Monatsarchiv für November 2010

Torun war die Entdeckung!

27. November 2010

Der freie Fall ist gestoppt! Das war wichtig. Der HSV schafft endlich mal wieder einen „Dreier“ und besiegt den VfB Stuttgart mit 4:2. Es war ein temporeiches Spiel, in dem fast alles geboten wurde, was den Fußball so sehenswert macht. Armin Veh hatte mit seiner Aufstellung viel riskiert, wäre es schief gegangen, dann hätten viele HSV-Fans wohl seinen „Kopf“ gefordert, aber seine Maßnahmen ging gut. Der Coach hatte Tunay Torun statt Ruud van Nistelrooy oder Paolo Guerrer gebracht, und diese Hereinnahme war ein wahrer Glücksgriff. Kompliment, Herr Veh! Einziges Manko bei diesem Spiel: Der HSV vergab einen weitaus höheren Sieg, die Großchancen dazu waren vorhanden.

Das war diesmal schon ein sensationeller Start, es begann bei Minusgraden unglaublich heiß. Der HSV brannte, der VfB wollte – es ging hin und her. Vom Anstoß weg. Und es gab auch gleich ein Tor – für die „richtige“ Mannschaft: Zweimal hintereinander Tunay Torun mit starken Szenen. Er legte den Ball zurück auf Piotr Trochowski, der zog aus 19 Metern mit links ab – drin. Ein herrliches Tor. Aber die Freude hielt nicht lange an. Bei einem Eckstoß für den VfB, den Boa von links zur Mitte brachte, waren sich Robert Tesche und Mladen Petric nicht einig, Marica köpfte ein. Auffällig: Am ersten Pfosten stand – wie zuletzt immer – kein HSV-Spieler. Und: Petric hätte Marica wohl bewachen müssen, so sah es von oben aus. Tesche, der eigentlich auch wegen seiner Kopfballstärke (so er die hat) hinten rechts spielte, sah aber auch nicht gerade glücklich dabei aus. Es war das sechste VfB-Tor nach einem Eckstoß, und das erste Gegentor für den HSV nach einer Ecke (9.).

Die Sturm- und Drangzeit des HSV dauerte aber an. Auch weil Marica Rot sah. Er meckerte so lange mit Schiedsrichter Wolfgang Stark, bis der die Karte aus der Gesäßtasche zig. Der VfB-Stürmer hatte „Arschloch“ gesagt. Wieso sich der Rumäne so aufregte, ist unverständlich, denn zuvor hatte sich Niedermeier ein böses Foul gegen Petric geleistet. Ein Tritt von hinten die Füße des HSV-Stürmers, dieses Foul allein hätte schon Rot nach sich ziehen müssen. Schade, dass sich die Schiedsrichter dazu nicht entschließen können, obwohl es diese Anweisung ja eigentlich schon so lange gibt: Foul von hinten – Rot.

Es blieb nach diesem Platzverweis munter. Und es folgte das 2:1. Ze Roberto legte auf David Jarolim quer, der zu Jonathan Pitroipa , endlich einmal kühlen Kopf bewahrt – ein Lupfer über Torwart Ulreich, Innenpfosten, 2:1 (29.). Pitroipa hätte in der ersten Halbzeit noch „Torschützenkönig“ werden können, denn er vergab mindestens noch zwei weitere „Hundertprozentige“. Leider.

Beim HSV spielten in dieser Phase zwei Mann überragend: Piotr Trochowski sprühte nach seinem Tor vor Spiellust, und Tunay Torun war überhaupt nicht „einzufangen“. Was der kleine Türke spielte, war „erste Sahne“. So stark habe ich Torun, der überraschend den Vorzug gegenüber Paolo Guerrero und auch Ruud van Nistelrooy (leicht angeschlagen) erhalten hatte, noch nie gesehen, so stark hätte ich ihn auch nie erwartet. Torun spielte großartig, oft direkt, er hatte glänzende Ideen, war quirlig, beweglich, kämpfte – und er attackierte alles was sich in der Stuttgarter Hälfte bewegte. Natürlich nur fair. Torun lief und lief und lief. Und erinnerte dabei an den heutigen Bayern-Profi Ivica Olic. Mein Gott, Tunay, das war ja sensationell. So kannst Du jede Woche spielen, dann kannst Du gar nicht mehr aus der Mannschaft genommen werden.

Torun legte nach dem 1:0 auch das 3:1 vor. Er schickte Petric, der lupfte die Kugel über Ulreich und schoss ein (36.). Eine traumhafte Kombination. So, als würden sich Torun und Pettric schon seit Jahren „blind“ verstehen.

Es lagen sich „wildfremde“ Fans nach dem dritten Tor in den Armen, aber es war eben doch noch nicht alles Gold, was da glänzte. Sekunden nach dem 3:1 stand Cacau allein vor Frank Rost, zum Glück abseits. Aber der Keeper machte das, was vorher von ihm erwartet worden war, er sprach Tacheles. Rost ereiferte sich über die rechtes Seite, er schrie Jarolim an – und hätte sich auch Tesche noch vorknöpfen können, denn beide hatte zuvor nicht kompromisslos genug verteidigt. Auch wenn der Ton die Musik macht, es war schon wichtig, dass Rots dabei war – und dass er den Mund deutlich hörbar aufgemacht hatte.

Diese Szene aber offenbarte auch eines: So richtig souverän ist die Defensivarbeit des HSV nicht. Natürlich nicht, denn sie war es auch vorher nie (in dieser Saison). Man hat auf den Tribünenplätzen immer die Angst, dass etwas passieren konnte. Wann sich das wohl ändert? Wenn die Viererkette endlich einmal so richtig komplett ist, so wie vor der Saison angedacht?

Auffällig auch bei der jetzigen Konstellation: Ze Roberto schwächelt hinten links. Und zwar deutlich. Diesmal ließ er das „Auge“ nach hinten vermissen, er wurde einige Male recht einfach überspielt. In dieser Form würde wohl ein anderer „ungelernter“ Verteidiger (wie Tesche rechts), zum Beispiel Tomas Rincon, auch nicht schlechter spielen. Und Ze Roberto wäre endlich wieder für das Mittelfeld frei.

Und noch eines fiel mir auf: Mladen Petric war sehr viel unterwegs – und auch gut. Ich dachte so bei mir: Man, da hat sich die Aufbauarbeit des Trainers ja ordentlich bezahlt gemacht, denn in dieser Woche, ich schrieb es Euch schon, hat Armin Veh seinen Stürmer ja mächtig gestreichelt, ein Kollege von mir meinte sogar „gewindelt“. Aber: hat sich gelohnt.

Die Halbzeit zwei begann vor 53 055 Zuschauern ähnlich stürmisch wie der erste Durchgang. Aber diesmal nur für den VfB. Nach Sekunden hieße es nur noch 2:3. Fehler Tesche, Harnik scheiterte zunächst noch an Rost, um den Abpraller „kümmerte“ sich dann Gentner (sorry) – Tesche war immer noch nicht im Bilde. Insgesamt, das muss ich sagen, spielte Tesche höchst unglücklich, aber er hatte keine Spielpraxis, mehr hätte man von ihm nicht erwarten können (und dürfen). Immerhin: Er hatte auch zwei sehr gute Szenen, als er zweimal in höchster Not rettete. Aber ich gebe jedem Recht, der sagt: „Insgesamt war das zu wenig.“

Aufregend wurde es noch in der 58. Minute. Ruud van Nistelrooy kam für seinen „Sohn“ Heung Min Son, der diesmal merklich blass blieb (und teilweise naiv wie ein Jugendspieler agierte). Und Sekunden später traf „Van the man“ per Heber nach einem glänzenden Zuspiel von Petric. Aber was passierte danach? Van Nistelrooy jubelte nicht. Er lief zur Eckfahne und zeigte dabei keinerlei Gefühlsregung. Da stimmt doch etwas nicht.

Ich habe mich einmal umgehört. Im Spielerkreis. Da kommt seit einigen Tagen nicht so sehr gut an, dass in der Vereinsspitze von „Verjüngungskur“ gesprochen wird. Ich hörte: „gefaselt“. Da fragen sich die älteren Spieler schon mal, ob sie nur noch ungeliebtes Beiwerk sind? Und eventuell macht sich ja auch der „Rudi“ darüber so seine Gedanken. Weiß man es?

Stark beim HSV diesmal Trochowski und Torun, gut auch Petric sowie Westermann (ohne Fehler). Jarolim kann es sicher besser als er es diesmal zeigte, das gilt auch für Ze Roberto. Guy Demel hat seine Sache in der Innenverteidigung ordentlich gemacht, gelegentlich wirkte er auf mich gedanklich langsam, aber das kann ja noch werden. Rost war auf Anhieb „da“, hielt sehr gut. Mit den lautstarken Anweisungen sollte er gut dosiert und behutsam umgehen – alles zu seiner Zeit.

Jonathan Pitroipa setzte die Reihe seiner guten Auftritte fort, leider schmälert er seine Leistungen immer noch damit, dass er zu viele Chancen vergibt. Immerhin: Einmal getroffen und auch sonst für Wirbel gesorgt.

Insgesamt bleibt festzuhalten: So darf es ruhig weitergehen.

Und: Einen haben wir noch. Der Kollege “Scholle” (Marcus Scholz) hat nach dem Schlusspfiff bei Piotr Trochowski, der sein bestes Saisonspiel gezeigt hat, “vergesprochen” und ihn gefragt, ob wir bei “Matz ab” sein Trikot verlosen dürfen. Spontan zog “Troche” seine “15″ aus und drückte sie “Scholle” in die Hand. Ihr dürft Euch noch bewerben, nicht im Gewinnspiel, sondern bei den “normalen” Beiträgen. Also, ein kleiner Hinweis von Euch, wer sich bewerben will – und wir melden uns dann mit dem (zusätzlichen) Gewinner.

17.36 Uhr

PS: Als Gast durfte heute auch der Vorsitzende des VfB-Aufsichtsrats, Dieter Hundt, das Spiel in Hamburg verfolgen. Was er zu dem Spiel sagte, kann hier im Video nachgesehen werden.

Was läuft da mit van Nistelrooy?

26. November 2010

Es war sechs Minuten nach 16 Uhr, als ein HSV-Mitarbeiter an diesem Freitag die Loge des „Hamburger Weges“ betrat. Ich saß vor dem Computer, konnte nicht auf den Rasen sehen und fragte: „Was macht die Mannschaft in diesem Augenblick?“ Die Antwort kam ein wenig lakonisch: „Der HSV tritt auf der Stelle.“ Das musste ich mir dann doch ansehen. Also stand ich auf und sah: Die Spieler liefen in der Ecke Süd/West unter Anleitung von Leistungsdiagnostiker Manfred Düring tatsächlich auf der Stelle.

Später, beim Abschlussspielchen A gegen B, da hatte Armin Veh dann noch eine besondere Überraschung parat: Tunay Torun stürmte in der Stammformation, in der B-Elf aber hieße das Angriffsduo Ruud van Nistelrooy/Paolo Guerrero. Was ist da denn los? Spielt der kleine Türke im Angriff morgen gegen den VfB Stuttgart an der Seite von Mladen Petric? Das wäre in der Tat ein dickes Ding, aber ich glaube nicht dran. Zur Erinnerung: Am vergangenen Freitag hatte Veh beim Abschlussspiel vor der Partie in Hannover auch so eine kleine Unsicherheit für den Gegner (und für die Medien) präsentiert, indem er Änis Ben-Hatira im A-Team spielen ließ. In der AWD-Arena war es tags darauf dann aber Heung Min Son, der auf der linken Seite spielte. Immerhin aber sorgte die Vehsche Variante für einige Verwirrung – und auch der VfB Stuttgart dürfte sich nun einige Gedanken machen, die er sich vorher ganz sicher nicht gemacht hat. Zum Beispiel: Wer ist dieser Tunay Torun? Und wie spielt er? Wie ist er zurzeit drauf?

Das bleibt sein Geheimnis. Und ein kleines Rätsel bleibt für mich die Personalie Ruud van Nistelrooy. Der Niederländer trainierte zwar mit, wie schon während der gesamten Woche, aber er wirkte dabei auf mich absolut uninspiriert. Schickte ihn Veh, der das ganz sicher auch erkannt hat, ihn deswegen in die Reserve? Auf jeden Fall ist das nicht mehr der „Ruud“, den ich vor einigen Wochen noch über den grünen Klee gelobt habe. Weil er erstens sehr gut spielte, zweitens sehr gute Analysen über das Spiel des HSV abgab, drittens von einer erfolgreichen Zukunft sprach – für sich selbst und für den Klub. Und nun lässt er den Kopf hängen . . . Eine charakteristische Szene: Nach dem Spielchen jonglierte van Nistelrooy für sich allein mit dem Ball vor sich hin. Langsam ging er in Richtung des Tores, das von Jaroslav Drobny bewacht wurde. Mit dem Fuß (!) legte sich der Niederländer die Kugel auf den Elfmeterpunkt. Als die Lage des Balles nicht so war, wie er es wünschte, korrigierte er – wieder mit dem Fuß, nicht mit der Hand oder den Händen. Das sah alles lustlos aus. Immerhin: Drei Elfmeter schoss van Nistelrooy, und alle waren drin.

Dennoch bleibt für mich eine Frage zurück: Was ist da passiert? Mental? Ruud van Nistelrooy startete voller Elan in die Saison, war gut drauf, traf auch einige Male – und er wollte Torschützenkönig der Bundesliga werden. Davon ist in diesen Tagen nichts, aber auch absolut nichts zu erkennen. Resignation? Weil er verletzt war und ist (die Wade soll zwicken)? Oder weil der HSV so spielt wie er spielt? Oder weil andere Torjäger inzwischen schon weitaus mehr getroffen haben als er?

Ich mache mir durchaus Sorgen. Auch deshalb, weil ich diesen Ausnahmefußballer gerne noch ein wenig länger hier in Hamburg sehen würde. Ob man da schon heute auf morgen (und den nächsten Sommer) schließen sollte? Besser nicht. Drei Euro für diesen Satz: Bis dahin fließt noch viel Wasser die Elbe herunter.

Ansonsten bleibt es bei jener Aufstellung, die ich zuletzt schon angekündigt habe. Frank Rost im Tor, rechts Robert Tesche, daneben Guy Demel, Heiko Westermann, links dann Ze Roberto. Wobei Demel heute einige ganz gute Szenen hatte, die darauf deuten könnten, dass er die Zeichen der Zeit erkannt hat, dass er nun besser werden will, dass er mehr investiert. Hoffentlich. Jetzt denke ich schon wieder voller Sorgen, dass „draußen“, an den Computern dieser Welt, schon wieder gelästert wird: „Matz wie immer – Friede, Freude, Eierkuchen beim Training. Und was ist mit dem Sonnabend-Spiel . . ?“

Ja, was? Wir werden es erleben. So oder so.

„Das Hannover-Spiel haben wir vergessen, abgehakt, es ist aufgearbeitet worden“, sagt Heiko Westermann. Der Kapitän hatte an der Leine vielleicht, so meinte einige Experten, sein bestes Spiel für den HSV gemacht. Kurios war nur, dass er von einigen (oder vielen?) HSV-Fans nach dem Schlusspfiff ausgepfiffen worden war. Westermann hat das in dieser Form nicht so wahrgenommen, sagt aber auch: „Wir haben dort verloren, und dann sind die Fans natürlich unzufrieden. Was soll auch sonst sein?“

Natürlich herrscht nach Niederlagen tiefer Frust. Dennoch muss objektiv auch eine gute Leistung (eines Spielers) anerkannt werden, selbst wenn nur verloren wurde. Definitiv hat Westermann in Hannover viele Lücken in der HSV-Defensive geschlossen, und er hat endlich einmal verbal „Gas gegeben“. Anweisungen, Motivation. Daran haperte es nicht nur zuletzt, daran hapert es schon seit Jahren beim HSV. Viel zu wenige Spieler machen während der Partie den Mund auf, um sich so gegenseitig helfen zu können. Das ist schon „ewige Zeiten“ ein großes Manko in Hamburg.

Nun kehrt mit Frank Rost ein weiterer Spieler zurück, der ebenfalls ein sprachgewaltiger Dirigent ist. Rost war zuletzt sogar oft der einzige, der während des Spiels redete. „Das ist auch gut so. Frank strahlt dieses Sieger-Gen aus, er will immer gewinnen, er lebt es vor, er hat den unbedingten Willen, als Sieger vom Platz zu gehen. Deswegen ist seine Präsenz auch wichtig für uns. Uns hilft es, wenn wir viele Spieler auf dem Platz haben, die viel reden“, sagt Heiko Westermann und sagt über sich: „Ich kann nicht ruhig sein, ich gebe immer Anweisungen während der 90 Minuten. Und weil wir von dieser Sorte Spieler nicht so viele haben, müssen eben die, die es können, ein wenig lauter sein.“

Der ehemalige Schalker war es auch schon in dieser Woche beim Training. Und er wird es wohl auch am Sonnabend wieder sein. Endlich sein, denn zu Beginn seiner Zeit in Hamburg war er es noch nicht. Was auch nur logisch scheint, denn als neuer Kapitän kannte er seine Mitspieler ja noch gar nicht (richtig), und dann verhält man sich eben ein wenig leiser. Gut nur, dass diese Zeiten nun der Vergangenheit angehören (sollen).

Dass Westermann mit Demel nun wieder einen neuen Mann an seiner Seite in der Innenverteidigung erhält, das ist für ihn nicht besonders gut, aber es ist wohl auch nicht zu ändern. Er lobt dann auch den neuen Mann an seiner Seite: „Guy ist zweikampfstark, ist ein Brocken, und der wird uns sicher auch bei Kopfballduellen helfen können.“

Wir werden abwarten müssen, wie sich die zentralen Abwehrspieler zurechtfinden, an diesem Sonnabend. Wenn es gut läuft, wird es dieses Duo bis Weihnachten richten müssen. Und wenn dazu aus Eurem Kreis nach Muhamed Besic gefragt wird, dann kann ich nur entgegnen: Dessen Lieblingsposten ist nach eigener Aussage die rechte Position in der Viererkette. . .

„Wichtig ist für uns, dass wir gegen Stuttgart als Sieger vom Platz gehen werden, egal wie das Spiel auch ist. Wir müssen drei Punkte einfahren, denn man ist ganz, ganz schnell auch mal in einem Strudel, der einen nach unten zieht. Da müssen wir aufpassen, deshalb müssen wir alles geben“, sagt Heiko Westermann zum Abschluss. Hoffen wir, dass sich alle diese Sätze zu Herzen nehmen und dementsprechend zur Sache gehen. Ein schmutziges 1:0 würde da ja schon reichen – und das ist auch mein Tipp.

Übrigens: “Abendblatt-Chefredakteur Claus Strunz hat übrigens auf seinem Facebook-Account ein 2:2 gegen den VfB Stuttgart getippt.”

Und noch ein PS: Dass es diese Trennungszeichen gab oder gibt in diesem Bericht, das liegt daran, dass das HA ein neues System bekommen hat. Und ich habe noch kleinere Anpassungsprobleme, bin aber damit nicht ganz allein. Danke für Euer Verständnis.

17.43 Uhr

Kleine Sorgen um van Nistelrooy

25. November 2010

Ein Spaß. Es war nur ein Spaß. Sagt Armin Veh. In der vergangenen Nacht ging es hier ja hoch her, denn auf SAT.1 hatte der HSV-Trainer im Scherz zu Vorstandsmitglied Katja Kraus über seine Zukunft als HSV-Trainer geunkt: „Wenn ich dann noch da bin . . .“ Es ging um die Weihnachtszeit – die nun kommende. Um es einmal klar und deutlich zu sagen: Armin Veh wird nicht nur diese Weihnachtszeit als HSV-Trainer erleben, er wird seinem Job noch viel, viel länger in Hamburg nachgehen. Eine Trennung ist überhaupt kein Thema. Weder von der einen, noch von der anderen Seite. Und das, das sage ich auch klar und deutlich, ist auch gut so, denn: Veh leistet beim HSV gute Arbeit, an ihm liegt der derzeitige schlechte Tabellenstand ganz sicher nicht. Und wenn es hier noch Stimmen gab, die dem HSV einen miesen Konditionsstand bescheinigen (oder andichten) wollen: In Hannover gab es zwar das späte 2:3 in der Nachspielzeit, ansonsten aber hat der HSV, so besagt es eine Statistik, zehn Punkte in den letzten Spielminuten in dieser Saison gewonnen! So viel wie keine andere Mannschaft. Das zum Thema Kondition.

Ansonsten bin ich immer wieder sehr, sehr erstaunt, wenn hier HSV-Fans über HSV-Spieler so urteilen, als würden diese Profis bei Bayern München, Werder Bremen oder beim FC St. Pauli spielen. Wie hier einige Spieler von ihren Fans “vernichtet” oder „geschlachtet“ werden, das ist für mich immer wieder unfassbar, aber solche User soll es eben auch geben. Nur: Daran gewöhnen werde ich mich nie.

Wo ich gerade beim Thema bin: Robert Tesche wird am Sonnabend, wenn nichts mehr dazwischen kommt, tatsächlich rechts verteidigen. „Veh raus!“ Ich höre sie jetzt schon wieder . . . Aber Veh, ich schrieb es bereits, wird nicht raus-gesetzt. Dafür erwischt es gegen den VfB Stuttgart wohl Muhamed Besic. Nicht weil der junge Mann in Hannover das 0:1 verschuldet hat, auch nicht, weil er schlecht gespielt oder trainiert hat, sondern aus spieltaktischen Gründen. „Veh raus!“ Nein! Veh hat richtig gut überlegt. Wenn ich es Euch einmal näher bringen darf: Stuttgart hat groß gewachsene Spieler in seinen Reihen. Solche Spieler sind meistens auch kopfballstark. Besic ist ein eher kleiner Spieler, besonders auf seinem Posten in der Innenverteidigung. Und, was viele nicht wissen (auch die „Veh-raus“-Gröler wohl nicht): Muhamed Besic hatte in seiner Jugend eine Erkrankung am oder im Kopf, er durfte deshalb eineinhalb Jahre nicht köpfen. Diese 18 Monate fehlen dem Talent nun (in Sachen Kopfballtechnik), auch deswegen hat er in der Vergangenheit oftmals Sonderschichten am Kopfballpendel geschoben. Er soll und will aufholen. Nur hilft das dem HSV im Moment herzlich wenig, denn Stuttgart wird darauf erstens nicht warten und zweitens keine Rücksicht nehmen. Deswegen soll nun der fast einen Kopf größere Tesche in Sachen Kopfballspiel helfen.

Demnach, auch das steht so gut wie fest, wird Guy Demel auch in der Innenverteidigung aushelfen. Was ihm ganz entgegen kommt, denn hinten rechts war er zuletzt doch eher ein Sicherheitsrisiko. Innenverteidigung ist zwar auch nicht sein Lieblingsposten, aber schon eher: „Das ist zentral, und ich spiele zentral eben am liebsten. Ideal wäre die Sechs für mich, aber das geht nicht, deswegen bin ich mit der Innenverteidigung zentral schon zufriedener.“ Und er sagt schon in Richtung Stuttgart: „Ich versuche dort mein Bestes zu geben, obwohl ich das lange nicht mehr gespielt habe. Wir haben aber große Personalnot, also spiele ich da, wo mich der Trainer hinstellt.“

Als Demel vor fünf Jahren aus Dortmund nach Hamburg wechselte, kam er zunächst auf der Sechs zum Einsatz, gelegentlich auch in der Innenverteidigung, bis er – aus der Not heraus – auf die rechte oder auch manchmal die linke Verteidiger-Position geschoben wurde. Sehr zu seinem Leidwesen, aber so war es nun einmal. Rechts hinten spielt er deshalb auch in der Nationalmannschaft der Elfenbeinküste, zuletzt in diesem Monat bei der 0:2-Niederlage in Polen.

Dieses Spiel hatte übrigens zu einigen Irritationen (beim HSV) geführt. Ihr werdet Euch erinnern: In der Schlussphase des Dortmund-Spiel meldete sich Guy Demel verletzt ab, wurde ausgewechselt. Am Mittwoch darauf spielte der das Länderspiel. Abgemacht war, dass Demel nur eine Stunde zum Einsatz kommen sollte – wegen der Wadenverletzung. Er spielte aber durch. Und verletzte sich erneut, diesmal die andere Wade. Deswegen gab es dann Ärger in Hamburg. Als Demel am Freitag trainieren wollte, durfte er nicht, er wurde vom Platz zurück in die Kabine geschickt. Und pausierte auch in Hannover.

Nun aber soll alles wieder im Lot sein. Mit den Waden und mit dem HSV. So dass einem Einsatz gegen den VfB wohl nichts mehr im Wege stehen dürfte. Es sei denn, die Wade (eine von beiden) meldet sich wieder zur unpassenden Zeit. Als dick, gezerrt, zumachend oder verklebt – oder was sonst noch möglich ist. Abwarten.

Zur Situation um die National-mannschaft befand Guy Demel übrigens: „Jeder Fußballer setzt sich Ziele, er will so viele Meisterschaften, Weltmeisterschaften und Länderspiele wie nur möglich haben. Das ist normal. Deswegen habe ich das Länderspiel gegen Polen auch nicht abgesagt. Und dass ich nicht, wie abgesprochen, nach einer Stunde vom Platz geholt wurde, lag nur am Nationaltrainer, nicht an mir. Ich kann mich ja nicht selbst auswechseln.“

Apropos. Auswechseln ist das Stichwort. Zuletzt lief es bei „Giiiiiiiiiiiie“ ja alles andere als rund, ihm wurde von allen Seiten eine schlechte Form bescheinigt. Wie sieht er das? „Ich habe gut begonnen, in dieser Saison, Schalke, Frankfurt. Mir fehlt aber die Konstanz. Was nützen zwei gute Spiele, wenn es danach wieder schlechter wird? Das ist mein Problem, ich bin auch nicht zufrieden. Ich will der Mannschaft helfen, aber das kann ich ja nur, wenn ich gut spiele, das weiß ich auch.“

Bis 2012 läuft sein Vertrag noch in Hamburg. Er macht sich aber jetzt noch keine Gedanken um seine Zukunft. Selbst wenn es eine vorzeitige Trennung geben sollte. Demel: „Das könnte, das weiß ich auch, natürlich mal passieren. Das muss man dann als Profi akzeptieren. Fußball ist Geschäft.“ Dann sagt er weiter: „Ich fühle mich wohl beim HSV und in Hamburg, wenn man nicht zufrieden sein sollte mit mir, dann muss man mir das sagen. Das wäre kein Problem. Ich wünsche mir dabei nur absolute Ehrlichkeit. Wenn man ehrlich zu mir ist, dann ist das alles okay, damit kann und werde ich dann leben.“

Guy Demel sagt es ganz offen heraus. Er redet Klartext, er weiß, wie die Situation derzeit für ihn und auch für den Klub ist. Er sagt dann auch: „Mir tut es sehr leid für den HSV, denn dort, wo er zurzeit steht, gehört er nicht hin. Der HSV gehört nach ganz oben. Obwohl ich weiß, dass es natürlich leicht ist, so etwas zu sagen – es gehört schon mehr dazu. Die Qualität aber ist da, diese Mannschaft könnte ganz oben stehen, denn dieser Verein bietet uns allen sehr viele und sehr große Möglichkeiten. Deswegen tut es mir leid für die Fans, dass wir nicht oben mitspielen – aber wir haben noch viele Spiele vor uns, wir können noch immer in den internationalen Wettbewerb kommen.“

Dazu gehört eine gute Rückrunde. Und dazu gehört auch ein Sieg über den VfB Stuttgart. Beim HSV wird Frank Rost wieder zwischen den Pfosten stehen, das hat Armin Veh schon verkündet. Vor dem Keeper wird dann Guy Demel stehen und seine Abwehrarbeit verrichten. Zu diesem Thema stellte ein Mopo-Kollege eine sehr interessante Frage: „Bist du froh darüber, dass Frank Rost wieder spielt?“ Demel diplomatisch: „Wenn ich das sagen würde, dann würde ich etwas gegen Jaroslav Drobny sagen, und das hat er nicht verdient, denn er ist auch ein sehr guter Torwart.“ Dann kam die Nachfrage: „In einem Fernseh-Interview hast du gerade gesagt, dass Frank Rost wichtig für die Mannschaft ist.“ Demel: „Das stimmt ja auch. Er ist eine große Persönlichkeit. Das sage ich, obwohl wir fast nie miteinander reden. Er denkt, dass ich ihn nicht mag, aber Frank ist eine wichtige Person in der Kabine und für die Mannschaft.“ Dann wird es noch interessanter, denn Guy Demel fügte noch hinzu: „Wenn ich ehrlich bin, dann muss ich sagen, dass wir, Frank und ich, nie miteinander reden. Wir sind zu unterschiedliche Charaktere. Aber wir sind auch Profis genug, um das zu verdrängen. Für mich ist er der beste Torwart, den ich hier beim HSV gehabt habe, er ist aber auch als Mensch wichtig für die Mannschaft.“

Rückblickend zu Drobny befand Demel noch: „Er hat Pech gehabt, weil er ins Tor kam, als die Mannschaft nicht so gut spielte. Ich bin aber überzeugt davon, dass er noch sehr wichtig wird für den HSV. Drobny spielt ja noch lange hier und wird noch ausreichend zeigen können, dass er ein sehr guter Keeper ist.“

Gegen Stuttgart aber ist nun wieder Rost gefragt. Und diese Aufgabe wird ganz sicher nicht leicht, denn die Offensivabteilung der Schwaben mit den brandgefährlichen Cacau und Marica, dazu noch der Hamburger Martin Harnik (einst bei Vier- und Marschlande groß geworden) und Pavel Pogrebnyak, das ist schon eine sehr gute Qualität. Deswegen sagte Guy Demel auch: „Stuttgart ist eigentlich eine sehr gute Mannschaft, es wird schwer für uns. Wir müssen als Mannschaft auftreten, aggressiv sein und die individuellen Fehler vermeiden, dann könne wir den VfB besiegen.“

Womit wir wieder beim Thema wären: Mannschaft. Ein Team, eine Gemeinschaft, ein verschworener „Haufen“. Das war der HSV zuletzt nicht, das war der HSV in diesem Jahr ganz, ganz selten einmal. Profis eben, die professionell miteinander umgehen. So wie Demel es gerade mit dem Teamkollegen Rost geschildert hat. Es wird nicht leicht für Veh, den Teamgeist wieder auf Vordermann zu bringen. Immerhin aber gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer: Heiko Westermann gab in Hannover schon (mehr) lautstarke Anweisungen, und er setzte das nun auch im Training fort. Zum Wohle der Mannschaft – und des Trainers. Armin Veh: „Heiko war neu, musste sich erst eingewöhnen, spielte mit einer neuen Abwehr zusammen, musste sich auch erst finden, er war teilweise auch mit sich selbst beschäftigt – aber nun ist er gefragt. Wer soll es sonst richten? Jetzt sind die erfahrenen Spieler gefragt.“ Der HSV-Coach weiter: „Und auch wenn man mal den einen oder anderen Fehlpass spielt ist es notwendig, dass man sich nicht zurückzieht. Motto: Jetzt lasse ich mal die anderen. Es muss in einer Mannschaft immer eine gewisse Hierarchie geben, da muss man auch voran gehen. Auch wenn es mal nicht gerade so gut läuft.“ Veh dann ergänzend: „Wenn man in der Mannschaft keinen mehr hat, der redet, dann hat man auf jeden Falle in großes Problem, aber das hat Heiko Westermann nun besser gemacht.“

Weiter so. Und Westermann wird ja auch Unterstützung verbaler Art bekommen, denn der Mann im Tor wird seinen Mund schon aufmachen. Dazu sagt auch Armin Veh: „Frank Rost ist ein Typ, dem man schon ansieht, dem man auch anmerkt, dass er gewinnen will.“ Und das wird er seinen Mannen vor ihm schon noch rechtzeitig mitteilen . . .

Sollte der HSV aber am Sonnabend trotz allem verlieren, dann wird es ganz, ganz eng. Dann wäre der Anschluss nach oben wohl total verpasst. Und dann? Sollten dann die Blicke aller eher nach unten gehen? Abstiegskampf? Veh: „Nein, aber man muss immer hellwach sein und aufpassen, zumal wir ja keine stabile Situation haben. Das muss man ja sehen. Man kann nicht immer nur nach oben schauen, das wäre zu gefährlich.“

Kleine Sorgen personeller Art gibt es beim HSV noch um den Einsatz von Ruud van Nistelrooy, der noch leichte Probleme mit der Wade hat. Noch aber sind zwei Tage Zeit, um diese Probleme beheben zu können. Wäre nicht ganz unwichtig, denn wer erinnert sich nicht an den Beginn dieses Fußball-Jahres? „Van the man“ feierte gegen den VfB einen sensationellen Einstand, denn er schoss zwei herrliche und fast unglaubliche Tore für den HSV. Mach’s noch einmal, Ruud!

Bei der Gelegenheit: Eljero Elia wird in keinem Fall gegen den VfB Stuttgart auflaufen, für Armin Veh ist der Flügelflitzer weiterhin krank. Grippe. Die hat Elia sich nicht genommen, die hat ihn heimgesucht. Trotz allem aber stand er heute am Nachmittag auf dem Trainingsplatz und trainierte mit dem Team. Für Veh aber hat Elia eben noch viel zu wenig mit der Mannschaft trainiert, als dass er eine Chance hätte, gegen den VfB zu spielen.

So, ganz zum Schluss noch um den Aufreger Netzer. Der “Blonde mit dem Riesen-Schuh” sollte, so war es zu lesen und zu hören, dem HSV helfen, wieder in die sportliche Spur zu kommen. Ein ehrenwertes Unterfangen. Aber daraus wurde nichts. Weil Günter Netzer nicht will. Er hat mir schon zu Beginn des Jahres einmal gesagt, dass er kein Amt mehr in einem Verein übernehmen will und wird. Und der HSV hat es ihm auch so nicht angedient. Netzer sollte, so er dannLust gehabt hätte, beratend zur Seite stehen. Auf jeden Fall sollte er nicht “Vorgesetzter” von Sportchef Bastian Reinhardt sein und werden, dieses Angebot hat der HSV dem ehemaligen HSV-Manager Netzre nicht gemacht. Obwohl auch ich sage: Schade, dass Günter Netzer keine Zeit mehr dafür opfern mag, denn er ist für mich absolut der Größte. Wo auch immer Netzer etwas in Saceh Fußball gesagt hat – ich hing an seinen Lippen. Der Mann hat es einfach drauf, und zwar so wie kein anderer. Da kommen auch die Herren aus München nicht mit – aber leider, leider werden wir darauf verzichten müssen. Schade.

Training am Freitag um 16 Uhr, in der Arena, also, das wissen Insider, unter Ausschluss der Trainingskiebitze.

16.59 Uhr

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »