Monatsarchiv für November 2010

Endlich! Aogo ist wieder dabei

30. November 2010

Die Gratulanten waren nicht weit. Als sich Dennis Aogo mit einer energischen Grätsche heute den Ball gegen den einschussbereiten Änis Ben-Hatira sicherte. Allen war die Freude über das Comeback Aogos nach fast fünf Monaten Pause deutlich anzumerken. Auch, oder besser: besonders dem deutschen Nationalspieler selbst. „Ich fühle mich schmerzfrei“, freute sich auch Aogo hinterher, obgleich er noch eine leichte Reizung im operierten Bereich in der Leiste verspürt. „Jetzt gucken wir, was diese Woche im Training machbar ist und entscheiden dann, wie es weitergeht.“ Klar sei allein, dass sowohl Dennis als auch Trainer Armin Veh darauf setzen, dass der Linksverteidiger in Freiburg am Sonnabend dabei ist.

Insbesondere Veh hofft darauf, würde Aogo doch eine positive Kettenreaktion in gang setzen können. Immerhin könnte Aogo hinten links den ebenso improvisierten wie inzwischen desillusionierten Zé Roberto erlösen. Der Brasilianer würde dafür ins Mittelfeld geschoben werden, könnte in der Raute die linke Seite spielen und seine Kreativität wieder vermehrt offensiv einsetzen. „Sollte Dennis soweit sein, eröffnet uns das ganz neue Möglichkeiten“, freut sich Veh.

Allerdings ist noch längst nicht sicher, ob es bei Aogo für eine Startelfnominierung reichen wird. „Er ist sicher gesund“, sagt Veh, „aber er kann nach einer so langen Pause noch nicht fit sein.“ Wie fit er ist? „Ich habe nicht viel verloren, das habe ich gemerkt. Dafür habe ich mit Markus Günther auch zu hart gearbeitet. Aber ich werde mich nach den Einheiten mit dem Trainer und den Ärzten intensiv austauschen und dann sehen wir, was das Vernünftigste ist.“ Klar sei auf jeden Fall, dass er spielen wolle: „Freiburg war für mich immer das Ziel. Zumal es natürlich auch ein ganz besonderes Spiel für mich ist“, so der Ex-Freiburger.

Immerhin pflegt Aogo bis heute einen engen Draht zu seiner ehemaligen Heimat im Breisgau. Zuletzt habe er von SC-Trainer Robin Dutt sogar eine SMS erhalten, in der der Coach ihm eine schnelle Genesung wünscht. „Der Kontakt wird auch so schnell nicht abreißen“, untermauert Aogo seine freundschaftliche Verbundenheit, „zumal ich sehr, sehr viel von Dutt als Trainer halte. Er bereitet seine Mannschaft immer perfekt auf den Gegner vor. Ich habe es ja auch schon zu Saisonbeginn gesagt: Ich bin mir sicher, dass Freiburgs Erfolg momentan ganz eng mit ihm zusammenhängt.“ Und so würde es für den HSV ein ganz schweres Spiel.

Klar. Es wird schwer. Und dass gestern im Training neben Zé Roberto (kuriert leichte Knieprellung) auch Guy Demel und nach einer Stunde auch Heiko Westermann fehlten, braucht uns indes nicht zu sorgen. Alle drei sind einsetzbar, wurden lediglich geschont. Schließlich hat Veh gerade in der Innenverteidigung kaum noch Spielraum. So wenig sogar, dass er heute seinem ersten Gedanken vom Sonnabend („Wenn wir im Winter für hinten einen passenden Spieler finden, sollten wir darüber nachdenken“) eine Forderung machte. „Wir haben nach dem Ausfall von Joris hinten nur zwei Spieler für die Innenverteidigung. Im Sommer wussten wir, dass wir mit damals noch drei Innenverteidigern ein hohes Risiko eingehen. Und wir merken, dass das auf Dauer nicht funktionieren kann.“ Ob Veh dem Vorstand seine Forderung schon unterbreitet hat? „Ich kann nur empfehlen, dass wir für die Innenverteidigung noch etwas machen. Wir schauen jetzt, wir müssen den Markt sondieren.“ Denkbar wäre auch ein Leihgeschäft.

Wobei sich mir natürlich sofort die Frage stellte, was mit Muhamed Besic ist, warum der 18-Jährige keine Alternative sein soll. „Er ist definitiv noch nicht soweit“, legt sich Veh fest, „ihm fehlt für einen Innenverteidiger das Kopfballspiel.“ Worte, die Besic nicht gern hören wird, die aber leider stimmen. Im Training weiß Besic weiterhin durch Einsatz, gutes Stellungsspiel und eine gute Spieleröffnung zu gefallen. Allerdings ist der sympathische Bosnier in der Luft ein absolutes Leichtgewicht. Schuld daran soll eine Kopfverletzung in Besics Jugend gewesen sein, wegen der er 18 Monate nicht hat köpfen dürfen. Sagt Veh. „Mo ist ein richtig guter Junge, der arbeiten will. Hier muss er noch einiges aufholen. Und das schafft er auch.“

Härter arbeiten müssen auch Paolo Guerrero und Eljero Elia. Während sich der Peruaner durch schwache Spiel- und Trainingsleistungen ins Hintertreffen gebracht hat, hat sich Elia aus selbigem noch gar nicht hervorgearbeitet. „Er war unter meiner Regie noch nie richtig fit und hat die ersten Spiele nicht zu meiner Zufriedenheit gespielt“, kritisiert Veh den alles andere als unumstrittenen Niederländer, dessen Verkauf im Winter längst nicht mehr ausgeschlossen ist. „Für Eljero wird es immer Angebote geben“, weiß Veh, „er ist ja auch eines der größten Talente überhaupt.“ Ob ein Verkauf im Winter Sinn machen könnte? Veh zögert, zuckt mit den Schultern und überlegt kurz, ehe er antwortet: „Wir müssen auch an die Finanzen denken. Und offensiv können wir immer etwas anbieten, da sind wir fast überbesetzt. Trotzdem ist Eljero keiner, den wir unbedingt abgeben wollen.“

Das klingt zumindest interpretierbar. Denn klar ist, dass man in Hamburg alles andere als zufrieden ist mit dem extrovertierten Jungstar. Schließlich fiel Elia in seiner Zeit beim HSV in 18 Monaten schon für 17 Spiele ausfiel, zudem in der vergangenen Saison nach dem Noveski-Foul in Mainz an ihm, nie wieder richtig in Form kam. Außerdem, und das könnte seine Halbwertszeit in Hamburg am stärksten beeinträchtigen, kokettiert der niederländische Nationalspieler immer wieder mit großen europäischen Topklubs. Zuletzt, als er vor zwei Wochen bei uns in der Fragerunde saß, wurde er nach einem möglichen Wechsel im kommenden Sommer befragt und antwortete ausweichend: „Das ist noch kein Thema.“ Eben nur „noch“ nicht. Wobei es sehr schade wäre. Denn ich bin mir sicher, dass der HSV mit Pitroipa rechts und Elia links eine der stärksten – und ganz sicher: schnellsten – Flügelzangen Europas stellen könnte.

Womit ich zu einem heikleren, schwer aufzulösenden Thema komme. Immer wieder werden momentan Zahlen lanciert. Zahlen, die Besorgnis erregen. Wenn sie denn stimmen. So wurde mir die Zahl 11000000 Euro genannt. So groß soll das Minus sein, dass der HSV nach Beendigung des Geschäftsjahres aufzuweisen hat. Grund genug, bei Katja Kraus nachzufragen, die sich sogleich mit dem Herrscher der HSV-Zahlen, Cay Dingworth zusammengesetzt hat. „Fakt ist“, so Kraus, „dass wir mit einer Schwarzen Null planen. Diese Zahl ist nach oben hin sogar noch positiver gestaltbar.“ Sollten alle Stricke reißen, drohe lediglich ein geringes, einstelliges Millionenminus.

Unstrittig ist allerdings, dass der HSV am Saisonende fast alle Raten für abgegebene Spieler eingenommen, dafür noch Restzahlungen offen hat. Zudem fehlen diese Saison internationale Einnahmen und einige teure, ausgeliehene Spieler (David Rozehnal, Alex Silva und Marcus Berg) sind noch nicht verkauft, würden zur kommenden Saison also wieder zu 100 Prozent vom HSV bezahlt werden müssen. Aber, um meiner Sorgfaltspflicht gerecht zu bleiben, werde ich mich hier nicht weiter in Spekulationen ergeben sondern gespannt auf die Bilanz im Januar warten. Spätestens dann wird sich zeigen, wie dieser HSV aufgestellt ist.

Unverkäuflich ist trotz allem Heiko Westermann. Auf jeden Fall für Armin Veh. Nicht nur wegen der aktuellen Knappheit an Innenverteidigern und trotz der anfänglichen Eingewöhnungsschwierigkeiten des deutschen Nationalspielers. „Heiko hatte am Anfang einige Abspielfehler“, räumt Veh ein, „aber ich habe von ihm auch den risikoreicheren Pass gefordert, da passiert so was. Inzwischen ist Heiko nicht nur einer der zweikampfstärksten Spieler der Liga“, lobt Veh, „sondern im Kopfballspiel ist auch kaum einer in der Bundesliga besser als er.“ Schon deshalb wiederholte Veh heute, an seiner Entscheidung, Westermann zum neuen Kapitän zu machen, noch immer nicht zu zweifeln. Im Gegenteil: „Heiko hat einen Fünfjahresvertrag und wird noch besser werden. Er wird hier eine ganz große Säule sein. Da sollten wir mal langfristig denken.“

Machen wir. Und wir hoffen, dass Veh Recht behält. Auf jeden Fall, was Westermann betrifft. Aber sehr gern auch, was Piotr Trochowski betrifft. Denn den lobt Veh seit Wochen. Genau genommen, seitdem er ihn nach dessen Fehler im Spiel in Bremen noch auf dem Platz vor laufenden Kameras zusammengestaucht hatte. „Früher wäre der Spieler nach so einem Ding bei mir unten durch gewesen“, sagt Veh, „heute bin ich nicht mehr nachtragend. Das habe ich mir abgewöhnt. Zum Glück.“ Denn gerade Trochowski hätte schon am Sonntag nach dem Spiel in Bremen super trainiert. „Seitdem ist er gut“, freut sich Veh, der allerdings noch mehr von dem dribbelstarken Rechtsfuß erwartet. „Ein Spieler mit einer derart ausgeprägten Schussstärke muss in jedem Jahr sieben oder acht Tore mindestens machen. Troche muss also ganz sicher noch torgefährlicher werden.“

Zum Schluss noch etwas aus der Kategorie „kurios“. Folgender Leserbrief erreichte uns heute. Darin schildert Andreas Witte seine Erfahrungen beim Spiel des FC St. Pauli in Bremen. Warum das hier stattfindet? Schaut und lest selbst. Für mich ist das ein Unding….

“Hallo Herr XXXXX,

am vergangenen Sonntag war ich als Besucher des Spiels Werder Bremen – St.Pauli im Bremer Weserstadion. Die Karte hatte mir kurzfristig ein Arbeitskollege vermittelt.

Seit Jahren bin ich als Dauergast im Volksparkstadion bei den Heimspielen des HSV dabei (Stehplatz Nordtribüne Block 22 A).
Hin und wieder reisen wir auch mit einer kleinen privaten Gruppe zu Auswärtsspielen des HSV, ich trage sowohl bei den Heim – als auch Auswärtsspielen immer neutrale Kleidung (keine Kutte usw. höchstens mal einen Supporters-Schal).
Mit meinen 47 Lebensjahren habe ich somit auch schon einige Stadien als Zuschauer erlebt.
Ich bezeichne mich als friedlichen normalen Fan des Fussballs.

Das Erlebnis vom Wochenende in Bremen zählt für mich leider zu den Höhepunkten im negativen Sinne:

Ich habe für das Sitzplatzticket 40 Euro bezahlt – dafür erhalte ich einen Platz in einem Käfig.
Die Einnahme von Speisen und Getränken ist in diesem Hochsicherheitstrakt ebenfalls strengstens untersagt – dies empfinde ich zudem als Diskriminierung , da in allen anderen Bereichen des Stadions diese Einschränkung nach meinem Kenntnisstand nicht existiert.

Bitte schauen Sie sich einmal die beiden Fotos an – das ist der tatsächliche Ausblick von den Sitzplätzen Block 113 Reihe 1, Platz 7 und 8.

Würde mich freuen, wenn sie diesen Missstand veröffentlichen würden.

Für eine Rückinfo bedanke ich mich im Voraus,

Grüße aus Seevetal,

Andreas Witte”

Ich bin mir sicher, dass sich der werte Nordrivale da etwas einfallen lassen muss. Zumal auf den Tickets für 38 Euro nicht ein einziger Hinweis auf eine bestehende Sichtbehinderung vorhanden ist.
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In diesem Sinne: Nur der HSV!

Dütt un datt – und danke!

29. November 2010

In der Bundesliga jubeln die Verantwortlichen. Grund: Die großartigen Spiele, die vollen Stadien und die vielen, vielen Tore. 405 sind es in den bisherigen 126 Spielen dieser Saison, das macht ein Schnitt von 3,21 pro Partie. Ein Grund zum Jubeln? Wenn ich da an die HSV-Defensive denke, verschwende ich keinen einzigen Gedanken daran, über die 22 Gegentreffer, die sich Frank Rost und Jaroslav Drobny eingefangen haben, hoch erfreut zu sein. Und ich denke einmal, dass diese „herrliche Tor-Quote“ in den anderen Bundesliga-Klubs ebenfalls mit Argwohn betrachtet wird. Es ist zwar wunderschön, wenn ein Team 4:3 oder 5:4 gewinnt, aber den Trainern wachsen dadurch die grauen Haare bestimmt ein wenig schneller. Und natürlich hat sich auch Felix Magath zum Beispiel nicht über die fünf Tore von Kaiserslautern in irgendeiner Form gefreut, obwohl fünf Tore ja deutlich besser sind als 3,21 . . . Nein, nein, diese hohe Torquote stimmt mich, immer dabei an den HSV denkend, ganz sicher nicht zufrieden.

Heute wurde im Volkspark nicht trainiert. Dann zucke ich immer zusammen. Und vielen von Euch ergeht es, das ist den Beiträgen zu entnehmen, ebenso. Aber lassen wir die Kirche mal im Dorf, die Herren Profis haben ihren einzigen freien Tag in der Woche heute. Und dieser eine freie Tag sei ihnen nicht nur gegönnt, diesen freien Tag muss es ganz einfach auch geben. Und wenn hier gefragt wurde, was an solchen Tagen die verletzten oder angeschlagenen Spieler machen: Die lassen sich pflegen, trainieren im Kraftraum oder laufen durch den Volkspark. Die tun also durchaus etwas, damit sie so schnell wie möglich wieder fit werden.

Dazu gehören auch zwei Spieler, die heute schon morgens um acht Uhr in der Arena anzutreffen waren: Dennis Aogo und Marcell Jansen. Die so schmerzvoll und lange vermissten Linksfüße. Wenn es über Nacht nicht noch irgendwelche Komplikationen gibt, dann wird WM-Teilnehmer Aogo morgen (Dienstag) wieder ins Mannschaftstraining einsteigen (können). Und, lasst mich einmal weiter spekulieren, wenn es dann in dieser Woche besonders gut läuft für den Nationalspieler, dann könnte er am Sonnabend tatsächlich sein erstes Bundesliga-Spiel dieser Saison bestreiten. Das dann ausgerechnet in Freiburg, seinem ehemaligen Klub. Das wäre doch mal wieder eine besonders schöne Geschichte.

Bei der Gelegenheit, Ihr habt ja auch einige Male schon nach Lennard Sowah gefragt – auch in Linksfuß. Warum er trotz der Personalnot hinten links nie eine Chance bekam? Natürlich hat der ehemalige Jugendspieler des SC Urania fünf Einsätze für den FC Portsmouth in der Premier Legaue gehabt. Fünf Spiele von Beginn an, zweimal wurde er ausgewechselt. Diese Einsätze hat er aber vor allem deswegen bekommen, weil Portsmouth praktisch frühzeitig als Absteiger feststand – und weil einige Stammspieler mit solchen Verträgen ausgerüstet waren, dass wenn sie auf eine gewisse Zahl von Einsätzen kommen würden, der Vertrag automatisch verlängern würde. Also setzte Portsmouth in der letzten Phase der Saison (viele) Reservisten ein. Dazu gehörte auch Sowah.

Ich sehe ihn ja oft im Training, und es ist in der Tat so, dass er sich nicht gerade aufdrängelt für einen Einsatz in der Bundesliga. Auch bei den Begegnungen der HSV-Regionalliga-Mannschaft zeigt Lennard Sowah nicht unbedingt, dass er auf dem Sprung in die Profi-Truppe ist. Ich muss aber auch sagen, dass es Trainingstage (bei den Profis) gibt, an denen er keineswegs krass abfällt. So dass ich mitunter auch so bei mir dachte: „Für einige Minuten würde ich ihn, je nach Spielstand natürlich, durchaus einmal sehen wollen.“ Aber das ist eben ganz allein die Sache von Armin Veh. Und er sieht das ganz einfach anders. Wobei ich auch das Gefühl habe, dass der 18-jährige Lennard Sowah innerhalb des HSV-Profi-Teams einen – sagen wir es mal etwas vorsichtig – schweren Stand hat. Woran das auch immer liegen mag . . . Aber auch im Profi-Fußball gilt wohl: Lehrlings-Jahre sind keine Herren-Jahre.

Übrigens: Auch Collin Benjamin hat heute trainiert, es könnte durchaus sein, dass auch er morgen, spätestens aber in dieser Woche, wieder ins Mannschaftstraining einsteigt. Es geht doch langsam bergauf.

Und wo ich gerade bei Training bin: In Jenfeld, beim Fußball-Verband, war heute fast ein HSV-Tag. Da gab es einen Fortbildungstag für Fußballlehrer, und dabei waren – neben anderen – Thomas von Heesen, Manfred Kaltz, Peter Nogly, Michael Schröder und Richard Golz. Einer der Redner bei dieser Veranstaltung war der Schweizer Paul Meier, der jetzt beim HSV den Talentschuppen unter sich hat.

So, genug vom Training heute. Kurz möchte ich noch einmal auf das Stuttgart-Spiel eingehen. Weil ich gefragt wurde, wie ich zur verbalen Vorstellung von Frank Rost stehe? Grundsätzlich, das muss ich mal sagen, freue ich mich immer, wenn „Leben in der Bude“ herrscht. Das heißt, wenn es auf dem Platz (!) eine rege „Kommunikation“ zum Nachdenken (oder zum Überdenken) der gebotenen Leistungen gibt. Deswegen war es gut, dass Rost wieder dabei war. Ich bin aber, wie viele von Euch hier, auch der Meinung, dass alles bestens dosiert sein sollte.

Ich denke noch heute daran, wie sich Rost David Jarolim zur Brust genommen hat. Das kann im Eifer des Gefechts mal passieren, man steht ja unter Strom. Aber dann, und das vermisse ich grundsätzlich beim HSV, muss es auch wieder gut sein. Das heißt: Bei der nächsten Ecke (Freistoß, Verletzung) sollten sich beide Spieler, die sich da gefetzt haben, wieder versöhnen. Ein freundschaftlicher Klaps auf den Po, ein nettes Wort zur rechten Zeit, dann stimmt es auch mit dem Teamgeist wieder. Aber das passiert eben nicht. Da wird dann weiter geschmollt und gerollt. Und alle wundern sich, dass da unten keine Mannschaft auf dem Rasen steht.

Und dann noch ein Kommentar zum „Nachspiel“ von Frank Rost. „Dann können sie einen anderen da reinstellen.“ Gemeint war sein Tor, sein Job, sein Ein und Alles. Auch das kann mal im Eifer des Gefechts „rausrutschen“, aber die Gefahr ist dabei sehr, sehr groß, dass man sich damit keinen neuen Freundeskreis erschließt. Die Mitspieler sind sauer, dass sich einer aus dem, was da in 90 Minuten zuvor gelaufen ist, ganz einfach mal raushält. Und die Fans haben mit Sicherheit auch herzlich wenig Verständnis, wenn ein HSV-Profi damit droht, seinen Posten zur Verfügung stellen zu wollen. Wie soll diese Zweckgemeinschaft von Profis dann noch irgendwann und tatsächlich eine Einheit werden. Und: So wird ein interner Kritiker (Frank Rost) sicher nicht bei allen erreichen, dass sie in Zukunft mehr laufen und alles für die Mannschaft geben. Da könnte ich mir eher das Gegenteil vorstellen . . . Aber das wird man weiter beobachten müssen.

Ein Abstecher noch zu Robert Tesche. Der wurde von vielen (hier) nach dem Stuttgart-Spiel zerrissen. Auch ich war dabei, obwohl ich ihm noch einige gute Szenen attestiert habe. Grundsätzlich denke ich über Tesche aber so: Er hatte lange nicht gespielt. Wenn dann der Trainer kommt und sagt: „Robert, du spielst hinten rechts.“ Was soll er dann sagen? „Nein danke, Trainer, das ist nicht meine Position, da stellen sie man einen anderen hin.“ Tesche, der Mittelfeldspieler, der einst bei seiner Ankunft aus Bielefeld in Hamburg sagte, dass er sehr gerne auf der „Zehn“ spielen würde, nickte und akzeptierte den Wunsch des Trainers. Das hätten wir alle gemacht, oder?

Und dann quält er sich mühsam über die Runden. Hat viele schlechte und einige gute Momente. Genau so, wie es ein Spieler mit seinem „Vorleben“ ganz einfach haben muss. Er ist nervös, er weiß genau, dass alle, wirklich alle auf ihn blicken. Und er weiß, dass jeder Zweite davon auf Fehler von ihm wartet. Und prompt passieren die. Wer hatte denn unter diesen Umständen eine grandiose Verteidiger-Vorstellung von Robert Tesche erwartet? Ich nicht. Solide sollte sie sein, und sie war für meine Begriffe nur knapp ein wenig darunter. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn der Mittelfeldspieler Robert Tesche demnächst einmal im Mittelfeld zeigen dürfte, was er drauf hat. Und das ist nicht wenig, denn im Training zeigt er des Öfteren, dass er auf jeden Fall hart und platziert schießen kann. Das dürfte er dann, mit etwas mehr (oder viel mehr) Selbstvertrauen dann auch zeigen können. Also, bitte nicht gleich verdammen – den Ersatz-Verteidiger.

Bei der Gelegenheit, Verteidiger ist das Stichwort: Am Ende dieser Woche läuft die Nominierungsfrist für den Aufsichtsrat ab. Es haben sich schon einige gemeldet, es werden sich bestimmt noch einige melden – ich aber vermisse den Namen Ditmar Jakobs. Der ehemalige HSV-Kapitän wurde schon so oft hinter den Kulissen gehandelt, für mich wäre es äußerst erfreulich, wenn sich der „alte Recke“ zu einem solchen Schritt entschließen könnte. Je mehr Fußballer dort sitzen, desto besser ist es um den Fußball innerhalb des HSV bestellt – denke ich einmal amateurhaft für mich.

So, dann noch kurz zu zwei erfreulichen Dingen. Eva und Niels (auf dem Foto) haben in Eurem Namen Hermann Rieger das Geschenk überreicht – vielen, vielen Dank dafür. Der Kult-Masseur war gerührt, sprach von „Wahnsinn“,„sensationell“ und „Ihr seid einfach eine Wucht!“ Das teile ich voll und ganz. Es war traumhaft, wie Ihr Euch um Hermann gesorgt habt und auch immer noch sorgen werdet. Und die Summe von 677,50 Euro (für die HSV-Hilfe an krebskranken Kindern) ist wirklich klasse. Herzlichen, ganz herzlichen Dank dafür, besonders an Jörg 1967, Eva und Franky. Ihr seid tatsächlich sensationell. Bei der Gelegenheit, das lasst mich schnell noch einmal anfügen, sage ich auch ganz kräftig Danke. Dafür, dass Ihr mich in den letzten Tagen und Wochen immer wieder moralisch aufgebaut und unterstützt habt. Es hat mir viel über den ganzen Schund, der da geschrieben wurde, hinweg geholfen. Danke für Eure Treue.

Und dann muss ich zugeben, dass ich davon enorm überrascht war, wie viele „Matz-abber“ das Trikot von Piotr Trochowski haben wollten. Der gute „Troche“ hat offenbar doch viel, viel mehr Freunde, als hier 8auch von mir) angenommen wurde. Die Beteiligung hat mich erfreut, und auch die netten Sätze über Piotr Trochowski – danke auch dafür. Das Trikot wurde aus unserem Blog und auch aus dem „Matz-ab“-Gewinnspiel heraus verlost, gewonnen hat es der 17-jährige User „Phillip“. Aufgrund der großen Beteiligung werden „Scholle“ und ich auch in Zukunft versuchen, das eine oder andere Trikot abseits des Gewinnspiels an die Frau, den Mann oder den jugendlichen Fan zu bringen.

17.37 Uhr

Das Fazit nach dem Stuttgart-Spiel

28. November 2010

Egal wie! Das hatte HSV-Kapitän Heiko Westermann vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart gesagt und damit einen möglichen Heimsieg gemeint. Und irgendwie sagten später doch einige der 53 055 Zuschauer auf dem Nach-Hause-Weg: „Egal wie! Hauptsache gewonnen!“ Um einmal die nackten Fakten sprechen zu lassen: 14:15 Torschüsse (also für den VfB), 6:7 Eckbälle (also für den VfB), 6:7 Flanken (VfB), – aber dann wird es: 64 Prozent Ballbesitz für den HSV, 53:47 Prozent Zweikämpfe gewonnen, 9:18 Fouls und 4:2 Tore. Letztere sind dann eben auch ausschlaggebend dafür, dass der HSV ein wenig mehr zur Ruhe kommen wird – in dieser Woche. Nur der Trainer und seine Mannen sollten und dürfen sich nicht großartig ausruhen, denn „egal wie“, es gab in diesem Spiel auch viele Dinge, die noch immer nicht so passten, wie sich das alle Hamburger vorstellen. Besonders die Defensivarbeit ist nach wie vor sehr kritisch zu betrachten, da greift noch lange nicht ein Rad ins nächste. Im Grunde muss man zu jeder Sekunde Angst haben, dass etwas passiert – ein Gegentor zum Beispiel. Sicherheit ist etwas anderes.

Aber, ich kann mich ja auch einmal daran machen, was gut und was schlecht lief in diesem Spiel. Ich bin selbst gespannt, zu welchem Ergebnis ich komme. Fangen wir also einmal an.

Gut war:

Tunay Torun, der wie Kai aus der Kiste kam und alle mit einer großartigen Leistung beeindruckte.

Piotr Trochowski, der auch dank seines frühen Tores in glänzender Spiellaune war und sein bestes Saisonspiel ablieferte.

Frank Rost, der gut hielt und seinen Mund einige Male seinen Mund sehr weit aufriss – um so für Aufmerksamkeit zu sorgen.

Heiko Westermann, der an seine solide Vorstellung von Hannover anknüpfte und wieder sehr gut spielte. Dass er als eine Art Abwehr-Chef auch dafür steht, das Chaos in Grenzen zu halten, steht für mich auf einem anderen Blatt, denn er allein wird diese Aufgabe ganz sicher nicht meistern können. Das halte ich schlichtweg für unmöglich.

Guy Demel, der zentral tatsächlich besser spielte, der defensiv kaum einen Fehler beging.

Das Offensivspiel insgesamt. Ist Euch aufgefallen, wie oft Piotr Trochowski auf engstem Raum gesucht und auch angespielt wurde? Oft in letzter Sekunde, weil seine Nebenleute nicht mehr wussten wohin mit dem Ball Und der Nationalspieler wusste sich immer zu helfen, verlor höchst selten den Überblick (und damit den Ball).

Mladen Petric, der deutlich aktiver war, diesmal auch mehr lief und zudem bemüht war, auch an die Nebenleute zu denken.

Jonathan Pitroipa, der endlich einmal wieder ein Tor schoss, auch wenn er etliche Großchancen ausließ.

Änis Ben-Hatira feierte sein Comeback, als er in der 79. Minute für Torun kam. Ich gebe zu, dass ich Ben-Hatira-Fan bin, der Junge könnte alles (oder sehr viel), er muss sich dessen nur wieder bewusst werden. Und Gas geben, Gas geben, Gas geben. Dies ist vielleicht seine letzte Chance.

Das sind neun Personalien und Dinge, die gegen den VfB Stuttgart gut gelaufen sind.

Schlecht war:

Das Defensivverhalten ist immer noch erschütternd. Einige von Euch verteilten dafür das Prädikat: Zweitliga-Niveau. Besonders zu nennen die beiden Außenverteidiger, Robert Tesche und Ze Roberto, die zu viele Fehler (im Abspiel und vor allem im Stellungsspiel) begingen.

Die Chancenverwertung. Das richtige Resultat für diese Partie wäre wohl 8:4 gewesen. Es wird sich in ganz engen Spielen bitter rächen, so fahrlässig mit solchen Möglichkeiten umzugehen. Warum Jonathan Pitroipa mit seiner Schnelligkeit und seiner Dribbelstärke nicht einmal versucht hat (auch in anderen Spielen nicht), den Torwart zu umspielen und dann den Ball ins Netz zu schicken, bleibt mir schleierhaft.

Heung Min Son, fand diesmal keine Einstellung zum Spiel. Ich möchte den jungen Mann nicht zu hart kritisieren, ich möchte gewisse Schwächen des Teams auch nicht an ihm festmachen, aber er war diesmal gar nicht richtig dabei, sondern wirkte wie ein Fremdkörper auf mich. Aber solche Tage muss man einem so jungen Talent ganz einfach mal auch zugestehen.

David Jarolim war diesmal nicht der große Balleroberer, und als er noch in der ersten Halbzeit von Frank Rost „zusammengefaltet“ worden war, lief so recht gar nichts mehr bei dem Tschechen. Da muss der Keeper auch etwas vorsichtiger agieren, es gibt eben Spieler, die etwas sensibler reagieren (ich gehörte früher auch dazu, obwohl ich zugeben muss, dass ich eher ein Rost-Typ war – auch wenn sich das in Euren Augen beißen mag).

Ruud van Nistelrooy kam rein, machte Sekunden danach „sein“ Tor – und trat in einen „Jubelstreik“. Über die Gründe war nichts zu erfahren, der Niederländer spricht zurzeit nicht (mit uns), und Trainer Armin Veh weiß nichts: „Zu mir ist er wie immer.“

Die tiefe Schlafphase zu Beginn der zweiten Halbzeit. So baut man Gegner, die eigentlich (mit zehn Mann) am Boden liegen, wieder auf, und das ist Wahnsinn. Warum kann man sich da nicht zusammenreißen? Das ist viel zu sorglos, passt aber ins Bild dieser Saison.

Das Überzahlspiel war teilweise anfängerhaft. Von der 16. Minute an spielte der HSV mit einem Mann mehr, aber das war nur in ganz seltenen Fällen einmal so richtig zu merken. Da muss ganz einfach, das darf man von einer so erfahrenen (HSV-) Truppe ganz einfach erwarten, mit mehr Durch- und Überblick gespielt werden. Sicherer am Ball, mehr Ruhe, mehr Ideen im Abspiel, bessere, viel bessere Laufarbeit in Sachen Freilaufen. Als Stuttgart noch komplett war, hat die Mannschaft engagiert und lauffreudig gespielt, ich möchte nicht wissen, was passiert wäre, wenn Marica nicht vom Platz geflogen wäre.

Schade war, das Muhamed Besic wieder in der „Versenkung“ verschwunden ist. Ich hätte mir sehr, so sehr gewünscht, dass Veh ihn zur Pause (für Tesche) gebracht hätte, denn da die Stuttgarter nur noch zu zehnt spielten, wäre dieser Wechsel sicherlich kein so großes Risiko gewesen – und Besic hätte noch einmal (mehr) Bundesliga-Luft schnuppern können. Was dem jungen Abwehrspieler geholfen hätte (für die Zukunft), und dem HSV sicherlich auch. Schade, diese Chance wurde vertan.

So, das sind acht in meinen Augen gravierende Sachen, die dringend abgestellt werden müssen, sollte es doch noch einmal in Angriff genommen werden, Anschluss nach (ganz) oben zu finden. Wobei ich ganz nüchtern feststellen möchte (ohne davon zu träumen): Bis Platz drei sind es gerade mal fünf Punkte, die fehlen. Und wenn ich da noch einmal an Köln und Hannover erinnern möchte, an jene sechs Punkte, die in der Fremde ganz einfach liegen gelassen wurden.

Kommen wir zur Analyse von Trainer Veh. Die Aufstellung von Tunay Torun war nicht nur überraschend, sondern eine kleine Sensation. Ich denke da noch an den „Ben-Hatira-Effekt“, über den ich nach dem Abschlusstraining am Freitag berichtete. Und das ein „Matz-abber“ sich dem Sinn nach mokierte: „So leicht kann man Matz verunsichern . . .“ Als wäre doch sonnenklar, dass Ruud van Nistelrooy sowieso spielen würde – und Torun eben nicht. Und dann diese Nominierung. Die hatte schon was. Für mich ein deutliches Zeichen, dass Armin Veh nicht nur über Trainingseindrücke, die für ihn entscheidend für eine Aufstellung sind, locker-flockig spricht, sondern seine eigenen Vorgaben auch umsetzt. Nochmals Applaus, Herr Veh! Der sagte: „Ich hatte mit Ruud gesprochen, er fühlte sich für 90 Minuten noch nicht fit. Und da man nicht nur über Trainingseindrücken sprechen soll, sondern auch danach gehen sollte, habe ich Tunay Torun gebracht. Der hatte die ganze Zeit schon hervorragend trainiert.“ Was sich übrigens mit „Scholles“ und meinen Eindrücken total ergänzt, wenn ich das einmal am Rande einfließen lassen darf. Vehs Lob an Torun: „Er hat ein unheimliches Engagement gezeigt, er hat in meinen Augen ein ordentliches Spiel gemacht.“

Zum Thema Frank Rost befand Armin Veh: „Wir sind eine Mannschaft, die zu wenig kommuniziert, daran arbeiten wir. Wir müssen mehr miteinander reden, mehr anweisen, wir müssen besser führen. Wir tun das zu wenig, und deswegen ist es wichtig, dass Frank da hinten drin auch mal laut ist. Auch wenn es der eine oder andere Spieler mal nicht hören will – aber es ist notwendig.. Und deswegen ist es wichtig, dass er da hinten drin steht.“ Rost hat aber auch nach dem Spiel seinen Mund recht kräftig aufgemacht. Im ZDF sagte er – sauer: „Spektakel und Theater kann man bei Real Madrid machen.“ Und in der ARD legte er zuvor mächtig vor: „Man hat gesehen, dass noch viel fehlt. Wir haben gegen zehn Mann zu viele Chancen liegen gelassen und selbst zu viele zugelassen. Das kriegt man gegen andere Gegner dann nicht gebacken, immer vier, fünf Tore zu schießen.“ Rost weiter: „Ziel des Spiels ist es, zu gewinnen, das haben wir gemacht, das ist die Hauptsache, da freuen wir uns alle, aber wir müssen schon gucken, dass wir weniger Tore rein bekommen. Ich will mich daran nicht gewöhnen, dann müssen sie einen anderen reinstellen. Also, wenn man sich daran gewöhnen soll, jedes Mal die Bude voll zu kriegen und Chancen zuzulassen, gegen zehn Mann – daran will ich mich nicht gewöhnen. Dann müssen sie wirklich jemand anderen reinstellen.“ Harter Tobak.

Von Armin Veh aber indirekt unterstützt, denn der Coach sagte: „Ich habe noch kein Spiel hier erlebt, seit ich hier bin, wo ich sage: Jetzt setz ich mich mal in und bin völlig ruhig. Bei uns kann immer etwas passieren. Wir kriegen unsere Abwehrleistung insgesamt nicht so hin, dass man mal ganz ruhig sitzen kann. Das war diesmal doch auch so. Das 2:3 darf doch im Leben nie passieren . . .“ Veh weiter: „Das hat natürlich auch was mit Qualität zu tun, keine Frage. Das muss man ansprechen, zeigen, verbessern, das muss auch immer wieder angesprochen werden.“ Wobei Veh auch sagt: „Es hat natürlich auch damit etwas zu tun, dass wir immer wieder wechseln müssen, wir haben keine Konstanz in Sachen Aufstellung. Wir haben doch noch nicht einmal mit der Mannschaft spielen können, mit der wir vor der Saison auch spielen wollten.“ Immerhin sah der Coach auch etwas Positives: „Was die Leidenschaft betrifft, die ich nach dem Spiel in Dortmund gefordert hatte, die war in Hannover zu sehen, und die war auch diesmal zu sehen. Wir haben gut angefangen, haben richtig gut gepresst – obwohl wir dann aus dieser Leidenschaft diesmal auch wieder zu wenig gemacht haben.“

Und noch etwas Positives hatte Armin Veh zu loben: Piotr Trochowski hat ein riesiges Laufpensum absolviert, hat für mich ein richtig gutes Spiel gemacht.“ Dann sagte der Coach aber auch: „Er wird aber nie ein richtig guter Sechser werden.“ Weil er nach hinten Schwächen hat, auch in Eins-gegen-eins-Duellen nicht die Robustheit hat, die man als „Abräumer“ eigentlich benötigt. Veh: „Aber es ehrt ihn, dass er auf dieser Position jetzt spielt und sich in den Dienst der Mannschaft stellt.“ Abschließend befand Veh: „Insgesamt hat Piotr sich immer wieder gezeigt, hat Verantwortung übernommen, wollte immer wieder den Ball haben – hat sich nie versteckt. Er hat seit dem Bremen-Spiel mit am konstantesten für mich in unserer Mannschaft gespielt.“

Das wird auch Tunay Torun zeigen müssen, wenn er weiter im Team bleiben will. Aber auch für ihn gab es Trainer-Lob: „Er war unheimlich engagiert, und das hat er sehr gut gemacht. Wichtig ist, dass wir vorne schon attackieren, dort Zweikämpfe gewinnen. Und da hat auch Mladen Petric sehr gut mitgeholfen. Das verlange ich von ihm, er kann das auch, das hat er gegen Stuttgart gezeigt.“ Im Gegensatz zu Paolo Guerrero, der 90 Minuten zusehen durfte, wie man sich als Stürmer auch bewegen kann. Nicht nur schön spielen, sondern auch laufen, kämpfen, beißen, attackieren. Davon ist der Peruaner zurzeit meilenweit entfernt. Veh: „Paolo hat mich zuletzt nicht so überzeugt, wie der Kleine. . . „ Mit „der Kleine“ war Torun gemeint.

Auf die vielen Fragen (aus Euren Reihen), ob sich der HSV denn noch in der Winterpause (defensiv) verstärken wird, antwortete Armin Veh offen und ehrlich: „Das kann immer sein. Wenn wir etwas bekommen, wo wir sagen dass er uns weiterhelfen kann, dann müssen wir das schon machen. Ich weiß nämlich nicht, wie lange Joris Mathijsen ausfallen wird. Man sagt so acht Wochen, aber weiß man das genau? Da muss man aufpassen.“ Gilt das nur für einen Innenverteidiger? Wahrscheinlich, denn Armin Veh sagt auch: „Rechts kommt ja irgendwann auch mal Dennis Diekmeier zurück, den habe ich auch noch nicht so oft bei uns spielen sehen. Aber der war ja dort auch mal geplant.“ So wie links Dennis Aogo oder/und Marcell Jansen. Aber bei diesen beiden Spielern besteht ja durchaus noch die Chance, dass da noch etwas bis Weihnachten passiert.

Immerhin, dieser 4:2-Sieg wird einige Gemüter ein wenig beruhigen. Zeit zum Durchatmen, zum Besinnen (passend zur Zeit) – und zum Lernen. Für Freiburg. Damit es dort kein böses Erwachen a la Dortmund gibt.

17.27 Uhr

Torun war die Entdeckung!

27. November 2010

Der freie Fall ist gestoppt! Das war wichtig. Der HSV schafft endlich mal wieder einen „Dreier“ und besiegt den VfB Stuttgart mit 4:2. Es war ein temporeiches Spiel, in dem fast alles geboten wurde, was den Fußball so sehenswert macht. Armin Veh hatte mit seiner Aufstellung viel riskiert, wäre es schief gegangen, dann hätten viele HSV-Fans wohl seinen „Kopf“ gefordert, aber seine Maßnahmen ging gut. Der Coach hatte Tunay Torun statt Ruud van Nistelrooy oder Paolo Guerrer gebracht, und diese Hereinnahme war ein wahrer Glücksgriff. Kompliment, Herr Veh! Einziges Manko bei diesem Spiel: Der HSV vergab einen weitaus höheren Sieg, die Großchancen dazu waren vorhanden.

Das war diesmal schon ein sensationeller Start, es begann bei Minusgraden unglaublich heiß. Der HSV brannte, der VfB wollte – es ging hin und her. Vom Anstoß weg. Und es gab auch gleich ein Tor – für die „richtige“ Mannschaft: Zweimal hintereinander Tunay Torun mit starken Szenen. Er legte den Ball zurück auf Piotr Trochowski, der zog aus 19 Metern mit links ab – drin. Ein herrliches Tor. Aber die Freude hielt nicht lange an. Bei einem Eckstoß für den VfB, den Boa von links zur Mitte brachte, waren sich Robert Tesche und Mladen Petric nicht einig, Marica köpfte ein. Auffällig: Am ersten Pfosten stand – wie zuletzt immer – kein HSV-Spieler. Und: Petric hätte Marica wohl bewachen müssen, so sah es von oben aus. Tesche, der eigentlich auch wegen seiner Kopfballstärke (so er die hat) hinten rechts spielte, sah aber auch nicht gerade glücklich dabei aus. Es war das sechste VfB-Tor nach einem Eckstoß, und das erste Gegentor für den HSV nach einer Ecke (9.).

Die Sturm- und Drangzeit des HSV dauerte aber an. Auch weil Marica Rot sah. Er meckerte so lange mit Schiedsrichter Wolfgang Stark, bis der die Karte aus der Gesäßtasche zig. Der VfB-Stürmer hatte „Arschloch“ gesagt. Wieso sich der Rumäne so aufregte, ist unverständlich, denn zuvor hatte sich Niedermeier ein böses Foul gegen Petric geleistet. Ein Tritt von hinten die Füße des HSV-Stürmers, dieses Foul allein hätte schon Rot nach sich ziehen müssen. Schade, dass sich die Schiedsrichter dazu nicht entschließen können, obwohl es diese Anweisung ja eigentlich schon so lange gibt: Foul von hinten – Rot.

Es blieb nach diesem Platzverweis munter. Und es folgte das 2:1. Ze Roberto legte auf David Jarolim quer, der zu Jonathan Pitroipa , endlich einmal kühlen Kopf bewahrt – ein Lupfer über Torwart Ulreich, Innenpfosten, 2:1 (29.). Pitroipa hätte in der ersten Halbzeit noch „Torschützenkönig“ werden können, denn er vergab mindestens noch zwei weitere „Hundertprozentige“. Leider.

Beim HSV spielten in dieser Phase zwei Mann überragend: Piotr Trochowski sprühte nach seinem Tor vor Spiellust, und Tunay Torun war überhaupt nicht „einzufangen“. Was der kleine Türke spielte, war „erste Sahne“. So stark habe ich Torun, der überraschend den Vorzug gegenüber Paolo Guerrero und auch Ruud van Nistelrooy (leicht angeschlagen) erhalten hatte, noch nie gesehen, so stark hätte ich ihn auch nie erwartet. Torun spielte großartig, oft direkt, er hatte glänzende Ideen, war quirlig, beweglich, kämpfte – und er attackierte alles was sich in der Stuttgarter Hälfte bewegte. Natürlich nur fair. Torun lief und lief und lief. Und erinnerte dabei an den heutigen Bayern-Profi Ivica Olic. Mein Gott, Tunay, das war ja sensationell. So kannst Du jede Woche spielen, dann kannst Du gar nicht mehr aus der Mannschaft genommen werden.

Torun legte nach dem 1:0 auch das 3:1 vor. Er schickte Petric, der lupfte die Kugel über Ulreich und schoss ein (36.). Eine traumhafte Kombination. So, als würden sich Torun und Pettric schon seit Jahren „blind“ verstehen.

Es lagen sich „wildfremde“ Fans nach dem dritten Tor in den Armen, aber es war eben doch noch nicht alles Gold, was da glänzte. Sekunden nach dem 3:1 stand Cacau allein vor Frank Rost, zum Glück abseits. Aber der Keeper machte das, was vorher von ihm erwartet worden war, er sprach Tacheles. Rost ereiferte sich über die rechtes Seite, er schrie Jarolim an – und hätte sich auch Tesche noch vorknöpfen können, denn beide hatte zuvor nicht kompromisslos genug verteidigt. Auch wenn der Ton die Musik macht, es war schon wichtig, dass Rots dabei war – und dass er den Mund deutlich hörbar aufgemacht hatte.

Diese Szene aber offenbarte auch eines: So richtig souverän ist die Defensivarbeit des HSV nicht. Natürlich nicht, denn sie war es auch vorher nie (in dieser Saison). Man hat auf den Tribünenplätzen immer die Angst, dass etwas passieren konnte. Wann sich das wohl ändert? Wenn die Viererkette endlich einmal so richtig komplett ist, so wie vor der Saison angedacht?

Auffällig auch bei der jetzigen Konstellation: Ze Roberto schwächelt hinten links. Und zwar deutlich. Diesmal ließ er das „Auge“ nach hinten vermissen, er wurde einige Male recht einfach überspielt. In dieser Form würde wohl ein anderer „ungelernter“ Verteidiger (wie Tesche rechts), zum Beispiel Tomas Rincon, auch nicht schlechter spielen. Und Ze Roberto wäre endlich wieder für das Mittelfeld frei.

Und noch eines fiel mir auf: Mladen Petric war sehr viel unterwegs – und auch gut. Ich dachte so bei mir: Man, da hat sich die Aufbauarbeit des Trainers ja ordentlich bezahlt gemacht, denn in dieser Woche, ich schrieb es Euch schon, hat Armin Veh seinen Stürmer ja mächtig gestreichelt, ein Kollege von mir meinte sogar „gewindelt“. Aber: hat sich gelohnt.

Die Halbzeit zwei begann vor 53 055 Zuschauern ähnlich stürmisch wie der erste Durchgang. Aber diesmal nur für den VfB. Nach Sekunden hieße es nur noch 2:3. Fehler Tesche, Harnik scheiterte zunächst noch an Rost, um den Abpraller „kümmerte“ sich dann Gentner (sorry) – Tesche war immer noch nicht im Bilde. Insgesamt, das muss ich sagen, spielte Tesche höchst unglücklich, aber er hatte keine Spielpraxis, mehr hätte man von ihm nicht erwarten können (und dürfen). Immerhin: Er hatte auch zwei sehr gute Szenen, als er zweimal in höchster Not rettete. Aber ich gebe jedem Recht, der sagt: „Insgesamt war das zu wenig.“

Aufregend wurde es noch in der 58. Minute. Ruud van Nistelrooy kam für seinen „Sohn“ Heung Min Son, der diesmal merklich blass blieb (und teilweise naiv wie ein Jugendspieler agierte). Und Sekunden später traf „Van the man“ per Heber nach einem glänzenden Zuspiel von Petric. Aber was passierte danach? Van Nistelrooy jubelte nicht. Er lief zur Eckfahne und zeigte dabei keinerlei Gefühlsregung. Da stimmt doch etwas nicht.

Ich habe mich einmal umgehört. Im Spielerkreis. Da kommt seit einigen Tagen nicht so sehr gut an, dass in der Vereinsspitze von „Verjüngungskur“ gesprochen wird. Ich hörte: „gefaselt“. Da fragen sich die älteren Spieler schon mal, ob sie nur noch ungeliebtes Beiwerk sind? Und eventuell macht sich ja auch der „Rudi“ darüber so seine Gedanken. Weiß man es?

Stark beim HSV diesmal Trochowski und Torun, gut auch Petric sowie Westermann (ohne Fehler). Jarolim kann es sicher besser als er es diesmal zeigte, das gilt auch für Ze Roberto. Guy Demel hat seine Sache in der Innenverteidigung ordentlich gemacht, gelegentlich wirkte er auf mich gedanklich langsam, aber das kann ja noch werden. Rost war auf Anhieb „da“, hielt sehr gut. Mit den lautstarken Anweisungen sollte er gut dosiert und behutsam umgehen – alles zu seiner Zeit.

Jonathan Pitroipa setzte die Reihe seiner guten Auftritte fort, leider schmälert er seine Leistungen immer noch damit, dass er zu viele Chancen vergibt. Immerhin: Einmal getroffen und auch sonst für Wirbel gesorgt.

Insgesamt bleibt festzuhalten: So darf es ruhig weitergehen.

Und: Einen haben wir noch. Der Kollege “Scholle” (Marcus Scholz) hat nach dem Schlusspfiff bei Piotr Trochowski, der sein bestes Saisonspiel gezeigt hat, “vergesprochen” und ihn gefragt, ob wir bei “Matz ab” sein Trikot verlosen dürfen. Spontan zog “Troche” seine “15” aus und drückte sie “Scholle” in die Hand. Ihr dürft Euch noch bewerben, nicht im Gewinnspiel, sondern bei den “normalen” Beiträgen. Also, ein kleiner Hinweis von Euch, wer sich bewerben will – und wir melden uns dann mit dem (zusätzlichen) Gewinner.

17.36 Uhr

PS: Als Gast durfte heute auch der Vorsitzende des VfB-Aufsichtsrats, Dieter Hundt, das Spiel in Hamburg verfolgen. Was er zu dem Spiel sagte, kann hier im Video nachgesehen werden.

Was läuft da mit van Nistelrooy?

26. November 2010

Es war sechs Minuten nach 16 Uhr, als ein HSV-Mitarbeiter an diesem Freitag die Loge des „Hamburger Weges“ betrat. Ich saß vor dem Computer, konnte nicht auf den Rasen sehen und fragte: „Was macht die Mannschaft in diesem Augenblick?“ Die Antwort kam ein wenig lakonisch: „Der HSV tritt auf der Stelle.“ Das musste ich mir dann doch ansehen. Also stand ich auf und sah: Die Spieler liefen in der Ecke Süd/West unter Anleitung von Leistungsdiagnostiker Manfred Düring tatsächlich auf der Stelle.

Später, beim Abschlussspielchen A gegen B, da hatte Armin Veh dann noch eine besondere Überraschung parat: Tunay Torun stürmte in der Stammformation, in der B-Elf aber hieße das Angriffsduo Ruud van Nistelrooy/Paolo Guerrero. Was ist da denn los? Spielt der kleine Türke im Angriff morgen gegen den VfB Stuttgart an der Seite von Mladen Petric? Das wäre in der Tat ein dickes Ding, aber ich glaube nicht dran. Zur Erinnerung: Am vergangenen Freitag hatte Veh beim Abschlussspiel vor der Partie in Hannover auch so eine kleine Unsicherheit für den Gegner (und für die Medien) präsentiert, indem er Änis Ben-Hatira im A-Team spielen ließ. In der AWD-Arena war es tags darauf dann aber Heung Min Son, der auf der linken Seite spielte. Immerhin aber sorgte die Vehsche Variante für einige Verwirrung – und auch der VfB Stuttgart dürfte sich nun einige Gedanken machen, die er sich vorher ganz sicher nicht gemacht hat. Zum Beispiel: Wer ist dieser Tunay Torun? Und wie spielt er? Wie ist er zurzeit drauf?

Das bleibt sein Geheimnis. Und ein kleines Rätsel bleibt für mich die Personalie Ruud van Nistelrooy. Der Niederländer trainierte zwar mit, wie schon während der gesamten Woche, aber er wirkte dabei auf mich absolut uninspiriert. Schickte ihn Veh, der das ganz sicher auch erkannt hat, ihn deswegen in die Reserve? Auf jeden Fall ist das nicht mehr der „Ruud“, den ich vor einigen Wochen noch über den grünen Klee gelobt habe. Weil er erstens sehr gut spielte, zweitens sehr gute Analysen über das Spiel des HSV abgab, drittens von einer erfolgreichen Zukunft sprach – für sich selbst und für den Klub. Und nun lässt er den Kopf hängen . . . Eine charakteristische Szene: Nach dem Spielchen jonglierte van Nistelrooy für sich allein mit dem Ball vor sich hin. Langsam ging er in Richtung des Tores, das von Jaroslav Drobny bewacht wurde. Mit dem Fuß (!) legte sich der Niederländer die Kugel auf den Elfmeterpunkt. Als die Lage des Balles nicht so war, wie er es wünschte, korrigierte er – wieder mit dem Fuß, nicht mit der Hand oder den Händen. Das sah alles lustlos aus. Immerhin: Drei Elfmeter schoss van Nistelrooy, und alle waren drin.

Dennoch bleibt für mich eine Frage zurück: Was ist da passiert? Mental? Ruud van Nistelrooy startete voller Elan in die Saison, war gut drauf, traf auch einige Male – und er wollte Torschützenkönig der Bundesliga werden. Davon ist in diesen Tagen nichts, aber auch absolut nichts zu erkennen. Resignation? Weil er verletzt war und ist (die Wade soll zwicken)? Oder weil der HSV so spielt wie er spielt? Oder weil andere Torjäger inzwischen schon weitaus mehr getroffen haben als er?

Ich mache mir durchaus Sorgen. Auch deshalb, weil ich diesen Ausnahmefußballer gerne noch ein wenig länger hier in Hamburg sehen würde. Ob man da schon heute auf morgen (und den nächsten Sommer) schließen sollte? Besser nicht. Drei Euro für diesen Satz: Bis dahin fließt noch viel Wasser die Elbe herunter.

Ansonsten bleibt es bei jener Aufstellung, die ich zuletzt schon angekündigt habe. Frank Rost im Tor, rechts Robert Tesche, daneben Guy Demel, Heiko Westermann, links dann Ze Roberto. Wobei Demel heute einige ganz gute Szenen hatte, die darauf deuten könnten, dass er die Zeichen der Zeit erkannt hat, dass er nun besser werden will, dass er mehr investiert. Hoffentlich. Jetzt denke ich schon wieder voller Sorgen, dass „draußen“, an den Computern dieser Welt, schon wieder gelästert wird: „Matz wie immer – Friede, Freude, Eierkuchen beim Training. Und was ist mit dem Sonnabend-Spiel . . ?“

Ja, was? Wir werden es erleben. So oder so.

„Das Hannover-Spiel haben wir vergessen, abgehakt, es ist aufgearbeitet worden“, sagt Heiko Westermann. Der Kapitän hatte an der Leine vielleicht, so meinte einige Experten, sein bestes Spiel für den HSV gemacht. Kurios war nur, dass er von einigen (oder vielen?) HSV-Fans nach dem Schlusspfiff ausgepfiffen worden war. Westermann hat das in dieser Form nicht so wahrgenommen, sagt aber auch: „Wir haben dort verloren, und dann sind die Fans natürlich unzufrieden. Was soll auch sonst sein?“

Natürlich herrscht nach Niederlagen tiefer Frust. Dennoch muss objektiv auch eine gute Leistung (eines Spielers) anerkannt werden, selbst wenn nur verloren wurde. Definitiv hat Westermann in Hannover viele Lücken in der HSV-Defensive geschlossen, und er hat endlich einmal verbal „Gas gegeben“. Anweisungen, Motivation. Daran haperte es nicht nur zuletzt, daran hapert es schon seit Jahren beim HSV. Viel zu wenige Spieler machen während der Partie den Mund auf, um sich so gegenseitig helfen zu können. Das ist schon „ewige Zeiten“ ein großes Manko in Hamburg.

Nun kehrt mit Frank Rost ein weiterer Spieler zurück, der ebenfalls ein sprachgewaltiger Dirigent ist. Rost war zuletzt sogar oft der einzige, der während des Spiels redete. „Das ist auch gut so. Frank strahlt dieses Sieger-Gen aus, er will immer gewinnen, er lebt es vor, er hat den unbedingten Willen, als Sieger vom Platz zu gehen. Deswegen ist seine Präsenz auch wichtig für uns. Uns hilft es, wenn wir viele Spieler auf dem Platz haben, die viel reden“, sagt Heiko Westermann und sagt über sich: „Ich kann nicht ruhig sein, ich gebe immer Anweisungen während der 90 Minuten. Und weil wir von dieser Sorte Spieler nicht so viele haben, müssen eben die, die es können, ein wenig lauter sein.“

Der ehemalige Schalker war es auch schon in dieser Woche beim Training. Und er wird es wohl auch am Sonnabend wieder sein. Endlich sein, denn zu Beginn seiner Zeit in Hamburg war er es noch nicht. Was auch nur logisch scheint, denn als neuer Kapitän kannte er seine Mitspieler ja noch gar nicht (richtig), und dann verhält man sich eben ein wenig leiser. Gut nur, dass diese Zeiten nun der Vergangenheit angehören (sollen).

Dass Westermann mit Demel nun wieder einen neuen Mann an seiner Seite in der Innenverteidigung erhält, das ist für ihn nicht besonders gut, aber es ist wohl auch nicht zu ändern. Er lobt dann auch den neuen Mann an seiner Seite: „Guy ist zweikampfstark, ist ein Brocken, und der wird uns sicher auch bei Kopfballduellen helfen können.“

Wir werden abwarten müssen, wie sich die zentralen Abwehrspieler zurechtfinden, an diesem Sonnabend. Wenn es gut läuft, wird es dieses Duo bis Weihnachten richten müssen. Und wenn dazu aus Eurem Kreis nach Muhamed Besic gefragt wird, dann kann ich nur entgegnen: Dessen Lieblingsposten ist nach eigener Aussage die rechte Position in der Viererkette. . .

„Wichtig ist für uns, dass wir gegen Stuttgart als Sieger vom Platz gehen werden, egal wie das Spiel auch ist. Wir müssen drei Punkte einfahren, denn man ist ganz, ganz schnell auch mal in einem Strudel, der einen nach unten zieht. Da müssen wir aufpassen, deshalb müssen wir alles geben“, sagt Heiko Westermann zum Abschluss. Hoffen wir, dass sich alle diese Sätze zu Herzen nehmen und dementsprechend zur Sache gehen. Ein schmutziges 1:0 würde da ja schon reichen – und das ist auch mein Tipp.

Übrigens: “Abendblatt-Chefredakteur Claus Strunz hat übrigens auf seinem Facebook-Account ein 2:2 gegen den VfB Stuttgart getippt.”

Und noch ein PS: Dass es diese Trennungszeichen gab oder gibt in diesem Bericht, das liegt daran, dass das HA ein neues System bekommen hat. Und ich habe noch kleinere Anpassungsprobleme, bin aber damit nicht ganz allein. Danke für Euer Verständnis.

17.43 Uhr

Kleine Sorgen um van Nistelrooy

25. November 2010

Ein Spaß. Es war nur ein Spaß. Sagt Armin Veh. In der vergangenen Nacht ging es hier ja hoch her, denn auf SAT.1 hatte der HSV-Trainer im Scherz zu Vorstandsmitglied Katja Kraus über seine Zukunft als HSV-Trainer geunkt: „Wenn ich dann noch da bin . . .“ Es ging um die Weihnachtszeit – die nun kommende. Um es einmal klar und deutlich zu sagen: Armin Veh wird nicht nur diese Weihnachtszeit als HSV-Trainer erleben, er wird seinem Job noch viel, viel länger in Hamburg nachgehen. Eine Trennung ist überhaupt kein Thema. Weder von der einen, noch von der anderen Seite. Und das, das sage ich auch klar und deutlich, ist auch gut so, denn: Veh leistet beim HSV gute Arbeit, an ihm liegt der derzeitige schlechte Tabellenstand ganz sicher nicht. Und wenn es hier noch Stimmen gab, die dem HSV einen miesen Konditionsstand bescheinigen (oder andichten) wollen: In Hannover gab es zwar das späte 2:3 in der Nachspielzeit, ansonsten aber hat der HSV, so besagt es eine Statistik, zehn Punkte in den letzten Spielminuten in dieser Saison gewonnen! So viel wie keine andere Mannschaft. Das zum Thema Kondition.

Ansonsten bin ich immer wieder sehr, sehr erstaunt, wenn hier HSV-Fans über HSV-Spieler so urteilen, als würden diese Profis bei Bayern München, Werder Bremen oder beim FC St. Pauli spielen. Wie hier einige Spieler von ihren Fans “vernichtet” oder „geschlachtet“ werden, das ist für mich immer wieder unfassbar, aber solche User soll es eben auch geben. Nur: Daran gewöhnen werde ich mich nie.

Wo ich gerade beim Thema bin: Robert Tesche wird am Sonnabend, wenn nichts mehr dazwischen kommt, tatsächlich rechts verteidigen. „Veh raus!“ Ich höre sie jetzt schon wieder . . . Aber Veh, ich schrieb es bereits, wird nicht raus-gesetzt. Dafür erwischt es gegen den VfB Stuttgart wohl Muhamed Besic. Nicht weil der junge Mann in Hannover das 0:1 verschuldet hat, auch nicht, weil er schlecht gespielt oder trainiert hat, sondern aus spieltaktischen Gründen. „Veh raus!“ Nein! Veh hat richtig gut überlegt. Wenn ich es Euch einmal näher bringen darf: Stuttgart hat groß gewachsene Spieler in seinen Reihen. Solche Spieler sind meistens auch kopfballstark. Besic ist ein eher kleiner Spieler, besonders auf seinem Posten in der Innenverteidigung. Und, was viele nicht wissen (auch die „Veh-raus“-Gröler wohl nicht): Muhamed Besic hatte in seiner Jugend eine Erkrankung am oder im Kopf, er durfte deshalb eineinhalb Jahre nicht köpfen. Diese 18 Monate fehlen dem Talent nun (in Sachen Kopfballtechnik), auch deswegen hat er in der Vergangenheit oftmals Sonderschichten am Kopfballpendel geschoben. Er soll und will aufholen. Nur hilft das dem HSV im Moment herzlich wenig, denn Stuttgart wird darauf erstens nicht warten und zweitens keine Rücksicht nehmen. Deswegen soll nun der fast einen Kopf größere Tesche in Sachen Kopfballspiel helfen.

Demnach, auch das steht so gut wie fest, wird Guy Demel auch in der Innenverteidigung aushelfen. Was ihm ganz entgegen kommt, denn hinten rechts war er zuletzt doch eher ein Sicherheitsrisiko. Innenverteidigung ist zwar auch nicht sein Lieblingsposten, aber schon eher: „Das ist zentral, und ich spiele zentral eben am liebsten. Ideal wäre die Sechs für mich, aber das geht nicht, deswegen bin ich mit der Innenverteidigung zentral schon zufriedener.“ Und er sagt schon in Richtung Stuttgart: „Ich versuche dort mein Bestes zu geben, obwohl ich das lange nicht mehr gespielt habe. Wir haben aber große Personalnot, also spiele ich da, wo mich der Trainer hinstellt.“

Als Demel vor fünf Jahren aus Dortmund nach Hamburg wechselte, kam er zunächst auf der Sechs zum Einsatz, gelegentlich auch in der Innenverteidigung, bis er – aus der Not heraus – auf die rechte oder auch manchmal die linke Verteidiger-Position geschoben wurde. Sehr zu seinem Leidwesen, aber so war es nun einmal. Rechts hinten spielt er deshalb auch in der Nationalmannschaft der Elfenbeinküste, zuletzt in diesem Monat bei der 0:2-Niederlage in Polen.

Dieses Spiel hatte übrigens zu einigen Irritationen (beim HSV) geführt. Ihr werdet Euch erinnern: In der Schlussphase des Dortmund-Spiel meldete sich Guy Demel verletzt ab, wurde ausgewechselt. Am Mittwoch darauf spielte der das Länderspiel. Abgemacht war, dass Demel nur eine Stunde zum Einsatz kommen sollte – wegen der Wadenverletzung. Er spielte aber durch. Und verletzte sich erneut, diesmal die andere Wade. Deswegen gab es dann Ärger in Hamburg. Als Demel am Freitag trainieren wollte, durfte er nicht, er wurde vom Platz zurück in die Kabine geschickt. Und pausierte auch in Hannover.

Nun aber soll alles wieder im Lot sein. Mit den Waden und mit dem HSV. So dass einem Einsatz gegen den VfB wohl nichts mehr im Wege stehen dürfte. Es sei denn, die Wade (eine von beiden) meldet sich wieder zur unpassenden Zeit. Als dick, gezerrt, zumachend oder verklebt – oder was sonst noch möglich ist. Abwarten.

Zur Situation um die National-mannschaft befand Guy Demel übrigens: „Jeder Fußballer setzt sich Ziele, er will so viele Meisterschaften, Weltmeisterschaften und Länderspiele wie nur möglich haben. Das ist normal. Deswegen habe ich das Länderspiel gegen Polen auch nicht abgesagt. Und dass ich nicht, wie abgesprochen, nach einer Stunde vom Platz geholt wurde, lag nur am Nationaltrainer, nicht an mir. Ich kann mich ja nicht selbst auswechseln.“

Apropos. Auswechseln ist das Stichwort. Zuletzt lief es bei „Giiiiiiiiiiiie“ ja alles andere als rund, ihm wurde von allen Seiten eine schlechte Form bescheinigt. Wie sieht er das? „Ich habe gut begonnen, in dieser Saison, Schalke, Frankfurt. Mir fehlt aber die Konstanz. Was nützen zwei gute Spiele, wenn es danach wieder schlechter wird? Das ist mein Problem, ich bin auch nicht zufrieden. Ich will der Mannschaft helfen, aber das kann ich ja nur, wenn ich gut spiele, das weiß ich auch.“

Bis 2012 läuft sein Vertrag noch in Hamburg. Er macht sich aber jetzt noch keine Gedanken um seine Zukunft. Selbst wenn es eine vorzeitige Trennung geben sollte. Demel: „Das könnte, das weiß ich auch, natürlich mal passieren. Das muss man dann als Profi akzeptieren. Fußball ist Geschäft.“ Dann sagt er weiter: „Ich fühle mich wohl beim HSV und in Hamburg, wenn man nicht zufrieden sein sollte mit mir, dann muss man mir das sagen. Das wäre kein Problem. Ich wünsche mir dabei nur absolute Ehrlichkeit. Wenn man ehrlich zu mir ist, dann ist das alles okay, damit kann und werde ich dann leben.“

Guy Demel sagt es ganz offen heraus. Er redet Klartext, er weiß, wie die Situation derzeit für ihn und auch für den Klub ist. Er sagt dann auch: „Mir tut es sehr leid für den HSV, denn dort, wo er zurzeit steht, gehört er nicht hin. Der HSV gehört nach ganz oben. Obwohl ich weiß, dass es natürlich leicht ist, so etwas zu sagen – es gehört schon mehr dazu. Die Qualität aber ist da, diese Mannschaft könnte ganz oben stehen, denn dieser Verein bietet uns allen sehr viele und sehr große Möglichkeiten. Deswegen tut es mir leid für die Fans, dass wir nicht oben mitspielen – aber wir haben noch viele Spiele vor uns, wir können noch immer in den internationalen Wettbewerb kommen.“

Dazu gehört eine gute Rückrunde. Und dazu gehört auch ein Sieg über den VfB Stuttgart. Beim HSV wird Frank Rost wieder zwischen den Pfosten stehen, das hat Armin Veh schon verkündet. Vor dem Keeper wird dann Guy Demel stehen und seine Abwehrarbeit verrichten. Zu diesem Thema stellte ein Mopo-Kollege eine sehr interessante Frage: „Bist du froh darüber, dass Frank Rost wieder spielt?“ Demel diplomatisch: „Wenn ich das sagen würde, dann würde ich etwas gegen Jaroslav Drobny sagen, und das hat er nicht verdient, denn er ist auch ein sehr guter Torwart.“ Dann kam die Nachfrage: „In einem Fernseh-Interview hast du gerade gesagt, dass Frank Rost wichtig für die Mannschaft ist.“ Demel: „Das stimmt ja auch. Er ist eine große Persönlichkeit. Das sage ich, obwohl wir fast nie miteinander reden. Er denkt, dass ich ihn nicht mag, aber Frank ist eine wichtige Person in der Kabine und für die Mannschaft.“ Dann wird es noch interessanter, denn Guy Demel fügte noch hinzu: „Wenn ich ehrlich bin, dann muss ich sagen, dass wir, Frank und ich, nie miteinander reden. Wir sind zu unterschiedliche Charaktere. Aber wir sind auch Profis genug, um das zu verdrängen. Für mich ist er der beste Torwart, den ich hier beim HSV gehabt habe, er ist aber auch als Mensch wichtig für die Mannschaft.“

Rückblickend zu Drobny befand Demel noch: „Er hat Pech gehabt, weil er ins Tor kam, als die Mannschaft nicht so gut spielte. Ich bin aber überzeugt davon, dass er noch sehr wichtig wird für den HSV. Drobny spielt ja noch lange hier und wird noch ausreichend zeigen können, dass er ein sehr guter Keeper ist.“

Gegen Stuttgart aber ist nun wieder Rost gefragt. Und diese Aufgabe wird ganz sicher nicht leicht, denn die Offensivabteilung der Schwaben mit den brandgefährlichen Cacau und Marica, dazu noch der Hamburger Martin Harnik (einst bei Vier- und Marschlande groß geworden) und Pavel Pogrebnyak, das ist schon eine sehr gute Qualität. Deswegen sagte Guy Demel auch: „Stuttgart ist eigentlich eine sehr gute Mannschaft, es wird schwer für uns. Wir müssen als Mannschaft auftreten, aggressiv sein und die individuellen Fehler vermeiden, dann könne wir den VfB besiegen.“

Womit wir wieder beim Thema wären: Mannschaft. Ein Team, eine Gemeinschaft, ein verschworener „Haufen“. Das war der HSV zuletzt nicht, das war der HSV in diesem Jahr ganz, ganz selten einmal. Profis eben, die professionell miteinander umgehen. So wie Demel es gerade mit dem Teamkollegen Rost geschildert hat. Es wird nicht leicht für Veh, den Teamgeist wieder auf Vordermann zu bringen. Immerhin aber gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer: Heiko Westermann gab in Hannover schon (mehr) lautstarke Anweisungen, und er setzte das nun auch im Training fort. Zum Wohle der Mannschaft – und des Trainers. Armin Veh: „Heiko war neu, musste sich erst eingewöhnen, spielte mit einer neuen Abwehr zusammen, musste sich auch erst finden, er war teilweise auch mit sich selbst beschäftigt – aber nun ist er gefragt. Wer soll es sonst richten? Jetzt sind die erfahrenen Spieler gefragt.“ Der HSV-Coach weiter: „Und auch wenn man mal den einen oder anderen Fehlpass spielt ist es notwendig, dass man sich nicht zurückzieht. Motto: Jetzt lasse ich mal die anderen. Es muss in einer Mannschaft immer eine gewisse Hierarchie geben, da muss man auch voran gehen. Auch wenn es mal nicht gerade so gut läuft.“ Veh dann ergänzend: „Wenn man in der Mannschaft keinen mehr hat, der redet, dann hat man auf jeden Falle in großes Problem, aber das hat Heiko Westermann nun besser gemacht.“

Weiter so. Und Westermann wird ja auch Unterstützung verbaler Art bekommen, denn der Mann im Tor wird seinen Mund schon aufmachen. Dazu sagt auch Armin Veh: „Frank Rost ist ein Typ, dem man schon ansieht, dem man auch anmerkt, dass er gewinnen will.“ Und das wird er seinen Mannen vor ihm schon noch rechtzeitig mitteilen . . .

Sollte der HSV aber am Sonnabend trotz allem verlieren, dann wird es ganz, ganz eng. Dann wäre der Anschluss nach oben wohl total verpasst. Und dann? Sollten dann die Blicke aller eher nach unten gehen? Abstiegskampf? Veh: „Nein, aber man muss immer hellwach sein und aufpassen, zumal wir ja keine stabile Situation haben. Das muss man ja sehen. Man kann nicht immer nur nach oben schauen, das wäre zu gefährlich.“

Kleine Sorgen personeller Art gibt es beim HSV noch um den Einsatz von Ruud van Nistelrooy, der noch leichte Probleme mit der Wade hat. Noch aber sind zwei Tage Zeit, um diese Probleme beheben zu können. Wäre nicht ganz unwichtig, denn wer erinnert sich nicht an den Beginn dieses Fußball-Jahres? „Van the man“ feierte gegen den VfB einen sensationellen Einstand, denn er schoss zwei herrliche und fast unglaubliche Tore für den HSV. Mach’s noch einmal, Ruud!

Bei der Gelegenheit: Eljero Elia wird in keinem Fall gegen den VfB Stuttgart auflaufen, für Armin Veh ist der Flügelflitzer weiterhin krank. Grippe. Die hat Elia sich nicht genommen, die hat ihn heimgesucht. Trotz allem aber stand er heute am Nachmittag auf dem Trainingsplatz und trainierte mit dem Team. Für Veh aber hat Elia eben noch viel zu wenig mit der Mannschaft trainiert, als dass er eine Chance hätte, gegen den VfB zu spielen.

So, ganz zum Schluss noch um den Aufreger Netzer. Der “Blonde mit dem Riesen-Schuh” sollte, so war es zu lesen und zu hören, dem HSV helfen, wieder in die sportliche Spur zu kommen. Ein ehrenwertes Unterfangen. Aber daraus wurde nichts. Weil Günter Netzer nicht will. Er hat mir schon zu Beginn des Jahres einmal gesagt, dass er kein Amt mehr in einem Verein übernehmen will und wird. Und der HSV hat es ihm auch so nicht angedient. Netzer sollte, so er dannLust gehabt hätte, beratend zur Seite stehen. Auf jeden Fall sollte er nicht “Vorgesetzter” von Sportchef Bastian Reinhardt sein und werden, dieses Angebot hat der HSV dem ehemaligen HSV-Manager Netzre nicht gemacht. Obwohl auch ich sage: Schade, dass Günter Netzer keine Zeit mehr dafür opfern mag, denn er ist für mich absolut der Größte. Wo auch immer Netzer etwas in Saceh Fußball gesagt hat – ich hing an seinen Lippen. Der Mann hat es einfach drauf, und zwar so wie kein anderer. Da kommen auch die Herren aus München nicht mit – aber leider, leider werden wir darauf verzichten müssen. Schade.

Training am Freitag um 16 Uhr, in der Arena, also, das wissen Insider, unter Ausschluss der Trainingskiebitze.

16.59 Uhr

Elia fällt für Stuttgart aus

24. November 2010

Erst stand die hohe Ballschule auf dem Programm, dann folgte ein Spielchen auf sechs Ein-Meter-Tore, zum Abschluss ging es dann elf gegen elf. Und es ging zur Sache. Auf die kleinen Tore war beinahe noch mehr Leben in der Bude: David Jarolim wurde gecheckt und senste daraufhin den Gastspieler aus der Zweiten um, und zwar Daniel Nagy. Dann wälzten sich Mladen Petric und Änis Ben-Hatira am Boden, Piotr Trochowski traf auf Muhamed Besic, und Heung Min Son beförderten den zweiten Gast-Spieler aus der Zweiten, Florian Brügmann, mit äußerst rustikal Einsatz einem zu Boden. Auffällig dabei: Keiner der beiden Regionalliga-Spieler beschwerte sich oder machte aus dem jeweiligen Tritt einen „Kurz-Film“. Beide traten kurz auf (Motto: „Unten wohnt ja keiner“), und schon gingen sie zur Tagesordnung über: Kampf und Spiel – und tüchtig zur Sache.

Am Rande des Geschehens trainierten die beiden Rekonvaleszenten Dennis Aogo und Miroslav Stepanek; von Marcell Jansen war an diesem Mittwoch (leider) noch immer nichts zu sehen. Ebenfalls nicht zu sehen: Eljero Elia. Was für ein Pech! Gerade von ihm hatte ich mir im Hinblick auf Sonnabend viel, nein, sogar sehr viel versprochen, denn: Wenn etwas beim VfB Stuttgart so richtig schön schlecht ist, dann ist es die rechte Abwehrseite. Wenn da der Gegner über einen pfeilschnellen und dribbelstarken Spieler verfügt, dann wackeln die Schwaben mächtig. So aber sieht es ganz danach aus (zu 99 Prozent), dass der Niederländer am Sonnabend nicht zur Verfügung stehen wird, er hat sich (s)eine Grippe genommen. Nun gut, mein Trost ist, dass es dann Heung Min Son wie schon in Hannover erneut über links versuchen wird. Und das war ja nicht ganz so schlecht anzusehen.

Beim heutigen Abschlussspiel hat das mit dem Südkoreaner (erneut) ganz gut geklappt. Auch wenn andere Spieler an diesem Tage eher im Blickpunkt standen. Da wäre zunächst einmal Guy Demel zu nennen. Der Mann von der Elfenbeinküste dürfte am Sonnabend sein (geschätztes) 78. Comeback in der HSV-Mannschaft feiern, diesmal allerdings nicht als Rechtsverteidiger, sondern als Innenverteidiger (neben Heiko Westermann). Muhamed Besic verteidigte unterdessen am Vormittag eine geraume Zeit auf rechts, bevor er während einer Spielpause von Robert Tesche abgelöst wurde – natürlich auf Wunsch des Trainers. Da scheint sich noch bis zum Wochenende ein ganz besonderer Zweikampf anzudeuten: Besic oder Tesche? Wen bringt Veh?

Hinten links blieb und bleibt Ze Roberto, auch wenn Armin Veh natürlich die Augen tränen dürften. Er ist ja nicht allein damit, aber ich wüsste im Moment auch keine bessere Lösung. Obwohl ich auf der Fahrt vom Training in die Redaktion noch gedacht habe: Ob Tomas Rincon das auf der linke Seite so wie auf der rechten Seite packen würde und könnte? Im Mittelfeld spielten an diesem Mittwoch David Jarolim und Piotr Trochowski – beide auffällig, „Troche“ traf zum 2:0, zuvor hatte Ruud van Nistelrooy das 1:0 erzielt. Es blieb beim 2:0, ein Petric-Tor wurde aus dem Abseits heraus erzielt und wurde nicht gegeben (so denke ich).

Zwei auffällige Personalien gab es noch „vorne“ zu registrieren. „Van the man“ hängt in der Tat (nach meinen Beobachtungen) zurzeit ein wenig durch. Woran das liegt? Ich habe keine Erklärung dafür. Es ist eben so wie es ist. Er sagt wenig, er lacht so gut wie gar nicht mehr, er zeigt kaum Temperament – ich ziehe daraus (für mich) folgenden Schluss: Ruud van Nistelrooy geht die Kickerei, die sich der HSV in jüngster Vergangenheit geleistet hat, wohl etwas auf die Nerven. Ich habe es schon zu Beginn des Jahres einmal (hier und damit öffentlich) vermutet: Eventuell denkt der ehemalige Weltstar (oder bleibt man immer ein Weltstar, wenn man mal einer war?) still und heimlich bei sich: „Mein Gott, diese Stümperei! Wo bin ich hier nur rein geraten?“ Ich bin da ganz bei Eva (?), die hier heute schrieb: „Im Moment macht sich Ruud van Nistelrooy sicherlich keine Gedanken darüber, ob er hier bleiben wird . . .“ Denke ich ebenfalls. Oder liegt es noch immer an seiner Verletzung, die ihm zuletzt eine kleine Zwangspause eingebracht hatte? Was nur für eine vorübergehende „Feuer-Pause“ von van Nistelrooy sprechen könnte, das war nach dem Training zu sehen: Der Torjäger fuhr nach Hause, und neben ihm saß ein ganz junger Mann: Lennard Sowah. So ist der „Ruud“ dann eben immer noch, er denkt trotz allem mannschaftsdienlich und fährt einen blutjungen Kollegen nach Hause (oder in Richtung Heimat). Kompliment.

Wobei ich schon zu Mladen Petric komme. Sportchef Bastian Reinhardt hat ja erst kürzlich gesagt, dass ein Petric-Wechsel während der (kurzen) Winterpause überhaupt kein Thema sei. Ich sage dazu nur: abwarten. Obwohl: Nach dem heutigen Trainingsspiel könnte ich mir auch vorstellen, dass Petric das „Paradies“ in Hamburg und beim HSV gegen kein Geld der Welt eintauschen will und wird, denn: So viel Lob vom Trainer hat wie heute, das gab es für den Kroaten wohl selten einmal zuvor in seiner Karriere. Jedenfalls im Volkspark. Armin Veh lobte hier und lobte da, er lobte „seinen“ Mladen über den grünen Klee. So bauen Trainer gelegentlich und ganz gerne Selbstvertrauen auf. Ob es hilft? Das werden wir alle schon mal am Sonnabend sehen können.

Bei der Gelegenheit: Heiko Westermann erhielt heute nach einem Katastrophen-Fehlpass von Veh einen richtig schönen und lauten Rüffel. Denoch: Der Kapitän, das wird immer offensichtlicher, ist jetzt gewillt, auch verbal mehr Verantwortung zu übernehmen. Das war schon in Hannover während des Spiels erkennbar, das war auch heute zu sehen und zu hören. Er dirigiert und gibt lautstark Anweisungen – nicht immer, aber eben immer öfter. Jetzt kommt es darauf an, ob sich die Teamkollegen dieser Worte auch annehmen. Da habe ich meine Zweifel – noch meine Zweifel. Aber vielleicht wird es ja doch noch was – es wäre gewiss zum Vorteil einer dann (besser) funktionierenden Mannschaft.

Da Tomas Rincon heute in der „Reserve“ mitmachen musste, gehe ich davon aus, dass er gegen Stuttgart wieder auf die Bank muss. Was sicherlich nicht mit dem 2:3-Tor von Hannover begründet werden kann, so denkt Armin Veh ganz gewiss nicht. Obwohl dieses Hanke-Tor schon kurios war. Rincon gibt zu: „Es tut noch weh, wenn ich daran denke. Ich habe einen Fehler gemacht. Er hat mich berührt, ein wenig an der Schulter gezogen. Ich habe mir diese Szene immer und immer wieder im Fernsehen angeschaut, aber ich gebe zu: Es war kein Foul, kein Thema. Hanke hat aber auch zugegeben, dass er mich ein wenig berührt hat. Er war eben ein bisschen cleverer in dieser Szene.“ Zum Leidwesen vieler (oder aller) HSV-Fans. Nun träumt Rincon davon, dass er demnächst selbst einmal ein Tor erzielen wird. Für den HSV. Obwohl: Der Mann aus Venezuela hat in seiner bisherigen Karriere im Herren-Fußball erst ein Tor erzielen können. Für seinen ehemaligen Klub San Cristobal. Er erinnert sich: „Ein Schuss aus 30 Metern. Vielleicht auch nur aus 25 Metern, aber es war ein Strich.“ Davon träumen hier doch alle. Nicht nur er selbst.

Und wo wir gerade bei Toren und den dazugehörigen Schützen sind: Was fällt Euch zu diesem Thema und Jonathan Pitroipa ein? Wenn Ihr dabei auch noch an die Chance denkt, als er mit links am 96-Gehäuse vorbei . . . Und in der Mitte stand Mladen Petric und hätte den Ball mit einem Ohrläppchen über die Torlinie bringen können? „Piet“ über diese Szene: „Ich habe Mladen nicht gesehen, ich wollte ein Tor schießen, ich wollte gewinnen.“ Und: „Ich denke, dass ich das ganz gut gemacht habe, aber mir fehlte dabei einfach auch ein bisschen Glück.“ Sei es wie es sei: Trotz allem ist Pitroipa die HSV-Entdeckung dieser Saison. Er spielt reihenweise Gegenspieler Knoten in die Beine – hoffentlich auch am Sonnabend den Abwehrspielern des VfB. Zu seinem derzeitigen Höhenflug sagt „Piet“: „Ich habe viel gelernt, seit ich in Hamburg bin, und ich bin im Kopf stärker geworden.“ Mental ist er nun voll auf der Höhe. Und weil dieser Trainer jetzt uneingeschränkt hinter ihm steht, dribbelt der 62-Kilo-„Bomber“ so auf wie zuletzt.“ Aus dem einstigen „Eichhörnchen“ und „Zappelphilip“ ist ein Leistungsträger und ein Stürmer von internationaler Klasse geworden. Nur: Wann klappt es mal wieder mit einem Tor? Pitroipa: „Ich weiß, dass ich Tore schießen kann, und ich werde auch wieder Tore schießen. Ich muss nur meinen Kopf frei bekommen, denn viele fragen mich immer, wo denn meine Tore bleiben.“ Das belastet vielleicht auch. Und deswegen tröstet er sich damit: „Wenn wir gewinnen, dann ist es doch egal, wer die Tore schießt. Und wenn ich ein Tor vorbereite, dann ist das für mich fast so gut wie selbst ein Tor zu schießen.“ Wenn „wir“ gewinnen . . . Wenn.

„Piet“ stand, so ganz nebenbei, einst auch auf der Einkaufsliste des VfB Stuttgart. Zu jener Zeit war Armin Veh Coach der Schwaben. Er stand also schon vor Jahren sehr auf den dünnbeinigen Flügelflitzer, der heute einer seiner Lieblingsschüler geworden ist. An der Elbe scheinen sie sich endgültig gefunden zu haben. Und sie könnten jetzt den Stuttgartern am Sonnabend gemeinsam ein Bein stellen. „Für uns geht nach oben immer noch etwas, wir können immer noch unter die ersten drei Klubs in der Bundesliga kommen – wenn wir zum Beispiel die Rückrunde sehr gut spielen. Wir haben noch alle Chancen, etwas zu erreichen, zum Beispiel einen internationalen Startplatz“, sagt Pitroipa ganz optimistisch.

Dann aber sollte irgendwann einmal eine Siegesserie gestartet werden. Am besten schon am Sonnabend. Wie schön das wohl wäre, wenn Tomas Rincon und Jonathan Pitroipa zu den HSV-Torschützen gehören würden. Aber: Der Fußball schreibt ja schon die kuriosesten Geschichten, doch für so viel Phantasie wird es dann wohl doch nicht ganz reichen. Deswegen wäre ich ja schon froh, wenn einer von beiden HSV-Profis den 1:0-Erfolg herausschießen würden. In diesem Sinne: Morgen (Donnerstag) ist um 15 Uhr Training im Volkspark.

17.43 Uhr

Nachthüpferl – und Entschuldigung von Scholle

24. November 2010

Der arme Dieter. Da hält er ewig die Treue, meldet sich aus dem hintersten Örtchen der Erde selbst zur finstersten Zeit und verlässt sich ein einziges Mal auf mich – und ist damit verlassen. Dafür muss ich mich entschuldigen. In erster Linie natürlich bei Dieter, was ich persönlich nachholen werde. Aber natürlich will ich mich auch bei Euch allen herzlichst entschuldigen. So etwas darf nicht und wird nicht wieder passieren. Und da ich den armen Dieter Matz jetzt um diese Uhrzeit nicht mehr behelligen will, da er sich seinen Schlaf im Gegensatz zu mir sehr wohl verdient hat, schreibe ich Euch heute meine Eindrücke und Neuigkeiten auf.

Und da war zum Glück längst nicht alles so grau, wie es in den letzten Tagen zu sein schien. Dabei ist es eigentlich nur eine neue Personalie, bei der uns heute Besserung angekündigt wurde. Allerdings sorgt diese für eine kleine Kettenreaktion. Denn es ist Dennis Aogo. Der Linksverteidiger trainierte mit Reha-Trainer Markus Günther wieder am Ball. Auf dem Platz. Und obwohl er das in den letzten Tagen auch immer wieder tat, hatte das Ganze heute einen neuen Anstrich. Wie er uns selbst verriet. „Es sieht gut aus im Moment, ich bin im Soll“, so Aogo. Wann er wieder mit der Mannschaft trainieren würde? „Vielleicht schon nächste Woche“, hatte Trainer Armin Veh kurz vor unserem Gespräch mit Dennis angekündigt. Und Aogo selbst relativierte auch nichts. „Ich hoffe auf meine baldige Rückkehr, will aber auch nichts überstürzen.“ Dennoch, das war die Nachricht: planmäßig wird der Linksverteidiger schon in der kommenden Woche wieder im Mannschaftsbetrieb zurückerwartet.

Soweit so gut. Sogar besser, würde ich behaupten. Denn allein die Aussicht, dass Zé Roberto von der ungeliebten, unfreiwilligen Linksverteidigerposition wieder ins Mittelfeld rutscht, wird der Mannschaft gut tun. Mit dem Brasilianer, das betonte auch Veh heute noch mal ungefragt, steht und fällt das HSV-Spiel. Dass es gerade in Hannover auch seinetwegen fiel, wollte Veh nicht überbewerten. Im Gegenteil, er nahm seinen Oldie sogar ausdrücklich in Schutz. „Zé opfert sich für die Mannschaft auf. Er spielt die Position, obwohl er sie nicht mag, sie nicht optimal für ihn ist. Dass sich dabei Fehler einschleichen werde ich ihm als allerletzten vorwerfen. Er ist in dem Fall das Opfer unserer Situation.“

Recht hat Veh. Zumal Zé die Position auch deshalb spielen muss, weil Marcell Jansen mit seinem gebrochenen kleinen Zeh immer noch ausfällt. Dass die Länge der Pause komisch anmutet, mochte auch Veh nicht leugnen. „Jeder geht mit so einer Verletzung anders um“, so der Trainer, dem deutlich die Unzufriedenheit anzumerken war. Zumal er mit Elia und Westermann (beide grippale Infekte) zwei neue Kranke zu beklagen hat.

Womit auch schnell wieder das Fass der überdurchschnittlich hohen Verletzungsgefahr des ehemaligen Bayernprofis geöffnet ist. Jansen selbst war stets bemüht, seine vielen Verletzungen Zufällen oder Unglücken zuzuschreiben. Allerdings ist kaum zu erklären, weshalb ein Spieler seitdem er Profi ist, jede Saison mindestens acht Wochen verletzt fehlt.

Oder doch? Ist es doch die Überbelastung? Internationaler Wettbewerb, Nationalmannschaft, Pokal und Bundesliga – da kommen schnell eine ganze Mengte Spiele auf sehr kurzem Zeitraum zusammen. Zumal, wenn man die Prioritäten verschiebt. So geschehen bei Dennis Aogo. Allerdings, da bin ich mir 100-prozentig sicher, ist das nicht nur bei ihm so. was ich meine? Ich glaube, dass viele Bundesligaspieler die prestigeträchtigsten Spiele priorisieren. „Ich hatte meinen körperlichen Tiefpunkt schon in der Winterpause 09/10“, hat uns Aogo heute verraten. Die penibel genau archivierten und ständig abgenommenen Blutwerte beim HSV hatten das verraten. Und trotzdem spielte er die Saison durch, war bei den Länderspielen dabei und flog mit zur WM. „Ich bereue dies auch nicht“, sagt Aogo und spricht von einer Erfahrung, „die mir keiner mehr nehmen kann“.

Verständlich. Oder auch nicht. Wohl einfach normal heutzutage. Bei den Bayern und ihren Holländern war das nicht anders. Und trotzdem muss hier die Frage gestellt werden, worauf sich vereine als Arbeitgeber noch berufen dürfen. Die Crux liegt doch auf der Hand: Je höher die Ziele des einzelnen Vereins, desto höher die Ansprüche an die Spieler. Verpflichtet der Klub nun seine Wunschspieler, sind dies in den meisten Fällen Nationalspieler verschiedener Nationalitäten. die wiederum abgestellt werden müssen. Ergo: Vereine mit mehr Nationalspielern haben das deutlich höhere Risiko. Gerade dann, wenn sie so (ich formuliere dies bewusst diplomatisch) ehrgeizig sind wie Dennis Aogo. Denn dieser hatte nach der WM nicht nur einen zu spät erkannten Leistenbruch sondern auch eine Schambeinentzündung, die unter anderen Umständen frühzeitiger hätte erkannt werden können.

Aber bleiben wir dabei, dass wir uns auf die Rückkehr Aogos freuen. Ebenso wie auf die von Frank Rost. Denn der Torwart zeigte heute im Training gleich mal, worauf er Wert legt: Disziplin. So kommentierte er schlampige Pässe seiner Kollegen mit einer kurzen Schelte. Besonders hart traf es Paolo Guerrero. Der Peruaner, der in den letzten Wochen immer wieder negativ aufgefallen und dafür auch öffentlich eine Menge Kritik einstecken musste, musste sich folgenden Satz anhören: „Paolo, du weißt, dass alle auf Dich gucken und lässt dich trotzdem zu immer neuen Dummheiten hinreißen. Da darfst du dich auch nicht wundern…“ Wenn einer von Euch heute dabei war und diesen Dialog mitbekommen hat, wird er/sie mir zustimmen: Guerrero hat Rost angeschaut, als wäre der sein Vater und er wolle ihm Besserung geloben.

Was ich damit sagen will ist weniger, dass ich an Guerreros Rundum-Gesundung glaube. Nein, das eher nicht. Ich bin aber davon überzeugt, dass Frank Rost der Mannschaft ein anderes Gesicht verpassen wird. Mit ihm wird es laut. Rost würde sich in einem Spiel wie dem in Dortmund seine Mannschaftskameraden auf dem Platz und in der Halbzeit schon zur Brust nehmen. Und seine Kollegen scheinen auf ihn zu hören, was Rost zu einer Respektperson macht, wie sie sonst leider in dieser Mannschaft nicht zu finden ist. Denn selbst ein Ruud van Nistelrooy ist nicht (mehr) der Typ, der alarmiert. Leider.

Dafür kümmert sich der Niederländer um seinen potenziellen Nachwuchs. Und das macht er großartig, wie im Falle Heung Min Son. Dem Südkoreaner war „Van the man“ von Saisonbeginn an die Bezugsperson, das Vorbild. „Ruud spricht sehr viel mit mir. Er sagt mir immer wieder, was ich besser machen kann und wie ich im Spiel laufen muss. Und er sagt mir, dass ich mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben soll.“

Worte, die Wirkung zeigen. Denn Son ist auch nach seinem Doppelpack in Hannover bescheiden geblieben. „Natürlich habe ich mich über meine Treffer gefreut. Doch wir haben beide Spiele nicht gewonnen, jeweils 2:3 verloren. Das hat mich sehr traurig gemacht.“ Schon deshalb sei er nicht zufrieden. Was im Training zu erkennen ist und was Son selbst auch sagt: „Nach den Spielen überlege ich sehr viel, was ich noch besser machen kann.“ Und da er mit seinen 18 Jahren noch sehr jung ist dürfte das noch eine Menge sein. Obgleich Son sich trotz seiner Jugend schon jetzt als erstaunlich vorbildlicher Profi beweist.

So, ich hoffe, ich konnte den Nachtschwärmern unter Euch noch ein paar Infos mitteilen und hoffe, den anderen von Euch am Morgen mit einigen kleinen Infos aushelfen zu können. Vor allem aber hoffe ich, das betone ich noch mal, dass Ihr nicht an Dieters Hundertprozentigkeit zweifelt. Denn er ist heute definitiv schuldlos an dem (deutlich zu) späten Blog.

In diesem Sinne: Nur der HSV!

0.28 Uhr

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