Tagesarchiv für den 6. Januar 2011

Eljero Elia sorgt für Diskussionsstoff – immer!

6. Januar 2011

Eljero Elia. Der junge Mann ist und bleibt beim HSV Thema. Immer. Ob es dabei um seine Art geht, mit den Kollegen umzugehen oder über etwaige Wechselgedanken. Ob er Ärger mit der Vereinsführung hat oder seine Leistungen auf dem Platz in welcher Weise auch immer besonders bemerkenswert sind – Elia hat einfach den Glamourfaktor. So jedenfalls würden die Soziologen den Typus Elia umschreiben. Er polarisiert eben.

Auch hier im Blog. Und das meiner Meinung nach zu Recht. Denn auch ich bin mir in meiner Beurteilung nicht absolut sicher. Weshalb? Ganz einfach: ich bin begeisterte von seinen Möglichkeiten und halte ihn für einen sehr netten Typen. Allerdings weiß ich auch, dass er aus seinen Möglichkeiten bis auf die ersten fünf Spiele 2009/2010 wenig bis nichts macht und es selbst längst nicht so kritisch betrachtet, wie es nötig wäre. Das wiederum hängt mit seinem „besten Freund“ Frank Schouten zusammen. So wird es zumindest erzählt. Soll heißen: spielte Elia schwach und wurde er kritisiert, empörte sich Schouten zusammen mit Elia. Schouten soll seinem Schützling nach dem Mund reden und nicht die beratende Tätigkeit ausüben, die ein so junger Spieler wie Elia braucht.

Ich bin ehrlich gesagt weit davon entfernt, Elia mildernde Umstände zuzugestehen, nur weil ihn keiner mal so richtig auf den Pott setzt. Nein, der Junge war so weit, nach eigenen Angaben ganz bewusst die Verantwortung für eine eigene Familie zu übernehmen (Elia: „Das war kein Unfall sondern das Ergebnis einer langen Überlegung“). Elia will als vollwertig Erwachsener verstanden werden, wer ihm Jugendhaftigkeit unterstellt kriegt seine Wurt zu spüren. Auf die Frage, ob der Wechsel ins Ausland zum HSV, ein Kind und Frau sowie die ersten Millionenverträge samt steilem Karriereanstieg nicht etwas viel sein könnten für einen so jungen Spieler wie ihn, wirkte er verletzt und antwortete: „Warum? Weil ich nur bis zum 16. Lebensjahr zur Schule gegangen bin? Nein! Ich mag jung sein, aber mein Kopf ist weit. Ich kann denken und weiß genau, was ich will. Ansonsten wäre ich in Holland geblieben.“

Anschließend verdeutlichte er mir, dass er einen Masterplan habe. Und der klang vernünftig. Damals sagte er, der Sprung nach Hamburg sei gut durchdacht, seine Freundin und er hätten lange darüber gesprochen und alle Vor- und Nachteile abgewogen. Zudem sagte er, der HSV sei kein Sprungbrett für ihn. Allerdings fing er nicht an zu heucheln sondern sagte nur, der HSV sei seine große Chance, sich auf internationalem Niveau zu beweisen. Er ließ dabei aber immer offen, wohin ihn mögliche Topleistungen führen könnten. Barcelona, Real Madrid, Manchester Undited – selbstverständlich träumt ein ehrgeiziger Fußballer von den besten Klubs der Welt. So unromantisch und realistisch müssen auch wir vermeintlichen Patrioten das sehen… Kurzum: Elia wirkte einfach nur ehrlich. Allein, er ließ seinen Worten nicht ausreichend Taten folgen.

Denn nach den oben bereits beschriebenen guten Auftritten zu Saisonbeginn 2009/2010 fiel Elia schnell durch jugendhafte Dummheiten und asoziales Verhalten auf. Leider. Hierzu eine kleine Anekdote: Als er nach einer längeren Verletzungspause gerade wieder kurz vor seinem ersten Training und einem vermeintlichen Comeback stand, ließ er sich auf beide Brustseiten Tätowierungen stechen. Diese entzündeten sich leicht und Elia durfte nicht trainieren. Labbadia ermahnte ihn – und Elia? Der war beleidigt. Es kam zum Streit und Trainer sowie Spieler hatten ein persönliches Problem. Ergebnis: Elia meuterte gegen alle. Gegen Labbadia, der ihn daraufhin weniger berücksichtigte. Gegen die medizinische Abteilung und den Vorstand, der ihn für die öffentliche Kritik rügte. Er wirkte sogar auf Teamkollegen abweisend. Gemeinsame Unternehmungen mit Teamkameraden gab es kaum noch. Und er absolvierte (auch verletzungsbedingt) in der Rückrunde gerade mal vier Ligaspiele von Beginn an.

Das allerdings, und daran stören sich Elias Kritiker (ich mich übrigens auch), veranlasste Elia nicht zum Nachdenken über eigene Fehler. Nein, Elia gab allen und jedem außer sich selbst die Schuld. Er beklagte sich bei seinem Berater, der nichts besseres zu tun hatte, als beim HSV um ein Gespräch zu bitten, dessen Inhalt nicht die verbesserte Zusammenarbeit war, sondern der Versuch, seinen Schützling trotz Vertrages bis 2014 den Verein wechseln lassen zu dürfen.

Wie das ausging wissen wir alle. Elia ist geblieben, die Wechselgerüchte reißen bis heute nicht ab, auch weil Elia keine Gelegenheit auslässt, davon zu sprechen, dass er nicht ewig in Hamburg bleibt. Trotzdem hoffen der HSV wie auch die Fans auf den Leistungs-Durchbruch des Top-Außenstürmers. Denn, da sind sich alle einig, das sportliche Potenzial ist riesig. Größer als bei den meisten Außenstürmern in Europa. Dennoch beschreibt die Personalie Elia ganz gut das Hauptproblem des HSV: denn (Entschuldigt, ich weiß, dafür gehört ein Fünfer ins Phrasenschwein) Potenzial allein schießt keine Tore. Zumal nicht, wenn sich der Spieler nicht ins Kollektiv einbringen kann oder will.

Stattdessen warten alle auf das angekündigte Angebot aus Wolfsburg. Das allein birgt eine gewisse Unruhe. Und während der Sportchef immer wieder betont, den Spieler nicht abgeben zu wollen, wird intern schon über die Höhe der finanziellen Schmerzgrenze gesprochen, wofür man seinen Problemspieler abgeben würde.
14 Millionen seien so eine Grenze, will ein Kollege von mir gehört haben. Allerdings halte ich diese Summe für so wenig diskutabel wie einen Winter-Wechsel generell. Ich wiederhole mich zwar, aber ich bin mir sicher, dass ein Elia in der Rückrunde nicht sehr viel mehr dafür tun kann, seinen Marktwert zu schmälern als bisher. Im Gegenteil: die Chance, dass er endlich positiv auffällt ist gestiegen. Und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass er seinen aktuellen Marktwert deutlich steigern kann. Und ausreichend Interessenten wird es dann auch noch geben. Aber auch das hatten wir ja schon…

Bleibt nur die Frage, ob die HSV-Verantwortlichen noch genug Glauben an Elia haben. Wenn nicht, und sie werden es besser wissen als wir hier, dann müssen sie ihn verkaufen. Allerdings, wenn sie noch etwas Hoffnung haben, sollten sie die Finger davon lassen und versuchen, mit Hilfe des 23-Jährigen noch in den internationalen Wettbewerb zu erreichen. So hätten sie eine Win-Win-Situation: Elia hätte ihnen zu Zusatzeinnahmen verholfen und dadurch gleichzeitig seinen Marktwert gesteigert.

Das versucht im Übrigen auch gerade die TSG Hoffenheim mit HSV-Wunschspieler Matthias Jaissle. Nachdem in Hoffenheim durch den Trainerwechsel, den Verkauf von Gustavo und der Meuterei Demba Bas sowas wie Land unter herrscht, soll Jaissle plötzlich doch wieder eine Zukunft in Hoffenheim haben. Eigentlich hatte der Innenverteidiger den Kraichgauern bereits angedeutet, seinen Vertrag im Sommer definitiv nicht zu verlängern. Und die TSG schien dem vernehmen nach wenig tangiert. Jetzt aber kündigte die TSG an, erst mal eine Bestandsaufnahme machen zu wollen und eher keine Spieler mehr abgegeben zu können und zu wollen. Das jedenfalls soll Reinhardt heute von Hoffenheimer Seite zu hören bekommen haben, als er offiziell nach den Wechselmöglichkeiten Jaissles angefragt hatte.

Dennoch: auch das ist wohl nicht mehr als ein taktischer Spielzug.

Denn die Gespräche zwischen Spieler und HSV sollen schon weitgehend abgeschlossen sein, der Wechsel fix sein. Auch die Hoffenheimer wissen, dass ihr Spieler nicht mehr lange zu halten ist und nur noch jetzt ein paar Euros zu verdienen wären. Und schon nächste Woche trifft sich Jaissles Berater Gordon Stipic in Hamburg mit HSV-Sportchef Bastian Reinhardt – offiziell nur, um über Stipics Spieler Dennis Aogo und dessen Vertragsverlängerung zu sprechen. So sagen es Reinhardt und Stipic. Allerdings dürften auch diese Aussagen nicht mehr als taktisch gewählt sein.

Bleibt mir zum Ende nur zu sagen, dass ich hoffe, Elia in der Rückrunde endlich so zu sehen, wie wir alle glauben, dass er es kann. Und natürlich, dass der HSV seine offene Personalie in der Innenverteidigung schnell klärt und der Spieler zur Mannschaft stößt, um sich schnell einzugliedern. Denn der HSV muss sich schnell finden. Alles andere macht aus meiner Sicht in diesem Winter keinen Sinn.

Bis morgen!

18.23 Uhr

P.S.: Heute absolvierte die Mannschaft zwei Einheiten. Die Morgeneinheit dauerte zwei Stunden und beinhalte neben ausgiebigem Krafttraining und Läufen einen langen taktischen Teil an dem alle Spieler teilnehmen konnten. Am Abend waren neben Veh und Reinhardt auch Aogo, Heiko Westermann, Marcell Jansen und Ruud van Nistelrooy zu Gast im „Aktuellen Sportstudio Dubais bei Dubai Sports Channel.

P.P.S.: Kleiner Tipp für diejenigen unter Euch, die sich für Vereinspolitik interessieren: Heute Abend ab 19 Uhr findet der große „Präsidentengipfel“ auf NDR 90,3 statt. Mit dabei sind die Ex-Präsidenten Dr. Wolfgang Klein, Dr. Peter Krohn, Ronny Wulff und Jürgen Hunke sowie der aktuelle Klubboss Bernd Hoffmann.

P.P.P.S: Um mich klarer als gestern auszudrücken: ich halte nicht wirklich viel von der Idee, allen Mitgliedern ein HVV-Ticket zu stellen, um so die Teilnehmerzahl bei der Jahreshauptversammlung zu hören. Auch wenn es durchaus JHVs gegeben haben soll, bei denen der Verein als „Sponsor“ Busse für ausgewählte Fanklubs von außerhalb gestellt hat. Nein, vielmehr bin ich überzeugt, dass jeder Vereinsinteressierte am Sonntag da sein sollte, wenn er seine Meinung vertreten wissen will. Allerdings selbstverständlich nur sofern sie/er nicht unabkömmlich ist.