Monatsarchiv für Januar 2011

In Nürnberg soll die Serie fortgesetzt werden

28. Januar 2011

Und schon war er raus. „Wenn ein Spieler wechseln sollte oder kurz davor steht, dann nominiere ich ihn nicht mehr“, hatte Veh am Donnerstag bereits angekündigt – und dies jetzt umgesetzt. Choupo-Moting, für den sich sowohl der 1. FC Köln als auch Premier-League-Klub West Bromwich interessieren, wurde aus dem Kader für die Partie gegen Nürnberg gestrichen. Weil er geht? „Nein“, so die kurze Antwort von Sportchef Bastian Reinhardt unmittelbar bevor der OLT-Flieger samt Mannschaft gen Nürnberg abhob, „das liegt vielmehr daran, dass einfach zu viele Spieler gesund sind und sich der Trainer auf 18 Spieler beschränken musste.“ Dennoch geht auch Reinhardt nicht von einer schnellen Entscheidung aus. Im Gegenteil, Reinhardt rechnet nicht vor Montag, dem letzten Tag der Transferperiode, mit einer Entscheidung.

Klar ist: Choupo soll gehen. Allerdings sind die HSV-Verantwortlichen bemüht, ihren 21-jährigen Nationalspieler nicht zu verkaufen. Vielmehr soll der Kameruner Spielpraxis bekommen und lediglich verliehen werden. Allerdings stößt dieser Gedanke bei Choupos Berater und Vater Just (er selbst bat uns mal um diese Reihenfolge, sollten wir ihn erwähnen…) auf wenig Gegenliebe. Schon im vergangenen Jahr hatte der studierte Lehrer gesagt: „Wenn es mit dem HSV noch mal zu einer Trennung kommen sollte – dann nur als Verkauf. Ein Leihgeschäft werden wir nicht mehr mitmachen.“

Problem hierbei ist allerdings, dass dem Vernehmen nach sowohl Köln als auch West Bromwich den HSV-Angreifer ausleihen und nicht kaufen wollen.

Und jetzt wird es etwas kompliziert.

Da Choupos Vertrag ausläuft, darf er laut DFB-Statuten nicht mehr verliehen werden. Für ein Leihgeschäft käme Choupo nur in Frage, sollte er einen über die Leihzeit hinaus gültigen Vertrag beim HSV besitzen. Die Idee des HSV war, den Vertrag mit seinem Talent zu verlängern.

So weit so gut.

Allerdings hat auch dieses Vorhaben einen Haken. Bis zum 31. Januar kann der HSV eine vereinsseitige Option zur Verlängerung ziehen, müsste im Gegenzug allerdings das Jahressalär des Jungstürmers (bislang rund 750000 Euro per annum) deutlich anheben. Und das wiederum will der HSV nicht. Deshalöb verhandeln jetzt alle, der HSV, Just Moting und die interessierten Klubs über etliche verschiedene Szenarien. Und das dauert.

Klarer gestalten sich derweil zwei Gerüchte, die heute aufgekommen sind. Zum einen soll Jonathan Pitroipa ein Angebot des VfL Wolfsburg vorliegen. Wobei man sagen muss, dass die VW-Städter inflationär mit ihrem Interesse an neuen Spielern umgehen und gefühlte 100 Spieler im Visier haben. Entsprechend wollte (konnte?) Pitroipas Berater Nick Neururer auch nichts dementieren, allerdings erklärte Reinhardt, vom VfL nichts gehört zu haben. Zudem habe der HSV kein Interesse, seinen Außenstürmer abzugeben.

Interesse soll dagegen der HSV an dem Rumänen Srdan Luchin (24) vom rumänischen Erstligaklub Politehnica Timsoara haben. Reinhardt gibt auch zu, den Innenverteidiger zu kennen. Ere dementiert allerdings auch klar. „Er ist auch ein richtig guter Mann. Aber es bleibt dabei, dass wir im Winter keinen Spieler mehr holen“. Das wiederum schließt nicht aus, dass der Rumäne im Sommer zum Kandidatenkreis gehört. Wovon hier auszugehen ist.

Entschieden ist auch die Personalie Paolo Guerrero, dem ein Angebot von Premier-League-Klub FC Fulham vorliegt. „Ich bleibe hier, was sonst“, so Paolos Antwort nach dem heutigen Training auf die Frage, ob er einen Wechsel plane. Wobei ich gehört habe, dass das Thema Guerrero eigentlich schon seit einigen Tagen ad acta gelegt worden sein soll.

Nun denn, anstatt zu wechseln rückt Guerrero nach seiner Wadenverletzung aus der Hinrunde gegen Nürnberg ebenso wie Marcell Jansen und David Jarolim wieder in den Kader. Gestrichen wurden dafür neben Choupo-Moting auch die Youngsters Muhamed Besic und Tunay Torun.

Im mit knapp 50 Minuten ziemlich kurzen Abschlusstraining gab es zuvor Überraschungen. Außer, dass Paolo gleich die zweite Ecke des B-Teams einschädelte und die unveränderte A-Elf (Rost – Demel, Kacar, Westermann, Aogo – Zé Roberto, Jarolim – Pitroipa, Änis, Elia – van Nistelrooy) bei eben jenen Standardübungen leichte Probleme hatte.

Dennoch, und das zeigen ja auch die Bilder von Benno Hafas, die Mannschaft ist gut drauf. Mental allemal, körperlich auch. Ruud van Nistelrooy gibt sich betont locker im Umgang mit den Mannschaftskameraden und zieht auch im Training ordentlich mit. Und auch wenn die HSV-Abwehr im heutigen Abschlussspiel bei Standards ein wenig wackelte, sie ist das neue Faustpfand des Erfolges. Zuletzt zweimal zu null gespielt, dazu mit Gojko Kacar einen überraschend starken Ersatz des weiter fehlenden Joris Mathijsen gefunden. Und, das betonte nicht zuletzt Armin Veh immer wieder, mit Dennis Aogo ist die linke Abwehrseite endlich wieder optimal besetzt. Der Nationalspieler, der bis zum 16. Spieltag ausgefallen war, zeigt sich momentan von seiner besten Seite. Im Training immer einer der eifrigsten, ist er endlich wieder nahe seiner Bestform. „Ich bin körperlich endlich wieder auf einem richtig guten Level“, sagt Aogo, der sogar ganz leise Hoffnungen hegt, am 9. Februar gegen Italien wieder für die deutsche Nationalelf nominiert zu werden.

Vorher aber will er mit dem HSV die Serie von drei Siegen in Folge ausbauen. Wobei, Aogo sieht das mit der Serie etwas anders: „Der Sieg in Gladbach in der Hinrunde war nicht mehr als Not gegen Elend. Der zählt für uns nicht mehr dazu. Jetzt haben wir zwei Siege in der Rückrunde – das ist schön, aber auch nichts Besonderes. Gegen Schalke zu gewinnen ist schon gut, okay. Aber zuhause gegen Frankfurt zu gewinnen ist nicht mehr als der Anspruch, den der HSV einfach haben muss.“ Ob das auch für einen Sieg in Nürnberg gilt? „Nürnberg darf man nicht unterschätzen. Ich habe sie gegen Schalke gesehen und fand sie stark. Die haben die ersten 15 Minuten Pressing gespielt. Sogar richtig gut Und wie wir aus eigener Erfahrung wissen, können sie auch sehr gut tief stehen und kontern. Wir sind gewarnt.“

Angesprochen auf die Gründe für die aktuelle Sicherheit in der Defensive schiebt Aogo das Lob, wie er es eigentlich immer macht, weit von sich. Zwar sei es zu merken, dass sich die Viererkette einspiele und gewisse Automatismen endlich greifen, „aber den größten Anteil daran haben unsere Offensivleute, die jetzt deutlich mehr nach hinten arbeiten. Das war in der Hinrunde, als ich mir alles noch von außen angesehen habe, anders.“ Eine Einschätzung, die Abwehrchef Heiko Westermann teilt und sogar konkretisiert: „Wenn man mal sieht, wie viele Kilometer der in einem Spiel abreißt, das ist schon Wahnsinn“, lobt der Mannschaftskapitän. Gemeint ist niemand anders als der Gewinner der Winterpause: Änis Ben-Hatira. „So einen, der so malocht, hatten wir in der Hinrunde nicht. Und auch wenn er logischerweise ab der 70. Minute platt ist, gibt er nie auf. Änis gibt dem Mittelfeld sehr viel Sicherheit.“

Ebenso wie Aogo. Zum einen als Abwehrspieler, zum anderen, weil seine Rückkehr zur Folge hatte, dass Zé Roberto endlich wieder auf seine Lieblingsposition ins zentrale Mittelfeld vorrücken konnte. Eine entscheidende Verbesserung für das HSV-Offensiv- und Defensivspiel. Denn der Brasilianer räumt defensiv robuster auf als in der eher lustlos abgerissenen Hinrunde.

Das soll auch in Nürnberg wieder so sein. Jarolim als rein defensiv ausgerichteter Sechser mit dem ebenso lauf- wie zweikampfstarken (Kopfbälle mal ausgenommen) Zé sollen die Ordnung herstellen und die eigene Offensive mit den ausgeruhten Außenstürmern (Pitroipa pausierte verletzungsbedingt, Elia mehr oder weniger aktiv auf dem Platz) sowie Änis und den mit Sicherheit erneut stark im Fokus stehenden Ruud van Nistelrooy mit Bällen füttern.

Und sollte das annähernd so gut wie zuletzt gelingen, wird es auch in Nürnberg klappen. Was mich so optimistisch macht? Die Mannschaft hat im Gegensatz zu den letzten Monaten, wo jede kleine Unruhe immer wieder als Alibi für etwaige Enttäuschungen angeführt wurde, die zweifellos turbulente letzte Woche (M.S.-Posse, Ruuds Wechseltheater, Wechselgerüchte Paolo, Choupo und Pitroipa) völlig unbeeindruckt überstanden. Die Mannschaft geht sogar so weit, dass sie Ruud öffentlich in Schutz nimmt und endlich als die Einheit auftritt, die viele, auch ich, in der Hinrunde vermisst hatten. Zudem ist durch die zahlreichen Rückkehrer im Training endlich wieder Feuer drin. Da wird sich auch mal angegangen (Rost vs. Jansen verbal, Ruud vs. Torun per harte Grätsche und heute Jarolim vs. Mathijsen nach einem harten Zweikampf) – aber eben auch wieder vertragen. Es geschieht endlich alles wieder im Sinne der Sache.

Und da die Startelf oben bereits erwähnt ist, verbleibe ich mit der Hoffnung auf den nächsten Dreier. Oder besser: im Glauben daran…

Bis morgen!

19.00 Uhr

Tipp in eigener Sache:

Seit dem Start der Rückrunde laufen bei Matz ab die „Body Attack HSV News“. Dabei handelt es sich um einen Wochenrückblick, der jeden Freitag vor dem Bundesligawochenende erscheint. Als Einstimmung auf die nächste Partie können sich alle HSV-Anhänger in Bild und Ton anschauen, bzw. anhören, was beim HSV so alles los war. Ob Verletzungen, Vertragsverlängerungen oder Neuverpflichtungen – in den Video-News wird über aktuelle Ereignisse berichtet und die Protagonisten des HSV kommen zu Wort. Ab sofort geben auch die Matz-ab-Blogger ihren Senf dazu – wenn Ihr denn wollt…

Angebot für Paolo – und Respekt vor dem FCN

27. Januar 2011

Das dürfte hier bei dem einen oder anderen für Jubel sorgen: Paolo Guerrero hat ein Angebot eines anderen Klubs. Genau genommen, das eines englischen Klubs, vom FC Fulham. Aber, um hier auch gar keine falschen Hoffnungen zu wecken, das Angebot ist schon so gut wie abgelehnt. Der Premier-League-Klub, der den HSV in der vergangenen Saison im Halbfinale aus der Europa League schmiss, wollte den Peruaner ausleihen, der HSV dachte auch kurzzeitig darüber nach. Auch Trainer Armin Veh, der sich im Sommer noch betont stark gemacht hatte für eine Vertragsverlängerung Guerreros. „Ich finde Paolo nach wie vor erstklassig, daran hat sich nichts geändert“, sagt Veh. „Aber er war verletzt und ist nicht so richtig zurückgekommen. Aber er braucht Spielpraxis – und das ist bei uns momentan eben schwer. Momentan haben Ruud, Änis und Mladen die Nase vorn.“

Oha. Guerrero vor dem Abflug?

Eher nicht. Denn nachdem Veh betonte, seinen einstigen Lieblingsstürmer sowieso nicht verkaufen zu wollen, sondern maximal auszuleihen, zog der Klub nach und nahm Wind aus der Geschichte. Die Wahrscheinlichkeit, so war zu hören, sei nie groß gewesen und eher gesunken denn gestiegen. Vielmehr scheint ein Abgang Choupo-Motings, den neben dem FC Köln auch Premier-League-Klub West Bromwich haben will, wahrscheinlicher. „Ich hab eklar gesagt, dass wir vorn noch einen abgeben können“, sagt Veh, der sich zu den Spekulationen ansonsten nicht weiter äußern wollte. Wann er dort eine Entscheidung erwartet? Veh mit einem Lächeln: „Spätestens am 31. Januar.“ Klar, denn da endet die Transferperiode.

Sollte sich vorher was ergeben, wird Veh den betroffenen Spieler nicht mehr nominieren. Dafür reichte auch, dass der Spieler konkrete Verhandlungen mit einem anderen Klub aufnimmt. Anders als zuletzt bei Ruud van Nistelrooy, der sich im heutigen Training stark erholt präsentierte. Der Niederländer flachste mit seinen Kollegen, er grätschte, lachte, kämpfte – und er traf. Kurzum: Ruud van Nistelrooy trotzte der lauter gewordenen Kritik an seinem Verhalten mit sportlicher Leistung.

Und, so natürlich es ist, Kritik an van Nistelrooy zu äußern, für den sportlichen Erfolg am wichtigsten ist, wie die Mannschaft damit umgeht. Und da scheint es keinerlei Probleme zu geben. Im Gegenteil. Nach David Jarolims Plädoyer gestern stieß heute Zé Roberto ins gleiche Horn. „Jeder Spieler träumt von Real Madrid. Ruud hat dort drei Jahre gespielt, ist emotional. Zumal man in seinem Alter so ein Angebot maximal einmal im Leben bekommt. Ich kann ihn verstehen“, so der Brasilianer, der seinerseits von Januar 1997 bis Juni 1997 bei den Königlichen kickte. „Aus der Emotion heraus sagt man so Sachen. Das passiert uns doch allen mal. Aber dann ist auch gut, dann kommt auch schon der Verein – und mit dem hat er einen gültigen Vertrag. So einfach ist die Sache dann.“ Zumal sich der Mittelfeldspieler sicher ist, dass sein Kollege wieder voll mitzieht. „Das macht er schon seit Tagen“, so Zé, „das Thema ist jetzt auch durch und Ruud wieder zu 100 Prozent bei uns. Dafür ist er Profi genug. Wer ihn im Training sieht, kann das bestätigen. Da ist Ruud voll dabei – er trifft und tritt wieder wie früher“, so Zé Roberto mit einem Lächeln.

Was uns das Ganze sagen soll? Erstens, Ruud lässt sich nichts anmerken und uns bleibt die Hoffnung auf einen Stürmer in Bestform erhalten. Und zweitens, was mir im Hinblick auf das Nürnberg-Spiel besonders Hoffnung macht, Zé Roberto ist wieder fit. Mental wie körperlich in Topform. Das sagt er zumindest selbst. Einen Wechsel im Winter habe er nie vorgehabt, er werde seinen Vertrag bis Saisonende trotz der Angebote aus Brasilien und den USA (bekanntermaßen der FC Santos und Red Bull New York) erfüllen. Zé: „Ich bleibe auf jeden Fall bis Vertragsende im Sommer. Und ich werde helfen, dass wir unser Ziel noch erreichen.“ Das da heißt Europa League. „Wenn wir unser jetziges Engagement beibehalten, schaffen wir das.“ Denn im Gegensatz zur Hinrunde, wo viele Verletzte die Laune innerhalb der Mannschaft immer wieder runterzogen, ist jetzt Optimismus eingekehrt. „Wir haben alle wieder mehr Spaß, im Training und im Spiel. Das merkt man.“

Vor allem bei ihm. Zé Roberto zählt für mich trotz seiner 36 Jahre noch immer zu den entscheidenden Spielern im Team. Wie gegen Frankfurt. Hat der Brasilianer Lust, lenkt und entscheidet er in einigen Fällen die Partien. Das Gegenteil zeigte er in den letzten Monaten allerdings auch. Zu oft sogar. Alles passé? Zé: „Ja, ich bin fitter als in der Hinrunde.“ Warum? Nur weil der HSV mit Günter Kern einen neuen Fitnesstrainer hat? „Oh ja, Günter ist schon etwas älter und bringt viel Erfahrung mit. Auch wenn wir bei ihm immer nur laufen müssen – das bringt was. Und das merken alle.“

Und einmal dabei, kommt Zé Roberto ins Schwärmen. Er will den Traumstart. Wie ich heute gelesen habe, würde ein dritter Sieg zum besten Rückrundenstart seit 1967/68 (damals unter Trainer Kurt Koch) reichen. „Wir sind alle fokussiert auf das Spiel in Nürnberg. Das und anschließend das Derby müssen wir gewinnen, dann sind wir wieder richtig nah dran“, fordert Zé Roberto, „und wenn wir uns von Spiel zu Spiel orientieren, schaffen wird das auch.“

Optimistische Worte. Sehr optimistische sogar. Doch trotz der großen Zuversicht konnte sich Zé bislang noch nicht dazu durchringen, seinen Vertrag in Hamburg zu verlängern. Im Gegenteil, die meisten rechnen weiterhin mit einem Abgang des vielleicht fittesten 36-Jährigen der Liga. „Ich werde mich in den nächsten ein, zwei Monaten entscheiden“, kündigte Zé heute an und beteuerte, dass seine Entscheidung nicht mit dem Abschneiden des HSV zusammenhängen würde. „Die Tabelle ist egal. Auch Geld spielt keine Rolle. Ich weiß, was ich brauche, um in der Bundesliga zu spielen.“ Womit der Brasilianer die Physis anspricht. Ob er da bei sich Zweifel hat? „Nein, ich bin fit für Deutschland.“ Zumindest körperlich. Denn geistig, so mein über die letzten Monate gesammelter, komplett subjektiver Eindruck, scheint sich der gute Zé eher mit einem etwas ruhigeren, weniger anstrengenden Karriereende zu beschäftigen. Leider.

Aber auch hier gilt ¬- wie schon bei Choupo und Paolo – abwarten.

Das wiederum fällt Mladen Petric in der Regel schwer. Zumindest wenn das bedeutet, dass er zuerst auf der Bank Platz nehmen muss. Eben so, wie gegen Frankfurt und aller Voraussicht nach auch zunächst in Nürnberg. Petric’s Reaktion? Im Training drehte der Kroate heute wieder auf. Wie schon gestern und vorgestern. „Er ist wirklich unheimlich präsent“, lobte auch Veh die Leistung des Linksfußes in dieser Trainingswoche. Ob Petric schon 90 Minuten spielen könnte? Veh: „Vielleicht nicht 90, aber sicherlich schon 70 Minuten.“ Dennoch beließ Veh seinen Torjäger in den Trainingsspielen in der B-Elf.

Zumal Veh davor warnte, in Nürnberg zu offensiv aufzutreten. „Ich habe sie im Pokalspiel gegen Schalke gesehen und fand sie stark. Das war eine Niederlage, die sie nicht zurückwerfen muss. Im Gegenteil, daraus können sie positives ziehen:“ Auch körperlich glaubt Veh trotz der 120 schweren Minuten nicht an einen Nachteil für den FCN: „Das Spiel war am Dienstag. Von Dienstag bis Sonnabend – das geht. Was sollten sonst die sagen, die donnerstags und sonnabends spielen…?“

Veh nimmt die Partie bei den Franken nicht leicht. Im Gegenteil. Das 1:1 aus der Hinrunde ist ihm eine Warnung – wobei der HSV-Coach insbesondere seinem FCN-Pendant Dieter Hecking großen Respekt zollt: „Dieter kriegt das immer gut hin. Schon als er in Hannover Trainer war, war es immer schwer. Er lässt seine Mannschaften immer tief stehen und kontert erstklassig.“ Worte, die Veh übrigens auch warnend vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt aussprach. Und da gewann der HSV weitgehend ungefährdet.

Ein gutes Omen?

Warum nicht? Ich hoffe es, halte mich aber lieber an den Fakten. Und die sagen aus, dass die Mannschaft das Theater um Ruud van Nistelrooy sehr gut verkraftet hat. Gleiches gilt für das Trainerteam und scheint auch für Ruud zu gelten. Zudem meldeten sich heute Marcell Jansen und vor allem Guy Demel zurück, was Veh dazu veranlasste, aus seiner Startelf kein Geheimnis mehr zu machen: „Wir werden wohl so beginnen, wie zuletzt auf Schalke.“

Demnach ist sportlich alles im Lot. Fast alle Spieler – nur Diekmeier und Castelen fehlen weiterhin – stehen wieder zur Verfügung. Veh hat die Qual der Wahl – und ist froh darüber: „Ich freue mich über die Bank.“ Bester Beweis für sein Luxusproblem ist, dass er Joris Mathijsen, obwohl dieser wieder voll im Training steht, gegen Nürnberg noch nicht mal nominieren wird.

Und selbst das Sammer-Theater mit dem unrühmlichen Ende scheint die Klubführung eher zu einen denn zu entzweien.

Klingt alles ganz gut, oder?

In diesem Sinne, bis morgen!

18.52 Uhr

P.S.: Bei der Konterübung im heutigen Training bestachen nicht nur Ruud und Petric – in der Abwehr wusste Gojko Kacar einmal mehr zu gefallen.

Jarolim bricht Lanze(n) für van Nistelrooy

26. Januar 2011

Ich erinnere mich noch ziemlich genau an den 31. August 2010. Da saß ich zuerst bei schönstem Sommerwetter auf der Tribüne des Hoheluftstadions und sah mir den netten Kick des HSV gegen Oberligameister SC Victoria an. Ein faires Spiel, das der HSV am Ende mit 5:1 gewann. Alle waren zufrieden. Lediglich Mladen Petric hatte damals Probleme, weil ihm der Verein aus verschiedenen Gründen die Freigabe für den VfB Stuttgart verweigerte, mit dem er sich schon auf einen Vierjahresvertrag geeinigt hatte. Für ihn eine ähnliche Situation, wie heute bei Ruud van Nistelrooy. „Man merkt ihm schon an, dass er traurig ist“, sagt Petric über seinen Sturmkollegen. Allerdings will sich der Kroate ansonsten nicht weiter zu van Nistelrooy äußern.

Dafür aber David Jarolim. Der Tscheche, der am Sonnabend in Nürnberg bei seinem Ex-Klub voraussichtlich wieder neben Zé Roberto beginnen wird, bricht eine Lanze für van Nistelrooy. Oder sind es sogar zwei, drei? „Wahrscheinlich hat ihn Real Madrids Trainer José Mourinho persönlich angerufen – das nimmt jeder Spieler anders wahr, ich habe dafür Verständnis.“ Jarolim sieht in der Angelegenheit kein Problem. Der Mittelfeldspieler glaubt nicht daran, dass sich van Nistelrooy ob seiner Verärgerung hängenlässt. „So ist der nicht. Der war von der ersten Sekunde an hier absolut Profi. Ruud hat von Beginn an bis heute immer alles gegeben.“ Bestes Beispiel dafür sei das Schalke-Spiel gewesen. „Da war er fast schon auf dem Heimweg und macht am nächsten Tag das entscheidende Tor gegen Schalke. Nein, bei Ruud ist das sicher eine ganz besondere Situation. Aber er ist ein Typ komplett ohne Starallüren, er ist ein Familienmensch und verhält sich bei uns immer tadellos. Er wird uns in der Rückrunde weiterhelfen.“

Dabei hatte van Nistelrooy heute in einem Interview mit der spanischen Zeitung „Marca“ keinen Hehl daraus gemacht, dass er enttäuscht über die Entscheidung des HSV war. Der geplatzte Deal zu seinem Ex-Verein, bei dem er von Sommer 2006 bis Januar 2010 unter Vertrag stand, sei „ein großes Ärgernis. Gegen die Fans, meine Mitspieler oder den Trainer kann ich nichts sagen. Es war der Verein, der die Entscheidung getroffen hat. Ich habe den HSV inständig darum gebeten, es mir zu erlauben, meinen Traum zu erfüllen. Aber nun bleibe ich in Hamburg, auch wenn mein Herz für Madrid schlägt.“ Worte, die nicht unbedingt den Gedanken aufdrängen, dass van Nistelrooy darauf brennt, sich für den HSV aufzuopfern.

„Solche Sätze fallen schon mal, wenn man so emotional ist wie Ruud im Moment. Aber die zählen oft nur zwei Tage.“ Aber dennoch können solche Stimmungslagen – gerade von den Führungsspielern – innerhalb einer Mannschaft das Klima verschlechtern. Ob er als Führungsspieler das Gespräch mit van Nistelrooy suchen werde? Jarolim lacht und verneint: „Das brauche ich nicht, so ist Ruud nicht. Ich glaube sogar, dass er jetzt befreiter ist als vorher. Vielleicht nicht hundertprozentig zufrieden, aber er wird es akzeptieren und wieder alles geben. Er ist wieder voll auf den HSV fokussiert.“ Jarolim betont, dass sich van Nistelrooy innerhalb der Mannschaft und bei ihm einen besonderen Status erarbeitet hat: „Das wäre bei einem Spieler, der schon seit Jahren hier ist eine andere Nummer – dem würde ich wahrscheinlich eine aufs Maul hauen. Aber hier mache ich mir keine Sorgen. Im Gegenteil.“

Dennoch scheint eine wichtige Nachricht in der Causa van Nistelrooy/Real Madrid bei den Spielern angekommen zu sein. „Es ging hier nicht um einzelne Parteien“, sagt Jarolim, „es ging für Ruud nicht gegen den HSV oder umgekehrt. Ich glaube, der Verein hat gesehen, dass Ruud fit ist und uns weiterhelfen kann. Und er hat mit der Entscheidung ein Zeichen gesetzt, dass es so nicht geht, wenn man einen Vertrag hat.“ Und das sei auch gut so.

Stimmt. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Außer, dass Ruud heute im Training engagiert dabei war. Zwar konnte er sich beim 1:1 im kurzen Abschlussspiel nach einer Laufeinheit nicht als Torschütze eintragen (Für A traf Pitroipa – Guerrero traf für die Reservisten), aber er gefiel durch Einsatz. Ebenso wie Mladen Petric, der im Reservistenteam zu den Besseren zählte.

Apropos, nur, weil es heute auffiel: zuletzt hatte ich immer wieder geschrieben, dass der HSV auch von der Bank aus mit mehr Qualität als in der Hinrunde aufwarten kann. Und wenn Ihr Euch das heutige B-Team anseht, werdent Ihr mir wahrscheinlich Recht geben: Drobny – Benjamin, Mathijsen, Stepanek (Besic fehlte), Jansen – Tesche, Trochowski – Choupo-Moting, Guerrero, Torun – Petric. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese B-Elf auch im Bundesliga-Alltag eine gewichtige Rolle spielen könnte.

Aber egal, zurück zur Realität. Und da fehlte heute nur noch Guy Demel. Der Ivorer, der in den letzten Tagen an Grippe gelitten hatte, absolvierte heute eine Sondereinheit im Kraftraum und soll morgen voraussichtlich wieder ins Training einsteigen. Dafür war Pitroipa wieder dabei und rückte auf die Position im rechten Mittelfeld. David Jarolim ersetzte derweil wie erwartet Piotr Trochowski auf der zweiten Sechs neben Zé Roberto. Am auffälligsten aber – neben der wie gewohnt perfekten Schusshaltung Trochowskis (das musste sein ;-) – agierten ausgerechnet die beiden Akteure, bei denen noch über einen kurzfristigen Verkauf sinniert wird: Choupo-Moting (1. FC Köln ist interessiert) und Torun (der VfB Stuttgart hat Interesse). Der Erstgenannte erhielt von Trainer Armin Veh inzwischen grünes Licht für einen Wechsel, während Torun bleiben soll. Allerdings gab es heute keine neuen Angebote.

Dafür mal wieder neue, unnötige Baustellen. Diesmal weder von mir erfunden noch vom Aufsichtsrat produziert, diesmal meldete sich Klaus-Michael Kühne zu Wort. Und das sehr kritisch. „Gerade von der sportlichen Seite war das Management nicht so, wie sich das gehört für einen Spitzenverein“, sagte der Logistik-Unternehmer im Hörfunksender NDR 90,3. Der HSV müsse sein Image verbessern, „um wieder attraktiv für Top-Spieler zu werden“. Und Kühne ging sogar noch weiter. Der 73-Jährige kritisierte öffentlich die vielen Verletzten und hatte per Ferndiagnose auch schon die Lösung parat, die zahlreiche studierte Mediziner und Sportwissenschaftler in Hamburg nicht ergründen konnten. Die Schuld läge „in der ärztlichen Betreuung und in den Trainingsmethoden“.
Aha. Na dann. Hätte Kühne das mal in der Hinrunde schon verraten…
Zudem kritisierte der Investor, der HSV hätte sich beim Thema Rafael van der Vaart weiter strecken müssen. Kühne träumt, wie er sagt, nach wie vor von einer Rückkehr des Mittelfeldstars. Dem HSV fehle ein Regisseur, so Kühne.
Kühne mag ja Recht haben. Und auch ich würde mich freuen, wenn Rafael wieder beim HSV aufzieht. Aber die Frage, die sich mir stellt: Warum kauft Kühne van der Vaart nicht für den HSV? Er selbst wiederholte auch heute wieder, dass es ihm bei der 12,5-Millionen-Investition nicht darum ging, Geld zurückzubekommen. Im Gegenteil, er selbst rechnet nach eigener Aussage nicht mal mehr damit. Und schon im Sommer hatte der selbsternannte HSV-Fan immer wieder von einer Rückholaktion des Niederländers gesprochen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich irgendjemand beim HSV dagegen wehren würde, wenn van der Vaart fremdfinanziert Tore für den HSV schießen würde.
Obwohl, das muss hier noch mal erwähnt werden, Bruno Labbadia 2009 davon sprach, van der Vaart würde nicht in sein System passen. Der Spieler selbst nahm es damals mit Verwunderung zur Kenntnis. Er soll sogar enttäuscht und beleidigt gewesen sein. Und ein Jahr später, im vergangenen Sommer, erinnerte sich der Niederländer daran. Allerdings, um hier mal den HSV in Schutz zu nehmen, die Hamburger hatten nie wirklich eine Chance. Sie hatten vorsichtig bei Rafael vorgefühlt und erfahren, dass sie ob des verpassten internationalen Wettbewerbes trotz der emotionalen Verbundenheit van der Vaarts nicht erste Wahl seien.
Das Zeitfenster für den HSV für mögliche Verhandlungen soll sich eh auf ganz wenige Tage beschränkt haben. Schließlich hatte sich bereits der FC Liverpool gemeldet. Neben einem opulenten Gehalt gab es dort internationalen Fußball 2010/2011. Dass es am Ende doch Tottenham wurde lag an Real Madrid. Die hatten sich mit den gebotenen 18 Millionen Euro Ablösesumme der Liverpooler nicht anfreunden können. Als es dann kurz vor Toresschluss plötzlich den Rückzug des FC gab und sich Tottenham meldete, waren den Madrilenen die dann gebotenen zehn Millionen Euro lieber als nichts zu bekommen. Das Ganze spielte sich übrigens tatsächlich am allerletzten Tag der Transferperiode ab, womit sich der Kreis des heutigen Blogs schließt. Denn der war am 31. August 2010, als der HSV 5:1 gegen Victoria gewann. Und Mladen Petric meckerte.
Aber das ist Schnee von gestern. Heute steht Petric laut Veh vor der besten Rückrunde seiner Karriere. Der Spieler selbst ist wieder glücklich beim HSV und die Mannschaft gewinnt. Auf und neben dem Platz.

In diesem Sinne: hoffen wir, dass die Mannschaft ihre Form konserviert – und sich das Umfeld dem Niveau endlich anpasst.

19.40 Uhr

P.S.: Achtung, bitte vormerken! Am 18. März ist es wieder soweit. Ab 19 Uhr feiern wir in der Raute das nächste “Matz-Ab“-Treffen. Je mehr Blogger kommen, desto schöner! Der Gastgeber Dieter und ich freuen uns auf Euch!

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