Tagesarchiv für den 19. Januar 2011

…dann kann plötzlich alles ganz schnell gehen…

19. Januar 2011


Dass ich Euch auch immer anlügen muss! Entschuldigt! Gestern hatte ich Euch geschrieben, Sammer sei bereits in Hamburg und dass er bleibt. Beides, darauf haben mich meine Kollegen aufmerksam gemacht, stimmt so nicht. Denn zum Einen haben sich die Aufsichtsräte nicht in Hamburg sondern zwei Autostunden entfernt mit Sammer getroffen, und zum Zweiten ist Sammer anschließend wieder gen Heimat gereist.

Aber ganz ehrlich: das ist mir alles sch…egal.

Denn, und das wollte ich mit der Überschrift aussagen, Sammer hat sich mit einem Großteil der zwölf Räte persönlich getroffen, indem er zu ihnen gereist ist – und er ist sich inhaltlich einig mit dem HSV-Kontrollgremium. Dass die werten Herren Kontrolleure das Treffen am gestrigen Abend leugneten, darf als Versuch gewertet werden, dem DFB etwas vorzugaukeln. Denn die reagieren auf derartig konspirative Treffen – ohne dass ihnen vorher Bescheid gegeben wurde – manchmal sonderbar.

Das tun sie allerdings auch, wenn ihnen Bescheid gegeben wird. Denn heute war aus Frankfurt lange zu vernehmen, dass keiner etwas vom HSV und Sammer gehört habe. Als den Granden des größten Dachverbandes der Welt dann mitgeteilt wurde, dass der HSV-Aufsichtsrat bereits am Vorabend offiziell das Interesse an Sammer bekundet hatte, kam ein offizielles Statement von Wolfgang Niersbach: „Der erklärte Wunsch des DFB ist es, dass er uns als Sportdirektor mit seinem Engagement und seiner Kompetenz erhalten bleibt“, sagte Niersbach und stellte Sammers Willen, zum HSV zu wechseln, grundsätzlich in Frage: „Für den DFB ist die Situation unverändert: Auch nach einem Telefonat zwischen Matthias Sammer und mir gibt es für uns kein Signal, dass der bis 2013 laufende Vertrag aufgelöst werden soll.“
Allerdings, das sagt zwar keiner, aber das wissen alle, sollte Sammer sich schnell für den HSV entscheiden, dürften auch Vertragsauflösung beim DFB und Unterschrift beim HSV schnell gehen. Wie zu hören war, soll die Präsidiumssitzung des DFB am Freitag noch abgewartet werden, danach die Entscheidung fallen.

Eine Hängepartie erwartet jedoch niemand. Auch die hier im Blog vermutete Ablösesumme, die vom DFB gefordert werden könnte, soll kein Thema sein. Zum einen hatte sich der HSV sauber bei dem gescheiterten Engagement mit Siegenthaler gezeigt. Und zum anderen soll Sammer nach den Streitigkeiten mit Bundestrainer Joachim Löw, Oliver Bierhoff und Dr. Theo Zwanziger bereits signalisiert worden sein, dass sein bis 2013 laufender Vertrag notfalls aufgelöst wird – wenn er selbst es so will.

Und dass scheint so zu sein. Zum großen Glück für den HSV.

Denn Sammer gilt als stiller Architekt des DFB-Jugendstils. Unter dem Ex-Meistertrainer wurden die Europameisterschaften der U17 (2009), der U19 (2008) und der U21 (2009) gewonnen. Dennoch wurde Sammer nach einem Streit mit Löw und einem Machtwort Zwanzigers die Verantwortung für die U21 verweigert. Grund genug für Sammer, seine Rolle beim DFB grundsätzlich zu überdenken.

Keine Rolle in den Gesprächen hat bislang Horst Hrubesch gespielt. Und, bei aller Wertschätzung für das einstige Kopfballungeheuer, wer Hrubesch als neuen Jugendchef fordert, liegt falsch. Mit Paul Meier hat der HSV seit Sommer einen ausgewiesenen Fachmann, der sich mit unfassbarer Akribie um eine komplette Neustrukturierung der Jugend kümmert. Und der Schweizer hat klare Richtlinien, hat ein klares Ziel.: Jugendspieler bis ins Profiteam zu führen. Er setzt seine Marschroute konsequent durch, gibt Jugendtrainern Vorgaben, wie sie auszubilden haben und kontrolliert höchstpersönlich die Umsetzung. Warum aber sollte hier wieder alles über den Haufen geworfen werden? Nur, um einen sicher sehr verdienten Ex-HSVer einzubinden? Ich glaube, das wäre die richtige Tat zur falschen Zeit. Und das falsche Signal. Allerdings, und das geisterte hier auch rum, Hrubesch als Trainer einzubauen wäre eine andere Nummer. Die Frage ist nur, wo…
Gleiches gilt für Bastian Reinhardt. Auch die neue Position des 35-Jährigen ist weiter unklar. Und Reinhardt ist mächtig sauer über seine bevorstehende Entmachtung. Wirklich hinnehmen mag der Sportchef seine Degradierung trotz der warmen Worte von Aufsichtsrats-Vize Alexander Otto nicht. „Wir haben großes Interesse, dass er im sportlichen Bereich eine wichtige Rolle spielt“, sagte Otto: „Darüber haben wir auch mit Sammer gesprochen.“ Und eben mit Reinhardt. Mit dem Unterschied, dass das Gespräch nicht in Harmonie endete.

Ein Ende gibt es auch in der Angelegenheit Ruud van Nistelrooy noch nicht. Allerdings weigere ich mich, hier über etwaige Wechselszenarien zu berichten, solange die Aussage des HSV („Wir werden ihn nicht abgeben. Ruud bleibt!“) Bestand hat. Zwar erzählen uns unsere spanischen Kollegen jeden Tag „große Neuigkeiten“, und quasi jeden Tag rückt ein Wechsel näher, allein beim HSV ist bislang kein offizielles Angebot eingegangen. Deshalb beschränke ich mich hier auf Ruud, wie er sich beim HSV gibt. Sportlich wohlgemerkt.
Und das ist nett zu sehen.
Heute versteckte sich Ruud lachend hinter Gojko Kacar, als er aus der Kabine kam. So wollte er einem spanischen Fotografen entkommen, der tatsächlich nichts unversucht ließ, van Nistelrooy zu fotografieren. Auch im Training zeigte sich Ruud von seiner guten Seite. Kurzum: Dem Niederländer, der angeblich mit Streik gedroht haben soll, ist von dem Wechseltheater nichts anzusehen. Bei der mal wieder langen Einheit (gute 110 Minuten) absolvierte der 35-Jährige problemlos die Konditionseinheit mit Schleifer Günter Kern, er wirkte beim Zonen-Spiel Fünf-gegen-zwei ebenso frisch wie beim Abschlussspiel 11-gegen-elf über den ganzen Platz.

Hierbei interessant: wer schlüpft in die Rolle des am Freitag gegen Frankfurt gelb-gesperrten David Jarolim? Und Armin Veh macht es spannend. Er ließ schon A gegen B spielen, allerdings tauschte er die Position neben Zé Roberto einmal. Zuerst durfte Trochowski ran, dann Rincon und dann – wieder Trochowski, der seine Sache trotz beklagter Defensivschwächen ordentlich machte.

Ebenfalls dabei: Mladen Petric. Der Kroate ist wieder fit, auch wenn Veh sagt: „Wir müssen sehen, ob er schon für Freitag eine Alternative ist.“ Petric selbst ist – mal wieder – optimistischer. „Ich habe die ganze Zeit daraufhin gearbeitet, gegen Frankfurt wieder im Kader zu stehen. Ich fühle mich gut und hoffe, zumindest auf der Bank zu sitzen.“

Das hoffe ich auch. Ich hoffe, dass Mladen in der 70. Minute beim Stand von 3:0 für den Doppeltorschützen Ruud van Nistelrooy eingewechselt wird…

Aber auch hier gilt: am Freitag wissen wir mehr.

In diesem Sinne: Nur der HSV!

19.19 Uhr