Tagesarchiv für den 4. November 2010

Son und Besic verlängern – Demel spielt

4. November 2010

Gute Nachrichten sind beim HSV derzeit rar. Umso erfreuter waren die Verantwortlichen heute, als sie auf der Pressekonferenz erste Erfolge bei den Vertragsverhandlungen verkünden konnten. „Wir freuen uns, die Verträge mit Heung Min Son und Muhamed Besic vorzeitig verlängern zu können“, verkündete Sportchef Bastian Reinhardt. Während Son einen Vertrag bis 2014 unterzeichnet, verlängert Besic bis 2013. Und wie es der Zufall so wollte, verlängerte der HSV auch mit dem dritten von Thies Bliemeister vetretenen Spieler im Kader, Miroslav Stepanek. Der dauerverletzte Tscheche bleibt ein weiteres Jahr bis 2012.

Erfreuliche Nachrichten. Auch für den im Moment personell arg gebeutelten Trainer Armin Veh. „Son ist eines der größten Talente überhaupt. Da ist es für den Verein besonders wichtig, den Vertrag zu verlängern. Gleiches gilt für Besic“, lobte der Trainer die Arbeit seines Sportchefs. Was er über Stepanek wüsste? „Zu ihm kann ich eigentlich gar nichts sagen. Er arbeitet im Kraftraum an den Geräten“, fuhr Veh fort und lächelte, als er sagte: „Aber das an den Geräten macht er echt ganz gut.“ Gelächter im Raum, alle schienen zu wissen, dass die Verlängerung Stepaneks, der noch nicht einen Bundesligaeinsatz seit seinem Wechsel ins Profiteam vor zwei Jahren absolvieren konnte, eher ein Kompromiss mit dem Spielerberater war, um Son und Besic halten zu können. So zumindest die Theorie der Anwesenden. Aber wie dem auch sei, man muss hier nicht das Haar in der Suppe suchen. Zumal Innenverteidiger Stepanek als tschechischer U-21-Nationalspieler als durchaus talentiert gilt.

Und als wären das nicht schon genug schöne Neuigkeiten, vermeldete der HSV bei Mladen Petric Entwarnung. Der befürchtete Bänderriss im Knöchel ist ausgeblieben, es ist „nur“ eine Bänderdehnung. Die erlaubte dem Kroaten gestern schon wieder leichtes Lauftraining. Heute beim Abschlusstraining unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Stadion soll ein letzter Härtetest entscheiden, ob Petric am Sonnabend (15.30 Uhr) gegen Hoffenheim auflaufen kann.

Wer selbiges hinten rechts machen soll, verriet Veh heute ebenfalls. Auf der Pressekonferenz stellte der HSV-Trainer bereits klar, dass für ihn nur Tomas Rincon und Guy Demel die Alternativen für den verletzten Collin Benjamin seien. Und etwas mehr als eine Stunde später ließ er Demel auf der vakanten Position in der A-Elf trainieren, während Rincon mit den Reservisten Torschussübungen machte.

Da ich weiß, zu welch hitzigen Diskussionen die Personalie Demel hier führt, will ich sie nicht zusätzlich anheizen. Aber erlaubt mir einen kleinen Einwurf: Als hier zuletzt gefragt wurde, weshalb Besic nicht einfach mal hinten rechts reingeworfen wird, hatte ich geschrieben, dass ich glaubte, der Trainer würde das junge Talent nicht verheizen wollen. Das wiederum bestätigte Veh heute, als er nach Besic als Alternative für rechts hinten angesprochen wurde. „Wenn ich sehe, wer da auf Hoffenheimer Seite kommt, will ich Momo lieber nicht da ins kalte Wasser werfen.“ Gemeint sind immerhin zwei der stärksten Angreifer der Liga, Demba Ba (sechs Treffer) und Gylfi Sigurdsson (vier Tore).

Eine zumindest vertretbare Meinung. Besic selbst ist definitiv heiß, der Trainer lobt ihn auch unermüdlich – und dennoch ist der Startschuss extrem wichtig. Ein gutes erstes Spiel verleiht Flügel, die einen jungen Spieler den Rest der Saison tragen können. Eine schlechte Premierenvorstellung kann schnell desillusionierend das Gegenteil bewirken. Und bei allem Respekt vor dem riesigen Talent des Bosniers: von einem 18-Jährigen kann und darf keiner erwarten, in einer derart schwierigen Phase, wie sie die HSV-Defensive derzeit zweifellos durchmacht, das Ruder herumzureißen. Da ich irre mich lieber und bin ein zwei Wochen zu vorsichtig, als dass ich ihn ein paar Tage zu früh reinwerfe und verheize.

Dennoch hoffe auch ich, dass es bald eine komfortablere Situation gibt und Besic seinen ersten Einsatz bekommt. Der Junge verdient ihn sich. Ebenso wie David Jarolim. Nach der Zwangsversetzung Zé Robertos auf die Linksverteidigerposition, ist der wieder genesene Tscheche im defensiven Mittelfeld wichtiger denn je. „Jaro will bestimmt“, sagte Veh und gab zeitgleich zu bedenken: „Ich muss aber noch mal ganz vernünftig mit ihm sprechen. Eigentlich ist es noch sehr früh. Und ein Jaro, der erst bei 80 Prozent ist, hilft uns allen nicht. Er muss schon topfit sein.“

Im Training hatte Jarolim zwar noch den einen oder anderen kleinen Fehler drin, wirkte allerdings im Zusammenspiel mit Gojko Kacar auf der Doppel-Sechs hinter Piotr Trochowski und dem einzigen Stürmer Paolo Guerrero (weil Petric nur laufen war) fit. Die Doppel-Sechs harmonierte. Selbst der eher ruhige Kacar wirkte neben dem ehemaligen Kapitän, der durch lautstarke Kommandos und Einsatz aufzufallen wusste, zunehmend sicherer.

Eher verunsichert haben zuletzt acht Tore in zwei Spielen. Die Defensivabteilung und hier insbesondere Torwart Jaroslav Drobny. Der Rost-Ersatz war zwar schuldlos, allerdings nagen die vielen Gegentreffer an ihm, wie er zugab. „Acht Dinger sind viel zu viel“, sagte er uns heute, „da kann ich nicht zufrieden sein, egal ob ich die Bälle halten muss oder nicht.“ Drobny selbst beschreibt sich zwar als eher rationalen Typ, der sich am Ergebnis messen lässt. Das allerdings mit einer gehörigen Portion Teamgeist. Ob er (berechtigt) sauer auf seine Vorderleute sei, die ihn defensiv zuletzt im Stich gelassen hatten? „Sauer nicht“, antwortet „Drobo“, „wir sind eine Mannschaft und haben zusammen Schuld.„ Er sei bislang auch intern noch nicht laut geworden. „Davon halte ich auch nichts“, so der Tscheche, „ich halte mehr davon, Lösungen zu bieten, als einfach nur zu schreien, um allen zu zeigen, wie böse ich bin.“

Zumal ihm ein derartiger Wutausbruch bei seiner letzten Station bei Hertha BSC einmal ungewollte Schlagzeilen einbrachte. „Da bin ich ein einziges Mal in der Kabine richtig laut geworden. Es waren nur die Physios und die Mannschaft im Raum. Und trotzdem stand es am nächsten Tag alles in der Zeitung.“ Spätestens da habe er arge Bedenken gehabt, was den letztlich ja auch verpassten Klassenerhalt von Hertha BSC betraf. „Obwohl“, wirft er ein, „die Zeitung mich tatsächlich so zitierte, wie ich es wirklich gesagt hatte. Da hatte sich einer meiner Kollegen echt Mühe gegeben.“

Das macht auch Frank Rost, der sich schon wieder im Lauftraining befindet. Wie weit die Nummer eins schon sei? „Er ist im Plan“, sagt Veh, „aber ob er schon gegen Dortmund wieder dabei ist, das wissen wir nicht.“ Tendenziell würde die Rückkehr Rosts jedoch eher für das Auswärtsspiel eine Woche nach Dortmund in Hannover erwartet. Bis dahin genießt Drobny das Vertrauen des Trainers, der im Training heute besonderen Wert auf schnelles, direktes Passspiel legte, dafür seine erste Elf ohne Gegenspieler üben ließ. Übrigens mit Son auf links, weil Guerrero für Petric in die Spitze gerückt war.

Und – so bitter es auch ist, überhaupt erwähnt zu werden – heute verletzte sich niemand. Alle kamen gesund auf den Platz, und alle gingen ebenso gesund wieder runter. Und worüber wir schon mit Galgenhumor sprechen, das treibt Veh echte Sorgenfalten auf die Stirn. Der Trainer hinterfragte die Verletzungsmisere zuerst bei sich und analysierte sein Training. „Aber daran kann es nicht liegen. Wir hatten eine sehr gute, kompakte Vorbereitung. Ohne große Verletzung. Und die Belastung jetzt kann es nicht sein.“ Zudem habe ein Gespräch mit Torwarttrainer Ronny Teuber, der 2006 schon einmal für den HSV arbeitete, keine neuen Erkenntnisse gebracht. Im Gegenteil: „Er sagte mir, dass es damals fast genauso schlimm war. Ehrlich zugegeben: wir tappen im Dunkeln.“

Klarer sei da die Analyse der letzten Spiele, insbesondere die Niederlagen in Frankfurt und Köln ausgefallen. Als Reaktion ließ Veh in den letzten Trainingseinheiten vermehrt Spielformen einbauen, um Ballsicherheit und Zweikampfverhalten zu trainieren. Veh sauer: „So doof es kling, aber wir lassen hinten nicht viel zu. Nur was wir zulassen ist immer auch drin. Und das liegt nicht nur an den Außen, das kann auch innen verteidigt werden.“ Da sei man zuletzt stets zu weit vom Gegenspieler entfernt gewesen. „Das funktioniert einfach nicht„, schimpfte Veh weiter, „wir hatten fast immer Überzahl und decken trotzdem plötzlich im Raum. Das müssen wir abstellen.“

Dafür scheint, den bisherigen Trainingseinheiten zufolge, folgende Startelf vorgesehen zu sein: Drobny – Demel, Wetsremann, Mathijsen, Zé Roberto – Kacar, Jarolim – Pitroipa, Trochowski, Son (Petric) – Guerrero.

Zum Schluss noch eine schöne Ankündigung in eigener Sache: Morgen findet, wie die meisten von Euch schon wissen, das zweite große „Matz-Ab-Treffen“ in der Raute statt. Ab 19 Uhr seid Ihr alle ganz herzlich eingeladen! Neben Euch und mir sind auch prominente Gäste mit dabei. Also, denkt daran: frühes Kommen sichert die besten Plätze. Ich freue mich auf Euch!

Einen schönen Abend und eine gute Nacht – Nur der HSV!

19.47 Uhr