Tagesarchiv für den 7. Januar 2011

Die Mannschaft ist zurück – HSV will Bruma

7. Januar 2011

Vorausgeschickt die dicke Entschuldigung für die Verspätung. Aber um alle hier vermeldeten Informationen wirklich fundiert recherchiert zu haben, musste ich noch eine Meldung bezüglich eines weiteren Neuzugangs abwarten. Den Namen habt Ihr in der Zeile, die bisher bekannten Hintergründe dazu hier im Folgenden. Und für alle, die mehr erwartet hatten: entschuldigt, aber was nicht ist, kann ja noch kommen….

Vorerst aber zur Mannschaft. Die ist wieder da. Um 13.40 Uhr landete der Flieger aus Dubai heute auf dem Hamburger Flughafen. Für die HSV-Spieler war der Tag damit jedoch noch nicht beendet, sie mussten im Volkspark „Auslaufen“ und sich an den Temperaturunterschied gewöhnen. Von 26 auf zwei Grad schockgefrostet, aber immerhin: alle Ankömmlinge sind fit, keiner grippekrank wie zum Beispiel beim Hamburger Nachbarn St. Pauli. Auch der zunächst verschnupfte Piotr Trochowski konnte das Trainingspensum zuletzt wieder ganz mitgehen. Nur vier volle Tage dauerte das Trainingslager mit sieben Einheiten und einem Testspiel in der Mini-Winterpause – trotzdem sprachen fast alle Beteiligten von einem Neuanfang. Ein richtiger Neuanfang? Ich finde es zumindest fraglich, ob diese paar Tage wirklich schon ausreichen, um sich in der Rückrunde plötzlich als echte Einheit zu präsentieren. Nicht, dass ich hier schwarzmalen will, im Gegenteil: ich hoffe es und setze einfach mal die Äußerungen und Beteuerungen mit dem internen Wunsch gleich, dorthin zu gelangen. Vielleicht motiviert es Elia und Co. ja…

Egal wie, morgen beim letzten Test vor dem Rückrundenauftakt können wir uns alle selbst überzeugen, wie es um die Form der Spieler bestellt ist. Es gibt noch reichlich Karten (12 bis 20 Euro), mit 22000 Zuschauern kann wohl gerechnet werden. Nach den Eindrücken meines Kollegen aus Dubai können sich folgende elf Akteure Hoffnungen machen, zur Stammelf zu gehören: Im Tor Rost, die Viererkette spielt mit Aogo links, Westermann und Demel in der Mitte, solange Mathijsen nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Aber schon gegen Schalke könnte er wieder ins Team rücken. Demel wäre auf rechts dann ohne echte Konkurrenz, da sowohl Besic als auch Rincon oder Tesche den Trainer (und mich) nicht hundertprozentig zu überzeugen wussten. Dennoch wird einer von ihnen auf zumindest gegen Ajax noch mal die Chance in der Startelf erhalten.

Im defensiven Mittelfeld ist Zé Roberto wieder gesetzt, Kacar, Jarolim und Trochowski befinden sich im Dreikampf um die zweite Position. Veh war zuletzt voll des Lobes für Kacar, doch das letzte Wort ist hier sicherlich noch nicht gesprochen. Rechts hat sich Pitroipa durch die starke Hinrunde festgespielt, links wird der Zweikampf Elia/Jansen richtig Fahrt aufnehmen, sofern beide die Saison beim HSV fortsetzen. Elia scheint momentan die Nase vorn zu haben, da Jansen, der eh mehr von der Physis lebt als andere, noch nicht wieder voll fit ist. Im Sturm stehen van Nistelrooy und Guerrero als Doppelspitze quasi fest, Torun und Choupo-Moting stehen hinten an und Petric braucht dem vernehmen nach leider noch zwei, drei Wochen.

Allerdings könnte uns der Test gegen die Holländer auch Erkenntnisse auf ganz anderem gebiet bringen. Wie ich gehört (und gelesen) habe, soll laut „voetbal4u“ Ajax-Abwehrmann Jan Vertonghen ins Interesse der Klubführung gerückt sein. Meldungen wie diese tauchen zwar fast jeden Tag auf, doch bröseln wir anhand dieses Beispiels doch mal auf, unter welchen Umständen ein solcher Transfer zustande kommen könnte.

Der 23-Jährige ist noch bis 2013 an die Niederländer gebunden – was im Falle einer Verpflichtung (auch im Sommer) ein nicht unwesentliches, finanzielles Hindernis darstellen würde. Wie die Quelle berichtet, wird für den belgischen Nationalspieler nicht weniger als zwölf Millionen Euro Ablöse aufgerufen. Obschon der Linksfuß wohl perfekt in das Anforderungsprofil des HSV passen würde: 1,89 Meter groß, weitgehend verletzungsfrei, flexibel einsetzbar, zudem torgefährlich und entwicklungsfähig. Andere Top-Klubs sollen auch interessiert sein, doch das hinderte ja schon andere Niederländer nicht, eine ihrer Entwicklungsstufen beim HSV zu nehmen. Vielleicht kann der HSV ja seinen wirklich sehr guten Ruf in den Niederlanden in diesem Fall für sich nutzen.

Klar ist allerdings, dass dann eine noch größere Summe durch einen Verkauf hineingespült werden müsste. Denn wie sich zuletzt herausstellte, ist der HSV – ich drücke es bewusst vorsichtig aus, um hier die zuletzt nicht immer sachlich geführte Diskussion über ein mögliches Minus zu umgehen – derzeit finanziell nicht so flexibel wie in den letzten Jahren. Womit wir wieder bei Elia wären, dessen möglicher Verkauf wohl die einzige Möglichkeit für den Transfer Vertonghens darstellt. Und wie ich dazu stehe, wisst Ihr ja.

Die mögliche, kostengünstige Sofort-Verpflichtung des Hoffenheimers Matthias Jaissle ist vom Preis-Leistungs-Verhältnis sicherlich zu unterstützen, angesichts seiner Verletzungshistorie wird mir jedoch ein wenig bange. Niemand kann prognostizieren, wie schnell ein Profi, der in den letzten ein Bundesligaspiel bestreiten konnte, fit wird und ob er es dauerhaft bleibt. Als fest einzuplanende Soforthilfe fällt Jaissle somit eigentlich aus, zumal Veh vor dem letzten Spiel der Hinrunde nochmals betonte, dass bei ihm jetzt nur noch „die Spieler auflaufen werden, die 90 Minuten Vollgas geben können.“

Damit wären wir bei einer ganz neuen Personalie, die allerdings derzeit am wahrscheinlichsten erscheint: Der 19-jährige Abwehrmann Jeffrey Bruma. Der ist immerhin beim großen, wenn auch derzeit ziemlich erfolglosen FC Chelsea angestellt, agiert dort in der reserve. Dort bestritt der Niederländer allerdings nur vier Pflichtspiele in dieser Serie. Doch das soll bei einer Konkurrenzsituation á la Chelsea (Terry, Ferreira, Bosingwa, Cole, Alex, Ivanovic u.s.w.) wirklich nichts heißen. Im Gegenteil. Entsprechend wurde mir (leider sehr spät….) bestätigt, dass der U-21-Nationalspieler mit Kaufoption ausgeliehen werden soll.

Diese Nachricht ist übrigens auch der Grund, weshalb dieser Blog erst etwas später reingestellt wurde, da wir diese Information auch im Print in der Sonnabendausgabe haben und die Konkurrenz hier fleißig mitliest. Der Name fiel zwar auch hier schon, allerdings ist der Name mit einer offiziellen Bestätigung erst eine echte Nachricht. Und darauf musste ich leider etwas länger als ghedacht warten. Dass die Mopo es online stellt, macht die Geheimnistuerei ärgerlich – ist aber nicht mehr zu ändern. Da sehe ich mal echt dumm aus – aber das kommt leider auch mal vor… Entschuldigt!

Zweites heiß diskutiertes Thema in den Kommentaren: Die Elefantenrunde zwischen Hoffmann, Klein, Krohn, Hunke und Wulff gestern Abend im Vorgriff auf die anstehende Mitgliederversammlung und Aufsichtsratswahl am Sonntag. Hoffmann musste sich heftige Kritik gefallen lassen, zum Beispiel aufgrund mangelnder sportlicher Kompetenz Fehlentscheidungen getroffen zu haben. Hoffmann konterte mit den Erfolgen der letzten sieben Jahre, die auch ohne Titel sportlich zufriedenstellend gewesen seien. Das kann man bis auf die jüngste Vergangenheit auch wirklich so sehen – doch führte eine genau entgegengesetzte Ansicht damals zu dem Bruch mit Dietmar Beiersdorfer. Der war nach der Saison 2008/09 mit den beiden Halbfinals in Europa League und DFB-Pokal und Platz fünf in der Bundesliga zufrieden, Hoffmann hat das Gesamtergebnis damals nicht gereicht, wie auch in einigen Interviews zu lesen war.

Ich habe Eure Blog-Kommentare (und natürlich Bennos Wortmeldung! Chapeau!) mit viel Freude gelesen, weil es mich in meiner Ansicht bestätigt, dass hier viel inhaltliche Qualität vorhanden ist. Manchmal vielleicht etwas derbe, allerdings im entscheidenden und quantiativ deutlich überwiegenden Teil sehr themenebezogen und konstruktiv. Und auch wenn ich mit meinen 35 Jahren weit davon entfernt bin, hier einen auf Papa zu machen un d Ratschläge zu verteilen, möchte ich Euch alle noch mal bitten, am Sonntag bei der Veranstaltung im CCH aufzutauchen. Ihr seid das, was ein Dr. Peter Krohn als „pulsierendes Vereinsleben“ bezeichnet hat. Ihr seid die Meinung der Mitglieder und könnt – selbst wenn Eure Ideen mal nicht eins zu eins übernommen werden – zumindest viele ganz sicher viele wichtige Entscheidungen entscheidend beeinflussen.

Ansonsten darf konstatiert werden, dass in dem Präsidentengipfel viel heiße Luft war. Wie so oft im Vorfeld einer solchen Veranstaltung. Die Versammlung selbst birgt wesentlich mehr Brisanz, vor allem für Hoffmann, der nach eigener Aussage (!) selbst mehr Gegner als Fürsprecher seiner Person unter den Mitgliedern erwartet. Einige brisante Anträge, nach denen beispielsweise das Vorstandsmitglied für die Belange der Mitglieder automatisch erster oder zweiter Vorsitzender sein sollte, wurden jedoch kurzfristig zurückgezogen. Eine kurze Übersicht zum wichtigsten Punkt des Tages, der Wahl der vier Aufsichtsräte:
Der Aufsichtsrat besteht aus 12 Mitgliedern, von denen acht von der Mitgliederversammlung gewählt werden und je ein Mitglied von den Fördernden Mitgliedern, den Amateurabteilungen, von der Gemeinschaft der Senioren und der Mitgliederversammlung des Hamburger Sport-Verein Ochsenzoll-Norderstedt e.V. entsandt wird. Die Wiederwahl bzw. erneute Entsendung ist zulässig. Im ersten Wahlgang ist am Sonntag die absolute Mehrheit erforderlich, im zweiten Durchgang genügt die einfache Mehrheit. Die Zahl der dann zugelassenen Kandidaten ergibt sich durch die Anzahl der dann noch freien Plätze plus drei. Und dass diese Wahl weitreichende Auswirkungen auf die künftige Gestaltung des HSV haben könnte, wissen wir nicht erst seit der Elefantenrunde.

In diesem Sinne, auch wenn es schon spät ist: einen schönen Restfreitag und bis morgen – nach dem letzten Test(-spielsieg)!

Nur der HSV!

Und etwas Gutes hatte das Warten dann doch noch, denn so kann ich noch eine Information meines Kollegen Lars Pegelow mitverarbeiten. Lars schrieb mir, dass Jörg F. Debatin, UKE-Boss und Aufsichtsrat des HSV, entgegen allen bisherigen Bekundungen nun doch nicht für das Amt der Aufsichtsratsvorsitzenden kandidieren wolle. “Dieses Amt ist mit meiner Tätigkeit im UKE nicht gut vereinbar”, lässt er sich bei NDR 90,3 zitieren.

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