Tagesarchiv für den 14. November 2010

“Matz ab”-Treffen: Jörg und Tim, zwei treue Seelen

14. November 2010

Aus Altenburg sind in dieser Saison schon mehrfach zwei treue Seelen nach Hamburg gereist. Ich habe Jörg und Tim schon im Sommer im Trainingslager in Längenfeld kennengelernt. Zum Matz-Ab-Treffen erschienen sogar Mutter und Vater von Jörg mit in der Raute – die gesamte Familie steht voll auf den HSV. Dabei war der kleine Tim bis Mitte 2010 noch glühender Fan von … aber hört und seht selbst.

Zwei Fragen zur HSV-Zukunft

14. November 2010

Um mit dem Aktuellen einmal zu beginnen: Die Verletzung von Gojko Kacar ist immer noch nicht beim Namen zu nennen. Am Montag soll in den Mittagsstunden eine Kernspintomographie Aufschluss darüber geben, wie schwer die Knöchelverletzung, die sich der Serbe in Dortmund zugezogen hat, ist. Ich rechne damit, dass Kacar einige Wochen wird pausieren müssen, aber noch ist in dieser Frage etwas Geduld aufzubringen. Um dann über ein aktuelles Spiel in den HSV-Bericht zu kommen: Es läuft bei Sky gerade Hoffenheim gegen Freiburg (jetzt beendet, 0:1). Warum ich dabei an den HSV denken muss? In der 21. Minute lief ein Konter der Freiburger. Cisse, der Torjäger, lief für einige Sekunden allein auf das TSG-Tor zu, dann wurde er gestellt. Er hätte den Ball nach rechts passen können, denn dort stand sein Teamkollege Anton Putsila frei. Cisse aber zog es vor, auf das Tor zu schießen – und drosch den Ball über das Gehäuse. Chance vertan. Putsila hob verzweifelt die Arme, um den Stürmer darauf aufmerksam zu machen, dass er eine Option gewesen wäre. Und was machte Cisse? Er ging zu dem ehemaligen HSV-Spieler, der in Hamburg noch unter „Putsilo“ geführt wurde (wieso und weshalb erschließt sich mir nicht), nahm ihn in die Arme, streichelte ihm durch das Haar und entschuldigte sich. Daraufhin war die Sache geklärt, Putsila lächelte – die Geschichte war vergessen, abgehakt. Wie unter Freunden.

Und da bin ich auch schon beim HSV. Hat jemand von Euch in jüngster Vergangenheit mal eine ähnliche Szene innerhalb des HSV-Teams, in der es so menschlich, freundschaftlich. Kameradschaftlich-nett zuging, erlebt? Es mag eventuell die eine oder andere Situation gegeben haben, aber ich wüsste auf Anhieb keine. Wenn beim HSV aber einer schießt und dabei einen Nebenmann übersieht, dann ist das ganz normal. Da wird nicht von links oder rechts gemeckert, da wird sich erst recht nicht entschuldigt, da wird nicht miteinander gesprochen, um sich gegenseitig aufzubauen, da geht jeder wieder sprachlos zur Tagesordnung über. Aber, das frage ich Euch: Funktioniert so ein Team? Auch im Profi-Sport sollte es so etwas wie Teamgeist geben – nur beim HSV gibt es so etwas eben schon sehr, sehr lange nicht mehr.

Zwei HSV-Fragen bewegen mich seit dem miesen Dortmund-Spiel fast rund um die Uhr:

Erstens: Wann schmeißt Armin Veh hin?

Zweitens: Wann gibt Heiko Westermann die Kapitänsbinde ab?

Okay, okay, das sind zwei eher provokante Fragen, aber ich beschäftige mich damit in der Tat.
Wann gibt Armin Veh auf? Der Trainer ist seit 20 Jahren als Coach im Profi-Fußball unterwegs. Er hat viel, nein, er hat wahrscheinlich schon alles erlebt. Und er ist vor allem wirtschaftlich (finanziell) unabhängig. Für mich stellt sich deshalb nicht die Frage, ob Veh eines (fernen) Tages beim (und vom) HSV entlassen wird, denn dafür gäbe es überhaupt keinen einzigen Grund. Dass aber Armin Veh die „Schnauze“ von sich aus voll hat, weil er auf die „Mogelpackung“ HSV hereingefallen ist, das kann ich mir durchaus vorstellen.

Veh dürfte sich doch mit ähnlichen Gedanken herumtragen wie ich, wie viele von Euch. Vor der Saison blickte jeder auf einen erstklassigen HSV-Kader, klangvolle, viel versprechende Namen. Für mich stand deshalb fest: Die beste HSV-Mannschaft seit vielen Jahren wird am Saisonende mindestens auf Platz fünf oder besser einlaufen.

Ich könnte mir vorstellen, dass auch Armin Veh so gedacht hat. Und dann erlebt der Coach solche desillusionierenden Spiele wie zum Beispiel das am Freitag in Dortmund. Der Trainer selbst spricht davon, kein Herz und keine Leidenschaft bei seinen Mannen gesehen zu haben. Und genau das ist das Armutszeugnis.

Was aber besonders schlimm daran ist: Das ist ja kein Einzelfall oder eine Ausnahme. Der HSV 2010 spielt so, wie es der Mannschaft von ihrem Trainer bescheinigt wird. Doch als Coach würde mir der Kragen platzen, wenn ich ein solches Resümee über meine Mannschaft ziehen müsste. Das ist doch Wahnsinn pur!

Natürlich hat der HSV viele, viele Verletzte. Das Team aber, das am Freitag in Dortmund auf dem Rasen stand und sich ohne Herz und Leidenschaft über die Runden quälte, hatte viele Nationalspieler an Bord. Auch klangvolle Namen. Nur kein Team. Ich behaupte sogar: Dieser HSV 2010 ist so weit davon entfernt ein Team zu sein, wie Eintracht Norderstedt vom Gewinn der deutschen Fußball-Meisterschaft. Und wenn sich Armin Veh das einmal komprimiert vor Augen führt, dann müsste er sich doch eigentlich fragen: „Warum tue ich mir diese unlösbare Aufgabe eigentlich noch an? Dann gehe ich doch lieber mit Frau und Hund spazieren, als diese Pseudo-Stars zu trainieren und zu versuchen, sie auf den rechten Weg zu führen. Das ist doch ohnehin ein aussichtsloses Unterfangen . . .“

Sollte Veh demnächst zu dieser Problematik befragt werden können, so wird er aber wahrscheinlich antworten: „Ich bin ein Kämpfer, aufgeben ist wider meine Natur, ich werde alles geben, um den HSV dorthin zu führen, wo ihn die meisten Fans auch sehen wollen. So lange es mir Spaß bringt, und so lange ich sehe, dass ich hier noch etwas bewegen kann, werde ich auch versuchen, den HSV national und international wieder an die Spitze zu führen.“

Dass der HSV-Coach schon mehrfach selbst gesagt hat, dass es eine seiner vordringlichsten Aufgaben ist, aus dieser Truppe von Einzelkämpfern eine funktionierende Gemeinschaft zu formen, macht die Sache nicht unbedingt interessanter für ihn. Deshalb bin ich persönlich sehr gespannt, wie sich die Dinge in naher Zukunft entwickeln werden.

Wobei ich Armin Veh, das muss ich klar bekennen, durchaus eine gewisse Mitschuld an der derzeitigen HSV-Misere geben möchte. Der wohl größte Fehler des neuen Hamburger Trainers war, den HSV-Neuling Heiko Westermann sofort zum Kapitän zu ernennen. Für mich einer der Hauptgründe, warum diese Mannschaft kein Team ist, kein Team wird. Westermann kam neu in diese Gemeinschaft, er hätte es wahrscheinlich auch so schon schwer genug gehabt, auf Anhieb ein gutes Standing in dieser Gruppe zu bekommen, aber so wurde er gleich ein „Vorgesetzter“. Einige Mitspieler begegneten ihm daraufhin mit Argwohn, einige waren sicher auch neidisch auf diese Sonderstellung – und fast alle achteten fortan darauf, wie sich der neue Spielführer sportlich integrieren würde. Und dieser Prozess verlief, wie wir alle wissen, nicht zur Zufriedenheit aller. Nein, im Gegenteil, Heiko Westermann wird auch im November 2010 immer noch sehr vorsichtig, eher skeptisch beurteilt, er hat im bisherigen Verlauf der Saison einfach zu viele fußballerische Fehler begangen. Vielleicht ist das sogar eine Konsequenz daraus, dass er sich als Kapitän auf einem ganz besonderen Prüfstand sieht, dass er weiß, wie genau er von den Kollegen beobachtet wird. Und das sorgt dann für eine gewisse Verunsicherung.

Deswegen würde ich, wenn ich Heiko Westermann wäre, sehr genau überlegen, ob ich nicht einmal mit dem Trainer über dieses (vielleicht zu sehr belastende) Kapitänsamt reden sollte. Und wahrscheinlich würde ich zu dem Schluss kommen, die Binde wieder abzugeben. Irgendwie denke ich auch, dass es Spieler in dieser HSV-Gemeinschaft gibt, die prädestinierter für ein solches Amt wären. Frank Rost, Ruud van Nistelrooy, David Jarolim, Ze Roberto. Zum Beispiel.

Sollte sich Heiko Westermann nicht zu einem solchen Schritt durchringen können, so wäre es vielleicht angebracht, dass Armin Veh einmal auf den Innenverteidiger zugeht, denn: Es muss sich innerhalb dieser Mannschaft etwas ändern. Und zwar sehr, sehr schnell. Und damit wäre immerhin ein Anfang gemacht.
Es muss doch etwas passieren! Jetzt!

17.42 Uhr (Bayern macht gerade das 1:0 gegen Nürnberg)

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