Tagesarchiv für den 18. Oktober 2010

Ruud van Nistelrooy und seine HSV-Ansichten

18. Oktober 2010

Folgende Mail hat mich heute erreicht. Ich darf sie Euch zeigen:

Hallo Dieter,

Nachtrag zum Spiel unseres HSV.

Ich bin immer noch sehr erstaunt über die Entscheidung von Dr. Felix Brych, dass Tor von Ruud van Nistelrooy nicht anzuerkennen. Wenn van Nistelrooy in dieser Szene ein Abwehrspieler gewesen wäre und sein Mainzer Gegenspieler Stürmer, wäre die Entscheidung im Umkehrschluss hundertprozentig nicht Strafstoß.
Allein durch diese Tatsache war die Entscheidung vom Schiedsrichter: Falsch!!

Weiterhin wurde klar, dass es die Abwehrspieler im Zweikampfverhalten wesentlich leichter bei Schiris haben, als ein Stürmer.

Bis dann und einen lieben Gruß, Bernd

Hinter „Bernd“ verbirgt sich tatsächlich ein Bernd, nämlich Bernd Fürstenberg. Er war einst einer der besten Haburger Schiedsrichter, war DFB-Schiedsrichter, pfiff in der Zweiten Liga und war in der Ersten Liga an der Linie. Ich habe ihn früher auch trainiert, beim Wandsbeker FC, denn „Fürste“ war auch zu seiner Zeit einer der besten und gefürchtesten Mittelstürmer der Stadt. Nach seiner aktiven Karriere wurde er Schiri, gefördert, da schließt sich der Kreis, von Hamburgs Vorzeige-Schiedsrichter Klaus Ohmsen, der am Sonnabend gerade 75 Jahre jung geworden ist.

Ich gebe ja zu, ich habe dieses vermeintliche Tor von van Nistelrooy gegen Mainz auch so gesehen, dass man es abpfeifen konnte – aber ich stehe damit immer noch ziemlich allein. Und wie es „RvN“ selbst sieht, das erzählt er hier: „Was soll ich dazu sagen? Es zählt nicht, man kann es nicht mehr ändern, aber es war natürlich ein Tor. So etwas wird nicht oft abgepfiffen. Das war eine falsche Entscheidung, aber zum Glück gewinnen wir dieses Spiel noch. Sonst wäre es wirklich ärgerlich gewesen. Und ich kann es durch unseren Sieg auch schneller vergessen. Aber es wäre natürlich auch schön gewesen, wenn ich mal wieder ein Tor geschossen hätte.“

Mit Gegenspieler Caligiuri hat „Rudi“ später nicht mehr darüber gesprochen, mit dem Schiedsrichter auch nicht: „Wenn das Spiel zu Ende ist, dann rede ich nicht mehr darüber. Dann ist wirklich Schluss und vorbei. Aber noch einmal zu dieser Situation: Mein Gegenspieler stand mit dem Rücken zu mir, ich hatte die bessere Position. Er guckt nach dem Ball, er wusste gar nicht, wo ich war. Wenn so etwas abgepfiffen wird, dann . . .“ Ruud van Nistelrooy hält inne und schweigt. Er hat es fast schon abgehakt, sein Fast-Tor.

Aber es gab ja nicht nur diese eine Szene, über die diskutiert werden kann. In Halbzeit eins lief „RvN“ einmal allein auf Torwart Wetklo zu, versuchte einen Heber, der wie ein „Rohrkrepierer“ vom Mainzer Keeper aufgenommen wurde. Was war da los, Herr van Nistelrooy? Der Niederländer antwortet: „Da war alles los. An dieser Szene war alles falsch. Wenn ich einfach nur draufgehalten hätte, wäre das besser gewesen, aber wenn so ein Heber drin ist, dann ist das natürlich super. So aber war es doppelt so schlimm.“ Dann fügt „Van the man“ noch an: „Im Training versuche ich das auch ganz oft, da klappt es auch öfter, aber am Sonnabend war wohl nicht der richtige Moment dafür.“ Und dann kann er doch schon wieder von Herzen lachen. Wie schön. Und wie gut, dass alle diese Szenen nicht bestraft wurden . . .

Ihr merkt an diesen Schilderungen: Ruud war da. Und wenn er da ist, dann ist das für mich immer ein besonderer Tag, denn der Torjäger hat stets viel Gutes und Interessantes zu sagen. Freut Euch darauf, es ist wie in seinem Spiel: Alles hat Hand und Fuß, was er sagt.
Am Freitag geht es bekanntlich gegen den FC Bayern. Und bei diesem Verein wäre „RvN“ einst fast einmal gelandet. Es war unmittelbar vor seinem Wechsel zu Real Madrid. Damals, 2006, war er sich mit Uli Hoeneß schon einig. Der HSV-Profi gibt zu: „Eigentlich war es schon zu spät, noch zu einem anderen Klub zu gehen, eigentlich war alles schon perfekt mit den Bayern, aber dann kam Real. Und ich habe persönlich bei Uli Hoeneß angerufen und mich dafür entschuldigt, dass ich nicht nach München gehe, das war schwierig für mich, es tat mir schon leid.“

Van Nistelrooy lobt aber seinen Fast-Arbeitgeber: „Bayern ist eine Institution, das sind immer ganz besondere Spiele für mich. Der Klub ist einer von acht, neun Vereinen in Europa, die etwas Besonderes sind. Wie Milan, Inter, Barcelona, Arsenal, Chelsea zum Beispiel. Das sind die Klassiker in Europa.“ Dreieinhalb Jahre in Madrid zu spielen, das war eine Super-Erfahrung für ihn. Er sagt: „Das war eine Erfahrung fürs Leben, es war eine fantastische Zeit, mit vielen großen Erfolgen.“

Und dann klingt es irgendwie kurios, wenn ein Weltstar davon spricht, noch Vorbilder zu haben. Er hat sie aber. Und die stehen sogar mit ihm in einer Mannschaft: Frank Rost (37) und Ze Roberto (36): „Wie gut beide immer noch sind, wie fit beide noch sind, das ist schon etwas Besonderes, das kann man sich nur zum Vorbild nehmen.“ Ihre Verträge laufen aus, der Vertrag von „RvN“ auch. Er hat einst gesagt, dass er sich gegen Ende der Saison entscheiden will, ob er beim HSV bleibt, ob er seine Karriere überhaupt noch fortsetzen will. Heute hat er zu diesem Thema gesagt: „Im Februar oder März sollte das entschieden sein. Dann muss man zusammen eine Entscheidung treffen, das wäre schon gut für alle.“ Und? Wie stehen die Chancen? Er sagt: „Im Moment fühle ich mich gut, keine Frage, ich habe alle Spiele gemacht. Wichtig ist, wie ich mich im nächsten Jahr fühle, und ich möchte erst nach einer Dreiviertel-Saison sehen, wie ich dann denke, ich möchte erst einmal sechs Monate abwarten und dann alles für mich bewerten.“

Es hängt auch mit Sicherheit davon ab, wohin der Weg des HSV gehen wird. Im Moment ist er zufrieden damit, wie es läuft: „Wir müssen nur so weitermachen wie zuletzt. Wir sind in einer Position, die uns alle Möglichkeiten nach oben lässt. Jetzt werden die nächsten Spiele zeigen, ob wir den Weg nach oben weiter beschreiten können. Aber mit 14 Punkten nach acht Spielen, das hätte ich vor dem ersten Spiel unterschrieben und gesagt: Okay, dann mach mal. Wir haben alles selbst in der Hand.“

Dass er inzwischen ein Herz für den HSV hat, daraus macht er keinen Hehl: „Der HSV hat mir die Chance gegeben, dass ich hier spielen kann, das wird bei meiner Entscheidung sicher auch eine große Rolle spielen.“ Vor fast einem Jahr lag van Nistelrooy gesundheitlich am Boden, war lange Zeit verletzt – und der HSV griff trotzdem zu.

Ihr werdet Euch erinnern: Beim Trainingslager in Längenfeld (Österreich) hat „RvN“ seinen neuen Trainer in die Nähe von Sir Alex Ferguson, dem Coach von Manchester United gestellt. In der vergangenen Woche lobte Ze Roberto Armin Veh: „Er ist ein Weltklasse-Trainer.“ Wie sieht Ruud van Nistelrooy heute, nach einigen Monaten weiter, seinen Trainer? „Ich denke noch immer dasselbe über ihn. Es ist eher noch stärker geworden. Er macht ein sehr gutes Training, und er geht persönlich auch großartig mit allen Spielern um. Das ist super. Das ist auch super, mit einem solchen Trainer zu arbeiten. Und mit seinem Trainer-Team. Es passt alles, es klappt gut.“ So spricht ein Profi, der schon vieles, fast schon alles im Fußball erlebt hat. Sollte vielleicht den einen oder anderen HSV-Fan, der immer noch ein Veh-Skeptiker ist, zum Umdenken verhelfen.

In Mainz musste Veh ja die Mannschaft umstellen, auch wieder ein neues System (mit Raute) installieren. Besser für van Nistelrooy? Weil er jetzt doch Hilfe neben sich hat, durch Paolo Guerrero. Der Niederländer sagt: „Alles hat Vor- und Nachteile. Ein Vorteil der Raute ist sicher die Hilfe, aber ich habe in Mainz auch die Flügel vermisst, war in einigen Szene ein wenig desorientiert, habe mich gefragt, wo ich jetzt mit dem Ball hin muss. Das war schwierig. Normal habe ich immer eine Anspielstation auf dem Flügel, das hat diesmal ein wenig gefehlt. Gut wäre es, wenn man beides haben könnte. Starke Mitte, und gute Flügel. Wenn zum Beispiel Ze Roberto über links mit nach vorne stürmen würde. Wenn wir das kombinieren könnten, mal durch die Mitte, mal über die Außen, dann können wir noch besser und noch gefährlicher spielen.“

Dann fügt „RvN“ aber noch hinzu: „Im Moment läuft das schon gut. Und es ist auch mit Paolo da vorne gut, das klappt einfach zwischen uns. Zumal es dann ja auch einen Zehner hinter uns gibt. Der Zehner kann Pässe geben, dann kann ich in die Tiefe gehen, dann stehe ich nicht immer mit dem Rücken zu gegnerischen Tor, sondern sehe das Tor vor mir. Das ist ein großer Vorteil.“

Wobei „RvN“ eben den Zehner angesprochen hat. Den Zehner gab am Sonnabend Piotr Trochowski. Auch für ihn hat der Niederländer ein großes Lob parat.
Ich bitte nun alle darauf zu achten, dass Ruud van Nistelrooy das sagt – und nicht ich:
„Wir wissen, was Piotr kann. Er sagt selbst, dass die Zehn seine Position ist, das kann er jetzt zeigen, das hat er auch schon in Mainz gezeigt, und ich hoffe für ihn, dass er jetzt auch richtig Gas gibt und so konstant spielt, dass er niemals mehr raus geht aus der Mannschaft. Das hoffe ich für ihn. Ich hoffe, dass er sich dort wohl fühlt, dass er sich beweisen kann, dass er mit seinen großen Qualitäten auch der Mannschaft helfen kann.” Da fügt van Nistelrooy noch an: “Er war bislang mal links, mal rechts, dann hat er mal nicht gespielt, aber mit seinen großen Qualitäten gehört er eigentlich immer in die Mannschaft.“

Puuh. Das muss ich erst einmal sacken lassen.

Komme ich zum heutigen Training. Acht Feldspieler der Stammformation trainierten heute mit Leistungsdiagnostiker Manfred Düring, der Rest unter der Leitung von Michael Oenning. Zum Rest gehörten auch Collin Benjamin und Guy Demel, die sich zuletzt ein Spiel geteilt hatten. Im Stamm waren die anderen Mainz-Spieler, es fehlte heute nur Ze Roberto, der etwas an den Adduktoren haben, morgen aber schon wieder mitmischen soll. Bei der „Reservisten“ mischte erstmalig auch Mladen Petric wieder mit, und auch erstmalig nach seinem Kreuzbandriss Tunay Torun. Es geht bergauf. Nur Eljero Elia, David Jarolim und Dennis Diekmeier fehlten.

Der Stamm trainierte eine halbe Stunde ohne Ball, dann ging es rein in den Kraftraum. Bei den Reservisten war auch Änis Ben-Hatira wieder mit von der Partie (finde ich persönlich sehr gut!), und er sorgte prompt für einen kleinen Aufreger, als er gegen Heung Min Son zu rustikal zur Sache ging. Der Südkoreaner, gerade erst von einem Mittelfußbruch genesen, erhielt einen Tritt auf die nun verheilte Stelle und ging für einige Sekunden vor Schmerzen zu Boden – konnte dann aber weitermachen.

So, zwei Dinge noch am Rande: Immer werde ich noch gefragt, ob man als „Matz-abber“ am 5. November in die Raute kommen „darf“? Natürlich. Alle sind herzlich willkommen, mitzubringen ist nur ein wenig gute Laune. Es sind, das kann ich verraten, auch bislang wieder drei Star-Gäste geladen, die auch schon zugesagt haben. Lasst Euch überraschen. Vielleicht verrate ich in der nächsten Woche schon mal mehr, abwarten.

Und noch eines: Es gibt immer wieder Ungeduldige, die mich anherrschen: „Nun gebe mich endlich frei!“ Und es kommt noch oft der Zusatz: „Ich bin kein Architekt, heiße auch nicht Taut, Haering oder Salvisberg . . .“ Ist ja alles schön und gut, aber Ihr sollte wissen: Ich schreibe Euch unter Eure Mail-Adresse zurück. Und wenn meine Mail wieder zurückkommt, dann ist eben nichts mit Freigabe.

20.02 Uhr