Tagesarchiv für den 20. Januar 2011

Elia will in die Champions League

20. Januar 2011

Matthias Sammer soll sich äußern. Das fordert Dr. Theo Zwanziger. Der DFB-Präsident will eine Entscheidung vom designierten HSV- und aktuell amtierenden DFB-Sportdirektor. Und?

Er wird sie nicht kriegen.

Sammer wird sich bei der morgigen Präsidiumssitzung nicht festlegen. Und die Schuld daran hat – wenn man es genau zurückverfolgt – der DFB selbst. Denn erst das ewige Tauziehen um Verantwortungen innerhalb hat Sammer so vorsichtig gemacht, dass er sich beim HSV sein Arbeitsprofil bis ins Tausendstel vertraglich zusichern lässt. Und das dauert. Die Familie steht hinter einem Wechsel nach Hamburg, obwohl Sammers 15 Jahre alter Sohn als großes Nachwuchstalent im Internat des FC Bayern bleiben wird. Die Entscheidung von scheint gefallen. Der Vollzug lässt auf sich warten. Allerdings soll auch der innerhalb der nächsten sieben Tage erfolgen.

Und die Vorfreude ist nicht nur bei Euch. Auch Trainer Armin Veh, dessen Position als Cheftrainer mit der Verpflichtung Sammers kippen könnte – zumindest besagen das etliche Gerüchte – freut sich auf den Neuen. „Er hat als Trainer gearbeitet, im DFB Verantwortung getragen – er hat Erfahrung. Und er ist nicht angreifbar. Er hat bewiesen, dass er Dinge entwickeln kann. Sammer wäre für den HSV eine gute Sache.“ Ob er sich um seine eigene Position Sorgen macht? „Nein. Ich mache mir nur über die Dinge Gedanken, die ich entscheiden kann.“

Nun werdet Ihr alle (oder zumindest ein großer Teil von Euch) Dieter auf Sport1 gehört haben. Da hat der Grande doch auch gleich mal ein Planspiel rausgehauen: Sammer für Louis van Gaal zum FC Bayern. Na denn. Zum Glück weiß ich, dass es dafür keine aktuellen Indizien gibt. Nein, auch Dieter hat den Kenntnisstand, dass sich Sammer heute nicht entscheiden wird. Die Frage, die sich auch Dieter aufgedrängt hat: Warum sollte Sammer auch? Er hat einen laufenden Vertrag beim DFB. Und vor allem: wie kommt der DFB dazu, Druck auf den HSV aufzubauen? Nachdem der HSV einen bestehenden Vertrag mit Urs Siegenthaler trotz fehlender Alternative bereitwillig aufgelöst hatte und im Bestechungsskandal um Robert Hoyzer ebenfalls mehr als kooperativ war scheint mir, hätte dieser HSV mehr verdient. Zudem hat Zwanziger den Kompetenzstreit zwischen Sammer und Bundestrainer Joachim Löw mit seinem Machtwort pro Löw entschieden – und Sammer damit zum Chef ohne Angestellte gemacht. Dem einstigen Europameister bleiben nur die U-Junioren. Und bei Sammers Erfahrung, seinen sportlichen Verdiensten und seinen nachgewiesenen strategischen Fähigkeiten bei der Nachwuchsförderung sollte Zwanziger wissen, dass ein solcher Mann nicht lange zu halten ist. Im Gegenteil: Wenn Zwanziger Anstand hat, legt er Sammer keine Steine in den Weg.

Aber okay, bei allem, was ich höre, werde ich nicht unruhig. Da kann ich ruhig die Tage abwarten und mich weiter darauf freuen, dass schon bald die „geballte sportliche Kompetenz“ beim HSV Einzug hält. Der Name: Matthias Sammer.

Bis dahin freue ich mich unvermindert auf die HSV-Spiele. Auch auf die morgige Partie gegen Eintracht Frankfurt. Denn zum einen ist Ruud van Nistelrooy offenbar wirklich der Vollprofi, den wir in ihm gesehen haben. Zum anderen ist die Mannschaft mutig. Trainer Armin Veh setzt auf Piotr Trochowski für den gelbgesperrten David Jarolim. Und damit auf die offensive Variante. Mit Zé Roberto, Elia, Pitroipa und Änis sowie Ruud davor hat der HSV sechs Offensivkräfte auf dem Platz. Und das, obwohl Armin Veh insbesondere vor der Konterstärke der Hessen warnt. „Sie spielen seit Skibbe sehr vertikal, schnell nach vorn. Ihr Spiel ist der Konter. Und den werden wir vermeiden müssen.“
Mit Zé und Troche?
Zumindest im heutigen Training schien das noch nicht richtig zu klappen. Das B-Team gewann das Abschlussspiel der heute gerade mal 50 Minuten langen Einheit in der Imtech-Arena und ausgerechnet Trochowski wirkte dabei wackelig.

Umso stärker dafür die beiden Außen, Jonathan Pitroipa und Eljero Elia. Besonders Letztgenannter scheint noch mal richtig aufzudrehen. Gegen Schalke war der Niederländer offensiv gefällig und defensiv auffällig fleißig. Und er nennt dafür auch den Grund: „Ich bin fit. Richtig fit.“ Im letzten Jahr habe er nach jeder Trainingseinheit eine Massage gebraucht, um die Anstrengungen zu verkraften. Heute nicht mehr. Und auch der Grund hat einen Namen: Günter Kern, der neue Konditionstrainer des HSV. „Er hat uns im Trainingslager gekillt. Das war hart“, stöhnt Elia auch heute noch, „aber ich bin richtig fit. Ich gehe jetzt vom Platz und gleich nach Hause. Keine Behandlungen mehr.“

Es passt. Und Elia sieht es auch so. „Ich bleibe“, sagte er uns heute und dementierte damit etwaige Gerüchte, noch in der Winterpause zu wechseln. Dazu maßgeblich beigetragen hat auch Trainer Armin Veh, der zuletzt betont hatte, auf Elia zu setzen. Bei allen Nebengeräuschen. „Der Trainer vertraut mir“, freut sich Elia, „und ich kann es ihm jetzt endlich zurückzahlen.“ Was sich seit der als verkorkst abgeschrieben Hinrunde verändert habe? „Wir sind fitter“, so die kurze Antwort, „ich und die ganze Mannschaft. Dennis Aogo ist wieder bei 100 Prozent, Gojko Kacar und Heiko Westermann stehen gut und auch Guy fängt an, wieder gut zu spielen“, lobt der 23-Jährige die HSV-Defensive und erklärt die Erfolgsformel: „Und offensiv sind wir immer in der Lage zu treffen.“ Hinten die Null, vorne mindestens einen Treffer – so einfach sind Siege. Und so verführerisch. Zumindest formuliert der neben dem Platz als ebenso kindsköpfig wie auf dem Platz als genial geltende Niederländer neue, große Ziele: „Wir haben jetzt die Qualität, unsere Ziele zu erreichen. Und wir wollen nächste Saison alle Champions League spielen.“ Und, auf die Nachfrage, was ihn so optimistisch macht, offenbarte uns der Außenstürmer noch ein kleines, bislang unbekanntes Detail. „Wir waren immer mental stark – und jetzt sind wir es auch physisch. Wir kämpfen jeder für jeden. Und dass wir Qualität haben, steht außer Frage. Ich bin ja auch nicht für 9,8 Millionen Euro nach Hamburg geholt worden, weil ich so eine gute Frisur habe, sondern wegen meiner fußballerischen Qualität.“ 9,8 Millionen? Bislang hieß es immer, er sei 2009 für neun Millionen gekommen. Aber na gut, jetzt wissen wir mehr…

Na dann, ich wäre nur zu gern dabei.

Und so soll es heute klappen: Rost – Demel, Kacar, Westermann, Aogo – Zé Roberto, Trochowski – Pitroipa, Ben-Hatira, Elia ¬– van Nistelrooy.
Einzige Änderung gegenüber dem Schalke-Spiel ist Mladen Petric, der für den gesperrten Jarolim in den Kader rückt. „Mladen hat die Woche gut trainiert“, so Veh heute, „er ist so weit, 20 Minuten zu spielen.“

In diesem Sinne: hoffentlich bleibt‘s bei meinem erhofften 3:0-Sieg, Ruuds Doppelpack und Mladens Einwechslung in der 70. Und vor allem: hoffentlich bewahrheitet sich Elias Prognose…

20.15 Uhr

P.S.: Noch ein kleiner Tipp: Wer mal ein HSV-Interview der etwas anderen Art sehen will, der klickt einfach bei www.sportXperten.de rein. Aktuell ist dort ein aufschlussreiches Gespräch von drei jungen Nachwuchsjournalistinnen zu sehen, die Jansen auch auf dessen Schreibfehler bei seinen Tattoos aufmerksam machen…

P.P.S.: Ich habe den Anstoßzeitpunkt von “heute” auf “morgen” korrigiert. Danke fürt den Hinweis “Jonas”!