Tagesarchiv für den 11. Oktober 2010

Aogo in Berlin operiert

11. Oktober 2010

Acht Tore gegen Frank Rost. Geschehen heute im Nachmittags-Training. Und dennoch steht fest: Einen Torwartwechsel wird es auch am Sonnabend beim Spiel in Mainz nicht geben. Trainer Armin Veh hatte in der vergangenen Woche lediglich daran erinnern wollen, dass er vor dem Bundesliga-Start gesagt hatte, dass Jaroslav Drobny auf jeden Fall auch seine Spiele bekommen wird – obwohl Frank Rost als Nummer eins in die Saison geht. „Ich habe lediglich gesagt, dass Drobny gut trainiert, wie das denn aufgekommen ist, dass ich den Torwart wechseln werde, das weiß ich gar nicht. Sicher befinden sich beide Torhüter auf Augenhöhe, sicher wird Drobny auch noch Spiele machen, aber nicht jetzt.“ Veh weiter: „Ich muss mir bald überlegen, was ich sage, dass man nicht immer neue Themen aufmacht . . .“

Kurz, bevor es mit dieser Nummer weiter geht, zum Training zurück: Aufwärmen, Handball, nach einer halben Stunde dann ein Spiel, 50 Minuten fünf gegen fünf: Drobny, Demel, Sowah, Guerrero, Trochowski und Benjamin, auf der Gegenseite Rost, Rincon, Ze Roberto, Besic, Jansen und Tesche. Besic brachte sein Team 2:0 in Führung, dann kam der groß aufgelegte Paolo Guerrero zu seinem ersten Tor. Robert Tesche und Ze Roberto erhöhten auf 4:1, Collin Benjamin, Guerrero und noch einmal Benjamin sorgten für das 4:4. 5:4 Benjamin, 6:4 Guerrero, 7:4 Guererro, 8:4 Guerrero mit einem listigen und sehenswerten Heber von der „Mittellinie“ – da klatschte sogar Armin Veh. Ende.

Überragend wie gesagt, Paolo Guerrero, der sich nach dieser Leistung für Sonnabend in Mainz quasi als zweite Spitze neben Ruud van Nistelrooy anbietet. Stark auch Benjamin, beeindruckend Tomas Rincon. Der kleine Kämpfer aus Venezuela mischte so mit, als wäre er nicht gerade einmal um die Welt geflogen. Vorbildlich, wirklich vorbildlich und großartig. Und: Rincon kam freiwillig nach Hamburg zurück. Eigentlich sollte er morgen noch ein Test-Länderspiel in Mexiko bestreiten, aber Veh hatte seinem Schützling nahe gelegt, auf diesen (überflüssigen) Kick freiwillig zu verzichten. Das geschah, obwohl der Coach es vorher nicht wusste, sondern eher überrascht war, dass der Abwehrspieler auf einem Male beim Training war. „Dieses Freundschaftsspiel in Mexiko ist doch nicht wichtig, auch wenn ich Verständnis für jeden Spieler habe, wenn sie für ihr Land spielen wollen, das ist ihre Heimat, da geht es um große Emotionen. Wenn Tomas aber hier vorankommen will, dann sollte er auf Mexiko verzichten – und er hat es ja auch getan.“

Ob Tomas Rincon aber trotz seiner vorbildlichen Tat in Mainz auch spielen wird, ist offen. Es deutet auch viel auf den Einsatz (und die Rückkehr ins Team) von Guy Demel hin. Gegen den noch unbesiegten Tabellenführer setzt Veh auf seine Mannschaft: „Wir sollten nicht auf Mainz schauen, sondern unser Spiel durchkriegen. Ich will dort gewinnen.“

Dass der Mainzer Lewis Holtby am Wochenende mutmaßte, dass seine Mannschaft eventuell niemals zu besiegen sein wird, kommentierte Veh mit einem Lächeln – und folgenden Sätzen: „Ist das süß. Es passt zu Mainz, die freuen sich alle unheimlich, und so viel Freude hat man ja sonst gar nicht im Profi-Fußball. Das gefällt mir sogar, dass die sich freuen, nur am Sonnabend nicht. Da möchte ich, dass wir uns freuen.“ Armin Veh weiter: „Unschlagbar? Ja, so tritt man auf wenn man Spaß hat. Aber nur mit Spaß geht es eben auch nicht, auf Dauer ist nicht immer nur Spaß. Wenn man dadurch Erfolge garantieren könnte, dann würde wir alle nur Spaß machen, aber so etwas gibt es eben nicht. In der Birne, im Kopf, das Mentale, das ist wichtig.“

Und da wirkte der HSV zuletzt ein wenig angeschlagen. Vielleicht helfen ja die Länderspiele dem einen oder anderen Hamburger noch auf die Beine. Und wenn nicht, dann sollten alle auf jeden Fall heil und gesund nach Hamburg zurückkehren. Denn personell geht der HSV schon wieder leicht am Stock:

Die aktuelle Liste der Verletzten oder Angeschlagenen: Mladen Petric (Wade) lief heute auf dem Laufband, die Schmerzen sind noch immer (leicht) spürbar. Eljero Elia (Ferse) wurde behandelt und fuhr Fahrrad. Eric-Maxim Choupo-Moting hat nach seinem Hitzeschlag in Kamerun eine Tag Ruhepause und soll, so ist es vorgesehen, Mitte der Woche wieder ins Training einsteigen. Jonathan Pitroipa hat eine Muskelverhärtung im rechten Oberschenkel und lief heute durch den Volkspark. David Jarolim, der mit Frau (ich weiß, es ist seine Freundin) und Töchterchen aus Prag nach Hamburg zurückkehrte, war am Nachmittag noch einmal zur Kernspintomografie und ist noch guter Hoffnung, dass er nach seinem Muskelfaserriss im Oberschenkel (erlitten im Kaiserslautern-Spiel) doch in Mainz spielen kann. Bliebe noch Dennis Aogo. Der Verteidiger wurde heute in Berlin operiert, ihm wurde Gewebe am Eingang des Leistenkanals entfernt, auch die Schambeinentzündung wurde bei diesem Eingriff behandelt, alles ist gut verlaufen, am Mittwoch kehrt Aogo nach Hamburg zurück.

„Ich hätte lieber alle Spieler gesund im Training, hätte dann die Qual der Wahl, aber es ist so wie es ist. Vielleicht sollte ich es bei dem einen oder anderen Spieler mal mit Handauflegen versuchten“, flüchtete sich Armin Veh in eine Art Galgenhumor. Und: „Jetzt muss man am Ende der Woche sehen, wie man dieses Puzzle zusammensetzen kann.“

Morgen um 10 Uhr Training an der Arena.

19.56 Uhr