. Wie mir versichert wurde. Im Klartext: Es geht hier nicht in erster Linie um Hoffmann/Kraus, sondern um den HSV. Nur um den HSV. Und genau deswegen ist jetzt alles noch offen. Kein 8:4, kein 9:3, kein 7:5 – alles aus der Luft gegriffen. Und wie sagte mir ein Aufsichtsrat noch vor (!) den Wahlen im 9. Januar – ich habe es nicht vergessen: „Hoffmann-Freunde im Rat hin, Hoffmann-Freunde im Rat her, alle, auch diejenigen, die bei uns pro Hoffmann gelten, können die Tabelle lesen. Und sie können auch eine Bilanz lesen und beurteilen. Deswegen macht man es sich zu leicht, wenn man sagt, dass das Kräfteverhältnis bei 8:4 läge. Wartet alle mal ab.“ Genau das machen wir. Uns bleibt ja auch keine andere Wahl.

Nur eines sollte bei all der Warterei vom Aufsichtsrat bedacht werden: So lange mit Hoffmann/Kraus nichts entschieden ist, so lange dürfte der Verein auch (leicht) blockiert sein. Weil die Entscheidung mit Armin Veh noch offen ist, weil auch die Verträge von acht Spielern auslaufen – was wird daraus? Die Zeit drängt, auch wenn das im Aufsichtsrat nicht jeder so sieht. Vielleicht aber sollte doch etwas an Tempo zugelegt werden, denn das Argument mit der Zeit (die man ja genügend hätte), das hielt sich auch viel zu lange und absolut fälschlich in den Räumen der Arena, als ein Sportchef gesucht wurde. Dadurch, dass dieses Thema viel zu lasch (und katastrophal) gehandhabt wurde, hatte der HSV mindestens ein Jahr verschenkt. Und genau deshalb sollten die Räte daraus gelernt – und die Lehren gezogen haben. Es wäre auf jeden Fall wünschenswert. Es muss jetzt, nachdem zur neuen Saison schon (und endlich) ein Sportchef gefunden wurde, schnellstens ein handlungsfähiger Vorstand her.

Und, um das abschließend sagen zu dürfen: Jetzt, an diesem Dienstag, wird zwar noch nichts entschieden, jetzt wird sich lediglich ausgetauscht, es wird ausgelotet – aber dennoch sollte ab sofort nichts mehr auf die lange Bank geschoben werden. Jeder Tag, der dem HSV davon läuft, könnte sich am Ende bitter rächen. Wobei ich auch (und natürlich) schon gefragt wurde, wie es denn wohl käme, wenn es nicht mit Hoffmann/Kraus weitergehen würde. Dazu sage ich ganz klar: Ich sehe im Moment keinen Mann (keinen Menschen), der für die Hoffmann-Nachfolge prädestiniert wäre. Aber sicherlich werden die Herren Räte auch diesen Punkt in ihre Überlegungen mit einbeziehen. Gegen Ende 2010 war (von der „Opposition“ im HSV) ja einmal angedacht worden, dass es mit einem ehrenamtlichen Präsidenten, der nur als Aushängeschild (und Gruß-Onkel) des Klubs gilt, weitergehen könnte, und dass dazu ein bezahlter Geschäftsführer die wirtschaftlichen Geschicke des HSV in seine Hände nimmt. Ich bin gespannt, ob dieses Modell noch immer eine Zukunft hätte.

Lassen wir uns überraschen. Das dürfte sich wohl auch Bastian Reinhardt heute gedacht haben, als er Richtung London flog, um sich zu einem Gespräch mit seinem Nachfolger Frank Arnesen zu treffen – und sich zu beraten. Auch darauf kann man ur gespannt sein, wie sich die Personalie Reinhardt dann entwickeln wird.

Und wo wir gerade in England sind: Der Sport-Informations-Dienst (SID heute noch drei „Leute des Tages“ vorgestellt. Einer von ihnen heißt Jerome Boateng, und der war bekanntlich früher einmal beim HSV. Über den Abwehrspieler wurde vom SID geschrieben: Der Fußball-Nationalspieler in Diensten des englischen Premier-League-Klubs Manchester City würde gerne mal einen Tag mit US-Präsident Barack Obama tauschen. „Mich würde interessieren, was er alles machen und regeln muss. Und was er täglich alles aushält“, sagte Boateng dem Kicker. Für den bedeutendsten Deutschen hält er Franz Beckenbauer: „Weil er eine Ausnahmefigur ist, als Spieler und Trainer alles gewonnen hat und die WM 2006 nach Deutschland brachte.“

Und auch Franz Beckenbauer war einst ja HSV-Spieler. Auch wenn das heute schon Urzeiten her ist.

Im Volkspark wird am Dienstag geübt, Armin Veh bittet seine Mannen um 10 Uhr auf den Rasen.

18.02 Uhr

Der HSV bald auf Dortmunds Spuren . . .

27. Februar 2011

Armin Veh geht, Armin Veh bleibt, Veh hat keine Lust mehr auf diese Eierei, Veh bleibt, Veh geht – ja was denn nun? Ich weiß es doch auch nicht. Weil alle nur noch rumeiern. Der Trainer selbst, die Verantwortlichen des HSV schon lange. Und, so die offizielle Version, so soll es ja auch noch zwei, drei Wochen weitergehen. Nichts Genaues weiß man nicht. Falls mich jemand fragt, denke ich mir eine Antwort immer mit dem Bauch aus: Armin Veh bleibt bis zum Saisonende, denn der HSV steht zurzeit auf Platz sechs, hat Platz fünf noch in Blickweite. Warum also jetzt den Trainer vor die Tür setzen? Aber am Saisonende, da wird Veh, und da vertraue ich nur meinem Bauch, Abschied nehmen von Hamburg.

Was ich nach wie vor nicht begrüße, aber das steht auf einem ganz anderen Papier. Armin Veh ist wahrscheinlich zum schlechtesten Zeitpunkt zum HSV gekommen, den ein Trainer sich nur aussuchen konnte, doch darüber habe ich bereits genügend Texte verfasst . . .

Wobei ich beim Thema Team mit Geist angekommen bin. Und bei „richtigem“ Fußball. War das nicht eine Wucht, wie Dortmund die Bayern entzaubert hat? Unglaublich. Ich kann mich nicht erinnern, dass der Rekordmeister auf eigener Anlage jemals so von einem deutschen Gegner so beherrscht, teilweise sogar vorgeführt worden ist. Warum ich das hier erwähne? Nicht, weil ich eine vielleicht gerade verheilte Wunde wieder aufreißen will (BVB – HSV). Es ist vielmehr die Tatsache, dass der HSV in diesem Sommer genau jenen Dortmunder Weg einschlagen wird (und muss), den auch die Borussia ging. Die Dortmunder waren doch unter der Führung Niebaum/Mieer finanziell mausetot, nachdem sie jahrelang „Millionenden“ zum Fenster hinausgeschmissen hatten. Und nun diese Wandlung – unfassbar!

Ihr werdet es aber erleben, dass der HSV nach dieser Saison auf den Spuren der Borussia wandelt. Ihr werdet es erleben, ganz sicher. Ich vertraue dabei vor allem dem neuen Sportchef Frank Arnesen. Der soll seine Hauptaufgabe in den vergangenen Jahren ja auch darin gehabt haben, beide Augen auf die Jugend zu richten. Nun wurde hier (bei Matz ab) ja schon genug gemault, dass bei Chelsea nie auch nur ein eigener Nachwuchsspieler das Licht der Premier League erblickt hat – was ja auch stimmen mag. Dennoch weiß ich aus berufenem Munde, dass Arnesen sich gerade im Nachwuchsbereich, und zwar im europäischen (!), bestens und überragend auskennt. Und deshalb muss der Däne dem HSV ganz einfach genügend junge Talente anschleppen – die in den letzten Jahren eben nicht in (und nach) Hamburg angeschleppt wurden. Der HSV muss doch mal in der Lage sein, kontinuierlich eigene Spieler an die Erste Liga heranzuführen. Herr Arnesen, übernehmen Sie! Sie sind im Prinzip meine letzte Hoffnung – nachdem es schon seit Jahrzehnten nicht geklappt hat.

Zur Erinnerung: Bei Dortmund spielt ein 18-jähriges Talent namens Mario Götze. Jetzt schon A-Nationalspieler. Der kam 2001 (!) von Eintracht Hombruch zur Borussia. Und: Es spielt für Schwarz-Gelb auch ein Mann namens Kevin Großkreutz. Der ist erst 22 Jahre alt, wurde auch schon A-Nationalspieler (lief und arbeitete gestern, ganz nebenbei, einen Mann namens Lahm in Grund und Boden) und kam nicht etwa von Inter Mailand. Auch nicht vom FC Barcelona. Er kam von Rot-Weiß Ahlen, und zwar im Jahre 2009. Nuri Sahin (22), der BVB-Kapitän, wurde auch von Dortmund entdeckt, und zwar beim „Welt-Verein“ RSV Meinerzhagen. Sven Bender (21) kam von München 1860, Marcel Schmelzer (23) vom 1. FC Magdeburg, der 22-jährige Torwart Mitchell Langerak, der gegen die Bayern völlig unaufgeregt seine Bundesliga-Premiere gab, wurde vom „Weltklasse-Klub“ Melbourne Victory verpflichtet, Stürmer Robert Lewandowski (22) kam von Lech Posen, wurde hierzulande einigen Erstliga-Klubs wie Sauerbier angeboten, bevor der BVB zugriff. Von dem Japaner Shinji Kagawa und dem Paraguayer Lucas Barrios einmal ganz abgesehen.

All diese Namen machen mir Hoffnung, dass der HSV diesen Weg auch einschlagen – und sich so an den eigenen Haaren aus dem Sumpfe ziehen wird. Und mal ehrlich: Ist ein solcher Fußball, den die Borussia in dieser Saison bietet, nicht einfach nur herrlich anzusehen? „Ich bin gespannt, ob diese junge Truppe dieses Tempo auch in der zweiten Halbzeit noch gehen kann – und wird“, hatte die Lichtgestalt Franz Beckenbauer zur Pause in München gefragt. Nach einer weiteren Stunde war er schlauer: Dortmund konnte dieses Tempo gehen. Die laufen nicht nur alle, die sprinten sogar. Die rasen wie die Hasen, die geben wie von Sinnen alles. Klasse. Einen solchen Überflieger-Fußball spielt in Deutschland nur Dortmund. Und wer auch immer von den jungen Kerlen nach dem Spiel gefragt wird, wieso das so ist, dann wird nur darauf verwiesen: „Wir sind ein Team, wir sind alle befreundet, hier kämpft jeder für jeden, wir verstehen uns auf dem Platz und im Alltag bestens.“ Das sagt jeder. Und ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass es nicht stimmt. Da passt einfach alles. So muss Fußball aussehen. Und wenn ich mir vorstelle, dass so auch bald der HSV . . . Sensationell, diese Vorstellung.

Fußball ist ja ein Laufspiel . . . Und auch in diesem Punkt gibt es beim HSV einigen Nachholbedarf. In Kaiserslautern klafften mir oft zu riesige Lücken zwischen Defensive und Offensive, da wurde auch nicht entschlossen nachgerückt, als der HSV nach der Pause am Drücker war. Aber liegt das nur am Alter der Spieler? Wenn das so einfach wäre, dann würden doch alle Vereine mit einem Talentschuppen a la Dortmund spielen. Wenn ich nur daran denke, dass beim BVB ein Robben nicht nur gedoppelt, sondern oftmals auch mit gleich drei Leuten bewacht wurde, die dann bei Balleroberung alle auch blitzartig umschalteten, dann wissen wohl alle in Hamburg, woran es hapert, woran hart gearbeitet werden müsste.

Aber nun weg vom kommenden Meister. Der HSV hat noch alle Chancen, ins internationale Geschäft zu kommen, es stehen noch zehn Spiele auf dem Programm. Wobei die nächsten beiden Partien nicht ganz so einfach werden, denn zu Hause gegen Mainz wird es schon ganz, ganz schwer. Und gerade diese Begegnung müsste der HSV schon gewinnen, um sich die Chance zu erhalten. Danach geht es zum FC Bayern, und dort zu gewinnen – schafft bekanntlich nicht jeder. Da aber die Mannschaft inzwischen selbst davon überzeugt ist, dass sie sich in diesem Jahr auf dem Wege der Besserung befindet, sollte sie es in den kommenden beiden Spielen mal unter Beweis stellen, dass es tatsächlich so ist – und dass das nicht nur hohle Worte sind.

Gespannt bin ich, wohin nun der Weg von Piotr Trochowski führen wird. Ob er sich noch einmal durch gute Trainingsleistung in die Startelf spielen kann? Ob er von der Bank aus kommend auf sich aufmerksam machen kann? Oder ob er künftig keine Berücksichtigung mehr finden wird? Ich gebe allen seinen (und meinen) Kritikern gegenüber zu, dass „Troche“ in Kaiserslautern kein Bein vor das nächste gesetzt hat. Das war gar nichts, das war ganz schwach. Er sollte eigentlich „rechtsdraußen“ spielen, hielt sich verstärkt aber in der Mitte auf. Es spricht für Armin Veh, dass er Trochowski nach dem Schlusspfiff nicht in Grund und Boden rammte (verbal natürlich nur), sondern nur eine sehr moderate Kritik äußerte. Der Spieler selbst wird wohl wissen, dass das nicht sein Tag gewesen ist. Wobei ich deutlich sage: schade. Für Trochowski selbst – und auch für mich.

Themawechsel. Während ich schreibe, läuft das Spiel Frankfurt – Stuttgart nebenbei. VfB-Spieler Delpierre wurde vom Platz gestellt, nachdem er den Frankfurter Provokateur Maik Franz umgeschubst hat. Das war Rot, klare Sache, aber dass ein Mann wie Wolfgang Stark immer noch nicht weiß, was dieser Franz auf dem Platz alles anstellt, dass niemand ihn nur aus heiterem Himmel umschubst, das kann ich nicht begreifen, das will mir auch nicht in den Kopf. So allmählich müssten doch alle Schiedsrichter wissen, was da abgeht – mit Franz. Der hatte, als der Ball vor einem Freistoß ruhte, dem VfB-Kapitän Delpierre – natürlich total unabsichtlich – auf den Fuß getreten. Übel, ganz, ganz übel, dass das ein so erfahrenes Gespann nicht sieht. Und sogar erst noch den falschen Spieler (Khalid Boulahrouz) vom Platz stellt. Ich wäre übrigens sehr gerne bereit, den Schiedsrichtern ein Videoband mit jenen Franz-Methoden zusammen zu schneiden, wie dieser Herr schon seit Jahren schauspielert und provoziert. Die Unparteiischen beeindrucken doch vor jeder Saison mit solchen Videobändern (bei allen Profi-Klubs werden diese vorgestellt), auf den klassische Fouls zu sehen sind. Warum nicht auch solche Dinge?

Zurück zum HSV. Über den Acker in der Pfalz haben sich alle aufgeregt. Und in der Tat, so etwas geht gar nicht. Ich kann mich erinnern, als der damalige HSV-Vorstands-Boss Werner Hackmann mal dabei war, als der Rasen in der Arena gewechselt wurde, da standen wir am Rande und er sagte zu mir: „In einigen Jahren wird hier Kunstrasen verlegt, da bin ich mir ganz, ganz sicher.“ Er hat es nicht mehr erlebt, aber wie lange wird es noch dauern? Weil ich dazu heute aus Richtung Geesthacht gefragt wurde, wie es sich mit dem Rasen und dem Kunstrasen verhält, hier die DFB-Geschichte dazu:

DURCHFÜHRUNGSBESTIMMUNGEN ZUR SPIELORDNUNG

ALLGEMEINER TEIL 1. Spielfeld und Stadion §1
Platzanlage
Jeder Verein hat die Pflicht, eine ordnungsgemäße Sportplatzanlage zur Verfügung zu stellen und dafür zu sorgen, dass die während eines Spieles auftretenden Schäden am Spielfeldaufbau unverzüglich behoben werden können. Dies gilt insbesondere auch für beschädigte Tore.
Der Spielfeldaufbau erfolgt nach den geltenden Bestimmungen der Fußball- Regeln (Regel 1) und ist daher von Werbung durch Dritte freizuhalten. Über Ausnahmen befindet der DFB.
§2
Platzsperre
Wird gegen einen Verein eine Platzsperre verhängt, so sind die in die Sperrzeit fallenden Heimspiele auf einem Platz auszutragen, der mindestens 30 Kilometer entfernt liegt und nicht ebenfalls einer Platzsperre unterworfen ist.
Erzielt der Verein, gegen den eine Platzsperre verhängt ist, gegenüber den möglichen Einkünften auf seiner Platzanlage Mehreinnahmen, sind diese ab- zuführen. Über die Verwendung entscheidet das Präsidium des DFB.
§3
Spielfläche
Das Spielfeld der Sportplatzanlage muss eine Naturrasen-Spielfläche haben. Die Spielfeldabmessung muss 105 Meter x 68 Meter betragen. Der DFB-Spielausschuss kann innerhalb folgender Bandbreite Ausnahmen bewilligen: Länge zwischen 100 Meter und 110 Meter, Breite zwischen 64 Meter und 75 Meter. Außerhalb der Begrenzungslinien des Spielfelds soll eine mindestens 1,5 Meter breite Grasnarbe oder Kunstrasenfläche vorhanden sein. Der ganze Spielfeld- bereich soll 120 Meter x 80 Meter betragen.
Bei Bundesspielen der Junioren und Juniorinnen und der 2. Frauen-Bundesliga ist als Ausweichplatz ein Kunstrasenplatz zulässig, der den Abmessungen von Absatz 1 entsprechen muss.

So, das war die offizielle Version in Sachen Rasen. Wir ein neuer Natur-Rasen verlegt, kostet das den Vereinen in der Regel um die 100 000 Euro.

Da der HSV erst am Sonntag auf Mainz 05 treffen wird, hatte die Mannschaft heute einen freien Tag – und auch der Montag ist noch frei. Weiter geht es am Dienstag um 10 Uhr im Volkspark. Auf Natur-Rasen.

17.03 Uhr

Einen Punkt vom Acker geholt

26. Februar 2011

Immerhin nicht verloren! 1:1 hatte vor kurzem auch Tabellenführer Dortmund beim 1. FC Kaiserslautern gespielt, aber der HSV hätte durchaus mehr als einen Punkt mit vom Betzenberg mit nach Hamburg bringen können. Der 4:0-Erfolg zuletzt über Werder hätte für viel Rückenwind sorgen können, doch gegen die hart, wacker und verbissen kämpfenden Lauterer tat sich die Veh-Elf lange Zeit schwer. Nach dem Pausenrückstand sorgte eine druckvolle Phase dann wenigstens noch für den Ausgleich, es gab danach nur noch ganz, ganz wenige Möglichkeiten, daraus einen Sieg zu machen. Letztlich ist dieses Unentschieden verdient, obwohl es beiden Mannschaften nicht so richtig helfen wird. Die böse Serie aber, dass der HSV immer dann verliert, wenn er oben „wieder dran“ sein könnte, diese Niederlagen-Serie ist gerissen. Und wer weiß, ob nicht auch der Punkt vom Betzenberg am Ende der Saison nicht noch ganz hilfreich sein könnte.

Einige tauschen den Rasen eben öfter mal aus, die anderen nicht. Und dann kommt ein solches Spiel dabei heraus. Ganz, ganz bitter. Flach spielen und hoch gewinnen, so heißt es ja oftmals, aber das war auf diesem Acker gar nicht möglich. Und dennoch kombinierte mir der HSV auf diesem Dorfplatz noch viel zu viel, statt sich das Leben mit langen Pässen zu erleichtern. Auch wenn das natürlich nicht nach kultiviertem Fußball aussieht, das ist mir schon klar, aber was macht man, wenn die Kugel wie in einem Flipper-Automaten hin und her springt? Ganz klar, dieser Boden kam den Pfälzern eindeutig entgegen, spätestens nach dem Führungstor. Denn da stellten sie sich hinten rein, machten die Räume ganz eng, gingen hart zur Sache – und versuchten sich mit langen Dingern.

Hart zur Sache – das ist das Stichwort. Jedes Mal, wenn ich mich auf einen Schiedsrichter freue, liege ich daneben. So auch diesmal. Dr. Felix Brych ist einer der besten Leute seiner Zunft, da hatte ich vorher keinerlei Bedenken, aber für ihn war es offenbar Gift, dass er zuletzt noch Marseille gegen Manchester United leitete. Brych pfiff in Kaiserslautern immer noch „international“. Nach dem Anpfiff erfolgte sein nächster Pfiff gefühlt erst in der 23. Minute – bei einem Foul an Mladen Petric. Dass zuvor Petric und Paolo Guerrero mehrfach zu Boden gebracht worden war, „übersah“ der Unparteiische geflissentlich, er tat es wohl als „internationale Härte“ ab und ließ das Spiel meiner Meinung nach viel zu großzügig laufen.

Dass der HSV zur Pause mit 0:1 zurück lag, das allerdings lag ganz gewiss nicht an Brych. Das lag ganz allein an Joris Mathijsen, der den Lauterern diese Möglichkeit erst ermöglichte, indem er die Kugel leichtfertig vertändelte. Orientierungsschwierigkeiten waren das. Wobei der Niederländer den langen Pass der Pfälzer besser erst gar nicht angenommen hätte, denn da stand der spätere Torschütze Hlousek klar im Abseits. Ein ganz, ganz erschütterndes Tor, dass so gar nicht zu einem Erstliga-Profi passte. Aber auch nicht untypisch für den HSV. Solche Dinger fängt im Zweifel immer nur Hamburg.

Zwei Chancen hatte Kaiserslautern, zwei auch der HSV. Der sich schwer tat, ins Spiel zu kommen. Teilweise zu langsam und pomadig der Aufbau, dann war es vorne schwer, den Ball zu kontrollieren. Die Umstellungen, die Armin Veh vorgenommen hatten, zahlten sich nicht wie vom Coach erhofft aus. Die rechte Seite blieb alles schuldig, alles. Piotr Trochowski hatte in der Offensive nicht eine einzige Szene, über seine Seite kam nichts, null – bedauerlich. Zumal Guy Demel auch keine Anstrengungen unternahm, etwas nach vorne zu tun. Und wenn doch, dann gab es (exakt zweimal) erschütternde Flanken ins Niemandsland. Nein, mit dieser rechten Seite war wahrlich kein Blumentopf zu gewinnen.

Über links ging es besser, wenn auch nie überragend. Allerdings hatte der wieder ins Spiel gekommene Marcell Jansen deutlich mehr und bessere Aktionen, als Trochowski auf der anderen Seite. Gebracht hat es allerdings auch nichts. Auch deshalb, weil die Pfälzer aggressiver und einfach giftiger waren. So hätte ich mir einmal mehr auch den HSV gewünscht, aber Fußball-Bundesliga ist ja kein Wunschkonzert.

Frank Rost verbrachte – bis auf die Schlussphase – eigentlich einen geruhsamen Nachmittag, beim 0:1 gab es nichts zu halten für ihn. Demel nach hinten ganz okay, wenn auch nie souverän, man muss oftmals Angst haben – Stichwort Stellungsspiel! Und einen „Bock“ hat er ja auch immer drauf – so diesmal in der 72. Minute, als er Moravek mustergültig „bediente“, Rost aber glänzend hielt.

Demels Nebenmann Gojko Kacar bot eine überragende Leistung, an ihm können (und sollten) sich alle ein Beispiel nehmen, wie man effektiv, konzentriert und engagiert bis in die Haarspitzen spielen kann. Das war eine glatte Eins. Was natürlich nicht für Mathijsen gelten kann – siehe das 0:1. Immerhin ließ sich der Routinier von seinem Patzer nicht runter ziehen, sondern spielte seinen Part solide zu Ende.

Solide war auch die Vorstellung von Dennis Aogo, obwohl er mir in der Anfangsphase ein wenig zu fahrig und auch zu nachlässig spielte. Immer dann, wenn er sich hundertprozentig auch körperlich einbringt, ist er gut und eine Stütze.

Gleiches gilt für Ze Roberto, der mir in Halbzeit eins ein wenig zu langsam spielte, oftmals den Quer- und den Rückpass als Option wählte. Das kann er wesentlich besser, vielleicht hat ihn der Trainer daran auch zur Pause erinnert, denn sein Pass auf Jansen, der in der 54. Minute das 1:1 erzielten konnte, war einfach nur klasse – ein Zuckerpass eben. Und: Ze Roberto legte dann auch eine deutlich bessere zweite Halbzeit hin.

Nebenmann Heiko Westermann spulte ein immenses Pensum herunter, gewann viele Zweikämpfe, erkämpfte sich etliche Bälle – wenn er dann die Ruhe bewahren würde, dann wäre er wahrscheinlich Weltklasse. Aber Westermann und das Abspiel, das ist ein ganz besonderes Kapitel, daran wird noch viel zu arbeiten sein, das wird auch noch so manchem HSV-Trainer graue Haare einbringen. Dennoch: Westermann ist ein vorbildlicher Kapitän und eine Stütze in diesem Team.

Was ich über Trochowski wahrscheinlich nie mehr schreiben werde. „Troche“ war bemüht, er lief viel, wollte ganz offenbar die Gunst der Stunde (und der unerwarteten Chance) nutzen – aber er war dabei ganz offensichtlich übermotiviert. Deswegen kappte nichts. Völlig berechtigt deshalb seine Auswechslung zur Pause, als Änis Ben-Hatira für ihn kam.

Links, wie gesagt, gelang Jansen deutlich mehr – und er schoss sogar sein erstes Saisontor. Mit rechts! Lohn für eine läuferisch gute Vorstellung. Läuferisch stark war auch Paolo Guerrero, der mir in Sachen Einstellung wirklich großartig gefiel. Paolo der Kämpfer. Er hat es offenbar kapiert, wie es zu gehen scheint. Wobei mir auch imponierte, dass er bewundernswert gelassen blieb, wenn er oftmals (ohne Pfiff) zu Boden befördert worden war. Eigentlich kennen wir ihn ganz anders, aber offenbar hat sich der Peruaner jetzt auch besser im Griff. Sein Stürmerkollege Mladen Petric versuchte auch immer viel (auch einige Male etwas zu egoistisch), wobei es oftmals nur bei diesen Versuchen blieb – der Kroate blieb blass. Ähnlich wie Ben-Hatira, der ein wenig zu „hippelig“ wirkte. Der Deutsch-Tunesier muss ganz einfach (wenn es denn so einfach wäre) abgeklärter werden – aber er ist ja noch jung und lernfähig.

In der 73. Minute brachte Veh für den ausgelaugten und glücklosen Guerrero Ruud van Nistelrooy. Der Niederländer aber hatte keine Szene mehr – außer nach einem Eckstoß, als er den Ball aus dem Gedränge heraus mit dem Arm Richtung Tor befördert hatte – Keeper Sippel hielt glänzend.

Schlusswort von Mladen Petric: “Wir wollten hier gewinnen, aber auch mit diesem Unentschieden ist noch nichts verloren für uns.”

17.26 Uhr

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