Monatsarchiv für Dezember 2010

Die Rückrunde . . . So oder so ähnlich läuft sie

31. Dezember 2010

So, es geht dem Ende zu. Aber es geht Euch ja wie mir – der HSV ist auch in diesen Stunden immer allgegenwärtig. Ich habe mich an diesem Freitag mal mit der Zukunft beschäftigt, und die ist in meinen Augen total und absolut positiv für unsere drei großen Buchstaben. Es ist alles nicht ganz ernst gemeint, es ist alles ehre ein wenig scherzhaft angedacht – und wer darauf jetzt noch nicht kann, der sollte sich besser erst einen in den Tee kippen, oder auch gar nicht erst weiterlesen. Auf jeden Fall wünsche ich allen “Matz-abbern” einen wunderschönen Rutsch und ein gutes, ein nicht nur für den HSV erfolgreiches, friedliches und vor allem gesundes neues Jahr. Alles Gute für Euch, und trinkt nicht zu viel in dieser Nacht.

So, und nun geht es los – mit dem nächsten halben Jahr:

Alles ist besprochen. Und das ist gut so. Bei Matz ab – und beim HSV. Die Dame und die Herren aus der Vereinsführung sind sich einig, es geht weiter wie bisher. Damit ist nur die personelle Besetzung gemeint, ansonsten bessert sich natürlich alles. Und zwar grundlegend. Ihr werdet es sehen.

Und jetzt auch lesen können. Ich habe mir, wie gesagt, einmal die Mühe gemacht, in die Zukunft zu sehen, ich möchte ich die nächsten sechs HSV-Monate nun auch nicht länger vorenthalten. Alles wird gut, Ihr werdet es erleben.

Die Rückrunde wird, so wie ich sie sehe, zu einem einzigen Triumphzug des HSV. Aber seht selbst:

Der erste Spieltag im neuen Jahr führt den HSV zum FC Schalke 04. Weil dort der Dachschaden immer noch nicht behoben werden konnte, wird in der alten, denkmalgeschützten Glück-auf-Kampfbahn gespielt. Armin Veh, der gerade mit dem neuen Aufsichtsrats-Chef Manfred Ertel den Vertrag bis ins Jahr 2016 verlängert hat, zieht, weil es gegen den “harten Hund” Felix Magath geht, andere Saiten auf. Am Morgen vor dem Spiel wird um 6 Uhr trainiert. Die Traversen im alten Parkstadion sind relativ gut erhalten, da geht rauf und runter, im Sprint, auf einem Bein, rückwärts. So soll die Konzentration auf die 90 Minuten, die ja noch bevorstehen, geschult und geweckt werden. Die vielen Kumpels, die zu dieser Zeit zur Arbeit in der Zeche „Ewald“ fahren, sind tief beeindruckt. Einige lächeln aber auch. Weil sie glauben, dass der HSV so unnötig viel Kraft bereits am frühen Morgen vergeudet. Denkste. Nur der frühe Vogel . . .

Vehs Plan geht auf. Der HSV gewinnt bei den Knappen knapp mit 1:0. Wie heißt es doch im Fußball schon immer: 1:0-Siege sind die schönsten. Das Tor erzielt Heung Min Son, der extra von den Asien-Spielen eingeflogen worden ist – da Südkorea erst zwei Tage später gegen Nordkorea antreten muss. Aber, Anerkennung HSV: Dieser Aufwand hat sich gelohnt.

Und zur Belohnung gibt es tags darauf für die Sieger ein etwas späteres Training. Die Mannschaft läuft erst um 6.30 Uhr durch den Volkspark. Einige Rentner, die zu dieser Zeit mit ihren Hunden spazieren gehen, bemerken – völlig daneben: „So spät? Beim HSV hat nach diesem Dreier auf Schalke wohl schon wieder der humane Strafvollzug Einzug gehalten . . ?“ Armin Veh lässt sich aber nicht von seiner konsequenten Linie abbringen, er zieht den „neuen Veh“ auch bei Minusgraden von 14 Grad eiskalt durch – und die Spieler ziehen freudig mit. Ist jedenfalls ihren Mienen abzulesen.

Am zweiten Spieltag kommt Eintracht Frankfurt in die Hölle nach Hamburg. Die Hessen gehen durch ein Abseitstor von Gekas (ausgleichende Gerechtigkeit für Piotr Trochowski 2009) in Führung, aber das beeindruckt den neuen HSV in keiner Weise. Lennard Sowah, die Entdeckung des Trainingslagers in Dubai, schafft in der zweiten Halbzeit einen echten Hattrick, schießt den HSV zum 3:1-Sieg und diktiert danach in die Blöcke der staunenden Reporter: „Ich habe immer an mich geglaubt. Wer für Portsmouth in der Premier League gespielt hat, für den ist die Bundesliga ein Klacks. Mein Ziel ist nun die Nationalmannschaft, Jogi Löw könnte mich ruhig mal anrufen.“ Neben Sowah überragt beim HSV auch der neue Innenverteidiger Horst-Dieter Schwarzenbeck, den der HSV bis zum Saisonende von seinem Bruder Georg „Katsche“ aus dem legendären Schreibwaren-Zubehör-Geschäft in München ausgeliehen hat. Die Leihgebühr für den 37-jährigen, kantig-knorrigen Abwehrspieler beträgt 1.5 Millionen (ein Schnäppchen, wie HSV-Boss Bernd Hoffmann versichert) und würde sich nur in dem Fall, dass der HSV noch in die Champions League einzieht, um 0,5 Millionen erhöhen, zahlbar in 30 Raten bis zum Jahr 2023. Zudem besteht eine Kaufoption seitens des HSV auf Schwarzenbeck, die aber ist nur innerhalb der nächsten drei Jahr einzulösen.

Dieser Transfer aber hat sich bereits nach zwei Spieltagen bezahlt gemacht, der HSV hat schon zwei Dreier eingefahren und rangiert in der Zwischenzeit auf Rang acht. Weiter geht es. Spieltag drei, die Partie beim 1. FC Nürnberg. Armin Veh stellt Eric-Maxim Choupo-Moting neben Ruud van Nistelrooy in den Angriff, und schon beginnt das muntere Scheibenschießen. „Choupo“ trifft gegen seine alten Kameraden dreimal, „Van the man“ erzielt gleich vier Treffer und leckt wieder Blut – er träumt jetzt doch wieder vom Titel des Bundesliga-Torschützenkönigs. Der HSV siegt 7:3 an der Noris – die Bundesliga ist gewarnt, die Macht aus dem Norden ist wieder voll da und rollt das Feld – anscheinend – von hinten auf. Der begeisterte AR-Chef Manfred Ertel schlägt noch am Abend des dritten Sieges des Jahres vor, den Vertrag mit Armin Veh vorzeitig bis 2017 zu verlängern, doch der neue Sportdirektor Olaf Kortmann lehnt das (noch) ab. Er hält den Ball total flach und sagt cool: „Wir müssen erst einmal die weitere Entwicklung abwarten, ich bin kein Freund von Schnellschüssen – auch drei Schwalben machen noch keinen Sommer.“ Wie wahr.

Am vierten Rückrunden-Spieltag geht es gegen den Kiez. Es gilt für den HSV, die 1:1-Niederlage aus dem Hinspiel wettzumachen. Ganz Hamburg wartet voller Spannung auf das Derby, auf der Reeperbahn werden 100 000 Fans zum Public Viewing erwartet, es herrscht der Ausnahmezustand. Die Süd-West-Kurve im Volkspark bleibt allerdings leer, die St.-Pauli-Fans sind nicht gewillt, den „Sportgroschen“, den der HSV in Sachen Ausleihe für Horst-Dieter Schwarzenbeck bis zum Saisonende erhebt, zu bezahlen. Lediglich Corny Littmann, der für mich der “gefühlte” Ehrenpräsident des FC ist (!), hat sich auf die Tribüne im Volkspark getraut (per Freikarte!). Der Theater-Boss hofft darauf, neben der Prominenz sitzen zu können: Angela Merkel hat sich angesagt. Und sie will auf jeden Fall nach dem Spiel die Sieger-Mannschaft in der Kabine besichtigen. Nein, sie will gratulieren. Was zur Folge hat, dass sich beim FC St. Pauli die Spieler Boll, Rothenbach, Lehmann, Gunesch, Naki und Bruns kurzfristig krank abgemeldet haben. Beim HSV wurden nur kurz „Gegenmaßnahmen“ angedacht, aber Sportdirektor Kortmann sprach ein Machtwort: „Wir müssen da durch, und wir gehen da auch durch – egal wer da auch kommen mag.“

Der HSV gewinnt das Derby 4:2, und alle Fotografen stürzen sich danach (in der Kabine) auf den dreifachen Torschützen David Jarolim, der mit nacktem Oberkörper (und auch sonst) immer wieder von der Kanzlerin geknuddelt wird. Olaf Kortmann verdreht wie zum Spaß die Augen und gibt Jarolim zu verstehen: „Wir müssen da durch. . . „ Wir! Es hilft ja aber auch, das wissen alle in der Kabine, gleichzeitig der deutsch-tschechischen Friedensverständigung.

Der HSV ist ab sofort nicht mehr zu bremsen. Vierter Spieltag, vierter Dreier. Fast-Meister Dortmund beginnt zu zittern, die Bayern fürchten das Schlimmste. Und Diego auch. Der schreibt vor dem Heimspiel des VfL gegen den HSV in sein Tagebuch: „Ich hoffe, dass mir nicht wieder fünf von meinen fünf Schwalben abgepfiffen werden, das ist doch eine absolut negative Quote, so macht mir Fußball keinen Spaß. Selbst gegen den HSV nicht.“ Aber es kommt dann noch schlimmer für Diego und Wolfsburg. Frank Rost fängt einen Foulelfmeter, den Schiedsrichter Günter Perl nach einem harmlosen Zweikampf zwischen Grafite und Joris Mathijsen gegeben hatte, mit der linken Pranke. Der Schuss kam von Diego, der sich danach auf dem Elfmeterpunkt eingräbt. Rost zerquetsch den Ball mit seiner Hand und forderte „neue Bälle“. Mit denen siegt der HSV dann ganz locker 3:0, so dass auch Dieter Hoeneß neidlos anerkennen muss: „Der HSV hat den besseren Trainer, hat sich in der Winterpause viel besser verstärkt, der HSV hat die viel bessere Mannschaft und den wesentlich besseren Vorstand, Aufsichtsrat und Sportdirektor – das 3:0 geht auch in dieser Höhe absolut in Ordnung.“ Alles alte Hüte, war doch schon allen bekannt. Aber gut, wäre das auch noch geklärt.

Es folgt das Heimspiel gegen Bremen. Da Werders Interimstrainer Wolfgang Rolff, der den entlassenen Thomas Schaaf vertritt, ja immer noch die Raute im Herzen trägt, ist die Frage nach dem Sieger bereits vor dem Anpfiff geklärt. Auch der kurzfristig in Gnaden wieder aufgenommene Kugelblitz XXXL-Ailton kann die Bremer nicht mehr retten, der HSV siegt locker 2:0 – und schont sich in den zweiten 45 Minuten schon für das Auswärtsspiel beim 1. FC Kaiserslautern.

In der Pfalz geht längst die Abstiegsangst um, deswegen haben die „Roten Teufel“ auch wieder Torwarttrainer Gerry Ehrmann ins Gehäuse beordert. Der Plan, der dahinter steckt: Falls der HSV in der Schlussviertelstunde klar führt, soll Ehrmann einen Pfosten durchbeißen und anschließend noch die Latte zerknicken. Armin Veh aber erfuhr davon und durchkreuzt diese hinterlistige Aktion: Im Mannschaftsbus lauert Fahrer Miroslav Zadach bereits mit einem Ersatztor, das dann auch tatsächlich in der 78. Minuten eingesetzt wird. Ehrmann muss ausgewechselt werden, er hat sich im linken Pfosten festgebissen. Der HSV siegt 3:1 und steht inzwischen auf Platz sechs, der internationale Startplatz ist nun zum Greifen nahe.

Es kommt Mainz 05 in den Volkspark, FSV-Coach Tuchel lässt seine Mannen am Tag des Spiels um 5.30 Uhr durch den Volkspark laufen – und trifft dabei auf den HSV. Veh lässt nicht locker, seine Umstellungen des Trainingsplans haben den HSV nach oben katapultiert, der HSV-Trainer wird gefeiert. Joachim Löw schlägt ihn als seinen Nachfolger im Bundestrainer-Amt vor, doch die Lichtgestalt Franz Beckenbauer („Der Armin ist noch zu jung“) und HSV-Sportdirektor Olaf Kortmann haben etwas dagegen: „Ich bin gegen Schnellschüsse, ich bin auch gegen die zu frühen Schwalben, die den Sommer ankündigen – Armin Veh soll sich erst einmal in Hamburg beweisen. Und dann werde ich zur gegebenen Zeit mit Theo Zwanziger reden, wie es um die Ablösesumme bestellt ist. Der DFB ist dem HSV wegen der Hoyzer-Affäre ja immer noch etwas schuldig.“ Richtig so!

Das Spiel gegen Mainz 05 endet mit einem knappen 2:1 für den HSV, weil sich der Giftnickel Tuchel doch nicht ganz so leicht abschütteln lässt.
Abgehakt. Es geht nach München.

Um Tag nach dem 3:2-Auswärtssieg des HSV, der souveräner war als er aussieht, kommt „Dittsche“ endlich mal wieder in Bestlaune in die Eppendorfer Grill-Station: „HSV, HSV, HSV . . .“ So trällert er laut vor sich hin. Und dann sprudelt es aus ihm heraus: „Weckgefeecht haben wir die, total weckgefeecht. Das war ‘ne Welt-Vorstellung, mein Ingomann, das war ‘ne echte Welt-Vorstellung. Ein Traum. Schöner als Frau Karger. Drei Tore von van Nistelruud. Der HSV ist wieder wer, Bundesliga, wir kommen – mach’ mal ‘nen Hobel klar.“

Kurios wird es dann beim 5:2 gegen den Tabellenvorletzten 1. FC Köln. Beim Stande von 0:0 haut Podolski einen Foulelfmeter, den Schiedsrichter Günter Perl nach einem harmlosen Zweikampf zwischen Joris Mathijsen und Lanig gegeben hat, an die Querlatte. Der daraus resultierende Konter wird von Eljero Elia zum 1:0 genutzt.

Der HSV ist längst die Mannschaft der Stunde. Nach dem 4:0-Sieg bei der TSG 99 Hoffenheim wird die gesamte Mannschaft zu „Wetten dass . . . (die harmlose Form)“ eingeladen, und Jonathan Pitroipa muss ein ganz besonderes Kunststück vollbringen. Er wettet, dass er acht Hoffenheimern innerhalb von vier Minuten Knoten in die Beine spielen kann, ohne dass die sich bis zum Beginn des Sportstudios um 2.45 Uhr wieder davon befreien können.“ Topp, die Wette gilt. Doch selbst als Ralf Rangnick mit einer Schere kommt, gelingt es nicht – „Pit“ gewinnt ganz locker und wird Wettkönig. Er gewinnt einen Freiflug nach Blankenese und zeigt sich total gnädig: Er löst bei den acht Hoffenheimern kurz vor dem Ende bei der After-Show-Party um 10.28 Uhr sämtliche Knoten auf. Ein versöhnliches Ende eines erfolgreichen Betriebsausflugs.

Vor dem Heimspiel gegen Meister Borussia Dortmund betritt Bernd Hoffmann die Kabine. Er „dopt“ die Mannschaft auf die ihm eigenen Art: „Jungs, ich werde im August Vater von Zwillingen, es ist das dritte Mal – das könnt Ihr doch auch, oder? Also, haut rein, ein Dreier ist Pflicht.“ Und wie. Trochowski, van Nistelrooy und Petric sorgen mit jeweils einem Doppelpack für einen 6:0-Vorsprung, den Jarolim in der Schlussminute noch mit nur (leider, der einzige Schönheitsfleck an diesem Tag) einem Treffer auf 7:0 ausbaut. Kloppo, der nach dem letzten Tor kurz noch mit den Zähnen gefletscht und Schiedsrichter Sippel gedroht hatte, lacht danach trotz allem, denn seine Mannschaft ist ja bereits seit vier Wochen Meister. Und gönnerhaft sagt er in der PK: „Ich wäre ja fast einmal Hamburger geworden, deswegen gönne ich meinem Fast-Verein auch, dass er international spielt.“ Das ist wahre Sportler-Freundschaft. Man muss auch verzeihen können.

Hannover 96, inzwischen auf Platz 14 angekommen, kommt ohne Mirko Slomka in den Volkspark. Auf der Trainerbank sitzt 96-Präsident Martin Kind, aber der hört besser als dass er sieht, ohne Durchblick verliert der „kleine HSV“ gegen den „großen HSV“ mit 0:5. Auch der kurzeitig reaktivierte Dieter Schatzschneider (auf 128 Kilo abgespeckt!), der seinen Hamburgern nur allzu gern noch das eine oder andere Ei ins Nest gelegt hätte, konnte diese 96-Schmach nicht verhindern.

Der HSV steht inzwischen auf Rang vier. Ganz Hamburg träumt vom Meer – oder so. Naja, nicht ganz Hamburg, aber fast. Es geht zum VfB Stuttgart. Die Schwaben zittern noch, müssen alles geben – doch Sekunden vor dem Anpfiff dies: Khalid Boulahrouz kippt wie vom Blitz getroffen um und muss vom Platz getragen werden. Einsatz ausgeschlossen. Der HSV gewinnt deshalb locker 4:1, und nach dem Spiel sagte „Boula“ schon wieder ganz lebendig: „Ich wollte meinen Hamburger Freunden bei ihrer Aufholjagd nicht im Wege stehen. Und vielleicht wissen sie das ja zu schätzen, wenn es um die Neueinkäufe für die nächste Saison in der Champions League geht.“ Sportdirektor Olaf Kortmann konnte, als er davon hörte, ein viel sagendes Lächeln nicht verbergen.

Am drittletzten Spieltag kommt der SC Freiburg nach Hamburg. Lotto King Karl hat seine Kult-Hymne umgetextet: „Hamburg, meinen Kerle . . .“ Da der HSV kurzfristig auf Frank Rost, der zu einem Manager-Lehrgang musste, ausfällt und Jaroslav Drobny inzwischen Torwart-Trainer bei Hertha BSC geworden ist, steht Richard Golz (der wie ein Held gefeiert wird) zwischen den Hamburger Pfosten. Alles geht gut, hinten steht die Null – und vorne die Sechs. Der HSV rückt auf Platz drei vor, und um die Arena herum drehen Ehrenpräsident Uwe Seeler sowie sein „Flankengott“ Gert „Charly“ Dörfel auf einer Harley Ehrenrunde auf Ehrenrunde, lachend und freundlich ins Publikum winkend. So schön kann Fußball sein.

Auch in Leverkusen ist der HSV danach nicht mehr zu stoppen. Die „Überflieger“ aus Hamburg drehen bei „Osram“ sämtliche Birnen aus und gewinnen mit 4:1. Frank Rost findet nach diesem Sieg lobende Worte indem er sagt: „Das habe ich damals gemeint: Armin Veh ist mein Zauberlehrling, er ganz allein hat uns nach oben gezaubert – und ich habe es immer gewusst. Wer ist Goethe, wer ist Schiller, was ist die Glocke? Veh ist mein Mann, ist unser Mann.“

Das sieht auch Sportdirektor Olaf Kortmann so. Gemeinsam mit seiner “rechten Hand” Carsten Kober wird beschlossen: Der Vertrag mit dem Trainer wird noch vor dem letzten Spieltag vorzeitig bis 2020 verlängert. Das setzt wieder Kräfte frei. Gegen Absteiger Mönchengladbach gibt es dann einen sensationellen 9:0-Erfolg, bei dem es zwei beachtenswerte Dinge gibt: Schiedsrichter Günter Perl gibt nach einem Foul an Pitroipa einen Strafstoß für (!) den HSV, und: Ruud van Nistelrooy trifft an diesem legendären Nachmittag acht Mal und setzt sich noch vor dem Schalker Raul mit 34 Toren an die Spitze der Torjägerliste. Und, keine Frage: van Nistelrooy verlängert seinen Vertrag natürlich ebenfalls, aber nur um ein Jahr. Mit einem Augenzwinkern sagt er bei der Unterschrift: „Ein bisschen Unabhängigkeit muss bleiben – falls sich der FC Barcelona doch noch einmal bei mir meldet . . .“

Könnte passieren. Wenn der HSV als Vizemeister in der Champions League auf die Spanier trifft, dann werden die sicher überlegen, wie sie van Nistelrooy aus dem Spiel nehmen können.

Ende gut, alles gut. „Ich habe es immer gewusst, ich habe immer an alle geglaubt, ich bin am Ende meiner Träume – und mache natürlich weiter. Bis zur Rente, ich halte mein Wort“, sagt der überglückliche Bernd Hoffmann. Seine ersten Amtshandlungen nach der Saison: Berg, Rozehnal, Taveres, Thiago Neves und Gravgaard werden nach Hamburg zurückkehren, um Silva wird noch gekämpft. Letzteres sagt Sportdirektor Olaf Kortmann. Auch eine Art, sich gleich wieder unbeliebt zu machen – aber er muss es ja wissen.

Wer ist Real Madrid? Wer ist Arsenal? Wer ist Barcelona? Oder auch Manchester United? Der HSV hat die Rückrunde der Vereinsgeschichte gespielt und sich gleichzeitig im Konzert der „ganz, ganz Großen“ in Europa zurückgemeldet, und zwar nachhaltig. Eine solche Siegesserie ist schließlich einmalig. Und hat zur Folge: Der Vorstand sitzt fester im Sattel als jemals zuvor, der Aufsichtsrats-Vorsitzende Manfred Ertel bietet Bernd Hoffmann das „Du“ und zudem einen Renten-Vertrag an, die Spieler fliegen am Ende der Saison (ohne Frauen!) nach Mallorca und feiern die grandiose Auferstehung des Hamburger Teamgeistes. Er war, neben dem Zauberlehrling (Veh), die Ursache für die Auferstehung des HSV. Jetzt haben es endlich alle begriffen, auch der letzte Profi:
GEMEINSAM SIND WIR STARK !!!

So, Ende, nur noch wenige Stunden bis 2011 – macht es gut!

17.24 Uhr

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