Tagesarchiv für den 28. Januar 2011

In Nürnberg soll die Serie fortgesetzt werden

28. Januar 2011

Und schon war er raus. „Wenn ein Spieler wechseln sollte oder kurz davor steht, dann nominiere ich ihn nicht mehr“, hatte Veh am Donnerstag bereits angekündigt – und dies jetzt umgesetzt. Choupo-Moting, für den sich sowohl der 1. FC Köln als auch Premier-League-Klub West Bromwich interessieren, wurde aus dem Kader für die Partie gegen Nürnberg gestrichen. Weil er geht? „Nein“, so die kurze Antwort von Sportchef Bastian Reinhardt unmittelbar bevor der OLT-Flieger samt Mannschaft gen Nürnberg abhob, „das liegt vielmehr daran, dass einfach zu viele Spieler gesund sind und sich der Trainer auf 18 Spieler beschränken musste.“ Dennoch geht auch Reinhardt nicht von einer schnellen Entscheidung aus. Im Gegenteil, Reinhardt rechnet nicht vor Montag, dem letzten Tag der Transferperiode, mit einer Entscheidung.

Klar ist: Choupo soll gehen. Allerdings sind die HSV-Verantwortlichen bemüht, ihren 21-jährigen Nationalspieler nicht zu verkaufen. Vielmehr soll der Kameruner Spielpraxis bekommen und lediglich verliehen werden. Allerdings stößt dieser Gedanke bei Choupos Berater und Vater Just (er selbst bat uns mal um diese Reihenfolge, sollten wir ihn erwähnen…) auf wenig Gegenliebe. Schon im vergangenen Jahr hatte der studierte Lehrer gesagt: „Wenn es mit dem HSV noch mal zu einer Trennung kommen sollte – dann nur als Verkauf. Ein Leihgeschäft werden wir nicht mehr mitmachen.“

Problem hierbei ist allerdings, dass dem Vernehmen nach sowohl Köln als auch West Bromwich den HSV-Angreifer ausleihen und nicht kaufen wollen.

Und jetzt wird es etwas kompliziert.

Da Choupos Vertrag ausläuft, darf er laut DFB-Statuten nicht mehr verliehen werden. Für ein Leihgeschäft käme Choupo nur in Frage, sollte er einen über die Leihzeit hinaus gültigen Vertrag beim HSV besitzen. Die Idee des HSV war, den Vertrag mit seinem Talent zu verlängern.

So weit so gut.

Allerdings hat auch dieses Vorhaben einen Haken. Bis zum 31. Januar kann der HSV eine vereinsseitige Option zur Verlängerung ziehen, müsste im Gegenzug allerdings das Jahressalär des Jungstürmers (bislang rund 750000 Euro per annum) deutlich anheben. Und das wiederum will der HSV nicht. Deshalöb verhandeln jetzt alle, der HSV, Just Moting und die interessierten Klubs über etliche verschiedene Szenarien. Und das dauert.

Klarer gestalten sich derweil zwei Gerüchte, die heute aufgekommen sind. Zum einen soll Jonathan Pitroipa ein Angebot des VfL Wolfsburg vorliegen. Wobei man sagen muss, dass die VW-Städter inflationär mit ihrem Interesse an neuen Spielern umgehen und gefühlte 100 Spieler im Visier haben. Entsprechend wollte (konnte?) Pitroipas Berater Nick Neururer auch nichts dementieren, allerdings erklärte Reinhardt, vom VfL nichts gehört zu haben. Zudem habe der HSV kein Interesse, seinen Außenstürmer abzugeben.

Interesse soll dagegen der HSV an dem Rumänen Srdan Luchin (24) vom rumänischen Erstligaklub Politehnica Timsoara haben. Reinhardt gibt auch zu, den Innenverteidiger zu kennen. Ere dementiert allerdings auch klar. „Er ist auch ein richtig guter Mann. Aber es bleibt dabei, dass wir im Winter keinen Spieler mehr holen“. Das wiederum schließt nicht aus, dass der Rumäne im Sommer zum Kandidatenkreis gehört. Wovon hier auszugehen ist.

Entschieden ist auch die Personalie Paolo Guerrero, dem ein Angebot von Premier-League-Klub FC Fulham vorliegt. „Ich bleibe hier, was sonst“, so Paolos Antwort nach dem heutigen Training auf die Frage, ob er einen Wechsel plane. Wobei ich gehört habe, dass das Thema Guerrero eigentlich schon seit einigen Tagen ad acta gelegt worden sein soll.

Nun denn, anstatt zu wechseln rückt Guerrero nach seiner Wadenverletzung aus der Hinrunde gegen Nürnberg ebenso wie Marcell Jansen und David Jarolim wieder in den Kader. Gestrichen wurden dafür neben Choupo-Moting auch die Youngsters Muhamed Besic und Tunay Torun.

Im mit knapp 50 Minuten ziemlich kurzen Abschlusstraining gab es zuvor Überraschungen. Außer, dass Paolo gleich die zweite Ecke des B-Teams einschädelte und die unveränderte A-Elf (Rost – Demel, Kacar, Westermann, Aogo – Zé Roberto, Jarolim – Pitroipa, Änis, Elia – van Nistelrooy) bei eben jenen Standardübungen leichte Probleme hatte.

Dennoch, und das zeigen ja auch die Bilder von Benno Hafas, die Mannschaft ist gut drauf. Mental allemal, körperlich auch. Ruud van Nistelrooy gibt sich betont locker im Umgang mit den Mannschaftskameraden und zieht auch im Training ordentlich mit. Und auch wenn die HSV-Abwehr im heutigen Abschlussspiel bei Standards ein wenig wackelte, sie ist das neue Faustpfand des Erfolges. Zuletzt zweimal zu null gespielt, dazu mit Gojko Kacar einen überraschend starken Ersatz des weiter fehlenden Joris Mathijsen gefunden. Und, das betonte nicht zuletzt Armin Veh immer wieder, mit Dennis Aogo ist die linke Abwehrseite endlich wieder optimal besetzt. Der Nationalspieler, der bis zum 16. Spieltag ausgefallen war, zeigt sich momentan von seiner besten Seite. Im Training immer einer der eifrigsten, ist er endlich wieder nahe seiner Bestform. „Ich bin körperlich endlich wieder auf einem richtig guten Level“, sagt Aogo, der sogar ganz leise Hoffnungen hegt, am 9. Februar gegen Italien wieder für die deutsche Nationalelf nominiert zu werden.

Vorher aber will er mit dem HSV die Serie von drei Siegen in Folge ausbauen. Wobei, Aogo sieht das mit der Serie etwas anders: „Der Sieg in Gladbach in der Hinrunde war nicht mehr als Not gegen Elend. Der zählt für uns nicht mehr dazu. Jetzt haben wir zwei Siege in der Rückrunde – das ist schön, aber auch nichts Besonderes. Gegen Schalke zu gewinnen ist schon gut, okay. Aber zuhause gegen Frankfurt zu gewinnen ist nicht mehr als der Anspruch, den der HSV einfach haben muss.“ Ob das auch für einen Sieg in Nürnberg gilt? „Nürnberg darf man nicht unterschätzen. Ich habe sie gegen Schalke gesehen und fand sie stark. Die haben die ersten 15 Minuten Pressing gespielt. Sogar richtig gut Und wie wir aus eigener Erfahrung wissen, können sie auch sehr gut tief stehen und kontern. Wir sind gewarnt.“

Angesprochen auf die Gründe für die aktuelle Sicherheit in der Defensive schiebt Aogo das Lob, wie er es eigentlich immer macht, weit von sich. Zwar sei es zu merken, dass sich die Viererkette einspiele und gewisse Automatismen endlich greifen, „aber den größten Anteil daran haben unsere Offensivleute, die jetzt deutlich mehr nach hinten arbeiten. Das war in der Hinrunde, als ich mir alles noch von außen angesehen habe, anders.“ Eine Einschätzung, die Abwehrchef Heiko Westermann teilt und sogar konkretisiert: „Wenn man mal sieht, wie viele Kilometer der in einem Spiel abreißt, das ist schon Wahnsinn“, lobt der Mannschaftskapitän. Gemeint ist niemand anders als der Gewinner der Winterpause: Änis Ben-Hatira. „So einen, der so malocht, hatten wir in der Hinrunde nicht. Und auch wenn er logischerweise ab der 70. Minute platt ist, gibt er nie auf. Änis gibt dem Mittelfeld sehr viel Sicherheit.“

Ebenso wie Aogo. Zum einen als Abwehrspieler, zum anderen, weil seine Rückkehr zur Folge hatte, dass Zé Roberto endlich wieder auf seine Lieblingsposition ins zentrale Mittelfeld vorrücken konnte. Eine entscheidende Verbesserung für das HSV-Offensiv- und Defensivspiel. Denn der Brasilianer räumt defensiv robuster auf als in der eher lustlos abgerissenen Hinrunde.

Das soll auch in Nürnberg wieder so sein. Jarolim als rein defensiv ausgerichteter Sechser mit dem ebenso lauf- wie zweikampfstarken (Kopfbälle mal ausgenommen) Zé sollen die Ordnung herstellen und die eigene Offensive mit den ausgeruhten Außenstürmern (Pitroipa pausierte verletzungsbedingt, Elia mehr oder weniger aktiv auf dem Platz) sowie Änis und den mit Sicherheit erneut stark im Fokus stehenden Ruud van Nistelrooy mit Bällen füttern.

Und sollte das annähernd so gut wie zuletzt gelingen, wird es auch in Nürnberg klappen. Was mich so optimistisch macht? Die Mannschaft hat im Gegensatz zu den letzten Monaten, wo jede kleine Unruhe immer wieder als Alibi für etwaige Enttäuschungen angeführt wurde, die zweifellos turbulente letzte Woche (M.S.-Posse, Ruuds Wechseltheater, Wechselgerüchte Paolo, Choupo und Pitroipa) völlig unbeeindruckt überstanden. Die Mannschaft geht sogar so weit, dass sie Ruud öffentlich in Schutz nimmt und endlich als die Einheit auftritt, die viele, auch ich, in der Hinrunde vermisst hatten. Zudem ist durch die zahlreichen Rückkehrer im Training endlich wieder Feuer drin. Da wird sich auch mal angegangen (Rost vs. Jansen verbal, Ruud vs. Torun per harte Grätsche und heute Jarolim vs. Mathijsen nach einem harten Zweikampf) – aber eben auch wieder vertragen. Es geschieht endlich alles wieder im Sinne der Sache.

Und da die Startelf oben bereits erwähnt ist, verbleibe ich mit der Hoffnung auf den nächsten Dreier. Oder besser: im Glauben daran…

Bis morgen!

19.00 Uhr

Tipp in eigener Sache:

Seit dem Start der Rückrunde laufen bei Matz ab die „Body Attack HSV News“. Dabei handelt es sich um einen Wochenrückblick, der jeden Freitag vor dem Bundesligawochenende erscheint. Als Einstimmung auf die nächste Partie können sich alle HSV-Anhänger in Bild und Ton anschauen, bzw. anhören, was beim HSV so alles los war. Ob Verletzungen, Vertragsverlängerungen oder Neuverpflichtungen – in den Video-News wird über aktuelle Ereignisse berichtet und die Protagonisten des HSV kommen zu Wort. Ab sofort geben auch die Matz-ab-Blogger ihren Senf dazu – wenn Ihr denn wollt…