Tagesarchiv für den 8. Januar 2011

4:2-Sieg gegen Ajax – was läuft mit Reinhardt? AKTUALISIERT!!

8. Januar 2011

AKTUALISIERT: Kacar-Part, Joris Mathijsen-Part, Guerreros Verletzung UND Chosen few waren es NICHT…

Live-Fußball. Nicht vorm Fernseher sondern im Stadion. Endlich wieder! Ich muss gestehen, auch dank der milden elf (!!) Grad Celsius war meine Vorfreude auf das Spiel gegen Ajax so groß wie lange nicht mehr bei einem Testspiel. Zumal nur noch eine Woche bis zum Rückrundenauftakt ist, wusste ich, dass ich zumindest die eine oder andere Erkenntnis ziehen können werde. Ganz im Gegensatz zur Partie gegen Al-Wasl am vergangenen Dienstag.

Den Gegensatz zu Dienstag hatte ich auch, weil ich im Stadion saß und keinen TV-Moderator ertragen musste, der zu viel verlangte. Wobei, heute wäre selbst Sport1 wahrscheinlich angetan gewesen. Denn der HSV spielte vor den 22742 Zuschauern mutig, er spielte offensiv – und er traf auch noch. Und das sogar so schnell, dass der Stadionsprecher nicht mitkam. Der gute Marc Bator sagt die erste Minute an, es war de facto wohl die zweite. Aber egal, Hauptsache es war ein Tor für den HSV. Und ein guter Start in eine noch bessere erste Spielhälfte.

Angetrieben von dem wieder sehr starken Änis Ben-Hatira gab es Chancen en masse – die wenigen von Ajax dazugerechnet. Vor dem 1:0 war Elia mit einem guten Schuss an dem ungewöhnlich korpulenten (ich drücke es mal vorsichtig aus…) Ajax-Keeper Verhoeven gescheitert. Unmittelbar nach Ruuds 1:0 (2.) legte Änis Ruud einen Ball auf, doch Schiedsrichter Claus Bo Larsen aus Dänemark pfiff abseits. Eine zumindest äußerst fragwürdige Entscheidung.

Aber damit noch lange nicht genug. Nachdem der überraschend in der Innenverteidigung aufgebotene Gojko Kacar einen Pitroipa-Fehlpass nur mit einem Foul entschärfen konnte (8.) war es der immer besser werdende Eljero Elia, der seinerseits nur mit einem klaren aber nicht geahndeten Foulspiel beim Eindringen in den Sechzehner gestoppt werden konnte.

Ich kann mir nicht genau erklären, warum – aber es passierte anschließend lange nichts. Zumindest, wenn man den begeisternden Maßstab der ersten 15 Minuten anlegte. Und so waren es in der 24. Minute die stimmungsgewaltigen Anhänger in der Kurve Nord-West , die mit „Hoffmann-raus“-Rufen das nächste Erwähnenswerte lieferten. Allerdings mussten sich die Fans Pfiffe etlicher andersdenkender Fans gefallen lassen.

Mehr Freude bereitete anschließend Ben-Hatira. Trotz zwei, drei Stockfehler, die das Publikum zwischenzeitlich raunen ließen, begeisterte der Junge. Alle! Erst scheiterte er mit einem guten Schuss (26.), dann etwas leichtfertig mit einem Lupfer (29.). In der gleichen Minute hatte Amsterdams Cvitanovich aus acht Metern freistehend vor Rost die größte Aja-Chance der ersten Hälfte. Allerdings bewies der bis dahin nahezu beschäftigungslose HSV-Oldie, dass auf ihn als Nummer eins absolut Verlass ist – er parierte sensationell zur Ecke. Genauso wie Verhoeven auf der anderen Seite eine Minute später gegen Elia.

Einen Fernschuss von van Nistelrooy (33.) später war es – natürlich! – Ben-Hatira, der mit einem öffnenden Pass diagonal den freistehenden Zé Roberto sah. Der Brasilianer lief ungehindert auf Verhoeven zu und hatte die Übersicht, den mitlaufenden van Nistelrooy zu sehen – 2:0 (37.).

Es lief einfach. Defensiv wurde der HSV kaum gefordert, offensiv war Zug drin. Bezeichnend dafür, dass selbst der vielleicht torungefährlichste (bitte nicht zu ernst nehmen…) HSV-Profi der letzten zehn Jahre zum 3:0 einnetzte. David Jarolim wurde im Sechzehner von van Nistelrrooy gesehen, traumhaft freigespielt und der Tscheche traf. Wobei auch hier erwähnt werden muss, dass der blitzsaubere Konter maßgeblich von Änis Ben-Hatira eingeleitet worden war. Der Junge machte richtig Werbung für sich. Und auch wenn ich glaube, dass Trainer Armin Veh den zuletzt (bis zur Grippepause) guten Trochowski gegen Schalke aufbieten wird – ich glaube, ich würde in der nächsten Trainingswoche noch etwas genauer als sonst hinsehen, wie sich Ben-Hatira macht…

Dann war Pause.

Und obwohl es wie immer nur 15 Minuten waren und es nur zwei Wechsel zur Halbzeit gab, schien das Spiel gegen eine ersatzgeschwächte Ajax-Mannschaft plötzlich zu kippen. Zwar hatte zunächst van Nistelrooy noch freistehend die Chance, auf 4:0 zu erhöhen, allerdings war es Luis Suarez, der seine Niederländer mit zwei Toren in zwei Minuten (60. und 61.) heranbrachte. Beide Male sah die neu formierte Innenverteidigung mit dem insgesamt guten Westermann und dem letztlich doch überforderten Kacar (wer jetzt meckert, möge bitte erst meine Erklärung dazu am Ende lesen…) nicht gut aus.

Dennoch, der HSV wackelte, aber er fiel nicht. Einen guten Pass des ansonsten eher unauffälligen Trochowski nahm van Nistelrooy auf und verwandelte kalt wie immer zum 4:2. Die Vorentscheidung in einem guten, weil temporeichen und offensiven letzten Test vor dem Rückrundenauftakt. Einem Test, in dem zu erkennen war, was fehlt (z. B. ein Innenverteidiger) und was gut ist: viele Pässe auf Ruud van Nistelrooy. Denn Nutznießer des offensiven Spiels und den klugen Pässen beim HSV war der Niederländer, der in dieser Partie nicht nur drei Tore erzielte, sondern auch sonst so auffällig spielte wie lange nicht. Spätestens jetzt dürfte klar sein, dass der HSV nur dann wirklich gefährlich ist, wenn er seine Spitze permanent sucht. Und das funktionierte heute besonders gut über die starke Mittelfeldreihe Elia-Ben-Hatira-Pitroipa.

Klar ist aber auch, dass der Versuch mit Kacar in der Innenverteidigung nicht mehr als ein Versuch gesen sein sollte. Insbesondere in der zweiten Halbzeit offenbarte der gelernte Mittelfeldspieler (natürlich!) Abstimmungsschwierigkeiten, die ihn immer wieder schlecht aussehen ließen. Das führte so weit, dass der Serbe immer mehr verunsichert wirkte und am Ende mit gesenktem Kopf das Spielfeld verließ. Ergo: hier hat sich Veh einen Bärendienst erwiesen, nachdem er es war, der seine Nummer 44 zuletzt bewusst stark geredet hatte: “Allein Gojko hat seine Sachegut gemacht, hatte ein guites Stellungsspieöl.” Erst nachdem ich später von Joris erzählt bekam, ergab sich ein logischzer Schluss für mich….

Über den Rest der Mannschaft gibt es nicht mehr zu sagen, als dass sie alle gesund geblieben sind. Das dachte ich zumindest. Denn Paolo Guerrero scheint sich doch etwas schwerer verletzt zu haben als zunächst angenommen. Ohne Fremdeinwirken hatte sich der Peruaner das Knie vertreten. Oder doch den Knöchel? Genaueres liefere ich nach, soweit ich Bescheid kriege…

Allerdings kann ich den Blog heute nicht abschließen, ohne eine Befürchtung zu äußern. Immer wieder hatte ich hier erwähnt, dass es Planspiele geben soll, Bastian Reinhardt abzusetzen. Heute habe ich erfahren, dass der HSV sogar schon mit verschiedenen Kandidaten verhandelt haben soll. Ein Name dabei, der mir genannt wurde, ist Christoph Daum. Der Ex-Köln-Trainer, den der HSV-Vorstand vor drei Jahren ob seiner Kokain-Affäre mir gegenüber noch als „sozial mit der HSV-Philosophie absolut unverträglich“ als damaligen Trainerkandidaten für immer dementierte. Ich weiß, dass auch hier sehr kontrovers über Reinhardt diskutiert wird, allerdings hatte der Sportchef meines Erachtens noch keine Gelegenheit, sich zu beweisen. Und jetzt, wo er sie hat und daran auch gemessen werden will und muss, sägt man an seinem Stuhl. Wenn iwir das erfahren, wird auch selbst derartiges mitbekommen haben. Und ich weiß ehrlich gesagt nicht, weshalb sich der HSV trotz der vielen Baustellen im Bundesligakader auch im Umfeld neue Gräben schaufelt, aber es beunruhigt mich.

Egal wie, ich möchte vor der morgigen Jahreshauptversammlung, die mit Sicherheit viel Diskussionsstoff liefern wird, hier und heute nicht mit einem negativen Ereignis abschließen. Daher hier noch mal das Kurzfazit des Spiels: Offensiv mutig und endlich auch torgefährlich, mit einem überragenden Ruud van Nistelrooy und einem immer besser werdenden Offensivspiel des Mittelfelds hat der HSV hinten noch eine Baustelle: die Position des zweiten Innenverteidigers. Kacar wird es nicht, da lege ich mich fest. Besic wohl auch nicht – ansonsten wäre es dumm von Veh, ihn heute erst so spät einzuwechseln. Daher bleibt nur die Hoffnung auf einen Neuen. Denn selbts Joris wird noch nicht rechtzeitig fit. “Ich hoffe noch ein wenig, aber es ist unwahrscheinlich..”.

HSV: Rost – Demel (ab 74. Rincon), Kacar, Westermann (ab 89. Besic), Aogo (ab 89. Pressel) – Jarolim (ab 46. Jansen), Zé Roberto (ab 74. Tesche) – Pitroipa (ab 46. Guerrero, ab 74. Choupo-Moting), Ben-Hatira (ab 62. Torun), Elia (ab 62. Trochowski) – van Nistelrooy.

In diesem Sinne: bis morgen! Und vielleicht noch bis nachher…