Monatsarchiv für November 2010

Dütt un datt – und danke!

29. November 2010

In der Bundesliga jubeln die Verantwortlichen. Grund: Die großartigen Spiele, die vollen Stadien und die vielen, vielen Tore. 405 sind es in den bisherigen 126 Spielen dieser Saison, das macht ein Schnitt von 3,21 pro Partie. Ein Grund zum Jubeln? Wenn ich da an die HSV-Defensive denke, verschwende ich keinen einzigen Gedanken daran, über die 22 Gegentreffer, die sich Frank Rost und Jaroslav Drobny eingefangen haben, hoch erfreut zu sein. Und ich denke einmal, dass diese „herrliche Tor-Quote“ in den anderen Bundesliga-Klubs ebenfalls mit Argwohn betrachtet wird. Es ist zwar wunderschön, wenn ein Team 4:3 oder 5:4 gewinnt, aber den Trainern wachsen dadurch die grauen Haare bestimmt ein wenig schneller. Und natürlich hat sich auch Felix Magath zum Beispiel nicht über die fünf Tore von Kaiserslautern in irgendeiner Form gefreut, obwohl fünf Tore ja deutlich besser sind als 3,21 . . . Nein, nein, diese hohe Torquote stimmt mich, immer dabei an den HSV denkend, ganz sicher nicht zufrieden.

Heute wurde im Volkspark nicht trainiert. Dann zucke ich immer zusammen. Und vielen von Euch ergeht es, das ist den Beiträgen zu entnehmen, ebenso. Aber lassen wir die Kirche mal im Dorf, die Herren Profis haben ihren einzigen freien Tag in der Woche heute. Und dieser eine freie Tag sei ihnen nicht nur gegönnt, diesen freien Tag muss es ganz einfach auch geben. Und wenn hier gefragt wurde, was an solchen Tagen die verletzten oder angeschlagenen Spieler machen: Die lassen sich pflegen, trainieren im Kraftraum oder laufen durch den Volkspark. Die tun also durchaus etwas, damit sie so schnell wie möglich wieder fit werden.

Dazu gehören auch zwei Spieler, die heute schon morgens um acht Uhr in der Arena anzutreffen waren: Dennis Aogo und Marcell Jansen. Die so schmerzvoll und lange vermissten Linksfüße. Wenn es über Nacht nicht noch irgendwelche Komplikationen gibt, dann wird WM-Teilnehmer Aogo morgen (Dienstag) wieder ins Mannschaftstraining einsteigen (können). Und, lasst mich einmal weiter spekulieren, wenn es dann in dieser Woche besonders gut läuft für den Nationalspieler, dann könnte er am Sonnabend tatsächlich sein erstes Bundesliga-Spiel dieser Saison bestreiten. Das dann ausgerechnet in Freiburg, seinem ehemaligen Klub. Das wäre doch mal wieder eine besonders schöne Geschichte.

Bei der Gelegenheit, Ihr habt ja auch einige Male schon nach Lennard Sowah gefragt – auch in Linksfuß. Warum er trotz der Personalnot hinten links nie eine Chance bekam? Natürlich hat der ehemalige Jugendspieler des SC Urania fünf Einsätze für den FC Portsmouth in der Premier Legaue gehabt. Fünf Spiele von Beginn an, zweimal wurde er ausgewechselt. Diese Einsätze hat er aber vor allem deswegen bekommen, weil Portsmouth praktisch frühzeitig als Absteiger feststand – und weil einige Stammspieler mit solchen Verträgen ausgerüstet waren, dass wenn sie auf eine gewisse Zahl von Einsätzen kommen würden, der Vertrag automatisch verlängern würde. Also setzte Portsmouth in der letzten Phase der Saison (viele) Reservisten ein. Dazu gehörte auch Sowah.

Ich sehe ihn ja oft im Training, und es ist in der Tat so, dass er sich nicht gerade aufdrängelt für einen Einsatz in der Bundesliga. Auch bei den Begegnungen der HSV-Regionalliga-Mannschaft zeigt Lennard Sowah nicht unbedingt, dass er auf dem Sprung in die Profi-Truppe ist. Ich muss aber auch sagen, dass es Trainingstage (bei den Profis) gibt, an denen er keineswegs krass abfällt. So dass ich mitunter auch so bei mir dachte: „Für einige Minuten würde ich ihn, je nach Spielstand natürlich, durchaus einmal sehen wollen.“ Aber das ist eben ganz allein die Sache von Armin Veh. Und er sieht das ganz einfach anders. Wobei ich auch das Gefühl habe, dass der 18-jährige Lennard Sowah innerhalb des HSV-Profi-Teams einen – sagen wir es mal etwas vorsichtig – schweren Stand hat. Woran das auch immer liegen mag . . . Aber auch im Profi-Fußball gilt wohl: Lehrlings-Jahre sind keine Herren-Jahre.

Übrigens: Auch Collin Benjamin hat heute trainiert, es könnte durchaus sein, dass auch er morgen, spätestens aber in dieser Woche, wieder ins Mannschaftstraining einsteigt. Es geht doch langsam bergauf.

Und wo ich gerade bei Training bin: In Jenfeld, beim Fußball-Verband, war heute fast ein HSV-Tag. Da gab es einen Fortbildungstag für Fußballlehrer, und dabei waren – neben anderen – Thomas von Heesen, Manfred Kaltz, Peter Nogly, Michael Schröder und Richard Golz. Einer der Redner bei dieser Veranstaltung war der Schweizer Paul Meier, der jetzt beim HSV den Talentschuppen unter sich hat.

So, genug vom Training heute. Kurz möchte ich noch einmal auf das Stuttgart-Spiel eingehen. Weil ich gefragt wurde, wie ich zur verbalen Vorstellung von Frank Rost stehe? Grundsätzlich, das muss ich mal sagen, freue ich mich immer, wenn „Leben in der Bude“ herrscht. Das heißt, wenn es auf dem Platz (!) eine rege „Kommunikation“ zum Nachdenken (oder zum Überdenken) der gebotenen Leistungen gibt. Deswegen war es gut, dass Rost wieder dabei war. Ich bin aber, wie viele von Euch hier, auch der Meinung, dass alles bestens dosiert sein sollte.

Ich denke noch heute daran, wie sich Rost David Jarolim zur Brust genommen hat. Das kann im Eifer des Gefechts mal passieren, man steht ja unter Strom. Aber dann, und das vermisse ich grundsätzlich beim HSV, muss es auch wieder gut sein. Das heißt: Bei der nächsten Ecke (Freistoß, Verletzung) sollten sich beide Spieler, die sich da gefetzt haben, wieder versöhnen. Ein freundschaftlicher Klaps auf den Po, ein nettes Wort zur rechten Zeit, dann stimmt es auch mit dem Teamgeist wieder. Aber das passiert eben nicht. Da wird dann weiter geschmollt und gerollt. Und alle wundern sich, dass da unten keine Mannschaft auf dem Rasen steht.

Und dann noch ein Kommentar zum „Nachspiel“ von Frank Rost. „Dann können sie einen anderen da reinstellen.“ Gemeint war sein Tor, sein Job, sein Ein und Alles. Auch das kann mal im Eifer des Gefechts „rausrutschen“, aber die Gefahr ist dabei sehr, sehr groß, dass man sich damit keinen neuen Freundeskreis erschließt. Die Mitspieler sind sauer, dass sich einer aus dem, was da in 90 Minuten zuvor gelaufen ist, ganz einfach mal raushält. Und die Fans haben mit Sicherheit auch herzlich wenig Verständnis, wenn ein HSV-Profi damit droht, seinen Posten zur Verfügung stellen zu wollen. Wie soll diese Zweckgemeinschaft von Profis dann noch irgendwann und tatsächlich eine Einheit werden. Und: So wird ein interner Kritiker (Frank Rost) sicher nicht bei allen erreichen, dass sie in Zukunft mehr laufen und alles für die Mannschaft geben. Da könnte ich mir eher das Gegenteil vorstellen . . . Aber das wird man weiter beobachten müssen.

Ein Abstecher noch zu Robert Tesche. Der wurde von vielen (hier) nach dem Stuttgart-Spiel zerrissen. Auch ich war dabei, obwohl ich ihm noch einige gute Szenen attestiert habe. Grundsätzlich denke ich über Tesche aber so: Er hatte lange nicht gespielt. Wenn dann der Trainer kommt und sagt: „Robert, du spielst hinten rechts.“ Was soll er dann sagen? „Nein danke, Trainer, das ist nicht meine Position, da stellen sie man einen anderen hin.“ Tesche, der Mittelfeldspieler, der einst bei seiner Ankunft aus Bielefeld in Hamburg sagte, dass er sehr gerne auf der „Zehn“ spielen würde, nickte und akzeptierte den Wunsch des Trainers. Das hätten wir alle gemacht, oder?

Und dann quält er sich mühsam über die Runden. Hat viele schlechte und einige gute Momente. Genau so, wie es ein Spieler mit seinem „Vorleben“ ganz einfach haben muss. Er ist nervös, er weiß genau, dass alle, wirklich alle auf ihn blicken. Und er weiß, dass jeder Zweite davon auf Fehler von ihm wartet. Und prompt passieren die. Wer hatte denn unter diesen Umständen eine grandiose Verteidiger-Vorstellung von Robert Tesche erwartet? Ich nicht. Solide sollte sie sein, und sie war für meine Begriffe nur knapp ein wenig darunter. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn der Mittelfeldspieler Robert Tesche demnächst einmal im Mittelfeld zeigen dürfte, was er drauf hat. Und das ist nicht wenig, denn im Training zeigt er des Öfteren, dass er auf jeden Fall hart und platziert schießen kann. Das dürfte er dann, mit etwas mehr (oder viel mehr) Selbstvertrauen dann auch zeigen können. Also, bitte nicht gleich verdammen – den Ersatz-Verteidiger.

Bei der Gelegenheit, Verteidiger ist das Stichwort: Am Ende dieser Woche läuft die Nominierungsfrist für den Aufsichtsrat ab. Es haben sich schon einige gemeldet, es werden sich bestimmt noch einige melden – ich aber vermisse den Namen Ditmar Jakobs. Der ehemalige HSV-Kapitän wurde schon so oft hinter den Kulissen gehandelt, für mich wäre es äußerst erfreulich, wenn sich der „alte Recke“ zu einem solchen Schritt entschließen könnte. Je mehr Fußballer dort sitzen, desto besser ist es um den Fußball innerhalb des HSV bestellt – denke ich einmal amateurhaft für mich.

So, dann noch kurz zu zwei erfreulichen Dingen. Eva und Niels (auf dem Foto) haben in Eurem Namen Hermann Rieger das Geschenk überreicht – vielen, vielen Dank dafür. Der Kult-Masseur war gerührt, sprach von „Wahnsinn“,„sensationell“ und „Ihr seid einfach eine Wucht!“ Das teile ich voll und ganz. Es war traumhaft, wie Ihr Euch um Hermann gesorgt habt und auch immer noch sorgen werdet. Und die Summe von 677,50 Euro (für die HSV-Hilfe an krebskranken Kindern) ist wirklich klasse. Herzlichen, ganz herzlichen Dank dafür, besonders an Jörg 1967, Eva und Franky. Ihr seid tatsächlich sensationell. Bei der Gelegenheit, das lasst mich schnell noch einmal anfügen, sage ich auch ganz kräftig Danke. Dafür, dass Ihr mich in den letzten Tagen und Wochen immer wieder moralisch aufgebaut und unterstützt habt. Es hat mir viel über den ganzen Schund, der da geschrieben wurde, hinweg geholfen. Danke für Eure Treue.

Und dann muss ich zugeben, dass ich davon enorm überrascht war, wie viele „Matz-abber“ das Trikot von Piotr Trochowski haben wollten. Der gute „Troche“ hat offenbar doch viel, viel mehr Freunde, als hier 8auch von mir) angenommen wurde. Die Beteiligung hat mich erfreut, und auch die netten Sätze über Piotr Trochowski – danke auch dafür. Das Trikot wurde aus unserem Blog und auch aus dem „Matz-ab“-Gewinnspiel heraus verlost, gewonnen hat es der 17-jährige User „Phillip“. Aufgrund der großen Beteiligung werden „Scholle“ und ich auch in Zukunft versuchen, das eine oder andere Trikot abseits des Gewinnspiels an die Frau, den Mann oder den jugendlichen Fan zu bringen.

17.37 Uhr

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