Tagesarchiv für den 14. Januar 2011

Gerücht? Real will van Nistelrooy zurück – sofort

14. Januar 2011

Das kann es nicht sein. Das darf es nicht sein! Angeblich soll Ruud van Nistelrooy ein Angebot von Real Madrid vorliegen haben. Und er soll dies auch annehmen wollen. Zumindest berichtet das niederländische Blatt “voetbal international”, sowas wie der “kicker” der Niederlande, dass van Nistelrooy am Freitagabend sogar damit gedroht haben soll, das Mannschaftshotel sofort zu verlassen und nie wieder für den HSV aufzulaufen, sofern ihn die Hamburger nicht ziehen lassen.

Und das vor dem Rückrundenauftakt.

Zum Glück hat HSV-Pressesprecher Jörn Wolf Entwarnung geben können. “Ruud ist noch bei uns im Hotel und bleibt auch. Und Trainer Armin Veh wird ihn gegen Schalke spielen lassen.”

Aber danach?

Klar ist, dass Real Madrid durch den plötzlichen und langfristigen Ausfall von Higuain (Bandscheiben-OP) Ersatz sucht und bei van Nistelrooy angefragt hat. Allerdings sollen die Madrilenen,die van Nistelrooy vor einem Jahr ablösefrei ziehen ließen, den Niederländer auch ablösefrei verpflichten wollen. Spätestens bei diesem Fakt soll die HSV-Führung zugemacht haben – sehr zum Ärger van Nistelrooys, der daraufhin die oben beschriebenen Drohungen ausgesprochen haben soll.

Ich muss zugeben, selten habe ich mich so sehr gewünscht, dass an einer Geschichte nichts dran ist wie an dieser.

Bis morgen. Da werden wir erfahren, was an der Geschichte dran ist.

23.59

Ruud per Doppelpack und Elia – es wird ein 3:1!

14. Januar 2011

Der Rückrundenauftakt rückt immer näher, und hier beschäftigt sich alles mit der Personalie des Sportchefs. Nicht, dass Ihr mich falsch versteht, ich finde das den Umständen entsprechend absolut logisch. Aber eben auch schade, lenkt uns das Ganze doch von einem sehr wichtigen Moment ab. Ein Sieg auf Schalke,also ein optimaler Start in die Rückrunde, könnte ähnlich langfristige Folgen haben wie eine Personalentscheidung pro oder contra Sammer.

Apropos. Um einen Diskussionspunkt aufzugreifen und meine Sicht der Dinge noch mal deutlicher darzustellen: ich halte die Personalie Matthias Sammer als Sportchef beim HSV für eine gute Entscheidung. Wie im Blog geschrieben, gilt Sammer als akribisch, als einer, der jedes Talent in Deutschland kennt. Was wollen wir mehr? Genau da wollen wir hin. Dazu bringt der sicherlich nicht immer diplomatische ehemalige Meistertrainer ein überdurchschnittliches Fußballfachwissen mit. Und er ist stark. Er wird sich nie nachsagen lassen müssen, nur ein Erfüllungsgehilfe des Vorstandsbosses zu sein (das behaupten einige Kritiker leider immer noch über Reinhardt). Ergo: ICH habe rein GAR NICHTS gegen Sammer, ganz im Gegenteil! Seit Montag hatte ich mit Dieter über dieses Thema gesprochen. Und Dieter hat mir gegenüber immer wieder betont, für was für einen Fachmann er Sammer hält. Das deckte sich mit meinen Ansichten, allerdings hatte Dieter auch noch die eine oder andere Anekdote aus seiner Zeit als Nationalmannschaftsreporter – und sogar eine aus seiner Zeit beim HSV parat. Und die waren imposant. Ein Beispiel: Als Dieter 2008/2009 mit dem HSV im Wintertrainingslager in La Manga war, traf er Sammer. Der war damals schon Sportdirektor beim DFB und beruflich vor Ort. „Der hat sich zwei DFB-Nationalmannschaften angesehen, tagelang“, erzählte mir Dieter und spätestens da spürte ich, wie begeistert der uneingeschränkte Blog-Vater von dem ehemaligen BVB-Meistertrainer seither ist. „Stell Dir vor“, so Dieter, „der hat sich aber nicht die U21 oder U19 angeguckt – der hat sich tagelang die U-15-Nationalmannschaften angesehen. Von den Jungen UND den Mädchen! Der wollte alles über alle wissen, der Typ ist wahnsinnig. Aber er ist ganz sicher auch am besten von allen über den Stand der deutschen Talente informiert.“ Schon deshalb lag es mir fern, die Personalie Sammer zu kritisieren.

Dennoch, und daher wahrscheinlich auch die missverständliche Tonalität des gestrigen Blogs, es wurden Fehler auf dem Weg zu Sammer gemacht, die ich als dilettantisch empfinde. Mir wurde meine Abschlussnote meiner Deutschklausur beim Abi 1995 auf dem Gymnasium Ohmoor von meinem Lehrer Herr Dombrowsky mal folgendermaßen erklärt: „Marcus, das ist wie fast immer bei Dir. Wärst Du fleißig gewesen und hättest gelernt, hättest du viele Fehler vermieden. Und du wärst deutlich schneller, effizienter und reibungsloser zum richtigen Ergebnis gekommen. Aber bei Dir war es, als repariertest Du ein Auto. Und statt eines Hammers nimmst Du einen Holzteller. Und statt des Schraubenziehers eine Zange – und das geht durchgehend so weiter… Und trotzdem hast Du am Ende das Auto repariert. Irgendwie. Die Mittel dafür sind so falsch, wie sie falscher kaum sein können – das Ergebnis allerdings korrekt. Deshalb lag Deine Note zwischen einem einzigen und 13 Punkte.“ Er entschied sich (weil ich so ein netter Kerl war) nicht für die 5 minus, sondern immerhin für zehn Punkte. Eine 2-minus.

Was ich Euch mit der kleinen Episode meines (verkorksten) Lebens sagen will ist, dass der Vorstand jetzt ein richtiges Ergebnis zu liefern scheint, dafür aber auf dem Weg viele Fehler gemacht hat. Handwerkliche Fehler, die hätten vermieden werden können. Nein, die hätten vermieden werden müssen. Und es wurde gelogen, um die immer unruhiger werdenden Fans hinzuhalten. Immer wieder wurde betont, gut aufgestellt zu sein. Eine Aussage, die inzwischen von AR und Vorstand sogar offen als Fehler eingesehen wurde. Dann wurde trotz der völlig überzogen langen Suchphase ein Sportchef präsentiert, der es doch nicht werden durfte. Da die Transfers und alle sportlichen Entscheidungen schon getroffen waren und sowohl Vorstand als auch die Aufsichtsräte trotzdem unter dem Druck standen, „etwas“ zu präsentieren, nahmen sie Bastian Reinhardt. Einen intelligenten, fußballaffinen HSVer. Das reichte. Erst einmal. Um Zeit zu schinden und weiter zu suchen. Und hier liegt mein größter Kritikpunkt: Warum schaffen es zwölf Räte und drei Vorstände nicht, binnen 24 Monaten einen Sportchef zu präsentieren, den sie nicht gleich wieder absetzen? Das darf nicht passieren. Und dafür sollten alle Beteiligten ihre Konsequenzen ziehen. Dass dabei quasi als Nebenprodukt ein Bastian Reinhardt komplett vorgeführt und verbrannt wurde, halte ich ganz klar für unfair – aber das war nicht die Basis meiner Forderung.

Zusammengefasst soll das heißen: ich unterscheide zwei Dinge: 1. Die Personalie Matthias Sammer, die ich für sehr gut halte. Und zweitens die Findung, die derart viele Unfähigkeiten innerhalb der HSV-Führungsriege zutage befördert hat, dass ich das Gefühl hatte, darauf deutlich hinweisen zu müssen. Nicht mehr. Aber eben auch nicht weniger wollte ich mit meinem Blog gestern aussagen. Dass die Bewertungen der Geschehnisse bei jedem von uns anders ankommen, war mir klar. Die Bewertungsspanne liegt da sicher ähnlich breit wie bei meiner Deutschklausur. Eben von einem bis zu 13 Punkten…

Da es heute keine relevanten Aussagen von relevanten Leuten zum Thema Sammer gibt, kann ich Euch nur sagen, dass die Verhandlungen so weit sind, dass der neue Aufsichtsrat am Dienstag schon ein finanzielles Paket vorgestellt bekommt.

Mehr zu dem Thema gibt’s dann, wenn es wirklich etwas Neues gibt.

Denn, und das hatte ich anfangs der Woche schon gesagt, ich will und werde mir die Laune von nichts und niemandem nehmen lassen. Ich will Fußball denken, morgen geht es auf Schalke los. Rückrundenauftakt. Da werden Ablenkungen nicht zugelassen. Und schon mit dem Schlusspfiff in der Veltins-Arena will ich drei der 35 Striche auf meiner Tafel im Arbeitszimmer abstreichen dürfen. Dafür verantwortlich: Ruud van Nistelrooy mit einem Doppelpack (wie schon im Hinspiel) in der 13. Und 51. Minute sowie Elia per Konter (88.), nachdem der begnadigte und eingewechselte Farfan den Anschlusstreffer (78.) markiert und Schalke auf Manndeckung umgestellt hat. Ein glattes 3:1 – schön wär‘s…

Und möglich ist’s! Denn die Mannschaft ist gut drauf. Trotz des sehr bescheidenen Wetters unter der Woche wurde gut trainiert. Heute wurden zum Abschluss noch mal Ecken und Standards allgemein geübt. Und niemand hat sich verletzt! Somit kann Veh morgen auf die Startelf vom Ajax-Spiel. Demnach laufen morgen zu Beginn auf: Rost – Demel, Kacar, Westermann, Aogo – Jarolim, Zé Roberto – Pitroipa, Ben-Hatira, Elia – van Nistelrooy. Dazu sind Drobny, Jansen, Trochowski, Torun, Choupo-Moting, Rincon, Besic und Tesche auf der Bank. Das klingt nicht nur gut, das ist es auch. Daran glaube ich! Schließlich hat uns heute das Geburtstagskind Dennis Aogo (wird 24 Jahre jung) heute offenbart: „Wenn ich mir unser Training anschaue, habe ich das Gefühl, dass sich viel getan hat.“ Zuvor hatte schon Mannschaftskapitän Heiko Westermann versprochen, dass wir jetzt eine ganz andere HSV-Mannschaft in der Rückrunde sehen werden. Selbst Jonathan Pitroipa, seinerseits ein absoluter Leistreter, formuliert mutig Ziele. „Acht Saisontore sollen es bei mir insgesamt werden“, so der Burkinabe, der bislang zweimal traf.

Ergo: die Mannschaft ist mutig. Und sie ist fokussiert. Hätten wir Aogo („Dass er als defensiver Mittelfeldspieler Europas Fußballer des Jahres geworden ist, sagt alles“) heute nicht penetriert, niemand aus der Mannschaft hätte auch nur einen Wort über Matthias Sammer verloren. Auch das macht mir Mut. Das lässt mich daran glauben, dass sportlich ab jetzt alles besser wird.

In diesem Sinne: bis morgen, nach dem ersten Dreier 2011!

Ein paar Kurze noch:

Die DFL hat die Spieltage 23 bis 28 terminiert. Die Termine: Zuhause gegen Werder am 19.02. um 15.30 Uhr, sonnabends beim 1. FC Kaiserlautern (26. Februar, 15.30 Uhr), sonntags (6. März, 17.30 Uhr) zuhause gegen den 1. FSV Mainz 05. Die Auswärtspartie bei Bayern München (12. März) und das Heimspiel gegen Köln (19. März) sind jeweils sonnabends um 15.30 Uhr, das Spiel in Hoffenheim wird am Sonnabend (02. April) um 18.30 Uhr angepfiffen.

Heung Min Son trennte sich mit seiner südkoreanischen Nationalmannschaft 1:1 von Australien beim Asien-Cup. Der HSV-Youngster blieb dabei 90 Minuten auf der Bank. Nächsten Dienstag geht es für Son im letzten Gruppenspiel gegen Indien.

19.43 Uhr

Sammer soll kommen – als Sportchef

14. Januar 2011

So traurig es ist, ich muss leider doch noch mal mit einem anderen als einem rein sportlichen Thema aufwarten. Ich hatte es anfangs der Woche schon geschrieben, ich kann die Baustelle Sportchef nicht begreifen. Da wird zwei Jahre lang gesucht, immer wieder wird behauptet, man sei ja gut aufgestellt – weil es in dem Moment passt. Das kam unisono vom Aufsichtsrat wie vom Vorstandsboss Bernd Hoffmann, der sich selbst aufschwang, die sportlichen Geschicke in die Hand zu nehmen. Und nachdem das eher schlecht denn recht funktionierte, musste ein Sportchef her. Schnell. Wie unvorbereitet die HSV-Führung war, offenbart sich jetzt. Jetzt, wo sie ihre eigene Lösung Bastian Reinhardt ablösen. Mit Matthias Sammer.

Das deutete sich seit Wochen an, seit einigen Tagen an wurde es konkreter – und jetzt wurde es uns bestätigt. Gewartet haben wir bis null Uhr, um unserer Printausgabe, die einen detaillierten Bericht dazu in ihrer Freitagsausgabe hat, nicht vorzugreifen.

Der DFB-Sportdirektor soll den Posten des HSV-Sportchefs übernehmen. Die Verhandlungen sind schon sehr weit, beide Seiten haben großes Interesse an einer Zusammenarbeit. Schon am kommenden Dienstag wird sich der neu zusammengesetzte Aufsichtsrat in seiner konstituierenden Sitzung mit dem Thema beschäftigen, das trotz beiderseitigen Interesses noch einige Falltüren hat.

So wird Sammers Marktwert auf rund zwei Millionen Euro pro Jahr geschätzt. Rund das zehnfache dessen, was Reinhardt aktuell verdient. Und mal eben der Gesamtetat des vierköpfigen Vorstandes. Allein der finanzielle Faktor könnte die spektakuläre Neuverpflichtung schon verhindern.

Das Argument, und das habe ich mir auch immer wieder so gesagt, Sammer habe beim DFB ja einen Rentenjob, einen krisensicheren Arbeitsplatz – der zieht nur noch bedingt. Sammer hat sich mit dem halben DFB überworfen, setzt seine Vorstellungen auch gegen alle Widerstände durch. Mit Oliver Bierhoff lebt er im offenen Clinch, beide Seiten arrangieren sich maximal. Mit Bundestrainer Joachim Löw soll es ein klärendes Gespräch geben, allerdings zoffen sich die beiden noch immer über die Verantwortung für die U-21-Nationalelf. Beide wollen entscheiden dürfen – und keiner lässt nach. Allerdings kann sich der bundesweit beliebte Löw der Rückendeckung des DFB-Vorstandes sicher sein. Sammer nicht. Und jetzt begrub Löw einen Wunsch Sammers quasi – seine Nachfolge als Bundestrainer. Für die brachte Löw jetzt Mainz-Trainer Tuchel und Dortmunds Klopp ins Spiel. Für Sammer das klare Zeichen, beim DFB sein letztes großes Ziel wohl nicht verwirklichen zu können. Zumindest nicht ohne einen harten Kampf mit viel Theater.

Aber zu seinem Glück hatte Sammer schon das HSV-Angebot. Das Interesse ist dem ehemaligen Meistertrainer und Europameister von 1996 schon seit Ende der Hinrunde bekannt. Bereits vor der Inthronisierung Reinhardts und unmittelbar nach dem Rückzug Urs Siegenthalers nahm der HSV lose Kontakt auf.

Sammer gilt als beherrschender Typ, nicht als Diplomat. Aber er gilt eben auch als akribischer Arbeiter. Seine Rolle als Sportdirektor nimmt Sammer so ernst, dass er sogar U-15-Nationalteams beobachtet. Kurzum: Sammer hat den kompletten Überblick über die größten Talente Deutschlands. Und das sogar bei den Männern und den Frauen.

Das Rechenbeispiel, mit dem sich auch der HSV-Vorstand (Reinhardt selbstredend ausgenommen) sowie der Aufsichtsrat beschäftigen. Denn: Allein ein oder zwei „Insidertipps“ aus diesem Gebiet könnten dem HSV die Mehrbelastung durch Sammers Gehalt auf längere Sicht einsparen.

Allerdings wäre mit Sammers Einstellung klar, dass es keinen neben ihm geben dürfte. Sammer ist der Chef. Ihm gehört der sportliche Bereich, der Trainer wäre ein Erfüllungsgehilfe. Fraglich, ob Armin Veh da mitmachen würde. Und noch fraglicher, wie der HSV eine weitere personelle Umstrukturierung, die mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Abfindungszahlung mit sich bringen würde, bewältigen will. Denn, das ist dem Aufsichtsrat klar, finanziell kann sich der Klub derzeit keinen Fehler mehr erlauben. Die hat die Klubführung in den letzten zwei Jahren alle aufgebraucht. Mit Fehleinkäufen – und offensichtlich auch einer Fehlbesetzung beim Sportchefposten.

Gewinner gibt es bei dieser Hängepartie nicht. Im Gegenteil, der HSV kann nur verlieren. In der Zwischenzeit, weil der Klub keinen starken Sportchef hat. Und langfristig, wenn sich der Verein nach dem jetzt offenen Theater gegen Sammer entscheiden würde.

Und wenn es nach mir geht – ja, ich weiß, das tut es nicht, dennoch: – das Thema Sportchef allein beinhaltet für mich genug Potenzial, um alle Entscheidungsträger, die bislang an diesem Thema mitgewirkt haben, zum Rücktritt aufzufordern. Denn – Beiersdorfers Demission hin oder her – letztlich waren sie es im Team, die den HSV aus einer stringent positiven Entwicklung heraus unnötig, sogar fahrlässig ins Mittelmaß der Bundesliga haben abrutschen lassen. Und das geben sie mit der jetzigen Posse um einen neuen Sportchef nur nachträglich zu.

Allein ich wette, niemand will es gewesen sein. Wie immer.

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