Tagesarchiv für den 4. Dezember 2010

Eine einzige Enttäuschung

4. Dezember 2010

Die Hoffnung stirbt ja zuletzt, aber was soll jetzt in Hamburg noch gehofft werden? 0:1-Niederlage in Freiburg, die vierte Auswärts-Pleite in Folge, der HSV ist im absoluten Mittelmaß angekommen. Verdient, völlig berechtigt, denn nur mit Schönspielerei ist in der Fremde nichts zu erben. So lange nicht gekämpft und mehr gelaufen wird, ist das alles harmlos, hilflos, wertlos. Da fehlt mir ganz einfach – immer noch – Herz und Leidenschaft. Es bleibt dabei: Anspruch und Wirklichkeit klaffen viel zu weit auseinander, und mir fehlt weiterhin der Zusammenhalt in dieser Truppe. Das ist zu viel Zufall im Spiel, und wenn der Untergang droht, dann zieht keiner den Nebenmann mit, um dagegen an zu gehen. Es ist dramatisch – wohin soll der Weg des HSV in dieser Saison noch führen? Das war wieder nur eine einzige Enttäuschung.

Auf und ab. Damit haben sich die Kummer und Leid gewöhnten Fans in dieser Spielzeit schon arrangiert. Diesmal war, fast möchte ich schreiben: natürlich, wieder ab dran. Wahnsinn, einfach nur Wahnsinn, dieser HSV.

Nach drei Minuten hieß es schon 1:0 für Freiburg. Foul von Dennis Aogo, Freistoß halbrechts Schuster, Kopfballverlängerung -
und dann ist Cisse zur Stelle. Unglaublich. Am Rande haderte Armin Veh mit allem und jedem. Das darf doch auch alles nicht wahr sein. Wieso kann es nicht einmal in Ruhe und mit Hamburger Souveränität beginnen? Die Freiburger spielten so, wie der HSV zuletzt gegen den VfB Stuttgart: Aggressiv, lauffreudig, frühes Stören. Dagegen fand der HSV kein Mittel. Die Anfangsphase wurde völlig verschlafen, die ersten 20 Minuten wurden abgeschenkt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Der Aufbau hilflos und viel zu langsam, da war es wieder, dieses elende und brotlose Hin-und-her-Geschiebe. Null Raumgewinn, es sah schlimm aus und hatte etwas von Alt-Herren-Fußball. Wenn dann der Ball tatsächlich doch einmal in die Freiburger Hälfte gelangte, dann endete er garantiert als Fehlpass. Blamabel, wirklich blamabel. Besonders Jonathan Pitroipa und Ze Roberto taten sich dabei „hervor“, aber im Grunde genommen waren alle an dieser miesen Vorstellung beteiligt.

Was mich dazu wieder einmal ärgerte: Freistoß für den HSV in der 19. Minute, der Ball liegt drei Meter vor der Mittellinie. Dennis Aogo, endlich, endlich wieder dabei, spielt den Ball quer auf Guy Demel, der auf Heiko Westermann, der auf Tomas Rincon, der zu Demel, der zu Aogo, der noch immer dort stand, wo er den Ball einst quer und zurück gespielt hatte. Und dann? Ein Fehlpass. Was denn sonst?

Es dauerte bis zur 24. Minute, ehe der HSV Gefahr ausstrahlte: Freistoß von Ze Roberto (halbrechts), am langen Pfosten lief Heung Min Son in den Ball, doch er trifft die Kugel nicht richtig, sie fliegt ins Aus. In der Mitte hatte Ruud van Nistelrooy gewartet, vergeblich, und der schimpfte auch. Richtig so, denn bei solchen Chancen muss man sich ganz einfach besser konzentrieren, auch ein junger Mann. Von solchen guten und großen Möglichkeiten gibt es (auswärts) nicht viele, da muss ganz einfach mehr draus gemacht werden.

Son hatte danach noch einige gute Gelegenheiten, doch er ließ sie verstreichen. Das ist wohl seiner jugendlichen Unbekümmertheit in die Schuhe zu schieben. Schade. Als er nach einer Ze-Roberto-Ecke aus zehn Metern frei zum Schuss kommt, mit links aber weit überweg schießt, bedankte sich der Südkoreaner mit einem erhobenen Daumen. Ich halte solche Dinge für vollkommen überflüssig. Den Daumen kann man hoch machen (um sich zu bedanken), wenn man ein Tor erzielt hat, alles andere ist absolut witzlos.

Immerhin: Dass Son zu Chancen kam, dass war dem (späten) Erwachen des HSV geschuldet. Freiburg igelte sich hinten ein, der HSV kam, drückte – und spielte auch variabel. Son tauchte rechts draußen auf, Pitroipa links, Tunay Torun, der diesmal wie angekündigt links begann, war oft in der Mitte sehen. Und auf der linken Seite kreuzte auch Aogo hin und wieder auf der Linksaußen-Position auf. Rechts blieb Rincon im ersten Durchgang nur auf seiner Defensiv zurück, nach vorne ging nichts.

Frank Rost war wieder der große Motivator, aber er übertrieb es nicht. Symptomatische Szene in der 56. Minute: Rincon köpfte einen Ball zur Ecke, obwohl das eigentlich überflüssig war. Rost ging auf den Verteidiger zu, gab ihm einen Klaps auf den Po und motivierte ihn zugleich. Bravo. Rost war, das sei noch erwähnt, an dem 0:1 absolut unschuldig, der Keeper spielte eine fehlerfreie und solide Partie.

Ähnlich war Rincon drauf, aber er schmälert seine Leistung ganz einfach durch seine mangelnden Offensiv-Fähigkeiten. Dafür war er wieder enorm giftig. Das gilt auch für Demel, der ein wenig fahrig begann, sich dann aber steigerte und fast alle Zweikämpfe gewann und eine Stütze des Teams wurde. Dafür lag er im Abspiel nicht immer richtig, doch auch in dieser Beziehung konnte er sich steigern. Westermann tat es seinem Nebenmann oftmals gleich, gute Zweikampf-Führung, gelegentliche schludrige Abspielfehler, insgesamt aber erneut eine gute Vorstellung des Kapitäns.

Links hatte Aogo fast alles bestens im Griff, für mich war es erstaunlich, wie oft sich der Nationalspieler schon wieder ins Spiel nach vorne einschaltete, denn bei 100 Prozent ist er naturgemäß noch lange nicht. Dennoch: Ich war sehr zufrieden mit dem Links-Verteidiger.

Das trifft weniger auf Ze Roberto zu. Der Brasilianer kann doch so viel, doch er konnte es nicht zeigen. Viele Ballverluste, kaum einmal Raum bringende Dribblings, kein gutes Auge in Sachen „tödlicher“ Pass. Einzig mit den Standards lag er richtig, aber für einen Mann seiner Klasse ist das zu wenig.

Vor ihm spielte Piotr Trochowski, und der fand auch erst langsam ins Spiel. Aber er kämpfte sich rein, lieferte ein riesiges Laufpensum ab, versuchte sich im Dribbling, hatte einige Ideen – aber es brachte nichts. Zumal er mit seinen Schüssen kein Glück hatte, das kann er viel besser.

Rechts im offensiven Mittelfeld blieb „Heimkehrer“ Pitroipa diesmal total blass. Zuviel vorgenommen? Auf jeden Fall gelang ihm diesmal nichts, auch daran krankte das HSV-Spiel, denn in den letzten Wochen gehörte „Pit“ immer so den treibenden Kräften des HSV.

Links im Mittelfeld war Torun immer bemüht, lief auch viel, aber oftmals zum falschen Zeitpunkt. Der Türke blieb diesmal glücklos, ich hätte ihn etwas eher „erlöst“, denn es gibt solche Tage, an denen man alles versucht, aber kaum etwas gelingt.

Das traf diesmal auch auf beide Spitzen zu. Son versuchte es immer wieder, aber so richtig gelingen wollte ihm nichts. Und dann, wenn er so spielt, ist er keine Verstärkung für den HSV. Zumal er auch oftmals (zu ungefährlich) schießt, wenn ein Abspiel wesentlich besser sein würde.
Sein „Nebenmann“ van Nistelrooy hatte seine stärksten Szenen immer dann, wenn er den Ball halten konnte. Das macht er wirklich sehenswert, aber Torgefahr? Fast nichts. Nur ein Kopfball Sekunden nach dem Seitenwechsel, das war es. Wobei ich den Niederländer auch ein wenig in Schutz nehmen möchte, denn die richtigen Bälle, die er dann auch verwerten könnte, die wurden ihm nicht in die Schuhe gespielt.

Von den eingewechselten Spielern konnte sich keiner mehr in den Vordergrund spielen. Paolo Guerrero (kam in der 59. für Torun) wollte, konnte aber nicht mehr. Und Eljero Elia (71. für Pitroipa) blieb alles schuldig, alles. Wieder einmal.

Aber das hatte der Niederländer diesmal mit seinem HSV gemeinsam. Insgesamt viel, viel zu harmlos. Mittelmaß eben.

17.36 Uhr