Tagesarchiv für den 10. Oktober 2010

Ist Mainz unschlagbar?

10. Oktober 2010

Ruhe. Ruhe beim HSV. An diesem Wochenende wurde nicht trainiert, aber die verletzten Spieler wie Marcell Jansen und Dennis Aogo sollen sich im Volkspark bewegt haben. Nicht bewegt hat sich hingegen Eric-Maxim Choupo-Moting, der eigentlich für Kamerun stürmen sollte, aber wegen eines Hitzschlags ausfiel. Da in Hamburg und beim HSV keiner entlassen und keiner gekauft wurde, herrschte an diesem Wochenende tatsächlich Ruhe. Etwas Leben wurde dagegen in Mainz gezeigt, beim kommenden HSV-Gegner. Da gab der neue Mittelfeldstar Lewis Holtby der Frankfurter Allgemeinen ein Interview, in dem der Sohn eines Engländers und einer Deutschen sagte: „Wenn wir auf unserem Fitness-Stand bleiben und weiterhin unseren aggressive Mainz-Stil spielen, dann ist alles möglich. Dann kann uns vielleicht keiner schlagen.“ Der HSV wird es vernehmen und sich eine passende Antwort ausdenken. Hoffentlich. Holtby ist, das möchte ich ganz kurz erwähnen, ein Fan von Felix Magath, der den 20-Jährigen einst bei Schalke trainierte. Als Holtby in seinem ersten Bundesliga-Spiel einen besser vor dem Tor des Gegners postierten Mitspieler übersah (und kein Tor erzielte), „faltete“ ihn Magath danach mächtig zusammen. Der jetzige Mainzer war aber nicht etwa beleidigt, er zog vielmehr seine Lehren daraus und sagt heute: „Das war wichtig für meine Karriere. Danach war ich zwei, drei Monate gehemmt, nicht frei im Kopf, aber dann wir ich dem Trainer dankbar für diesen Aufwecker.“ Eine profihafte Einstellung, so geht es eben auch. Am Sonnabend können sich alle HSV-Fans ein Bild davon machen, wie viel Holtby von Magath gelernt hat. Und von Thomas Tuchel natürlich.

Von Magath hat sicher auch Heiko Westermann einiges lernen können. Ich gehe jedenfalls davon aus. Um noch einmal auf das Länderspiel gegen die Türkei zurück zu kommen: Westermann hat ja bei allen, Fernsehen, Radio und Zeitungen (und wohl auch Fans) eine schlechtere Benotung bekommen. Ich kann das sehr wohl nachvollziehen, sage aber auch, dass der Neu-Hamburger oft genug auf der von ihm ungeliebten linken Seite allein gelassen worden ist. Der vor Westermann spielende Lukas Podolski hat in seinem Defensivspiel ja ungeheure Defizite. Ich bewundere Joachim Löw, der sich das so lange (schon) mit ansieht. Auch in Berlin. Wobei ich eines zu Westermann sagen muss: Der HSV-Kapitän hat, so nenne ich es, das „Van-Buyten-Syndrom“. Der ehemalige HSV-Kapitän und jetzige Bayern-Profi hebt bei jeder Gelegenheit, wenn etwas in seinem Spiel daneben geht, theatralisch die Arme um so auch ja jedem Zuschauer zu signalisieren: „Seht mal, der ist zu dumm, um auf mein Spiel einzugehen.“ Oder: „Seht mal, was der für Fehler macht . . .“ Westermann hat es im Spiel gegen die Türken auch mehrfach (in Richtung Podolski) gemacht, und ich hoffe jetzt nur, dass das eine Ausnahme bleibt, denn bei Mannschaftskollegen kommt so ein Verhalten meistens gar nicht so gut an. Und in Hamburg gibt es mit Joris Mathijsen ja auch schon einen Spieler, der auch gerne mal die Hände hebt . . .

Kurz möchte ich auch noch einmal auf die „Uwe-Seeler-Schelte“ eingehen. Ich bin schon enttäuscht, wie einige HSV-Fans (!) mit dem großen Idol Uwe Seeler umgehen. Maßlos enttäuscht sogar. Alles das, was ihm hier in den letzten 48 Stunden an negativen Eigenschaften vorgehalten oder angedichtet wird, ist falsch und einfach nur schade. So geht ein richtiger Fan mit einem so verdienten Mann niemals um, ich wiederhole: niemals. Ich habe Uwe Seeler als einen hervorragenden Menschen kennen gelernt, der ein Vollblut-HSVer ist (was ich ja gar nicht erst betonen muss!), der sich stets Gedanken um seinen HSV macht, der mit dem Klub fiebert und jubelt, und der auch mit dem HSV trauert, wenn es einmal nicht so läuft. Zudem muss ich sagen: Es gab viele Fernseh- und Radio-Sendungen, zudem auch Talkshows, die ich mit der lebenden Legende Seeler machen durfte, Uwe Seeler ist ein echter Medien-Profi und hat so manche Sendung mit seinen Ansichten und Aussagen „gerettet“. Ich ziehe den Hut vor diesem großen Hamburger, dass er hier nun so verurteilt wurde, das tut mir unendlich leid.
Und ich entschuldige mich auch dafür. Dass der „Matz-ab“-Blog auch für solche Verunglimpfungen herhalten muss, ist schon Irrsinn, aber es gibt nichts, was es nicht gibt. Ich stelle mir nur mal vor, ob so etwas auch in München mit Franz Beckenbauer möglich gewesen wäre? Ich behaupte mal nein. Solche Auswüchse, egal was der „Kaiser“ auch immer gesagt haben mag, habe ich aus Bayern noch nie vernommen. Und Hamburg wäre klug beraten, ähnlich zu verfahren – egal was Uwe Seeler auch immer gesagt haben mag. Es wäre hanseatisch, dann darüber hinweg zu sehen, wenn es einem nicht passt.

Apropos Denkmal-Pflege: „Nordbert“ nahm die kürzliche „Füße“-Ehrung im Volkspark zum Anlass, einmal nach einem ehemaligen HSV-Spieler zu fragen, der völlig von der Bildfläche verschwunden
Scheint: Fritz Laband. Ihr erinnert Euch: Vor einigen Tagen wurden verdiente HSV-Spieler mit ihren Fußabdrücken am „Uwe-Seeler-Fuß“ im Nord-Osten geehrt: Felix Magath, Georg Volkert, Horst Hrubesch, Bernd Wehmeyer, Rudi Kargus und posthum Jupp Posipal, der 1954 Weltmeister geworden ist. „Norbert“ fragte nun: „Und was ist mit Fritz Laband? Warum wurde er nicht auch geehrt, Laband wurde doch auch Weltmeister?“

Gute Frage. Vielleicht können wir ja etwas bewegen, indem wir über Fritz Laband sprechen – und es anderen Leuten damit in Erinnerung rufen, dass es auch diesen Weltmeister beim HSV gegeben hat, denn: Laband hat drei WM-Spiele mitgemacht. Er stand beim 4:1-Sieg über die Türkei als Verteidiger im Team von Sepp Herberger, danach pausierte der Hamburger beim „absichtlich“ verlorenen 3:8-Spiel gegen die Ungarn, es folgten ein zweites Mal die Türken als deutscher Gegner, und Fritz Laband war beim 7:2-Sieg wieder als Verteidiger dabei. Und auch in der Zwischenrunde, beim relativ „engen“ 2:0-Erfolg über Jugoslawien, spielte Laband Verteidiger. 90 Minuten muss ich nicht betonen, denn damals durfte ja nicht ausgewechselt werden – aber Laband hatte sich in diesem Spiel schwerer verletzt. Im Halbfinale kam deshalb dann sein HSV-Teamkollege Jupp Posipal in die Mannschaft, Österreich wurde mit 6:1 besiegt – und so blieb es dann auch für das Finale: Laband blieb draußen, Posipal verteidigte gemeinsam mit Werner Kohlmeyer (Kaiserslautern).

Aber Weltmeister war Fritz Laband dann auch – oder trotz allem. Der damalige Empfang in Hamburg, als Laband und Posipal an die Elbe zurückkehrten, war gigantisch. Da wurde auch kein Unterschied gemacht zwischen dem, der im Finale gespielt hat (Posipal), und dem, der in der Vorrunde dabei gewesen war und nur wegen einer Verletzung ausgeschieden war.

Fritz Laband stammte aus Oberschlesien, wurde am 1. November 1925 in Hindenburg geboren. Er spielte beim Reichsbahn SV Hindenburg, für Hindenburg 09 und 1943 für den SC Preußen Zaborze. Als Heimatvertriebener kam er später nach Wismar, wo er für ZSG Anker spielte. 1950 wurde er vom HSV verpflichtet, für den er bis 1956 insgesamt 143 Spiele absolvierte. Danach spielte er noch ein Jahr für Werder Bremen. Später noch für Grün-Weiß 07, danach wurde er Trainer beim Buxtehuder SV, dem USC Paloma und beim SV Lurup. Am 4. Januar 1982 starb Fritz Laband in Hamburg an Kehlkopfkrebs.

Vielleicht denkt ja einmal der „Macher“ der „HSV-Füße“ im Volkspark, der Hamburger Unternehmer Andreas Maske, darüber nach, ob er dem Weltmeister Fritz Laband nicht auch noch eine Gedächtnistafel widmet. Verdient wäre es.

Ob Frank Rost eines Tages auch seinen Fuß im Volkspark sehen wird, steht dagegen in den Sternen. Ich möchte auf die Nummer eins im HSV-Tor aber noch einmal schnell zurückkommen, denn eines muss ich noch loswerden: Ich sehe auch im Moment (noch) keine Notwendigkeit, statt Rost Jaroslav Drobny zwischen die Pfosten des HSV-Tores zu stellen. Mir ist zwar auch nicht entgangen, dass Rost nicht mehr souverän hält wie noch in der vergangenen Saison, aber einen Klops hat er sich bislang – in meinen Augen – noch nicht erlaubt. Deswegen ist die Torwart-Frage auch ein Luxus-Problem für mich. Ich verspreche hiermit aber, dass wenn ich gravierende Fehler bei einem HSV-Spieler sehen (nicht nur bei Frank Rost), ich sie auch ansprechen werde. Seht Ihr aber Fehler, die HSV-Spieler begehen, die ich nicht sehe, so werdet Ihr dafür Verständnis haben, dass ich darüber dann auch selbstverständlich nicht schreibe. Weil diese Fehler von mir nicht erkannt worden sind. Und es wird immer solche Situationen geben, in denen Ihr etwas anders seht als ich. Normal.

Vielen Dank möchte ich bei der Gelegenheit allen sagen, die mir Mut und Trost zugesprochen haben, und die mir weiter zur Seite stehen. Das war so nicht von mir beabsichtigt, aber es tat und tut trotz allem sehr gut.

HSV-Training morgen um 16 Uhr an der Arena.

18.32 Uhr