Tagesarchiv für den 28. Dezember 2010

…das kann doch nicht wahr sein….

28. Dezember 2010

Unsachlichkeit erhält Einzug. Es wird mal so richtig schön gepöbelt. Über mich. Nicht, dass das grundsätzlich ein Problem für mich ist, das kenne ich sogar. Und damit kann ich in der Regel auch gut umgehen. Zumal ich einen öffentlichen Blog schreibe und hier anonym gepostet werden kann. Außerdem hatte ich ja schon befürchtet, dass hier eine derart heiß diskutierte Zeit wie jetzt, so kurz vor der Jahreshauptversammlung, nicht schadlos am Blog vorbeizieht. Aber auf diese Art? Nein, nicht mit mir!

Unsachlichkeit werfen mir hier einige vor. Weil ich Zahlen nenne, die nachweisbar richtig sind? Okay! Ich solle mich entschuldigen. Populistisch sei das schließlich, was ich geschrieben habe.

Was denn bitte? Dass sich in diesem Verein alle zuallererst um die verfahrene Situation kümmern sollen, um einen drohenden Sturz in die Mittelmäßigkeit zu vermeiden? Wenn Ihr das populistisch nennt, dann bin ich ein Populist.

Aber ganz ehrlich, ich gehe sogar noch weiter: diejenigen, die hier versuchen, mich als Demagogen darzustellen, die mir mit meinem Blog ein politisches Ziel unterstellen, die mir unsauberen Journalismus vorwerfen, das sind diejenigen, die Politik machen.

Denn: Die 20 Millionen Verbindlichkeiten sind Fakt. Dem stehen nach jetzigem Stand
schon in der kommenden Saison keinerlei Einnahmen aus Verkäufen gegenüber. Klingt nicht nur übel. Das ist auch so. Oder gibt es da auch eine andere Betrachtungsweise? Vergleiche mit Vereinen wie Schalke und Dortmund, die noch mehr Verbindlichkeiten haben zu nehmen, um sich selbst gut zu fühlen? Nein, das wäre populistisch. Oder hätte ich schreiben sollen, „es sind nur 20 Millionen Euro Verbindlichkeiten, da hat ja selbst Manchester United mehr, das kriegen wir Hamburger doch mit ein zwei Verkäufen schnell geradegerückt“?

Obwohl, na klar! Lasst uns doch die Zeit nutzen, wirklich alles schönzureden, den Finger nicht mehr in die Wunde zu legen. Lasst uns doch alle zusammen „Wer wird Deutscher Meister singen“ und jeden, der etwas anderes behauptet, den machen wir nieder. Erst mal verbal. Das wäre dann mal so richtig investigativ! Das wäre geradezu konstruktiv! So retten wir den HSV.

Wobei, wovor retten? Noch ist ja nichts verloren, es ist doch eigentlich gar nichts los…

Merkt Ihr selbst, oder?

Aber gut, bevor ich mich hier weiter echauffiere, an Euch alle ein „Gute Nacht“. Ein ehrlich gemeintes. Manchmal hilft Schlafen ja…

20 Millionen minus – der Abgrund naht

28. Dezember 2010

Er bleibt. Das hat Klubboss Bernd Hoffmann („Veh wird auch gegen Schalke auf der Bank sitzen“) versprochen. Und das hat auch Armin Veh gesagt. Er will dem HSV erhalten bleiben. Veh will seinen Vertrag bis Saisonende wenigstens erfüllen, tendenziell sogar die Option zur Verlängerung wahrnehmen. „Der HSV bietet einen der begehrtesten Arbeitsplätze der Liga“, hatte Veh gesagt. Und damit hat er wahrscheinlich sogar Recht. Zumindest war dies bislang immer so. Der HSV gilt ligaweit als Top-Adresse. Kein Wunder, ist es doch der einzige Klub, der seit Ligagründung erstklassig ist. Dazu noch ausgestattet mit einem starken Kader und großen Zielen. Allerdings läuft es in dieser Saison wie schon in der letzten Serie nicht so gut. Noch schlimmer: der Klub steht finanziell noch schlechter da als bisher bekannt.

Zuletzt hatte mir unsere Vorstandsfrau Katja Kraus von maximal 2,5 Millionen Euro kalkuliertem Minus für die aktuelle Saison berichtet. Allerdings kommen rund 14 Millionen Euro Verbindlichkeiten im Laufe der kommenden Saison hinzu. Zahlen, die vom Vorstand niemand bestätigen wollte – bis dem Abendblatt die Zahlen vorgelegt wurden. Demnach stehen 2011/2012 14 Millionen Euro Verbindlichkeiten zur Zahlung an, 2011/2012 noch mal sechs Millionen. Macht zusammen rund 20 Millionen Euro für Verbindlichkeiten aus Spielerkäufen. Dementgegen stehen keinen nennenswerten Einnahmen – zumal nicht, wenn erneut der internationale Wettbewerb verpasst wird.

Es liegt immer im Interesse des Verkäufers, sein Produkt anzupreisen. Auch deshalb, oder besser: nur deshalb sagt Hoffmann: „Der aktuelle Planungsstand für die kommende Saison ist nun wirklich nicht besorgniserregend.“ Dabei sollte er es besser wissen. Schließlich hatte der HSV in den letzten beiden Jahren die luxuriöse Situation im zweistelligen Millionenbereich investieren zu können. Jetzt muss er einen ähnlichen Betrag abbezahlen.

Und der Klub steht vor einem Umbruch. Einem Umbruch, den er mit minimalen finanziellen Mitteln schaffen muss. Dafür ist schon die ganz hohe Kunst des Managements erforderlich.

Dem Vorstand zugutehalten muss man, dass der Klub über einen teuren Kader verfügt und mit einem Verkauf eines Eljero Elias (Marktwert liegt bei geschätzten 15 Millionen Euro) auf einen Schlag ein Großteil der Verbindlichkeiten gedeckt werden könnten. Allerdings wäre damit auch der Spieler weg. Und angesichts der nicht funktionierenden aktuellen Mannschaft müsste der HSV mehr als nur einen neuen Spieler holen, um einen Umbruch auch einen selbigen werden zu lassen. Und gerade dafür wäre Geld mehr als hilfreich.

„Wir werden in diesem Winter und im kommenden Sommer mit einer heißeren Nadel als sonst stricken müssen“, weiß auch Sportchef Bastian Reinhardt, dass er ein kleines Kunststück vollbringen muss, will der Klub in der kommenden Saison wieder in die internationalen Ränge vorrücken. Mit Abgängen prominenter Spieler wie Zé Roberto, Ruud van Nistelrooy und Frank Rost (zumindest plant das der Vorstand, obwohl Rost selbst noch weiterspielen will) ist zu rechnen. Hinzu kommen Wackelkandidaten wie eben Elia, Mladen Petric (wollte/sollte schon vor dieser Saison weg) deren drohende Abgänge einkalkuliert werden müssen als sportliche Schwächungen. Rückkehrer wie Marcus Berg und David Rozehnal, deren Transfers im Übrigen den Bärenanteil der ausstehenden Verbindlichkeiten ausmachen, können nicht als Verstärkungen gezählt werden.

Quo vadis HSV?

Es müssen „Billigspieler“ kommen. Wobei der Begriff despektierlich ist. Es müssen Akteure kommen, die ablösefrei sind oder zumindest wenig kosten. So wie Shinji Kagawa, der vor dieser Saison für 350000 Euro zu Dortmund wechselte und für mich einer der überragenden Akteure der Hinrunde ist. Allerdings ist genau das die Konstellation, die der HSV seit 18 Monaten versucht aber nicht mehr hinbekommen hat. Im Gegenteil: mit Kacar, Berg und Rozehnal wurden allein schon mehr als 20 Millionen Euro versenkt. Zuvor hatte der HSV immerhin immer wieder mal Glücksgriffe mit Thomas Gravesen (kam ablösefrei, ging für 3,5 Millionen zu Everton). Oder wie bei Boulahrouz (kam für 1,5 Millionen, ging für 13 Mios) und Daniel van Buyten (kam für 3,8 Millionen – ging für knapp zehn Millionen). Der HSV hatte sich unter dem geschassten ehemaligen Sportchef Dietmar Beiersdorfer – in hier ganz klar zu nennender und von mir deshalb auch noch mal betonter – erfolgreicher Zusammenarbeit mit Bernd Hoffmann in die europäische Verfolgergruppe katapultiert und sportlich teuren Einkäufe zumeist noch teurere Verkäufe folgen lassen.

Bestes Beispiel dafür sind sicher Nigel de Jong und Rafael van der Vaart, die mit der Absicht nach Hamburg kamen, sich hier wieder in den europäischen Fokus spielen zu wollen und beide dem HSV neben sportlichen Spitzenleistungen ein dickes finanzielles Plus hinterließen. Der HSV wirtschaftete hervorragend und hatte den nötigen Erfolg.

Bis zur Demission Beiersdorfers, die eine sicher nicht innige dafür aber umso erfolgreichere Zusammenarbeit des seit Jahrzehnten erfolgreichsten Tandems an der Klubspitze beendete. Seitdem fehlte die sportliche Kompetenz. Warnungen wurden arrogant ignoriert und den Alleingängen verschiedener Entscheidungsträger wurde nicht ausreichend oder auch gare nicht vom völlig überforderten Aufsichtsrat entgegengewirkt – und der HSV steht da, wo er folgerichtig stehen muss: sportlich wie finanziell im Abseits.

„Wir werden auf der Basis gewohnter wirtschaftlicher Solidität die notwendigen sportlichen Entscheidungen treffen, um uns für die nächsten Jahre richtig aufzustellen“, beschreibt Hoffmann, dass man bemüht sei, trotz wenig Geld gute Spieler bekommen zu wollen. Ich bin mir fast sicher, dass allein dieser zweifellos getrübte Blick in die Zukunft bis und natürlich auch bei der Jahreshauptversammlung am 9. Januar für Gesprächsstoff sorgen wird.

Es werden die Schuldigen gesucht, und das muss auch so sein. Das ist notwendig, um Fehlfunktionen zu beheben. Allerdings ist das gerade im Vorfeld der Jahreshauptversammlung ein beliebter Vorgang, um politische Gegner zu diskreditieren. Schließlich stehen auch Wahlen (von Aufsichtsräten) an. Hoffmanns Kritiker werden ihn in die Ecke treiben wollen, ihn Hoffmann wird entweder andere Schuldige ausmachen oder die Situation beschönigen. Allerdings wird all das dem HSV aktuell nichts helfen, denn der steckt in der offensichtlich größten Krise der letzten zehn Jahre. Der HSV hat absolut keine Zeit, um persönliche Fehden auszutragen. Um der Krise entgegenzuwirken, bleibt dem HSV keine Millisekunde für etwas anderes, als das, was diese Mannschaft in der Rückrunde besser machen kann.

Warum ich das sage? Ob ich hier Entscheidungsträger vorläufig schürzen will? Mitnichten! Absolut nicht, ich bin sogar sehr dafür, eine ausführliche Analyse samt den dazugehörigen Folgeentscheidungen stattfinden zu lassen. Daran werde ich mir hier zusammen mit Euch auch gern aktiv beteiligen.

Aber nicht jetzt. Jetzt habe ich Angst. Die Angst, dass sich dieser HSV verhebt. Ich höre fast täglich Stimmen von den Hoffmann-Kritikern, die sich postieren und den großen Machtwechsel anstreben. Ein neuer Klubboss muss demnach her, am besten sogar schon direkt nach der Jahreshauptversammlung. Und am besten gleich noch ein neuer, stärkerer weil erfahrener Sportchef dazu. Aber Leute, selbst wenn demso sein sollte, wie soll das alles in der kurzen Zeit klappen? Am 9. Januar ist die Jahreshauptversammlung, am 15. Januar muss die Veh-Truppe bereits in Gelsenkirchen bei Schalke zur Rückrunde antreten. Und wer trifft bis dahin die wichtigen Entscheidungen in der Winterpause? Wer klärt die Trainerfrage, wer stellt in so kurzer Zeit ein Rettungsprogramm zusammen?

Nein, das kann nicht gutgehen. Nicht jetzt! Jetzt heißt es, auf die Lippen beißen und zusehen, mit dem vorhandenen Personal das Beste aus der Situation zu machen. Ohne Rücksicht auf Egoismen. Bis zum Ende der Saison alles nur im Sinne des Vereins.

Denn der Klub hat einzig und allein über den sportlichen Weg eine letzte Minimalchance, die kommende Saison auch finanziell etwas gelassener als vollkommen verspannt angehen zu können. Soll heißen: dem Klub bleibt nur die gut vier Wochen kurze Winterpause, um sich neu zu sortieren und aus einer mittelmäßigen Mannschaft ein funktionierendes Team zu formen, das die Europa-League-Ränge in Angriff nimmt. Ein Führungsvakuum wäre verheerend. Sollte das nicht verhindert werden können, droht der Absturz ins Mittelmaß. Genau dahin, wo sich die Mannschaft diese Saison bereits befindet. Genauer genommen sogar schon das ganze Jahr befindet. Denn wie meine Kollegen von der „Bild“ gerade online veröffentlicht haben, ist der HSV von den Punkten her bundesweit im Kalenderjahr 2011 nur elfter. Also unteres Mittelmaß.

Und allein das sollte Alarm genug für alle HSV-Sympathisanten sein, den Karren endlich wieder auf Kurs zu bringen. Gemeinsam. Egal, ob neben einem ein Freund oder ein vermeintlicher „Feind“ arbeitet. Die Zeit, die Schuldigen zu suchen, bleibt anschließend auch noch. Und sie wird genutzt. Ganz sicher.

19.11 Uhr

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