Tagesarchiv für den 2. Dezember 2010

Trochowski hat gelernt

2. Dezember 2010

Sonnabend gegen den SC Freiburg. Einer dieser Überraschungs-Klubs der Saison. Der HSV wird höllisch aufpassen müssen, denn die Dutt-Truppe ist quirlig, schnell, ideenreich, hungrig, unberechenbar. Und hat mit Cisse einen überragenden Knipser in den eigenen Reihen. „Freiburg hat 21 Punkte, und eine solche Ausbeute bis zu diesem Zeitpunkt hat sicher kaum einer erwartet. Doch diese Saison ist ja ohnehin die Saison der Mannschaften, mit denen keiner gerechnet hat. Siehe auch Hannover“, sagt Armin Veh. Wobei der HSV-Coach auch vom Freiburger Trainer Robin Dutt eine hohe Meinung hat: „Ein guter Kollege, weil er auch einen Werdegang hat. Er hat nie in der Bundesliga gespielt, kam praktisch als Unbekannter, war kein großer Kicker, aber er hat schon bei den Stuttgarter Kickers seine Handschrift hinterlassen – und nun beim SC Freiburg. Er hat schon gezeigt, dass er etwas kann, er gehört auch zu jenen Trainern, die einen Plan haben. Das ist meine Meinung, ich bin aber nicht mit ihm befreundet.“

Dann darf man mal gespannt sein, wie sich das Verhältnis der beiden Herren am Sonnabend um cirka 17.20 Uhr so macht. Wobei ich jetzt schon sagen möchte: Armin Veh ist im Moment sehr gut drauf (siehe den vorherigen Bericht um 18.01 Uhr), und ich habe auch Robin Dutt schon einige Male getroffen – ein erstklassiger Fachmann, kein Lautsprecher, ein ruhiger Typ, immer souverän – insgesamt ein sehr netter Mensch.

Das trifft übrigens, um den Übergang zum HSV zu bekommen, auch auf Eljero Elia zu. Ist man mit ihm unter vier Augen, dann gibt er sich tatsächlich wie der nette Junge von nebenan, der kein Wässerlein trüben kann. Auch wenn genau das so mancher von Euch nicht so recht glauben wird. Ist aber so. Nun jedoch bin ich, das schrieb ich bereits, gespannt, wie der 23-jährige Niederländer seinen Hamburger Weg fortsetzen wird. Gestern hielt er sich meiner Meinung nach im Trainingsspiel etwas zurück, aber ich habe Armin Veh nach „seinem Sorgenkind“ gefragt, und der Trainer gab eher Lobendes in Richtung Elia von sich: „Er bessert sich. Und er verbessert sich. Ich habe ihn zuletzt ganz ordentlich gesehen, seine Kurve geht nach oben.“

Es wäre ja zu schön. Elia wird die Reise nach Freiburg sicher antreten, dennoch glaube ich, dass er erst über die Bank wieder in die Mannschaft kommen wird (kommen muss). Dieses Schicksal hat Piotr Trochowski in dieser Phase der Saison hinter sich. Der Billstedter hat einst sein erstes Bundesliga-Tor gegen den SC Freiburg erzielen können, hat seit dieser Zeit aber mit weiteren Treffern extrem gegeizt. Am Sonnabend absolviert er sein 185. Bundesliga-Spiel, er hat in diesen Partien nur 19 Tore erzielen können, viel, viel zu wenig – bei seinem Können, bei seiner Schusskraft. Wie wäre es, „Troche“, Freiburg wäre doch mal eine Gelegenheit, endlich eine Tor-Serie zu starten.

Die Form dazu wäre da. „Ich habe zuletzt immer gespielt, auch durchgespielt, deswegen habe ich den Rhythmus. Ich spüre auch das Vertrauen des Trainers“, sagt der deutsche Nationalspieler. Das sah am 25. September noch ganz anders aus. Die Bilder gingen durch die Republik: Weil Trochowski leichtfertig einen Ball vertändelt hatte, gab es für den HSV eine Niederlage bei Werder Bremen. Armin Veh sagte dem Mittefeldspieler noch auf dem Rasen, was er von diesem schweren Fehler hielt. Der Coach stauchte den kleinen Dribbler schwer zusammen.

Aber: Veh reichte dem „Unglücksraben“ auch am nächsten Tag schon wieder die Hand. Nachtragend ist Armin Veh nicht. „Es war ein dummer Fehler von mir, aber ich mache so etwas ja nicht mit Absicht. Das weiß der Trainer, und deswegen haben wir danach auch ganz normal weitergearbeitet. Er weiß genau, dass ich für die Mannschaft arbeite, dass ich alles dafür tue, damit wir Erfolg haben“, sagt Trochowski rückblickend.

Immerhin: Der Fauxpas von Bremen hat bei Piotr Trochowski für ein Umdenken gesorgt. Er gibt zu: „Nach der Weltmeisterschaft kam ich schwer wieder rein in den normalen Alltag, ich war verletzt. Dann gab es einige Situationen beim HSV, die unglücklich für mich liefen, nicht nur, aber auch die Situation in Bremen. Das war ein grober Schnitzer, daraus muss man lernen, und ich habe daraus gelernt. Ich habe mir meine Gedanken gemacht, ich vermeide jetzt das ganz große Risiko.“

Genau das habe ich nach den letzten Spielen schon beobachtet, er spielt seit Bremen solider. Und, das muss ich bei der Gelegenheit einmal anführen dürfen, es war heute tatsächlich das erste Gespräch, das ich mit Piotr Trochowski seit der WM im Sommer (wir sprachen vorher das letzte Mal – bis heute herrschte Pause) geführt habe. Wenn „Troche“ vom HSV zu einem Gespräch in den Presseraum gebracht wurde, dann war „lediglich“ mein (unser) Kollege Marcus „Scholle“ Scholz zugegen. Zufall, aber es war so.

Deswegen war ich schon erstaunt, wie sich Piotr Trochowski geändert hat. Glaubt es mir, er ist tatsächlich in sich gegangen. Kein großes Getöne mehr, keine Liebeserklärung mehr an andere Klubs im Ausland. Als ihn heute die DPA- Kollegin Britta Körber fragte, ob er denn nicht einmal für einen ausländischen Verein spielen wolle, hob er beschwörend beide Arme und sagte: „Keinen Kommentar. Daran verschwende ich keinerlei Gedanken. Ich denke nur an den HSV, dass wir möglichst schnell wieder bessere Spiele abliefern und Erfolg haben, an mehr denke ich nicht.“

Er hat (wohl) gelernt. Gleich mehrfach. Und wenn er sich darauf besinnt, was er alles kann, dann kann es nur weiter bergauf gehen mit ihm. Davon bin ich (natürlich, der Matz – werden jetzt wieder einige User sagen!) absolut überzeugt. Dennoch ist „Troche“ natürlich kein Leisetreter geworden. Er erklärt sachlich, warum es im Moment so gut für ihn läuft: „In der Vergangenheit war es doch so, dass man mal drin in der Mannschaft war, dann wieder draußen. Und jetzt, wenn man mal sieben oder acht Spiele durchspielt, dann hat man eben ein viel besseres Gefühl, kann die Situation vielleicht besser beurteilen, man macht sich selber nicht mehr so viel Druck.“

Zentral heißt dabei das Zauberwort. Zentral sieht ihn Armin Veh am stärksten, zentral hat Trochowski zuletzt auch meistens gespielt. „Dort kann man sich die Bälle holen, dort werden einem die Bälle zugespielt, dort kann ich das Spiel machen – das ist mein Spiel. Dort kommen meine Fähigkeiten eben besser zum Tragen, und das sieht der Trainer auch so“, sagt Trochowski. Gegen Freiburg könnte es aber sein, dass er wieder links draußen spielen muss. Egal? „Egal ist es mir nicht, aber wenn es nicht anders geht, dann muss es so gehen. Und mdann an muss sehen, was man aus dieser Rolle machen kann“, sagt er.

Es könnte aber natürlich auch so sein, dass Piotr Trochowski auch in Freiburg wieder in die zentrale Rolle schlupfen darf, quasi als zweite Spitze (neben und hinter Tunay Torun) aufläuft. Und links dann entweder Heung Min Son oder Eljeo Elia sowie rechts Jonathan Pitroipa. Abwarten, wie sich Armin Veh entscheiden wird.

Das gilt auch für einen anderen Coach, für „Jogi“ Löw. Immerhin weiß „Troche“, dass die Nationalmannschaft auch in Zukunft ein Thema für ihn sein wird, denn er sagt: „Der Bundestrainer hat mit mir gesprochen, als ich beim ersten Länderspiel nach der WM nicht nominiert wurde. Da ist alles im Lot, Joachim Löw weiß, was er an mir hat, und ich habe jetzt genügend Zeit, mich wieder für das erste Länderspiel 2011 zu empfehlen.“ Ich weiß, dass ihn einige HSV-Fans schon in Sachen Nationalmannschaft abgeschrieben haben, aber ich denke, er wird weiterhin für Deutschland spielen. Mal sehen, wer dann richtig liegt.

Quasi „nebenbei“ kann sich Piotr Trochwski auch auf seinem „Weg zurück“ für einen neuen Vertrag in den Vordergrund spielen. Beim HSV – oder eben für einen anderen Klub, wenn es keine Einigung in Hamburg geben sollte. Wobei der Mittelfeldmann auch zu diesem Thema sagt, dass er sich damit im Moment nicht beschäftigt: „Ich würde natürlich gerne weiter zentral spielen, weil es dort für mich am meisten Spaß bringt. Unabhängig einmal davon möchte ich jetzt keinen Blick voraus wagen. Ich weiß nicht, wie es im Sommer 2011 ausschauen wird, dazu ist es jetzt noch zu früh. Zurzeit mache ich mir diesbezüglich keinerlei Druck, ich hoffe nur, dass wir die nächsten drei Spiele positiv gestalten werden, und nach der Winterpause wir gehen dann in eine Rückrunde, in der wir noch viel erreichen können.“

Dann hoffen wir mal mit Piotr Trochowski. Und für den HSV!

So, zwei schnelle Dinge noch am Rande. Der Kollege „Scholle“ ist heute erfolgreich am Knie operiert worden (Knorpelschaden), ich möchte ihm auch auf diesem Wege gute Besserung wünschen.

Und dann heißt es ja so schön in der Werbung: Der nächste Winter kommt bestimmt. Und damit auch die Winterpause. Ich muss dabei einmal etwas beichten. Im Sommer hatten wir Eure Sommer-Geschichten, einige davon sind aber im Sommer nicht erschienen, weil dann die Saison schon weder begann. Ich habe gesagt, dass ich Eure Geschichten für diesen Winter aufbewahren werde, aber ich habe zu viel versprochen, denn: Wie Ihr vielleicht mitbekommen habt, gab es nun für das Hamburger Abendblatt ein neues System. Beim Übergang vom alten auf das neue sind nicht nur diese Eure Texte (leider, leider) verschwunden, sondern viel, viel mehr. Es wurde intensiv gefahndet, aber es wurden nur Bruchstücke gefunden. Es tut mir sehr, sehr weh – ehrlich.

Wenn Ihr aber Eure Geschichten noch gespeichert haben solltet, dann wäre es klasse, wenn Ihr sie mir noch einmal (unter der Gewinnspiel-Adresse im Internet – und dann mit dem Stichwort Wintergeschichte) schicken würdet. Und alle diejenigen, die sich noch nicht beteiligt hatten, es aber immer schon mal wollten – bitte. Und auch diejenigen, die sich beteiligt hatten, aber noch mehr auf Lager haben – bitte.
Ich würde mich sehr freuen, von Euch zu lesen.

Training am Freitag um 10.30 Uhr im Volkspark

22.00 Uhr

Nächste Einträge »