Tagesarchiv für den 21. November 2010

“Für unsere Ansprüche zu wenig”

21. November 2010

So viele sanftmütige Zuschriften – ich bin begeistert. So ein herrlicher Sonntag. Vielen Dank für Eure Unterstützung. Auch im Namen des HSV. Dass hier einige User als „warm“ beschimpft werden – sicher nur ein schlechter Scherz, einfach nur mal ein Ausrutscher. Dass ich beim falschen Spiel gewesen bin – sorry, es soll nicht wieder vorkommen. Und natürlich waren sie auch alle grottenschlecht beim HSV. Bis auf zwei Ausnahmen, die möchte ich kurz nennen: Jonathan Pitroipa und Heung Min Son. Alle anderen müssten rausgeschmissen werden. Selbstverständlich raus mit allen. Und dann einfach wieder die vielen Verletzten einsetzen. Ich würde gegen Stuttgart nun Dennis Aogo, Joris Mathijsen, Collin Benjamin, Marcell Jansen, Dennis Diekmeier und Romeo Castelen aufstellen. Nur mal zur Probe. Die machen es dann hundertprozentig besser. Und dazu dann auch Tunay Torun und Lennard Sowah. 3:1 für den HSV. Wetten? Stuttgart haun wir wech – sach ich mal ganz frech!

Mir kommt aber auch eine andere Komponente noch nicht ganz so zum Tragen: Bernd Hoffmann. Der hat doch die Schuld an diesem 2:3. An jedem 2:3 und überhaupt, an jeder Niederlage. Wenn das bitte noch einige Male mehr erwähnt werden könnte, dann wäre dieser Pleite doch wirklich noch genüge getan. Und Armin Veh? Natürlich raus! Und Bastian Reinhardt? Selbstverständlich auch raus! Oder rein? Sollte der Sportchef jetzt nicht doch vielleicht besser wieder die Buffer anziehen und auf dem Rasen verteidigen? Das solltet Ihr entscheiden. Und Michael Oenning? Raus! Reiner Geyer? Auch raus! Und Katja Kraus? Natürlich raus. Alle raus, raus, raus, raus. Und dann den Laden dichtmachen. Das wäre mal mein Ratschlag für diesen Sonntag.

Und die Raute in meinem Herzen? RAUS! Einfach nur noch raus.

Was soll das auch? Wenn wir, ich meine den HSV, nicht mehr nach Hannover fahren können, um dort drei Punkte einzufahren, was soll das denn noch alles? Hat doch keinen Sinn. Außer Hermann Rieger – alle raus.

Es ist schon seltsam, was unter dieser Anhängerschaft abgeht. Wo würde der HSV eigentlich stehen, wenn er die sechs Punkte von Köln und Hannover auf dem Plus-Konto hätte? Nun gut, er hat sie nicht, die Schuldigen habe ich ja eingangs auch schon erwähnt, aber er, der HSV, hätte sie doch haben können. In Köln ein 0:1 gedreht und dann 2:3 vergeigt, in Hannover ein 0:1 gedreht und dann eine 2:3-Niederlage kassiert – das alles hatte doch mit Pech nichts zu tun. Das war Unvermögen. Und war hat’s verschuldet? Genau.

„Wenn man fünf Siege, drei Unentschieden und fünf Niederlagen auf dem Konto hat, dann ist das für unsere Ansprüche zu wenig“, sagte Trainer Veh nach dem Kick in Hannover. Es klag nicht gerade optimistisch. Im Gegenteil. Und das stellte auch Kapitän Heiko Westermann klar: „Wir haben das, was wir uns vor der Saison vorgenommen hatten, überhaupt noch nicht erfüllt.“ Und er gab auch noch zu: „Die Lage ist ernst.“ Bravo. Das ist mal Klartext. Und wenn dazu dann noch in dieser Woche wieder prächtig und vorbildlich trainiert werden würde, dann könnte auch am nächsten Sonnabend, wenn der VfB Stuttgart im Volkspark zu Gast ist, dann könnte natürlich auch da wieder verloren werden. Damit dann hier, genau an dieser Stelle, wieder die wahren Schuldigen angeprangert werden können.

Veh sagte übrigens noch: „Dass wir in Hannover nicht mal einen Punkt geholt haben, das ist einfach zum Kotzen.“ Treffender kann Mann es nicht formulieren.

Um einmal ernsthaft in diesen falschen Film zu kommen: Es ist schon tragisch, was mit diesem HSV in diesen Wochen passiert. So viele Verletzte, und zwar schon seit Jahren – das ist doch unnormal. Ich will doch gar nichts beschönigen. Oder schönreden. Tatsache ist doch aber, dass der HSV mit seiner Rumpf-Elf ganz gut gespielt hat. Wie grottig war es noch in Dortmund? Das in Hannover war doch ein Spiel, das der HSV gewinnen musste – und dann verliert er sogar noch. Über die Gründe habe ich nach dem Schlusspfiff geschrieben – und Ihr habt es danach getan. Ich will hier keine andere Einzelkritik abgeben, ich habe heute, am Tag danach, nichts zu korrigieren. Ich habe es eben anders gesehen. Vielleicht auch ohne Fäuste in der Tasche? Und nicht ganz so wütend? Auffällig aber ist doch, dass der HSV, das gebe ich gerne zu, immer noch viel zu sorglos spielt. Das war auch in Hannover zu Beginn wieder so. Der HSV stürmte wie eine Heimmannschaft. Und ich dachte noch so bei mir: „Das läuft genau wie immer: Der HSV macht das Spiel, der Gegner schießt ein Tor.“ Ihr werdet sicher wieder anderer Meinung sein, weil der HSV das Spiel natürlich NICHT gemacht hat, aber es haben einige dennoch so gesehen wie ich.

Dass ausgerechnet Muhamed Besic diesen verhängnisvollen Fehler beging, war Künstlerpech. Aber insgesamt passt dieser Fehler natürlich zu genau diesem Anti-Lauf, den der HSV momentan hat. Und dann dieses Tor in den Schlusssekunden – auch typisch. Da passte doch nichts: Anstatt hinten kompakt zu stehen, auf Sicherheit zu setzen, auf den einen Punkt zu spielen, wurde wieder viel zu sorglos gespielt. Motto: Uns kann keiner! Da fehlt schlicht und einfach ein Mann, der alles ordnet. VERBAL. Ein Mann, der den Kollegen einmal mächtig Bescheid gibt, was in einer Schlussphase (und bei einem 2:2 auswärts) zu tun und was zu lassen ist. Aber da geht jeder nur mit unter. Weil jeder mit sich zu tun hat.

Heiko Westermann hat meiner Meinung nach diesmal schon seinen Mund mehr aufgemacht als in den voraufgegangenen Spielen, aber es reichte eben immer noch nicht. Niemand sagte etwas. Auch Jaroslav Drobny, der große Schweiger zwischen den Pfosten, spielte nur das „große Schweigen“, anstatt seine Vorderleute nicht nur einmal, sondern ständig zusammen zu donnern! Nur so würde es gehen, nur so kann es funktionieren, aber vom HSV kommt nichts. Weder auf dem Rasen noch am Rande. Man konnte es doch sehen, wie der HSV förmlich um das Gegentor bettelte, aber auch von draußen kommt keine Hilfe. Das würde ich mir mal von Armin Veh wünschen, dass er an der Linie wie Rumpelstilzchen umher springt, um seinen Mannen den Marsch zu blasen. Und bitte, bitte, hört mir alle auf damit, es würde ja doch niemand hören oder registrieren. Das nimmt eine Mannschaft schon wahr, was da draußen an der Bank passiert. Warum wohl blickt ein jeder Spieler, der einen Bock geschossen hat, oder der eine Groß-Chance vergeben hat, sofort noch seinem Fehler nach draußen, zur Bank, zum Trainer?

Apropos. Als Paolo Guerrero nach draußen schlich, gab es kein Abklatschen mit dem Coach. Weil der Hals mal wieder zu dick war? Offensichtlich. Wobei ich vor der Frage stehe, ob ich ebenfalls so reagiert hätte, wie der Peruaner? Der hatte vor dem 2:1 den Ball deutlich mit dem Arm angenommen. Zwei 96-Spieler reklamierten das sofort, nach dem Tor aber nicht mehr. Jedenfalls nicht mehr sichtbar. Dennoch ging der (schwache) Schiedsrichter Dr. Jochen Drees zu Guerrero und befragte ihn: „Hand oder nicht Hand?“ Und Paolo G. gab das Handspiel nicht zu.

Ist das profihaft? Es ist wohl so. Und ich hätte mal sehen mögen, wie hier, nur mal bei „Matz ab“, die Anhängerschaft des HSV reagiert hätte, wenn Paolo Guerrero eine Minute danach (okay, eine halbe Minute) zugegeben hätte: „Jawohl, Herr Schiedsrichter, dieses Tor dar nicht zählen, es war ein Handspiel von mir – bitte geben Sie mir die Gelbe Karte.“ Mindestens so viele Fans wie die, die den Peruaner nun verdammen (und zum Teufel wünschen), hätten dann doch gefordert: „Schmeißt ihn raus, schmeißt ihn endlich raus, dieser Mann sollte das HSV-Trikot nie wieder tragen dürfen . . .“

Und nach dieser Vorgeschichte, garniert von einer Rudelbildung und zweier Gelber Karten, wird Guerrero Sekunden später vom Platz geholt. Gerade hatte er sich für seinen HSV aufgeopfert (weil gelogen), und dann der Dank dafür. So muss und so wird er gedacht haben. Und deswegen der dicke Hals. Ich habe Verständnis für Paolo Guerrero, einmal mehr. Aber dieses Verständnis wird von Vorfall zu Vorfall weniger, das gebe ich gerne zu. Allmählich ist der Vorrat an Verständnis aufgebraucht. Das wird wohl auch Armin Veh denken. Ähnlich wie im Fall Guy Demel. Da scheint der Coach (und sein Team) ja nun auch zur Erkenntnis gelangt zu sein, dass es keinen Sinn mehr macht . . . Und Guerrero ist ziemlich nah dran an einer solchen Lage. Er sollte sich, wenn er dann noch tatsächlich die Lust dazu verspürt, schnellstens zusammenreißen, wenn er (s)ein totales Desaster noch verhindern will.

Womit ich noch schnell zu Mladen Petric kommen möchte. Viele von Euch habe ihm ja wieder einmal eine läuferisch schlechte Leistung bescheinigt, und damit liegen sie wohl auch nicht falsch. Dennoch behaupte ich: Petric schießt Tore. Er in erster Linie. Das ist seine große Stärke. Dazu muss er aber auch entsprechend eingesetzt werden. Und das wird er (leider) nicht immer, oder noch treffender: Er wird es viel zu selten. Und da er sich meistens mit zwei, drei Gegenspielern herum zu schlagen hat, kann man auch schon mal leicht verzweifeln. Und verzagen. Und eventuell auch mal leicht resignieren?

Mir würde auch gefallen, wenn sich Petric „mehr bewegen“ würde. Wenn er mehr nach hinten arbeiten würde, wenn er so viel und auch so schnell laufen (mindestens!) würde wie einst Ivica Olic. Aber das ist eben nicht das Spiel des Mladen P. Er ist ein „Knipser“, er muss die Dinger aufgelegt bekommen, dann ist er wertvoll. Deswegen müssen ihn die HSV-Fans so nehmen, wie er ist. Oder sie sollten es nicht. Aber: Immer nur dann zu jubeln, wenn er mal wieder ein wichtiges Tor für den HSV geschossen hat (zum Beispiel St. Pauli), das scheint mir dann doch viel, viel zu billig zu sein. Obwohl es einigen HSV-Fans hier ja ganz besonders zu gefallen scheint, einige (und auch ganz bestimmte) HSV-Spieler in Grund und Boden zu schreiben.

Dass damit niemandem gedient ist, das steht fest, steht aber wohl auch auf einem ganz anderen Blatt. Siehe Piotr T. Ich mag den Namen schon gar nicht mehr erwähnen. Was ist dem Nationalspieler (und WM-Dritten) nicht schon alles nachgesagt worden, wie ist er hier schon unwürdig angegriffen worden, wie ist er auch jetzt wieder, nach dem Hannover-Spiel, zerrissen und heftig attackiert worden. Er darf, so die vielen Experten, keine Kringel drehen, er darf dies nicht, er darf das nicht, er soll das lassen und jenes auch – und er soll auch nicht mehr quer und zurück spielen. Er soll im Prinzip nur so ähnlich spielen wie Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo. Und wenn er das nicht macht, dann bekommt er bei „seinem“ Anhang kein Bein mehr auf den Boden – so einfach ist das (geworden).
Ich sehe das Spiel des Piotr T. zurzeit so: Er bemüht sich darum, sachlich zu spielen, gaaaanz solide, ohne jeden Schnörkel. Er arbeitet für die Mannschaft, er läuft mehr als sonst, er spielt mit weniger Risiko – er bemüht sich, wie gesagt, um ein ganz einfaches Spiel. Motto: Nur nicht auffallen Aber das ist ja auch wieder nicht richtig. Natürlich nicht. Es ist schon bitter: Er, Piotr T., kann in meinen Augen bereits seit vielen Monaten machen was er will, er bekommt bei vielen (wie viele sind es eigentlich wirklich?) HSV-Fans kein Bein mehr an den Boden. Weitere Kommentare verkneife ich mir aber nun ganz strikt.

In der Hoffnung, dass sich Tomas Rincon das 2:3 nicht zu sehr zu Herzen nimmt, schließe ich nun für heute. Das nächste Training kommt bestimmt, und damit auch das nächste stimmungsvolle Super-Training der großen HSV-Stars – nur an diesem Montag muss die Fan-Gemeinde noch einmal darauf kurz verzichten. Montag ist frei. Und am Dienstag geht es dann um 10 Uhr und um 15 Uhr (also zweimal) heiter weiter.

16.50 Uhr