Monatsarchiv für Januar 2011

Dieser Sonntag ist ein (lauter?) Ruhetag

23. Januar 2011

Oha, hier muss man starke Nerven haben. Aber so ist das. Ich habe in den letzten 1000 Posts viel Kritik gelesen, viele Pöbeleien und Beleidigungen aber auch einigen Zuspruch. Und nach knapp einem Monat als Blog-Verantwortlicher hat sich mir eigentlich nur bestätigt, was ich vorher schon dachte: Schreibe ich über Rückkehrer, positive Entwicklungen, Hoffnungen und optimistische Ausblicke, oder eben einfach über tolle Leistungen – gibt es Lob. Teilweise sogar überbordend, was mich freut, was ich aber auch nicht zu ernst genommen habe. Wird aber über zu kritisierende Zustände geschrieben, gibt’s auf den Kopf. Insider-Informationen werden auf die gleiche Art bewertet. Bei Elia war es top, jetzt ist es Schmierenjournalismus. Das kommt so nicht von allen, aber von einigen. Und das ist okay für mich. So funktioniert der Fan nicht nur in Hamburg, sondern wohl überall. Ein Torschütze wird eben noch bejubelt und nur einen Augenblick später ist er der Loser und wird ausgepfiffen. Und die Erklärung dafür ist einfach und gar nicht ml unsympathisch: immer geht es dem einzelnen dabei darum, sein Liebstes – hier: den HSV – zu schützen. Mit allen Mitteln. Mit wirklich allen Mitteln…

Auch Da muss ich durch. Da komme ich auch durch. Zumal ich mir sicher bin, dass wir in den nächsten Monaten neben der einen oder anderen Delle auch ausreichend positive Geschichten rund um den HSV erfahren und aufschreiben werden. Vom sportlichen Erfolg bis hin zur verbesserten internen Struktur.

Ich habe gestern im zweiten Blog versucht, dem Wunsch einiger Blogger zu entsprechen und mich erklärt. Das wird mir hier ausgelegt, als wolle ich mich verteidigen oder „zurückrudern“. Dem ist nicht so. Ganz sicher nicht! Sollte dem mal so sein, werde ich das kennzeichnen, versprochen! Aber bis dahin gilt: Ich stehe zu dem, was ich schreibe. Euch wie auch den beschriebenen Protagonisten gegenüber. Auch wenn es mal richtig unangenehm für mich wird. Selbst dann, wenn ich einen Fehler mache, was schon vorgekommen ist mit Sicherheit auch in Zukunft vorkommen wird.

Immer wieder werden Entschuldigungen dafür verlangt, dass wir (Dieter und ich in diesem Fall) bei Veh und jetzt bei Sammer falsch lagen. Aber ganz ehrlich, hier ist weniger eine Entschuldigung nötig, denn eine Erklärung. Dass unsere Prognosen – am Ergebnis klar nachzumessen – falsch waren, ist uns ebenso wie Euch klar. Aber der Vorwurf, eine „Ente“ aufgeschrieben zu haben, ist nachweislich falsch. Selbst Sammer hat gesagt, es war alles so gut wie durch. Und diese Information hatten wir auch. Ich habe sie dann aufgeschrieben und es so gedeutet, dass Sammer verpflichtet wird. Das war falsch. Nicht mehr, nicht weniger.

Es gibt sie eben doch noch, die Pferde vor der Apotheke…

Heute ist kein Training. Heute ist Pause. Eine laute Pause, betrachtet man das TV- und Radioangebot. Denn heute können wir uns ab 15 Uhr (Aufsichtsratsboss Rieckhoff bei NDR 90,3) bis zum Sportclub (ebenfalls Rieckhoff als Gast) um 23.15 Uhr noch mal die „Geschichte Sammer“ erzählen lassen und unsere eigenen Schlüsse ziehen. Insbesondere, da Sammer heute in der Welt am Sonntag“ auf „www.Abendblatt.de“, in der „BamS“ sowie heute Abend bei „Sky90“ (19.30 Uhr live) ausreichend Zitate zum gesamten Vorfall liefert, bzw. liefern wird.

Heute ist beim HSV Ruhetag. Hier auch. Allerdings behalte ich mir vor, Euch zu informieren, sollte etwas passieren. Ob positiv oder negativ.

In der Hoffnung, dass wir alle (egal bei welchem Thema) wieder zu alter Sachlichkeit zurückzukommen, Euch allen einen schönen Sonntag!

11.39 Uhr

P.S.: Ich kann Euch versprechen, dass ich den werten Herrn S. heute nicht mehr aufführen werde, sofern sich keine senstaionelle Wendung in diesem Thema ergibt. Wer so übel nachtritt und seine eigenen Versäumnisse verleugnet, der hat keine Erwähnung verdient. Sammer ist Geschichte. Seine Äußerungen erzeugen Unruhe, die unnötig ist. Und die wollen wir vermeiden. Wir alle.

…in eigener Sache…

22. Januar 2011

Eigentlich wollte ich es nicht – aber ich will mir nicht nachsagen lassen müssen, mich Euch hier nicht zu stellen. Deshalb ein paar Dinge, die ich in eigener Sache gern klären würde.

Ich halte Armin Veh keinesfalls für einen schlechten Trainer. Ganz im Gegenteil. Ich glaube, dass er mit seiner direkten Art dem HSV gut tun kann und dass er erfrischend ehrlich ist. Trotzdem gibt es Aussagen, die nicht okay sind. Dazu zählt die gestrige. In der Situation, unmittelbar nach Sammers Absage und der für mich überraschend offensiven Ankündigungen Reinhardts hatte ich gehofft, dass Veh den Schulterschluss mit Reinhardt sucht. Gerade jetzt ist Zusammenhalt wichtig. Sportlich läuft es endlich, die Mannschaft arbeitet endlich auch als Mannschaft. Das sollte konserviert werden. Mit allen nötigen Mitteln. Es gibt für mich keinen Grund, einem Sammer jetzt lange hinterherzutrauern. Das würde nur ablenken vom an sich positiven Trend.

Sammer hat abgesagt – Punkt.

Und Armin Veh ist ein intelligenter Mann, der weiß, wie Fußball geht. Der weiß nach über 20 Jahren Trainerdasein, wie Teambuilding funktioniert. Und dass es auch für den Stab rund um eine Mannschaft sehr wichtig ist, zusammenzuhalten. Deshalb hatte ich auf den Schulterschluss gehofft. Ich hatte gehofft, dass sich Veh zum Thema Sammer entweder gar nicht äußert und auf den sportlichen Erfolg verweist. Oder eben den Schulterschluss mit Reinhardt sucht, um aus dem schwierigen Moment am Ende Stärke durch Geschlossenheit zu ziehen. Aber das hat er leider nicht. Das habe ich kritisch aufgeschrieben, dazu stehe ich auch.

Allerdings fordere nicht ich Entlassungen, so wichtig nehme ich mich selbst nicht. Es ist nicht meine Aufgabe, Vereinspolitik zu betreiben. Nein, ich beschreibe nur, was sich mir aus den Gesprächen mit den Entscheidungsträgern beim HSV offenbart. Und ich bin mir sicher, dass Veh und Reinhardt ein reinigendes Gespräch vor sich haben, das mit wenigstens einer Abmahnung enden dürfte. Und wenn dieses Gespräch ohne Abmahnung endet und sich beide Seiten einig sind – dann freue ich mich. Für den HSV! Die beschriebene Abmahnung ist lediglich meine Vermutung.

Aber, und das ist im Moment Fakt, Reinhardt ist aktuell der Sportchef. Einen anderen hat der HSV nicht. Und diesem stehen bis zum Sommer 21 Vertragsverlängerungen bevor. 21 wichtige Personalien, die über den Verlauf der saison 2011/2012 entscheiden. Und die muss er – sollte Veh sich mit dem HSV auf eine weitere Zusammenarbeit einigen können – auch im Einklang mit dem Trainer vornehmen. Und darauf hoffe ich.

Der Moment dafür ist sportlich gegeben. Und nichts wäre schlimmer, wenn sich der HSV die sportlich gute Ausgangslage durch unnötige, eigenproduzierte Baustellen kaputt macht. Das gab es zuletzt zu oft. Und deshalb mahne ich das an. Und mit meinen Schilderungen über Interna wie die Tatsache, dass Michael Oenning (den ich wie Veh für einen absoluten Fachmann halte!) das eine oder andere Mal eine andere Ansicht als Veh vertrat und dies Spielern gegenüber äußerte, möchte ich Euch den Einblick geben, der sich mir durch viele Gespräche mit verschiedenen Spielern ergeben hat. Damit versuche ich nur, Euch zu ermöglichen meine subjektive Interpretation der Dinge nachzuvollziehen. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.

Ich verstehe meine Aufgabe so, dass ich Euch möglichst umfassend über das informiere, was beim HSV passiert. Genauer: über das, was ich beim HSV mitbekomme. Dabei erwarte ich nicht, dass Ihr alle meine Meinung teilt. Im Gegenteil, der Blog funktioniert doch gerade wegen der vielen verschiedenen Meinungen. Und das ist auch das, was in den letzten Monaten immer wieder sehr viel Spaß gemacht hat: dieser Blog ist ein Marktplatz von Meinungen, Hoffnungen, Theorien, Fakten, Spekulationen und Diskussionen. Hier werden weniger schöne Geschichten – und hoffentlich ab jetzt auch wieder zunehmend schöne Erfolgsgeschichten aufgeschrieben und diskutiert.

Denn das macht am meisten Spaß. Auch mir.

In diesem Sinne: einen schönen Rest-Sonnabend und bis morgen. Gute Nacht.

Veh attackiert Reinhardt – Sammer den HSV

22. Januar 2011

Wer heute zum Auslaufen der Profis am Stadion gegangen ist, der hat vor allem eines gesehen: fröhliche Spieler. Ansonsten herrschte Ruhe. Wenig Fans, der Parkplatz vor der Geschäftsstelle war weitgehend leer. Es gab kein neues Statement Richtung Ruud van Nistelrooy. Das Einzige, was die angenehme Ruhe etwas störte, war der Nachhall der gestrigen Pressekonferenz. Denn da hatte Trainer Armin Veh zum wiederholten Male seinen alten und neuen Sportchef Bastian Reinhardt mit Einschätzungen geschwächt. Anstatt den Sportchef nach dem aufreibenden Sammer-Theater zu stützen, unterstellte Veh ihm mangelnde Erfahrung: „Er braucht Zeit, so einen Klub wie den HSV als Sportdirektor zu führen. Er ist 35, das kann er normal nicht alles bewerkstelligen.“ Worte, die die fast aussichtslose Reanimation von Reinhardts Autorität erschweren.

Da half es auch nichts, dass Dennis Aogo heute ein beachtenswertes Plädoyer für Reinhardt ablieferte. Reinhardt sei der richtige Mann am richtigen Ort und in der Mannschaft sehr hoch angesehen. „Man muss ihm die Zeit geben“, so Aogo, der überzeugt ist: „Bastian Reinhardt verkörpert genau das, was wir jetzt brauchen. Er ist jung und dynamisch. Er ist genau der Richtige für diese Position.“ Allerdings, und das war wahrscheinlich auch Aogos Antrieb für das Loblied, ist Reinhardt hinter dem Aufsichtsrat der größte Verlierer der letzten Wochen. Denn eines ist klar: dem 35-jährigen ehemaligen Innenverteidiger traut beim HSV keiner der Vereinsoberen zu, den Sportchefposten allein auszufüllen.

Am allerwenigsten Veh. Allerdings, und da lege ich mich fest, ist der HSV-Trainer nicht in der Position, Reinhardt zu kritisieren. Im Gegenteil: Reinhardt ist Vehs Vorgesetzter. Und sollte Reinhardt, der sich gestern im Sky-Interview nach dem Spiel beachtlich offensiv verkaufte, tatsächlich härter durchgreifen als zuletzt, dürfte die Personalie Veh ganz oben auf seiner Liste stehen. Reinhardt bleibt trotz der zuletzt drei Siege in Folge bei derartigen Statements seines Angestellten gar nichts anderes übrig, als ihn abzumahnen. Oder gar rauszuschmeißen. Alles andere würde seine Position und vor allem seine eh kaum noch zu reanimierende Autorität weiter schwächen.

Zumal das Ansehen Vehs beim HSV seit dem Winter in der Klubführung nicht mehr das Beste ist. Da hatte sich der Übungsleiter amtsmüde präsentiert, dies auch formuliert und später einen Rückzieher gemacht. Und auch auf die Gefahr hin, mir hier jetzt wieder neue Feinde zu machen: Dieter hatte Recht! Armin Veh galt beim HSV schon als abgehakt. Der Vorstand bastelte schon an der neuen Lösung. Dass es mit Veh nicht weitergehen würde, schien klar. Allein über die Gründe, weshalb es letztlich doch mit Veh weiterging, streiten sich die Experten heute noch. Dabei gibt es zwei Szenarien: 1. Als der Aufsichtsrat von den Vorstandsplänen erfuhr, teilte er Vorstandsboss Bernd Hoffmann mit, dass auch er seinen Hut nehmen müsste, sollte schon wieder der Trainer ausgetauscht werden müssen. Und 2., die meiner Meinung nach wahrscheinlichere Theorie: Der Aufsichtsrat legte sein Veto ein, bevor der Vorstand sich von Veh trennen konnte, weil die Personalie Sammer Anfang Januar zügiger als erwartet zu realisieren schien und man dessen Position abwarten wollte.

Warum auch immer, am Ende blieb Veh. Zum Leidwesen Dieters, weil er auf dem Tisch tanzen muss. Allerdings auch zu Dieters Freude, denn wir wissen alle, was er von dessen Trainerfähigkeiten hält.

Trotzdem folgt mir der Blogvater in der Einschätzung, dass eine Zusammenarbeit zwischen Veh und Reinhardt nicht mehr funktionieren kann. So schön unverblümte Spielanalysen sind, so authentisch Veh dadurch auch wirkt, seine zu offenen Meinungsäußerungen über seine Vorgesetzten disqualifizieren ihn. Und ich behaupte auch, dass ein Veh nach dem Spiel wusste, wie angreifbar er sich und seine Position macht, als er Reinhardt mit seiner Aussage öffentlich düpierte. Ich behaupte sogar, dass Veh trotz anderslautender Aussagen amtsmüde ist. Zumindest HSV-müde.

Der 49-Jährige war in Hamburg angetreten, um um den Titel mitzuspielen. Veh war überzeugt von der Qualität in der Mannschaft und vom großen Potenzial im Verein. Für den HSV verzichtete er auf viel Geld, das ihm noch aus seinem Angestelltenverhältnis mit dem VfL Wolfsburg zusatnd. Allerdings hielt seine Euphorie nicht lange an. Denn während ihn die Mannschaft (auch wegen zu vieler Verletzter) in der Hinrunde eines Besseren belehrte, konnte sich Veh mit seinen Wünschen im Winter nicht durchsetzen, personell nachzubessern. Zudem hat der umgängliche Trainer nach anfänglicher Harmonie inzwischen neben dem Vorstand und Aufsichtsrat selbst im eigenen Trainerstab Kritiker. Schon seit einigen Wochen soll sich nicht mehr der Cheftrainer um die Trainingsinhalte und taktischen Ansagen kümmern. Das soll sein Assistent Oenning übernommen haben, zu dem Veh ein professionelles, aber ein alles andere als vertrautes Verhältnis haben soll.

Auch mir gegenüber haben Spieler geäußert, dass sie das Gefühl hätten, Oenning wolle Vehs Job. Das allein, antwortete ich, sei ja auch legitim. Immerhin ist der HSV-Trainer einer der ranghöchsten Trainerposten in Deutschland. Den als Trainer nicht zu wollen, wäre für mich die größere Überraschung. Aber mir wurde geschildert, dass Oenning Vehs Ansagen in der Kabine und bei Mannschaftsbesprechungen intern immer wieder gegenüber den Spielern kommentiert haben soll. Immer wieder soll er gesagt haben, dass er vieles ganz anders machen würde beziehungsweise gemacht hätte. In der Mannschaft kam das bei einigen gut an, bei anderen gilt Oenning seither als illoyal.

Aber es war vor allem ein Vorgang, den auch Veh mitbekommen haben soll. Und eben einer, der in der allgemeinen Tristesse kurz vor der Winterpause zu der viel diskutierten Aussage beigetragen haben soll, als Veh darüber sinnierte, sein Amt nach dem Jahreswechsel eventuell nicht mehr anzutreten. Der Vorstand vernahm Vehs Gedankenspiele damals und entschied sich, einen Plan B zu schmieden. Der sah nicht mehr Veh als Trainer vor – aber okay, den Rest kennen wir, das hatten wir eben schon.

Allerdings könnte Plan B jetzt greifen. Denn Bastian Reinhardt kündigte an, das Gespräch mit Veh zu suchen. „Natürlich geht das so nicht“, sagte mir Basti heute, „der Trainer kann nicht immer Dinge öffentlich erklären, die zuerst einmal intern zu besprechen sind.“ Damit meinte Reinhardt vor allem die immer wieder formulierten Forderungen nach einem neuen Innenverteidiger. Schwerer wiegen jedoch die despektierlichen Einschätzungen Vehs. „Ich schätze Armin Vehs offene Art. Aber er darf es sich auch nicht zu leicht machen und immer alles öffentlich formulieren, was er denkt. Das gehört zuerst intern geklärt, bevor es öffentlich formuliert wird. So halten wir es eigentlich. Darüber haben wir auch schon gesprochen – aber darüber werden wir noch mal sprechen müssen“, so Reinhardt sauer. Ob er sich eine Zusammenarbeit mit Veh unter derartigen Voraussetzungen noch vorstellen kann?

Keine Antwort. Allerdings ein vielsagendes Schweigen….

Seine Antwort wird es nach dem nächsten klärenden Gespräch mit dem Trainer geben. Und das soll sehr zeitnah stattfinden.

Wie die Situation einzuschätzen ist? Ganz klar, als komplett unnötiges Theater. Als regelrecht dumm. Auch Veh muss sich mit Gegebenheiten arrangieren. Und das ist ihm, so schätze ich den eigentlich sehr teamorientiert denkenden Trainer ein, auch klar sein. Das muss ich in meinem Job, das müsst Ihr in Euren Jobs und das musss ein Bundesligatrainer auch – das gehört sich so. Natürlich können wir alle versuchen, intern bei den richtigen Ansprechpartnern (zumeist beim direkten Vorgesetzten) auf Missstände hinzuweisen und im besten Fall auch Lösungsvorschläge vorzutragen. Allerdings muss das intern passieren. Wie es sich für eine gute Gemeinschaft gehört. Und wie es die Verantwortlichen der Mannschaft vorleben müssen.

Und das alles nach drei Siegen in Folge. Und nach einem Bundesligaspieltag, der bislang gut für den HSV war. Immerhin sind es jetzt nur noch 17 Punkte auf Tabellenführer Dortmund 😉 Aber im Ernst, der HSV rückt auf den sechsten Platz vor und es sind tatsächlich nur noch (zumindest solange Leverkusen nicht gewinnt) vier Punkte bis zum Champions-League-Platz und drei bis zur Europa-League-Quali. Allemal Grund genug, gute Laune zu verbreiten.

Zumal sich auch heute, trotz des bestätigten Angebots aus Madrid, nichts an der Vereinshaltung im Fall Ruud van Nistelrooy geändert hat. Der hier im Blog bereits geschilderte Gedanke, den von Real nach Mainz verliehen Adam Szalai gegen Ruud zu tauschen wurde dem HSV offiziell noch nicht vorgetragen. Zudem hat Mainz-Manager Christian Heidel heute erklärt, dass Szalai auch nach der Transferperiode in Mainz spielen wird. Aber die HSV-Verantwortlichen gehen davon aus, dass Madrid vorschlagen wird, jetzt van Nistelrooy zu bekommen und im Gegenzug Szalai ab Sommer beim HSV spielen zu lassen. Allerdings soll auch dieser Vorschlag keine Chance haben. Reinhardt: „Es ist, wie wir es immer gesagt haben: Ruud bleibt.“

Hoffentlich.

Und während ich diesen Blog online stellen will, sehe ich nicht nur Werder, wie es in Köln sang- und klanglos untergeht, sondern auch, dass sich der werte Herr Sammer geäußert hat. Er wirft dem HSV „unprofessionelles Verhalten“ vor. Es sei „der Kardinalsfehler von Herrn Rieckhoff gewesen, diesen zeitlichen Druck aufzubauen. Das war unnötig und hat die Situation sehr belastet“, so Sammer gegenüber „Bild am Sonntag“. Der DFB-Sportdirektor nannte auch familiäre Gründe für seine Entscheidung. Mit dem HSV sei „im Prinzip schon alles geregelt“ gewesen, er habe aber noch das Wochenende für Gespräche mit seiner Familie gebraucht. Doch DFB-Präsident Theo Zwanziger habe wegen der Brisanz des Themas auf einer sofortigen Entscheidung bestanden. „Deshalb habe ich mich klar zum DFB bekannt“, sagte Sammer.

Logisch! Obwohl, wartet – nein, doch nicht… Überhaupt nicht! Immerhin sagte er selbst, er sei sich mit dem HSV einig gewesen. Und erhatte über Monate Kontakt. Zu wenig Zeit, um mit der Familie alles zu klären? Ganz sicher nicht…

Sammer macht es sich sogar so einfach, den Schwarzen Peter dem HSV-Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst-Otto Rieckhoff zuzuschieben, der sich am Dienstag sehr optimistisch geäußert hatte, Sammer zum HSV holen zu können. „Diese Äußerungen haben die geplanten zeitlichen Abläufe unmöglich gemacht und letztlich dazu geführt, dass eine schnelle Entscheidung getroffen werden musste“, sagte Sammer der „Welt am Sonntag“.
Na denn.
Und Sammer ging sogar noch weiter. Er versicherte, bei den Verhandlungen immer mit offenen Karten gespielt zu haben. „Deshalb habe ich ein reines Gewissen.“

In diesem Sinne, Euch allen einen ehrlicheren schönen Samstagabend! Bis morgen!

P.S.: Am Sonntag wird sich Sammer übrigens – ich weiß, die meisten wissen das schon, trotzdem noch mal – in der „Sky90“-Sendung nach den Sonntagsspielen erneut äußern. Ich bin gespannt!

P.P.S.: Heute konnte Marcell Jansen wieder voll mittrainieren. Auch Gojko Kacar soll trotz Platzwunde am Dienstag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.

Viele Verlierer und ein Sieger – die HSV-Mannschaft + UPDATE Ruud!

21. Januar 2011

+++++ Nach dem Spiel wurde bekannt, dass Real Madrid dem HSV telefonisch ein offizielles Angebot für Ruud van Nistelrooy unterbreitet hat. Über die Höhe der Ablösesumme schweigen sich alle Beteiligten aus. Zudem wiederholte HSV-Boss Bernd Hoffmasnn, dass man van Nistelrooy nicht abgeben werde. “Ein Wechsel ist unmöglich”, sagte Hoffmann.++++++

Großer Aufwand, wenig Ertrag. Was für die „Causa Sammer“ gilt, galt auch für das Spiel des HSV. Zumindest lange Zeit. Bis Mladen Petric die 50239 Anhänger erlöste und den HSV zumindest bis Sonnabend punktgleich an die Europa-League-Plätze heranschoss. Ein schöner Abschluss eines bis dahin mäßigen Tages. Diplomatisch ausgedrückt…

Aber bleiben wir beim Schönen, beim Fußball. Denn der hat nach dem starken 1:0 auf Schalke mit dem Sieg gegen die ersatzgeschwächten Frankfurter eine gelungene Fortsetzung gefunden. Genau genommen ist es der dritte Sieg in Folge in der Bundesliga (am 17. Spieltag wurde in Gladbach 2:1 gewonnen). Dabei bedurfte es eines Kraftaktes, einer erneut geschlossenen Mannschaftsleistung, um die drei Punkte einzufahren. Wieder waren es Attribute wie Fleiß und Teamgeist, die den Erfolg brachten. Und die Hoffnung auf eine wirklich deutlich bessere Rück- denn Hinrunde machen.

Dabei hatte die Mannschaft von Trainer Armin Veh gut begonnen. Knapp 20 Minuten wurde Pressing gespielt wie lange nicht. Nicht selten attackierten drei HSVer gleichzeitig die Frankfurter, sollten die einen ihrer gerade mal 30 Prozent Ballbesitz in der ersten Halbzeit haben. Und hätte Zé Roberto in der ersten Minute den Ball besser getroffen nach einer Flanke von Elia, oder hätte Änis Ben-Hatira in der 9. Minute den direkteren Weg zum Ball nach starkem Pass Zé Robertos gesucht – es hätte 1:0 oder gar 2:0 stehen können. So aber bestach die erste Halbzeit durch hohe Laufarbeit auf Seiten des HSV, cleverem Defensivverhalten der Frankfurter und viel Leerlauf. Dabei musste der HSV gegen Frankfurts B-Auswahl in der 35. Minute auch noch den Ausfall Gojko Kacars hinnehmen, der mit dem Ex-HSVer Alex Meier zusammengestoßen war und sich eine klaffende Platzwunde zuzog. Für den Serben kam Tomas Rincon, der die rechte Seite übernahm. Der dort bis dato gut spielende Demel rückte in die Innenverteidigung.

Und die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte. Pitroipa musste verletzt raus, für ihn kam entgegen eigener Ankündigungen Mladen Petric. Der Kroate war erst diese Woche ins Mannschaftstraining eingestiegen – zu früh für 45 Minuten, wie Veh noch gestern selbst angekündigt hatte. Dennoch machte Veh mit dem Bruch eigener Vorgaben alles richtig. Denn nach verhaltenen 20 Minuten war es der Mann mit der Nummer zehn, der einen schönen Pass des erneut sehr fleißigen Änis Ben-Hatira per Grätsche zum 1:0 in die Maschen beförderte. Eine verdiente Führung.

Was folgte waren 15 Minuten, in denen nichts anbrannte. Weder hier noch da. Verantwortlich dafür waren zum einen harmlose Frankfurter, aber vor allem eine gute Defensivleistung der Hamburger. Allen voran Elia in der ersten Hälfte, der keinen Ball verlorengab und Zé Roberto auf die gesamten 90 Minuten berechnet. Der Brasilianer arbeitete nach hinten, grätschte, gewann Zweikämpfe, bot sich permanent an und verteilte geschickt die Bälle. Symptomatisch die 86. Minute, als er bei einem Konter den langen Weg aus dem eigenen Sechzehner bis zum gegnerischen Sechzehner sprintete und den Ball bekam. Dass er diesen nicht mehr ordentlich verarbeitete sei ihm verziehen.

Erst in den letzten zehn Minuten kamen die Frankfurter annähernd gefährlich vors Hamburger Tor, in dem Rost gewohnt sicher alles entschärfte, was zu entschärfen war. Und hätte sich der HSV nicht derart viele unnötige Ballverluste (allen voran die schwachen Trochowski und van Nistelrooy) erlaubt, Armin Veh hätte nach dem Spiel rundum zufrieden sein können.

Eine echte, eine bittere Niederlage gab‘s dagegen schon im Vorfeld. Matthias Sammer sagte ab. Zu meiner Überraschung. Und zur Überraschung aller beim HSV. Ernst-Otto Rieckhoff wirkte regelrecht geschockt. „Ich habe einen trockenen Mund. Das war ja auch für mich eine Premiere“, bat der Aufsichtsratsvorsitzende nach seiner ersten außerordentlichen Pressekonferenz um Verständnis. Und der 59-Jährige machte keinen Hehl aus seiner Enttäuschung, die schon in Verbitterung überging. „Wir waren alle sehr überrascht, nachdem wir über Wochen gute Gespräche hatten. Und wir saßen noch am Dienstag in größerer Runde zusammen. Wir waren uns inhaltlich auch einig. Sammer lag ein unterschriftsreifer Vertrag vor.“

Einzig unterschrieben wurde er nicht mehr. Und das, obwohl sich Sammer noch am Freitagmorgen einzelne Formulierungen im Vertrag umstellen ließ. Dabei soll Sammer penibel genau gewesen sein – die Lehre aus dem Debakel beim DFB, wo man ihn als Sportdirektor quasi ohne eigenes Verantwortungsfeld ließ. So zumindest dachten die HSV-Kontrolleure, die bis kurz vor 16 Uhr alle davon ausgegangen waren, dass die causa Sammer klar sei. Lediglich der Zeitpunkt der offiziellen Verkündung war noch offen.

Wie gesagt, das allerdings nur bis kurz vor 16 Uhr. „Ich war wegen eines anderen Themas bei Alexander Otto“, verriet Vorstand Oliver Scheel, „und seine Sekretärin richtete mir aus, dass Herr Otto noch ein wichtiges Telefongespräch hätte.“ Am anderen Ende war Matthias Sammer. Und mit ihm die Absage, die den HSV bundesweit schlecht aussehen lassen. Ob der HSV einen Imageschaden davonträgt? „Nein“, sagt Rieckhoff, „ich bereue nichts, wir bereuen nichts. Wenn man so eine Option auf dem Tablett serviert bekommt, wären wir doch töricht, sie nicht zu forcieren.“ Das Ende sei so nie absehbar gewesen. Im Gegenteil. Als sich Rieckhoff am Dienstag mit seinen Formulierungen weit vorwagte, waren diese mit Sammer sogar abgestimmt.

Was für ein Spiel hat der ehemalige Dortmunder Meistertrainer gespielt? Hat Sammer den HSV benutzt, um seine Position beim DFB zu stärken? Wenn ja, hat er dies mit einer Akribie und einem zeitlichen Aufwand verfolgt, der selbst für den durchtriebensten Taktiker unnormal wären. Seit Juni stand Sammer im regen Kontakt zum HSV, seither gab es immer wieder intensive Gespräche. Sammer hat sich ein Konzept für den HSV ausgedacht und dies aufwendig genau den Kontrolleuren vorgestellt. Sammer hat sogar seine Mitstreiter benannt und diese in Verhandlungen mit dem HSV geschickt. Erst gestern hatte sich dafür Vorstandsboss Bernd Hoffmann mit Miroslav Stevic in Bremen getroffen, nachdem klar war, dass der Leipziger Sportwissenschaftler Dr. Karsten Schumann mit an die Elbe wechseln würde. Auch das Aufgabengebiet Sammers war bis ins letzte Detail geklärt, das Gehalt sowie die drei Jahre Laufzeit und der Posten im Vorstand vertraglich festgehalten. „Ja, es war alles klar“, so Rieckhoff desillusioniert. Ob er glaubt, dass der DFB den Druck auf Sammer so erhöht hat, dass dieser einknickte? „Das Gefühl habe ich.“

Es nützt nichts. Der HSV hat seinen Gau, die Sportchefsuche ist wieder da, wo sie im Sommer, vor der Installation Reinhardts war. Denn, das ist klar, auch wenn Rieckhoff gestern betonte, dass Reinhardt seine Arbeit genau so weitermacht, wie bisher, ist der ehemalige HSV-Verteidiger durch die Sammer-Affäre verbrannt. Gebrandmarkt mit dem Gütesiegel „nicht ausreichend“. Noch am Dienstag hatten die Kontrolleure im Glauben an Sammers Verpflichtung ihrem amtierenden Sportchef mitgeteilt, er möge sich mal Gedanklen machen, wo er seine Rolle sieht. Man würde viel Wert auf ihn legen…

Ist klar.

Aber auch Sammer hat an dieser Geschichte Schaden genommen. Der Ruf des geradlinigen Typen hat eine Delle bekommen. Die Mutmaßungen, weshalb er in letzter Sekunde doch noch absagte sind vielfältig und geprägt von Charakterschwäche. Besonders interessant finde ich dabei die Theorie, Sammer sei nur umgefallen, weil ihn am Donnerstag Uli Hoeneß kontaktiert habe und ihm die Rolle des Cheftrainers beim FC Bayern in Aussicht gestellt hat. Dort würden die familiären Bedingungen stimmen, Sammer wohnt in München, fühlt sich sehr wohl und sein Sohn gilt als großes Talent im U-16-Nachwuchsteam des FC Bayern. Und die Liaison des FCB mit ihrem eigenwilligen und eigenmächtigen Trainer Louis van Gaal gilt gemeinhin als zweckgebunden und wenig liebevoll… Wohlgemerkt, eine Theorie mit vielen Konjunktiven….

Abwarten. Erst einmal müssen wir eine Geschichte verdauen, die keinen einzigen Gewinner, dafür eine ganze Menge Verlierer hervorgebracht hat.

22.23 Uhr

Update causa Sammer: Rieckhoff spricht

21. Januar 2011

Ernst-Otto Rieckhoff musste was trinken. „Ich habe einen trockenen Mund“, so der Aufsichtsratsvorsitzende nachdem er seine Verlesung vorgenommen hatte. Und der neue Chefkontrolleur war aufgeregt. Zumal der Anlass seiner ersten außerordentlichen Pressekonferenz kein angenehmer war. Entsprechend niedergeschlagen wirkte der 59-Jährige. „Das war ja auch für mich eine Premiere.“

Naja, genau genommen nicht. Sportchefkandidaten haben schon des Öfteren abgesagt. Der zehnte Kandidat war Matthias Sammer. Bis er am frühen Nachmittag in einem persönlichen Telefonat bei Ratsvize Alexander Otto absagte. „Wir waren alle sehr überrascht“, so Rieckhoff, „nachdem wir über Wochen gute Gespräche hatten.“ Weshalb er selbst am Dienstag so offensiv und optimistisch gewesen sei? „Sehen sie, wir hatten über Wochen derart gute Gespräche. Und wir saßen noch am Dienstag in größerer Runde zusammen. Wir waren uns inhaltlich auch einig. Sammer lag ein unterschriftsreifer Vertrag vor.“ Zudem habe der Rat Sammer noch vor der Sitzung am Dienstag mitgeteilt, wie man sich am Abend der Presse gegenüber äußern würde.

Einen Imageschaden für den HSV sieht Rieckhoff nicht. „Ich bereue nichts. Wir hatten keine Sportchefsuch. Wir hatten immer nur die Option Sammer. Wenn man so eine Option auf dem Tablett serviert bekommt, wären wir doch töricht, sie nicht zu forcieren.“ Vielmehr läge der Schwarze Peter beim DFB. Der habe Sammer unter Druck gesetzt. Ob das auch Rieckhoffs Wissen entspräche? „Das Gefühl hatte ich schon.“ Wie es jetzt weitergeht? „Ich habe mit Bastian Reinhardt gesprochen. Er wird seine Arbeit so weitermachen wie bisher.“

Wie bisher? Also so, dass der Rat nicht zufrieden ist?

Klingt alles seltsam. Ist alles seltsam.

Mehr dazu nach dem Spiel…

P.S.: Die Verlesung Rieckhoffs ist auf www.hsv.de zu lesen.

18.57 Uhr

Sammer sagt dem HSV ab!

21. Januar 2011

Unglaublich, aber wahr: Matthias Sammer sagt dem HSV ab. Das teilte DFB-Boss Theo Zwanziger nach der heutigen Präsidiumssitzung mit. „Wir freuen uns, dass er seine engagierte Arbeit im Nachwuchsbereich auch in Zukunft fortsetzen wird“, so Zwanziger.

Warum genau sich Sammer entgegen allen Vermutungen für den DFB und gegen den HSV entschieden hat, ist noch unklar. Sobald ich Genaueres weiß, melde ich mich wieder bei Euch.

16.14 Uhr

Elia will in die Champions League

20. Januar 2011

Matthias Sammer soll sich äußern. Das fordert Dr. Theo Zwanziger. Der DFB-Präsident will eine Entscheidung vom designierten HSV- und aktuell amtierenden DFB-Sportdirektor. Und?

Er wird sie nicht kriegen.

Sammer wird sich bei der morgigen Präsidiumssitzung nicht festlegen. Und die Schuld daran hat – wenn man es genau zurückverfolgt – der DFB selbst. Denn erst das ewige Tauziehen um Verantwortungen innerhalb hat Sammer so vorsichtig gemacht, dass er sich beim HSV sein Arbeitsprofil bis ins Tausendstel vertraglich zusichern lässt. Und das dauert. Die Familie steht hinter einem Wechsel nach Hamburg, obwohl Sammers 15 Jahre alter Sohn als großes Nachwuchstalent im Internat des FC Bayern bleiben wird. Die Entscheidung von scheint gefallen. Der Vollzug lässt auf sich warten. Allerdings soll auch der innerhalb der nächsten sieben Tage erfolgen.

Und die Vorfreude ist nicht nur bei Euch. Auch Trainer Armin Veh, dessen Position als Cheftrainer mit der Verpflichtung Sammers kippen könnte – zumindest besagen das etliche Gerüchte – freut sich auf den Neuen. „Er hat als Trainer gearbeitet, im DFB Verantwortung getragen – er hat Erfahrung. Und er ist nicht angreifbar. Er hat bewiesen, dass er Dinge entwickeln kann. Sammer wäre für den HSV eine gute Sache.“ Ob er sich um seine eigene Position Sorgen macht? „Nein. Ich mache mir nur über die Dinge Gedanken, die ich entscheiden kann.“

Nun werdet Ihr alle (oder zumindest ein großer Teil von Euch) Dieter auf Sport1 gehört haben. Da hat der Grande doch auch gleich mal ein Planspiel rausgehauen: Sammer für Louis van Gaal zum FC Bayern. Na denn. Zum Glück weiß ich, dass es dafür keine aktuellen Indizien gibt. Nein, auch Dieter hat den Kenntnisstand, dass sich Sammer heute nicht entscheiden wird. Die Frage, die sich auch Dieter aufgedrängt hat: Warum sollte Sammer auch? Er hat einen laufenden Vertrag beim DFB. Und vor allem: wie kommt der DFB dazu, Druck auf den HSV aufzubauen? Nachdem der HSV einen bestehenden Vertrag mit Urs Siegenthaler trotz fehlender Alternative bereitwillig aufgelöst hatte und im Bestechungsskandal um Robert Hoyzer ebenfalls mehr als kooperativ war scheint mir, hätte dieser HSV mehr verdient. Zudem hat Zwanziger den Kompetenzstreit zwischen Sammer und Bundestrainer Joachim Löw mit seinem Machtwort pro Löw entschieden – und Sammer damit zum Chef ohne Angestellte gemacht. Dem einstigen Europameister bleiben nur die U-Junioren. Und bei Sammers Erfahrung, seinen sportlichen Verdiensten und seinen nachgewiesenen strategischen Fähigkeiten bei der Nachwuchsförderung sollte Zwanziger wissen, dass ein solcher Mann nicht lange zu halten ist. Im Gegenteil: Wenn Zwanziger Anstand hat, legt er Sammer keine Steine in den Weg.

Aber okay, bei allem, was ich höre, werde ich nicht unruhig. Da kann ich ruhig die Tage abwarten und mich weiter darauf freuen, dass schon bald die „geballte sportliche Kompetenz“ beim HSV Einzug hält. Der Name: Matthias Sammer.

Bis dahin freue ich mich unvermindert auf die HSV-Spiele. Auch auf die morgige Partie gegen Eintracht Frankfurt. Denn zum einen ist Ruud van Nistelrooy offenbar wirklich der Vollprofi, den wir in ihm gesehen haben. Zum anderen ist die Mannschaft mutig. Trainer Armin Veh setzt auf Piotr Trochowski für den gelbgesperrten David Jarolim. Und damit auf die offensive Variante. Mit Zé Roberto, Elia, Pitroipa und Änis sowie Ruud davor hat der HSV sechs Offensivkräfte auf dem Platz. Und das, obwohl Armin Veh insbesondere vor der Konterstärke der Hessen warnt. „Sie spielen seit Skibbe sehr vertikal, schnell nach vorn. Ihr Spiel ist der Konter. Und den werden wir vermeiden müssen.“
Mit Zé und Troche?
Zumindest im heutigen Training schien das noch nicht richtig zu klappen. Das B-Team gewann das Abschlussspiel der heute gerade mal 50 Minuten langen Einheit in der Imtech-Arena und ausgerechnet Trochowski wirkte dabei wackelig.

Umso stärker dafür die beiden Außen, Jonathan Pitroipa und Eljero Elia. Besonders Letztgenannter scheint noch mal richtig aufzudrehen. Gegen Schalke war der Niederländer offensiv gefällig und defensiv auffällig fleißig. Und er nennt dafür auch den Grund: „Ich bin fit. Richtig fit.“ Im letzten Jahr habe er nach jeder Trainingseinheit eine Massage gebraucht, um die Anstrengungen zu verkraften. Heute nicht mehr. Und auch der Grund hat einen Namen: Günter Kern, der neue Konditionstrainer des HSV. „Er hat uns im Trainingslager gekillt. Das war hart“, stöhnt Elia auch heute noch, „aber ich bin richtig fit. Ich gehe jetzt vom Platz und gleich nach Hause. Keine Behandlungen mehr.“

Es passt. Und Elia sieht es auch so. „Ich bleibe“, sagte er uns heute und dementierte damit etwaige Gerüchte, noch in der Winterpause zu wechseln. Dazu maßgeblich beigetragen hat auch Trainer Armin Veh, der zuletzt betont hatte, auf Elia zu setzen. Bei allen Nebengeräuschen. „Der Trainer vertraut mir“, freut sich Elia, „und ich kann es ihm jetzt endlich zurückzahlen.“ Was sich seit der als verkorkst abgeschrieben Hinrunde verändert habe? „Wir sind fitter“, so die kurze Antwort, „ich und die ganze Mannschaft. Dennis Aogo ist wieder bei 100 Prozent, Gojko Kacar und Heiko Westermann stehen gut und auch Guy fängt an, wieder gut zu spielen“, lobt der 23-Jährige die HSV-Defensive und erklärt die Erfolgsformel: „Und offensiv sind wir immer in der Lage zu treffen.“ Hinten die Null, vorne mindestens einen Treffer – so einfach sind Siege. Und so verführerisch. Zumindest formuliert der neben dem Platz als ebenso kindsköpfig wie auf dem Platz als genial geltende Niederländer neue, große Ziele: „Wir haben jetzt die Qualität, unsere Ziele zu erreichen. Und wir wollen nächste Saison alle Champions League spielen.“ Und, auf die Nachfrage, was ihn so optimistisch macht, offenbarte uns der Außenstürmer noch ein kleines, bislang unbekanntes Detail. „Wir waren immer mental stark – und jetzt sind wir es auch physisch. Wir kämpfen jeder für jeden. Und dass wir Qualität haben, steht außer Frage. Ich bin ja auch nicht für 9,8 Millionen Euro nach Hamburg geholt worden, weil ich so eine gute Frisur habe, sondern wegen meiner fußballerischen Qualität.“ 9,8 Millionen? Bislang hieß es immer, er sei 2009 für neun Millionen gekommen. Aber na gut, jetzt wissen wir mehr…

Na dann, ich wäre nur zu gern dabei.

Und so soll es heute klappen: Rost – Demel, Kacar, Westermann, Aogo – Zé Roberto, Trochowski – Pitroipa, Ben-Hatira, Elia ¬– van Nistelrooy.
Einzige Änderung gegenüber dem Schalke-Spiel ist Mladen Petric, der für den gesperrten Jarolim in den Kader rückt. „Mladen hat die Woche gut trainiert“, so Veh heute, „er ist so weit, 20 Minuten zu spielen.“

In diesem Sinne: hoffentlich bleibt‘s bei meinem erhofften 3:0-Sieg, Ruuds Doppelpack und Mladens Einwechslung in der 70. Und vor allem: hoffentlich bewahrheitet sich Elias Prognose…

20.15 Uhr

P.S.: Noch ein kleiner Tipp: Wer mal ein HSV-Interview der etwas anderen Art sehen will, der klickt einfach bei www.sportXperten.de rein. Aktuell ist dort ein aufschlussreiches Gespräch von drei jungen Nachwuchsjournalistinnen zu sehen, die Jansen auch auf dessen Schreibfehler bei seinen Tattoos aufmerksam machen…

P.P.S.: Ich habe den Anstoßzeitpunkt von “heute” auf “morgen” korrigiert. Danke fürt den Hinweis “Jonas”!

…dann kann plötzlich alles ganz schnell gehen…

19. Januar 2011


Dass ich Euch auch immer anlügen muss! Entschuldigt! Gestern hatte ich Euch geschrieben, Sammer sei bereits in Hamburg und dass er bleibt. Beides, darauf haben mich meine Kollegen aufmerksam gemacht, stimmt so nicht. Denn zum Einen haben sich die Aufsichtsräte nicht in Hamburg sondern zwei Autostunden entfernt mit Sammer getroffen, und zum Zweiten ist Sammer anschließend wieder gen Heimat gereist.

Aber ganz ehrlich: das ist mir alles sch…egal.

Denn, und das wollte ich mit der Überschrift aussagen, Sammer hat sich mit einem Großteil der zwölf Räte persönlich getroffen, indem er zu ihnen gereist ist – und er ist sich inhaltlich einig mit dem HSV-Kontrollgremium. Dass die werten Herren Kontrolleure das Treffen am gestrigen Abend leugneten, darf als Versuch gewertet werden, dem DFB etwas vorzugaukeln. Denn die reagieren auf derartig konspirative Treffen – ohne dass ihnen vorher Bescheid gegeben wurde – manchmal sonderbar.

Das tun sie allerdings auch, wenn ihnen Bescheid gegeben wird. Denn heute war aus Frankfurt lange zu vernehmen, dass keiner etwas vom HSV und Sammer gehört habe. Als den Granden des größten Dachverbandes der Welt dann mitgeteilt wurde, dass der HSV-Aufsichtsrat bereits am Vorabend offiziell das Interesse an Sammer bekundet hatte, kam ein offizielles Statement von Wolfgang Niersbach: „Der erklärte Wunsch des DFB ist es, dass er uns als Sportdirektor mit seinem Engagement und seiner Kompetenz erhalten bleibt“, sagte Niersbach und stellte Sammers Willen, zum HSV zu wechseln, grundsätzlich in Frage: „Für den DFB ist die Situation unverändert: Auch nach einem Telefonat zwischen Matthias Sammer und mir gibt es für uns kein Signal, dass der bis 2013 laufende Vertrag aufgelöst werden soll.“
Allerdings, das sagt zwar keiner, aber das wissen alle, sollte Sammer sich schnell für den HSV entscheiden, dürften auch Vertragsauflösung beim DFB und Unterschrift beim HSV schnell gehen. Wie zu hören war, soll die Präsidiumssitzung des DFB am Freitag noch abgewartet werden, danach die Entscheidung fallen.

Eine Hängepartie erwartet jedoch niemand. Auch die hier im Blog vermutete Ablösesumme, die vom DFB gefordert werden könnte, soll kein Thema sein. Zum einen hatte sich der HSV sauber bei dem gescheiterten Engagement mit Siegenthaler gezeigt. Und zum anderen soll Sammer nach den Streitigkeiten mit Bundestrainer Joachim Löw, Oliver Bierhoff und Dr. Theo Zwanziger bereits signalisiert worden sein, dass sein bis 2013 laufender Vertrag notfalls aufgelöst wird – wenn er selbst es so will.

Und dass scheint so zu sein. Zum großen Glück für den HSV.

Denn Sammer gilt als stiller Architekt des DFB-Jugendstils. Unter dem Ex-Meistertrainer wurden die Europameisterschaften der U17 (2009), der U19 (2008) und der U21 (2009) gewonnen. Dennoch wurde Sammer nach einem Streit mit Löw und einem Machtwort Zwanzigers die Verantwortung für die U21 verweigert. Grund genug für Sammer, seine Rolle beim DFB grundsätzlich zu überdenken.

Keine Rolle in den Gesprächen hat bislang Horst Hrubesch gespielt. Und, bei aller Wertschätzung für das einstige Kopfballungeheuer, wer Hrubesch als neuen Jugendchef fordert, liegt falsch. Mit Paul Meier hat der HSV seit Sommer einen ausgewiesenen Fachmann, der sich mit unfassbarer Akribie um eine komplette Neustrukturierung der Jugend kümmert. Und der Schweizer hat klare Richtlinien, hat ein klares Ziel.: Jugendspieler bis ins Profiteam zu führen. Er setzt seine Marschroute konsequent durch, gibt Jugendtrainern Vorgaben, wie sie auszubilden haben und kontrolliert höchstpersönlich die Umsetzung. Warum aber sollte hier wieder alles über den Haufen geworfen werden? Nur, um einen sicher sehr verdienten Ex-HSVer einzubinden? Ich glaube, das wäre die richtige Tat zur falschen Zeit. Und das falsche Signal. Allerdings, und das geisterte hier auch rum, Hrubesch als Trainer einzubauen wäre eine andere Nummer. Die Frage ist nur, wo…
Gleiches gilt für Bastian Reinhardt. Auch die neue Position des 35-Jährigen ist weiter unklar. Und Reinhardt ist mächtig sauer über seine bevorstehende Entmachtung. Wirklich hinnehmen mag der Sportchef seine Degradierung trotz der warmen Worte von Aufsichtsrats-Vize Alexander Otto nicht. „Wir haben großes Interesse, dass er im sportlichen Bereich eine wichtige Rolle spielt“, sagte Otto: „Darüber haben wir auch mit Sammer gesprochen.“ Und eben mit Reinhardt. Mit dem Unterschied, dass das Gespräch nicht in Harmonie endete.

Ein Ende gibt es auch in der Angelegenheit Ruud van Nistelrooy noch nicht. Allerdings weigere ich mich, hier über etwaige Wechselszenarien zu berichten, solange die Aussage des HSV („Wir werden ihn nicht abgeben. Ruud bleibt!“) Bestand hat. Zwar erzählen uns unsere spanischen Kollegen jeden Tag „große Neuigkeiten“, und quasi jeden Tag rückt ein Wechsel näher, allein beim HSV ist bislang kein offizielles Angebot eingegangen. Deshalb beschränke ich mich hier auf Ruud, wie er sich beim HSV gibt. Sportlich wohlgemerkt.
Und das ist nett zu sehen.
Heute versteckte sich Ruud lachend hinter Gojko Kacar, als er aus der Kabine kam. So wollte er einem spanischen Fotografen entkommen, der tatsächlich nichts unversucht ließ, van Nistelrooy zu fotografieren. Auch im Training zeigte sich Ruud von seiner guten Seite. Kurzum: Dem Niederländer, der angeblich mit Streik gedroht haben soll, ist von dem Wechseltheater nichts anzusehen. Bei der mal wieder langen Einheit (gute 110 Minuten) absolvierte der 35-Jährige problemlos die Konditionseinheit mit Schleifer Günter Kern, er wirkte beim Zonen-Spiel Fünf-gegen-zwei ebenso frisch wie beim Abschlussspiel 11-gegen-elf über den ganzen Platz.

Hierbei interessant: wer schlüpft in die Rolle des am Freitag gegen Frankfurt gelb-gesperrten David Jarolim? Und Armin Veh macht es spannend. Er ließ schon A gegen B spielen, allerdings tauschte er die Position neben Zé Roberto einmal. Zuerst durfte Trochowski ran, dann Rincon und dann – wieder Trochowski, der seine Sache trotz beklagter Defensivschwächen ordentlich machte.

Ebenfalls dabei: Mladen Petric. Der Kroate ist wieder fit, auch wenn Veh sagt: „Wir müssen sehen, ob er schon für Freitag eine Alternative ist.“ Petric selbst ist – mal wieder – optimistischer. „Ich habe die ganze Zeit daraufhin gearbeitet, gegen Frankfurt wieder im Kader zu stehen. Ich fühle mich gut und hoffe, zumindest auf der Bank zu sitzen.“

Das hoffe ich auch. Ich hoffe, dass Mladen in der 70. Minute beim Stand von 3:0 für den Doppeltorschützen Ruud van Nistelrooy eingewechselt wird…

Aber auch hier gilt: am Freitag wissen wir mehr.

In diesem Sinne: Nur der HSV!

19.19 Uhr

Aufsichtsräte votieren einstimmig für Sammer

18. Januar 2011

Um 20.44 Uhr wurde die Entscheidung verkündet: Ernst-Otto Rieckhoff wurde mit nur einer Gegenstimme zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates gewählt, als erster Stellvertreter wurde Alexander Otto ohne Gegenstimme bestätigt. Der neu in den Rat gewählte Manfred Ertel wurde mit einer Gegenstimme zum zweiten Stellvertreter gewählt. „In diesem neuen Aufsichtsrat herrscht ein konstruktiver Geist, es wurde ein Gefühl der Gemeinschaft entwickelt“, sagte Rieckhoff. „Wir sind guter Dinge, die weiteren Personalien in den kommenden Tagen klären zu können.“ So viel zu den heute eher nebensächlich erscheinenden Themen.

Denn, neuer Sportchef soll Matthias Sammer werden. Das bestätigte jetzt auch der Aufsichtsrat offiziell. Und während die Räte dementierten, heute mit Sammer zusammengesessen zu haben, zeigten sie sich als Gremium geschlossen hinter dem Gedanken, Sammer nach Hamburg lotsen zu wollen. „Wir haben einstimmig entschieden: Falls der DFB ihm ermöglicht, sein Vertragsverhältnis dort aufzulösen, werden wir ihm ein Angebot unterbreiten“, erklärte Otto. „Seine Leidenschaft, seine sportliche Vision und seine Kompetenz sprechen für ihn.“

Über die Personalie Horst Hrubesch wurde nicht gesprochen, ebenso wenig stand das Thema Ruud van Nistelrooy auf der Tagesordnung.
Bastian Reinhardt soll dem HSV im sportlichen Bereich erhalten bleiben, in welcher Funktion genau, will der Aufsichtsrat morgen bei einem persönlichen Gespräch klären. „Er hat sich in den letzten Tagen immer loyal verhalten“, sagte Otto. Jürgen Hunke wird Vorsitzender des Finanzausschusses.

So viel zu den Fakten. Inhaltlich werdet Ihr Euch sicherlich ab sofort, ich mich per Blog morgen mit dem Thema auseinandersetzen.

Ich glaube, das war ein guter Tag für den HSV. Und Euch wünsche ich eine ebenso schöne Nacht.

21.30 Uhr

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