Monatsarchiv für November 2010

Nachthüpferl – und Entschuldigung von Scholle

24. November 2010

Der arme Dieter. Da hält er ewig die Treue, meldet sich aus dem hintersten Örtchen der Erde selbst zur finstersten Zeit und verlässt sich ein einziges Mal auf mich – und ist damit verlassen. Dafür muss ich mich entschuldigen. In erster Linie natürlich bei Dieter, was ich persönlich nachholen werde. Aber natürlich will ich mich auch bei Euch allen herzlichst entschuldigen. So etwas darf nicht und wird nicht wieder passieren. Und da ich den armen Dieter Matz jetzt um diese Uhrzeit nicht mehr behelligen will, da er sich seinen Schlaf im Gegensatz zu mir sehr wohl verdient hat, schreibe ich Euch heute meine Eindrücke und Neuigkeiten auf.

Und da war zum Glück längst nicht alles so grau, wie es in den letzten Tagen zu sein schien. Dabei ist es eigentlich nur eine neue Personalie, bei der uns heute Besserung angekündigt wurde. Allerdings sorgt diese für eine kleine Kettenreaktion. Denn es ist Dennis Aogo. Der Linksverteidiger trainierte mit Reha-Trainer Markus Günther wieder am Ball. Auf dem Platz. Und obwohl er das in den letzten Tagen auch immer wieder tat, hatte das Ganze heute einen neuen Anstrich. Wie er uns selbst verriet. „Es sieht gut aus im Moment, ich bin im Soll“, so Aogo. Wann er wieder mit der Mannschaft trainieren würde? „Vielleicht schon nächste Woche“, hatte Trainer Armin Veh kurz vor unserem Gespräch mit Dennis angekündigt. Und Aogo selbst relativierte auch nichts. „Ich hoffe auf meine baldige Rückkehr, will aber auch nichts überstürzen.“ Dennoch, das war die Nachricht: planmäßig wird der Linksverteidiger schon in der kommenden Woche wieder im Mannschaftsbetrieb zurückerwartet.

Soweit so gut. Sogar besser, würde ich behaupten. Denn allein die Aussicht, dass Zé Roberto von der ungeliebten, unfreiwilligen Linksverteidigerposition wieder ins Mittelfeld rutscht, wird der Mannschaft gut tun. Mit dem Brasilianer, das betonte auch Veh heute noch mal ungefragt, steht und fällt das HSV-Spiel. Dass es gerade in Hannover auch seinetwegen fiel, wollte Veh nicht überbewerten. Im Gegenteil, er nahm seinen Oldie sogar ausdrücklich in Schutz. „Zé opfert sich für die Mannschaft auf. Er spielt die Position, obwohl er sie nicht mag, sie nicht optimal für ihn ist. Dass sich dabei Fehler einschleichen werde ich ihm als allerletzten vorwerfen. Er ist in dem Fall das Opfer unserer Situation.“

Recht hat Veh. Zumal Zé die Position auch deshalb spielen muss, weil Marcell Jansen mit seinem gebrochenen kleinen Zeh immer noch ausfällt. Dass die Länge der Pause komisch anmutet, mochte auch Veh nicht leugnen. „Jeder geht mit so einer Verletzung anders um“, so der Trainer, dem deutlich die Unzufriedenheit anzumerken war. Zumal er mit Elia und Westermann (beide grippale Infekte) zwei neue Kranke zu beklagen hat.

Womit auch schnell wieder das Fass der überdurchschnittlich hohen Verletzungsgefahr des ehemaligen Bayernprofis geöffnet ist. Jansen selbst war stets bemüht, seine vielen Verletzungen Zufällen oder Unglücken zuzuschreiben. Allerdings ist kaum zu erklären, weshalb ein Spieler seitdem er Profi ist, jede Saison mindestens acht Wochen verletzt fehlt.

Oder doch? Ist es doch die Überbelastung? Internationaler Wettbewerb, Nationalmannschaft, Pokal und Bundesliga – da kommen schnell eine ganze Mengte Spiele auf sehr kurzem Zeitraum zusammen. Zumal, wenn man die Prioritäten verschiebt. So geschehen bei Dennis Aogo. Allerdings, da bin ich mir 100-prozentig sicher, ist das nicht nur bei ihm so. was ich meine? Ich glaube, dass viele Bundesligaspieler die prestigeträchtigsten Spiele priorisieren. „Ich hatte meinen körperlichen Tiefpunkt schon in der Winterpause 09/10“, hat uns Aogo heute verraten. Die penibel genau archivierten und ständig abgenommenen Blutwerte beim HSV hatten das verraten. Und trotzdem spielte er die Saison durch, war bei den Länderspielen dabei und flog mit zur WM. „Ich bereue dies auch nicht“, sagt Aogo und spricht von einer Erfahrung, „die mir keiner mehr nehmen kann“.

Verständlich. Oder auch nicht. Wohl einfach normal heutzutage. Bei den Bayern und ihren Holländern war das nicht anders. Und trotzdem muss hier die Frage gestellt werden, worauf sich vereine als Arbeitgeber noch berufen dürfen. Die Crux liegt doch auf der Hand: Je höher die Ziele des einzelnen Vereins, desto höher die Ansprüche an die Spieler. Verpflichtet der Klub nun seine Wunschspieler, sind dies in den meisten Fällen Nationalspieler verschiedener Nationalitäten. die wiederum abgestellt werden müssen. Ergo: Vereine mit mehr Nationalspielern haben das deutlich höhere Risiko. Gerade dann, wenn sie so (ich formuliere dies bewusst diplomatisch) ehrgeizig sind wie Dennis Aogo. Denn dieser hatte nach der WM nicht nur einen zu spät erkannten Leistenbruch sondern auch eine Schambeinentzündung, die unter anderen Umständen frühzeitiger hätte erkannt werden können.

Aber bleiben wir dabei, dass wir uns auf die Rückkehr Aogos freuen. Ebenso wie auf die von Frank Rost. Denn der Torwart zeigte heute im Training gleich mal, worauf er Wert legt: Disziplin. So kommentierte er schlampige Pässe seiner Kollegen mit einer kurzen Schelte. Besonders hart traf es Paolo Guerrero. Der Peruaner, der in den letzten Wochen immer wieder negativ aufgefallen und dafür auch öffentlich eine Menge Kritik einstecken musste, musste sich folgenden Satz anhören: „Paolo, du weißt, dass alle auf Dich gucken und lässt dich trotzdem zu immer neuen Dummheiten hinreißen. Da darfst du dich auch nicht wundern…“ Wenn einer von Euch heute dabei war und diesen Dialog mitbekommen hat, wird er/sie mir zustimmen: Guerrero hat Rost angeschaut, als wäre der sein Vater und er wolle ihm Besserung geloben.

Was ich damit sagen will ist weniger, dass ich an Guerreros Rundum-Gesundung glaube. Nein, das eher nicht. Ich bin aber davon überzeugt, dass Frank Rost der Mannschaft ein anderes Gesicht verpassen wird. Mit ihm wird es laut. Rost würde sich in einem Spiel wie dem in Dortmund seine Mannschaftskameraden auf dem Platz und in der Halbzeit schon zur Brust nehmen. Und seine Kollegen scheinen auf ihn zu hören, was Rost zu einer Respektperson macht, wie sie sonst leider in dieser Mannschaft nicht zu finden ist. Denn selbst ein Ruud van Nistelrooy ist nicht (mehr) der Typ, der alarmiert. Leider.

Dafür kümmert sich der Niederländer um seinen potenziellen Nachwuchs. Und das macht er großartig, wie im Falle Heung Min Son. Dem Südkoreaner war „Van the man“ von Saisonbeginn an die Bezugsperson, das Vorbild. „Ruud spricht sehr viel mit mir. Er sagt mir immer wieder, was ich besser machen kann und wie ich im Spiel laufen muss. Und er sagt mir, dass ich mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben soll.“

Worte, die Wirkung zeigen. Denn Son ist auch nach seinem Doppelpack in Hannover bescheiden geblieben. „Natürlich habe ich mich über meine Treffer gefreut. Doch wir haben beide Spiele nicht gewonnen, jeweils 2:3 verloren. Das hat mich sehr traurig gemacht.“ Schon deshalb sei er nicht zufrieden. Was im Training zu erkennen ist und was Son selbst auch sagt: „Nach den Spielen überlege ich sehr viel, was ich noch besser machen kann.“ Und da er mit seinen 18 Jahren noch sehr jung ist dürfte das noch eine Menge sein. Obgleich Son sich trotz seiner Jugend schon jetzt als erstaunlich vorbildlicher Profi beweist.

So, ich hoffe, ich konnte den Nachtschwärmern unter Euch noch ein paar Infos mitteilen und hoffe, den anderen von Euch am Morgen mit einigen kleinen Infos aushelfen zu können. Vor allem aber hoffe ich, das betone ich noch mal, dass Ihr nicht an Dieters Hundertprozentigkeit zweifelt. Denn er ist heute definitiv schuldlos an dem (deutlich zu) späten Blog.

In diesem Sinne: Nur der HSV!

0.28 Uhr

Sorry!

23. November 2010

Also beleidigt ist der Matz nicht, eigentlich nur einfach begeistert. Wenn ich das so aus der richtigen Entfernung lese, was der Herr Bückler hier absondert – herrlich. Einige können darüber ja schon kräftig lachen, ich mittlerweile auch. Dieser Bückler ist einfach sensationell. Der weiß alles, der kennt alles, der schreibt allen vor, was sie zu wissen haben, der ist unglaublich. Sollte ein solcher Übermensch nicht den Herrn Hoffmann beerben? Sofort? Oder für Trochowski spielen? Oder für Jarolim?

Trotz allem hoffe ich nur, dass sich einge User (“Matz-abber”) diese Bückler-Witze nicht allzu sehr zu Herzen nehmen. Haltet durch! Ich mache es ja auch.

Wobei ich beim Thema bin. Ich sitze daheim, lese alles und jeden, aber leider kommt nicht der so sehr ersehnte Anruf. Also: Training heute um 10 und um 15 Uhr, zweimal ausgefallen. Die haben morgens und nachmittags Eis gegessen. Bückler. Natürlich.

Nee, im Ernst, es ist das erste Mal, dass es an einem ganz normalen Tag (auch an “unnormalen” gab es das noch nicht!) kein neuer Bericht bei “Matz ab” erscheint. Selbst Weihnachten und Neujahr ging es rund . . . Der Grund dieser Leere erschließt sich mir auch (noch) nicht, aber irgendetwas scheint sehr, sehr schiefgelaufen zu sein.

Der Kollege “Scholle” sollte (und ich denke auch, dass der dort war) zum Training gehen. Anschließend sollte er seine Eindrücke und seine Gespräche melden, er meldete sich in der Tat um 18.15 Uhr bei mir, kündigte an, dass es nun sehr bald losgehen würde – und seit dieser Zeit sitze ich auf dem Trockenen. Nichts mehr gehört. So etwas soll es ja geben, ich hoffe nur für den Kollegen, dass noch immer alles gut ist. Und dass ihm nichts Böses widerfahren ist. Ich hoffe.

Morgen und in den folgenden Tagen bin ich wieder rund um die Uhr, heute gab es für mich privat die (fast) letzten Arbeiten in der Baustelle Matz zu erledigen.

In der Hoffnung, dass sich alles zum Guten wendet, wünsche ich Euch eine gute Nacht.

Am Mittwoch ist um 10 Uhr Training im Volkspark (kein Eisessen mit Bückler), ich werde dann direkt aus der Raute heraus arbeiten, um den Rückstand (von heute) aufzuholen.

Sorry! Es tut mir leid.

Gute Nacht.

23.28 Uhr

Die Winterturbulenzen beginnen

22. November 2010

Bastian Reinhardt ist ein ehrlicher Mensch. Und so selten das in der Profi-Fußball-Branche ist, bei ihm lege ich mich fest. Schon deshalb überraschte es mich nicht, dass der ehemalige Verteidiger und heutige Sportchef auch die Situation beim HSV nicht zu beschönigen versuchte. „Wir müssen uns neue Ziele setzen, sie der Situation bis zur Winterpause anpassen.“ Sagt Reinhardt. Und das sagt schon alles. Denn was alle seit Wochen formulieren, ist jetzt auch vereinsoffiziell: Der Misserfolg wird anerkannt, die Saisonziele werden korrigiert.

Einzig die Frage, wie sich alle Besserung erhoffen, die wusste auch Bastian Reinhardt nicht zu beantworten. Er umging die Antwort, er schwieg sie aus. Denn auch er weiß, dass der sportliche Misserfolg seine Folgen noch längst nicht alle aufgezeigt hat. Denn was passiert mit dem teuren Kader am Ende der Saison? Dass teure Spieler verkauft werden müssen, ist bekannt. Nur wer ist das? Heute sagte Reinhardt, dass der Vertrag mit Dennis Aogo aktuell verhandelt wird. Alle anderen Vertragsverlängerungen ruhen. Die von Armin Veh und Ruud van Nistelrooy sowie Zé Roberto sollen eh erst im Februar angegangen werden. Und auch die Verlängerung mit Piotr Trochowski, für die es bereits erste Gespräche gab, ruht.

Der HSV sortiert sich. Er muss sich neu sortieren. Zwar will keiner freiwillig gehen, allerdings wählt heute (Westphalen siegt mit 126:94 Stimmen gegen den ehemaligen Vorstand Christian Reichert) die Amateurabteilung ihren Aufsichtsratsdelegierten und macht damit den Auftakt für einen stürmischen Winter. Einen Winter, in dem sicher laut nach Schuldigen gesucht werden wird. Und ein Winter, der diesen HSV sicher auf eine harte Probe stellen wird.

Damit möchte ich heute nicht die Nörgler-gegen-Rosarote-Brille-Diskussion anschieben. Ich möchte mir einfach nur ein paar Gedanken dazu machen, wie es weitergehen kann. Denn eines ist klar, hinterfragt werden muss nach so einer Hinrunde jeder. Vom Spieler bis zum Vorstands-Vorsitzenden sind Fehler passiert. Das zeigt die Tabelle eindeutig. Und wie heißt es so schön im Fußball: Die Tabelle lügt nicht.

Fangen wir ganz oben an. Bernd Hoffmann zählt im Verein ganz sicher nicht zu den absoluten Sympathieträgern. Er gilt als cooler, eiskalter Geschäftsmann mit feinem Sinn für den wirtschaftlichen Erfolg. Und er gilt seit Dietmar Beiersdorfers Demission als Machtmensch Nummer eins im HSV. Nicht bei allen Mitgliedern und Fans, aber wohl bei vielen. Nach meinen Informationen hat sich die Opposition, die Bernd Hoffmann am liebsten als Ex-Vorstands-Vorsitzenden des HSV sehen möchte, bereits formiert. In der Presserunde bei Hamburg1 war am Sonntag bereits ein Vorgeschmack zu hören. Und die Mitglieder formieren sich. Gegen ihren ersten Vorsitzenden. Und der hat das natürlich gemerkt. Im Sommer (wie im Sommer davor) hat er versucht, durch Millioneninvestitionen per Vorgriff den sportlichen Erfolg schnellstmöglich wieder herzustellen. Bislang erfolglos. Jetzt ist das Geld knapp, Insider vermuten sogar, dass überhaupt kein Geld mehr da ist, um auf den aktuellen sportlichen Misserfolg entsprechend reagieren zu können.

Hinter vorgehaltener Hand war bereits jetzt zu vernehmen, dass die Opposition im HSV Bernd Hoffmann am liebsten schon bei der Jahreshauptversammlung im Januar den Stuhl vor die Tür setzen will. Da braut sich etwas zusammen, im nach außen hin noch vor sich hin schlummernden HSV.

Allerdings, das ist und bleibt so, ich werde hier keine Politik machen. Ich werde die Dinge so beschreiben, wie ich sie sehe, sie höre und für mich beurteile. Ich habe mehrfach betont, dass ich weder Hoffmann-Freund noch Hoffmann-Feind bin. Ich werde kritisieren, wie eben geschehen. Ich werde aber auch loben, wenn es angebracht ist. Und zu loben ist die Tatsache, dass sich Hoffmann die Kritik, er habe sich in den letzten Jahren kompetenzübergreifend zu sehr ins Sportliche eingemischt, gestellt hat. Heute ist er zu sportlichen Fragen öffentlich nicht mehr zu hören. Im Klartext: Bernd Hoffmann hält sich jetzt aus dem aktuellen Geschehen um die Bundesliga-Fußballer raus. Er hat sich rar gemacht in den letzten Wochen und Monaten, Ihr selbst müsst es auch längst bemerkt haben, dass er kaum noch einen Kommentar abgibt. Weder nach (den wenigen) Siegen, noch nach den Niederlagen und Misserfolgen. Die Frage, die sich mir im Zusammenhang mit Bernd Hoffmann allerdings stellt ist die: Hat der HSV-Boss zu spät gelernt? Hat er zu spät gemerkt, dass er sich aus den sportlichen Dingen besser heraushalten sollte? Die Antwort darauf wird es spätestens im Januar geben, wenn sich die Mitglieder und (ganz verstärkt) die Opposition zu Wort melden werden.

Wobei ich gespannt bin, wie sich der Aufsichtsrat dann aus der Affäre ziehen wird. Auch um die Herren Kontrolleure ist es (zum Glück) zuletzt ganz still gewesen, aber auch das wird sich im Januar ändern, denn dann werden sich die Räte neu formieren. Und das ist auch gut so. Ich bin gespannt, ob sich die Mitgliedschaft auf einen “Schickimicki-Aufsichtsrat” einlassen wird, oder ob diesmal Fußballer und Leute vom Fach gewählt werden.

Noch gespannter allerdings bin ich schon jetzt darauf, wie der HSV im Sommer 2011 aufegstellt wird. Die Mannschaft wird, soll und muss verändert werden. Fraglich ist nur, ob ein Riesenumbruch zustande kommen wird, oder einer mit Augenmaß. “Jeder Spieler hat nach wie vor die Chance, sich für eine Zukunft beim HSV zu qualifizieren.“ Sagt Bastian Reinhardt. Für den Winter sind dagegen weder Ein- noch Verkäufe geplant. „Wir können mit Dennis Aogo und Dennis Diekmeier in der Rückrunde ja zwei ´Neuzugänge´ begrüßen. Transfers sind aber nicht angedacht, in keine Richtung. Obwohl: Ganz ausschließen kann man das natürlich nie . . .“

Natürlich nicht. Denn wer weiß schon, wie sich die Personalien entwickeln. Beispiel Paolo Guerrero. Oder auch Guy Demel. Der Abwehrspieler hat bei Armin Veh im Moment offensichtlich ganz schlechte Karten. Demel ist in der öffentlichen Wahrnehmung vom Publikumsliebling („Giiiiiiiii“) zu einem der Hauptschuldigen degradiert worden. Und wer weiß, ob Mladen Petric nicht im Winter den nächsten Vorstoß wagen wird, gen Stuttgart zu wechseln? Die Schwaben sollen ihm weiterhin den Vierjahresvertrag bieten wollen, auf den er sich bereits im Sommer geeinigt hatte. Ein derartiges Ansinnen mochte uns Mladen zwar weder bestätigen noch dementieren, aber ich habe derartiges von einem Stuttgarter Kollegen vernommen. Obgleich die Stuttgarter ja sogar in noch größeren sportlichen Nöten stecken – aber vielleicht gerade auch deshalb.

Etwas beruhigter bin ich dagegen beim Thema HSV-Nachwuchs. Zumindest bei dem, der bereits jetzt bei den Profis mittrainiert. Muhamed Besic und Heung Min Son dürfen sich als die großen (und einzigen) Gewinner der Krise betrachten. Sie sind diejenigen, die Freude bereiten und auch Hoffnung machen. Und sie sind der Weg, an dem sich der HSV nicht nur orientieren sollte, sondern auch muss. Denn so wie jetzt, mit einer von alternden Stars durchsetzten Truppe, verbraucht dieser HSV den redlich erarbeiteten und verdienten Glanz der aufstrebenden letzten Jahre. Bei der Gelegenheit: Ein Kollege fragte mich in der vergangenen Woche noch, ob ich denn wüsste, an welcher Stelle der HSV denn aktuell in der europäischen Rangliste (welche?) rangieren würde? Ich dachte so an Rang 28 bis 30. Aber die Antwort verblüffte mich total: Platz zwölf. Und auf 13 steht wer? Real Madrid!

Welche Kriterien für eine solche Rangliste herhalten müssen, erschließt sich mir nicht ganz, aber es ist schon überraschend genug, dass es eine Rangliste mit dem HSV auf Platz zwölf gibt (geben soll).

Womit ich schnell noch eine Frage vom vergangenen Wochenende stellen möchte. Warum hat Elia trotz guter Trainingseindrücke – und die kann niemand leugnen – nicht eine Minute in Hannover gespielt? Natürlich hat Son gut gespielt, aber der Südkoreaner fiel zum Schluss ja in ein kleines Loch. Da hätte Elia gut gepasst. War es Vorsicht? Sollte sich der Flügelflitzer nicht gleich wieder neu verletzten? Oder war es ein Zeichen an den sich gern und schnell überschätzenden Niederländer? Gesagt hat Veh, dass Elia noch nicht bei 100 Prozent sei. Daran zweifelt niemand. Allerdings war dies ein Ruud van Nistelrooy auch nicht. Und der wurde für Guerrero eingewechselt.

Bleibt zu hoffen, dass Elia und “Van the man” bis zum kommenden Sonnabend gegen VfB Stuttgart der eigenen Topform noch ein Stück näher gekommen sind, und dass zudem doch noch der eine oder andere bislang verletzt fehlende Spieler zurückkommt. Denn während Marcell Jansen weiter fehlt und Joris Mathijsen (gute Besserung!) heute bereits operiert wurde (Rückkehr nicht vor Mitte Januar 2011), soll zumindest Frank Rost wieder ins Tor zurückkehren. Und der dürfte seinen Vorderleuten, so hoffe ich, schon während der 90 Minuten mal gehörig und lautstark seine Meinung kundtun, was er von ihrem Spiel (und dem Abwehrverhalten) so hält. Das hat, ganz klar (und ich schrieb es ja bereits), gefehlt.

Und um den Blog mal wieder mit einer guten Nachricht abzuschließen: Dennis Aogo trainiert wieder am Ball. Er mag selbst zwar noch keine Prognose abgeben, aber trotz anderslautender Meinungen scheint der Linksverteidiger doch noch vor dem Ende der Hinrunde fit zu werden. Das ist gut für ihn. Das ist gut für den HSV. Und das ist noch besser für Zé Roberto. Denn der Brasilianer, der für mich nach wie vor der Taktgeber beim HSV ist, könnte so endlich seine ungeliebte und zuletzt auch eher unglücklich gespielte Position hinten links verlassen. So könnte er endlich wieder seine Kreativität im Mittelfeld ausspielen.

Zwei Dinge noch in eigener Sache:
Ich bin bedrückt darüber, dass sich hier nun schon einige alteingesessene “Matz-abber” – salopp formuliert -“ausgeklingt” haben. Ihr, die dazu gehört, überlasst der Taut-Fraktion das Feld, und dann muss sich letztlich niemand, wirklich niemand mehr wundern, dass es hier so zugeht, wie es zuletzt zuging. Aber es ist wohl wie es ist. Schade. Gerade aber aus diesem Kreis hieß es früher (und auch heute noch): “Wir sind gegen ein Ausgrenzen, wir werden schon mit Taut und Co fertig.” Offenbar nicht.

Und dann zu jener Frage, die einige von Euch gestellt haben: Matz oder Scholz? Wer hat hat heute geschrieben. Ich kann allen versichern, die sich diese Frage hier öffentlich gestellt haben: Ihr habt in schöner Regelmäßigkeit daneben getippt. Wobei ich noch einmal betonen möchte: Selbst wenn Marcus Scholz einmal für mich beim Training ist oder andere Termine (in Sachen HSV) wahrnimmt – jeder Bericht wird entweder von mir geschrieben (mit seinen, mit Scholles Informationen), oder er wird von mir korrigiert, ergänzt – wenn er einmal geschrieben hat. Das kommt dann vor, wenn ich einmal unterwegs bin. Das ist zwar selten genug, aber es kommt eben doch gelegentlich vor.
Also, mein Fazit: Keine Angst, ich schreibe entwder selbst (zu 90 bis 95 Prozent), oder ich bekomme es vorgelesen und korrigiere und/oder ergänze.

20.41 Uhr

“Für unsere Ansprüche zu wenig”

21. November 2010

So viele sanftmütige Zuschriften – ich bin begeistert. So ein herrlicher Sonntag. Vielen Dank für Eure Unterstützung. Auch im Namen des HSV. Dass hier einige User als „warm“ beschimpft werden – sicher nur ein schlechter Scherz, einfach nur mal ein Ausrutscher. Dass ich beim falschen Spiel gewesen bin – sorry, es soll nicht wieder vorkommen. Und natürlich waren sie auch alle grottenschlecht beim HSV. Bis auf zwei Ausnahmen, die möchte ich kurz nennen: Jonathan Pitroipa und Heung Min Son. Alle anderen müssten rausgeschmissen werden. Selbstverständlich raus mit allen. Und dann einfach wieder die vielen Verletzten einsetzen. Ich würde gegen Stuttgart nun Dennis Aogo, Joris Mathijsen, Collin Benjamin, Marcell Jansen, Dennis Diekmeier und Romeo Castelen aufstellen. Nur mal zur Probe. Die machen es dann hundertprozentig besser. Und dazu dann auch Tunay Torun und Lennard Sowah. 3:1 für den HSV. Wetten? Stuttgart haun wir wech – sach ich mal ganz frech!

Mir kommt aber auch eine andere Komponente noch nicht ganz so zum Tragen: Bernd Hoffmann. Der hat doch die Schuld an diesem 2:3. An jedem 2:3 und überhaupt, an jeder Niederlage. Wenn das bitte noch einige Male mehr erwähnt werden könnte, dann wäre dieser Pleite doch wirklich noch genüge getan. Und Armin Veh? Natürlich raus! Und Bastian Reinhardt? Selbstverständlich auch raus! Oder rein? Sollte der Sportchef jetzt nicht doch vielleicht besser wieder die Buffer anziehen und auf dem Rasen verteidigen? Das solltet Ihr entscheiden. Und Michael Oenning? Raus! Reiner Geyer? Auch raus! Und Katja Kraus? Natürlich raus. Alle raus, raus, raus, raus. Und dann den Laden dichtmachen. Das wäre mal mein Ratschlag für diesen Sonntag.

Und die Raute in meinem Herzen? RAUS! Einfach nur noch raus.

Was soll das auch? Wenn wir, ich meine den HSV, nicht mehr nach Hannover fahren können, um dort drei Punkte einzufahren, was soll das denn noch alles? Hat doch keinen Sinn. Außer Hermann Rieger – alle raus.

Es ist schon seltsam, was unter dieser Anhängerschaft abgeht. Wo würde der HSV eigentlich stehen, wenn er die sechs Punkte von Köln und Hannover auf dem Plus-Konto hätte? Nun gut, er hat sie nicht, die Schuldigen habe ich ja eingangs auch schon erwähnt, aber er, der HSV, hätte sie doch haben können. In Köln ein 0:1 gedreht und dann 2:3 vergeigt, in Hannover ein 0:1 gedreht und dann eine 2:3-Niederlage kassiert – das alles hatte doch mit Pech nichts zu tun. Das war Unvermögen. Und war hat’s verschuldet? Genau.

„Wenn man fünf Siege, drei Unentschieden und fünf Niederlagen auf dem Konto hat, dann ist das für unsere Ansprüche zu wenig“, sagte Trainer Veh nach dem Kick in Hannover. Es klag nicht gerade optimistisch. Im Gegenteil. Und das stellte auch Kapitän Heiko Westermann klar: „Wir haben das, was wir uns vor der Saison vorgenommen hatten, überhaupt noch nicht erfüllt.“ Und er gab auch noch zu: „Die Lage ist ernst.“ Bravo. Das ist mal Klartext. Und wenn dazu dann noch in dieser Woche wieder prächtig und vorbildlich trainiert werden würde, dann könnte auch am nächsten Sonnabend, wenn der VfB Stuttgart im Volkspark zu Gast ist, dann könnte natürlich auch da wieder verloren werden. Damit dann hier, genau an dieser Stelle, wieder die wahren Schuldigen angeprangert werden können.

Veh sagte übrigens noch: „Dass wir in Hannover nicht mal einen Punkt geholt haben, das ist einfach zum Kotzen.“ Treffender kann Mann es nicht formulieren.

Um einmal ernsthaft in diesen falschen Film zu kommen: Es ist schon tragisch, was mit diesem HSV in diesen Wochen passiert. So viele Verletzte, und zwar schon seit Jahren – das ist doch unnormal. Ich will doch gar nichts beschönigen. Oder schönreden. Tatsache ist doch aber, dass der HSV mit seiner Rumpf-Elf ganz gut gespielt hat. Wie grottig war es noch in Dortmund? Das in Hannover war doch ein Spiel, das der HSV gewinnen musste – und dann verliert er sogar noch. Über die Gründe habe ich nach dem Schlusspfiff geschrieben – und Ihr habt es danach getan. Ich will hier keine andere Einzelkritik abgeben, ich habe heute, am Tag danach, nichts zu korrigieren. Ich habe es eben anders gesehen. Vielleicht auch ohne Fäuste in der Tasche? Und nicht ganz so wütend? Auffällig aber ist doch, dass der HSV, das gebe ich gerne zu, immer noch viel zu sorglos spielt. Das war auch in Hannover zu Beginn wieder so. Der HSV stürmte wie eine Heimmannschaft. Und ich dachte noch so bei mir: „Das läuft genau wie immer: Der HSV macht das Spiel, der Gegner schießt ein Tor.“ Ihr werdet sicher wieder anderer Meinung sein, weil der HSV das Spiel natürlich NICHT gemacht hat, aber es haben einige dennoch so gesehen wie ich.

Dass ausgerechnet Muhamed Besic diesen verhängnisvollen Fehler beging, war Künstlerpech. Aber insgesamt passt dieser Fehler natürlich zu genau diesem Anti-Lauf, den der HSV momentan hat. Und dann dieses Tor in den Schlusssekunden – auch typisch. Da passte doch nichts: Anstatt hinten kompakt zu stehen, auf Sicherheit zu setzen, auf den einen Punkt zu spielen, wurde wieder viel zu sorglos gespielt. Motto: Uns kann keiner! Da fehlt schlicht und einfach ein Mann, der alles ordnet. VERBAL. Ein Mann, der den Kollegen einmal mächtig Bescheid gibt, was in einer Schlussphase (und bei einem 2:2 auswärts) zu tun und was zu lassen ist. Aber da geht jeder nur mit unter. Weil jeder mit sich zu tun hat.

Heiko Westermann hat meiner Meinung nach diesmal schon seinen Mund mehr aufgemacht als in den voraufgegangenen Spielen, aber es reichte eben immer noch nicht. Niemand sagte etwas. Auch Jaroslav Drobny, der große Schweiger zwischen den Pfosten, spielte nur das „große Schweigen“, anstatt seine Vorderleute nicht nur einmal, sondern ständig zusammen zu donnern! Nur so würde es gehen, nur so kann es funktionieren, aber vom HSV kommt nichts. Weder auf dem Rasen noch am Rande. Man konnte es doch sehen, wie der HSV förmlich um das Gegentor bettelte, aber auch von draußen kommt keine Hilfe. Das würde ich mir mal von Armin Veh wünschen, dass er an der Linie wie Rumpelstilzchen umher springt, um seinen Mannen den Marsch zu blasen. Und bitte, bitte, hört mir alle auf damit, es würde ja doch niemand hören oder registrieren. Das nimmt eine Mannschaft schon wahr, was da draußen an der Bank passiert. Warum wohl blickt ein jeder Spieler, der einen Bock geschossen hat, oder der eine Groß-Chance vergeben hat, sofort noch seinem Fehler nach draußen, zur Bank, zum Trainer?

Apropos. Als Paolo Guerrero nach draußen schlich, gab es kein Abklatschen mit dem Coach. Weil der Hals mal wieder zu dick war? Offensichtlich. Wobei ich vor der Frage stehe, ob ich ebenfalls so reagiert hätte, wie der Peruaner? Der hatte vor dem 2:1 den Ball deutlich mit dem Arm angenommen. Zwei 96-Spieler reklamierten das sofort, nach dem Tor aber nicht mehr. Jedenfalls nicht mehr sichtbar. Dennoch ging der (schwache) Schiedsrichter Dr. Jochen Drees zu Guerrero und befragte ihn: „Hand oder nicht Hand?“ Und Paolo G. gab das Handspiel nicht zu.

Ist das profihaft? Es ist wohl so. Und ich hätte mal sehen mögen, wie hier, nur mal bei „Matz ab“, die Anhängerschaft des HSV reagiert hätte, wenn Paolo Guerrero eine Minute danach (okay, eine halbe Minute) zugegeben hätte: „Jawohl, Herr Schiedsrichter, dieses Tor dar nicht zählen, es war ein Handspiel von mir – bitte geben Sie mir die Gelbe Karte.“ Mindestens so viele Fans wie die, die den Peruaner nun verdammen (und zum Teufel wünschen), hätten dann doch gefordert: „Schmeißt ihn raus, schmeißt ihn endlich raus, dieser Mann sollte das HSV-Trikot nie wieder tragen dürfen . . .“

Und nach dieser Vorgeschichte, garniert von einer Rudelbildung und zweier Gelber Karten, wird Guerrero Sekunden später vom Platz geholt. Gerade hatte er sich für seinen HSV aufgeopfert (weil gelogen), und dann der Dank dafür. So muss und so wird er gedacht haben. Und deswegen der dicke Hals. Ich habe Verständnis für Paolo Guerrero, einmal mehr. Aber dieses Verständnis wird von Vorfall zu Vorfall weniger, das gebe ich gerne zu. Allmählich ist der Vorrat an Verständnis aufgebraucht. Das wird wohl auch Armin Veh denken. Ähnlich wie im Fall Guy Demel. Da scheint der Coach (und sein Team) ja nun auch zur Erkenntnis gelangt zu sein, dass es keinen Sinn mehr macht . . . Und Guerrero ist ziemlich nah dran an einer solchen Lage. Er sollte sich, wenn er dann noch tatsächlich die Lust dazu verspürt, schnellstens zusammenreißen, wenn er (s)ein totales Desaster noch verhindern will.

Womit ich noch schnell zu Mladen Petric kommen möchte. Viele von Euch habe ihm ja wieder einmal eine läuferisch schlechte Leistung bescheinigt, und damit liegen sie wohl auch nicht falsch. Dennoch behaupte ich: Petric schießt Tore. Er in erster Linie. Das ist seine große Stärke. Dazu muss er aber auch entsprechend eingesetzt werden. Und das wird er (leider) nicht immer, oder noch treffender: Er wird es viel zu selten. Und da er sich meistens mit zwei, drei Gegenspielern herum zu schlagen hat, kann man auch schon mal leicht verzweifeln. Und verzagen. Und eventuell auch mal leicht resignieren?

Mir würde auch gefallen, wenn sich Petric „mehr bewegen“ würde. Wenn er mehr nach hinten arbeiten würde, wenn er so viel und auch so schnell laufen (mindestens!) würde wie einst Ivica Olic. Aber das ist eben nicht das Spiel des Mladen P. Er ist ein „Knipser“, er muss die Dinger aufgelegt bekommen, dann ist er wertvoll. Deswegen müssen ihn die HSV-Fans so nehmen, wie er ist. Oder sie sollten es nicht. Aber: Immer nur dann zu jubeln, wenn er mal wieder ein wichtiges Tor für den HSV geschossen hat (zum Beispiel St. Pauli), das scheint mir dann doch viel, viel zu billig zu sein. Obwohl es einigen HSV-Fans hier ja ganz besonders zu gefallen scheint, einige (und auch ganz bestimmte) HSV-Spieler in Grund und Boden zu schreiben.

Dass damit niemandem gedient ist, das steht fest, steht aber wohl auch auf einem ganz anderen Blatt. Siehe Piotr T. Ich mag den Namen schon gar nicht mehr erwähnen. Was ist dem Nationalspieler (und WM-Dritten) nicht schon alles nachgesagt worden, wie ist er hier schon unwürdig angegriffen worden, wie ist er auch jetzt wieder, nach dem Hannover-Spiel, zerrissen und heftig attackiert worden. Er darf, so die vielen Experten, keine Kringel drehen, er darf dies nicht, er darf das nicht, er soll das lassen und jenes auch – und er soll auch nicht mehr quer und zurück spielen. Er soll im Prinzip nur so ähnlich spielen wie Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo. Und wenn er das nicht macht, dann bekommt er bei „seinem“ Anhang kein Bein mehr auf den Boden – so einfach ist das (geworden).
Ich sehe das Spiel des Piotr T. zurzeit so: Er bemüht sich darum, sachlich zu spielen, gaaaanz solide, ohne jeden Schnörkel. Er arbeitet für die Mannschaft, er läuft mehr als sonst, er spielt mit weniger Risiko – er bemüht sich, wie gesagt, um ein ganz einfaches Spiel. Motto: Nur nicht auffallen Aber das ist ja auch wieder nicht richtig. Natürlich nicht. Es ist schon bitter: Er, Piotr T., kann in meinen Augen bereits seit vielen Monaten machen was er will, er bekommt bei vielen (wie viele sind es eigentlich wirklich?) HSV-Fans kein Bein mehr an den Boden. Weitere Kommentare verkneife ich mir aber nun ganz strikt.

In der Hoffnung, dass sich Tomas Rincon das 2:3 nicht zu sehr zu Herzen nimmt, schließe ich nun für heute. Das nächste Training kommt bestimmt, und damit auch das nächste stimmungsvolle Super-Training der großen HSV-Stars – nur an diesem Montag muss die Fan-Gemeinde noch einmal darauf kurz verzichten. Montag ist frei. Und am Dienstag geht es dann um 10 Uhr und um 15 Uhr (also zweimal) heiter weiter.

16.50 Uhr

Eine einfach nur bittere Niederlage

20. November 2010

Ich wollte eigentlich mit Schlusspfiff bloggen. Aber ich muss zugeben, ich weiß noch immer nicht so recht, wie ich dieses Spiel deuten soll. In Hannover verloren, das darf nicht der Anspruch sein. Klar. Aber wenn ich mir ansehe, wie dieses Spiel verloren wurde, muss ich relativieren. Denn dieses Spiel war eine klare Steigerung zur Vorwoche, es war teilweise sogar richtig ansehnlich. Die Mannschaft wollte auch, das war deutlich zu erkennen.

Aber der Reihe nach.

Am Anfang war ich einfach nur froh, dass es die Reportertaste bei Sky gibt. Denn was sich der werte Sky-Kommentator da in der ersten Halbzeit abgekniffen hat, war unterirdisch. Son schlecht zu reden, nachdem der allein in den ersten fünf Minuten schon drei Riesenszenen hatte – unfassbar. Dann auch noch Pitroipa in genau den zehn Minuten zu loben, in denen er kurzzeitig abgetaucht war, das passte da nur ins Bild. Aber egal. Das Spiel war besser als der Kommentator, zum Glück.

Es war ein typisches HSV-Spiel. Wieder feldüberlegen und mit mehr Ballbesitz fangen sie sich einen Treffer ein, der individueller nicht sein kann. Ausgerechnet Debütant Besic, der mir ansonsten sehr gut gefiel, schießt als letzter Mann Stindl an und der rennt allein auf Drobny zu, zielt – und trifft. 1:0 für den kleinen HSV, der bis dahin kaum stattgefunden hatte.

Allerdings hatte der Gegentreffer nicht die verheerenden Folgen, die viele erwartet hätten. Im Gegenteil. Der HSV bäumte sich auf. Der heute starke Westermann nahm sich Besic, munterte ihn auf. Eine Szene, die ich bislang in dieser Saison so noch nicht gesehen hatte. Endlich ein Anzeichen von Teamgeist. Zumal Westermann auch insgesamt mehr als sonst den Mund aufmachte. Er dirigierte, er forderte und er stellte seine Leute. Er war endlich DER Kapitän. Der Abwehrchef. Wobei ich nicht verschweigen will, dass auch Besic viel dirigierte und motivierte – allerdings diente das wahrscheinlicher eher ihm selbst als der Mannschaft.

Und so war es auch wenig verwunderlich, dass der HSV noch vor der Pause zum Ausgleich kam. Pitroipa setzte sich über links gleich gegen zwei Hannoveraner durch, zog bis auf die Grundlinie und passte unkonventionell in die Mitte, wo Son den Ball über die Torlinie stochern konnte (40. Minute).

Und der HSV legte sogar noch nach. Nach einigen kleinen Problemen gegen stürmisch beginnende Niedersachsen setzte sich wieder Pitroipa durch – diesmal über die rechte Seite – und seine Flanke findet in Son einen dankbaren Abnehmer. Und wie! Der Südkoreaner steigt am zweiten Pfosten hoch und legt den Ball per Kopf wunderschön an 96-Keeper Fromlowitz vorbei ins lange Eck (54.). Ein traumhaft schön herausgespieltes Tor.

Allerdings hielt die Führung nicht lang. Schulz sorgte nur fünf Minuten später mit einem Fallrückzieher für den erneuten Ausgleich. Ein Treffer, bei dem zuerst die gesamte Abwehr (weil sie Schulz völlig ungedeckt ließ) und anschließend auch Torwart Jaroslav Drobny schlecht aussahen. Der Tscheche, der gegen Stuttgart am kommenden Sonnabend mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder vom wieder genesenen Frank Rost ersetzt wird, stand hierbei zu weit vor seinem Kasten und wurde schlicht überlupft. Das 2:2.

Aber leider noch nicht der letzte Treffer. In der Nachspielzeit war es Mike Hanke, der per Kopf das 3:2 für Hannover besorgte. Zuerst sah es so aus, als hätte Hanke seinen Gegenspieler Tomas Rincon umgerissen. Aber bei genauerem Hinsehen wurde deutlich, dass sich der Venezolaner, den ich bis dahin ganz stark gesehen hatte, einfach verschätzte. Bitter. Bitter für Rincon. Und bitter für den HSV, der ein Spiel verliert, das er nie und nimmer verlieren darf. Ganz im Gegenteil. In diesem Spiel war (im Gegensatz zur Dortmund-Partie) mehr drin.

Angefangen bei Heiko Westermann, der vielleicht sein bestes Spiel bislang für den HSV machte, über Besic, der nur einen einzigen Fehler im Spiel hatte. Selbst Rincon spielte nach zehn Minuten Anfangsschwierigkeiten sehr stark – bis kurz vor Ende. Ebenso dramatisch war das Spiel für Drobny, der eine Flanke unterlief und einmal zu weit vor seinem Kasten stand. Ansonsten hielt er, was zu halten war. Er rettete zudem in der 85. Minute sensationell gegen Hanke. Aber wie bei Besic und Rincon wurden seine wenigen Fehler bitter bestraft.

Mann des Spiels war trotz der zwei Tore von Son für mich Jonathan Pitroipa. Zehn Minuten Pause gönnte er sich in der ersten Halbzeit, aber die restlichen 80 Minuten war er brandgefährlich. Er bereitete beide Tore mustergültig vor. Allerdings muss er auch das dritte Tor machen, als er sich in der zweiten Halbzeit super durchsetzt und allein vor Fromlowitz mit links knapp verzieht.

Und während Petric sowie van Nistelrooy nach dessen Einwechslung einfach nur unauffällig blieben, machten David Jarolim und Piotr Trochowski ein unauffälliges, aber gutes Spiel. Während Jarolim sich wieder eine Fleißnote erarbeitete, zudem durch viele Ballgewinne bestach, scheint Trochowski langsam zu begreifen, dass er nicht immer das Besondere machen muss. Zumindest hatte ich das Gefühl, dass er bemüht war, sachlich zu spielen, das Spiel nicht durch seine für ihn typischen Drehungen um die eigene Achse zu verschleppen. Er spielte effizient.

Auffälliger war dagegen Guerrero. Allerdings am meisten, als er sich nach dem 2:1-Führungstreffer von verschiedenen Hannoveranern provozieren ließ. Schiedsrichter Dr. Jochen Drees hatte ihn gefragt, ob er vor dem 2:1 Hand gespielt hätte. Er hatte. Aber er gab es nicht zu, was die Hannoveraner Spieler aufbrachte. Es kam zur Rangelei, Guerrero und Schlaudraff erhielten Gelb. Die fast logische Folge war Guerreros Auswechslung (ohne mit Trainer Veh abzuklatschen) und im Ergebnis eine eher schwache Partie des Peruaners.

Besser war dagegen Youngster Son. Der Südkoreaner begann bärenstark, tauchte eine ganze Weile ab aber war an fast jeder gefährlichen Szene beteiligt. Addiert man seine zwei Tore hinzu bleibt unter dem Strich ein starkes Spiel auf der linken Seite, die er sich mit Zé Roberto teilte. Der Brasilianer, der erneut auf der ungeliebten Linksverteidigerposition auflief, enttäuschte dagegen. Einem guten Sololauf standen heute etliche unnötige Ballverluste und ein ungewohnt schwaches Zweikampfverhalten entgegen. Ich weiß nicht, was mit Zé heute los war, aber das wirkte schon sehr müde, fast lustlos.

Trotzdem möchte ich diesen ob der Niederlage natürlich enttäuschenden Nachmittag positiv beschließen. Denn neben Besic und Son konnte heute noch ein dritter Junger überzeugen. Und zwar Tunay Torun. Der Deutschtürke steuerte beim 3:0-Erfolg der U23 gleich zwei Treffer bei und untermauerte seine gute Form.

In diesem Sinne: Kopf hoch, HSV!

18.22 Uhr

Aus der Not eine T(J)ugend machen

19. November 2010

So blöd es bei der prognostizierten Ausfallzeit von acht Wochen auch klingen mag, Joris Mathijsen hat noch Glück gehabt. Ich hatte mich mit einem ehemaligen HSV-Arzt über die Bilder unterhalten, wie Mathijsen gegen die Türkei umgeknickt war, und auch der studierte Mediziner hatte einen Knöchelbruch befürchtet. Sein O-Ton: „Wenn da nichts am Knochen ist, kannst Du auch das Pech haben, dass sämtliche Bänder durch sind.“ Dem ist nicht so. Es sind „nur“ zwei Bänder gerissen. Ob Joris jetzt operiert wird, wird sich in den nächsten Tagen entscheiden. Klar ist aber, dass die Hinrunde für ihn gelaufen ist.

Und mit Muhamed Besic steht der Nachfolger bereit. Obwohl auch der junge Bosnier kurz um seinen Startplatz zittern musste, als sich Guy Demel zum Abschlusstraining plötzlich auf den Trainingsplatz begab. Allerdings dauerte es keine zwei Minuten und keine zwei Sätze von Co-Trainer Reiner Geyer, da war der Ivorer wieder verschwunden. Und obwohl sich Veh nicht zu dem Vorfall äußern wollte scheint klar, dass hier Ärger ins Haus steht. Schließlich hatte auch der HSV via Pressemitteilung bereits Demels Ausfall verkündet.

Und ich frage mich ganz ehrlich, was Demel wollte. Er verletzt sich in Dortmund und wird zehn Minuten vor Schluss ausgewechselt. Verletzt (!) wohlgemerkt. Und so angeschlagen wie er ist, reist er zwei Tage später zum Länderspiel und spielt über die volle Distanz von 90 Minuten! Wäre er heil zurückgekehrt, hätte vielleicht niemand etwas gesagt. Aber stattdessen klagt er seither über Achillessehnenprobleme. Am Donnerstag fiel er damit aus, auch heute scheint er dem Trainerteam vor der Einheit keine Besserung signalisiert zu haben. Und ganz ehrlich: sein Platzverweis von Geyer ist letztlich nur die Krönung von Guys bisheriger Saison.

Aber gut. Reden wir lieber über die, die mit nach Hannover reisen. Über die, die endlich wieder einen Dreier einfahren sollen. Und über die möglichen Startelfformationen. Denn die haben seit heute eine neue Variante. Ich hatte ja schon geschrieben, dass Änis Ben-Hatira in den letzten Tagen im Training auffällig agierte. Heute bekam der 23-Jährige dafür seine Quittung – in der freundlichen Form einer Startelfnominierung. Zuerst agierte er beim taktischen Training auf links in der Viererkette, wechselte aber bereits nach einer Minute mit Zé Roberto wieder ins Mittelfeld. Ob Veh ihn von beginn an spielen lassen will? „Es kann sich noch etwas ändern. Aber Änis hat die Woche über sehr gut trainiert“, lobte ihn Veh.

Und so sah es aus: Ben-Hatira spielte rechts neben den beiden Sechsern Trochowski und Jarolim, während Pitroipa auf der linken Mittelfeldseite agierte. Davor ließ Veh heute mit zwei Spitzen, Paolo Guerrero und Mladen Petric üben. Gut möglich erscheint allerdings, dass Ben-Hatira durch Heung Min Son ersetzt wird, der mit den restlichen Reservisten (Ruud van Nistelrooy, Robert Tesche, Eljero Elia, Maxim Choupo Moting, Tom Mikkel und Lennard Sowah) auf der zweiten Platzhälfte trainierte.

Dazu ließ Veh Tomas Rincon hinten rechts spielen. Und Muhamed Besic startet, wenn nichts Außergewöhnliches mehr passiert, neben Heiko Westermann in der Innenverteidigung. Wobei ich wirklich sehr gespannt bin. Auf der einen Seite ist Muhamed mit 1,80 Meter und gerade 77 Kilogramm körperlich für einen Innenverteidiger sicherlich nicht optimal. „Aber ich spiele mit Auge, gerade weil ich körperlich zu leicht weggeschoben werden kann“, sagt er selbst.

Ich muss wiederholt zugeben, der Junge imponiert mir. Heute saß er bei uns in der Presserunde und wurde mit Fragen ohne Ende bombardiert. Und Besic saß da, antwortete ruhig und gewählt. Er versuchte seine Nervosität zu überspielen. Was unnötig ist. Denn es ist eine Nervosität, die dazugehört. Immerhin steht er nach seiner Bundesligapremiere in Dortmund, seinem ersten Länderspieleinsatz (zehn Minuten gegen die Slowakei) auch vor seinem Startelfdebüt. „Ich werde versuchen, mir keinen Kopf zu machen“, sagt Besic. Das sei der Tipp seiner Mannschaftskameraden gewesen.

Ich wollte wissen, ob er wirklich so cool ist, wie er tut. Muahmed grinste leicht verlegen und gab zu: „Grundsätzlich ist das vielleicht eine Stärke von mir. Aber ich bin mir sicher, dass die Aufregung noch kommt. Aber es wäre auch komisch, wenn nicht.“

Besic’s Stärken liegen allerdings nicht nur in seinem Gemüt, sondern auf dem Platz auch eindeutig im fußballerischen Bereich. Der Bosnier, der vor 18 Monaten aus Berlin ins HSV-Internat wechselte, besticht durch kluges Aufbauspiel. Genau mit dem, was diesem HSV bisher etwas abging. Zudem ist Besic eher der Typ Instinktfußballer. Er ist kein Sprinter, aber er antizipiert gut.

Im Übrigen: Daher ist mir die Kombination mit Westermann auch fast noch lieber als die mit Mathijsen. Denn Joris, seine Konstanz in allen Ehren, ist auch kein Sprinter. Beide zusammen könnten läuferisch gegen quirlige Spieler wie jetzt Hannovers Didier YaKonan arge Schwierigkeiten bekommen. Deshalb setze ich darauf, dass Westermann den Abräumer spielt, seine Zweikampf- und Laufstärke einbringt und damit wenns nötig wird den einen oder anderen Fehler seines jungen Nebenmannes ausbügelt und Besic mit dieser Sicherheit im Rücken seine spielerischen Stärken entwickelt. „Ich werde mein Bestes geben“, sagt Besic, „auch wenn sicherlich noch nicht alles klappen wird.“

Gut möglich. Besic wird in Hannover der Spieler auf dem Platz sein, dem alles verziehen wird, was nicht so gut läuft. Das haben ihm seine Kollegen schon mitgeteilt. Auch Trainer Armin Veh. Besic soll nach Son und vielleicht ja auch mit Ben-Hatira zusammen stellvertretend für einen möglichen Umbruch stehen. Und dazu gehört Zeit. Dazu gehört Geduld. Mehr als man beim HSV zuletzt hatte. Das weiß auch Veh. „Wenn wir keine Ergebnisse liefern, interessiert sich später keiner dafür, wie das zustande gekommen ist.“ Da hat er wahrscheinlich Recht. Trotzdem freue ich mich, dass der Trainer den Mut hat, jetzt seine Jungen reinzuwerfen. Vielleicht entsteht ja so aus der Not eine T(J)ugend.

Zudem darf die Zahl von zehn Verletzten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bank wieder außerordentlich gut besetzt ist. Da sitzen talentierte Fußballer wie Choupo-Moting, wahrscheinlich Son sowie Ruud van Nistelrooy und Eljero Elia, die zwar noch nicht bei 100 Prozent sind, aber allemal das Zeug haben, auch nach einer Einwechslung ein Spiel allein zu entscheiden. Veh hat ein paar Asse in der Hinterhand.

Vielleicht entwickelt sich so endlich eine Mannschaft. Die schwierige Situation zum eigenen Vorteil nutzen, hatte Veh seine Hoffnung formuliert. Und er hat ein klares Zeichen gesetzt, nicht auf Biegen und Brechen seine alte Garde aufzubieten. Egal wie angeschlagen sie ist. Leidtragender war diesmal Guy Demel. Hoffentlich mit der richtigen Wirkung. Zum Wohle der Mannschaft. Zum Wohle des Vereins. Und zu unserer Freude.

Mit folgender Startel: Drobny – Rincon, Besic, Westermann, Zé Roberto – Ben-Hatira (Son), Jarolim, Trochowski, Pitroipa – Guerrero, Petric.

In diesem Sinne: Nur der (große) HSV!

18.35 Uhr

Ich will an einen Sieg in Hannover glauben

18. November 2010

Es ist schon Galgenhumor, in den sich Armin Veh verliert. Anders geht es auch kaum noch. „Das Training war super“, entgegnete er nach dem heutigen Training einem fragenden Fan freundlich, „es hat sich ja auch mal keiner verletzt.“ Dabei konnte er allerdings nur mit viel Mühe lächeln. Zu sehr nagt an dem Trainer die Personalnot, die sich nach den Ausfällen von Guy Demel (klagt über Achillessehnenbeschwerden) und Joris Mathijsen noch verschärft hat.

Bei dem Niederländer konnte nach dessen übel aussehender Verletzung aus dem Länderspiel gegen die Türkei noch keine genaue Diagnose gestellt werden, weil der Knöchel zu sehr geschwollen ist. Sobald die Schwellung etwas zurückgegangen ist, soll der Niederländer einer CT (Computertomographie) unterziehen. Allerdings scheint klar, dass Joris für Wochen ausfallen wird. Wahrscheinlich sogar für den Rest der Hinrunde.

Bitter für den Niederländer, der eine gefühlte Ewigkeit nicht ein einziges Spiel verpasst hat. Und bitter für den HSV. „Es ist genau das passiert, was uns nicht passieren durfte“, beschrieb Veh seine Gemütslage, „es hat sich einer von hinten verletzt.“ Denn gerade im Defensivbereich hakt es beim HSV personell, nachdem sowohl Diekmeier als auch Aogo seit Wochen und noch immer ausfallen.

Für Mathijsen wird Muhamed Besic ins Team rücken. „Besic wird spielen“, so Veh deutlich, eher er wieder seinen Galgenhumor aufnahm: „Er hat ja jetzt auch sein erstes Länderspiel hinter sich. Da hat er noch mal ein wenig Erfahrung sammeln können.“ Besic, der vergangene Woche deutlich gemacht hatte, dass er bereit sei für seine ersten Bundesligaeinsätze, erhält sowohl von Veh als auch von seinem direkten Nebenmann Heiko Westermann Unterstützung. „Muhamed ist ein guter Junge“, sagt Westermann, „ich werde ihm helfen, wo ich nur kann.“

Bei aller Freude über Besic’s Premiere, auf die ich wirklich sehr gespannt bin, es ist einfach nicht mehr nachvollziehbar, was sich beim HSV abspielt. Die Verletzungen – auch wenn sich in diesem Fall die letzten drei Ausfälle (Kacar, Demel, Mathijsen) jeweils in Spielen verletzt haben – sind in dieser Anzahl nicht mehr logisch zu erklären. Das ist nicht neu, ich weiß. Aber immer, wenn man denkt, den Tiefpunkt erreicht zu haben, folgt eine neue Hiobsbotschaft. Unfassbar.

„Die Arschbacken zusammenkneifen“, so nannte es Westermann heute, das sei das einzige, was jetzt noch gemacht werden könnte. Und tatsächlich ist es auch so. Einige von Euch hatten mich zuletzt als Schwarzmaler hingestellt, mir vorgeworfen, ich sei nicht optimistisch genug in meinen Ausführungen. Das wiederum muss ich relativieren. Denn ich sehe mich immer in der Pflicht, Euch über die Umstände beim HSV so umfassend und objektiv wie möglich aufzuklären. Und das mache ich. Nichts anderes. Dazu gehört es, in guten Zeiten zu erläutern, warum es so gut läuft. Da darf man anfangen zu träumen. Ist ja auch schön. Dazu gehört es allerdings auch – und das zu jeder Zeit, also nicht nur, wenn es nicht läuft! ¬- über die bestehenden Missstände zu berichten. Und leider gab es davon in den letzten Monaten zu viel. Und das wird auch der größte Optimist unter uns nicht leugnen.

Trotzdem will ich heute versuchen, ausschließlich die guten Seiten hervorzuheben. Nicht als Reaktion auf die, die mich kritisiert haben. Nein, aus Eigennutz. Ich will mich auf das Spiel am Sonnabend in Hannover freuen. Ich will den HSV (wie immer) siegen sehen. Und so trist heute Wetter und Laune an der Imtech-Arena waren, ich will die Worte von Trainer Armin veh glauben. Der hat heute gesagt: „Wir müssen jetzt noch enger zusammenrücken.“ Und anschließend folgte der Satz, dem ich mich unterordnen will: „Es gibt immer Situationen, wo aus vermeintlichen Schwächen Stärken werden.“

Also gut. Schauen wir mal, wo wir schwächer als zuletzt sind:

Im Tor ist weiterhin Drobny, da Frank Rost zwar gestern wieder intensiv auf dem Platz trainieren konnte, allerdings noch nicht bei 100 Prozent ist. Das soll er nächste Woche sein, im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart. Ergo: keine Schwächung zu den letzten Wochen.

Davor fällt rechts in der Viererkette Guy Demel aus. Der Ivorer befand sich allerdings seit einigen Wochen in einer Formkrise. Insofern dürfte es nicht allzu schwer sein, ihn momentan zu ersetzen. Sollte Rincon nicht Kacar auf der Sechs ersetzen müssen, dürfte er Demels Position einnehmen. Und wer den Venezolaner kennt weiß, dass er sich noch so ein Spiel wie in Köln nicht erlauben wird.

Leicht zu ersetzen ist Mathijsen allerdings nicht. Im Gegenteil: Joris ist wahrscheinlich die personifizierte Beständigkeit. So gut wie nie auf Weltklasseniveau, hat er aber auch überdurchschnittlich wenige Aussetzer. Ihn zu ersetzen ist generell schwierig. Gerade, wenn man wie Besic erst 18 Jahre alt ist und sein erstes Bundesligaspiel von Beginn an macht. Allerdings, und das ist meine Hoffnung, alle werden Besic klarmachen, dass er nichts zu verlieren hat. Dass wenn einer noch Fehler verziehen bekommt, er das ist. Insofern hoffe ich auf ein gutes, ein mutiges Spiel des Jungen.

Im Mittelfeld und der Offensive fällt lediglich Gojko Kacar aus, über den Trainer Veh sagte, er sei eh nicht hundertprozentig fit gewesen. Insofern erübrigt sich hier für mich der Kommentar. Zumal ich mir sicher bin, dass Elia schon sehr bald eine sportlich wesentliche Bereicherung sein wird. Und auch wenn Veh heute sagte, Elia sei noch nicht topfit und er wisse noch nicht einmal, ob er ihn in den Kader berufen wolle: ich bin mir sicher, dass der Niederländer spielt. Wenn nicht von Beginn an, dann zumindest als Einwechselspieler. Denn auch Veh kann nicht entgangen sein, mit welchem Elan der Niederländer im Training schon wieder unterwegs ist.

Zudem steht auch Ruud van Nistelrooy, der im Training einen guten Eindruck hinterlässt, wieder zur Wahl. Der Weltklassestürmer absolvierte seine Trainingseinheiten dosiert. Und trotzdem bestach er mit Treffsicherheit. Kurzum, er machte all das, was man von ihm als Stürmer erwartet. „Ruud ist wohl schon wieder soweit, dass er spielen könnte“, blieb Veh vorsichtig. Dennoch glaube ich: Rincon für Kacar, Elia und van Nistelrooy wieder zur Auswahl- dann sind wir in Mittelfeld wie Offensive doch besser als zuletzt aufgestellt. Es müsste also besser werden.

Und obwohl wir alle wissen, dass Fußball so nicht zwingend funktionieren muss, macht das zumindest Hoffnung. Ich hoffe, am Wochenende einige frische (nicht zwingend neue) Gesichter auf dem Platz zu sehen. Drobny, Rincon, Westermann, Besic, Zé Roberto, Jarolim, Trochowski, Pitroipa, Elia, Petric, van Nistelrooy – das sind alles richtig gute Fußballer. Und während ich nur hoffen kann, dass diese Anhäufung großer Namen auch endliche eine gute Mannschaft bildet, setze ich alles darauf, dass dieser HSV nicht noch ein Spiel so blutleer wir zuletzt in Dortmund spielen wird.

In diesem Sinne: Nur der HSV!

20.11 Uhr

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