Tagesarchiv für den 26. Dezember 2010

Was mir ein Freund flüsterte . . .

26. Dezember 2010

Wie schön! Wie schön, dass Euch der „kalte Kaffee“ auch so schön schmeckt oder geschmeckt hat, wie mir. Liege ich also nicht ganz so daneben . . . Danke Dir, „Trapper“, das „Ding“ ist zeitlos, das müsste ich eigentlich jedes Jahr präsentieren. Wie „Dinner for one“. Und dann irgendwann auch noch auf platt, dat hätt doch watt.

So, heute ist immer noch Weihnachten. Auch beim HSV. Ich habe eine guten Freund (und Kollegen), der in Augsburg daheim ist. Augsburg? Und Armin Veh? Und dieser Freund hat wiederum einen Freund, der ihm gesagt hat, dass Armin Veh beim HSV aufhören wird. Noch in diesem Jahr. Und da ich meinem Freund keine schlechten Freunde zutraue, die ihm die Unwahrheit erzählen, denke ich mir mal: „Da ist was dran.“ Ach was, was dran: „Das wird wohl stimmen.“ Vom HSV ist dazu NATÜRLICH nichts zu erfahren, es wird, sollte es denn stimmen (was der Freund meines Freundes erzählt), dann in der kommenden Woche zu einer Pressekonferenz eingeladen . . . So geht das.
Und, weil ich die warnenden, kritischen, skeptischen Stimmen schon wieder höre (trotz des friedlichen Weihnachtsfestes!): Ich will da gar nicht groß rumeiern an diesem zweiten Weihnachtsfeiertag. Ich lege mich fest: Spätestens am Ende der Woche ist Armin Veh kein HSV-Trainer mehr. So geht das auch. Und sollte es nicht so kommen, dann werde ich beim nächsten Matz-ab-Treffen in der Raute auf dem Tisch tanzen – in welcher Form, das überlasse ich dann den Anwesenden.

Wie ich gelesen habe, wird weiterhin eifrig spekuliert, wer denn wohl neuer HSV-Trainer werden könnte. Ich sage dazu weiter nichts. Ich möchte aber alle, wirklich alle bitten, Für und Wider und sämtliche anderen Umstände mit zu berücksichtigen, wenn es denn einen neuen Namen geben sollte. Mich erstaunt immer noch die Reaktion in Hamburg, als es heraus war, dass Armin Veh der Neue wird. Überwiegend gab es folgendes Szenario: „Experten und ehemalige HSV-Stars schlugen vor Entsetzen die Hände über den Köpfen zusammen, und die meisten Fans konnten es nicht glauben, waren enttäuscht, sauer, verärgert – und prophezeiten dem HSV den Absturz ins Mittelmaß. Oder sogar tiefer.

Um auch das noch einmal zu betonen: Ich habe mich auf Armin Veh gefreut, weil ich ihn für einen guten Trainer hielt – und auch heute immer noch halte. Ich habe damals von den drei ersten Trainer-Töpfen geschrieben. In Topf eins Wenger, Hiddink und Co. In Topf zwei ein Coach wie Martin Jol, der schon im Ausland gearbeitet hat, der aber sein Geld kostet. Ihr erinnert Euch: Die Ära Jol kostete dem HSV so viel Geld, wie noch nie ein anderer Trainer zuvor. Ich gebe aber auch zu: Ich war und bin von Martin Jol überzeugt, er ist dieses Geld wert – nur hat der HSV so viel Geld nicht mehr in der Kasse. Damit wären wir bei Topf drei: Funkel, Favre, Veh und Co. Und aus diesem Topf, in dem jeder Coach für den HSV bezahlbar war und ist, war im Sommer 2010 Armin Veh der beste Mann. Und noch einmal: Ich halte ihn immer noch für einen guten Trainer. Er hatte nur das Pech, in dieser Zeit zum HSV zu kommen. Diese Mannschaft ist keine Einheit, und zwar schon seit einigen Jahren. Die letzte richtig gute Mannschaft, die sich verstand, die zusammenhielt, die gemeinsam durch Dick und Dünn marschierte, das war die von 1999/2000.

Butt, Panadic, Hertzsch, Hoogma, Gravesen, Groth, Kovac, Fischer, Cardoso, Mahdavikia, Yeboah, Hollerbach, Präger, Doll, Grammozis, Ernst, Babatz und einige andere Spieler mehr. Aber: Kein „richtiger“ Star, schon gar kein Weltstar. Fußballer, die wussten, dass sie nur gemeinsam etwas werden. Das war wirklich noch eine Super-Truppe, ein verschworener Haufen, der zog auch noch gemeinsam um die Ecke. Die letzte HSV-Mannschaft, die das tat. Und die auf diese Art und Weise (auch mit einem kleinen bisschen Fußball) in die Champions League kam, die das Jahrhundert-Spiel, das 4:4 gegen Juventus Turin, schaffte.

Ich behaupte, natürlich ist es hypothetisch, dass Armin Veh mit jener Mannschaft auch besser, wesentlich besser sogar, ausgesehen hätte. Wobei ich nicht den Verdienst des damaligen Trainer Frank Pagelsdorf schmälern möchte, nein, nein, nein, um Gottes Willen, nein, der „Dicke“ hatte seine ganz großen Verdienste um diese Truppe. Aber es waren eben auch Spieler an Bord, die sich führen ließen, und die einen gewissen Sinn für den „Selbstreinigungsprozess“ hatten. Schlug wirklich mal einer aus der Art (oder benahm sich daneben, scherte aus), dann schritten Nico Hoogma, Bernd Hollerbach, Jörg Butt, Thomas Doll und Co eiskalt ein – und disziplinierten diesen Burschen.

Davon ist diese heutige Mannschaft Meilen entfernt. Meilenden, würde ich (scherzhaft) sagen. Und daran sind auch andere Trainer, die nach Pagelsdorf kamen, gescheitert. Und wird Veh nun tatsächlich gehen (wovon ich ja hundertprozentig ausgehe), dann ist auch er daran gescheitert. Es wird Zeit für den Klub (und seine Verantwortlichen), auf diese Tatsache zu reagieren. Die Sache mit dem „Charakter“, die im Sommer 2010 wegen etwaiger Neuverpflichtungen „hochkochte“, die ist ja gar nicht mal so verkehrt. Sie sollte aber dann auch knallhart durchgezogen werden.

Ich bin, stelle ich gerade fest, ein wenig vom Thema abgekommen. Ich war ja schon bei jenem Mann, der Armin Veh beerben soll, könnte, dürfte. Da bitte ich nun einmal jeden HSV-Fan, Durchblick zu beweisen. „Dylan“ hat es heute ja schon geschrieben: „ . . . wenn er dann bezahlbar ist.“ Genau darum geht es doch. Bernd Hoffmann und Co würden auch sehr, sehr gerne einen Mourinho oder einen Ferguson verpflichten, ganz, ganz sicher. Aber : Wer soll die oder das bezahlen? Utopie. Wahnsinn. Damit sollte sich nun wirklich niemand beschäftigen. Denkt an Topf drei. Und wenn Ihr daran denkt, dann schraubt Ihr auch automatisch Eure Ansprüche ein wenig (oder ein bisschen mehr) herunter. Und glaubt es mir: Es gibt durchaus Trainer, die nicht so klangvolle Namen tragen (wie Mourinho oder Ferguson), die aber für gute Arbeit stehen.
Es muss auf jeden Fall ein Mann sein, der nicht nur bezahlbar ist, sondern der sich auch gegenüber dieser HSV-Mannschaft durchsetzen und behaupten kann, der den Spielern zeigt, wo es lang geht. Und wenn die es nicht begreifen: ab dafür . . .

Das könnte eventuell auch Armin Veh, ich gehe sogar verstärkt davon aus, nur: Mit welcher Mannschaft spielt der HSV dann noch in dieser Rückrunde um Bundesliga-Punkte? Es gibt viele verletzte Profis, und sollte dazu dann auch angefangen werden, auszusortieren, dann müssten es die Regionalliga-Spieler von Rodolfo Cardoso richten – oder? Bei einem neuen HSV-Trainer, der jetzt käme und in Dubai seine Arbeit aufnehmen würde, da könnte es in den Köpfen einiger Profis aber noch ein Umdenken geben, sie würden sich eventuell ein- und unterordnen, sie würden ihr Ego vielleicht einmal zurückstellen. Und das wäre dann die Chance, doch noch einmal etwas zu bewegen, um doch noch ein wenig nach oben zu kommen.

Und wenn ich mir nur vorstelle, wie die Hinrunde gelaufen ist, dann bekomme ich jetzt noch die Krätze. Nehmen wir doch nur mal die Auswärtsspiele: Gewonnen in Mönchengladbach, gewonnen in Frankfurt und in Mainz, einen Punkt auf dem Kiez geholt. Und sonst? Überall war mehr drin, sogar viel mehr. Ob nun beim 2:3 in Köln, beim 2:3 in Hannover, beim 2:3 in Bremen, beim 0:1 in Freiburg. In meinen Augen waren überall Siege möglich. Trotz des fehlenden Teamgeistes, trotz der vielen Verletzten. Ich will hier keine Niederlage nachträglich „schönreden“, aber seht Ihr das nicht auch – rückblickend. Überall war doch wirklich mehr drin. Selbstverständlich hat jede Mannschaft mal einen „Durchhänger“ und lässt Punkte liegen, die nicht normal sind. Wie Dortmund zuletzt in Frankfurt. Trotz allem muss doch festgehalten werden, dass mehr, sogar um einiges mehr drin gewesen ist – oder drin gewesen wäre. Mit mehr Teamgeist ganz, ganz sicher.

Daran muss ab sofort verstärkt gearbeitet werden. Es müssen keine Stars oder gar Weltstars hier nach Hamburg geholt werden, sondern Fußballer, die das abrufen, was jedem Profi eigentlich eine Ehre sein müsste: Teamfähigkeit, Einsatz, fußballerische Finesse. Wenn dazu dann auch noch ein Hauch von Menschlichkeit käme, dann hätten wir ihn, den perfekten Profi-Fußballer. Davon nur drei, vier oder fünf, und schon würde die Mannschaft (viel besser) funktionieren.

Ja, Du lieber guter Weihnachtsmann, das wäre dann auch nachträglich noch eine nicht ganz unwesentliche Bitte. Pack es an!

PS: Im Videotext habe ich gelesen, dass sich Bundestrainer Joachim “Jogi” Löw mit dem ehemaligen Hamburger Sidney Sam (jetzt Leverkusen) als kommenden Nationalspieler beschäftigt. Welch ein schöne Bescherung. Für Sidney. Für Hamburg aber ist das wie ein Dolchstoß. Ganz bitter, wie dieses “Ding” gelaufen ist. Da hätte der HSV schon mal einen gehabt, der dann auch noch DEUTSCHER Nationalspieler wird – und dann das. Es tut schon weh. Doch dieses Herumjammern hilft ja jetzt auch nicht mehr, es ist wie es ist. Ich drücke dem HSV nur die Daumen, dass ein Mann gefunden wird (oder schon ist!), der solche “Verkäufe” zu verhindern weiß.
Bastian Reinhardt, bitte übernehmen! So etwas sollte wirklich nie wieder passieren.

Ein fröhliches Rest-Weihnachtsfest noch für Euch und Eure Lieben.

14.17 Uhr