Monatsarchiv für Januar 2011

…schärfere Töne vor dem Derby + Choupo bleibt…

31. Januar 2011

++++++ Choupo wechselt nicht, er bleibt in Hamburg+++++++

So oft wie sein Handy heute in der einen Stunde klingelte, klingelt meins am ganzen Tag. Und ich zähle mich schon zu den Viel-Telefonierern. „Da wollen einige noch auf den letzten Drücker was haben“, scherzte Bastian Reinhardt heute Vormittag, als er sich unseren Fragen stellte. Immerhin war dort auch noch offen, was aus Choupo-Moting würde, den bis zuletzt der 1. FC Köln und Premier-League-Klub West Bromwich umworben hatten. Aber zu dieser Personalie am Ende hoffentlich mehr.

Bastian Reinhardt wirkte den Umständen entsprechend gelassen. Er drückte gefühlte 300 Anrufe in den rund 60 Minuten mit uns unbeantwortet weg und schien trotz des letzten, eigentlich für seine Hektik bekannten Transfertages extrem entspannt zu sein. Mit einem einfachen Hintergrund: die Personalie Choupo lag nicht mehr in seinen Händen und gekauft werden sollte niemand mehr. Obwohl Trainer Armin Veh jüngst seinen Wunsch wiederholt hatte, für die Innenverteidigung, in der Gojko Kacar für seine Rote Karte aus Nürnberg ein Spiel Sperre aufgebrummt bekam, noch einen Neuen gebrauchen zu können. „Wir wollten wenn nur einen holen, der uns auch perspektivisch verstärkt. Und der Markt gibt eine solche Verstärkung nicht her“, erklärte uns Reinhardt.

Also auch nicht Ochs, den Frankfurt ob eines Millionen-Lochs im Etat verkaufen will/muss?

„Nein“, so Reinhardt, „Ochs ist ein guter Spieler, ganz klar. Aber er ist für uns nicht machbar.“ Soll heißen: zu teuer. Rund sechs Millionen Euro sollen die Hessen als Ablösesumme aufgerufen haben, woraufhin nur noch Schalke mitbot. Allerdings mussten sich auch die sich immer wieder überraschend solvent gebenden Gelsenkirchener irgendwann geschlagen geben. Ochs bleibt in Frankfurt.

Und das ist die neue Chance für den HSV! Denn das Frankfurter Eigengewächs hat für den Sommer eine festgeschriebene Ablösesumme von drei Millionen Euro im Vertrag. Hier wird derjenige das Rennen machen, der am Ende am meisten Handgeld bietet – ohne Ochs zu nah treten zu wollen, aber so funktioniert das Geschäft Fußball-Bundesliga nicht nur bei ihm.

Also abwarten. Ein wenig Hoffnung bleibt uns entsprechend wenigstens für die neue Saison, dass der HSV nach 20 Spielen ohne Diekmeier und ebenso vielen mehr oder weniger schwachen Spielen seiner Vertretungen (Rincon, Tesche, Demel) die Baustelle Rechtsverteidiger behebt. Denn hier besteht Handlungsbedarf. Das wollte Reinhardt zwar nicht öffentlich sagen, aber seine Gestik verriet, dass auch er es so sieht.

Womit ich bei einem generell schwierigen Thema bin. Denn seit einigen Wochen laufen beim HSV schon die Planungen für die kommende Saison. 20 Spielerverträge laufen aus, hinzu kommen die auszuhandelnden Verträge mit Neuzugängen. Ich will jetzt gar nicht erst das Fass aufmachen, dass bzw. ob Reinhardt durch die ganze Sammer-Posse so geschwächt wurde, dass er diese Aufgabe nicht mehr optimal ausfüllen kann. Im Gegenteil: Bastian Reinhardt ist der Sportchef – das ist der Status Quo. Punkt. Und Reinhardt gibt sich betont selbstbewusst („Das ist meine Aufgabe, ich soll sie ausführen und ich werde das schaffen“). Nein, viel schwieriger empfinde ich, dass der HSV noch immer nicht geklärt hat, wer in der kommenden Saison die sportliche Leitung beim HSV hat, denn Armin Vehs Vertrag läuft aus. „Wir werden uns mit dem Trainer zu gegebener Zeit zusammensetzen“, so die kurze Antwort des Sportchefs. Ob er es nicht als suboptimal ansieht, wenn zuerst die Mannschaft und anschließend der Trainer bestimmt werden? Immerhin ist es der Trainer, der mit der Mannschaft zusammenarbeiten und sein Konzept umsetzen soll. „In Zukunft werden wir als Verein mehr über seine Spieler bestimmt. Der Verein entscheidet, wer geholt und wer abgegeben wird. Aber da sind die Unterschiede zwischen den Trainern und ihren Systemen eh nicht so gravierend.“

Dafür aber dürfte es, sollte sich der HSV von Veh trennen, eine deutlich verringerte Auswahl an Kandidaten geben. Denn es wird sicher nicht nur ein Trainer am Ende seinen Kader lieber selbst (zumindest maßgeblich) zusammenstellen wollen. Immerhin wird er am Ende am Abschneiden gemessen.

Nun denn, bis der Trainer 2011/2012 feststeht, kümmern sich Reinhardt und seine Scoutingabteilung Christofer Clemens sowie Michael Schröder um die Kadergestaltung.

Und die sehen nur noch zwei, drei Spieler mit auslaufenden Verträgen vor, deren Verbleib in Hamburg gewünscht ist. „Das war vor dem Nürnberg-Spiel noch anders, da waren es deutlich mehr“, scherzt Reinhardt. Etwas ernster wird Reinhardt dann, auf Namen wie Zé Roberto, Ruud van Nistelrooy und Frank Rost angesprochen. Während er bei den ersten beiden „Oldies“ die Zukunft ziemlich offen sieht, hatte der HSV zuvor zumindest bei Rost immer von dessen letzter Saison gesprochen, dafür mit Jaroslav Drobny sogar den designierten Nachfolger bereits verpflichtet. Doch jetzt scheint sich das Blatt gewendet zu haben. Zumindest deutet Reinhardt das an. Ob er sich vorstellen kann, mit Rost zu verlängern? „Ich kann mir vieles vorstellen“, umgeht Reinhardt eine direkte Antwort, um dann doch klarer zu werden: „Frank ist ein wichtiger Faktor innerhalb der Mannschaft. Ich werde mit ihm darüber sprechen.“ Obwohl der HSV Rost bereits vor sechs Monaten dessen Karriereende in Hamburg angedeutet hatte? Reinhardt: „Ja, Frank hatte sich zuletzt ja auch anders geäußert, dass er weitermachen will.“

Im Gegensatz zur Kaderplanung werden die täglichen Probleme noch komplett mit Veh, Oenning und Co. besprochen. So auch die Minusleistung in Nürnberg, die Reinhardt an Ungeduld und einer schwachen Offensive festmachte. „Wir haben in der ersten Halbzeit die Ordnung defensiv gehabt. Das war wie zuvor auf Schalke und gegen Frankfurt gut. Aber wir haben irgendwann völlig unsere Ordnung verloren. Das war in den ersten beiden Spielen der Rückrunde auch nicht überragend, aber da haben wir Geduld gehabt und irgendwann ein Tor gemacht. Diesmal hatten wir offensiv keinen Handlungsplan, da waren keine Automatismen zu erkennen. Wir hatten gegen Nürnbergs Kampf und deren läuferischen Aufwand keine Mittel. Hier haben wir taktisch ganz sicher noch Nachholbedarf.“

Oha. Ein Vorwurf, den sich Mannschaft und Trainer gleichermaßen anheften dürfen.

Auch insgesamt scheinen vor dem zweiten Derby der Saison andere, schärfere Töne beim HSV angeschlagen zu werden. Verantwortlich dafür ist nicht allein das schwache Nürnberg-Spiel, sondern vielmehr auch das glückliche 1:1 aus dem Hinspiel am Millerntor. „Wir wissen, dass wir mit einem Sieg gegen St. Pauli eine deutlich positivere Grundstimmung reinkriegen können“, plädiert Reinhardt, der sich an zu wenig Motivation im Hinspiel erinnert: „Wir werden jetzt keinen Böller in der Kabine zünden oder dergleichen“, sagt Reinhardt, „aber ich werde mit den Trainern darüber sprechen, was wir vor diesem wichtigen Spiel noch anders machen können. Da müssen alle brennen.“

Angst, mit seinen Kampfaufforderungen vielleicht zu viel Feuer in das eh schon brisante Stadtderby reinzubringen, hat Reinhardt nicht. „Im Hinspiel war es ein Kuschelkurs, der vor dem Hintergrund der Übergriffe auf dem Altonaer Bahnhof auch angebracht war.“ Zur Erinnerung: Damals hatten HSV-Fans St.-Pauli-Anhänger attackiert. „Aber das haben wir diesmal nicht. Jetzt steht ein Spiel an, das vielleicht das wichtigste Spiel der Saison ist. Es geht um die Vormacht in Hamburg. Das Spiel müssen wir gewinnen.“

Worte. Bislang sind es nur Worte. Und das bleibt so, bis am Sonntag das Spiel abgepfiffen ist.

Hoffentlich denken alle – nein, das ist völlig naiv. Hoffentlich denken wenigstens die Spieler, die auflaufen so, wie Bastian Reinhardt es sich wünscht. Dann hätten sie höchstwahrscheinlich auch keine Probleme mit dem kleinen Nachbarn…

Und zum Schluss noch eine gute Nachricht: Dieter ist wieder da! Ab Dienstag, dem Beginn des kürzesten Monats im Jahr, sitzt der Hausherr gut erholt wieder an seinem Schreibtisch und informiert Euch über den täglichen Wahnsinn im Volkspark. Mir bleibt bis zu meiner nächsten Vertretung nur noch übrig, mich bei Euch für den tollen Januar zu bedanken. Ihr habt mir viele neue Standpunkte nähergebracht, mich mit Euren Posts sehr gut unterhalten und den einen oder anderen sehr interessanten Denkanstoß gegeben. Es gab berechtigte Kritik, etwas weniger berechtigte und sogar das eine oder andere sehr nette Lob. Ich für meinen Teil hatte jedenfalls einen Riesenspaß mit Euch und freue mich – auch für ihn! – schon auf Dieters nächsten Urlaub!

In diesem Sinne: Nur der HSV! Und auf bald!

Euer Scholle

P.S.: Bei Choupo gibt es noch keine Entscheidung. Was bedeutet, dass der FC Köln raus ist – denn die Kölner hätten bis 18 Uhr zuschlagen müssen. Anders ist dies bei West Bromwich, die Engländer haben noch bis 24 Uhr Zeit, den Kameruner von der Transferliste zu nehmen. Sollte hier noch was passieren, werde ich diesen Artikel noch mal updaten (cooles Wort…)!

P.P.S.: TV-Tipp: Heute Abend sind Bastian Reinhardt und St. Paulis Sportchef Helmut Schulte bei HH1 in der Sendung „Rasant“ ab 20.15 Uhr zu Gast. Könnte interessant werden.

Immer mehr Fragen – immer weniger Antworten…

30. Januar 2011

Mich tröstet das nicht. Keine Werder-Niederlage oder dergleichen ersetzt ein gutes Spiel des HSV. Und während es bei mir eigentlich immer unmittelbar nach einem schwachen Spiel am schlimmsten ist und die Zeit die eine oder andere Wunde heilt, ist es diesmal andersrum. Mich nervt, dass der HSV seine Chance so fahrlässig liegengelassen hat. Und zu allem Überfluss habe ich mir vorhin auch noch Stuttgart angesehen, das eine ganz bittere Niederlage gegen alles andere als starke Freiburger zu verkraften hat. Und obwohl die Schwaben durch den Abstiegskampf insgesamt sicherlich noch größere Sorgen als wir haben, muss ich sagen, dass ich als VfB-Fan zumindest heute weniger sauer wäre, denn als HSVer. Denn die Schwaben wollen wenigstens, die arbeiten Fußball, die kämpfen. Sie scheitern – wie Harnik vor dem leeren Tor – immer wieder an sich selbst, aber sie versuchen es wenigstens. Ihnen kann man mangelnde Qualität anlasten, aber nicht, dass sie sich verweigern.

Genau diesen Vorwurf müssen sich allerdings die HSV-Profis für den unwürdigen Auftritt gegen schwache Nürnberger gefallen lassen.

Hier im Blog herrscht, das ist deutlich an Euren Kommentaren zu erkennen, tiefer, festsitzender Frust. Zu viel Kredit hat sich der HSV in den letzten 18 Monaten verspielt, als dass so eine Niederlage als Ausrutscher hingenommen wird. Und ganz ehrlich, es war auch diese Saison nicht der erste derartig lust- und emotionslose Auftritt. Insofern sind nahezu alle Eure Vorwürfe berechtigt. Die Frage ist allerdings, warum ist das so? Wieso werden bei dem immer wieder berechtigt hoch gelobten Kader inzwischen schon Spieler hervorgehoben, weil sie einfach nur eine Menge Kilometer abreißen? Sind unsere Ansprüche schon so niedrig? Warum gibt’s beim HSV zum Beispiel keinen Maik Franz (den sehe ich gerade wieder auf dem Platz, wie er Idrissou mit zweifelhaften Methoden entnervt)? Oder zumindest einen, der die Mannschaft wachrüttelt – egal, ob durch sportliche oder verbale Impulse? Oder erreicht der Trainer samt seinem Team nicht die Mannschaft?

Fragen, auf die es Antworten zu finden gilt, wenn man in der kommenden Saison nicht neuerlich enttäuscht werden will.

Allerdings, und deswegen habe ich es gestern noch vorsichtig formuliert, noch habe ich die Hoffnung, dass sich die Mannschaft über ihre fußballerische Qualität über die letzten 14 Spiele hinwegrettet – und dann der nötige Umbruch eingeläutet wird. Damit der HSV in seinem Kreativbereich nicht mehr allein von der Tagesform des immer launischer werdenden Zé Roberto abhängig ist. So sehr ich den Brasilianer schätze, er geht mir zu oft einfach mit unter. Er war in Nürnberg zweifellos noch der Einäugige unter den Blinden – aber eben auch nicht annähernd so mitreißend, wie man es von einem Mann seiner Qualität erwarten darf. Gleiches gilt für einen Ruud van Nistelrooy. Real Madrid hin oder her.

Ich erspare es mir und Euch, jetzt hier auf alle Spieler einzeln einzugehen. Dabei würde auch sehr wenig Positives herumkommen. Aber eben auch nichts, was wir an dieser Stelle nicht schon hundert Mal gesagt haben. Allein der Gedanke daran, ermüdet schon…

Nein, es bringt nichts. Wir müssen uns mit der Situation arrangieren. Und die besagt, dass am kommenden Wochenende das vielleicht brisanteste Spiel der Saison ansteht: das Derby gegen St. Pauli im eigenen Stadion. Hier ein Sieg und alle Gemüter dürften sich wieder etwas beruhigen. Zumindest bis zum nächsten „Rückfall in alte Zeiten“, wie Trainer Armin Veh das Nürnberg-Spiel beschrieb.

Allerdings: „Alte Zeiten“? Wie kommt Veh auf „alt“?

Das Nürnberg-Spiel hatte ich in der Hinrunde gefühlt jedes zweite Wochenende. Da hatte sich abgezeichnet, dass diese Mannschaft in sich nicht einig ist. Die Qualität jedes einzelnen werde ich auch heute nicht in Frage stellen. Die ist da. Aber nach den beiden Arbeitssiegen gegen Schalke und Frankfurt hatten viele – auch ich – gehofft, dass die Mannschaft über Erfolge gefestigter wird. Vergebens?

Der Mannschaft fehlen auf jeden Fall die Ideen. Gegen Mannschaften, die sich hinten reinstellen gelingt quasi nichts. Das war in der Hinrunde so – das ist es auch jetzt. Schalke wollte mitspielen – und das Spiel wurde interessant. Aber schon Frankfurt war zäh, für die Mannschaft wie den Betrachter. Der HSV schafft es einfach nicht, sich gegen destruktiv agierende Teams Torchancen zu erarbeiten. Die Außen funktionieren offensiv momentan nicht, ein Elia beispielsweise war gegen die Franken bei nicht mehr als 20 Prozent dessen, was er kann und beim HSV nicht zeigt. Pitroipa überrascht weniger die Gegner als sich selbst. Flanken kommen von beiden nicht – womit ein Ruud van Nistelrooy in der Mitte hängt. Wie es besser geht, hat zuletzt Ben-Hatira gezeigt, der mit aller Macht versuchte, nahezu jeden Ball auf den ehemaligen Welttorjäger zu spielen.

Aber ok, neben den Außen gibt es noch das zentrale Mittelfeld, das zwar defensiv vernünftig arbeitet, aber offensiv nahezu wirkungslos ist. Zé Roberto deutet zwar immer wieder an, was er drauf hat, aber er zeigt es nie komplett. Er füttert uns an und lässt uns dann verhungern. Warum auch immer.

Etwas Leid taten mir gestern Westermann und Kacar. Beide hatten die klare Ansage, alles wegzuräumen, und wenn dies mit Befreiungsschlägen passiert. Und sie erfüllten ihre Aufgaben in der ersten Halbzeit ordentlich, obwohl Guy Demel altgewohnte Schwächen im Stellungsspiel zeigte. Der Ivorer zeigte auf, dass es fast fahrlässig von der Vereinsführung ist, auf dieser Position bislang nichts unternommen zu haben. So fiel das erste Gegentor, so werden leider auch noch mehr fallen, wenn sich der verletzungsanfällige Demel nicht plötzlich schwer verbessert.

Apropos Rechtsverteidiger: Ochs wechselt zu Schalke 04. Ein Typ, der als loyal und vorbildlich in Sachen Einstellung zählt und außergewöhnlich konstant sein hohes Niveau hält. Warum also kommt der Frankfurter nicht zum HSV? Eine Frage, die ich morgen Bastian Reinhardt stellen werde. Der Sportchef stellt sich morgen unseren Fragen. Und ich verspreche, ich habe einige, die ich stellen werde und deren Antworten ich Euch morgen mitteilen werde. Denn für heute fällt mir nichts mehr ein. Ich habe immer mehr Fragen – und immer weniger Lösungsansätze. Mal sehen, vielleicht bin ich morgen schlauer…

In diesem Sinne, seid besser drauf als ich. Bis morgen!

19.45 Uhr

P.S.: Bei Choupo gibt es noch nichts Neues. Im Gegenteil, inzwischen messen die HSV-Verantwortlichen dem Szenario, dass der Kameruner bleibt, die höhere Wahrscheinlichkeit bei. Allerdings, das kann ich Euch glücklicherweise versprechen, zumindest in dieser Frage werde ich morgen eine hundertprozentig korrekte Antwort finden 😉

90 völlig verpennte Minuten…

29. Januar 2011

Es gibt Tage, die kann man sich nicht erklären. Genau so einen hatte der HSV heute. Mit drei Siegen in Folge und dementsprechend viel Optimismus ins Frankenland gereist, wurde das Spiel komplett verpennt. Und anschließend wusste keiner so recht, warum man so lethargisch agiert hatte.

Aber der Reihe nach.

Die erste Halbzeit hätte man sich schenken können. Ich muss sogar zugeben, dass ich in der 30. Minute die Option „Konferenz“ kurz geschaltet hatte – was ich sonst wirklich nie mache. Während der HSV-Spiele gilt eigentlich immer: nichts und niemand darf stören. Handy und Festnetz bleiben ebenso wie das Klingeln an der Haustür unbeantwortet. Aber was der FCN und der HSV sich da in den ersten 45 Minuten zurechtschoben, das ließ dann doch viel Zeit für “Nebensächlichkeiten”. Gefahr, etwas zu verpassen, lief man jedenfalls nicht wirklich.

Allerdings will ich hier jetzt gar nicht anfangen, zu nörgeln. Denn in der Hinrunde hatte uns hinten genau das gefehlt, worauf Veh jetzt vermehrt Wert legt: es wird eher rustikal und schnörkellos – dafür aber umso effektiver gearbeitet. Das ist nicht immer schön, muss Aber sein. Und wenn es dann zu einer Konstellation kommt wie zuletzt mit den überaus defensiven Frankfurtern oder eben Nürnberger, die selbst im eigenen Stadion komplett auf Konter eingestellt sind, dann wird das Spiel langweilig, weil es eben logischerweise weniger Torszenen gibt.

Zwei, drei wurden es letztlich doch. In der elften Minute setzte sich Änis Ben-Hatira über links gekonnt durch und passte von der Grundlinie zurück auf Ruud van Nistelrooy. Allerdings einen Tick zu scharf für den in den ersten 45 Minuten enttäuschend schwachen Niederländer. Der war es allerdings auch, der in der 19. Minute fast das 1:0 für den HSV besorgt hätte, wäre nicht FCN-Verteidiger Simons (guter Mann!!) gerade noch mit der Fußspitze vor ihm am Ball gewesen.
Sechs Minuten später war es Änis, der diesmal über rechts flankte. Allerdings hoch, statt wie in dieser Situation erforderlich flach auf den heranstürmenden Elia, der so unter dem Ball durchlief. Erstmals in der 27. Minute kamen dann sogar die Gastgeber. Kurz. Aber gefährlich. Abiturient Mendler setzte sich am Sechzehner gegen drei Hamburger durch, aber nicht gegen Rost. Der Keeper war da und rettete.

Auf meinem Notizblock hatte ich für die29. Minute noch Ruuds ersten Torschuss und einen abgefälschten Schuss aus 18 Metern von Elia, ehe es zur nächsten echten Chance kam. Diesmal für den FCN. Dennis Aogo konnte die flache Hereingabe im eigenen Fünfer im Fallen gerade noch abwehren. Und in der 45. Minute war es Nürnbergs Stärkster, Simons, der per Direktabnahme mit der Innenseite aus 18 Metern an Rost scheiterte.

Halbzeit. Pause – für mich heute irgendwie ähnlich spannende Minuten wie zuvor auf dem Platz.

Die zweite Halbzeit versprach mehr Offensivdrang vom HSV. Trainer Armin Veh brachte Mladen Petric als zweite Spitze für den angeschlagenen und unauffälligen Jonathan Pitroipa. Und der Kroate versuchte sich gleich mit einem spektakulären Fallrückzieher zum Matchwinner aufzuschwingen. Allerdings verfehlte er das Tor ebenso deutlich, wie der HSV sein eigenes Vorhaben, den dritten Rückrundensieg. Und somit das vierte Spiel in Folge zu gewinnen.

Stattdessen kam es binnen zehn Minuten knüppeldick. Erst verschätzte sich der schwache Guy Demel bei einem Mendler-Pass, wodurch Eigler frei an den Ball kam und Rosts Parade nutzte, um einen Elfmeter herauszuholen. Wohlgemerkt: Eigler suchte das Foul, Rost bot ihm die Gelegenheit und Eigler nutze sie. Somit (leider) ein berechtigter Strafstoß, den Simons flach in die Tormitte verwandelte (59.). Und es waren keine zehn Minuten nach dem bittere 0:1 aus Hamburger Sicht gespielt, da gab’s den Gau. Erst musste Kacar nach einer aus meiner Sicht ebenso harmlosen wie unnötigen Trikotberührung beim eingewechselten Nürnberger Mak mit Rot vom Platz, dann folgte aus dem Freistoß das 0:2. Den Freistoß aus 17 Metern konnte Rost gerade noch an die Latte lenken, den Abpraller passte jedoch Simons (wer sonst?) irgendwie durch Westermanns Beine hindurch an Rost vorbei zu Cohen, der Jarolim im Rücken entschwunden war.

Die Entscheidung.

Zwar hätte der eingewechselte Guerrero in der 75. Minute freistehend vor Schäfer aus acht Metern den Anschlusstreffer besorgen können, aber er zielte zu hoch.

Was folgte waren 15 Minuten, in denen sich den überzähligen Nürnbergern Räume zum Kontern boten und der HSV fast nicht mehr stattfand.

Es fehlte dem HSV heute der Umschalter. Anfänglich wollte man den Nürnbergern das Spiel überlassen. Etwas, was die Franken bekanntermaßen nicht beherrschen. Das funktionierte auch – zumindest defensiv ließ der HSV nichts anbrennen. Allerdings fehlte der Mannschaft heute der Umschalter, der Impuls, auf die eigene Offensive zu setzen. Fast keine echte Torchance auf 90 Minuten ist gegen einen alles andere als starken, dafür aber leidenschaftlicher kämpfenden FCN zu wenig. Ein Ruud van Nistelrooy fand heute überhaupt nicht statt, Elia und Pitroipa blieben ohne offensive Szenen. Die Abwehr stand lange Zeit ungefährdet sicher, bis Demels Fehler und Rosts Foul die Niederlage einläuteten. Anschließend schwamm der HSV, ob im Mittelfeld mit Jarolim und Zé, oder im nach der Roten für Kacar verschobenen Abwehrverbund insgesamt.

Fazit: Eine ebenso unglückliche wie absolut unnötige, weil durch individuelle Fehler verschuldete Niederlage gegen Nürnberger, bei denen Simons, der Abiturient Mendler und ein kantiger wie technisch versierter Schieber die besten Spieler auf dem Platz waren.

Und für den HSV war es nicht nur ein richtig schwaches Spiel, es war auch eine besonders bittere Niederlage, weil neben den Punkten auch der Ausfall von Kacar verkraftet werden muss. Der Serbe spielte tadellos – bis zur Roten Karte, die Veh zumindest für das Derby am kommenden Wochenende gegen St. Pauli eine Entscheidung leichter macht: er wird Joris Mathijsen nicht erklären müssen, warum er nur auf der Bank sitzt…

Dennoch kann die Mannschaft jetzt zeigen, dass die Komplimente der letzten Wochen nicht falsch waren. Sie kann jetzt nach der Niederlage beweisen, welch neue Einheit sie ist und dass die Niederlage in Nürnberg nicht mehr als ein zu verkraftender Ausrutscher war. Auf eine Diskussion darüber, ob van Nistelrooy heute so schwach war, weil er Madrid nicht nur im Herzen sondern auch im Kopf trägt, verzichte ich. Es wäre falsch, hier jetzt alles in Schutt und Asche zu legen. Im Gegenteil: ich erwarte von Ruud gegen St. Pauli der Mannschaft eine Trotzreaktion. Schon deshalb werde ich nicht derjenige sein, der das zweifellos enttäuschende Auftreten beim FCN überbewertet.

Ich bin wie wahrscheinlich alle hier und beim HSV enttäuscht – aber ich bin noch lange nicht hoffnungslos.

In diesem Sinne, bis morgen!

17.45 Uhr

P.S.: Sollte es heute noch neue Entwicklungen in Sachen Verleih- oder gar Verkaufsgeschäft geben, melde ich mich natürlich zu späterer Stunde noch mal bei Euch.

In Nürnberg soll die Serie fortgesetzt werden

28. Januar 2011

Und schon war er raus. „Wenn ein Spieler wechseln sollte oder kurz davor steht, dann nominiere ich ihn nicht mehr“, hatte Veh am Donnerstag bereits angekündigt – und dies jetzt umgesetzt. Choupo-Moting, für den sich sowohl der 1. FC Köln als auch Premier-League-Klub West Bromwich interessieren, wurde aus dem Kader für die Partie gegen Nürnberg gestrichen. Weil er geht? „Nein“, so die kurze Antwort von Sportchef Bastian Reinhardt unmittelbar bevor der OLT-Flieger samt Mannschaft gen Nürnberg abhob, „das liegt vielmehr daran, dass einfach zu viele Spieler gesund sind und sich der Trainer auf 18 Spieler beschränken musste.“ Dennoch geht auch Reinhardt nicht von einer schnellen Entscheidung aus. Im Gegenteil, Reinhardt rechnet nicht vor Montag, dem letzten Tag der Transferperiode, mit einer Entscheidung.

Klar ist: Choupo soll gehen. Allerdings sind die HSV-Verantwortlichen bemüht, ihren 21-jährigen Nationalspieler nicht zu verkaufen. Vielmehr soll der Kameruner Spielpraxis bekommen und lediglich verliehen werden. Allerdings stößt dieser Gedanke bei Choupos Berater und Vater Just (er selbst bat uns mal um diese Reihenfolge, sollten wir ihn erwähnen…) auf wenig Gegenliebe. Schon im vergangenen Jahr hatte der studierte Lehrer gesagt: „Wenn es mit dem HSV noch mal zu einer Trennung kommen sollte – dann nur als Verkauf. Ein Leihgeschäft werden wir nicht mehr mitmachen.“

Problem hierbei ist allerdings, dass dem Vernehmen nach sowohl Köln als auch West Bromwich den HSV-Angreifer ausleihen und nicht kaufen wollen.

Und jetzt wird es etwas kompliziert.

Da Choupos Vertrag ausläuft, darf er laut DFB-Statuten nicht mehr verliehen werden. Für ein Leihgeschäft käme Choupo nur in Frage, sollte er einen über die Leihzeit hinaus gültigen Vertrag beim HSV besitzen. Die Idee des HSV war, den Vertrag mit seinem Talent zu verlängern.

So weit so gut.

Allerdings hat auch dieses Vorhaben einen Haken. Bis zum 31. Januar kann der HSV eine vereinsseitige Option zur Verlängerung ziehen, müsste im Gegenzug allerdings das Jahressalär des Jungstürmers (bislang rund 750000 Euro per annum) deutlich anheben. Und das wiederum will der HSV nicht. Deshalöb verhandeln jetzt alle, der HSV, Just Moting und die interessierten Klubs über etliche verschiedene Szenarien. Und das dauert.

Klarer gestalten sich derweil zwei Gerüchte, die heute aufgekommen sind. Zum einen soll Jonathan Pitroipa ein Angebot des VfL Wolfsburg vorliegen. Wobei man sagen muss, dass die VW-Städter inflationär mit ihrem Interesse an neuen Spielern umgehen und gefühlte 100 Spieler im Visier haben. Entsprechend wollte (konnte?) Pitroipas Berater Nick Neururer auch nichts dementieren, allerdings erklärte Reinhardt, vom VfL nichts gehört zu haben. Zudem habe der HSV kein Interesse, seinen Außenstürmer abzugeben.

Interesse soll dagegen der HSV an dem Rumänen Srdan Luchin (24) vom rumänischen Erstligaklub Politehnica Timsoara haben. Reinhardt gibt auch zu, den Innenverteidiger zu kennen. Ere dementiert allerdings auch klar. „Er ist auch ein richtig guter Mann. Aber es bleibt dabei, dass wir im Winter keinen Spieler mehr holen“. Das wiederum schließt nicht aus, dass der Rumäne im Sommer zum Kandidatenkreis gehört. Wovon hier auszugehen ist.

Entschieden ist auch die Personalie Paolo Guerrero, dem ein Angebot von Premier-League-Klub FC Fulham vorliegt. „Ich bleibe hier, was sonst“, so Paolos Antwort nach dem heutigen Training auf die Frage, ob er einen Wechsel plane. Wobei ich gehört habe, dass das Thema Guerrero eigentlich schon seit einigen Tagen ad acta gelegt worden sein soll.

Nun denn, anstatt zu wechseln rückt Guerrero nach seiner Wadenverletzung aus der Hinrunde gegen Nürnberg ebenso wie Marcell Jansen und David Jarolim wieder in den Kader. Gestrichen wurden dafür neben Choupo-Moting auch die Youngsters Muhamed Besic und Tunay Torun.

Im mit knapp 50 Minuten ziemlich kurzen Abschlusstraining gab es zuvor Überraschungen. Außer, dass Paolo gleich die zweite Ecke des B-Teams einschädelte und die unveränderte A-Elf (Rost – Demel, Kacar, Westermann, Aogo – Zé Roberto, Jarolim – Pitroipa, Änis, Elia – van Nistelrooy) bei eben jenen Standardübungen leichte Probleme hatte.

Dennoch, und das zeigen ja auch die Bilder von Benno Hafas, die Mannschaft ist gut drauf. Mental allemal, körperlich auch. Ruud van Nistelrooy gibt sich betont locker im Umgang mit den Mannschaftskameraden und zieht auch im Training ordentlich mit. Und auch wenn die HSV-Abwehr im heutigen Abschlussspiel bei Standards ein wenig wackelte, sie ist das neue Faustpfand des Erfolges. Zuletzt zweimal zu null gespielt, dazu mit Gojko Kacar einen überraschend starken Ersatz des weiter fehlenden Joris Mathijsen gefunden. Und, das betonte nicht zuletzt Armin Veh immer wieder, mit Dennis Aogo ist die linke Abwehrseite endlich wieder optimal besetzt. Der Nationalspieler, der bis zum 16. Spieltag ausgefallen war, zeigt sich momentan von seiner besten Seite. Im Training immer einer der eifrigsten, ist er endlich wieder nahe seiner Bestform. „Ich bin körperlich endlich wieder auf einem richtig guten Level“, sagt Aogo, der sogar ganz leise Hoffnungen hegt, am 9. Februar gegen Italien wieder für die deutsche Nationalelf nominiert zu werden.

Vorher aber will er mit dem HSV die Serie von drei Siegen in Folge ausbauen. Wobei, Aogo sieht das mit der Serie etwas anders: „Der Sieg in Gladbach in der Hinrunde war nicht mehr als Not gegen Elend. Der zählt für uns nicht mehr dazu. Jetzt haben wir zwei Siege in der Rückrunde – das ist schön, aber auch nichts Besonderes. Gegen Schalke zu gewinnen ist schon gut, okay. Aber zuhause gegen Frankfurt zu gewinnen ist nicht mehr als der Anspruch, den der HSV einfach haben muss.“ Ob das auch für einen Sieg in Nürnberg gilt? „Nürnberg darf man nicht unterschätzen. Ich habe sie gegen Schalke gesehen und fand sie stark. Die haben die ersten 15 Minuten Pressing gespielt. Sogar richtig gut Und wie wir aus eigener Erfahrung wissen, können sie auch sehr gut tief stehen und kontern. Wir sind gewarnt.“

Angesprochen auf die Gründe für die aktuelle Sicherheit in der Defensive schiebt Aogo das Lob, wie er es eigentlich immer macht, weit von sich. Zwar sei es zu merken, dass sich die Viererkette einspiele und gewisse Automatismen endlich greifen, „aber den größten Anteil daran haben unsere Offensivleute, die jetzt deutlich mehr nach hinten arbeiten. Das war in der Hinrunde, als ich mir alles noch von außen angesehen habe, anders.“ Eine Einschätzung, die Abwehrchef Heiko Westermann teilt und sogar konkretisiert: „Wenn man mal sieht, wie viele Kilometer der in einem Spiel abreißt, das ist schon Wahnsinn“, lobt der Mannschaftskapitän. Gemeint ist niemand anders als der Gewinner der Winterpause: Änis Ben-Hatira. „So einen, der so malocht, hatten wir in der Hinrunde nicht. Und auch wenn er logischerweise ab der 70. Minute platt ist, gibt er nie auf. Änis gibt dem Mittelfeld sehr viel Sicherheit.“

Ebenso wie Aogo. Zum einen als Abwehrspieler, zum anderen, weil seine Rückkehr zur Folge hatte, dass Zé Roberto endlich wieder auf seine Lieblingsposition ins zentrale Mittelfeld vorrücken konnte. Eine entscheidende Verbesserung für das HSV-Offensiv- und Defensivspiel. Denn der Brasilianer räumt defensiv robuster auf als in der eher lustlos abgerissenen Hinrunde.

Das soll auch in Nürnberg wieder so sein. Jarolim als rein defensiv ausgerichteter Sechser mit dem ebenso lauf- wie zweikampfstarken (Kopfbälle mal ausgenommen) Zé sollen die Ordnung herstellen und die eigene Offensive mit den ausgeruhten Außenstürmern (Pitroipa pausierte verletzungsbedingt, Elia mehr oder weniger aktiv auf dem Platz) sowie Änis und den mit Sicherheit erneut stark im Fokus stehenden Ruud van Nistelrooy mit Bällen füttern.

Und sollte das annähernd so gut wie zuletzt gelingen, wird es auch in Nürnberg klappen. Was mich so optimistisch macht? Die Mannschaft hat im Gegensatz zu den letzten Monaten, wo jede kleine Unruhe immer wieder als Alibi für etwaige Enttäuschungen angeführt wurde, die zweifellos turbulente letzte Woche (M.S.-Posse, Ruuds Wechseltheater, Wechselgerüchte Paolo, Choupo und Pitroipa) völlig unbeeindruckt überstanden. Die Mannschaft geht sogar so weit, dass sie Ruud öffentlich in Schutz nimmt und endlich als die Einheit auftritt, die viele, auch ich, in der Hinrunde vermisst hatten. Zudem ist durch die zahlreichen Rückkehrer im Training endlich wieder Feuer drin. Da wird sich auch mal angegangen (Rost vs. Jansen verbal, Ruud vs. Torun per harte Grätsche und heute Jarolim vs. Mathijsen nach einem harten Zweikampf) – aber eben auch wieder vertragen. Es geschieht endlich alles wieder im Sinne der Sache.

Und da die Startelf oben bereits erwähnt ist, verbleibe ich mit der Hoffnung auf den nächsten Dreier. Oder besser: im Glauben daran…

Bis morgen!

19.00 Uhr

Tipp in eigener Sache:

Seit dem Start der Rückrunde laufen bei Matz ab die „Body Attack HSV News“. Dabei handelt es sich um einen Wochenrückblick, der jeden Freitag vor dem Bundesligawochenende erscheint. Als Einstimmung auf die nächste Partie können sich alle HSV-Anhänger in Bild und Ton anschauen, bzw. anhören, was beim HSV so alles los war. Ob Verletzungen, Vertragsverlängerungen oder Neuverpflichtungen – in den Video-News wird über aktuelle Ereignisse berichtet und die Protagonisten des HSV kommen zu Wort. Ab sofort geben auch die Matz-ab-Blogger ihren Senf dazu – wenn Ihr denn wollt…

Angebot für Paolo – und Respekt vor dem FCN

27. Januar 2011

Das dürfte hier bei dem einen oder anderen für Jubel sorgen: Paolo Guerrero hat ein Angebot eines anderen Klubs. Genau genommen, das eines englischen Klubs, vom FC Fulham. Aber, um hier auch gar keine falschen Hoffnungen zu wecken, das Angebot ist schon so gut wie abgelehnt. Der Premier-League-Klub, der den HSV in der vergangenen Saison im Halbfinale aus der Europa League schmiss, wollte den Peruaner ausleihen, der HSV dachte auch kurzzeitig darüber nach. Auch Trainer Armin Veh, der sich im Sommer noch betont stark gemacht hatte für eine Vertragsverlängerung Guerreros. „Ich finde Paolo nach wie vor erstklassig, daran hat sich nichts geändert“, sagt Veh. „Aber er war verletzt und ist nicht so richtig zurückgekommen. Aber er braucht Spielpraxis – und das ist bei uns momentan eben schwer. Momentan haben Ruud, Änis und Mladen die Nase vorn.“

Oha. Guerrero vor dem Abflug?

Eher nicht. Denn nachdem Veh betonte, seinen einstigen Lieblingsstürmer sowieso nicht verkaufen zu wollen, sondern maximal auszuleihen, zog der Klub nach und nahm Wind aus der Geschichte. Die Wahrscheinlichkeit, so war zu hören, sei nie groß gewesen und eher gesunken denn gestiegen. Vielmehr scheint ein Abgang Choupo-Motings, den neben dem FC Köln auch Premier-League-Klub West Bromwich haben will, wahrscheinlicher. „Ich hab eklar gesagt, dass wir vorn noch einen abgeben können“, sagt Veh, der sich zu den Spekulationen ansonsten nicht weiter äußern wollte. Wann er dort eine Entscheidung erwartet? Veh mit einem Lächeln: „Spätestens am 31. Januar.“ Klar, denn da endet die Transferperiode.

Sollte sich vorher was ergeben, wird Veh den betroffenen Spieler nicht mehr nominieren. Dafür reichte auch, dass der Spieler konkrete Verhandlungen mit einem anderen Klub aufnimmt. Anders als zuletzt bei Ruud van Nistelrooy, der sich im heutigen Training stark erholt präsentierte. Der Niederländer flachste mit seinen Kollegen, er grätschte, lachte, kämpfte – und er traf. Kurzum: Ruud van Nistelrooy trotzte der lauter gewordenen Kritik an seinem Verhalten mit sportlicher Leistung.

Und, so natürlich es ist, Kritik an van Nistelrooy zu äußern, für den sportlichen Erfolg am wichtigsten ist, wie die Mannschaft damit umgeht. Und da scheint es keinerlei Probleme zu geben. Im Gegenteil. Nach David Jarolims Plädoyer gestern stieß heute Zé Roberto ins gleiche Horn. „Jeder Spieler träumt von Real Madrid. Ruud hat dort drei Jahre gespielt, ist emotional. Zumal man in seinem Alter so ein Angebot maximal einmal im Leben bekommt. Ich kann ihn verstehen“, so der Brasilianer, der seinerseits von Januar 1997 bis Juni 1997 bei den Königlichen kickte. „Aus der Emotion heraus sagt man so Sachen. Das passiert uns doch allen mal. Aber dann ist auch gut, dann kommt auch schon der Verein – und mit dem hat er einen gültigen Vertrag. So einfach ist die Sache dann.“ Zumal sich der Mittelfeldspieler sicher ist, dass sein Kollege wieder voll mitzieht. „Das macht er schon seit Tagen“, so Zé, „das Thema ist jetzt auch durch und Ruud wieder zu 100 Prozent bei uns. Dafür ist er Profi genug. Wer ihn im Training sieht, kann das bestätigen. Da ist Ruud voll dabei – er trifft und tritt wieder wie früher“, so Zé Roberto mit einem Lächeln.

Was uns das Ganze sagen soll? Erstens, Ruud lässt sich nichts anmerken und uns bleibt die Hoffnung auf einen Stürmer in Bestform erhalten. Und zweitens, was mir im Hinblick auf das Nürnberg-Spiel besonders Hoffnung macht, Zé Roberto ist wieder fit. Mental wie körperlich in Topform. Das sagt er zumindest selbst. Einen Wechsel im Winter habe er nie vorgehabt, er werde seinen Vertrag bis Saisonende trotz der Angebote aus Brasilien und den USA (bekanntermaßen der FC Santos und Red Bull New York) erfüllen. Zé: „Ich bleibe auf jeden Fall bis Vertragsende im Sommer. Und ich werde helfen, dass wir unser Ziel noch erreichen.“ Das da heißt Europa League. „Wenn wir unser jetziges Engagement beibehalten, schaffen wir das.“ Denn im Gegensatz zur Hinrunde, wo viele Verletzte die Laune innerhalb der Mannschaft immer wieder runterzogen, ist jetzt Optimismus eingekehrt. „Wir haben alle wieder mehr Spaß, im Training und im Spiel. Das merkt man.“

Vor allem bei ihm. Zé Roberto zählt für mich trotz seiner 36 Jahre noch immer zu den entscheidenden Spielern im Team. Wie gegen Frankfurt. Hat der Brasilianer Lust, lenkt und entscheidet er in einigen Fällen die Partien. Das Gegenteil zeigte er in den letzten Monaten allerdings auch. Zu oft sogar. Alles passé? Zé: „Ja, ich bin fitter als in der Hinrunde.“ Warum? Nur weil der HSV mit Günter Kern einen neuen Fitnesstrainer hat? „Oh ja, Günter ist schon etwas älter und bringt viel Erfahrung mit. Auch wenn wir bei ihm immer nur laufen müssen – das bringt was. Und das merken alle.“

Und einmal dabei, kommt Zé Roberto ins Schwärmen. Er will den Traumstart. Wie ich heute gelesen habe, würde ein dritter Sieg zum besten Rückrundenstart seit 1967/68 (damals unter Trainer Kurt Koch) reichen. „Wir sind alle fokussiert auf das Spiel in Nürnberg. Das und anschließend das Derby müssen wir gewinnen, dann sind wir wieder richtig nah dran“, fordert Zé Roberto, „und wenn wir uns von Spiel zu Spiel orientieren, schaffen wird das auch.“

Optimistische Worte. Sehr optimistische sogar. Doch trotz der großen Zuversicht konnte sich Zé bislang noch nicht dazu durchringen, seinen Vertrag in Hamburg zu verlängern. Im Gegenteil, die meisten rechnen weiterhin mit einem Abgang des vielleicht fittesten 36-Jährigen der Liga. „Ich werde mich in den nächsten ein, zwei Monaten entscheiden“, kündigte Zé heute an und beteuerte, dass seine Entscheidung nicht mit dem Abschneiden des HSV zusammenhängen würde. „Die Tabelle ist egal. Auch Geld spielt keine Rolle. Ich weiß, was ich brauche, um in der Bundesliga zu spielen.“ Womit der Brasilianer die Physis anspricht. Ob er da bei sich Zweifel hat? „Nein, ich bin fit für Deutschland.“ Zumindest körperlich. Denn geistig, so mein über die letzten Monate gesammelter, komplett subjektiver Eindruck, scheint sich der gute Zé eher mit einem etwas ruhigeren, weniger anstrengenden Karriereende zu beschäftigen. Leider.

Aber auch hier gilt ¬- wie schon bei Choupo und Paolo – abwarten.

Das wiederum fällt Mladen Petric in der Regel schwer. Zumindest wenn das bedeutet, dass er zuerst auf der Bank Platz nehmen muss. Eben so, wie gegen Frankfurt und aller Voraussicht nach auch zunächst in Nürnberg. Petric’s Reaktion? Im Training drehte der Kroate heute wieder auf. Wie schon gestern und vorgestern. „Er ist wirklich unheimlich präsent“, lobte auch Veh die Leistung des Linksfußes in dieser Trainingswoche. Ob Petric schon 90 Minuten spielen könnte? Veh: „Vielleicht nicht 90, aber sicherlich schon 70 Minuten.“ Dennoch beließ Veh seinen Torjäger in den Trainingsspielen in der B-Elf.

Zumal Veh davor warnte, in Nürnberg zu offensiv aufzutreten. „Ich habe sie im Pokalspiel gegen Schalke gesehen und fand sie stark. Das war eine Niederlage, die sie nicht zurückwerfen muss. Im Gegenteil, daraus können sie positives ziehen:“ Auch körperlich glaubt Veh trotz der 120 schweren Minuten nicht an einen Nachteil für den FCN: „Das Spiel war am Dienstag. Von Dienstag bis Sonnabend – das geht. Was sollten sonst die sagen, die donnerstags und sonnabends spielen…?“

Veh nimmt die Partie bei den Franken nicht leicht. Im Gegenteil. Das 1:1 aus der Hinrunde ist ihm eine Warnung – wobei der HSV-Coach insbesondere seinem FCN-Pendant Dieter Hecking großen Respekt zollt: „Dieter kriegt das immer gut hin. Schon als er in Hannover Trainer war, war es immer schwer. Er lässt seine Mannschaften immer tief stehen und kontert erstklassig.“ Worte, die Veh übrigens auch warnend vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt aussprach. Und da gewann der HSV weitgehend ungefährdet.

Ein gutes Omen?

Warum nicht? Ich hoffe es, halte mich aber lieber an den Fakten. Und die sagen aus, dass die Mannschaft das Theater um Ruud van Nistelrooy sehr gut verkraftet hat. Gleiches gilt für das Trainerteam und scheint auch für Ruud zu gelten. Zudem meldeten sich heute Marcell Jansen und vor allem Guy Demel zurück, was Veh dazu veranlasste, aus seiner Startelf kein Geheimnis mehr zu machen: „Wir werden wohl so beginnen, wie zuletzt auf Schalke.“

Demnach ist sportlich alles im Lot. Fast alle Spieler – nur Diekmeier und Castelen fehlen weiterhin – stehen wieder zur Verfügung. Veh hat die Qual der Wahl – und ist froh darüber: „Ich freue mich über die Bank.“ Bester Beweis für sein Luxusproblem ist, dass er Joris Mathijsen, obwohl dieser wieder voll im Training steht, gegen Nürnberg noch nicht mal nominieren wird.

Und selbst das Sammer-Theater mit dem unrühmlichen Ende scheint die Klubführung eher zu einen denn zu entzweien.

Klingt alles ganz gut, oder?

In diesem Sinne, bis morgen!

18.52 Uhr

P.S.: Bei der Konterübung im heutigen Training bestachen nicht nur Ruud und Petric – in der Abwehr wusste Gojko Kacar einmal mehr zu gefallen.

Jarolim bricht Lanze(n) für van Nistelrooy

26. Januar 2011

Ich erinnere mich noch ziemlich genau an den 31. August 2010. Da saß ich zuerst bei schönstem Sommerwetter auf der Tribüne des Hoheluftstadions und sah mir den netten Kick des HSV gegen Oberligameister SC Victoria an. Ein faires Spiel, das der HSV am Ende mit 5:1 gewann. Alle waren zufrieden. Lediglich Mladen Petric hatte damals Probleme, weil ihm der Verein aus verschiedenen Gründen die Freigabe für den VfB Stuttgart verweigerte, mit dem er sich schon auf einen Vierjahresvertrag geeinigt hatte. Für ihn eine ähnliche Situation, wie heute bei Ruud van Nistelrooy. „Man merkt ihm schon an, dass er traurig ist“, sagt Petric über seinen Sturmkollegen. Allerdings will sich der Kroate ansonsten nicht weiter zu van Nistelrooy äußern.

Dafür aber David Jarolim. Der Tscheche, der am Sonnabend in Nürnberg bei seinem Ex-Klub voraussichtlich wieder neben Zé Roberto beginnen wird, bricht eine Lanze für van Nistelrooy. Oder sind es sogar zwei, drei? „Wahrscheinlich hat ihn Real Madrids Trainer José Mourinho persönlich angerufen – das nimmt jeder Spieler anders wahr, ich habe dafür Verständnis.“ Jarolim sieht in der Angelegenheit kein Problem. Der Mittelfeldspieler glaubt nicht daran, dass sich van Nistelrooy ob seiner Verärgerung hängenlässt. „So ist der nicht. Der war von der ersten Sekunde an hier absolut Profi. Ruud hat von Beginn an bis heute immer alles gegeben.“ Bestes Beispiel dafür sei das Schalke-Spiel gewesen. „Da war er fast schon auf dem Heimweg und macht am nächsten Tag das entscheidende Tor gegen Schalke. Nein, bei Ruud ist das sicher eine ganz besondere Situation. Aber er ist ein Typ komplett ohne Starallüren, er ist ein Familienmensch und verhält sich bei uns immer tadellos. Er wird uns in der Rückrunde weiterhelfen.“

Dabei hatte van Nistelrooy heute in einem Interview mit der spanischen Zeitung „Marca“ keinen Hehl daraus gemacht, dass er enttäuscht über die Entscheidung des HSV war. Der geplatzte Deal zu seinem Ex-Verein, bei dem er von Sommer 2006 bis Januar 2010 unter Vertrag stand, sei „ein großes Ärgernis. Gegen die Fans, meine Mitspieler oder den Trainer kann ich nichts sagen. Es war der Verein, der die Entscheidung getroffen hat. Ich habe den HSV inständig darum gebeten, es mir zu erlauben, meinen Traum zu erfüllen. Aber nun bleibe ich in Hamburg, auch wenn mein Herz für Madrid schlägt.“ Worte, die nicht unbedingt den Gedanken aufdrängen, dass van Nistelrooy darauf brennt, sich für den HSV aufzuopfern.

„Solche Sätze fallen schon mal, wenn man so emotional ist wie Ruud im Moment. Aber die zählen oft nur zwei Tage.“ Aber dennoch können solche Stimmungslagen – gerade von den Führungsspielern – innerhalb einer Mannschaft das Klima verschlechtern. Ob er als Führungsspieler das Gespräch mit van Nistelrooy suchen werde? Jarolim lacht und verneint: „Das brauche ich nicht, so ist Ruud nicht. Ich glaube sogar, dass er jetzt befreiter ist als vorher. Vielleicht nicht hundertprozentig zufrieden, aber er wird es akzeptieren und wieder alles geben. Er ist wieder voll auf den HSV fokussiert.“ Jarolim betont, dass sich van Nistelrooy innerhalb der Mannschaft und bei ihm einen besonderen Status erarbeitet hat: „Das wäre bei einem Spieler, der schon seit Jahren hier ist eine andere Nummer – dem würde ich wahrscheinlich eine aufs Maul hauen. Aber hier mache ich mir keine Sorgen. Im Gegenteil.“

Dennoch scheint eine wichtige Nachricht in der Causa van Nistelrooy/Real Madrid bei den Spielern angekommen zu sein. „Es ging hier nicht um einzelne Parteien“, sagt Jarolim, „es ging für Ruud nicht gegen den HSV oder umgekehrt. Ich glaube, der Verein hat gesehen, dass Ruud fit ist und uns weiterhelfen kann. Und er hat mit der Entscheidung ein Zeichen gesetzt, dass es so nicht geht, wenn man einen Vertrag hat.“ Und das sei auch gut so.

Stimmt. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Außer, dass Ruud heute im Training engagiert dabei war. Zwar konnte er sich beim 1:1 im kurzen Abschlussspiel nach einer Laufeinheit nicht als Torschütze eintragen (Für A traf Pitroipa – Guerrero traf für die Reservisten), aber er gefiel durch Einsatz. Ebenso wie Mladen Petric, der im Reservistenteam zu den Besseren zählte.

Apropos, nur, weil es heute auffiel: zuletzt hatte ich immer wieder geschrieben, dass der HSV auch von der Bank aus mit mehr Qualität als in der Hinrunde aufwarten kann. Und wenn Ihr Euch das heutige B-Team anseht, werdent Ihr mir wahrscheinlich Recht geben: Drobny – Benjamin, Mathijsen, Stepanek (Besic fehlte), Jansen – Tesche, Trochowski – Choupo-Moting, Guerrero, Torun – Petric. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese B-Elf auch im Bundesliga-Alltag eine gewichtige Rolle spielen könnte.

Aber egal, zurück zur Realität. Und da fehlte heute nur noch Guy Demel. Der Ivorer, der in den letzten Tagen an Grippe gelitten hatte, absolvierte heute eine Sondereinheit im Kraftraum und soll morgen voraussichtlich wieder ins Training einsteigen. Dafür war Pitroipa wieder dabei und rückte auf die Position im rechten Mittelfeld. David Jarolim ersetzte derweil wie erwartet Piotr Trochowski auf der zweiten Sechs neben Zé Roberto. Am auffälligsten aber – neben der wie gewohnt perfekten Schusshaltung Trochowskis (das musste sein 😉 – agierten ausgerechnet die beiden Akteure, bei denen noch über einen kurzfristigen Verkauf sinniert wird: Choupo-Moting (1. FC Köln ist interessiert) und Torun (der VfB Stuttgart hat Interesse). Der Erstgenannte erhielt von Trainer Armin Veh inzwischen grünes Licht für einen Wechsel, während Torun bleiben soll. Allerdings gab es heute keine neuen Angebote.

Dafür mal wieder neue, unnötige Baustellen. Diesmal weder von mir erfunden noch vom Aufsichtsrat produziert, diesmal meldete sich Klaus-Michael Kühne zu Wort. Und das sehr kritisch. „Gerade von der sportlichen Seite war das Management nicht so, wie sich das gehört für einen Spitzenverein“, sagte der Logistik-Unternehmer im Hörfunksender NDR 90,3. Der HSV müsse sein Image verbessern, „um wieder attraktiv für Top-Spieler zu werden“. Und Kühne ging sogar noch weiter. Der 73-Jährige kritisierte öffentlich die vielen Verletzten und hatte per Ferndiagnose auch schon die Lösung parat, die zahlreiche studierte Mediziner und Sportwissenschaftler in Hamburg nicht ergründen konnten. Die Schuld läge „in der ärztlichen Betreuung und in den Trainingsmethoden“.
Aha. Na dann. Hätte Kühne das mal in der Hinrunde schon verraten…
Zudem kritisierte der Investor, der HSV hätte sich beim Thema Rafael van der Vaart weiter strecken müssen. Kühne träumt, wie er sagt, nach wie vor von einer Rückkehr des Mittelfeldstars. Dem HSV fehle ein Regisseur, so Kühne.
Kühne mag ja Recht haben. Und auch ich würde mich freuen, wenn Rafael wieder beim HSV aufzieht. Aber die Frage, die sich mir stellt: Warum kauft Kühne van der Vaart nicht für den HSV? Er selbst wiederholte auch heute wieder, dass es ihm bei der 12,5-Millionen-Investition nicht darum ging, Geld zurückzubekommen. Im Gegenteil, er selbst rechnet nach eigener Aussage nicht mal mehr damit. Und schon im Sommer hatte der selbsternannte HSV-Fan immer wieder von einer Rückholaktion des Niederländers gesprochen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich irgendjemand beim HSV dagegen wehren würde, wenn van der Vaart fremdfinanziert Tore für den HSV schießen würde.
Obwohl, das muss hier noch mal erwähnt werden, Bruno Labbadia 2009 davon sprach, van der Vaart würde nicht in sein System passen. Der Spieler selbst nahm es damals mit Verwunderung zur Kenntnis. Er soll sogar enttäuscht und beleidigt gewesen sein. Und ein Jahr später, im vergangenen Sommer, erinnerte sich der Niederländer daran. Allerdings, um hier mal den HSV in Schutz zu nehmen, die Hamburger hatten nie wirklich eine Chance. Sie hatten vorsichtig bei Rafael vorgefühlt und erfahren, dass sie ob des verpassten internationalen Wettbewerbes trotz der emotionalen Verbundenheit van der Vaarts nicht erste Wahl seien.
Das Zeitfenster für den HSV für mögliche Verhandlungen soll sich eh auf ganz wenige Tage beschränkt haben. Schließlich hatte sich bereits der FC Liverpool gemeldet. Neben einem opulenten Gehalt gab es dort internationalen Fußball 2010/2011. Dass es am Ende doch Tottenham wurde lag an Real Madrid. Die hatten sich mit den gebotenen 18 Millionen Euro Ablösesumme der Liverpooler nicht anfreunden können. Als es dann kurz vor Toresschluss plötzlich den Rückzug des FC gab und sich Tottenham meldete, waren den Madrilenen die dann gebotenen zehn Millionen Euro lieber als nichts zu bekommen. Das Ganze spielte sich übrigens tatsächlich am allerletzten Tag der Transferperiode ab, womit sich der Kreis des heutigen Blogs schließt. Denn der war am 31. August 2010, als der HSV 5:1 gegen Victoria gewann. Und Mladen Petric meckerte.
Aber das ist Schnee von gestern. Heute steht Petric laut Veh vor der besten Rückrunde seiner Karriere. Der Spieler selbst ist wieder glücklich beim HSV und die Mannschaft gewinnt. Auf und neben dem Platz.

In diesem Sinne: hoffen wir, dass die Mannschaft ihre Form konserviert – und sich das Umfeld dem Niveau endlich anpasst.

19.40 Uhr

P.S.: Achtung, bitte vormerken! Am 18. März ist es wieder soweit. Ab 19 Uhr feiern wir in der Raute das nächste “Matz-Ab“-Treffen. Je mehr Blogger kommen, desto schöner! Der Gastgeber Dieter und ich freuen uns auf Euch!

Der Konkurrenzkampf hinterlässt Spuren

25. Januar 2011

Endlich rückt das Sportliche wieder in den Fokus. Es zählt nur noch die Partie in Nürnberg. Dafür suchte Trainer Armin Veh vor dem Training am Vormittag noch einmal das Gespräch mit Ruud van Nistelrooy, um sich nach seinem Befinden zu erkunden, nachdem der HSV das Thema Real Madrid und den Wechsel seines Topstürmers endgültig für erledigt erklärt hatte. Sehr zum Ärger des Niederländers, dem nachgesagt wird, er hätte sogar einen Teil der Ablösesumme selbst zahlen wollen, nur um sich den Wunsch Madrid zu erfüllen. Dennoch ist sich Veh auch nach dem Gespräch sicher, dass Ruud seine Leistung uneingeschränkt bringen wird. Der HSV-Coach sieht das finale Nein des HSV zu einem Transfer sogar als eine Art Befreiung für seinen Angreifer an und meint, der Torjäger kann mit der Gewissheit hier bleiben zu müssen jetzt sogar besser leben als weiterhin im Unklaren zu sein. Wer allerdings das heutige Vormittagstraining gesehen hat, der könnte anderer Meinung sein: Van Nistelrooy traf teilweise das leere Tor nicht und scheiterte mehrfach an Drobny. Zudem ließ er sich zu einer harten Grätsche gegen Torun hinreißen, mit dem er ja in der Kabine schon mal aneinander geriet. Purer Frust!

War van Nistelrooy einfach nur unkonzentriert? Oder doch unmotiviert? Oder hat er einfach nur einen schlechten Tag gehabt?

Ich hoffe, dass der Auftritt heute Morgen wirklich seiner Enttäuschung geschuldet war. Ähnlich wie seine Trainingsleistung vor knapp zwei Wochen, als er erstmals vom Real-Angebot und der Absage des HSV gehört hatte. Damals legte Ruud eine Einheit hin, die lebloser kaum sein konnte.

Ich glaube allerdings nicht, dass ihm das gegen Nürnberg auch noch anzumerken sein wird. Dafür ist van Nistelrooy zu sehr Profi. Vielleicht läuft es ja sogar ähnlich wie vor zwei Wochen, als er auswärts gegen Schalke das Siegtor beisteuerte. Fehlende Wertschätzung beim HSV wird Ruud jedenfalls nie vorhalten können. Immerhin betonte Veh noch mal, dass bei ihm zwar jeder Spieler seine Chance bekäme, aber ein fitter Ruud van Nistelrooy immer gesetzt sei. Trotz allem ließ van Nistelrooys Berater Rodger Linse durchblicken, dass sein Schützling den Vertrag im Sommer nicht verlängern wird. Schön zu sehen: Trotz allen Frusts, beim Trainingsturnier am Nachmittag war van Nistelrooy dann wieder der alte Ruud – und er eröffnete den Torreigen. Auch sonst ging es im Training heute richtig gut zur Sache: Gojko Kacar und Eljero Elia wirkten hochmotiviert, versuchten viel – und bekamen beide ordentlich auf die Socken. Beide konnten aber nach kurzer Schmerzpause weitermachen.

Wieder mitmachen konnte Joris Mathijsen. Und der Niederländer meckerte und dirigierte schon wieder, als sei er nie weggewesen. Lauter war eigentlich nur Frank Rost, der den wieder genesenen Marcell Jansen lautstark anpackte. Dieser hatte zuvor seine Mitspieler kristisiert, nachdem sie erneut leichtfertige Fehlpässe fabriziert hatten. Allerdings hatte Jansen seine Rechnung ohne Rost gemacht. Von dem bekam Jansen zu hören, er sollte mal ganz ruhig sein, wo er doch nur drei Mal im Monat auf dem Trainingsplatz stehe. „Komm doch her mit deiner lauten Klappe“, entgegnete Jansen. Der Disput ging erst über den halben Platz, ehe sich Jansen im Sprinttempo in Richtung Rost begab und mit einer angedeuteten Kopfbewegung auf Rost zulief – Veh unterbrach das Spielchen und schickte die gesamte Mannschaft eine Runde um den Platz zum Abkühlen.

Was erst sehr heftig aussah, versuchten sowohl Veh als auch Jansen nach dem Training zu relativieren: „Ist doch gut, wenn mal n bisschen Spannung aufkommt“, sagte der Linksfuß. Und Recht hat er: Lieber kurzzeitig voller Adrenalin, als leblos auf dem Platz wie so einige Male bei der ganzen Mannschaft in der Hinrunde gesehen. Ein Indiz für einen funktionierenden Konkurrenzkampf ist auch, dass es im Training auch mal etwas rauer zur Sache geht. Körperlich wie verbal.

Der HSV ist sportlich weiter auf Kurs. Bestes Beispiel dafür war Marcell Jansen, der anstatt sich in Wortgefechten zu ergeben, die beste Antwort gab und seinem Keeper beim Spielchen dafür einige einschenkte. Sehr zum Ärger von Rost, den nicht nur das zur Weißglut trieb. Beim Sechs-gegen-Sechs haderte der Torwart immer wieder mit den Abwehrspielern seines jeweiligen Teams, bis ihm der Kragen platzte „Sag mal bist du besoffen?“, giftete er in Richtung eines Abwehrspielers (Kacar oder Stepanek? War nicht zuzuordnen…) – woraufhin der Trainer die Einheit mit den Worten „Gut trainiert, Jungs“, endgültig beschloss.

Nicht dabei war heute Demel. Der Ivorer musste die Einheit wegen einer Grippe ausfallen lassen, soll aber für das Spiel gegen Nürnberg zur Verfügung stehen. Ebenfalls nicht dabei war Pitroipa, der sich noch mit seiner Oberschenkelverletzung aus dem Frankfurt-Spiel herumplagt. Auch er soll am Sonnabend wieder zur Verfügung stehen. Und während Demel trotz des vernünftigen Auftritts von seinem Vertreter Tomas Rincon am vergangenen Freitag als gesetzt gilt, deutete Veh an, auf Pitroipas Position mehrere Alternativen zu haben. So wie sich der HSV-Trainer heute anhörte, könnte die Mannschaft in Nürnberg ein leicht verändertes Gesicht bekommen: immerhin scharrt niemand geringeres als Mladen Petric mit den Hufen.

Und Veh würde den Kroaten nach dessen starken 45-Minuten-Auftritt gegen Frankfurt nur zu gern unterbringen. Und sollte Pitroipa auch morgen nicht voll trainieren können, könnte ich mir vorstellen, dass der Trainer Petric in der Spitze neben van Nistelrooy aufstellt und Ben-Hatira auf die rechte Seite rückt. Wie zuletzt gegen Frankfurt in Hälfte zwei. Denn Veh betonte heute noch mal, dass die beiden für ihn als Doppelspitze durchaus funktionieren können. „Bis Oktober habe ich gebraucht, um Mladen klarzumachen, dass er mehr Laufarbeit leisten muss, aber jetzt hat er es verinnerlicht. Wenn wir schnelle Außenspieler haben, ist das ein Topduo.“ Bis auf die vermutete Rückkehr von Jarolim als zweiten Sechser neben Zé Roberto wird sich der Rest der Startelf wohl nicht verändern, denn sowohl Mathijsen als auch Guerrero und Benjamin kommen aufgrund ihres verletzungsbedingten Rückstandes lediglich für die Bank in Betracht – und auch das sei nach Aussage des Trainers noch lange nicht gewiss.

Die Konkurrenzsituation verschärft sich also wieder, was dem Team im Endeffekt eigentlich nur gut tun kann. Zumindest scheint das bislang der Fall zu sein. Eine Gefahr sieht Veh allein in der überbesetzten Offensive, weshalb er jetzt offiziell grünes Licht für einen Wechsel eines Angreifers in der Winterpause gegeben hat. In Frage kommen dafür nur Tunay Torun und Eric Maxim Choupo-Moting. Und wenn man mitbekommt, wie positiv sich Veh auch heute wieder über den jungen Türken geäußert hat („Ich habe nie geglaubt, dass er so stark ist“), dürfte es wohl den Kameruner treffen. Bei dem jungen Angreifer könnte der HSV eine Option auf Verlängerung des im Sommer auslaufenden Vertrages ziehen, müsste allerdings im selben Moment auch das Gehalt anheben. Und dem Vernehmen nach will die Klubführung das nicht. Soll heißen: Entweder ein neuer Interessent gibt ein passendes Angebot für Choupo ab oder der 1. FC Köln bessert sein angemeldetes Interesse an dem 21-Jährigen nach. Klar ist: In beiden Fällen würde der HSV seinen jungen Angreifer ziehen lassen, während Veh im Fall Tesche sein Veto eingelegt hat. Hannover 96 wollte den defensiven Mittefeldspieler verpflichten, doch der Trainer will ihn als defensive Alternative unbedingt behalten. Zumal Veh defensiv noch immer Nachbesserungsbedarf sieht. Veh wollte eigentlich noch eine weitere Defensivkraft für seinen Kader haben, doch der Verein hat seinem Coach jetzt mitgeteilt, keinen Spieler mehr im Winter verpflichten zu wollen/können.

Glücklich scheint der Coach darüber nicht, aber er nimmt die Entscheidung hin. „Wenn niemand auf dem Markt ist, können wir eben auch keinen holen.“ Allerdings birgt das Szenario eine Gefahr. Kacar ist sicherlich zu loben, allerdings hat der Serbe auf der Position des Innenverteidigers gerade mal zweieinhalb Spiele gemacht – gegen Amsterdam mäßig, gegen Schalke stark und gegen Frankfurt nicht zu bewerten. Ihn jetzt schon als 1-A-Alternative zu kategorisieren, halte ich für verfrüht. Allerdings kehr mit Mathijsen „Mr. Zuverlässig“ zurück, weshalb ich die größte Baustelle weiterhin hinten rechts sehe: Demel muss bei diesem Kader ja fast schon jedes Spiel machen. Und er spielt das mal recht, mal schlecht. Rincon (obgleich zuletzt sehr ordentlich) und Tesche haben immer wieder bewiesen, dass das nicht ihre Position ist. Und mit Benjamin ist leider nicht verlässlich zu planen, da er immer wieder verletzt ist. Eben leider genau so wenig wie mit Dennis Diekmeier, der verletzungsbedingt weiterhin auf sein Debüt beim HSV warten muss.

Der HSV hat auch heute wieder zwei Mal trainiert, wie schon häufiger in der Rückrunde. Und das scheint sich auszuzahlen: Beim Blick auf die Datenbanken wird ersichtlich, dass die Mannschaft im Schnitt einen Kilometer mehr läuft als noch in der Hinrunde. Einen wesentlichen Teil dazu beigetragen hat mit Sicherheit der von den Spielern für seine harten Konditionseinheiten „gehasste“ wie gelobte Fitnesstrainer Günter Kern. Aber auch die neue Konkurrenzsituation scheint den Spielern Beine zu machen. Keiner darf sich seiner zu sicher sein, hinter jedem Spieler scharrt ein Konkurrent mit den Hufen. Ergo: Nie war man in dieser Saison nach einer schwachen Leistung schneller wieder auf der Bank als jetzt…..

Die besten Werte hat übrigens – das wird die wenigsten überraschen, die die letzten Spiele live gesehen haben – Änis Ben-Hatira. Der Junge reißt nicht nur die meisten Kilometer ab sondern macht auch die meisten Sprints. Der Deutsch-Tunesier sprach heute auch kurz mit uns und wirkte dabei trotz der letzten guten Auftritte sehr überlegt und zurückhaltend. Er habe erst zwei Spiele gemacht, das sei alles. Und zur Not würde er auch 50 Kilometer pro Spiel laufen, um der Mannschaft zu helfen. Allerdings gingen die Unruhen in Tunesien nicht spurlos an ihm vorbei, da bis auf seine Eltern und seine Geschwister seine gesamte Familie noch in dem Land leben würden. „Das habe ich immer im Hinterkopf“.

Dennoch, Änis ist und bleibt für mich – zusammen mit Kacar – die positivste Überraschung der Rückrunde. Der Junge galt 2007 als das größte Talent Deutschlands (damals sogar vor Mesut Özil), startete beim HSV allerdings schwach und galt schnell als gescheitert. Damals für meine Begriffe sogar zu schnell. Als er dann auch in Duisburg bitter scheiterte, dachte ich, das würde nichts mehr. Und ganz ehrlich, das machte mich damals traurig, weil ich Änis als 18-Jährigen gesehen hatte und mir damals sicher war, dass dieser Junge einmal ganz groß beim HSV rauskommen würde. Leider fehlte ihm damals die mentale Reife, die er jetzt endlich hat. Er hatte ein Problem, das heute auch Choupo-Moting nachgesagt wird. Und ganz ehrlich: ich hätte nichts dagegen, wenn Choupo in zwei, drei Jahren wieder zum HSV zurückkehrt und ähnlich aufdreht.

In diesem Sinne: Bis morgen.

19.15 Uhr

Schulterschluss – aber bitte an allen Fronten!

24. Januar 2011

+++++aktualisiert mit einem Hinweis auf eine neue Internetseite am Textende+++++

Endlich mal nichts. Einfach nur Fußball. Wenn auch nur von den Reservisten, denn die Stammspieler hatten heute frei. Aber eben einfach, ohne Streit. Und nur Fußball. Kein neues Fass wurde geöffnet, dafür waren die ein, zwei geschlossenen Baustellen deutlich erkennbar. Van Nistelrooy bleibt endgültig. Darauf hat sich Vorstandsboss Bernd Hoffmann nochmals klar festgelegt. Und Bastian Reinhardt ist der neue, alte starke Mann im sportlichen Bereich. Das hat Aufsichtsratsboss Ernst-Otto Rieckhoff in den letzten Tagen nach der Absage aller Absagen von Matthias S. wiederholt betont. Und das hat die Aussprache mit Trainer Veh am Sonnabend nochmals bestätigt. Ergebnis des Gesprächs war, dass Hoffmann verkündete, „es war ein konstruktives Gespräch. Ich denke, dass solche Probleme nicht mehr auftreten.“ Zuvor hatte Veh Reinhardt als vermeintlich noch zu unerfahren betitelt – und sich so dessen Verärgerung zugezogen. „Wir müssen jetzt alle Kräfte bündeln. Ich verlange, dass miteinander nicht übereinander in der Öffentlichkeit gesprochen wird.“

Mahnende Worte, die an Veh gerichtet waren. Und Worte, die Teamplayer Veh verstanden haben wird. Denn auch der Trainer weiß, dass es jetzt nicht nur für Reinhardt darum geht, seine eigene Position zu stärken. Auch alle Beteiligten müssen ihren Sportchef, der durch das linke Spiel des quasi einzig Titelfähigen Fußball(-lehr)ers Deutschlands (Sammer am Sonntag bei Sky 90 bescheiden: „Den letzten Titel haben wir mit U-Teams geholt. Den letzten Nationalmannschaftstitel mit dem Spieler Sammer. Und der letzte persönliche Titel ging – glaube ich – auch an mich“) in seiner Autorität geschwächt worden war, unterstützen. Denn, und das ist für mich eine der Lehren des Wochenendes: Loyalität und Ehrlichkeit sind zwei Attribute, auf die man im Profifußball nicht mehr zählen darf – und wenn man sie wie beim HSVer Reinhardt doch mal vorfindet, sollte man sie mit allen Mitteln schützen und stützen.

Zumal klar ist, dass der HSV kurzfristig keinen neuen starken Mann präsentieren kann. Wie auch? Welcher Manager der ersten Kategorie will sich selbst nachsagen lassen, eigentlich nur als zweite Wahl geholt worden zu sein, nachdem ganz (Fußball-)Deutschland mitbekommen hat, wie der sich selbst als so geradlinig beschreibende, aber seit dieser Posse als wankelmütig geltende Sammer den HSV mit fadenscheinigen Begründungen gelinkt hat. Nein, der HSV hat keine Auswahl.

Aber der HSV hat eine Alternative.

Er kann Reinhardt zum großen Gewinner machen. Besser: Reinhardt kann sich mit den richtigen Entscheidungen in den nächsten Wochen selbst zum Gewinner aufschwingen. So wie einst Dietmar Beiersdorfer dürfte auch er als Manager-Novize jetzt die Zeit haben, die er braucht, um beim HSV etwas zu bewegen. Wie bereits erwähnt, stehen 21 Personalentscheidungen zur neuen Saison an. Zuzüglich derer, die neu dazukommen. Da wäre es fahrlässig, den sportlichen Entscheidungsträger nicht mit allen Kompetenzen auszustatten und ihn mit allen Mitteln zu stärken. Was er daraus macht, ist dann wiederum in seiner Verantwortung.

Es muss endlich die Harmonie her, die lange Zeit gefehlt hat. Was alle Entscheidungsträger der Mannschaft im Laufe der Hinrunde vorgeworfen haben, wird den Klub-Oberen jetzt von eben jenen vorgelebt: Geschlossenheit. Die Mannschaft präsentiert sich in der Rückrunde in sich gestärkt. Zwei Siege, null Gegentore. Selbst die viel diskutierte personelle Lücke in der Innenverteidigung wurde beachtlich gut geschlossen – und das ausgerechnet mit Gojko Kacar, der von vielen schon in der Hinrunde als Fehleinkauf abgeschrieben worden war. Kurzum: es läuft. Sportlich.

Hier im Blog wurde vereinzelt von einer „Jetzt-erst-recht“-Situation geschrieben. Und ich glaube, damit liegen wir goldrichtig. Das Fundament ist mit zwei Siegen aus zwei Spielen gelegt. Es sind drei Punkte auf Mainz und den Europa-League-Rang, nur vier Punkte auf Hannover, das einen Champions-League-Quali-Rang belegt. Und es sind auch „nur“ sechs Punkte auf Bayer Leverkusen und den zweiten Rang, der zur direkten Teilnahme an der Champions League berechtigt. Und jetzt geht‘s zuerst auswärts zum 1. FC Nürnberg und anschließend kommt der HSV-Pflichtsieg in die Imtech-Arena: der FC St. Pauli. Soll heißen, hier sind – bei allem Respekt vor den Gegnern – tatsächlich wieder sechs Punkte drin. Zumindest bin ich mir sicher, dass das der Anspruch der Spieler samt Trainerteam ist. Und da parallel Hannover und Leverkusen sich gegenseitig im direkten Duell die Punkte abnehmen, könnte der Anschluss an die oberen Ränge noch enger geknüpft werden. Ein Szenario, das vor wenigen Wochen noch weniger Leute dem HSV zugetraut hatten.

Aber ok, ich gerate hier ins Träumen. Bleiben wir bei der Realität. Die Chance ist groß.

So groß wie lange nicht. Der am Freitag noch angeschlagen wirkende Rieckhoff hat den selbst ernannten Sonnenkönig des DFB am langen Sonntag argumentativ ins Abseits gestellt (Respekt!) und das öffentlich am Freitag noch arg angekratzte Bild des HSV den Umständen entsprechend maximal möglich regeneriert. Reinhardt erhielt vom Aufsichtsrat die Absolution und verpflichtete sich selbst mit starken Worten zu noch stärkerem Auftreten. Und selbst der Disput von Veh und Reinhardt wurde diplomatisch beendet. Und innerhalb der Mannschaft herrscht Aufbruchstimmung. Die Defensive hat die lange vermisste Sicherheit wiedergefunden, das Mittelfeld wird wieder von einem erstarkten Zé Roberto geführt. Die Außenstürmer Elia und Pitroipa werden zunehmend stärker und hinter der einzigen Spitze Ruud van Nistelrooy trumpft mit Änis Ben-Hatira ein Spieler auf, der eben noch komplett abgeschrieben war und jetzt wahrscheinlich am heißesten von allen ist. Zudem kehren mit Marcell Jansen und Joris Mathijsen schon in Nürnberg zwei Spieler der Kategorie Leistungsträger zurück, während sich Mladen Petric so zurückgemeldet hat, wie ihn alle kennen und sich ihn wünschen: als Torschütze. Vor zwei Wochen hatte ich geschrieben, es sei endlich wieder „mehr Qualität vorhanden – auch auf der Bank“. Dieser Zustand gilt immer noch. Sogar mehr denn je.

Wir können alle zufrieden sein, uns mit den Umständen arrangieren und vielleicht am Ende doch noch den Erfolg einfahren, den wir uns am Saisonanfang erhofft hatten.

Stellt sich mir und wie ich in etlichen Beiträgen und Emails bekundet bekam auch einigen von Euch noch die Frage, wie wir hier miteinander umgehen wollen. Ich habe lange mit mir gerungen, es hier überhaupt zu erwähnen, aber letztlich wurde ich dazu von verschiedenen Leuten bewogen, denen der Blog ähnlich stark am Herzen liegt wie mir.

Was hier speziell am Sonnabend im Blog geschrieben wurde, wirft ein ganz schlechtes Bild auf diesen Blog. Ich werde mich hüten, einzelne Namen oder anonyme Nicks zu nennen. Aber die Beschriebenen werden sich angesprochen fühlen. Und dass sich einige von Euch bei meinen Vorgesetzten und bei Dieter als Blogvater beschweren, ist – und das meine ich auch so – Euer gutes Recht. Allerdings erschließt sich mir in diesem Fall der Grund dafür nicht. Denn, mir vorzuwerfen, ich sei kein HSVer mehr und würde nur noch als Journalist schreiben, ist kein Vorwurf. Natürlich bin ich Journalist! Und ich schreibe auch nicht für den HSV sondern bin ein Angestellter des Axel Springer Verlages. Und in dieser Funktion bin ich HSV-Berichterstatter. Dass ich seit ich denken kann Anhänger des HSV bin, darf in dieser Funktion nur dann eine Rolle spielen, wenn es mir den Blick fürs Wesentliche nicht vernebelt.

Soll heißen: wenn beim HSV Murks gemacht wird, recherchiere ich die Hintergründe und nenne das Übel beim Namen. Damit Ihr informiert seid. Meine Aufgabe ist, Euch so früh es geht mit einem Maximum an Hintergrundinformationen und Erklärungen zu versorgen. Das gilt selbstredend auch für den Fall, das beim HSV Erfreuliches passiert. Dann lobe ich die Mütter/Väter des Erfolges.

Aber ich werde hier nicht die rosarote Brille aufsetzen und weggucken, wenn mal etwas nicht passt. Wie am Sonnabend. Da ergab sich, dass ein verärgerter Reinhardt ein ernstes Gespräch mit Veh ankündigte. Zu lesen zuerst hier im Blog.

Und was passiert?

Ich werde von einigen von Euch als „Brandstifter“ und „Schmuddeljournalist“ beschimpft. Immer wieder wurde ich sogar aufgefordert, mich zu entschuldigen, weil ich die „Ente“ um eine Sammer-Verpflichtung aufgeschrieben hatte. Dass dies keine Ente war, und neben mir auch zwölf Aufsichtsräte sowie der Vorstand sicher davon ausgingen, dass alles klar geht, ist klar. Und weshalb hier alle Berichterstatter sowie die Verantwortlichen falsch lagen, dürfte spätestens seit Sammers Auftritt am Sonntag und den Beteuerungen des HSV-Aufsichtsrates allen klar sein.

Gleiches gilt für den Streit zwischen Veh und Reinhardt. Wieder wurde ich als Unruhestifter beschimpft. Dass sich sogar HSV-Boss Hoffmann zu einer Aussprache genötigt sah und das Thema öffentlich in allen Medien behandelt wurde, dürfte geklärt haben, dass das im Blog beschriebene definitiv ein relevanter Vorgang war. Den habe nicht ich erfunden, produziert oder gar heraufbeschworen – der ist vom HSV und seinen Protagonisten höchstselbst produziert worden. Ich habe Euch lediglich über diesen Vorgang informiert. Und das wie im Fall Sammer eben einfach nur zuerst. Obwohl die Kollegen von Mopo und Bild zugegebenermaßen den gleichen Informationsstand hatten – dem schnellen Medium Internet sei Dank.

Fazit: ich werde nie beanspruchen, immer richtig zu liegen. Ich werde aber immer für mich beanspruchen, das aufzuschreiben, was beim HSV passiert. Ob‘s angenehm ist oder nicht. Wer damit nicht klarkommt, den bitte ich darum, dem Blog fernzubleiben und denjenigen freie Fahrt zu lassen, die sich auch inhaltlich mit dem HSV auseinandersetzen wollen.

Zum Glück sind die hier deutlich in der Überzahl.

In diesem Sinne: Lasst uns nicht nur vom HSV den Schulterschluss aller erwarten, lasst ihn uns zuallererst selbst praktizieren.

20 Uhr

P.S.: Noch ein guter Tipp in eigener Sache:

Ab sofort könnt Ihr Euch auf www.abendblatt.de auch über den Fußball in der Türkei informieren. Entwickelt hat die Website Engin Sakarya, ein Schüler aus Billstedt. Dessen Vater Vasif, seit 1971 in Hamburg, hat früher auf Kurzwelle nach Nachrichten über den türkischen Fußball gekurbelt. Jetzt haben die beiden die Seite “TRgol.de” gebaut. TR ist das Länderkennzeichen für die Türkei, gol bedeutet auf Türkisch “Tor”. Natürlich dürft Ihr hier keine perfekte und total aktuelle Website erwarten. Engin macht das alles in seiner knappen Freizeit. Mich begeistert aber dieses Projekt. Es ist für mich ein Musterbeispiel für Integration. Da macht sich einer richtig Arbeit, damit der Fußball aus seiner Heimat hierzulande mehr Aufmerksamkeit erfährt. Derzeit hat er übrigens einen echten Knüller auf seiner Startseite. Thomas Doll spricht über seiner Erfahrungen als Trainer in der Türkei. Wenn Ihr lesen wollt, was unser Thomas zu sagen hat, klickt einfach auf www.abendblatt.de/tuerkeifussball. Ihr findet den Reiter “Türkischer Fußball” auch auf der Sportseite auf www.abendblatt.de. Viel Spaß!

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