Tagesarchiv für den 6. Dezember 2010

Bernd Hoffmann bei HH 1

6. Dezember 2010

So, kurz vor Mitternacht noch einmal „Matz ab“. Bernd Hoffmann war heute bei der Sportsendung „Rasant“ von HH 1 zu Gast, mit ihm drei Hamburger Journalisten: Lars Pegelow (der HSV- und Fußball-Experte von NDR 90,3), Sven Töllner (Chef vom Dienst bei der Mopo) und ich. Moderiert wurde die Sendung von Uli Pingel, dem Sportchef von HH 1, ihm haben wir auch die Abschrift der an diesem Abend getätigten Hoffmannschen Aussagen zu verdanken. Vielen Dank dafür an HH 1. Da ich heute schon mehrfach darum gebeten worden war, die Aussagen des HSV-Vorsitzenden zu veröffentlichen, komme ich diesen Wünschen gerne nach. Das geht, um mich zu wiederholen, nur deshalb, weil HH 1 mir diese Abschriften zur Verfügung gestellt hat.

Und los geht es:

Bernd Hoffmann zur aktuellen Situation beim HSV:

Der Frust bei mir ist wie bei jedem, der den HSV mit einer Menge Herzblut verfolgt, natürlich sehr, sehr groß. Wir sind alles andere als zufrieden mit der sportlichen Bilanz. Natürlich gibt es eine ganze Reihe an Gründen, die man immer wieder aufführen kann. Die sind am Ende dann aber nicht ausreichend. Ob das nun die WM ist, die lange zurück ist, ob das nun neue Spieler sind, ob das Verletzungspech ist. Das ist am Ende dann alles nicht hinreichend für eine solche Leistung, wie wir sie am Samstag abgeliefert haben. Was ganz offensichtlich nicht passiert ist, dass ein gemeinsamer Geist entsteht, um dann eine Karre aus dem Dreck zu ziehen. Dass sie nach drei Minuten in Freiburg – bei aller Wertschätzung – hinten liegen, kann eigentlich nicht dazu führen, dass man den Rest des Spiele wirklich gar nicht mehr ins Spiel kommt. Es kann nicht sein, dass wir da einfach keine Option haben und dass uns da keine Lösung einfällt. Und dass wir nach 15 Spieltagen – bei aller Wertschätzung – irgendwie neun Punkte hinter Mainz und hinter Freiburg und Hannover und wie sie alle heißen, hängen. Das ist nicht unser Anspruch. Unser Hauptaugenmerk muss darauf gelegt werden, wie wir aus dieser Mannschaft bessere Ergebnisse erzielen. Und in allererster Linie ist da das Trainerteam gefragt. Die Trainer bekommen alle Unterstützung, die notwendig ist. Wir haben vollstes Vertrauen dazu, dass ihnen das gelingt.

Zum Thema “Perspektive”

Wir haben einen exzellenten Kader. Und natürlich ist es so, dass wenn wir den Europapokal verpassen, wie in dieser Saison, dann die Ausgaben den Einnahmen anpassen müssen. Das ist gar keine Frage. Wenn uns der Europapokal ein zweites Jahr in Folge wegfällt, dann werden wir ein Stück weit weniger Geld ausgeben können. Das heißt übrigens nicht, dass wir dann unattraktiven Fußball spielen müssen. Die Effizienz dieses Kaders spiegelt sich nicht auf dem Spielfeld oder in der Tabelle wider. Aber es gibt eine ganze Reihe an Vorbildern auch in dieser Saison, die zeigen, dass man auch mit einem geringeren Aufwand exzellenten Fußball spielen kann. Das ist aber nicht unser Anspruch. Unser Anspruch ist: Wir wollen in Hamburg exzellenten Fußball bieten und natürlich auch Spieler haben, mit denen sich die Fans identifizieren können. Natürlich wissen wir auch, dass wir keinen Kader hier anbieten können, in dem Fantasie fehlt, in dem Spaß fehlt, sich mit den Spielern zu identifizieren. Die nächsten paar Monate stehen ganz eindeutig unter dem Zeichen: Wir sollten alles dafür tun, dass wir nächstes Jahr wieder international spielen.

Zum Thema “Personeller Umbruch”:

Wir haben mit jedem Einzelnen gesprochen, was wir von ihm erwarten, wenn er weiter beim HSV Fußball spielen möchte. Dazu hat sich auch jeder bekannt. Und hinzu kommt noch: Man darf nicht vergessen, dass es auch einen ganzen Haufen laufender Verträge gibt, die wir auch nicht völlig ignorieren können. Das ist am Ende dieser Saison anders. Von daher ist kann es diese natürliche Fluktuation, die es in jedem Club gibt, am Ende der Saison ein wenig größer ausfallen. Klar ist auch: Platz neun ist kein besonders gutes Bewerbungsschreiben für jeden Beteiligten, dass die Verträge verlängert werden.

Zum Thema “Sportchef”:

Wir haben jetzt eine Situation, die wir uns in der Form nicht ausgesucht haben. Nämlich wir hatten geplant, ein sportliches Dreigestirn zu haben, bestehend aus Bastian Reinhardt, aus Urs Siegenthaler und aus dem Trainer. Das ist aber nicht passiert, weil einer davon weggebrochen ist. Und deswegen gehen wir mit der Situation jetzt so um, wie sie ist und da muss eben jeder noch mal einen Zacken draufschlagen. Das Konzept, das wir mit Urs Siegenthaler erarbeitet haben, wird ja auch in Personen gerade im Nachwuchsbereich oder im Scoutingbereich umgesetzt. Von daher müssen die da jetzt zusammenwachsen und müssen dieses Vakuum füllen. Im Moment ist nicht geplant, da noch jemanden zusätzlich einzustellen. Im Fußball ändern sich permanent die Gesamtkonstellationen. Und jetzt müssen wir mit der Situation, wie wir sie jetzt haben – mit einem sehr ambitionierten, mit einem sehr, sehr ehrgeizigen und neuen Sportchef, der das natürlich von der Pike auf lernt und mit der ganzen Kompetenz, die wir im sportlichen Bereich haben – werden wir jetzt die Herausforderungen – und die sind verdammt groß – da müssen wir einfach sehen, dass wir im nächsten Frühjahr die richtigen Entscheidungen treffen, damit wir eine noch bessere Saison als die jetzige spielen.

Zum Thema “Eigene Rolle”:

Welches Interesse sollte ich daran haben, alle Zügel in der Hand zu haben? In einem Bereich, der gar nicht meine Kernkompetenz ist. Noch mal: Ich bin kein Sportchef. Deswegen: Je stärker und je besser ein Sportchef ist, umso besser ist das für den sportlichen Erfolg des HSV, und davon profitiere nicht nur ich, sondern wir alle. Die Debatte habe ich nie verstanden. Ich glaube, der Vorstandsvorsitzende kann immer nur so stark sein wie der Sportchef, der ebenfalls im Vorstand angesiedelt ist. Ich bin immer der Meinung, dass sich starke Persönlichkeiten ganz besonders starke Persönlichkeiten an die Seite holen, weil das nur dann in dem Team auch funktioniert. Wir haben eine extrem starke Wettbewerbsposition. In der Bundesliga sind 18 Clubs, die alle wie die Hyänen versuchen, ganz nach oben zu kommen und Titel zu holen und erfolgreich zu sein. Da brauchen wir die Besten bei uns. Und nicht Marionetten.

Zum Thema “Sportchef-Suche”:

“Die ganzen Bewerber in der Bundesliga sind auch alle nicht auf der Brotsuppe daher geschwommen. Das ist ganz einfach so. Und wenn man da oben dabei sein will, dann bedarf es auch mal der einen oder anderen glücklichen Entscheidung, aber auch der richtigen Führungskonstellation. Ich glaube, die Zusammenarbeit und die Zeit mit Dietmar Beiersdorfer war aus meiner Sicht eine sehr gute Zeit für den HSV. Das waren erfolgreiche Zeiten. Aber es hilft uns nichts, wenn wir diese Trennung weiter bewerten. Wir müssen jetzt einfach darauf achten, dass wir in der jetzigen Konstellation, mit Bastian Reinhardt als Sportchef, mit uns und mit dem Trainer die richtigen Entscheidungen treffen. Natürlich sind die Ansprüche gewachsen beim HSV über die Jahre. Egal ob wir über Klaus Allofs reden, über Nerlinger, selbst über Uli Hoeness – die haben das alle „on the job“ gelernt.”

Zum Thema “Arbeit des Aufsichtsrats”:

“Mal im Ernst: Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ein Aufsichtsrat – besetzt mit den Leuten die wir da drin haben: mit dem Wirtschaftssenator, mit jemandem wie Alexander Otto, mit Jörg Debatin; sie können sie alle benennen: von Björn Floberg, dem ehemaligen Präsidenten Ronnie Wulff, mit Peter Becker als ehemaligem Präsidenten der Handelskammer etc. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass die für mich alles abnicken würden. Glauben Sie, nur weil ich da etwas vorschlage sagen die, super, das winken wir alles durch? Im Leben doch nicht. Das sind kontroverse Diskussionen, die dort geführt werden, da müssen sie inhaltlich überzeugen. Der Aufsichtsrat hat in den letzten Jahren immer an der Sache entschieden. Und zwar immer.”

Zum Thema “Kühne-Investoren-Modell”:

Das ist aus meiner Sicht immer noch ein sehr guter Vertrag, der die Chancen und Risiken aus meiner Sicht zugunsten des HSV verteilt. Dass das in der Einführung, in der Kommunikation, im Mitnehmen der Mitglieder, wie man das nennt, nicht optimal gelaufen, überhaupt gar keine Frage. Dennoch ist es inhaltlich eine gute Option und ich will nicht ausschließen, dass wir so etwas noch mal machen. Wir müssen jeden Einzelfall dann neu bewerten, und zwar auch auf der Basis der Erfahrung, die wir damit gemacht haben. Sowohl der inhaltlichen Erfahrung – hat das gut funktioniert: ja oder nein? – wie ist das in der Kommunikation gewesen? Wie ist das im Gespräch mit der Mitgliedschaft gewesen? Aber auch: Wie ist das im Verhältnis zu Klaus-Michael Kühne gewesen? Das muss man alles jetzt bewerten und könnte daraus gelernt wieder einen neuen Versuch wagen.

Zum Thema “Wahl des Aufsichtsrats

Ich habe immer Respekt vor einer Mitgliederversammlung. Das ist das höchste Organ des Vereins, wir werden da sicherlich eine vierstellige Anzahl an Vereinsmitgliedern haben. Und das ist nicht nur eine emotionale Veranstaltung, sondern das bildet auch den Herzschlag des Vereins ab, von daher bin ich immer gespannt auf den Austausch. Ich glaube, dass der HSV in einer sehr stabilen Gesamtsituation ist. Sportlich stehen wir vor großen Herausforderungen. Wir haben einen Aufsichtsrat, der die nächsten zwei Jahre mit acht Mitgliedern bestellt ist. Wir reden über vier Mitglieder, die im Januar neu gewählt werden. Und ich bin mir völlig sicher, dass die Mitgliederversammlung im Januar ein gutes Votum abgegeben wird, um die Stabilität des Vereins weiter zu bewahren”.

Ich möchte auch schnell noch etwas anfügen. Etwas, was ich gesagt habe. Von vielen von Euch wird – vor allem seit der 0:1-Pleite von Freiburg – die Entlassung von Armin Veh gefordert. Ich halte das für ganz großen Unfug, und ich will Euch das auch erklären:

Erstens sind beim HSV in diesem Jahrtausend alle Trainer bislang kläglich gescheitert.

Zweitens, und das sollte sich jeder einmal ganz genau vor Augen führen: Armin Veh hat erst jetzt, zwei Spiele vor Ende der Hinrunde, einen richtigen Eindruck und Überblick über diese Mannschaft bekommen. Wird er jetzt (oder in einigen Wochen) wieder entlassen, würde der Nachfolger doch wieder Monate benötigen, sich einen genauen Überblick zu verschaffen: Wer ist gut, wer ist schlecht, wer kann mir helfen, wer kann es nicht? Der HSV sollten nun endlich einmal versuchen, einem Trainer auch ein zweites Jahr zu gewähren. Dann könnte Veh die „faulen Tomaten“, die er jetzt erkannt hat, die er jetzt aber noch nicht aussortieren kann, in die Wüste schicken. Und er könnte den „guten Stamm“ mit in die nächste Saison nehmen, dort einige junge Talente einbauen.

Wenn jetzt alles von Borussia Dortmund schwärmt, dann kann ich nur fragen: Warum ist es mit dem jetzigen Tabellenführer denn so gekommen? Weil er nicht mehr so im Geld schwamm, wie einst unter Niebaums Regie. Damals gab der BVB „Millionenden“ für seine Stars aus. Da wäre keiner auf die Idee gekommen, einen Kagawa für ’nen Appel und Ei aus der zweiten japanischen Liga zu verpflichten. Damals hätte jeder die Nase gerümpft und gefragt: „Was soll’n wir denn mit dem?“ Dortmund musste finanzielle halblang machen, und dem Klub ist es gut bekommen.

Darauf hoffe ich auch beim HSV. Und wenn Veh dann die richtigen Konsequenzen zieht und aussortiert, dann kann es auch wieder bergauf gehen. Jetzt aber schon wieder einen neuen Trainer (und einen großen Namen kann der HSV gar nicht bezahlen), das wäre der absolute Wahnsinn.
In diesem Sinne – einen wunderschönen Abend noch.
PS: Wer die Sendung verpasst hat, ich glaube sie wird um 22.15 Uhr noch einmal wiederholt.

Und noch zwei Dinge am Rande: Ich habe den HSV gestern nicht mit Barca VERGLICHEN. Lesen müsste man können. Ich habe nur das Beispiel Barca gebracht, weil dort Stars tatsächlich auch laufen und kämpfen können. Die HSV-Stars, die großen HSV-Stars, die können das nicht so richtig. Und sie werden auch niemals mit Barca verglichen werden können. Das muss mal festgehalten werden.

Und noch eines: Ich zweifle nicht an den Fähigkeiten von Armin Veh. Das hätten einige von Euch vielleicht gerne, sie haben es ja auch so interpretiert, aber ich habe lediglich gesagt, dass auch (auch!) Armin Veh Fehler gemacht hat. Das macht übrigens jeder Mensch. Auch ich. Nur bei mir fallen sie nicht unbedingt so auf, wie bei Veh. Für mich ist Armin Veh ein guter Trainer, der hervorragend zum HSV passt, daran wird sich auch nichts (in meiner Meinung!) ändern.
Danke.
Ich habe fertig.

22.01 Uhr

Uwe Seeler: Mit Mittelmaß abgefunden

6. Dezember 2010

Ihr seid alle auf 180, ich bin es auch – aber wie mag es einem Vollblut-HSVer wie Uwe Seeler derzeit ergehen? Ich habe mit dem großen deutschen Mittelstürmer-Idol gesprochen, er wirkt – was ein Wunder – natürlich geknickt. Sorgen Sie sich eigentlich um den HSV, Herr Seeler, wenn Sie solche Spiele wie die in Freiburg von Ihrem Klub sehen? „Uns Uwe“ antwortet nach einer kurzen Pause: „Ich kann nicht sagen, dass ich mich sorge. So langsam bin ich über diesen Punkt hinweg. Ich hoffe immer nur auf Besserung, ich hoffe.“ Dann fügt Uwe Seeler an: „Entscheidend ist doch, dass man sich mit Mittelmaß schon ein wenig abgefunden hat. Ich habe vor Wochen ja schon einiges gesagt, dabei bleibe ich auch, aber in meinen Augen ist dieses Problem nach wie vor nicht gelöst. Ich vermisse Kontinuität, und für mich stellt sich auch immer die Frage: Was will man beim HSV eigentlich?“ Dann ergänzte Seeler auch noch: „Man kann ja mal, wie in Freiburg geschehen, 0:1 in Rückstand liegen, das ist ja nicht unnormal, aber wenn ich dann in der Mannschaft kein Aufbäumen sehen, keinen Willen erkennen kann, um dieses Spiel noch umzubiegen, dann wird man schon ein wenig nachdenklich.“

Uwe Seeler hat zu seiner Zeit immer alles gegeben. Und er war immer ein Vorbild, hat alle Kollegen mitgerissen oder angetrieben, er hat bis zum Schlusspfiff gekämpft. Dass er nun solche „leblosen“ Auftritte seines HSV mit ansehen muss, das muss doch schmerzen, oder? „Es wird ja aber doch alles mit dem Mantel der Nächstenliebe zugedeckt. Wenn einer etwas sagt, dann wir er gleich als Meckerer abgestempelt. Für meine Begriffe versagen da auch die Medien, die müssten da viel mehr einhaken.“

Dann geht Uwe Seeler noch eine Woche zurück: „Ich finde es ja besser, wenn man nicht nach einer Niederlage kritisiert, sondern nach einem Erfolgserlebnis. Das gab es gegen Stuttgart, den 4:2-Sieg. Aber da wurde ich schon nachdenklich. Stuttgart war in Halbzeit eins so schlecht, da hätte der HSV schon 4:0 führen müssen, aber was passiert? Nach dem Anstoß zur zweiten Halbzeit kassiert man gegen einen in Unterzahl spielenden Gegner das Anschlusstor und es durfte gezittert werden. Das darf in dieser Form nicht passieren, und darüber sollte dann auch nachgedacht werden.“

Aber die Schmerzen? Hat Uwe Seeler Schmerzen, wenn er diesen HSV spielen sieht? Er sagt: „Schmerzen habe ich deshalb, weil ich von vielen Freunden gefragt werde, was denn mit dem HSV los ist? Wollen die nicht, oder können die nicht, das werde ich gefragt. Und dann werde ich nachdenklich, aber mehr möchte ich dazu im Moment auch nicht sagen, denn man glaubt ja immer noch, dass man alles richtig macht.“

Seelers Worte haben Gewicht. Immer noch, immer wieder. Es gibt keinen größeren Fußballer, den diese Stadt jemals hervorgebracht hat. Und Uwe Seeler ist seinem HSV stets treu geblieben, er hat die Raute im Herzen, und daran ist auch nichts mehr zu ändern. „Nach meinen mahnenden Worten vor einem Monat wurde ich aber heftig attackiert. Dabei habe ich nicht einen einzigen Namen genannt. Aber wem der Schuh passt, der soll ihn sich anziehen. Und wenn das geschieht, dann ist das auch richtig angekommen“, so der Ehrenspielführer.

Auch wenn er es von sich weist, Uwe Seeler geht ein solches „Gekicke“ nach Freiburger Art schon sehr, sehr nahe: „Es ist grundsätzlich schade. Einen Verein kann man nur gemeinsam führen. Ein Verein wie der HSV ist zwar auch Geschäft, aber das kann man nicht eins zu eins mit dem normalen Geschäft vergleichen, das muss man ganz einfach wissen.“

Was erwartet Uwe Seeler vom 9. Januar, wenn die Jahreshauptversammlung ansteht? Er sagt ein wenig (oder ein wenig mehr) resignierend: „Ich erwarte gar nichts.“ Und genau deswegen wird er auch 2011, wie seit Jahren schon, nicht daran teilnehmen. Es nervt nur noch. Er sagt: „Wir werden auch in dieser Saison keinen Titel holen, aber es betrübt mich deswegen, weil es eigentlich hausgemachte Sachen sind, die uns im Wege stehen.“

Dass die Mannschaft keine Einheit bildet, das sieht auch Uwe Seeler schon seit Monaten. „Man muss seine Mischung kennen, ein gutes Team hat auch eine gute Mischung, und das muss man vorher wissen, daran muss vor einer Saison gearbeitet werden. Und da stimmt es eben nicht“, sagt er. Dabei sollte, so hieß es einst, nach Charakter eingekauft werden. Uwe Seeler lacht (ironisch): „Was heißt denn Charakter? Ein Spieler hat einen guten Charakter, wenn er kämpft, wenn er marschiert, wenn er alles für die Mannschaft gibt. Anscheinend wurde ja schon nach Charakter aussortiert, nur sehen ich keinen. Das ist in meinen Augen alles nur Geschnacke. Fußball lernt man auf dem Platz, auch beim Training, beim harten Training. Dann bekommt man die nötige Fitness, und man bekommt auch die nötige Zweikampfhärte, um dann im Spiel bestehen zu können. Oder ich lerne es gar nicht mehr . . .

Natürlich sieht Uwe Seeler besonders genau hin, wenn Ruud van Nistelrooy spielt – eine Rolle, die einst auch der langjährige HSV-Kapitän inne hatte. Uwe sagt: „Ich halte es für Quatsch, dass er oftmals nach hinten laufen muss, um sich die Bälle zu holen. Er wirkt oftmals verzweifelt auf mich, weil er vorne keine Bälle bekommt.“ Fazit von Seeler: „Wir bleiben aber guter Hoffnung, es muss sich aber viel, viel ändern. Ganz sicher. Zum Glück aber schwächeln ja noch viele Klubs, die in den internationalen Wettbewerb wollen.“ Und: „Ich sage ja auch immer: Mit dem Personal, das wir haben, müsste man eigentlich gar nicht drüber reden, dass wir international spielen wollen, wir müssten es einfach nur erreichen. Aber auch für mich ist in dieser Saison das Erreichen eines internationalen Startplatzes in Frage gestellt – so sieht es leider aus. Wir hoffen es nur.“

So, das war es zunächst einmal. Ich habe heute noch einen späteren Termin, werde deshalb zunächst nicht weiter schreiben können – aber ich melde mich am späten Abend noch einmal zu Wort.
Bis dann, alles Gute. Und die Seeler-Gegner: Immer dran denken, was diese lebende Legende für Hamburg, Deutschland und vor allem für den HSV Großes geleistet hat. Für mich, das steht unumstößlich fest, ist Uwe Seeler der Größte.
Nur der HSV!

17.25 Uhr