Tagesarchiv für den 11. November 2010

Leckerbissen in Dortmund – mit Happy-End!

11. November 2010

Es steht schon alles im Zeichen des Spitzenspiels morgen Abend. Der HSV ist bereits heute Nachmittag gen Westfalen geflogen. Und das zum ersten Mal mit dem gleichen Kader wie in der Vorwoche. Genauer gesagt: Sollte Jonathan Pitroipa wie erwartet morgen auflaufen können, hätte Armin Veh erstmals die Möglichkeit, die gleiche Startelf der Vorwoche aufzubieten. „Das wird uns als Mannschaft helfen“, sagt Zé Roberto, der sich durch mehr Gewöhnung innerhalb der Startelf mehr spielerische Automatismen erhofft. Und der stellvertretend für die Mannschaft sagt: „Das Spiel in Dortmund ist eine besondere Aufgabe für uns. Wir wollen den Tabellenführer stürzen.“

Na klar. Was auch sonst. Es hat noch niemand vor einem Spiel den Wunsch geäußert, die bevorstehende Partie verlieren zu wollen. Das denken jetzt vielleicht auch einige von Euch. Aber hinter Zé Robertos Worten steckt mehr als Plattitüde. Der Brasilianer, der vor verschiedenen Bundesligarekorden steht, versprüht genau den Optimismus, den ich in dieser Saison lange vermisst hatte. Die Mannschaft habe „hart trainiert“ sagt er. Fand ich nicht. Aber bevor ich etwas sagen konnte, erklärte Zé, dass er eigentlich nur meinte, die Mannschaft habe sehr konzentriert trainiert. „Alle sind total auf Dortmund fokussiert. Denn so ein Spiel in Dortmund macht einfach mehr Spaß als andere Spiele. Da wollen zwei Mannschaften spielen und kein Team stellt sich hinten rein. Dazu ein ausverkauftes Stadion mit 80000 Zuschauern – das ist Begeisterung. Auf dem Platz für uns -aber genauso auf den Rängen für die Zuschauer.“

Zé Roberto, der am Anfang seiner Zeit beim HSV über Klub-Sprecher Jörn Wolf mitteilen ließ, bitte nicht außer der Reihe von Journalisten angesprochen werden zu wollen, ist endgültig in Hamburg angekommen. Der Brasilianer ist gut gelaunt, er spricht von sich aus und -ds ist das Wichtigste -er versprüht Spielfreude, die seine Mitspieler anzustecken scheint. Selbst jetzt, wo er auf der eher ungeliebten Position links in der Viererabwehrkette spielen muss. „Es ist nicht meine Lieblingsposition, aber sie ist kein Problem für mich. Marcell Jansen fällt aus, Dennis Aogo ist schon länger verletzt – und ich kann helfen. Deshalb ärgere ich mich nicht. Im Gegenteil: Im Mittelfeld kennen mich alle Gegner, da wissen die, dass ich gern eins gegen eins gehe. Aber über links habe ich den Vorteil, mehr Raum zu haben.“

Und den nutzte er zuletzt, indem er als Vorlagengeber brillierte. 99 Assists weist die Bundesliga-Datenbank für Zé Roberto aus – in Dortmund soll die Jubiläumsvorlage folgen. Und noch mehr. „Ich bin bislang ganz zufrieden, was meine Vorarbeiten betrifft. Aber mir fehlt immer noch ein Tor. Aber ich glaube, das kommt. Jetzt!“

Da hätte von uns ganz sicher niemand was dagegen. Und wo wir gerade bei Statistiken sind, zwei bevorstehende Rekorde des HSV-Oldies: Vier Spiele fehlen Zé Roberto noch, um der Brasilianer mit den meisten Bundesligaspielen zu werden. In diesem Ranking führt übrigens ausgerechnet Dortmunds Dede mit 318 Spielen. Sollte er nicht nur Dede überholen, sondern zudem in dieser Saison noch 15 Spiele absolvieren, würde er sogar Sergej Barbarez als den Ausländer mit den meisten Bundesliga-Einsätzen insgesamt ablösen. „Toll“, lach Zé, „aber vielleicht beschäftie ichmit damit erst später. Vielleicht spiele ich ja noch vier,fünf Jahre…“

Auch dagegen hätte von uns sicher niemand etwas. Obgleich eine Zukunftsplanung nicht selten auf das Heranziehen deutlich jüngerer Spieler abzielt. Wie eben in Dortmund – auch aus finanzieller Not heraus – geschehen. Ob Zé Roberto vor der Saison BVB-Shootingstar und Neu-A-Nationalspieler Mario Götze kannte? „Nein“, gibt er zu, „aber er spielt eine überragende Saison, hat sich die Nominierung verdient.“ Wie Zé damit umgeht, dass seine Gegenspieler fast schon seine Kinder sein könnten? „Das ist unterschiedlich. Zum Einen ist es als Gegner unangenehm, denn die Jungen laufen immer ohne Ende. Wenn du dann nicht in Form bist, hast Du ein Problem. Allerdings, wenn du fit bist, haben die Jungen ein riesiges Problem. Und ich bin fit.“

Punkt. Anschließend folgten noch die zuletzt in meinen Augen etwas zu oft geäußerten Wünsche nach einer Serie von Siegen, und ein paar Komplimente für die offensive, attraktive Spielweise der Westfalen. Das alles änderte allerdings nichts an Zé Robertos klarer Vorhersage, dass der HSV in Dortmund punkten wird. Eine Einschätzung, der ich mich gern anschließe.

Ebenso muss ich dem Bundestrainer ein Kompliment machen. Er hat schon bei den Europa- und Weltmeisterschaften den momentan so gefeierten Jugendspiel geprägt. Und jetzt legte er nach, indem er für das Länderspiel am 17. November gegen Schweden auf neue, junge Spieler setzt. Anstelle der Routiniers Klose, Lahm und Özil stehen mit den Mainzern Lewis Holtby und André Schürrle, sowie den Dortmunder Talenten Mario Götze und Marcel Schmelzer gleich vier Spieler ohne Länderspielerfahrung im 22-köpfigen Kader. Zudem erhalten die Dortmunder Mats Hummels und Kevin Großkreutz eine weitere Bewährungschance im DFB-Team.

So komisch es vor dem Spiel gegen den BVB klingen mag, aber auf die Nationalmannschaft bezogen freut mich der erfolgreiche Weg der Dortmunder richtig. Zumindest das Zustandekommen. Schließlich rekrutieren sie mit ihrem Jugendstil die Müllers und Özils von morgen. Und das macht mir große Hoffnung, dass wir auch 2012 einen ähnlich begeisternden Fußball spielen können wie bei der WM in Südafrika.

Aber zurück zum HSV. Der wird in Dortmund, das machte das heutige Training deutlich, wieder im 4-3-3-System antreten. Mit Demel hinten rechts, mit Westermann im Abwehrzentrum und mit Kacar im Dreier-Mittelfeld. Womit ich bei meiner größten Sorge angekommen bin. Zwar wird es haarig für Guy gegen einen starken Götze – aber an einem guten Tag ist der Ivorer dazu definitiv in der Lage. Zudem hoffe ich, dass ihm der Reiz, gegen seinen Ex-Klub zu spielen, zusätzlich motiviert. Nein, vielmehr Sorgen bereitet mir das Mittelfeld. Im Speziellen: Gojko Kacar. Der Serbe trainiert nicht besonders gut, er wirkt auf mich noch immer nicht austrainiert, manchmal sogar etwas träge. Und jetzt kommen die quirligen Kagawa, Sahin und Bender. Wer stoppt die jungen Wilden? Jarolim ist lauf- und formstark. Ebenso wie Trochowski momentan. Allerdings haben beide Schwächen im Defensiv-Zweikampf. Diese Lücke sollte Kacar ausfüllen – allerdings bislang mit eher mäßigem Erfolg. Und hier wird morgen ganz sicher eines der wichtigsten Duelle entschieden.

Und lasst mich zum Schluss noch mit einem aus meiner Sicht ebenso leidigen wie unsinnigen Thema abschließen: Jürgen Klopp. Der Mann ist top. Er ist der momentan erfolgreichste Trainer der Bundesliga. Er stand auch beim HSV auf dem Zettel. Allerdings ist er nicht Trainer geworden. Warum aber jetzt alten Entscheidungen nachtrauern? Damals kam statt Klopp immerhin ein gewisser Martin Jol, der über jeden Zweifel erhaben sein dürfte und ein gutes Einstandsjahr mit der Qualifikation zur Europa League feierte.

Ja, vielleicht hätte das mit Klopp auch geklappt. Vielleicht wäre es sogar noch besser geworden. Aber genauso vielleicht hätte es mit Klopp nicht funktioniert. Weshalb also heute noch mal darüber streiten? Zumal mir die Entscheidunsfindung von damals von den beiden Streitparteien (damals lagen Beiersdorfer und Hoffmann schon im offenen Clinch) in zwei komplett voneinander abweichenden Formen erzählt wurde. Nicht, dass Ihr jetzt denkt, ich hätte keine Meinung dazu, nein, so ist das ganz sicher nicht! Diese Diskussion führt nur zu nichts mehr. Wichtiger ist doch die Realität. Und die hält für uns alle ein sehr, sehr spannendes Spiel parat. Ich jedenfalls freue mich, morgen mal wieder einen echten (Fußball-)Leckerbissen vorgesetzt zu bekommen. Und den lasse ich mir im Vorfeld von nichts versauen…

In diesem Sinne: Hinfahren, reinhauen, Punkte einsacken, wegfahren. Punkt.

Obwohl, so viel Zeit muss sein:

Nur der HSV!

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