Tagesarchiv für den 7. Dezember 2010

Armin Veh spricht Klartext

7. Dezember 2010

Bevor es ans „Eingemachte“ geht, kurz noch einmal zum vorherigen Beitrag „Hoffmann sorgt für Verwirrung“. Wollte der HSBV-Boss seinem Trainer tatsächlich “ans Leder”? Dazu sagte Bernd Hoffmann nun: „Wir sind froh, dass wir Armin Veh haben, wir sind mit seiner Arbeit zufrieden.“ Und, der Vorstandsvorsitzende sagte auch: Da sind einige Dinge aus dem Zusammenhang gerissen worden.“ Das sieht oder sah wohl auch Sport 1 so, denn der TV-Sender hat die schriftlich gegebenen Aussagen von Hoffmann inzwischen noch einmal ergänzt – und ins rechte, ins richtige Bild gesetzt.
Es ist wohl genau so, wie ich es schon am Nachmittag interpretiert habe.

Nun aber zum Tagesgeschehen. Armin Veh hat gesprochen. Zwei oder drei Tage nach der 0:1-Pleite von Freiburg stellte sich der HSV-Coach unseren Fragen. Veh gab zu: „Ich bin schon enttäuscht über diese Niederlage. Wir haben das Spiel zwar kontrolliert, wir haben hinten nichts mehr zugelassen, aber mir fehlte bei uns der Wille, dieses Spiel gewinnen zu wollen. Es fehlte mir, dass man während des Spiels mal mehr miteinander kommuniziert, dass man sich gegenseitig anfeuert, wir sprechen zu wenig miteinander.“ Der HSV-Coach weiter: „Wir wussten genau, wie Freiburg spielt: Lange Bälle nach vorne, um dann den zweiten Ball zu gewinnen. Und diesen zweiten Ball haben wir nicht gewonnen, und wir haben zudem viel zu langsam nach vorne gespielt. Und dann wurde es nach vier Minuten und dem 1:0 schwierig, denn dann standen die Freiburger noch tiefer. Wir haben dann immer wieder hinten herum gespielt, und wenn du das machst, kommst du vorne nur sehr schwer noch rein. Dazu fehlte mir eine elementare Sache, mir fehlte, ich sage es noch einmal, mir fehlte der Siegeswille. Wir spielen ordentlich, haben 62 Prozent Ballbesitz, aber wenn es darauf ankommt, nämlich im Strafraum, dann sind wir nicht da. Wir haben zentral auch viel zu wenig Freistöße herausgeholt – aber es ist ja immer wieder das Gleiche . . .“

Heute war es im Training lebhaft, deutlich lauter. Weil es Veh angesprochen hat. Zum wiederholten Male. Veh: „Das ist das Problem. Wir reden schon viel zu lange darüber, und wir kommen immer wieder auf diesen Punkt zurück.“

Armin Veh über . . .

. . . Umstellungen für das Leverkusen-Spiel:
„Die Probleme auf der rechten Seite sind immer noch nicht gelöst, und ich bin sicher, dass wenn Collin Benjamin fit ist, dass er diese Rolle am besten ausfüllen kann. Er ist gesund, und wenn er jetzt spielt, dann wird er dadurch auch fit.“

. . . die Gründe der Auswärtsschwäche:
„Es ist keine Überheblichkeit der Mannschaft, die nach einem gewonnenen Heimspiel auswärts dann arrogant auftritt. Aber das ist es nicht. Mir fehlt ganz einfach der Mut. Wir sind einfach zu brav. Wir sind auch nicht zu faul, wir arbeiten doch auch immer fleißig im Training, da lässt sich doch niemand gehen, da schaltet ja niemand ab. Ich glaube aber auch, dass die Verletztenmisere uns so hart getroffen hat, wie keinen anderen Verein. Das darf man nicht außer Acht lassen. Aber wenn wir dieses Manko schon haben, dann muss man das über die Laufbereitschaft kompensieren, über die Leidenschaft. Das ist so. Das ist einfach gesagt, aber das ist ganz entscheidend. Und auch wenn wir viele Verletzte haben, wir haben immer noch genügend Qualität, um zum Beispiel besser als Freiburg zu sein.“

. . . die Schwäche, als Team keine Gemeinschaft zu sein:
„Die einzelnen Spieler sind spielerisch sehr gut, aber sie haben auch den Auftrag, sich untereinander las Team einzufordern, immer wieder miteinander zu kommunizieren, sich anzufeuern. Ich vermisse den richtigen Zusammenhalt bei uns, und das versuche ich immer wieder hin zu bekommen, aber offensichtlich ist das nicht so einfach.“

. . . die Schwächen bei der Spieleröffnung:
„In Freiburg wollten wir die Gegner eigentlich kommen lassen, um dann schnell umzuschalten, aber das war mit dem schnellen 0:1 dahin. Wir wollten auch den zweiten Ball nicht gewinnen, über die Außen kommen … Dann müssten die Außenverteidiger mitkommen, sie müssten hinterlaufen, aber das haben wir nicht hinbekommen. Wir haben auch keine Flanken zur Mitte gebracht. Und wir haben es auch über unsere beiden Sechser nicht hinbekommen, weil Ze Roberto an diesem Tag nicht da war – und Piotr Trochowski teilweise überall war. Da haben wir unsere Aufgaben teilweise vergessen. Troche hat viel probiert, aber wir haben einfach unsere Ordnung verlassen. Und so können wir gegen Leverkusen nicht spielen, weil Leverkusen spielerisch viel stärker ist als Freiburg.“

. . . den Ausfall von Mladen Petric:
„Gegen Stuttgart hat Mladen auch viel und gut nach hinten gearbeitet, das hat er sehr gut gemacht, er hat genau so gespielt, wie ich es wollte – aber jetzt ist er verletzt und kann uns nicht helfen.“

. . . Ruud van Nistelrooy:
„Ruud spielte in Freiburg zu tief. Es ist zwar möglich, dass er sich mal fallen lässt, den Ball bekommt, ihn hält und dann mit einer schnellen Drehung den ball auf unsere Außen spielt, aber das ist mal möglich. In Freiburg spielte er aber oft zu tief. So weit wie diesmal darf er sich nicht fallen lassen – das ist ja wie ein Sechser, der sich auf die Viererkette fallen lässt, um dort den Ball von Heiko Westermann zu holen . . . Das brauchen wir auch nicht.“

. . . die Gesamtsituation:
„Die ist enttäuschend. Ja, enttäuschend. Aber ich habe damit nicht gerechnet, dass wir so viele Verletzte haben. Der Tabellenplatz ist enttäuschend für mich, aber es gibt für mich Erklärungen. Wichtig ist für mich, dass diese Mannschaft einmal komplett ist. Und wenn sie dann einmal komplett wäre, und dann bringt sie auch nichts, dann könnte man sagen, dass diese Mannschaft für diese Ziele nicht taugt. Aber diese Chance müsste die Mannschaft erst einmal bekommen. Und in diesem Zusammenhang immer wieder neu über den Charakter zu sprechen, das bringt überhaupt nichts.“

. . . die Trainer der Liga:
„Überall sind doch die Trainer die Dackel . . . Überall. Auch in Wolfsburg. Die haben sich verstärkt, haben aber nur 17 Punkte. Da wäre ich doch schon lange weg gewesen. Das nur als Beispiel. Überall sind die Trainer die Dackel, aber es muss auch schon mal was von den Spielern kommen. Es kann nicht sein, dass immer alle anderen die Schuld haben. Hier ist immer Bernd Hoffmann schuld, immer Bernd Hoffmann, der ist für alles schuld. Aber vielleicht ist es ja auch mal der Spieler, der eine Bringschuld hat. Und das ist auch so. Es hat auch mal ein Paolo Guerrero oder ein Eljero Elia eine Bringschuld. Nicht dass man die immer streicheln muss und sagt: Du Armer du . . . Die müssen dann auch mal was zeigen. Und nicht immer auf den Trainer warten, dass der motivieren muss. Dann können wir wirklich alle vier Wochen wechseln. Außer es läuft bei einem Verein gut. Ansonsten müsste immer alle vier Wochen ein neuer Zauberer kommen, um die Mannschaft zu motivieren. Ich glaube auch nicht, dass es hier immer nur am Trainer gelegen hat. Hier waren doch gute Trainer . . . Vielleicht kann man den Spieß auch mal umdrehen: Dass die Mannschaft stets an ihrer Leistungsgrenze gespielt hat, um in die Halbfinals zu gelangen.“

. . . einen möglichen Umbruch beim HSV:
„Man kann doch jetzt nichts sagen, was nichts bringt. Was nützt es im Dezember zu sagen, ich mache einen Umbruch im Sommer. Was nützt das? Du musst es nicht sagen, du musst nicht drüber reden – du musst es einfach machen. Aber erst dann. Jetzt bringt das doch nichts. Ich spreche jetzt nicht vom Umbruch, das wäre völlig kontraproduktiv. Das machen die Medien, aber nicht ich.“

. . . die Routiniers in der Mannschaft:
„Ich erwarte schon von den älteren Spielern mehr. Ich erwarte zum Beispiel nicht von einem Tunay Torun, dass er vorneweg marschiert. Ich erwarte von einem Ruud van Nistelrooy und einem Ze Roberto, dass sie vorweg marschieren, nicht von einem Torun, nicht von einem Choupo-Moting, nicht von einem Son.“

. . . David Jarolim:
„Du merkst eigentlich immer dann, wenn er nicht spielt, wie wertvoll er für uns ist. Aber ich mache es ja nicht aus Jux und Dollerei, dass ich ihn draußen lasse. Jaro ist ein fleißiger, ballsicherer Spieler, er ist wirklich gut, wirklich gut, er gewinnt unheimlich viele zweite Bälle. Aber er ist wochenlang ausgefallen, und momentan fehlt ihm der letzte Schritt. Er sieht es anders, aber ich sehe das so. Ihm fehlt da noch ein kleiner Schritt. Und Trochowski war in den letzten Wochen unser bester Spieler im Mittelfeld. Ich habe dem David erklärt, warum er draußen ist, und einmal muss langen. Ich bin nicht dafür da, dass ich ihm das jeden Tag noch einmal erklären muss – einmal langt. Er braucht schon mal ein paar Tage Pause, der ‚Wahnsinnige“, der ist ja gut, der läuft auch mal vier Stunden am Stück, aber ich habe es so gesehen, dass ihm da noch ein bisschen zu 100 Prozent. Ein Beispiel: Den schlechten Pass von Robert Tesche im Stuttgart-Spiel, der zum 2:3 führte, den hätte ein Jaro bei 100 Prozent unter Kontrolle bekommen, diesmal er ihn aber nicht kontrollieren können – und es folgte das Gegentor. Ihm fehlt nur ein kleines Stück, aber das kann er sicher auch wieder bis Sonnabend hinbekommen.

. . . Eljero Elia:
„Ich habe gelesen, dass er eine Extraschicht im Training geschoben hat. Wenn das nun schon gemeldet werden muss . . . Er hat in seinem Spiel mal solche Phasen und mal andere Phasen drin. Ich kann es nur sagen: Er ist ein riesiges Talent, aber er muss Konstanz in sein Spiel bekommen. Wenn ich mit ihm rede, ist er auch einsichtig, ganz vernünftig. Es kann aber nicht nur immer etwas von einer Seite kommen, da muss auch mal was von ihm kommen. Aber er war ja auch oft verletzt, verletzt, verletzt und dann krank. Wie soll er da fit sein?“

. . . einen Freistoß, der zum Rohrkrepierer wurde.
Dazu muss ich erklärend schreiben: Ich habe nach dem Freiburg-Spiel einen Freistoß moniert, den Dennis Aogo ausführte. Der Ball lag kurz vor der Mittellinie, der Verteidiger spielte ihn quer zur Mitte: Westermann, Demel, Rincon. Und nach einer Minute kam die Kugel wieder genau an jenen Punkt zurück, an dem Aogo den Freistoß quer spielte. Diesmal passte der Nationalspieler den rollenden Ball nach vorne, es wurde ein Fehlpass – und der HSV schluckte einen Freiburger Konter. Warum schlägt der HSV einen soclhen Freistoß nicht einfach an den gegnerischen Strafraum?
Dazu sagt Armin Veh:
„Wir versuchen die Spielkontrolle zu bekommen. Und die bekommt man nicht, wenn man den Ball einfach nach vorne schlägt. Freiburg macht das, wir wollen den Ball aber kontrollieren. Die Bayern machen das auch so, und zwar permanent, die spielen den Ball auch von links nach rechts oder umgekehrt. Und dabei kann natürlich passieren, dass der Gegner dann die Räume so zustellt, dass der Ball wieder an den Ort gespielt werden muss, wo er eben noch war. Einfach nur vorne rein spielen, das ist nicht unser Spiel. Dann spielen wir englisch, dann spielen wir nur noch hoch und lang und sind ständig in Kopfballduellen. Wir versuchen den Ball immer zu kontrollieren. Unser Spiel ist nicht so, dass wir lange Bälle spielen.“

So, das war das Gespräch mit Armin Veh. Ein bisschen zu lang, aber ich hoffe trotz allem, dass Ihr das alles verarbeiten (und verkraften) könnt.

Trotz allem noch einmal einige Dinge in eigener Sache:

A) Die Verunglimpfungen und persönlichen Beleidigungen hier bei “Matz ab” nehmen und nehmen kein Ende. Deswegen sind in jüngster Zeit einige User „ausgebremst“ worden, sie werden hier nicht mehr erscheinen. Und ich bin gewillt, auch künftig rigoros auszuschließen, wer hier andere Personen so angreift und mit Worten wie Arschloch, Drecksau, Vollhonk usw. bezeichnet. Irgendwann hört es auf, diejenigen, die sich eines solchen Vokabulars bedienen, sollten sich damit besser zu Hause austoben, seine Familie, Freunde und Bekannte beleidigen. Ich bin satt, immer wieder darauf hinzuweisen, jetzt wird gehandelt. Es sollte sich jeder ganz genau überlegen, wie wer welche Worte wählt. Dazu passend: Wer sich gerne (und sofort) unter einem anderen Nick anmelden möchte, wird auf Granit stoßen, denn Neuankömmlinge werden in der nächsten Zeit nicht mehr zugelassen. Das muss leider so sein, denn ich möchte mir „Matz ab“ nicht von einigen durchgeknallten Gesellen kaputt machen lassen.

B) Diese Mail habe ich von Zappata erhalten, ich möchte sie Euch gerne zur Kenntnis geben:

Hallo Dieter,
durch meine guten Kontakte zum VfB Stuttgart habe ich einen Dank an den unbekannten VfB-Fan in unserem Namen aussprechen lassen.
Gestern habe ich noch eine Mail vom VfB bekommen:

“Hi Jörg,
die Danksagung eures Fan-Clubs wurde am Samstag kurz vor Spielbeginn auf der Videowand mit Stadionsprecher gebracht. Daraufhin hat sich nun einer der Erst-Helfer bei uns gemeldet, Frank H.“ (der Name ist mir und den Beteiligten bekannt)

Hier noch mein Text, den der VfB-Stadionsprecher durchgegeben hat:

“Die HSV-Fans der Gruppierung Matz-ab bedanken sich bei dem unbekannten VfB-Fan für die Zivilcourage
und die an dem uns unbekannten HSV-Fan geleistete Hilfe. Dies ist nicht alltäglich und ein deutliches Zeichen der Menschlichkeit bei aller sportlichen Rivalität. Wir bezeugen unseren allergrößten Respekt. Die Matz-abber des HSV”

Ich würde vorschlagen, da ich/wir ja jetzt den zugehörigen Namen haben, auch dem Mann persönlich eine Kleinigkeit zukommen zu lassen. Vielleicht kannst du über den HSV etwas organisieren. Das wäre toll.
Ansonsten würde ich ihm in unserem Namen zumindest einen Weihnachtsgruß und drei Flaschen Wein zukommen lassen.

Viele Grüße,
Zappata

C) Es gibt nun auch eine Spezialwette auf dem Markt: Spielt der HSV international?

Der schlechte Tabellenplatz des HSV beschäftigt auch den Wettmarkt. Schafft das Team von Trainer Armin Veh am Saisonende einen Platz unter den ersten fünf und qualifiziert sich zumindest für die Europa League? Dies fragen die Buchmacher des internationalen Sportwettenanbieters myBet (www.mybet.com) und bieten dazu eine Spezialwette. Die bisherigen Leistungen des HSV spiegeln sich dabei auch in den Quoten wider: Egal, ob man dafür oder dagegen wettet, für einen Einsatz von 10 Euro bekommt man im Erfolgsfall 18,50 Euro zurück.

D) Ganz zum Schluss: Die Kollegin Claudia Hoogestraat und der Kollege Lars Pegelow, Die Fußball- und HSV-Experten von NDR 90.3, haben ja bekanntlich eine CD über den HSV herausgebracht. Ein Renner. Die erste Auflage des Temmen-Verlags (Bremen) war im Nu vergriffen, jetzt gibt und gab es Nachschub. Auch für uns. Wer also ein Exemplar von „Tooooor! . . für den HSV“ haben möchte, wir verlosen erneut drei davon. Ihr könnt Euch daran unter „Matz ab“ und unter der Gewinnspiel-Adresse beteiligen.

19.02 Uhr

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