Tagesarchiv für den 18. November 2010

Ich will an einen Sieg in Hannover glauben

18. November 2010

Es ist schon Galgenhumor, in den sich Armin Veh verliert. Anders geht es auch kaum noch. „Das Training war super“, entgegnete er nach dem heutigen Training einem fragenden Fan freundlich, „es hat sich ja auch mal keiner verletzt.“ Dabei konnte er allerdings nur mit viel Mühe lächeln. Zu sehr nagt an dem Trainer die Personalnot, die sich nach den Ausfällen von Guy Demel (klagt über Achillessehnenbeschwerden) und Joris Mathijsen noch verschärft hat.

Bei dem Niederländer konnte nach dessen übel aussehender Verletzung aus dem Länderspiel gegen die Türkei noch keine genaue Diagnose gestellt werden, weil der Knöchel zu sehr geschwollen ist. Sobald die Schwellung etwas zurückgegangen ist, soll der Niederländer einer CT (Computertomographie) unterziehen. Allerdings scheint klar, dass Joris für Wochen ausfallen wird. Wahrscheinlich sogar für den Rest der Hinrunde.

Bitter für den Niederländer, der eine gefühlte Ewigkeit nicht ein einziges Spiel verpasst hat. Und bitter für den HSV. „Es ist genau das passiert, was uns nicht passieren durfte“, beschrieb Veh seine Gemütslage, „es hat sich einer von hinten verletzt.“ Denn gerade im Defensivbereich hakt es beim HSV personell, nachdem sowohl Diekmeier als auch Aogo seit Wochen und noch immer ausfallen.

Für Mathijsen wird Muhamed Besic ins Team rücken. „Besic wird spielen“, so Veh deutlich, eher er wieder seinen Galgenhumor aufnahm: „Er hat ja jetzt auch sein erstes Länderspiel hinter sich. Da hat er noch mal ein wenig Erfahrung sammeln können.“ Besic, der vergangene Woche deutlich gemacht hatte, dass er bereit sei für seine ersten Bundesligaeinsätze, erhält sowohl von Veh als auch von seinem direkten Nebenmann Heiko Westermann Unterstützung. „Muhamed ist ein guter Junge“, sagt Westermann, „ich werde ihm helfen, wo ich nur kann.“

Bei aller Freude über Besic’s Premiere, auf die ich wirklich sehr gespannt bin, es ist einfach nicht mehr nachvollziehbar, was sich beim HSV abspielt. Die Verletzungen – auch wenn sich in diesem Fall die letzten drei Ausfälle (Kacar, Demel, Mathijsen) jeweils in Spielen verletzt haben – sind in dieser Anzahl nicht mehr logisch zu erklären. Das ist nicht neu, ich weiß. Aber immer, wenn man denkt, den Tiefpunkt erreicht zu haben, folgt eine neue Hiobsbotschaft. Unfassbar.

„Die Arschbacken zusammenkneifen“, so nannte es Westermann heute, das sei das einzige, was jetzt noch gemacht werden könnte. Und tatsächlich ist es auch so. Einige von Euch hatten mich zuletzt als Schwarzmaler hingestellt, mir vorgeworfen, ich sei nicht optimistisch genug in meinen Ausführungen. Das wiederum muss ich relativieren. Denn ich sehe mich immer in der Pflicht, Euch über die Umstände beim HSV so umfassend und objektiv wie möglich aufzuklären. Und das mache ich. Nichts anderes. Dazu gehört es, in guten Zeiten zu erläutern, warum es so gut läuft. Da darf man anfangen zu träumen. Ist ja auch schön. Dazu gehört es allerdings auch – und das zu jeder Zeit, also nicht nur, wenn es nicht läuft! ¬- über die bestehenden Missstände zu berichten. Und leider gab es davon in den letzten Monaten zu viel. Und das wird auch der größte Optimist unter uns nicht leugnen.

Trotzdem will ich heute versuchen, ausschließlich die guten Seiten hervorzuheben. Nicht als Reaktion auf die, die mich kritisiert haben. Nein, aus Eigennutz. Ich will mich auf das Spiel am Sonnabend in Hannover freuen. Ich will den HSV (wie immer) siegen sehen. Und so trist heute Wetter und Laune an der Imtech-Arena waren, ich will die Worte von Trainer Armin veh glauben. Der hat heute gesagt: „Wir müssen jetzt noch enger zusammenrücken.“ Und anschließend folgte der Satz, dem ich mich unterordnen will: „Es gibt immer Situationen, wo aus vermeintlichen Schwächen Stärken werden.“

Also gut. Schauen wir mal, wo wir schwächer als zuletzt sind:

Im Tor ist weiterhin Drobny, da Frank Rost zwar gestern wieder intensiv auf dem Platz trainieren konnte, allerdings noch nicht bei 100 Prozent ist. Das soll er nächste Woche sein, im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart. Ergo: keine Schwächung zu den letzten Wochen.

Davor fällt rechts in der Viererkette Guy Demel aus. Der Ivorer befand sich allerdings seit einigen Wochen in einer Formkrise. Insofern dürfte es nicht allzu schwer sein, ihn momentan zu ersetzen. Sollte Rincon nicht Kacar auf der Sechs ersetzen müssen, dürfte er Demels Position einnehmen. Und wer den Venezolaner kennt weiß, dass er sich noch so ein Spiel wie in Köln nicht erlauben wird.

Leicht zu ersetzen ist Mathijsen allerdings nicht. Im Gegenteil: Joris ist wahrscheinlich die personifizierte Beständigkeit. So gut wie nie auf Weltklasseniveau, hat er aber auch überdurchschnittlich wenige Aussetzer. Ihn zu ersetzen ist generell schwierig. Gerade, wenn man wie Besic erst 18 Jahre alt ist und sein erstes Bundesligaspiel von Beginn an macht. Allerdings, und das ist meine Hoffnung, alle werden Besic klarmachen, dass er nichts zu verlieren hat. Dass wenn einer noch Fehler verziehen bekommt, er das ist. Insofern hoffe ich auf ein gutes, ein mutiges Spiel des Jungen.

Im Mittelfeld und der Offensive fällt lediglich Gojko Kacar aus, über den Trainer Veh sagte, er sei eh nicht hundertprozentig fit gewesen. Insofern erübrigt sich hier für mich der Kommentar. Zumal ich mir sicher bin, dass Elia schon sehr bald eine sportlich wesentliche Bereicherung sein wird. Und auch wenn Veh heute sagte, Elia sei noch nicht topfit und er wisse noch nicht einmal, ob er ihn in den Kader berufen wolle: ich bin mir sicher, dass der Niederländer spielt. Wenn nicht von Beginn an, dann zumindest als Einwechselspieler. Denn auch Veh kann nicht entgangen sein, mit welchem Elan der Niederländer im Training schon wieder unterwegs ist.

Zudem steht auch Ruud van Nistelrooy, der im Training einen guten Eindruck hinterlässt, wieder zur Wahl. Der Weltklassestürmer absolvierte seine Trainingseinheiten dosiert. Und trotzdem bestach er mit Treffsicherheit. Kurzum, er machte all das, was man von ihm als Stürmer erwartet. „Ruud ist wohl schon wieder soweit, dass er spielen könnte“, blieb Veh vorsichtig. Dennoch glaube ich: Rincon für Kacar, Elia und van Nistelrooy wieder zur Auswahl- dann sind wir in Mittelfeld wie Offensive doch besser als zuletzt aufgestellt. Es müsste also besser werden.

Und obwohl wir alle wissen, dass Fußball so nicht zwingend funktionieren muss, macht das zumindest Hoffnung. Ich hoffe, am Wochenende einige frische (nicht zwingend neue) Gesichter auf dem Platz zu sehen. Drobny, Rincon, Westermann, Besic, Zé Roberto, Jarolim, Trochowski, Pitroipa, Elia, Petric, van Nistelrooy – das sind alles richtig gute Fußballer. Und während ich nur hoffen kann, dass diese Anhäufung großer Namen auch endliche eine gute Mannschaft bildet, setze ich alles darauf, dass dieser HSV nicht noch ein Spiel so blutleer wir zuletzt in Dortmund spielen wird.

In diesem Sinne: Nur der HSV!

20.11 Uhr

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