Tagesarchiv für den 17. Januar 2011

Neuer Versuch! …und im April sind wir fünfter…

17. Januar 2011

Das Thema Ruud van Nistelrooy ist natürlich weiterhin allesbeherrschend. Auch heute gab es zwar keine offizielle Anfrage und kein offizielles Angebot seitens Real Madrid. Dennoch drehte sich alles um den Angreifer, der nach eigener Aussage gern gen Madrid zurückwechseln würde. Und seit heute hat er auch wieder einen Funken Hoffnung. Bastian Reinhardt weichte seine eigenen Aussagen, wonach Ruud definitiv bleiben muss, leicht auf. „Wenn überhaupt etwas Bewegung in die Sache kommen sollte, dann müsste dies von Real Madrid ausgehen.“ Und zwar in Form eines Millionenangebots. Bislang wurde kolportiert, die Madrilenen wollten van Nistelrooy ablösefrei übernehmen, weil sie ihn vor einem Jahr auch ablösefrei nach Hamburg ziehen gelassen hatte. Das allerdings dementierte jetzt van Nistelrooys Berater Rodger Linse. Der umtriebige Spieleragent beteuerte, Real würde sehr wohl wissen, dass sie eine Ablösesumme zu zahlen hätten. Und sie seien auch dazu bereit. Allerdings, bis dahin gilt weiter Reinhardts Statement, wonach es der HSV in Kauf nehmen würde, dass der holländische Superstar im besten Fall kurz maulen wird oder sich im schlechtesten Fall derart hängen lässt, dass er sportlich keine Rolle mehr spielt. Was ich für richtig halte (ersteres) und was ich nicht glauben mag (letzteres).

Nun sind es bis zum Ablauf der Transferfrist aber noch zwei Wochen und in diesen Tagen kann viel passieren. Zum Beispiel kann Matthias Sammer dann schon das Sagen beim HSV haben und seine Vorstellungen müssen sich nicht zwangsläufig mit denen Reinhardts decken. Und sollte Real doch bereit sein, die eine oder andere Million zu investieren – ich mag gar nicht darüber nachdenken. Obwohl, doch! Denn einem Sammer würde ich absolut zutrauen, van Nistelrooy abzugeben und parallel schon einen adäquaten Ersatz parat zu haben.

Heute äußerte sich Sammer übrigens auf der DFB-Trainertagung in der Nähe Frankfurts zu den seit Tagen kursierenden Wechselgerüchten – und sein Statement ließ alles offen: „Derzeit habe ich nicht vor, beim DFB um eine Freigabe zu bitten. Aber was in den kommenden Tagen passiert, ist reine Spekulation. Ich bin mit dem HSV immer im Austausch gewesen, mal mehr, mal weniger“, sagte der Europameister von 1996. Es kam zumindest zu Kontakten mit HSV-Coach Armin Veh, lachend verließ man gemeinsam den Sitzungssaal. Und auch DFB-Präsident Theo Zwanziger wollte sich nicht zu viel entlocken lassen. „Ich sehe das höchst gelassen. Matthias hat einen Vertrag bei uns, und wenn sich daran etwas ändern sollte, wird er mit uns sprechen.“ Bundestrainer Joachim Löw geht davon aus, dass Sammer die Verantwortung für die Jugendarbeit im Verband behält. „Von einem Weggang können wir sicher nicht sprechen“, sagte Löw. Sammer habe ihm auch persönlich nichts über einen Wechsel zum HSV gesagt. „Ich habe auch nichts von einem Antrag gehört, dass er den DFB verlassen will. Daher gehe ich davon aus, dass Matthias Sammer beim DFB bleibt. Es macht ihm viel Spaß und er arbeitet mit viel Begeisterung“, sagte Löw heute, wissend, dass eine Personalie entschieden ist, die Sammer als Tiefschlag empfinden wird: U-21-Trainer Adrions Vertrag wird verlängert. Der Kontrakt, den Sammer unbedingt verhindern wollte. Adrion und Sammer führen seit Monaten eine offene Fehde. Einzig Löw, der im Streit mit Sammer die Verantwortung für die U21 erfolgreich für sich reklamierte, konnte Adrion bislang vor dessen Entlassung bewahren.

Genau genommen ist Sammer derzeit – und durch die Vertragsverlängerung Adrions wird dieser Umstand gefestigt – beim DFB ein Sportdirektor ohne direktes Aufgabengebiet. Ausgenommen die wenig prestigeträchtigen U-19- bis U-15-Nationalmannschaften. Sammer ist mit seinen Fähigkeiten tendenziell unterfordert. Schon deshalb bin ich mir ziemlich sicher, dass Sammer – sofern der HSV-Aufsichtsrat kein Veto einlegt – die Möglichkeit ergreifen wird, sich beim HSV neu zu verwirklichen. Und ganz ehrlich, ich würde dem DFB nach der Urs-Siegenthaler-Entscheidung zum zweiten Mal danken…

Sollten der HSV und Sammer letztlich ernst machen, wird mit einem Gehalt von zwei Millionen Euro spekuliert. Und auch Uwe Seeler zeigte sich von der Idee begeistert. „Das wäre eine großartige Lösung. Er würde dem HSV weiterhelfen.“ Zudem kamen Gerüchte auf, Sammer könnte den einstigen HSV-Torjäger Horst Hrubesch, derzeit erfolgreicher Jugendtrainer beim DFB, gleich mit an die Elbe bringen – in welcher Funktion auch immer. Und das wiederum begeistert mich. Endlich hätten wir mal eine echte HSV-Größe an einer wichtigen Stelle mit dem richtigen Aufgabengebiet eingebaut. Hrubesch hat seine Qualifikation über Jahre nachgewiesen – und seine Identifikation mit dem HSV steht für mich außer Frage. Leider dementierte das einstige Kopfball-Ungeheuer dementierte gegenüber dem Abendblatt jeglichen Kontakt: „Ich habe mit niemandem gesprochen und mich hat auch niemand angesprochen.“ Das wiederum könnte sich schnell ändern. Hoffentlich.

An der Arena war heute wieder ein enormes Medienaufkommen zu beobachten – und das, obwohl van Nistelrooy gar nicht vor Ort war. Nur sein bester Kumpel im HSV-Team, Joris Mathijsen stellte sich den Fragen – zu Ruud sagte er jedoch nichts. Vor allem das halbe Dutzend spanische Reporter, die solange in Hamburg bleiben wollen, bis das Thema durch ist, zeigte sich enttäuscht.

Und Mathijsen vermochte uns keine guten Nachrichten zu überbringen. Er machte uns nur wenig Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr ins Team. „Mir geht es zwar ganz gut, aber ich bin noch nicht so weit, um gegen Frankfurt spielen zu können. Ich habe zwar keine Schmerzen mehr, aber das Sprunggelenk ist noch etwas dick.“ Aber es spricht für Joris, dass er im selben Atemzug seinem Vertreter Gojko Kacar zu dessen Leistung gegen Schalke gratulierte und sagte, er hätte in dieser Saison noch kein Spiel so entspannt auf dem Sofa verfolgt, wie dieses. Heute trainierte Mathijsen noch alleine mit Athletik-Trainer Markus Günther und absolvierte Kraft- und Steigerungsläufe.

Das heutige Mannschaftstraining war wenig spektakulär. Nur die Reservisten mussten ran, dafür aber recht intensiv auf 120 Minuten verteilt. Positiv: Die lange verletzten Petric, Benjamin und Stepanek konnten alle Übungen absolvieren und wurden vom neuen Konditionstrainer Günter Kern nach der Einheit noch bei straffen Diagonalläufen mit der Stoppuhr begleitet. Fast 20 Minuten hetzte er die drei Profis mit Nachholbedarf über den Platz, ehe auch sie duschen durften. Und ich bin mir sicher, dass Marcell Jansen Recht behalten wird. Der sagte schon im Trainingslager in Dubai scherzhaft voraus, dass Kern bei der Wahl zum unbeliebtesten Trainer des Trainerteams „sicher einer der Favoriten” wäre.

Es gelang uns nach der Übungseinheit noch, Petric zu ein paar Worten zu bewegen – doch beim Thema Ruud van Nistelrooy grinste er nur und schwieg sich aus. „Es geht mir gut, ich hatte keine Probleme heute. Wenn ich aufgrund der höheren Belastung in dieser Woche keinen Rückschlag erleide, steht einem Einsatz gegen Frankfurt von mir aus nichts im Wege.“ Das Spiel gegen Schalke hat Petric vor dem Fernseher verfolgt und war über das gute Auftreten seiner Kameraden nicht überrascht. „Bei dem Potenzial in unserer Mannschaft ist es klar, dass irgendwann eine Veränderung im Spiel auftauchen muss. Man sollte das Ganze jetzt aber nicht überbewerten, nur weil wir einmal hinten gut gestanden haben.“

Derzeit nur ein Randthema, aber es könnte sich entwickeln: Angreifer Tunay Torun, der mit dem VfB Stuttgart in Verbindung gebracht wird. Und das wohl nicht zu Unrecht. Denn angesprochen auf eine mögliche Veränderung wich er in die medienkompatiblen Statements aus. „Ich möchte nach meiner langen Verletzung den nächsten Schritt machen, mehr Einsätze bekommen.“ Tunay, den ich inzwischen seit ein paar Jahren kenne und der eines nicht kann: lügen, konnte nicht verbergen, dass er sich über eine Veränderung Gednaken macht. Wo er seinen nächsten Schritt plant? „Dazu möchte ich nichts sagen.“ Ob er es ausschließen könne, den HSV im Winter zu verlassen? „Dazu möchte ich nichts sagen.“ Ich weiß, dass Labbadia als Förderer Toruns gilt und beide einen sehr guten Kontakt pflegen. Aber die Frage ist: Bekommt er in Stuttgart mehr Einsätze? Immerhin stehen dort mit Cacau, Marica, und Pogrebnyak drei etablierte Kräfte im Angriff, und sogar der treffsichere Martin Harnik sitzt meist nur auf der Bank. Für Tunay würde allerdings sprechen, dass er beim VfB das erste Mal ein Neuzugang wäre. Das Stigma des Nachwuchstalentes aus den eigenen Reihen würde er mit einem Schlag ablegen.

Um dem morgigen Tag vorzugreifen, vor Mittwoch ist auf keiner der HSV-Baustellen mit konkreten Entscheidungen zu rechnen, denn zumindest im Fall Sammer muss der Aufsichtsrat morgen Abend (ab 18 Uhr) erst noch sein Votum abgeben. Thematisiert wird auch, welche Zukunft Bastian Reinhardt bei den Hamburgern hat. Denn zumindest formell wäre er seinen Job als Sportchef los, wenn man sich mit Sammer einigen sollte. Allerdings bin ich mir zu 100 Prozent sicher, dass Basti das so nicht einfach hinnehmen wird. Warum auch? Ihm kann man bislang keinen Vorwurf machen.

Zu guter Letzt noch eine gute Nachricht: Die Bundesliga darf für die Saison 2011/12 auf einen zusätzlichen Startplatz in der Europa League hoffen. Deutschland hat in der Halbzeit-Tabelle der Fairplay-Wertung der Uefa derzeit Platz fünf inne und liegt nur knapp hinter dem dritten Rang, der einen Extraplatz garantieren würde. Zum 31. Dezember 2010 wird das Ranking von Norwegen mit 8,34 Punkten angeführt. England (8,225) ist Zweiter vor Schweden (8,172), Irland (8,15) und Deutschland (8,148). Die drei nationalen Verbände, die bis zum 30. April die ersten drei Plätze innehaben, dürfen in der darauffolgenden Spielzeit einen Vertreter in die erste Qualifikationsrunde der Europa League entsenden – sofern sie auf einen Wert von über 8,0 Punkte kommen. Ausgewählt wird in der Regel der Klub der ersten Liga, der in der nationalen Fairplay-Wertung am besten platziert und nicht schon für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert ist.

Das dürfte dann für den HSV nicht mehr gelten. Denn: Bis dahin ist Sammer neuer Sportchef, van Nistelrooy in (ich krieg‘s nicht übers Herz, das aufzuschreiben, ich lass es weiter offen)…, Mladen Petric ist wieder in Topform, Veh wöchentlich mit der Luxusfrage konfrontiert, wen er in der Innenverteidigung draußen lässt, Borussia Dortmund ist seit vier Wochen Deutscher Meister, der FC St. Pauli mittendrin im Abstiegskampf – und wir haben wir den fünften Rang inne. Mit vier Punkten Vorsprung auf Hannover 96. Und zwei auf Bayern München…

In diesem Sinne: Nur der HSV!

19.23 Uhr

Nächste Einträge »