Monatsarchiv für Januar 2011

Schulterschluss – aber bitte an allen Fronten!

24. Januar 2011

+++++aktualisiert mit einem Hinweis auf eine neue Internetseite am Textende+++++

Endlich mal nichts. Einfach nur Fußball. Wenn auch nur von den Reservisten, denn die Stammspieler hatten heute frei. Aber eben einfach, ohne Streit. Und nur Fußball. Kein neues Fass wurde geöffnet, dafür waren die ein, zwei geschlossenen Baustellen deutlich erkennbar. Van Nistelrooy bleibt endgültig. Darauf hat sich Vorstandsboss Bernd Hoffmann nochmals klar festgelegt. Und Bastian Reinhardt ist der neue, alte starke Mann im sportlichen Bereich. Das hat Aufsichtsratsboss Ernst-Otto Rieckhoff in den letzten Tagen nach der Absage aller Absagen von Matthias S. wiederholt betont. Und das hat die Aussprache mit Trainer Veh am Sonnabend nochmals bestätigt. Ergebnis des Gesprächs war, dass Hoffmann verkündete, „es war ein konstruktives Gespräch. Ich denke, dass solche Probleme nicht mehr auftreten.“ Zuvor hatte Veh Reinhardt als vermeintlich noch zu unerfahren betitelt – und sich so dessen Verärgerung zugezogen. „Wir müssen jetzt alle Kräfte bündeln. Ich verlange, dass miteinander nicht übereinander in der Öffentlichkeit gesprochen wird.“

Mahnende Worte, die an Veh gerichtet waren. Und Worte, die Teamplayer Veh verstanden haben wird. Denn auch der Trainer weiß, dass es jetzt nicht nur für Reinhardt darum geht, seine eigene Position zu stärken. Auch alle Beteiligten müssen ihren Sportchef, der durch das linke Spiel des quasi einzig Titelfähigen Fußball(-lehr)ers Deutschlands (Sammer am Sonntag bei Sky 90 bescheiden: „Den letzten Titel haben wir mit U-Teams geholt. Den letzten Nationalmannschaftstitel mit dem Spieler Sammer. Und der letzte persönliche Titel ging – glaube ich – auch an mich“) in seiner Autorität geschwächt worden war, unterstützen. Denn, und das ist für mich eine der Lehren des Wochenendes: Loyalität und Ehrlichkeit sind zwei Attribute, auf die man im Profifußball nicht mehr zählen darf – und wenn man sie wie beim HSVer Reinhardt doch mal vorfindet, sollte man sie mit allen Mitteln schützen und stützen.

Zumal klar ist, dass der HSV kurzfristig keinen neuen starken Mann präsentieren kann. Wie auch? Welcher Manager der ersten Kategorie will sich selbst nachsagen lassen, eigentlich nur als zweite Wahl geholt worden zu sein, nachdem ganz (Fußball-)Deutschland mitbekommen hat, wie der sich selbst als so geradlinig beschreibende, aber seit dieser Posse als wankelmütig geltende Sammer den HSV mit fadenscheinigen Begründungen gelinkt hat. Nein, der HSV hat keine Auswahl.

Aber der HSV hat eine Alternative.

Er kann Reinhardt zum großen Gewinner machen. Besser: Reinhardt kann sich mit den richtigen Entscheidungen in den nächsten Wochen selbst zum Gewinner aufschwingen. So wie einst Dietmar Beiersdorfer dürfte auch er als Manager-Novize jetzt die Zeit haben, die er braucht, um beim HSV etwas zu bewegen. Wie bereits erwähnt, stehen 21 Personalentscheidungen zur neuen Saison an. Zuzüglich derer, die neu dazukommen. Da wäre es fahrlässig, den sportlichen Entscheidungsträger nicht mit allen Kompetenzen auszustatten und ihn mit allen Mitteln zu stärken. Was er daraus macht, ist dann wiederum in seiner Verantwortung.

Es muss endlich die Harmonie her, die lange Zeit gefehlt hat. Was alle Entscheidungsträger der Mannschaft im Laufe der Hinrunde vorgeworfen haben, wird den Klub-Oberen jetzt von eben jenen vorgelebt: Geschlossenheit. Die Mannschaft präsentiert sich in der Rückrunde in sich gestärkt. Zwei Siege, null Gegentore. Selbst die viel diskutierte personelle Lücke in der Innenverteidigung wurde beachtlich gut geschlossen – und das ausgerechnet mit Gojko Kacar, der von vielen schon in der Hinrunde als Fehleinkauf abgeschrieben worden war. Kurzum: es läuft. Sportlich.

Hier im Blog wurde vereinzelt von einer „Jetzt-erst-recht“-Situation geschrieben. Und ich glaube, damit liegen wir goldrichtig. Das Fundament ist mit zwei Siegen aus zwei Spielen gelegt. Es sind drei Punkte auf Mainz und den Europa-League-Rang, nur vier Punkte auf Hannover, das einen Champions-League-Quali-Rang belegt. Und es sind auch „nur“ sechs Punkte auf Bayer Leverkusen und den zweiten Rang, der zur direkten Teilnahme an der Champions League berechtigt. Und jetzt geht‘s zuerst auswärts zum 1. FC Nürnberg und anschließend kommt der HSV-Pflichtsieg in die Imtech-Arena: der FC St. Pauli. Soll heißen, hier sind – bei allem Respekt vor den Gegnern – tatsächlich wieder sechs Punkte drin. Zumindest bin ich mir sicher, dass das der Anspruch der Spieler samt Trainerteam ist. Und da parallel Hannover und Leverkusen sich gegenseitig im direkten Duell die Punkte abnehmen, könnte der Anschluss an die oberen Ränge noch enger geknüpft werden. Ein Szenario, das vor wenigen Wochen noch weniger Leute dem HSV zugetraut hatten.

Aber ok, ich gerate hier ins Träumen. Bleiben wir bei der Realität. Die Chance ist groß.

So groß wie lange nicht. Der am Freitag noch angeschlagen wirkende Rieckhoff hat den selbst ernannten Sonnenkönig des DFB am langen Sonntag argumentativ ins Abseits gestellt (Respekt!) und das öffentlich am Freitag noch arg angekratzte Bild des HSV den Umständen entsprechend maximal möglich regeneriert. Reinhardt erhielt vom Aufsichtsrat die Absolution und verpflichtete sich selbst mit starken Worten zu noch stärkerem Auftreten. Und selbst der Disput von Veh und Reinhardt wurde diplomatisch beendet. Und innerhalb der Mannschaft herrscht Aufbruchstimmung. Die Defensive hat die lange vermisste Sicherheit wiedergefunden, das Mittelfeld wird wieder von einem erstarkten Zé Roberto geführt. Die Außenstürmer Elia und Pitroipa werden zunehmend stärker und hinter der einzigen Spitze Ruud van Nistelrooy trumpft mit Änis Ben-Hatira ein Spieler auf, der eben noch komplett abgeschrieben war und jetzt wahrscheinlich am heißesten von allen ist. Zudem kehren mit Marcell Jansen und Joris Mathijsen schon in Nürnberg zwei Spieler der Kategorie Leistungsträger zurück, während sich Mladen Petric so zurückgemeldet hat, wie ihn alle kennen und sich ihn wünschen: als Torschütze. Vor zwei Wochen hatte ich geschrieben, es sei endlich wieder „mehr Qualität vorhanden – auch auf der Bank“. Dieser Zustand gilt immer noch. Sogar mehr denn je.

Wir können alle zufrieden sein, uns mit den Umständen arrangieren und vielleicht am Ende doch noch den Erfolg einfahren, den wir uns am Saisonanfang erhofft hatten.

Stellt sich mir und wie ich in etlichen Beiträgen und Emails bekundet bekam auch einigen von Euch noch die Frage, wie wir hier miteinander umgehen wollen. Ich habe lange mit mir gerungen, es hier überhaupt zu erwähnen, aber letztlich wurde ich dazu von verschiedenen Leuten bewogen, denen der Blog ähnlich stark am Herzen liegt wie mir.

Was hier speziell am Sonnabend im Blog geschrieben wurde, wirft ein ganz schlechtes Bild auf diesen Blog. Ich werde mich hüten, einzelne Namen oder anonyme Nicks zu nennen. Aber die Beschriebenen werden sich angesprochen fühlen. Und dass sich einige von Euch bei meinen Vorgesetzten und bei Dieter als Blogvater beschweren, ist – und das meine ich auch so – Euer gutes Recht. Allerdings erschließt sich mir in diesem Fall der Grund dafür nicht. Denn, mir vorzuwerfen, ich sei kein HSVer mehr und würde nur noch als Journalist schreiben, ist kein Vorwurf. Natürlich bin ich Journalist! Und ich schreibe auch nicht für den HSV sondern bin ein Angestellter des Axel Springer Verlages. Und in dieser Funktion bin ich HSV-Berichterstatter. Dass ich seit ich denken kann Anhänger des HSV bin, darf in dieser Funktion nur dann eine Rolle spielen, wenn es mir den Blick fürs Wesentliche nicht vernebelt.

Soll heißen: wenn beim HSV Murks gemacht wird, recherchiere ich die Hintergründe und nenne das Übel beim Namen. Damit Ihr informiert seid. Meine Aufgabe ist, Euch so früh es geht mit einem Maximum an Hintergrundinformationen und Erklärungen zu versorgen. Das gilt selbstredend auch für den Fall, das beim HSV Erfreuliches passiert. Dann lobe ich die Mütter/Väter des Erfolges.

Aber ich werde hier nicht die rosarote Brille aufsetzen und weggucken, wenn mal etwas nicht passt. Wie am Sonnabend. Da ergab sich, dass ein verärgerter Reinhardt ein ernstes Gespräch mit Veh ankündigte. Zu lesen zuerst hier im Blog.

Und was passiert?

Ich werde von einigen von Euch als „Brandstifter“ und „Schmuddeljournalist“ beschimpft. Immer wieder wurde ich sogar aufgefordert, mich zu entschuldigen, weil ich die „Ente“ um eine Sammer-Verpflichtung aufgeschrieben hatte. Dass dies keine Ente war, und neben mir auch zwölf Aufsichtsräte sowie der Vorstand sicher davon ausgingen, dass alles klar geht, ist klar. Und weshalb hier alle Berichterstatter sowie die Verantwortlichen falsch lagen, dürfte spätestens seit Sammers Auftritt am Sonntag und den Beteuerungen des HSV-Aufsichtsrates allen klar sein.

Gleiches gilt für den Streit zwischen Veh und Reinhardt. Wieder wurde ich als Unruhestifter beschimpft. Dass sich sogar HSV-Boss Hoffmann zu einer Aussprache genötigt sah und das Thema öffentlich in allen Medien behandelt wurde, dürfte geklärt haben, dass das im Blog beschriebene definitiv ein relevanter Vorgang war. Den habe nicht ich erfunden, produziert oder gar heraufbeschworen – der ist vom HSV und seinen Protagonisten höchstselbst produziert worden. Ich habe Euch lediglich über diesen Vorgang informiert. Und das wie im Fall Sammer eben einfach nur zuerst. Obwohl die Kollegen von Mopo und Bild zugegebenermaßen den gleichen Informationsstand hatten – dem schnellen Medium Internet sei Dank.

Fazit: ich werde nie beanspruchen, immer richtig zu liegen. Ich werde aber immer für mich beanspruchen, das aufzuschreiben, was beim HSV passiert. Ob‘s angenehm ist oder nicht. Wer damit nicht klarkommt, den bitte ich darum, dem Blog fernzubleiben und denjenigen freie Fahrt zu lassen, die sich auch inhaltlich mit dem HSV auseinandersetzen wollen.

Zum Glück sind die hier deutlich in der Überzahl.

In diesem Sinne: Lasst uns nicht nur vom HSV den Schulterschluss aller erwarten, lasst ihn uns zuallererst selbst praktizieren.

20 Uhr

P.S.: Noch ein guter Tipp in eigener Sache:

Ab sofort könnt Ihr Euch auf www.abendblatt.de auch über den Fußball in der Türkei informieren. Entwickelt hat die Website Engin Sakarya, ein Schüler aus Billstedt. Dessen Vater Vasif, seit 1971 in Hamburg, hat früher auf Kurzwelle nach Nachrichten über den türkischen Fußball gekurbelt. Jetzt haben die beiden die Seite “TRgol.de” gebaut. TR ist das Länderkennzeichen für die Türkei, gol bedeutet auf Türkisch “Tor”. Natürlich dürft Ihr hier keine perfekte und total aktuelle Website erwarten. Engin macht das alles in seiner knappen Freizeit. Mich begeistert aber dieses Projekt. Es ist für mich ein Musterbeispiel für Integration. Da macht sich einer richtig Arbeit, damit der Fußball aus seiner Heimat hierzulande mehr Aufmerksamkeit erfährt. Derzeit hat er übrigens einen echten Knüller auf seiner Startseite. Thomas Doll spricht über seiner Erfahrungen als Trainer in der Türkei. Wenn Ihr lesen wollt, was unser Thomas zu sagen hat, klickt einfach auf www.abendblatt.de/tuerkeifussball. Ihr findet den Reiter “Türkischer Fußball” auch auf der Sportseite auf www.abendblatt.de. Viel Spaß!

Zwei gute Nachrichten zum Abschluss

23. Januar 2011

Ich hatte Euch gesagt, ich melde mich, wenn etwas passiert. Das war heute in der Tat so. In zwei Themen: Veh/Reinhardt und Ruud van Nistelrooy/Real Madrid. Und bei beiden Themen hat der HSV Weitblick bewiesen und endlich einen Deckel draufgesetzt. Deshalb, für die wenigen, die es noch nicht mitbekommen haben:

Heute haben sich Armin Veh und Bastian Reinhardt zusammen mit Vorstandsboss Bernd Hoffmann zur Aussprache zusammengesetzt, um über die weitere Zusammenarbeit zu sprechen. Dabei waren auch die zuletzt getätigten Aussagen von Veh über Reinhardt Thema. Und der HSV hat das Beste aus dem Thema gemacht, wie der ebenfalls bei der Runde anwesende Klubboss Bernd Hoffmann anschließend via HSV.de verkündet hat: „Es war ein sehr offenes und konstruktives Gespräch. Es war gut und wichtig, dass jeder seine Sicht der Dinge aufzeigen konnte. Wir haben zudem vereinbart, dass wir ab sofort wieder miteinander und nicht übereinander sprechen. Schon gar nicht in den Medien wie jüngst geschehen.“

Gut so. Endlich der Schulterschluss, den der HSV jetzt braucht und der die Mannschaft die jüngsten Erfolge in Ruhe weiterverfolgen lässt.

Zudem wurde das Thema Ruud van Nistelrooy zum wiederholten Mal aber diesmal wohl endgültig beschlossen. Ebenfalls sehr zur Freude aller HSV-Fans. Bernd Hoffmann auf HSV.de: „Real Madrid hat in den vergangenen Tagen in der Tat weiterhin versucht den Transfer zu realisieren und hat uns zuletzt ein Angebot über zwei Millionen Euro plus ein Freundschaftsspiel anlässlich unseres 125-jährigen Jubiläums unterbreitet. Dieses Angebot haben wir am heutigen Nachmittag ein weiteres Mal und zum letzten Mal abgesagt. Unsere Entscheidung haben wir auch dem Spieler und Berater mitgeteilt. Wir wollen alles tun, um einen internationalen Platz zu erreichen. Deshalb ist es undenkbar zum jetzigen Zeitpunkt Ruud van Nistelrooy abzugeben.“

Ich belasse es bei diesen zwei guten Nachrichten. Den Auftritt Sammers bei Sky 90 lasse ich hier unkommentiert. Der spricht für sich…

Einen schönen Sonntagabend. Bis morgen.

Dieser Sonntag ist ein (lauter?) Ruhetag

23. Januar 2011

Oha, hier muss man starke Nerven haben. Aber so ist das. Ich habe in den letzten 1000 Posts viel Kritik gelesen, viele Pöbeleien und Beleidigungen aber auch einigen Zuspruch. Und nach knapp einem Monat als Blog-Verantwortlicher hat sich mir eigentlich nur bestätigt, was ich vorher schon dachte: Schreibe ich über Rückkehrer, positive Entwicklungen, Hoffnungen und optimistische Ausblicke, oder eben einfach über tolle Leistungen – gibt es Lob. Teilweise sogar überbordend, was mich freut, was ich aber auch nicht zu ernst genommen habe. Wird aber über zu kritisierende Zustände geschrieben, gibt’s auf den Kopf. Insider-Informationen werden auf die gleiche Art bewertet. Bei Elia war es top, jetzt ist es Schmierenjournalismus. Das kommt so nicht von allen, aber von einigen. Und das ist okay für mich. So funktioniert der Fan nicht nur in Hamburg, sondern wohl überall. Ein Torschütze wird eben noch bejubelt und nur einen Augenblick später ist er der Loser und wird ausgepfiffen. Und die Erklärung dafür ist einfach und gar nicht ml unsympathisch: immer geht es dem einzelnen dabei darum, sein Liebstes – hier: den HSV – zu schützen. Mit allen Mitteln. Mit wirklich allen Mitteln…

Auch Da muss ich durch. Da komme ich auch durch. Zumal ich mir sicher bin, dass wir in den nächsten Monaten neben der einen oder anderen Delle auch ausreichend positive Geschichten rund um den HSV erfahren und aufschreiben werden. Vom sportlichen Erfolg bis hin zur verbesserten internen Struktur.

Ich habe gestern im zweiten Blog versucht, dem Wunsch einiger Blogger zu entsprechen und mich erklärt. Das wird mir hier ausgelegt, als wolle ich mich verteidigen oder „zurückrudern“. Dem ist nicht so. Ganz sicher nicht! Sollte dem mal so sein, werde ich das kennzeichnen, versprochen! Aber bis dahin gilt: Ich stehe zu dem, was ich schreibe. Euch wie auch den beschriebenen Protagonisten gegenüber. Auch wenn es mal richtig unangenehm für mich wird. Selbst dann, wenn ich einen Fehler mache, was schon vorgekommen ist mit Sicherheit auch in Zukunft vorkommen wird.

Immer wieder werden Entschuldigungen dafür verlangt, dass wir (Dieter und ich in diesem Fall) bei Veh und jetzt bei Sammer falsch lagen. Aber ganz ehrlich, hier ist weniger eine Entschuldigung nötig, denn eine Erklärung. Dass unsere Prognosen – am Ergebnis klar nachzumessen – falsch waren, ist uns ebenso wie Euch klar. Aber der Vorwurf, eine „Ente“ aufgeschrieben zu haben, ist nachweislich falsch. Selbst Sammer hat gesagt, es war alles so gut wie durch. Und diese Information hatten wir auch. Ich habe sie dann aufgeschrieben und es so gedeutet, dass Sammer verpflichtet wird. Das war falsch. Nicht mehr, nicht weniger.

Es gibt sie eben doch noch, die Pferde vor der Apotheke…

Heute ist kein Training. Heute ist Pause. Eine laute Pause, betrachtet man das TV- und Radioangebot. Denn heute können wir uns ab 15 Uhr (Aufsichtsratsboss Rieckhoff bei NDR 90,3) bis zum Sportclub (ebenfalls Rieckhoff als Gast) um 23.15 Uhr noch mal die „Geschichte Sammer“ erzählen lassen und unsere eigenen Schlüsse ziehen. Insbesondere, da Sammer heute in der Welt am Sonntag“ auf „www.Abendblatt.de“, in der „BamS“ sowie heute Abend bei „Sky90“ (19.30 Uhr live) ausreichend Zitate zum gesamten Vorfall liefert, bzw. liefern wird.

Heute ist beim HSV Ruhetag. Hier auch. Allerdings behalte ich mir vor, Euch zu informieren, sollte etwas passieren. Ob positiv oder negativ.

In der Hoffnung, dass wir alle (egal bei welchem Thema) wieder zu alter Sachlichkeit zurückzukommen, Euch allen einen schönen Sonntag!

11.39 Uhr

P.S.: Ich kann Euch versprechen, dass ich den werten Herrn S. heute nicht mehr aufführen werde, sofern sich keine senstaionelle Wendung in diesem Thema ergibt. Wer so übel nachtritt und seine eigenen Versäumnisse verleugnet, der hat keine Erwähnung verdient. Sammer ist Geschichte. Seine Äußerungen erzeugen Unruhe, die unnötig ist. Und die wollen wir vermeiden. Wir alle.

…in eigener Sache…

22. Januar 2011

Eigentlich wollte ich es nicht – aber ich will mir nicht nachsagen lassen müssen, mich Euch hier nicht zu stellen. Deshalb ein paar Dinge, die ich in eigener Sache gern klären würde.

Ich halte Armin Veh keinesfalls für einen schlechten Trainer. Ganz im Gegenteil. Ich glaube, dass er mit seiner direkten Art dem HSV gut tun kann und dass er erfrischend ehrlich ist. Trotzdem gibt es Aussagen, die nicht okay sind. Dazu zählt die gestrige. In der Situation, unmittelbar nach Sammers Absage und der für mich überraschend offensiven Ankündigungen Reinhardts hatte ich gehofft, dass Veh den Schulterschluss mit Reinhardt sucht. Gerade jetzt ist Zusammenhalt wichtig. Sportlich läuft es endlich, die Mannschaft arbeitet endlich auch als Mannschaft. Das sollte konserviert werden. Mit allen nötigen Mitteln. Es gibt für mich keinen Grund, einem Sammer jetzt lange hinterherzutrauern. Das würde nur ablenken vom an sich positiven Trend.

Sammer hat abgesagt – Punkt.

Und Armin Veh ist ein intelligenter Mann, der weiß, wie Fußball geht. Der weiß nach über 20 Jahren Trainerdasein, wie Teambuilding funktioniert. Und dass es auch für den Stab rund um eine Mannschaft sehr wichtig ist, zusammenzuhalten. Deshalb hatte ich auf den Schulterschluss gehofft. Ich hatte gehofft, dass sich Veh zum Thema Sammer entweder gar nicht äußert und auf den sportlichen Erfolg verweist. Oder eben den Schulterschluss mit Reinhardt sucht, um aus dem schwierigen Moment am Ende Stärke durch Geschlossenheit zu ziehen. Aber das hat er leider nicht. Das habe ich kritisch aufgeschrieben, dazu stehe ich auch.

Allerdings fordere nicht ich Entlassungen, so wichtig nehme ich mich selbst nicht. Es ist nicht meine Aufgabe, Vereinspolitik zu betreiben. Nein, ich beschreibe nur, was sich mir aus den Gesprächen mit den Entscheidungsträgern beim HSV offenbart. Und ich bin mir sicher, dass Veh und Reinhardt ein reinigendes Gespräch vor sich haben, das mit wenigstens einer Abmahnung enden dürfte. Und wenn dieses Gespräch ohne Abmahnung endet und sich beide Seiten einig sind – dann freue ich mich. Für den HSV! Die beschriebene Abmahnung ist lediglich meine Vermutung.

Aber, und das ist im Moment Fakt, Reinhardt ist aktuell der Sportchef. Einen anderen hat der HSV nicht. Und diesem stehen bis zum Sommer 21 Vertragsverlängerungen bevor. 21 wichtige Personalien, die über den Verlauf der saison 2011/2012 entscheiden. Und die muss er – sollte Veh sich mit dem HSV auf eine weitere Zusammenarbeit einigen können – auch im Einklang mit dem Trainer vornehmen. Und darauf hoffe ich.

Der Moment dafür ist sportlich gegeben. Und nichts wäre schlimmer, wenn sich der HSV die sportlich gute Ausgangslage durch unnötige, eigenproduzierte Baustellen kaputt macht. Das gab es zuletzt zu oft. Und deshalb mahne ich das an. Und mit meinen Schilderungen über Interna wie die Tatsache, dass Michael Oenning (den ich wie Veh für einen absoluten Fachmann halte!) das eine oder andere Mal eine andere Ansicht als Veh vertrat und dies Spielern gegenüber äußerte, möchte ich Euch den Einblick geben, der sich mir durch viele Gespräche mit verschiedenen Spielern ergeben hat. Damit versuche ich nur, Euch zu ermöglichen meine subjektive Interpretation der Dinge nachzuvollziehen. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.

Ich verstehe meine Aufgabe so, dass ich Euch möglichst umfassend über das informiere, was beim HSV passiert. Genauer: über das, was ich beim HSV mitbekomme. Dabei erwarte ich nicht, dass Ihr alle meine Meinung teilt. Im Gegenteil, der Blog funktioniert doch gerade wegen der vielen verschiedenen Meinungen. Und das ist auch das, was in den letzten Monaten immer wieder sehr viel Spaß gemacht hat: dieser Blog ist ein Marktplatz von Meinungen, Hoffnungen, Theorien, Fakten, Spekulationen und Diskussionen. Hier werden weniger schöne Geschichten – und hoffentlich ab jetzt auch wieder zunehmend schöne Erfolgsgeschichten aufgeschrieben und diskutiert.

Denn das macht am meisten Spaß. Auch mir.

In diesem Sinne: einen schönen Rest-Sonnabend und bis morgen. Gute Nacht.

Veh attackiert Reinhardt – Sammer den HSV

22. Januar 2011

Wer heute zum Auslaufen der Profis am Stadion gegangen ist, der hat vor allem eines gesehen: fröhliche Spieler. Ansonsten herrschte Ruhe. Wenig Fans, der Parkplatz vor der Geschäftsstelle war weitgehend leer. Es gab kein neues Statement Richtung Ruud van Nistelrooy. Das Einzige, was die angenehme Ruhe etwas störte, war der Nachhall der gestrigen Pressekonferenz. Denn da hatte Trainer Armin Veh zum wiederholten Male seinen alten und neuen Sportchef Bastian Reinhardt mit Einschätzungen geschwächt. Anstatt den Sportchef nach dem aufreibenden Sammer-Theater zu stützen, unterstellte Veh ihm mangelnde Erfahrung: „Er braucht Zeit, so einen Klub wie den HSV als Sportdirektor zu führen. Er ist 35, das kann er normal nicht alles bewerkstelligen.“ Worte, die die fast aussichtslose Reanimation von Reinhardts Autorität erschweren.

Da half es auch nichts, dass Dennis Aogo heute ein beachtenswertes Plädoyer für Reinhardt ablieferte. Reinhardt sei der richtige Mann am richtigen Ort und in der Mannschaft sehr hoch angesehen. „Man muss ihm die Zeit geben“, so Aogo, der überzeugt ist: „Bastian Reinhardt verkörpert genau das, was wir jetzt brauchen. Er ist jung und dynamisch. Er ist genau der Richtige für diese Position.“ Allerdings, und das war wahrscheinlich auch Aogos Antrieb für das Loblied, ist Reinhardt hinter dem Aufsichtsrat der größte Verlierer der letzten Wochen. Denn eines ist klar: dem 35-jährigen ehemaligen Innenverteidiger traut beim HSV keiner der Vereinsoberen zu, den Sportchefposten allein auszufüllen.

Am allerwenigsten Veh. Allerdings, und da lege ich mich fest, ist der HSV-Trainer nicht in der Position, Reinhardt zu kritisieren. Im Gegenteil: Reinhardt ist Vehs Vorgesetzter. Und sollte Reinhardt, der sich gestern im Sky-Interview nach dem Spiel beachtlich offensiv verkaufte, tatsächlich härter durchgreifen als zuletzt, dürfte die Personalie Veh ganz oben auf seiner Liste stehen. Reinhardt bleibt trotz der zuletzt drei Siege in Folge bei derartigen Statements seines Angestellten gar nichts anderes übrig, als ihn abzumahnen. Oder gar rauszuschmeißen. Alles andere würde seine Position und vor allem seine eh kaum noch zu reanimierende Autorität weiter schwächen.

Zumal das Ansehen Vehs beim HSV seit dem Winter in der Klubführung nicht mehr das Beste ist. Da hatte sich der Übungsleiter amtsmüde präsentiert, dies auch formuliert und später einen Rückzieher gemacht. Und auch auf die Gefahr hin, mir hier jetzt wieder neue Feinde zu machen: Dieter hatte Recht! Armin Veh galt beim HSV schon als abgehakt. Der Vorstand bastelte schon an der neuen Lösung. Dass es mit Veh nicht weitergehen würde, schien klar. Allein über die Gründe, weshalb es letztlich doch mit Veh weiterging, streiten sich die Experten heute noch. Dabei gibt es zwei Szenarien: 1. Als der Aufsichtsrat von den Vorstandsplänen erfuhr, teilte er Vorstandsboss Bernd Hoffmann mit, dass auch er seinen Hut nehmen müsste, sollte schon wieder der Trainer ausgetauscht werden müssen. Und 2., die meiner Meinung nach wahrscheinlichere Theorie: Der Aufsichtsrat legte sein Veto ein, bevor der Vorstand sich von Veh trennen konnte, weil die Personalie Sammer Anfang Januar zügiger als erwartet zu realisieren schien und man dessen Position abwarten wollte.

Warum auch immer, am Ende blieb Veh. Zum Leidwesen Dieters, weil er auf dem Tisch tanzen muss. Allerdings auch zu Dieters Freude, denn wir wissen alle, was er von dessen Trainerfähigkeiten hält.

Trotzdem folgt mir der Blogvater in der Einschätzung, dass eine Zusammenarbeit zwischen Veh und Reinhardt nicht mehr funktionieren kann. So schön unverblümte Spielanalysen sind, so authentisch Veh dadurch auch wirkt, seine zu offenen Meinungsäußerungen über seine Vorgesetzten disqualifizieren ihn. Und ich behaupte auch, dass ein Veh nach dem Spiel wusste, wie angreifbar er sich und seine Position macht, als er Reinhardt mit seiner Aussage öffentlich düpierte. Ich behaupte sogar, dass Veh trotz anderslautender Aussagen amtsmüde ist. Zumindest HSV-müde.

Der 49-Jährige war in Hamburg angetreten, um um den Titel mitzuspielen. Veh war überzeugt von der Qualität in der Mannschaft und vom großen Potenzial im Verein. Für den HSV verzichtete er auf viel Geld, das ihm noch aus seinem Angestelltenverhältnis mit dem VfL Wolfsburg zusatnd. Allerdings hielt seine Euphorie nicht lange an. Denn während ihn die Mannschaft (auch wegen zu vieler Verletzter) in der Hinrunde eines Besseren belehrte, konnte sich Veh mit seinen Wünschen im Winter nicht durchsetzen, personell nachzubessern. Zudem hat der umgängliche Trainer nach anfänglicher Harmonie inzwischen neben dem Vorstand und Aufsichtsrat selbst im eigenen Trainerstab Kritiker. Schon seit einigen Wochen soll sich nicht mehr der Cheftrainer um die Trainingsinhalte und taktischen Ansagen kümmern. Das soll sein Assistent Oenning übernommen haben, zu dem Veh ein professionelles, aber ein alles andere als vertrautes Verhältnis haben soll.

Auch mir gegenüber haben Spieler geäußert, dass sie das Gefühl hätten, Oenning wolle Vehs Job. Das allein, antwortete ich, sei ja auch legitim. Immerhin ist der HSV-Trainer einer der ranghöchsten Trainerposten in Deutschland. Den als Trainer nicht zu wollen, wäre für mich die größere Überraschung. Aber mir wurde geschildert, dass Oenning Vehs Ansagen in der Kabine und bei Mannschaftsbesprechungen intern immer wieder gegenüber den Spielern kommentiert haben soll. Immer wieder soll er gesagt haben, dass er vieles ganz anders machen würde beziehungsweise gemacht hätte. In der Mannschaft kam das bei einigen gut an, bei anderen gilt Oenning seither als illoyal.

Aber es war vor allem ein Vorgang, den auch Veh mitbekommen haben soll. Und eben einer, der in der allgemeinen Tristesse kurz vor der Winterpause zu der viel diskutierten Aussage beigetragen haben soll, als Veh darüber sinnierte, sein Amt nach dem Jahreswechsel eventuell nicht mehr anzutreten. Der Vorstand vernahm Vehs Gedankenspiele damals und entschied sich, einen Plan B zu schmieden. Der sah nicht mehr Veh als Trainer vor – aber okay, den Rest kennen wir, das hatten wir eben schon.

Allerdings könnte Plan B jetzt greifen. Denn Bastian Reinhardt kündigte an, das Gespräch mit Veh zu suchen. „Natürlich geht das so nicht“, sagte mir Basti heute, „der Trainer kann nicht immer Dinge öffentlich erklären, die zuerst einmal intern zu besprechen sind.“ Damit meinte Reinhardt vor allem die immer wieder formulierten Forderungen nach einem neuen Innenverteidiger. Schwerer wiegen jedoch die despektierlichen Einschätzungen Vehs. „Ich schätze Armin Vehs offene Art. Aber er darf es sich auch nicht zu leicht machen und immer alles öffentlich formulieren, was er denkt. Das gehört zuerst intern geklärt, bevor es öffentlich formuliert wird. So halten wir es eigentlich. Darüber haben wir auch schon gesprochen – aber darüber werden wir noch mal sprechen müssen“, so Reinhardt sauer. Ob er sich eine Zusammenarbeit mit Veh unter derartigen Voraussetzungen noch vorstellen kann?

Keine Antwort. Allerdings ein vielsagendes Schweigen….

Seine Antwort wird es nach dem nächsten klärenden Gespräch mit dem Trainer geben. Und das soll sehr zeitnah stattfinden.

Wie die Situation einzuschätzen ist? Ganz klar, als komplett unnötiges Theater. Als regelrecht dumm. Auch Veh muss sich mit Gegebenheiten arrangieren. Und das ist ihm, so schätze ich den eigentlich sehr teamorientiert denkenden Trainer ein, auch klar sein. Das muss ich in meinem Job, das müsst Ihr in Euren Jobs und das musss ein Bundesligatrainer auch – das gehört sich so. Natürlich können wir alle versuchen, intern bei den richtigen Ansprechpartnern (zumeist beim direkten Vorgesetzten) auf Missstände hinzuweisen und im besten Fall auch Lösungsvorschläge vorzutragen. Allerdings muss das intern passieren. Wie es sich für eine gute Gemeinschaft gehört. Und wie es die Verantwortlichen der Mannschaft vorleben müssen.

Und das alles nach drei Siegen in Folge. Und nach einem Bundesligaspieltag, der bislang gut für den HSV war. Immerhin sind es jetzt nur noch 17 Punkte auf Tabellenführer Dortmund 😉 Aber im Ernst, der HSV rückt auf den sechsten Platz vor und es sind tatsächlich nur noch (zumindest solange Leverkusen nicht gewinnt) vier Punkte bis zum Champions-League-Platz und drei bis zur Europa-League-Quali. Allemal Grund genug, gute Laune zu verbreiten.

Zumal sich auch heute, trotz des bestätigten Angebots aus Madrid, nichts an der Vereinshaltung im Fall Ruud van Nistelrooy geändert hat. Der hier im Blog bereits geschilderte Gedanke, den von Real nach Mainz verliehen Adam Szalai gegen Ruud zu tauschen wurde dem HSV offiziell noch nicht vorgetragen. Zudem hat Mainz-Manager Christian Heidel heute erklärt, dass Szalai auch nach der Transferperiode in Mainz spielen wird. Aber die HSV-Verantwortlichen gehen davon aus, dass Madrid vorschlagen wird, jetzt van Nistelrooy zu bekommen und im Gegenzug Szalai ab Sommer beim HSV spielen zu lassen. Allerdings soll auch dieser Vorschlag keine Chance haben. Reinhardt: „Es ist, wie wir es immer gesagt haben: Ruud bleibt.“

Hoffentlich.

Und während ich diesen Blog online stellen will, sehe ich nicht nur Werder, wie es in Köln sang- und klanglos untergeht, sondern auch, dass sich der werte Herr Sammer geäußert hat. Er wirft dem HSV „unprofessionelles Verhalten“ vor. Es sei „der Kardinalsfehler von Herrn Rieckhoff gewesen, diesen zeitlichen Druck aufzubauen. Das war unnötig und hat die Situation sehr belastet“, so Sammer gegenüber „Bild am Sonntag“. Der DFB-Sportdirektor nannte auch familiäre Gründe für seine Entscheidung. Mit dem HSV sei „im Prinzip schon alles geregelt“ gewesen, er habe aber noch das Wochenende für Gespräche mit seiner Familie gebraucht. Doch DFB-Präsident Theo Zwanziger habe wegen der Brisanz des Themas auf einer sofortigen Entscheidung bestanden. „Deshalb habe ich mich klar zum DFB bekannt“, sagte Sammer.

Logisch! Obwohl, wartet – nein, doch nicht… Überhaupt nicht! Immerhin sagte er selbst, er sei sich mit dem HSV einig gewesen. Und erhatte über Monate Kontakt. Zu wenig Zeit, um mit der Familie alles zu klären? Ganz sicher nicht…

Sammer macht es sich sogar so einfach, den Schwarzen Peter dem HSV-Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst-Otto Rieckhoff zuzuschieben, der sich am Dienstag sehr optimistisch geäußert hatte, Sammer zum HSV holen zu können. „Diese Äußerungen haben die geplanten zeitlichen Abläufe unmöglich gemacht und letztlich dazu geführt, dass eine schnelle Entscheidung getroffen werden musste“, sagte Sammer der „Welt am Sonntag“.
Na denn.
Und Sammer ging sogar noch weiter. Er versicherte, bei den Verhandlungen immer mit offenen Karten gespielt zu haben. „Deshalb habe ich ein reines Gewissen.“

In diesem Sinne, Euch allen einen ehrlicheren schönen Samstagabend! Bis morgen!

P.S.: Am Sonntag wird sich Sammer übrigens – ich weiß, die meisten wissen das schon, trotzdem noch mal – in der „Sky90“-Sendung nach den Sonntagsspielen erneut äußern. Ich bin gespannt!

P.P.S.: Heute konnte Marcell Jansen wieder voll mittrainieren. Auch Gojko Kacar soll trotz Platzwunde am Dienstag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.

Viele Verlierer und ein Sieger – die HSV-Mannschaft + UPDATE Ruud!

21. Januar 2011

+++++ Nach dem Spiel wurde bekannt, dass Real Madrid dem HSV telefonisch ein offizielles Angebot für Ruud van Nistelrooy unterbreitet hat. Über die Höhe der Ablösesumme schweigen sich alle Beteiligten aus. Zudem wiederholte HSV-Boss Bernd Hoffmasnn, dass man van Nistelrooy nicht abgeben werde. “Ein Wechsel ist unmöglich”, sagte Hoffmann.++++++

Großer Aufwand, wenig Ertrag. Was für die „Causa Sammer“ gilt, galt auch für das Spiel des HSV. Zumindest lange Zeit. Bis Mladen Petric die 50239 Anhänger erlöste und den HSV zumindest bis Sonnabend punktgleich an die Europa-League-Plätze heranschoss. Ein schöner Abschluss eines bis dahin mäßigen Tages. Diplomatisch ausgedrückt…

Aber bleiben wir beim Schönen, beim Fußball. Denn der hat nach dem starken 1:0 auf Schalke mit dem Sieg gegen die ersatzgeschwächten Frankfurter eine gelungene Fortsetzung gefunden. Genau genommen ist es der dritte Sieg in Folge in der Bundesliga (am 17. Spieltag wurde in Gladbach 2:1 gewonnen). Dabei bedurfte es eines Kraftaktes, einer erneut geschlossenen Mannschaftsleistung, um die drei Punkte einzufahren. Wieder waren es Attribute wie Fleiß und Teamgeist, die den Erfolg brachten. Und die Hoffnung auf eine wirklich deutlich bessere Rück- denn Hinrunde machen.

Dabei hatte die Mannschaft von Trainer Armin Veh gut begonnen. Knapp 20 Minuten wurde Pressing gespielt wie lange nicht. Nicht selten attackierten drei HSVer gleichzeitig die Frankfurter, sollten die einen ihrer gerade mal 30 Prozent Ballbesitz in der ersten Halbzeit haben. Und hätte Zé Roberto in der ersten Minute den Ball besser getroffen nach einer Flanke von Elia, oder hätte Änis Ben-Hatira in der 9. Minute den direkteren Weg zum Ball nach starkem Pass Zé Robertos gesucht – es hätte 1:0 oder gar 2:0 stehen können. So aber bestach die erste Halbzeit durch hohe Laufarbeit auf Seiten des HSV, cleverem Defensivverhalten der Frankfurter und viel Leerlauf. Dabei musste der HSV gegen Frankfurts B-Auswahl in der 35. Minute auch noch den Ausfall Gojko Kacars hinnehmen, der mit dem Ex-HSVer Alex Meier zusammengestoßen war und sich eine klaffende Platzwunde zuzog. Für den Serben kam Tomas Rincon, der die rechte Seite übernahm. Der dort bis dato gut spielende Demel rückte in die Innenverteidigung.

Und die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte. Pitroipa musste verletzt raus, für ihn kam entgegen eigener Ankündigungen Mladen Petric. Der Kroate war erst diese Woche ins Mannschaftstraining eingestiegen – zu früh für 45 Minuten, wie Veh noch gestern selbst angekündigt hatte. Dennoch machte Veh mit dem Bruch eigener Vorgaben alles richtig. Denn nach verhaltenen 20 Minuten war es der Mann mit der Nummer zehn, der einen schönen Pass des erneut sehr fleißigen Änis Ben-Hatira per Grätsche zum 1:0 in die Maschen beförderte. Eine verdiente Führung.

Was folgte waren 15 Minuten, in denen nichts anbrannte. Weder hier noch da. Verantwortlich dafür waren zum einen harmlose Frankfurter, aber vor allem eine gute Defensivleistung der Hamburger. Allen voran Elia in der ersten Hälfte, der keinen Ball verlorengab und Zé Roberto auf die gesamten 90 Minuten berechnet. Der Brasilianer arbeitete nach hinten, grätschte, gewann Zweikämpfe, bot sich permanent an und verteilte geschickt die Bälle. Symptomatisch die 86. Minute, als er bei einem Konter den langen Weg aus dem eigenen Sechzehner bis zum gegnerischen Sechzehner sprintete und den Ball bekam. Dass er diesen nicht mehr ordentlich verarbeitete sei ihm verziehen.

Erst in den letzten zehn Minuten kamen die Frankfurter annähernd gefährlich vors Hamburger Tor, in dem Rost gewohnt sicher alles entschärfte, was zu entschärfen war. Und hätte sich der HSV nicht derart viele unnötige Ballverluste (allen voran die schwachen Trochowski und van Nistelrooy) erlaubt, Armin Veh hätte nach dem Spiel rundum zufrieden sein können.

Eine echte, eine bittere Niederlage gab‘s dagegen schon im Vorfeld. Matthias Sammer sagte ab. Zu meiner Überraschung. Und zur Überraschung aller beim HSV. Ernst-Otto Rieckhoff wirkte regelrecht geschockt. „Ich habe einen trockenen Mund. Das war ja auch für mich eine Premiere“, bat der Aufsichtsratsvorsitzende nach seiner ersten außerordentlichen Pressekonferenz um Verständnis. Und der 59-Jährige machte keinen Hehl aus seiner Enttäuschung, die schon in Verbitterung überging. „Wir waren alle sehr überrascht, nachdem wir über Wochen gute Gespräche hatten. Und wir saßen noch am Dienstag in größerer Runde zusammen. Wir waren uns inhaltlich auch einig. Sammer lag ein unterschriftsreifer Vertrag vor.“

Einzig unterschrieben wurde er nicht mehr. Und das, obwohl sich Sammer noch am Freitagmorgen einzelne Formulierungen im Vertrag umstellen ließ. Dabei soll Sammer penibel genau gewesen sein – die Lehre aus dem Debakel beim DFB, wo man ihn als Sportdirektor quasi ohne eigenes Verantwortungsfeld ließ. So zumindest dachten die HSV-Kontrolleure, die bis kurz vor 16 Uhr alle davon ausgegangen waren, dass die causa Sammer klar sei. Lediglich der Zeitpunkt der offiziellen Verkündung war noch offen.

Wie gesagt, das allerdings nur bis kurz vor 16 Uhr. „Ich war wegen eines anderen Themas bei Alexander Otto“, verriet Vorstand Oliver Scheel, „und seine Sekretärin richtete mir aus, dass Herr Otto noch ein wichtiges Telefongespräch hätte.“ Am anderen Ende war Matthias Sammer. Und mit ihm die Absage, die den HSV bundesweit schlecht aussehen lassen. Ob der HSV einen Imageschaden davonträgt? „Nein“, sagt Rieckhoff, „ich bereue nichts, wir bereuen nichts. Wenn man so eine Option auf dem Tablett serviert bekommt, wären wir doch töricht, sie nicht zu forcieren.“ Das Ende sei so nie absehbar gewesen. Im Gegenteil. Als sich Rieckhoff am Dienstag mit seinen Formulierungen weit vorwagte, waren diese mit Sammer sogar abgestimmt.

Was für ein Spiel hat der ehemalige Dortmunder Meistertrainer gespielt? Hat Sammer den HSV benutzt, um seine Position beim DFB zu stärken? Wenn ja, hat er dies mit einer Akribie und einem zeitlichen Aufwand verfolgt, der selbst für den durchtriebensten Taktiker unnormal wären. Seit Juni stand Sammer im regen Kontakt zum HSV, seither gab es immer wieder intensive Gespräche. Sammer hat sich ein Konzept für den HSV ausgedacht und dies aufwendig genau den Kontrolleuren vorgestellt. Sammer hat sogar seine Mitstreiter benannt und diese in Verhandlungen mit dem HSV geschickt. Erst gestern hatte sich dafür Vorstandsboss Bernd Hoffmann mit Miroslav Stevic in Bremen getroffen, nachdem klar war, dass der Leipziger Sportwissenschaftler Dr. Karsten Schumann mit an die Elbe wechseln würde. Auch das Aufgabengebiet Sammers war bis ins letzte Detail geklärt, das Gehalt sowie die drei Jahre Laufzeit und der Posten im Vorstand vertraglich festgehalten. „Ja, es war alles klar“, so Rieckhoff desillusioniert. Ob er glaubt, dass der DFB den Druck auf Sammer so erhöht hat, dass dieser einknickte? „Das Gefühl habe ich.“

Es nützt nichts. Der HSV hat seinen Gau, die Sportchefsuche ist wieder da, wo sie im Sommer, vor der Installation Reinhardts war. Denn, das ist klar, auch wenn Rieckhoff gestern betonte, dass Reinhardt seine Arbeit genau so weitermacht, wie bisher, ist der ehemalige HSV-Verteidiger durch die Sammer-Affäre verbrannt. Gebrandmarkt mit dem Gütesiegel „nicht ausreichend“. Noch am Dienstag hatten die Kontrolleure im Glauben an Sammers Verpflichtung ihrem amtierenden Sportchef mitgeteilt, er möge sich mal Gedanklen machen, wo er seine Rolle sieht. Man würde viel Wert auf ihn legen…

Ist klar.

Aber auch Sammer hat an dieser Geschichte Schaden genommen. Der Ruf des geradlinigen Typen hat eine Delle bekommen. Die Mutmaßungen, weshalb er in letzter Sekunde doch noch absagte sind vielfältig und geprägt von Charakterschwäche. Besonders interessant finde ich dabei die Theorie, Sammer sei nur umgefallen, weil ihn am Donnerstag Uli Hoeneß kontaktiert habe und ihm die Rolle des Cheftrainers beim FC Bayern in Aussicht gestellt hat. Dort würden die familiären Bedingungen stimmen, Sammer wohnt in München, fühlt sich sehr wohl und sein Sohn gilt als großes Talent im U-16-Nachwuchsteam des FC Bayern. Und die Liaison des FCB mit ihrem eigenwilligen und eigenmächtigen Trainer Louis van Gaal gilt gemeinhin als zweckgebunden und wenig liebevoll… Wohlgemerkt, eine Theorie mit vielen Konjunktiven….

Abwarten. Erst einmal müssen wir eine Geschichte verdauen, die keinen einzigen Gewinner, dafür eine ganze Menge Verlierer hervorgebracht hat.

22.23 Uhr

Update causa Sammer: Rieckhoff spricht

21. Januar 2011

Ernst-Otto Rieckhoff musste was trinken. „Ich habe einen trockenen Mund“, so der Aufsichtsratsvorsitzende nachdem er seine Verlesung vorgenommen hatte. Und der neue Chefkontrolleur war aufgeregt. Zumal der Anlass seiner ersten außerordentlichen Pressekonferenz kein angenehmer war. Entsprechend niedergeschlagen wirkte der 59-Jährige. „Das war ja auch für mich eine Premiere.“

Naja, genau genommen nicht. Sportchefkandidaten haben schon des Öfteren abgesagt. Der zehnte Kandidat war Matthias Sammer. Bis er am frühen Nachmittag in einem persönlichen Telefonat bei Ratsvize Alexander Otto absagte. „Wir waren alle sehr überrascht“, so Rieckhoff, „nachdem wir über Wochen gute Gespräche hatten.“ Weshalb er selbst am Dienstag so offensiv und optimistisch gewesen sei? „Sehen sie, wir hatten über Wochen derart gute Gespräche. Und wir saßen noch am Dienstag in größerer Runde zusammen. Wir waren uns inhaltlich auch einig. Sammer lag ein unterschriftsreifer Vertrag vor.“ Zudem habe der Rat Sammer noch vor der Sitzung am Dienstag mitgeteilt, wie man sich am Abend der Presse gegenüber äußern würde.

Einen Imageschaden für den HSV sieht Rieckhoff nicht. „Ich bereue nichts. Wir hatten keine Sportchefsuch. Wir hatten immer nur die Option Sammer. Wenn man so eine Option auf dem Tablett serviert bekommt, wären wir doch töricht, sie nicht zu forcieren.“ Vielmehr läge der Schwarze Peter beim DFB. Der habe Sammer unter Druck gesetzt. Ob das auch Rieckhoffs Wissen entspräche? „Das Gefühl hatte ich schon.“ Wie es jetzt weitergeht? „Ich habe mit Bastian Reinhardt gesprochen. Er wird seine Arbeit so weitermachen wie bisher.“

Wie bisher? Also so, dass der Rat nicht zufrieden ist?

Klingt alles seltsam. Ist alles seltsam.

Mehr dazu nach dem Spiel…

P.S.: Die Verlesung Rieckhoffs ist auf www.hsv.de zu lesen.

18.57 Uhr

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »