Tagesarchiv für den 12. Oktober 2010

Guerrero: “Wir haben mehr Qualität”

12. Oktober 2010

Der Optimismus kehrt zurück. An eine Niederlage in Mainz glaubt, sieht man mal auf die heutigen Tipps, keiner von Euch. Dabei ist die Siegesserie der 05er doch beeindruckend: 2:0 gegen Stuttgart, 4:3 in Wolfsburg, 2:1 gegen Kaiserslautern, 2:0 bei Werder, 2:0 gegen Köln, 2:1 in München gegen die Bayern, 4:2 gegen zuletzt wieder erstarkte Hoffenheimer. Da muss man als HSV-Fans schon sehr optimistisch sein, um an einen Hamburger Sieg am Bruchweg zu glauben. Vielleicht aber hat die Länderspielpause den „Überfliegern vom Bruchweg“ nicht so gut getan? Und vielleicht ist die Tuchel-Truppe zu Hause doch nicht ganz so stark wie auswärts? Obwohl, wenn ich mir selbst einmal die Antwort geben darf, ich habe keinen Unterschied zwischen Mainz daheim und Mainz in der Ferne ausgemacht. Zu Hause und auswärts spielen sie ihr Spiel, und dieses ist geprägt von Tempo, Unbekümmertheit, Witz, Ideen und einer gehörigen Portion Frechheit. Attribute, die das Spiel des HSV zuletzt nicht gekennzeichnet haben. Aber vielleicht triumphiert gerade deshalb am Sonnabend die „hanseatische Coolness“. Am 16. Oktober um 17.20 Uhr kennen wir alle die Antwort.

„Wir sind besser, wir haben mehr Qualität in der Mannschaft. Obwohl Mainz auch eine starke Mannschaft hat. Wenn wir aber ganz konzentriert spielen, wenn wir unser Spiel machen, dann liegt es an uns, ob wir beim Tabellenführer gewinnen können. Für mich gibt es keinen Favoriten in diesem Spiel“, sagt Paolo Guerrero und fügt an: „Wenn wir gegen Mainz gewinnen, dann ist das vielleicht der Start zu einer Siegesserie. Zum Glück sind wir nicht so weit weg von der Spitze, wir können noch alles schaffen, es liegen noch so viele Spiele vor uns.“

Der Peruaner will dabei helfen, dass es wieder bergauf geht. Und sagt selbstbewusst: „Ich bin zu 100 Prozent wieder dabei, kann normal trainieren, habe keine Schmerzen mehr. Ich bin auf jeden Fall Sonnabend gegen Mainz dabei. Ich habe während der Verletzungspause hart gearbeitet, es hat sich gelohnt, ich habe nicht viel verloren. Insgesamt aber, das weiß ich auch, muss ich in Sachen Form noch zulegen, ich kann besser spielen als ich das zuletzt gezeigt habe.“

Gegen den Tabellenführer wird Paolo Guerrero wohl wieder als Stürmer auflaufen, wenn ihn Trainer Armin Veh von Beginn an bringt. „Ob Zehner oder Spitze, das ist mir egal. Ich spiele dort, wo mich der Trainer hinstellt. Normal aber bin ich Stürmer, ich will Tore schießen. Und das ist vorne einfacher, als wenn ich dahinter spiele – ich bekomme als Spitze mehr Chancen“, so Guerrero. Und er fügt hinzu: „Ich spiele gerne neben Ruud, damit er nicht ganz allein dort ist, zu zweit sind wir gefährlicher als nur mit einer Spitze, ich habe mich neben ihm immer gut gefühlt.“ Einige Male wohl aber auch ein wenig allein – zu zweit. Denn Guerrero sagt auch: „Spielen wir mit zwei Stürmern, dann ist es aber erforderlich, dass die Mittelfeldspieler und auch die Außen mehr kreieren, mehr mit uns spielen, mehr den Kontakt zu uns suchen, noch kompakter spielen. Ansonsten hängen wir zwei Spitzen in der Luft.“

Eine Warnung (oder ein Hinweis) zur rechten Zeit? Guerrero denkt schon weiter, hat klare Vorstellung von seinem Spiel, vom Spiel des HSV. Irgendwie wirkt der Stürmer gereifter, stiller, in sich gekehrter – oder auch geläuterter? Zum Thema Flaschenwurf will er auf jeden Fall nichts mehr sagen, und er will es nicht nur, sagt auch nichts mehr dazu: „Ich bin jetzt ganz konzentriert auf Fußball.“ Und Ende. Kein Wort mehr über die Verurteilung, kein Blick zurück auf den Vorfall. Paolo Guerrero hat gelernt. Und das ist gut so.

Zum aktuellen Fußball von heute Vormittag: Sechs gegen sechs, so wurde am Ende des Trainings auch heute wieder gespielt. „Ihr sechs spielt fünf gegen zwei“ – unter diesem Motto stand gestern mein Trainingsbericht. Es lag wohl daran, dass man mir einen gebrauchten Tag angedreht hatte. Da spielten für mich „fünf gegen fünf“ – Feldspieler. So könnte ich mich nun aus diesem Dilemma heraus winden, aber es waren tatsächlich sechs gegen sechs – die Torhüter mit eingerechnet. Heute also sechs gegen sechs, ein Team mit Drobny, Sowah, Demel, Guerrero, Benjamin und Trochowski, die andere „Sechs“ mit Rost, Besic, Rincon, Ze Roberto, Jansen und Tesche. Und, um diesmal keine „Stimmungsmache“ gegen Frank Rost zu betreiben: Die Nummer eins des HSV blieb heute ohne Gegentor, seine „Mannschaft“ gewann 3:0, vielleicht auch 4:0, das wusste keiner so recht, denn ob der Heber von Ze Roberto, der den Weg ins Netz gefunden hatte, noch zählte, oder ob dieses Tor aus dem Abseits heraus erzielt wurde, das war nicht zu klären. Fakt ist aber: Ze Roberto hatte für das 1:0 und 2:0 gesorgt, Marcell Jansen für das 3:0.

Auffällig bei diesem Spiel: Rost „faltete“ in einer Szene seine Vordermänner zusammen, weil es fast ein Gegentor gegeben hätte, auf der Gegenseite kassierte Jaroslav Drobny drei bis vier Dinger, blieb aber absolut ruhig. Ob das ein Vor- oder Nachteil ist, dürft Ihr für Euch entscheiden, mir war allerdings immer ein Schlussmann (hinter mir) lieber, der erstens Anweisungen gab, der zweitens auch Weckrufe von sich gab. So war man doch ein bisschen konzentrierter. Diese Feststellung soll aber weder Frank Rost in die Karten spielen, noch soll sie Jaroslav Drobny (weiter) ins Hintertreffen bringen. Es soll, um Klartext zu sprechen, keine weitere „Stimmungsmache“ sein.

Weiter auffällig, obwohl ich es nicht mehr schreiben will: Nationalspieler Piotr T., der zum Verlierer-Team gehörte, imponierte einmal mehr im Training, die Kiebitze lobte seine Ballsicherheit, seine Gewandtheit und seine Tricks. Und ein (!) Kiebitz sagte mir dabei: „Als Piotr gegen Kaiserslautern eingewechselt wurde, da spielte er für meine Begriffe recht gut.“ Recht gut? So wie im Training? Ich habe nichts gesagt . . .
Gut in meinen Augen heute auch wieder Paolo Guerrero, und ich habe, auch wenn er, so glaube ich, von Rost wegen eines Fehlers „zurechtgestutzt“ wurde (muss aber auch nicht er gewesen sein), auch Muhamed Besic recht gut gesehen. Wieder einmal. Der junge Mann kann ja auch „recht gut“ schießen. Wobei er, so wurde mir noch geflüstert, kürzlich ja auch ein Tor mit der Hacke (gegen Rost!) gemacht haben soll. Das 18-jährige Talent wird also frecher und selbstbewusster – und auch besser.

Zur Verletzten-Situation: Jonathan Pitroipa und Eric-Maxim Choupo-Moting haben heute im Kraftraum trainiert, David Jarolim und Mladen Petric versuchten sich auf dem Laufband, Eljero Elia brach das Training nach nur einer Minute ab und setzte sich in der Kabien auf das Fahrrad, sein Ausfall für das Mainz-Spiel dürfte damit beschlossene Sache sein. Heung Min Son und Tunay Torun waren eine halbe Stunde auf dem Platz, trainierten dort mit Reha-Coach Markus Günther, gingen dann in den Kraftraum.

Ich mag mich täuschen, aber ich glaube nicht daran, dass zum Beispiel Jarolim (Oberschenkel) und Petric (Wade) bis Sonnabend wieder fit werden. Auch bei Pitroipa (Muskelverhärtung) könnte es eng werden.

Noch einmal intern: Am 5. November sind in der Raute alle „Matz-abber“ willkommen. Um auch das noch einmal aufzuklären: Zu Beginn des Blogs, als es so um die zwölf „Matz-abber“ zum Training schafften, schrieb ein User (es wäre sicher nachzulesen) von der „Elite“. Ich nahm den Ball auf, nicht ahnend, dass sich dieser Begriff verselbständigen würde. Ich scherzte mit „Elite“ – und hatte etwas „Wunderbares“ vollbracht, nämlich dass diese „Elite“ von diesem Zeitpunkt an ernsthaft weitergegeben wurde. Es tut mir leid, ich trage die Schuld daran – aber ich möchte auch allen sagen: Es gibt sie nicht, die so genannte Elite. Und allen, die Angst davor haben (auch solche User soll es geben), dass ich mich bei einem „Matz-ab“-Treffen feiern lasse, muss ich enttäuschen. Ich bin beim ersten Treffen nicht gefeiert worden, auch kürzlich im „Rodzio“ nicht, und ich werde mich auch am 5. November nicht feiern lassen. Ihr sollt Euch feiern (und kennen lernen), das ist der Sinn der Übung.

18.41 Uhr (ich wünsche allen ein schönes EM-Qualifikationsspiel)