Monatsarchiv für September 2010

Ein “neuer HSV” in Bremen

24. September 2010

Alter schützt vor Torheit nicht. Als Joris Mathijsen, Piotr Trochowski und Guy Demel auf dem Weg zum Trainingsplatz waren, wurden sie von einem Rentner-Ehepaar von der Seite angequatscht. Das gipfelte schließlich darin, das der alte Mann sagte: „Was soll’s, ihr kriegt morgen in Bremen ohnehin einen auf die Mütze . . .“ Nett, nicht wahr? Und dabei grinste der Rentner richtig schön doof. Was sollte das bloß? Waren das verirrte Bremer? Zum Glück haben die drei HSV-Spieler nicht richtig zugehört, oder es aber auch nicht verstanden, auf jeden Fall gingen sie weiter, ohne Bezug auf diesen blöden Spruch zu nehmen. Leute gibt es . . .

Für Bremen könnte das Motto gelten: Bleibt alles anders. Wenn nicht alles täuscht, dann wird der HSV an der Weser ein wenig umgekrempelt in diese so wichtige Partie gehen. Im Abschlussspiel heute gab es gleich fünf gewichtige personelle Veränderungen: Ze Roberto spielte in der Viererkette links, davor nahm Marcell Jansen den Platz ein. Auf die „Sechs“ rückte Tomas Rincon, rechts vorne rutschte Eric-Maxim Choupo-Moting rein, und zentral hinter Ruud van Nistelrooy bezog Elejro Elia Position. Der nunmehr vierte Versuch nach Guerrero, Trochowski und Petric mit einem Spieler auf der „Zehn“.

Was mich heute besonders überraschte: Jonathan Pitroipa kickte ebenso in der Reserve, wie Mladen Petric und Piotr Trochowski. Wobei „Piet“ für mich eigentlich nach seinem guten Auftritt gegen Wolfsburg für Bremen gesetzt war, aber eventuell lässt sich ja Armin Veh von anderen Gedanken tragen. Oder der Trainer möchte Pitroipa mal eine Ruhepause gönnen, weil drei Spiele in einer Woche eventuell doch zuviel sein könnten für das „dünne Hemd“. Wenn es also nach meinen Trainingsbeobachtungen geht, dann wird der HSV morgen wie folgt beginnen: Rost; Demel, Westermann, Mathijsen, Ze Roberto; Rincon, Jarolim; Choupo-Moting, Elia, Jansen; van Nistelrooy.

Das Spiel A gegen B gewann der Stamm mit 2:0, und wenn ich es richtig gesehen habe, dann erzielten David Jarolim und Ruud van Nistelrooy die Tore. Letzteres entsprang einem Elfmeter, den Dennis Diekmeier an Choupo-Moting verschuldet hatte. Was von diesem Freitags-Training noch erwähnenswert ist: Als es drei Stationen mit dem schon obligatorischen Fünf-gegen-zwei-Spiel gab, bat Armin Veh Nationalspieler Marcell Jansen zu sich. Wie auf einer Tafel erklärte der Coach seinem Schützling mit Papier und Kugelschreiber, was er in Bremen mit ihm vorhat, zeichnete ihm die Laufwege auf.

Die Umstellung macht sicher Sinn. Viele werden sich erinnern, dass Jansen im Wolfsburg-Spiel fast pausenlos von hinten nach vorne „tobte“. Was dann zur Folge hatte, dass er hinten Konzentrationsschwächen offenbarte, die vom VfL eiskalt zu drei Treffern ausgenutzt wurden. Im Zusammenspiel mit Ze Roberto könnte das nun viel, viel effektiver gestaltet werden. Beide haben ein Auge für die Offensive, beide können auch nach hinten arbeiten, deshalb bietet sich eine Art Wechselspiel schon an. Geht Jansen steil, sichert Ze Roberto ab, geht Ze Roberto steil, lässt sich Jansen fallen. Im Training hat das schon mal sehr gut geklappt, das ergänzten sich beide Spieler ganz hervorragend – und sie passte auch genau auf, wer wo steht. Jetzt muss das nur noch in Bremen klappen . . .

Trifft auch auf Elia zu. Der wollte früher nie rechts, durfte jetzt einige Male links (sein Traum-Posten), aber so richtig laufen wollte es bei ihm weder rechts noch links. Vielleicht klappt es dann ja nun in der Mitte. Wenn er sich erinnert, wie er im Dezember die Bremer geradezu schwindelig spielte, dann könnte es diesmal doch etwas werden. Auch wenn Elia im Training noch immer etwas verhalten zur Sache geht. Da ist noch nicht viel von Wirbel, von Rakete oder von Schlitzohrigkeit zu sehen, irgendwie „lahmt“ der Niederländer noch ein wenig – aber vielleicht braucht er ja auch nur mal ein Erfolgserlebnis, um dann zu explodieren.

Das könnte auch „Van the man“ mal wieder gut gebrauchen. Nach seinen Anfangserfolgen haben ihn nun alle gegnerischen Mannschaften besonders auf dem Zettel. Zwei, drei Mann krallen sich van Nistelrooy und geben sich die größte Mühe, ihm den Ball abzujagen. Mir fällt auf, dass sich „Ruud“ zuletzt wieder einige Male sehr weit hat fallen lassen, um überhaupt mal mitspielen zu dürfen. Das hat fast schon „Labbadiasche Züge“, wenn Ruud van Nistelrooy sich an der Mittellinie den Ball abholt, oder wenn er ihn gegen seine hartnäckigen Verfolger auf Höhe Mittelkreis verteidigt. Da tut er mir dann schon wieder ein wenig Leid, denn etwas mehr Unterstützung ist ihm da vorne schon zu wünschen. Obwohl es der HSV ja anscheinend erkannt hat, an was es mangelt. Zuletzt krankte es am Nachrücken. Die Spieler sprachen selbst davon. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?

Zum Thema „eine Spitze“, da habe ich mich noch einmal schlau gemacht, da hat Armin Veh übrigens kürzlich folgende Sätze gesagt: „Ab und zu, das bekommen nur einige nicht mit, spielen wir sogar mit drei Stürmern.“ Für Veh ist der Unterschied zwischen einem 4:2:3:1-System und einem 4:4:2-System marginal: „Wir müssen flexibel sein. Wenn wir mit zwei Spitzen spielen würden, dann müsste sich einer von den beiden Angreifern auch immer wieder mal fallen lassen – und dann hat man wieder ein 4:2:3:1. Im Prinzip sind sich die System fast ähnlich, und nach hinten muss man in beiden Fällen immer auch arbeiten.“ Dann ergänzte Armin Veh noch: „Der Trainer bestimmt das System. Und ich bestimme es dann immer, wenn ich neue Spieler hole.“ Warum Veh nicht auf ein 4:4:2 umsteigen will, das erklärte er auch: „Wenn es zwei Spitzen gibt, dann ist es leichter für die gegnerische Viererkette, sich diese beiden zu greifen. Kommt aber einer aus der Tiefe, dann ist es schwerer.“

Ich sehe das ähnlich. Spielt der HSV mit zwei Spitzen, kann sich keiner dabei erlauben, bei einem abgefangenen Angriff vorne zu „parken“. Im modernen Fußball muss jeder Spieler auch Defensivarbeiten übernehmen, das ist nun einmal das ungeschriebene Gesetz. Wichtig wird die Frage des Systems dann, wenn es um das Spiel nach vorne geht. Nachrücken, ich habe es eben erwähnt, ist das A und O dabei, und genau daran muss der HSV arbeiten. Es langt doch nicht, den Ball einfach nur in die Füße von van Nistelrooy zu spielen und dann zu denken: „Nun mach mal . . .“ Fußball ist wie Tennis, und Tennis ist bekanntlich ein Laufspiel. Nachrücken erfordert natürlich eine große, eine emsige Laufbereitschaft, aber Kraft und Kondition sind ja nach dieser Vorbereitung kein Thema beim HSV, alles ist vorhanden, alles soll reichlich vorhanden sein. Vorne und hinten sein, das ist die große Kunst im heutigen Fußball, dazu muss der Spieler auch mental bereit sein. Und der Trainer könnte seinen Spielern dabei mit den treffenden Sätzen leicht auf die Sprünge helfen . . .

Veh sagte heute: „Wenn wir so spielen wie gegen Wolfsburg, dann werden wir auch unsere Punkte entsprechend machen. Wenn ich die Zweikampfstatistik insgesamt so anschaue, so sind wir auch ganz vorne mit dabei, aber entscheidend sind natürlich die Punkte. Es nützt dir nichts, wenn man gut spielt und verliert, es zählen nur die Punkte, und die müssen wir holen.“ In Bremen! Genau, in Bremen wäre schon gut, wenn der HSV dort gewinnen würde.

Das würde auch ganz nach dem Geschmack von Heiko Westermann sein. Der Kapitän fasste diese Woche noch einmal kurz zusammen: „Nach dem Wolfsburg-Spiel saßen wir in der Kabine und haben nicht verstanden, warum wir dieses Spiel verloren haben. Am nächsten Tag aber haben wir uns gesagt, dass wenn wir weiter so spielen, wir auch unsere Punkte holen werden. Davon bin ich absolut überzeugt. Es gibt nicht viele Mannschaften, die uns das Wasser reichen können, wenn wir so spielen wie gegen den VfL.“ Am besten so auch an der Weser, nur mit mehr Tore für Hamburg. Westermann sagt: „Wir müssen natürlich wissen, dass wir nicht locker lassen dürfen. Wir müssen immer die beste Leistung abrufen, und wir müssen als Mannschaft auftreten.“ Das ist ein Wort. Wie gesagt: Bremen. Dort gut spielen und gewinnen, das wäre es doch. Ich hoffe, der Auftrag ist verstanden.

So, kurz noch in eigener Sache: Ich danke Euch ganz, ganz herzlich für die vielen Glückwünsche zu meinem Geburtstag. Ich bin überwältigt, wirklich, wirklich. Unglaublich, einen solchen Tag mit so vielen Anrufen und Mails (dazu so manche SMS) habe ich noch nie erlebt. Und im Radio ist mein Name in diesem Zusammenhang auch noch nicht genannt worden, vielen dank an Wolf Hoppe und auch an Carlo von Tiedemann, der noch einige nette Sätze anfügte. Danke, danke! An alle.

18.59 Uhr

Veh: “Wir müssen in Bremen punkten”

23. September 2010

„Ein solches Spiel musst du gewinnen. Du musst es ganz einfach gewinnen“, sagte Armin Veh am Tag danach. Die 1:3-Heimpleite gegen den VfL Wolfsburg nagt – natürlich – noch immer an ihm. Die nackten daten der 90 Minuten sprechen dann auch eine klare Sprache: Ballbesitz 64 Prozent für den HSV, Ecken 15:1 für den HSV, Zweikämpfe 55 Prozent für den HSV, Torschüsse 21:8 für den HSV, Flanken 29:7 für den HSV, und mit 68 Prozent gewonnenen Zweikämpfen war Marcell Jansen in dieser Disziplin der beste Mann auf dem Platz. Nur in Sachen Tore lag einen andere Mannschaft vorn, und genau diese Disziplin ist die entscheidende. Wer aber jetzt, weil der HSV dieses überlegen gestaltete Spiel in den Sand gesetzt hat, von einem Abstiegsplatz am Ende der Saison spricht, der sollte doch einmal überprüfen, ob er sich genau die richtige Sportart als „Experte“ ausgesucht hat. Wer auf Dauer so spielt, wie beim 1:1 gegen St. Pauli, der hätte wahrscheinlich arge Schwierigkeiten, am Ende der Saison nicht ganz unten zu stehen, aber wer 90 Minuten so spielt, wie jetzt gegen Wolfsburg, der muss sich ganz sicher nicht mit dem Abstieg befassen.

Recht haben alle diejenigen, die jetzt vor dem Bremen-Spiel ein wenig ängstlich in die Zukunft schauen. Was wird, wenn der HSV auch bei Werder verliert? Unter dem Strich, das ist schon richtig, stehen drei Spiele in Folge, in denen der HSV nun nicht gewinnen konnte. Und in denen es zweimal doch eine eher dürftige und sogar grottenschlechte Leistung zu registrieren gab. Dennoch muss doch ganz klar festgehalten werden, was auch Armin Veh an diesem Donnerstag noch einmal feststellte: „Ich bin mit unserem Spiel absolut zufrieden gewesen. Wir haben mit Herz gespielt und waren gut organisiert, wir waren das deutlich bessere Team, wir haben für mich die beste Leistung der Saison geboten, wir hatten unendlich viele Chancen, Tore zu machen, wenn ich allein die vielen Standards sehe, die wir hatten. Wir waren doch so nah dran – aber solche Spiele gibt es immer wieder mal. Wir haben gut gespielt, wir haben auch gut verteidigt, wir haben doch wenig zugelassen – es ärgert mich, dass wir verloren haben, denn mit einem Sieg hätten wir uns oben schön festsetzen können.“

Veh stellt aber zu den Dingen, die schließlich zur Niederlage geführt haben, auch fest: „Du kannst nicht 90 Minuten nach vorne spielen, und gleichzeitig 90 Minuten nach hinten nichts zulassen. Das schafft keine Mannschaft.“

Und der HSV schafft es im Moment auch noch nicht, dass alle elf Spieler (fast) 100 Prozent abrufen. Einer oder einige fallen immer ab. Wie diesmal Guy Demel, Marcell Jansen und Mladen Petric. Einige „Experten“ sind ja dazu auch der Meinung, dass Frank Rost nicht mehr im Tor stehen sollte, weil er den einen oder anderen Gegentreffer nicht verhindert hat, aber dazu habe ich eine ganz eindeutig andere Meinung: Rost ist sehr gut drauf, spielt ruhig und souverän. Auch wenn ich es nicht gesehen habe und nicht wahrnehmen konnte, so soll das 0:1 und das 1:3 ja auch abgefälscht gewesen sein. So erzählten es jedenfalls die Wolfsburger Torschützen später.

Was aber kann Armin Veh jetzt tun, um die Mannschaft in Bremen wieder mit Lust, Spaß, Herz und Engagement auf den Rasen zu schicken? Morgen um 14.30 Uhr findet das letzte Training vor dem Nordderby statt, da bleibt nicht mehr viel Zeit, um die Spieler mental aufzurichten. Und dass es eine Frage der Kraft (oder der Kondition) wäre, dass der HSV nun verloren hat, das verneinte Ze Roberto total: „Wir hatten eine lange und erstklassige Vorbereitung, wir haben alle Kraft und Kondition für 90 Minuten, daran lag es gegen Wolfsburg mit Sicherheit nicht.“

Es sind die individuellen Aussetzer, ganz simple Blackouts. Vor dem 0:1 der Fehlpass von Jansen. Vor dem 1:2 die zu lasche Deckung von den beiden Innenverteidigern und den beiden Außenverteidigern. Und vor dem 1:3 der missglückte Rückpass von Jansen und das schlechte Zweikampfverhalten von Joris Mathijsen – und dazu das nicht gerade glücklich Stellungsspiel von Rost, der die kurze Ecke „aufmachte“. All das darf in dieser Form und Häufigkeit nicht passieren, aber es passiert immer mal wieder. Und dann verliert eben auch eine hoch überlegene Mannschaft einmal ein solches Spiel. Aber das hat doch ganz sicher mal jeder Fußballer auch selbst erlebt. Ich kann mich an ein Bezirksliga-Spiel des WFC bei Wacker 04 in Billstedt erinnern. Mindestens 20 Tore hätten wir schießen müssen, ich traf aus einem Meter keinen Möbelwagen – und wir verloren 0:1. Es war unsere einzige Niederlage in der gesamten Saison, und ich gebe zu, dieses 0:1 tut heute, 37 Jahre danach, immer noch weh.

Zurück zum großen Fußball. Wolfsburg hat einen Spieltag vor dem HSV-Spiel sein System geändert, hat mit Dzeko und Grafite wieder zwei Stürmer aufgeboten. Eine System-Änderung aber kommt für Veh nicht in Frage. Er setzt weiter auf die 4:2:3:1-Taktik. Und wird sich personell etwas einfallen lassen müssen. Zum Beispiel auf rechts. Was wird mit Demel? Drin? Oder draußen? Es gäbe mit Tomas Rincon eine Alternative, doch Veh sagt: „Ich sehe Guy da im Moment noch vorne.“ Weil er, so der Coach, besser ist im Spiel nach vorne. Aber genau da hapert es bei „Giiiiiieee“. Gegen Wolfsburg kam da nichts. Null. Das sieht auch Veh so. Aber der Trainer sagt auch: „Guy musste nach vorne auch nicht viel machen, weil rechts ja alles von Jonathan Pitroipa gemacht wurde. Den haben die Wolfsburger ja gar nicht in den Griff bekommen. Und wenn Guy dazu dann noch vorne rechts erschienen wäre, dann hätte Piet ja kaum noch Platz gehabt für seine Dribblings.“

Dennoch muss, so mein Empfinden, entschieden mehr von Demel kommen. Sobald er am Mittwoch mit dem Ball über die Mittellinie lief, spielte er die Kugel zurück. Zum Davonlaufen. Und zum Heulen. Links „powerte“ Jansen sich immer wieder mächtig nach vorne, aber der Nationalspieler leistete sich einfach zu viele Fehler in der Rückwärtsbewegung. Fehler, die mit einer besseren Konzentration wohl zu verhindern gewesen wären. Veh aber nimmt Jansen in Schutz: „Man muss sehen, dass er ja nicht auf seinem richtige Posten spielt. Marcell würde ja weiter nach vorne rücken, wenn Dennis Aogo spielen könnte – aber er kann es eben noch nicht.“

Ein wunder, nein ein sehr wunder Punkt im Spiel des HSV bleibt auch die zentrale Position im Mittelfeld. Paolo Guerrero fällt gegen Werder noch einmal aus, hat sich aber auch gegen St. Pauli mit einer Minusleistung aus dem Team gespielt. Piotr Trochowski hätte meiner Meinung nach alle Fähigkeiten, zeigt sie aber nur im Training und nicht in einem Bundesligaspiel. Und Petric, das hat er gegen Wolfsburg bewiesen, ist eigentlich nur ein Stürmer, nicht aber ein Spielmacher. Daraus folgere ich für mich: Entweder spielt Petric im Sturm (allein oder neben Ruud van Nistelrooy), oder spielt nicht und kommt dann von der Bank, wenn der Spielstand einen zweiten Stürmer erforderlich macht. So bitter das für Petric ist, und so sehr auch wieder die Gefahr besteht, dass der Kroate wieder „mault“. Aber das hier ist Profi-Sport, da hat sich jeder unter zu ordnen, auch wenn es noch so schwer ist. Und wie hat früher ein HSV-Trainer immer so schön gesagt: „Auf Einzelschicksale kann ich keine Rücksicht nehmen.“ So ist es.

Um noch einmal auf den „Zehner“ zurück zu kommen: Auf dieser Position könnten auch Ze Roberto („Das habe ich früher beim FC Santos gespielt“) und Eric-Maxim Coupo-Moting („Wenn der Trainer mich dort aufstellt, dann würde ich versuchen, meine Chance zu nutzen“) zum Einsatz kommen.

Überhaupt: Ich bin gespannt, was nun aus Choupo-Moting wird. Bleibt er drin? Oder kommt Eljero Elia wieder zum Zuge? Elia? Wir erinnern uns: Im vergangenen Dezember spielte er in Hamburg die gesamte Werder-Defensive schwindelig. Er ist jetzt aber meilenweit von dieser Form entfernt. Armin Veh sagt über den Niederländer: „Elli muss einfach mal aufwachen. Er ist von allen das größte Talent, er kann alles, er ist schnell, er ist dribbelstark, er hat Kraft – er hat einfach alles, aber er muss es auch zeigen. Er muss konstant werden, dann kann er uns auch helfen.“ Auch „Choupo“ wurde ja nach dem Wolfsburg-Spiel ja vom Trainer gelobt, Veh sagte aber auch einschränkend: „So lange er die Kraft hatte . . .“ Ob die Kraft des Kameruners in Bremen für 90 Minuten reichen wird?

Und gegen Werder geht es jetzt schon, am sechsten Spieltag, um alles. Der HSV darf dort auf keinen Fall verlieren, sonst gibt es in Hamburg gleich wieder „Alarm im Hafen“. Noch mehr als jetzt. Obwohl Veh etwas anderes feststellt, wenn sein Blick auf die derzeitige Tabelle fällt: „Es ist ja noch gar nichts passiert. Es stehen doch noch alle eng beieinander, wenn ich so zum Beispiel Leverkusen, die Bayern und auch uns sehe.“ Und dennoch kommt es jetzt schon darauf an, denn sonst gerät auf jeden Fall schon einmal ein Ziel, das nie öffentlich genannt wurde, außer Reichweite: Meisterschaft. Obwohl Ze Roberto auch das nicht wahrhaben will: „Es ist für uns immer noch alles drin, wir können nach wie vor mit zwei, drei anderen Klubs um den Titel spielen.“ Dazu aber müsste schon sehr, sehr viel besonders gut für den HSV laufen, um doch einmal wieder nach einem solchen großen Stern greifen zu können.

Übrigens: Es gab die Frage nach Heung Min Son („Was macht seine Verletzung?“), und es gab auch die Frage nach Gojko Kacar („Woran liegt es, dass er nicht spielt?“). Die Frage nach dem Südkoreaner beantwortet Veh wie folgt: „Son ist noch nicht im Mannschaftstraining. Erst wenn er das ist, kann ich etwas zu ihm sagen. Das dauert aber noch ein bisschen.“ Und Kacar? Ich hatte den Einruck, als wenn er noch nicht so trainiert, dass er sich für einen Einsatz empfehlen könnte. Ich habe Kacar eher mau im Training gesehen, aber Veh sagt: „Nein, Kacar hat deutlich zugelegt, er trainiert seit einiger Zeit wirklich gut, diesen Eindruck habe ich schon.“ Das klingt beinahe so, als würde der Serbe schon bald seine Chance von Anfang an erhalten. Veh jedenfalls schmunzelte bei seiner Aussage. Er schmunzelte gerade so, als würde Kacar schon in Bremen in der Start-Formation stehen können. Abwarten.

Schlusssätze von Armin Veh: „Wir müssen in Bremen punkten, und wir sind auch in der Lage dazu. Wenn wir gut spielen, wenn wir frech sind, wenn wir Leidenschaft zeigen, wenn wir also das aufbieten, was man zum erfolgreichen Fußball braucht, dann können wir den Gegner auch verunsichern. Und im Prinzip muss Werder ja gewinnen, die müssen also nach vorne spielen. Und sie sind ja auch so ausgerichtet, dass sie nach vorne spielen.“

So, ganz zum Schluss noch einen kurzen Absatz in eigener Sache: Christian Pletz bedankt sich bei Euch für die vielen Genesungswünsche, die ihm sehr, sehr gut getan haben. Ich habe übrigens geschrieben, dass er einen Knöchelbruch hat, das ist an sich falsch. Pletzi hat genau jene Verletzung, die im Sommer Michael Ballack um die WM 2010 gebracht hat. Es sind Bänder gerissen und irgendein Knöchelhörnchen gebrochen. Und das alles zusammen braucht eben einfach ein bisschen Zeit.

18.11 Uhr

Gnadenlos ausgekontert

22. September 2010

Von nun an gings bergab. Sang einst Hildegard Knef. Musste ich nach dem Tor zum 1:3-Endstand ständig dran denken. Der HSV ist nach der Niederlage gegen den VfL Wolfsburg wieder in der Realität angekommen. Dieser Rückschlag gegen einen nicht einmal starken, nein, gegen einen eher schwachen VfL sorgt für Ernüchterung und lässt die Hamburger wie eine graue Maus ins Mittelfeld fallen. Besonders tragisch: Diesmal war die Niederlage absolut unnötig, denn vor 50 231 Zuschauern war der HSV über weite Strecken die deutlich tonangebende Mannschaft. Es wurde viel versucht, aber bei dieser permanenten Überlegenheit wurden auch eklatante Schwächen in der Defensive erkennbar. Bei den Kontern der Niedersachsen stand die Hintermannschaft einfach schlecht und zeigte einmal mehr, dass sie diesbezüglich sehr anfällig ist. Quo vadis, HSV?

Ein Unterschied wie Tag und Nacht, der HSV gegen St. Pauli und der HSV gegen den VfL Wolfsburg. Die Veh-Truppe war offensichtlich um Wiedergutmachung bemüht, denn diese Vorstellung sah deutlich nach Fußball aus. Es wurde schneller gespielt, mit mehr Engagement, teilweise mit Herz, es wurde gelaufen, nachgerückt und mit vielen und guten Ideen kombiniert. Wolfsburg wirkte in der Anfangsphase wie ein Spielball der deutlich besseren Hamburger. Diese HSV-Vorstellung war endlich einmal sehenswert, vielleicht die beste erste Halbzeit dieser Saison.

Trainer Armin Veh hatte diesmal eine personelle Überraschung parat: Statt Eljero Elia (und den vielfach erwarteten Piotr Trochowski) kam diesmal Eric-Maxim Choupo-Moting auf der linken Seite zum Zuge. Um es vorweg zu nehmen: „Choupo“ rechtfertigte diese Nominierung mit einer guten Leistung und einem Tor. Alles richtig gemacht, Herr Veh! Und Choupo-Moting bestätigte damit seine zuletzt sehr guten Trainings-Eindrücke, die unübersehbar waren.

Statt des verletzten Paolo Guerrero bot Veh im zentralen Mittelfeld wie erwartet Mladen Petric auf, und der Kroate stand gleich mit zwei herrlichen Freistößen im Mittelpunkt (die Benaglio allerdings super abwehrte). Ansonsten war Petric zwar bemüht, aber entscheidende Impulse konnte er nicht geben. Im Gegenteil, er tauchte stetig immer tiefer ab. Hinter der Spitze ist wahrscheinlich auch nicht seine Position. Oder?

Die setzten zwei, die auch bei „Matz ab“ immer und immer wieder „um die Ohren bekommen“: David Jarolim und Jonathan Pitroipa. Unglaublich, wie viele Bälle „Jaro“ eroberte, wie er die Zweikämpfe suchte, wie er unterwegs war, wie er vorbildlich „sein“ Spiel machte. Ich sage es hier einmal mehr ganz deutlich: Jarolim war überragend. Und wer das nicht sieht, der will es eben nicht sehen. Sonst muss es jedem Fußball-Experten und –Kenner einfach auffallen.

Und Pitroipa? Ja, gelegentlich zweifele ich auch. Wenn er zum Beispiel den Ball bei der Annahme unter dem Stiefel ist Aus durchrollen lässt. Oder wenn er mit dem Ball am Fuß ins Nirwana läuft. Manchmal erinnert er mich auch an „Lauf, Forrest, lauf“. Aber überwiegend, das sage ich auch ganz, ganz deutlich: Dieser Pitroipa ist so unheimlich wertvoll für diesen HSV, weil er durch seine unberechenbare Art, Fußball zu spielen, viele Lücken reißt. So wie beim 1:1, dem Kopfballtor von Choupo-Moting (27.). Wer genau hingesehen hat, der wird festgestellt haben: Wolfsburg Abwehr fand kein Mittel gegen diesen wieselflinken „Piet“. Nur er selbst, so hatte es für mich den Anschein, konnte sich eigentlich stoppen, wenn er sich zuviel zugemutet hatte. Und, um noch einmal deutlich zu werden: Eine solche engagierte Leistung erwarte ich zu 100 Prozent auch von Elia. Der könnte nämlich ebenfalls so wirbeln. Könnte. Und er wird es meiner Meinung nach auch noch tun.

Eine sehr gute Leistung, trotz einiger Ballverluste, muss ich erneut auch Ruud van Nistelrooy bescheinigen. Wie er dort vorne im Zentrum die Bälle behauptet und verteilt, ist Extraklasse, eine reine Augenweide. Auch wenn ihm diesmal in Sachen Torschüssen einiges daneben ging.

Deutlich verbessert auch Ze Roberto. Immer anspielbar, immer auf Achse, sprühend vor Spiellust. Warum nicht immer so? Zudem gab der Brasilianer wieder Zucker-Standards zur Mitte, die Dinger kommen wie auf dem Tablett serviert zur Mitte, da möchte man eigentlich nur noch rufen: Aber bitte mit Sahne – und rein! Das sind „Brandbomben“, die der „große Ze“ da mit unglaublichem Gefühl im Buffer reihenweise produziert. Endlich hat der HSV einen Spieler, der das nicht nur theoretisch kann, sondern der er auch im Spiel umsetzen kann. Die beiden Sechser, Jarolim und Ze Roberto, die waren für mich das Prunkstück, die Zentrale, die Rhythmus und damit das ganze Spiel lenkte und bestimmte.

Schade allerdings, dass über die Flügel kaum etwas kam. Sonst wäre das Feuerwerk komplett gewesen. Damit meine ich Guy Demel und Marcell Jansen. Demel traute sich ganz offenbar nichts zu, wenn er einmal über die Mittellinie lief, dann erfolgte prompt ein Rückpass. Ich konnte es nicht fassen. Und Jansen? Der begann großartig, hatte sehenswerte zehn Minuten, aber dann hing er lange, lange durch. Übernommen? Was ihm aber hoch anzurechnen ist, das ist die Tatsache, dass er nach vorne immer wieder versuchte, etwas zu inszenieren. Ohne durchschlagenden Erfolg, aber er gab nie auf. Das ist an einem solchen Tag, wenn einem Spieler nicht alles (oder nicht viel) gelingen will, schon eine anerkennenswerte Leistung. Deswegen würde ich Jansen auch keine schlechte Note geben.

Tragisch nur, dass die gute Leistung des HSV diesmal nicht belohnt wurde. Die Wolfsburger 1:0-Führung war schon wie aus heiterem Himmel gefallen (15., vorauf gegangen war ein Jansen-Fehlpass), und das 2:1 entstand einem Konter, bei dem die Hamburger Defensive höchst unglücklich aussah. Demel konnte Schäfer nicht am Flanken hindern, und in der Mitte ließen Joris Mathijsen und Jansen Grafite aus den Augen – Tor (71.). Ein herber, ein ganz, ganz bitterer und irgendwie auch unverdienter Rückschlag. Aber so ist Fußball. Und anerkennend muss auch festgestellt werden: Wolfsburgs Konter zum 2:1 war schulmäßig, und Konter sind ja auch nicht verboten . . .

Armin Veh wechselte in der 75. Minute noch zweimal aus: Jarolim und Choupo-Moting raus, Piotr Trochowski und Elia rein. Alles versucht, alles vergebens. Gerade noch hatte Petric nach Trochowski-Ecke das 2:2 auf dem (rechten) Fuß, da hieß es im Gegenzug 1:3. Grafite setzte sich gegen Jansen durch (viel zu leicht) und dann auch noch gegen Mathijsen. Auch das viel zu leicht. Dass Mathijsen nach dem Tor Jansen heftige Vorwürfe machte, ist für mich zwar nicht nachvollziehbar, aber es ist im Prinzip auch unwichtig. Es war das Tor, das die Partie entschied.

Zum Abschluss muss ich aber doch noch ein kleines Lob loswerden: Die Fans im Nordwesten waren klasse. Meine Anerkennung, in dieser Kurve wurde 90 Minuten Alarm gemacht, und das ist einfach nur vorbildlich.

Fazit: Wer diesen HSV jetzt abschreibt und verdammt, der liegt in meinen Augen (noch) daneben). Diesmal war die Leistung, anders als noch am Sonntag, gut, diesmal wäre eigentlich ein Sieg verdient gewesen, aber danach geht es leider nicht im Fußball. Die Mannschaft wird nun in Bremen zeigen müssen, was sie wirklich auf dem Kasten hat. Und ob sie die Klasse und auch den Charakter hat, einen solchen Rückschlag zu verdauen und wieder zu kommen. Bremen wird richtungsweisend.

22.02 Uhr

Armin Veh: “Keine Systemänderung”

21. September 2010

Nein, in die Karten wollte sich Armin Veh nicht noch einmal schauen lassen. In der Woche vor dem St.-Pauli-Spiel ließ er stets jene Elf gegen die B-Vertretung spielen, die auch am Millerntor die Kastanien aus dem Feier holen sollte. St. Pauli wusste also ganz genau, mit welcher Truppe der HSV auflaufen würde. Vor dem morgigen Spiel gegen den VfL Wolfsburg kündigte der HSV-Trainer deswegen vor dem Abschlusstraining an: „Ihr könnt heute keine Schlüsse daraus ziehen, wer zum Abschluss in welcher Formation spielen wird, ich werde mit den Aufstellungen nicht verraten, was ich gegen den VfL vorhabe.“ So war es denn auch, Veh hielt Wort.

Bunt durcheinander gewürfelt wurde gespielt: Ein Team mit Rost, Oenning, Mathijsen, Westermann, Jarolim, Tesche, Trochowski, Petric, van Nistelrooy und Elia. Die andere „Zehn“ spielte mit Drobny, Demel, Jansen, Rincon, Diekmeier, Besic, Kacar, Ze Roberto, Pitroipa und Choupo-Moting. Letzteres Team gewann wohl auch, wobei das nicht ganz so offensichtlich war. Zwei oder sogar drei Tore erzielte Ze Roberto, der einen sehr guten Eindruck auf mich machte.

Bereits um 14.15 Uhr war Paolo Guerrero aus dem Auto gestiegen und zur Kabine gehumpelt; der Peruaner wurde von einem Freund bis vor die Imtech-Arena gefahren (von dem Stadion-Namen wurde heute das große „i“ montiert!). Jeder konnte es deutlich erkennen: Guerrero wird für das Wolfsburg-Spiel auf jeden Fall ausfallen. Ebenfalls nicht mit von der Partie, und das nimmt allmählich dramatische Züge an, wird Dennis Aogo sein. Der Nationalspieler und WM-Fahrer leidet nun an einer Schambein-Entzündung und wird zwei bis drei Wochen aus dem Training genommen, um ein Spezial-Training zu erhalten. Zwei bis drei Wochen ohne Mannschaftstraining bedeutet für Aogo, dass er mindestens weitere fünf Wochen nicht zum Einsatz kommen wird. Pessimisten befürchten sogar, dass die Hinrunde für den sympathischen Abwehrspieler gelaufen sein könnte.

„Das ist schon ein Problem für uns, dass Dennis ausfällt, es wird nicht leichter für uns. Er kam verletzt von der Weltmeisterschaft zurück und stand uns bislang überhaupt noch nicht zur Verfügung. Er fehlt uns schon, das ist schon ein großes Problem, und ich hoffe, dass wir das so schnell wie möglich in den Griff bekommen.“ Was allerdings zurzeit nicht danach aussieht.

Mit von der Partie waren heute die gestern noch als leicht angeschlagen gemeldeten Collin Benjamin, David Jarolim und Eljero Elia. Ihrem Einsatz, so sie denn benötigt werden, stünde also nichts im Wege.

„Es kommt ein unmittelbarer Konkurrent von uns, obwohl wir ja kein Saisonziel ausgegeben haben, aber wir wollen oben mit rein, Wolfsburg auch, deswegen ist es ein ganz wichtiges Spiel. Sollten wir gewinnen, haben wir zwischen uns und dem VfL schon einmal ein gutes Punktepolster, dann haben wir eine riesige Ausgangsposition“, sagt Armin Veh. Wenn der HSV gewinnen sollte . . . Der Coach weiß genau, wie schwer es werden wird, denn er war vor einem Jahr noch der Wolfsburger Trainer. Veh sagt: „Der VfL hat eine sehr gute Mannschaft, hat sich ja auch noch enorm verstärkt, und er hat überragende Qualitäten in der Offensive. Da müssen wir wieder sehr diszipliniert spielen, aber wir müssen natürlich auch viel mehr die Initiative ergreifen, besonders hier zu Hause.“

Wobei das St.-Pauli-Spiel auch bei Armin Veh noch nicht in Vergessenheit geraten ist. Er befand heute noch einmal rückblickend: „Natürlich war ich damit nicht zufrieden, denn wir haben zu wenig nach vorne gemacht, waren zu wenig in Bewegung, haben den Gegner nicht zu Fehlern gezwungen.“ Dann passierte etwas, was unter dem Motto „Seltenheit“ verbucht werden kann, denn Veh übte sich in Selbstkritik: „Einerseits war es auch taktisch bedingt, es war auch meine Entscheidung, weil ich gesagt hatte, dass wir uns nicht auskontern lassen wollen, wir wollen gut stehen, um vorne auch Platz zu haben – aber das haben wir nicht gut gemacht. Es muss mehr Leidenschaft rein, so einfach wie das auch klingt. Es ist mir wichtig, dass wir das hinkriegen, bei aller taktischen Disziplin, die man braucht.“ Dann ergänzte der Coach noch: „Wenn es der Trainer so vorgibt, dann bin ich ja auch froh, dass sich die Mannschaft daran hält, keine Frage, aber wenn wir im Ballbesitz sind, dann müssen wir schneller spielen, schneller umschalten. Und das müssen wir gegen Wolfsburg auf jeden Fall machen.“ Sonst könnte es erneut, wie gegen Nürnberg und St. Pauli, ein böses Erwachen geben.

Ich habe Armin Veh heute gefragt, wie er mit einer solchen Minusleistung wie am Sonntag umgeht? Holt er die Knute raus? Gibt es Sondertraining? Wir „etwas“ mehr gelaufen? Veh: „Das kann man so pauschal nicht sagen. Ab und zu sind ja auch ein paar Emotionen dabei – und die Notwendigkeit, etwas zu machen, was man im Normalfall sonst nicht macht.“ Dann fügte er an: „Es wird nicht so sein, dass ich nun alles schlecht gesehen habe. Ich habe es auf keinen Fall gut gesehen, keine Frage, das muss ich auch sagen, ich denke von beiden Seiten war es kein gutes Spiel. St. Pauli hat ja auch nicht Fußball gespielt, die haben auch nur die langen Bälle gespielt, es war absolut kein ansehnliches Spiel.“

Dann ergreift der Trainer aber auch ein wenig Partei für seine Mannschaft: „Trotz allem muss man immer Realist bleiben. Wir haben zwei Siege und zwei Unentschieden, und man sieht, wie schwer sich auch andere Mannschaften wie zum Beispiel Leverkusen, Bayern, Bremen, Wolfsburg oder auch Schalke tun. Es gibt, da kann ich mich nur wiederholen, keine leichten Spiele mehr in der Bundesliga, die anderen Klubs haben aufgeholt.“

Morgen wird der HSV wieder mit Guy Demel in der Viererkette rechts spielen. Dass Tomas Rincon, der ihn gegen St. Pauli sehr gut vertreten hat, in der Mannschaft bleibt, scheint für mich ausgeschlossen. Einige „Experten“ hatten vermutet, dass der Mann aus Venezuela gegen Diego spielen könnte, doch davon hält Armin Veh offenbar gar nichts: „Wenn Rincon eine solche Rolle übernehmen würde, dann müsste ich ja mein System ändern, mein System aufgeben, und das werde ich mit Sicherheit nicht tun.“ Es bleibt also bei einer Spitze. Die Frage ist, wer spielt hinter Ruud van Nistelrooy? Ich rechne fest mit Mladen Petric. Und irgendwie auch mit Piotr Trochowski. Ich will (mir) mal (m)eine Mannschaft basteln: Rost, Demel, Westermann, Mathijsen, Jansen; Jarolim, Ze Roberto; Pitroipa, Petric, Trochowski; van Nistelrooy. Fest steht: Dennis Diekmeier kann nicht zum Einsatz kommen, er wurde aus dem 18-Mann-Kader gestrichen.

Das morgige Spiel im Volkspark ist das Duell zweier großer Torjäger, Ruud van Nistelrooy und Edin Dzeko. Und es bringt auch ein brisantes Duell mit sich: Joris Mathijsen und Grafite. Beide hatten einst mächtig Ärger miteinander, mussten vorzeitig unter die Dusche gehen – doch das ist vergessen und abgehakt. Mathijsen sagt ganz entspannt: „Alles ist gut, und eigentlich war auch nichts los zwischen uns. Die Geschichte mit der Roten Karte, das war deshalb, weil wir Respekt voreinander hatten und auch haben, so muss es auch sein im Fußball. Wir haben uns ausgesprochen, alles ist okay, wir haben bei der WM sogar unsere Trikots getauscht.“ Mathijsen, der eigentlich stets besonnen ist, gibt zu: „Wir wissen beide voneinander, dass wir solche Dinge normalerweise nicht machen. Ich bekomme keine Rote Karten, und er auch nicht.“

Über das St.-Pauli-Spiel wollte Mathijsen an diesem Dienstag auch nicht mehr sprechen, das ist für ihn ebenfalls abgehakt. Oder, wie er sagt: „Darüber sprechen wir in der Kabine, nicht in der Öffentlichkeit.“ Immerhin gibt er zu: „Natürlich konnte man sehen, dass es ein schlechtes Spiel war, aber von beiden Seiten. St. Pauli kann vielleicht auch nicht besser, aber . . .“ Aber wir können es besser, wollte Joris Mathijsen eventuell noch anfügen, verkniff es sich aber. Sagte nur: „Keine Frage, wir müssen einfach das Spiel machen, wir müssen einfach besser sein, das waren wir nicht, und das war eine rasende Enttäuschung, und zum Glück spielen wir noch 1:1.“

Hoffen wir, dass es an diesem Mittwoch nicht eine weitere „rasende Enttäuschung“ für den HSV gibt, und hoffen wir ebenfalls, dass alle eine Lehre aus dem St.-Pauli-Spiel ziehen werden: Es muss wieder Fußball gespielt werden, mit viel Bewegung, mit Herz, mit Leidenschaft, mit Kampfgeist, mit Ideen – und mit einigen Toren. Vom HSV. Nur der HSV!

19.54 Uhr

PS: Die Glücklichen des Wolfsburg-Gewinnspiels sind ermittelt. Zwar ist die Gewinnspielspalte noch nicht erneuert worden (geht aus technischen Gründen erst am Mittwoch), doch ich sage jetzt schon einmal, wer was gewonnen hat:

Juliane Teschke aus Bayreuth erhält das Boateng-Trikot. Und Malte Lukas aus Kiel erhält die zwei Eintrittskarten für das Spiel am Mittwoch. Eigentlich hatte Rolf Barabasch aus Witten gewonnen, aber er schafft es in der Woche nicht, nach Hamburg zu kommen (und zurück), sein Gewinn wird er dann bei einem der nächsten Heimspiele erhalten.

Die Lösungen lauteten:
Frage eins: Martin Zafirov.
Frage zwei: Thorsten Kohn.

Die Nachwirkungen eines (verkorksten) Derbys

20. September 2010

Um es einmal positiv zu starten: Es gibt in der Bundesliga nach dem vierten Spieltag nur noch drei Mannschaften, die ohne Niederlage sind. Eine davon ist der HSV. Viel mehr ist nach dem 1:1 auf dem Kiez auch nicht hervorzuheben, denn darin waren sich nach dem Derby am Millerntor alle Beobachter sowie Freund und Feind einige: Die Leistung des HSV ist mit dürftig noch relativ milde umschrieben. Nach der Euphorie um die beiden Anfangssiege kehrt nun Ernüchterung ein. Und die Frage, die es nun bei viele HSV-Anhängern gibt, ist die: Zeigte die Veh-Truppe in den Begegnungen mit Schalke 04 und Eintracht Frankfurt ihr wahres Gesicht, oder eher in den Partie mit Nürnberg und St. Pauli?

Fest steht, dass der HSV nicht so richtig von der Stelle gekommen ist. Eher eine Rückwärts-Entwicklung genommen hat. In der Nacht nach den Derby habe ich mir die Spielweise der Dortmunder und der Mainzer einmal vor Augen geführt. Der gravierende Unterschied: Diese beiden jungen Mannschaften spielen mit Begeisterung, voller Leidenschaft, mit großem Spaß und mit riesigem Engagement Fußball. Und der HSV dagegen, so habe ich mir gedacht, spielt „Erwachsenen-Fußball“: Cool, genau durchdacht, nur kein Risiko, keinen Pfiff Unbekümmertheit. Es scheint so, als verließe sich jeder auf die individuelle Klasse des Nebenmannes. Motto: Wenn nicht jetzt, dann eben später. Aber irgendwann wird sich unsere Klasse schon durchsetzen.
Welch ein Trugschluss.

Wenn dazu dann noch einige Spieler total abtauchen, wie das am Sonntag mit Eljero Elia und Paolo Guerrero der Fall war, dann ist mit dieser selbstgefälligen Art und Weise kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Ruud van Nistelrooy war gegen St. Pauli die „ärmste Sau“. Bekam er einmal einen Ball in den Fuß, so stand er meistens gegen zwei, drei oder gar vier „Braune“ auf verlorenen Posten. Weil auch keiner der Kollegen aus dem Mittelfeld nachrückte. Für mich hat van Nistelrooy ein starkes Spiel gemacht, denn wie oft er den Ball noch hielt, im Dribbling verteidigen konnte, obwohl er hart attackiert wurde, das hatte schon Klasse. Wenn der HSV es aber nicht wieder lernt (oder in den Griff bekommt), dass mit einer Spitze nichts zu erben ist, dann gute Nacht Marie. Nur wenn es zwei, drei oder vier Spieler schaffen, mit nach vorne zu gehen, sind Torerfolge in der Bundesliga möglich. Fußball ist ein Laufspiel, daran sollten sich alle einmal erinnern. Und der Trainer sollte es seinen Leuten noch einmal einpauken. Sonst gibt es weiter solche „Gurkenspiele“ wie das am Millerntor.

Wer sich einmal genau anschaut, welche Spieler bei St. Pauli im Team standen, und welche Namen beim HSV aufgelaufen waren, der darf darüber wahrscheinlich gar nicht erst lange nachdenken, sonst bekommt er die Krise.

Ob Bernd Hoffmann solche Gedanken schon hegte? Oder Sportchef Bastian Reinhardt? Und dabei auch einmal schnell gedanklich nach Dortmund huschte? Weil dort ein Japaner namens Kagawa spielt? Was heißt spielt? Der Junge wirbelt die Liga durcheinander. Frech, frisch, unbekümmert. Und das für eine Summe, die sich zwischen 250 000 und 350 000 Euro (da sind sich die Experten noch nicht ganz einig) belaufen soll. Man kann also nicht nur mit ein paar Dollars mehr erfolgreich sein, sondern auch mit Auge – und der Portokasse.

Reinhardt nahm zum St.-Pauli-Spiel noch einmal Stellung, und ich muss sagen: Der ehemalige Spieler „Basti“ spricht Klartext als Sportchef. Das gefällt mir. Sehr gut sogar. In meinen Augen ist es schon erstaunlich, wie schnell der Ex-Profi den Übergang zum Chef vollzogen hat – auch wenn es die meisten HSV-Fans nicht (noch nicht) wahrhaben wollen. Ich aber sehe das so, und zwar ohne wenn und aber. Reinhardt wird seinen Weg gehen, er hat ihn jetzt schon absolut gut beschritten. Und, um Euch das noch einmal zu sagen: Ich habe mich zuletzt oft in seine Lage versetzt, wie ich als Ex-Spieler mit meinen ehemaligen Kollegen umgehen würde. Das Ergebnis ist eindeutig: Ich hätte mehr Skrupel als Reinhardt. Der ist schon knallhart (geworden).

Sein Fazit zum Beispiel nach dem Derby: „Das war kein gutes Fußballspiel, das war Kampf und Krampf.“ Und zu Mladen Petric, der den HSV Sekunden vor dem Schlusspfiff noch mit seinem Sonntagsschuss rettete, befand der Sportchef: „Er ist ein Spieler des HSV, ich denke man kann von ihm erwarten, dass er ein solches Tor schießt. Er ist ein Spieler, der solche Klasse mit sich bringt, und die hat er gestern gezeigt.“ Was wäre aber ohne Petric gewesen? Reinhardt ausweichend: „Wir denken jetzt darüber nach, dass wir am Mittwoch ein Spiel gegen Wolfsburg haben. St. Pauli ist abgehakt, und über Mladen haben wir in den letzten Wochen schon genug gesprochen, auch dieses Thema ist abgehakt. Er hat in der Woche sehr gut trainiert, hatte sich seinen Einsatz verdient gehabt – er hat seinen Einsatz auch gerechtfertigt, indem er ein herrliches Tor geschossen und – und nun blicken wir nach vorne.“ Und: „Ich hoffe, dass es ein Neuanfang für Mladen ist, und ich würde mich freuen, wenn er nun gegen den VfL Wolfsburg gleich nachlegen würde.“

Das ist kein „Rumgeiere“, das ist cool, überlegt und auch distanziert gesagt. Respekt.

Ob mehr dahinter steckt, ob das Verhältnis Spieler – Klub überhaupt noch einmal zu kitten ist, das weiß außer der HSV-Führung (und Mladen Petric selbst) wohl kaum einer. Auf jeden Fall wird Armin Veh für das Wolfsburg-Spiel wohl nicht an Mladen Petric vorbeikommen, ich gehe fest davon aus, dass der Kroate seine Chance von Beginn an bekommen wird. Zumal es vier angeschlagene Spieler gibt, die eventuell gegen den VfL nicht zum Einsatz kommen können: Collin Benjamin hat sich eine Grippe genommen, Elia erhielt einen Schlag auf die Achillessehne, Guerrero erhielt einen Tritt in die Wade, David Jarolim hat mit einem Pferdekuss zu kämpfen. Schlecht ist es vor allem um Guerrero bestellt, auch Elia ist wohl nicht nur angeschlagen, während „Jaro“ wohl seine Zähne zusammenbeißen wird und aufläuft.

Um noch einmal auf das Petric-Tor zurück zu kommen. Bastian Reinhardt gibt zu: „Das war pure Erleichterung, denn ich konnte mir nicht wirklich ausmalen, was passiert wäre, wenn wir dieses Spiel verloren hätten.“ Dann sagt der Sportchef auch: „Wie die Mannschaft nach Rückschlägen immer wieder zurückkommt, da ziehe ich den Hut vor.“ Dass es ein mieses Spiel gerade vom HSV war, hat Reinhardt auch gesehen, aber er versucht es zu erklären: „Es lag ein enormer Druck gerade auf uns, denn wir durften dieses Spiel auf keinen Fall verlieren. Verliert St. Pauli, dann sagen alle: ganz normal. Wenn wir aber verlieren, ist das eine Katastrophe.“ Woran aber lag es, dass es diesen Grotten-Kick vom HSV gab? Reinhardt: „Wir haben uns zu sehr das Spiel des Gegners aufzwingen lassen, mit langen Bällen, einigen Scharmützel, im Kampf um den zweiten Ball. Haben auch zu wenig unseren Fußball gespielt.“

Ist es aber vielleicht auch die Frage des Systems? Wären zwei Spitzen, van Nistelrooy und Petric, nicht geeigneter? Armin Veh wird sich gerade nach einem solchen Musterbeispiel, wie es nicht geht, nicht auf eine neue Taktik einlassen. Ganz sicher nicht. Er wird es eventuell in den nächsten Wochen überdenken, sollte es weiter solche blutleeren Vorstellungen seiner Mannschaft geben, aber jetzt wird er garantiert nicht „einknicken“. Zumal Nationalspieler Marcell Jansen lobte: „Die Trainer leisten bislang ganz hervorragende Arbeit, wir machen ein wirklich sehr gutes Training, und wir werden zu den Spielen auch hervorragend eingestellt.“

Ich hatte während des Derbys immer mal den Eindruck, als wenn nicht alle Spieler alles (auch körperlich) geben. Oder mental nicht bereit waren, es zu tun. Und wenn ich an Frank Rost erinnere, dem nur noch die „rosa Röckchen“ gefehlt haben, dann sah es zumindest ein HSV-Spieler auch so wie ich. Angst? Angsthasen-Fußball? Reinhardt kontert: „Das sehe ich nicht so. Es ist ein anderes Spiel gewesen. Das ist so, als wenn die Bayern im Pokal gegen einen drittklassigen Gegner antreten müssen, und es wird dann eng. Dann kann man auch sagen: Die Bayern haben doch Erfahrung, die sind clever, die haben Klasse. Es ist aber nur ein Spiel, und da kann alles auf den Kopf gestellt werden, das macht ja auch den Reiz des Fußballs aus. Und der Bundesliga. Und eines Derbys.“

Wie aber kann es sein, dass einige Spieler in einem so wichtigen Spiel, von dem ganz Hamburg eine Woche lang gesprochen hat, so krass abfallen? Elia zum Beispiel. Er kommt einfach nicht in Fahrt. Alles das, was er einst konnte, was er auch bei der WM angedeutet hat (mehr als angedeutet sogar), das lässt er bislang beim HSV vermissen. Reinhardt: „Er ist mit sich auch nicht zufrieden, er verlangt viel mehr von sich. Und ich bin überzeugt davon, dass er es noch zeigen wird.“ Ich habe das in den letzten Wochen mehrfach betont, ich hatte diese Hoffnung auch, aber allmählich plagen mich einige Zweifel. Es ist bei mir ähnlich wie zuletzt bei Marcus Berg. Von dem hatte ich auch immer seine Explosion erhofft, aber sie kam nie.

Und Guerrero? Ich glaube, dass er es mental nicht verkraftet hat, ab jetzt den Spielmacher zu geben. Anfangs (in den Testspielen auf dem Dorf) hat er diese Rolle „geschnallt“, jetzt läuft er nur noch mit. Wahnsinn. Er läuft und läuft und läuft, aber der Ball rollt oft, zu oft an ihm vorbei. So wird er dem HSV keine Hilfe sein, so wird er diese Rolle nie ausfüllen können, so wird er auf der Strecke bleiben. Guerrero wird es lernen müssen, nicht nur ein Tempo zu laufen, sondern auch mit in die Spitze zu gehen, um van Nistelrooy eine Unterstützung zu sein. Und auch, um hin und wieder selbst ein Tor schießen zu können. Davon war Guerrero am Sonntag meilenweit entfernt.

Und was kann der HSV noch von Gojko Kacar zu erwarten? Der Serbe war gegen St. Pauli nicht mal im Kader! Reinhardt: „Gojko legt jetzt Sonderschichten ein, um in die Verfassung zu kommen, mit der uns helfen kann.“ Also kein Fehleinkauf? „Wir denken perspektivisch. Wir geben einem Spieler ja keinen langfristigen Vertrag, um nach wenigen Wochen zu sagen, es geht nicht, tschüs. Man muss den Spielern schon Zeit geben, dass sie sich eingewöhnen können – was in Hamburg ja traditionell schon schwer ist, weil man hier immer sofort zu funktionieren hat“, sagt Bastian Reinhardt.

Da aber klaffen Anspruch und Wirklichkeit im Moment ein wenig (oder zu viel) auseinander. Der HSV müsste eine Mannschaft wie St. Pauli eigentlich bezwingen und beherrschen können, er konnte es aber nicht. Marcell Jansen nennt eine Ursache: „Das Nachrücken fehlte. Wenn man, wie zum Beispiel ich, auf dem Flügel durch ist und den Ball zur Mitte bringt, dann müsste dort eigentlich einige Spieler in Stellung gelaufen sein. Aber am Sonntag stand da meistens Ruud van Nistelrooy ganz allein.“ Mit Sicherheit ein großes HSV-Manko an diesem Tag. Fehlender Mut? Oder Angst, die Defensive zu entblößen? Ein lieber Kollege (von der Welt) hat es heute „Beamten-Fußball“ genannt. Trifft es schon ganz gut. Vor einem Jahr noch spielte der HSV noch Hurra-Fußball, mit Beginn dieses Jahres ging es dann steil bergab – und so ganz kann sich die Mannschaft wohl noch nicht von diesem Trott lösen.

Marcell Jansen, der sich heute sehr viel Zeit gelassen hat, um mit uns über das Derby, den Fußball allgemein und über die Zukunft zu sprechen, sagt zur momentanen Situation des HSV: „Wir müssen es wieder hinbekommen, mit Leichtigkeit und einer gewissen Gradlinigkeit zu spielen. Das müssen wir uns ankreiden lassen, da gibt es noch eine kleine Blockade bei uns, die müssen wir lösen.“ Dann vertritt der Nationalspieler noch eine ganz pikante Meinung: „Ich sehe dennoch nicht schwarz, im Gegenteil, ich finde es gut, dass es nicht so ein Selbstläufer wie vor einem Jahr ist. Denn dann denkt wieder jeder, dass es bis zum Ende so durchgeht – und man fällt in der Rückrunde in ein Loch, aus dem man dann nicht wieder herauskommt.“ Eine hoch interessante These. Die am Mittwoch zu überprüfen sein wird.

PS: Die Glücklichen des Gewinnspiels werden morgen ermittelt, es kann also noch bis Mitternacht gerätselt werden – dann gibt es ein neues Gewinnspiel.
Und noch eine private Sache: Wer sich gewundert hat, dass hier erst jetzt ein Bericht zu lesen ist, dem sei gesagt: Mein Kollege Christian Pletz, der heute eigentlich am Start gewesen wäre, hat sich in seinem gestrigen Bezirksliga-Spiel einen Knöchel gebrochen. Das wurde heute erst per Kernspin-Tomographie festgestellt. Da ich nachmittags einige privaten Dingen (wir haben eine große Baustelle bei uns zu Hause) regeln musste, konnte ich erst abends schreiben. So spielt das Leben. Sorry.

20.20 Uhr

Petric rettet den HSV!

19. September 2010

Puuh! Das ging gerade noch einmal – nicht ganz daneben. 1:1 bei St. Pauli, da hatten viele, viele HSV-Anhänger doch schon mehr erwartet. Aber wenn der Ausgleich für den HSV erst Sekunden vor Schluss fällt, dann muss man ganz einfach zufrieden sein.
Die Mitspieler gingen nach dem Schlusspfiff alle auf Mladen Petric zu, jeder klopfte dem Kroaten auf die Schultern oder “wuselte” ihm durch das kaum vorhandene Haupthaar. Der „schmollende Torjäger“, erst in der 62. Minute (danke!) eingewechselt, rettete dem HSV, seinem HSV, mit einem herrlichen 20-Meter-Schuss zum 1:1 in der 88. Minuten wenigstens noch einen Punkt.

„Wir haben erst so richtig angefangen Fußball zu spielen, als wir 0:1 zurück lagen“, sagte Petric, der nach seinem Treffer keine Freude zeigte. Ohne Gefühlsregung ließ er die Jubelarien der Kollegen über sich ergehen. Wohl wissend, dass er auf die gesamte Situation (mit dem verpatzten Wechsel nach Stuttgart) die wohl beste Antwort gegeben hatte. Die Abtastphase in diesem Derby hatte 77 Minuten gedauert, erst als Boll St. Pauli in Führung geschossen hatte, kam so etwas wie Leben in die Bude. Das 1:1 war absolut gerecht.

Am Vorabend zappte ich nach den Amateur-Ergebnissen auf N 3. Plötzlich landete ich auf einer Tafel, die sich Liveticker nannte. Da stand: FC St. Pauli – HSV 1:0. Rote für Guy Demel. Muss ein Scherzkeks dort hinein geschrieben haben, aber es war interessant zu lesen . . . Demel war dann beim Spiel nur auf der bank. Völlig überraschend nur Ersatz, weil seine Frau nachts ins Krankenhaus gebracht werden musste. Demel fuhr nach Hause, um dort auf die Kinder aufzupassen. Als der Abwehrspieler am Morgen wieder zur Mannschaft stieß, ließ ihn Trainer Armin Veh draußen, weil diese Vorbereitung ja ganz sicher nicht leistungsfördernd war. Aber ist ja alles nur menschlich. Für Demel kam Tomas Rincon zum Einsatz, eine gute Lösung, auf die ich später noch einmal zurückkomme.

Es ging ja schon vor dem Anpfiff hoch her. Auf der Reeperbahn sollen Wasserwerfer im Einsatz gewesen sein. Die bessere Einstimmung gab es aber im Stadion. Die St.-Pauli-Fans zogen sich noch einmal an einem „Filmchen“ hoch, der vom 3. September 1977 datierte. Damals gab es einen 2:0-Sieg der „Braunen“ beim HSV. Noch heute wurden die Tore von Kulka und Gerber lautstark umjubelt. Die HSV-Fans hatten sich mit einem großen Plakat präpariert: „Ihr hier? Wer trinkt denn jetzt die Latte Macchiato in der Schanze?!“ Die St.-Pauli-Anhänger antworteten mit „Zugabe“-Rufen. Und lachten sich Minuten später fast kaputt, als die HSV-Fans ein Plakat über die gesamte Kurve zogen – aber leider falsch herum. Was das die St.-Pauli-Fans zu hämischen Rufen veranlasste: „Falsch rum!“ Und: „Anders rum!“ Merkte aber niemand. Oder es war so geplant? Auf jeden Fall war die Atmosphäre schön aggressiv. Die HSV-Hymne von Lotto King Karl wurde komplett niedergebrüllt. Und dem HSV wurde per Plakat gezeigt, was HSV wirklich heißt: „Hunde-Sport-Verein.“

Im Stadion blieb es aber friedlich. Obwohl im Süden fast pausenlos geschrieen wurde: „Scheiß HSV!“ Aber: Wir erinnern uns, das wurde umgekehrt schon vor Wochen im Nordwesten des Volksparks skandiert. Es ist eben so. Solange es bei diesen verbalen Attacken bleibt – sollen sie.

Immerhin hatten die Fans etwas zu bieten. Was man von den 22 Spielern auf dem Rasen nicht unbedingt sagen kann. Es war schon ein merkwürdiges Derby. Entweder lähmte der Hexenkessel, es war Angst oder es gab diesen übergroßen Respekt. Im Zweifel quer oder zurück. Fußball aber geht anders. Auch mit viel mehr Finesse, mit Ideen, mit Mut zum Risiko. Das war aber kaum einmal zu sehen, und das war dann doch schwer enttäuschend. Obwohl es immer spannend war. Bezeichnend: Der erste Schuss des HSV in Richtung (!) St.-Pauli-Tor erfolgte in der 24. Minute. Eljero Elia drosch die Kugel weit über die Stangen.

Der HSV versuchte es in meinen Augen auch oft zu körperlos, wenn es angebracht war, Präsenz zu zeigen. St. Pauli war in diesem Punkt leicht führend: David Jarolim lag nach einem Ellenbogen-Kontakt mit Hennings am Boden, und Jarolim lag noch einmal auf dem Rasen, als er von Oczipka ziemlich rustikal umgetreten worden war. Der Übeltäter sah Gelb, „Jaro“ wurde fortan bis zum Halbzeitpfiff bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen. So geht es eben auch, ein wenig leicht unfair, Gelb hatte in dieser Szene übrigens auch Paolo Guerrero gesehen, denn er hatte Bruns geschubst. Weil Bruns den am Boden liegenden Jarolim „angemacht“ hatte. Das hätte Schiedsrichter Florian Meyer eigentlich auch ahnden müssen, aber er tat es nicht.

Nur zwei gute Szenen hatte der HSV bis zum Halbzeitpfiff: Ein Kopfball von Joris Mathijsen (nach Ze-Roberto-Freistoß) flog über das Tor, und als Jonathan Pitroipa fast durch war, grätschte in höchster Not noch Thorandt dazwischen. Pause.

Das Spiel wäre wohl auch bis zur 90. Minute so dahingeplätschert, wenn nicht das 1:0 für die Hausherren gefallen wäre. Petric, der in der 62. Minute für Paolo Guerrero gekommen war, sorgte allein durch seine Anwesenheit für Unruhe auf dem Rasen. Endlich einer, habe ich so bei mir gedacht, denn nach vorne brachten beide Teams ja herzlich wenig zustande. Was mich vor allem vom HSV enttäuschte. Ruud van Nistelrooy erhielt kaum einmal nennenswerte Unterstützung in der Spitze, und über die Flügel passierte kaum einmal etwas Produktives. Links war Eljero Elia fast ein Totalausfall, rechts war Pitroipa wenigstens ab und zu mal so unterwegs, dass man doch seinen Willen erkennen konnte, etwas bewegen zu wollen. Nein, in der HSV-Offensive fand so gut wie nichts statt – obwohl es doch „nur“ gegen den Aufsteiger FC St. Pauli ging.

Im Mittelfeld war Jarolim in Halbzeit eins zwar sehr bestimmend, aber auch er erhielt kaum Unterstützung. Guerrero lief in einem Tempo über den Rasen, ging immer weit, viel zu weit für meine Begriffe zurück, hatte aber auch keine Ideen, die dem Offensivspiel hätten helfen können. Das war gar nichts! Oder noch besser gesagt: schwach! Bei Ze Roberto flackerte das große Können zwar einige Male auf, aber insgesamt viel zu wenig. Der Brasilianer zog sich auch für meine Begriffe zu oft zu weit nach rechts – ob das Taktik war? Wenn ja, hat sie dem HSV nicht geholfen.

Die linke Defensive des Favoriten zeigte für mich einige Schwächen. Wenn St. Pauli in Ansätzen gefährlich war, dann ging es über die linke Seite des HSV. Dort landete so mancher 30- oder 40-Meter-Pass bei einem St.-Pauli-Spieler, obwohl der Ball doch so lange unterwegs war, dass man ihn hätte „fotografieren“ können. Marcell Jansen, das muss ich an dieser Stelle sagen, muss mehr, muss viel mehr kommen, er wirkte auf mich gehemmt, einige Male auch unkonzentriert. Da fehlen an 100 Prozent noch mindestens 30.

Zentral standen Heiko Westermann und Mathijsen souverän, sie ließen kaum etwas zu, und rechts fügte sich Rincon sofort gut ein – er rettete schon in der Anfangsphase einige Male recht gekonnt. Und obwohl der kleine Mann mit dem großen Kämpferherz später (60.) noch die Gelbe Karte sah, muss ich sagen: Er hat schon viel gelernt. Gegen den heißblütigen Naki, so habe ich mir gedacht, könnte Rincon leicht übermotiviert auch einen Platzverweis riskieren – aber das tat er nicht. Kompliment.

Das gebe ich auch an Frank Rost, der sich nur einmal leicht aus der Ruhe bringen ließ, als er von Hennings attackiert wurde und dadurch den Ball nicht nach vorne schlagen konnte. Ansonsten spielte Rost in seinem 400. Bundesliga-Einsatz (Glückwunsch) eine astreine Partie, an der es nichts zu meckern gab. Beim St.-Pauli-Tor dürften ihm Westermann, Jarolim und Ze Roberto leicht die Sicht versperrt haben.

Fazit: Der HSV kann es wesentlich besser, aber er ist mit diesem Unentschieden noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Die Passivität, die es lange zu sehen gab, wurde nicht bestraft – und das ist schon als glücklich zu bezeichnen.

Resümee von St.-Pauli-Trainer Holger Stanislawski: „Es war kein gutes Fußballspiel.“ Und Frank Rost befand später: „Es herrschte vor dem Spiel viel zu viel Harmonie, es hat nur noch gefehlt, dass wir hier mit rosa Röckchen aufgelaufen wären . . .“ So kann man es natürlich auch sehen.

18.01 Uhr

Bitte bleibt fair!

18. September 2010

Geht es Euch auch so? Überall wo man hin kommt nur die eine Frage: „Na, wie geht das Derby aus?“ Im Video habe ich mich ja weit aus dem Fenster gelehnt und einen 3:1-Sieg des HSV prophezeit. Je näher aber das Spiel rückt, umso weniger bin ich von einem klaren Sieg des Favoriten überzeugt. Kämpfer gegen Schönspieler – wer gewinnt? Das ist hier die Frage. Beim heutigen Training im Volkspark wurde ich auch einige Male gefragt. Wenn ich dann antwortete, dass es wohl eine ganz knappe Geschichte geben könnte, dann bekam ich zur Antwort: „Ach was, der HSV hat doch die klar besseren und routinierteren Einzelspieler.“ Das stimmt ja, aber ist das gleichbedeutend damit, dass die Mannschaft, die solche Spieler in ihren Reihen hat, auch immer der Sieger ist?

Ich habe heute vor dem Training folgenden Vergleich gezogen: 1983, der große Europapokal-Erfolg des HSV. Der war in Athen gegen die Millionäre von Juventus Turin krasser Außenseiter. Natürlich hatte der HSV für uns Hamburger eine Klasse-Mannschaft, natürlich war das Team um Horst Hrubesch in der Bundesliga die Nummer eins – aber Juventus hatte viele, viele Weltstars im Team. Eigentlich wäre damit auch schon die Frage nach dem Sieger geklärt gewesen, aber eben auch nur eigentlich. Der HSV wuchs über sich hinaus – und das haben so manche Außenseiter eben auch so an sich. Zumal dann, wenn der Trainer ein großer Motivationskünstler ist – und Holger Stanislawski ist ein solcher Coach. Er, der ja auch einst für den HSV (in der Jugend) spielte, ist für mich der perfekte 12. Mann seines Teams.

Entscheidend wird sein, ob und wie der HSV umschalten kann. Vom Spielerischen zum Kämpferischen. „Es wird heiß zur Sache gehen“, hat ja Frank Rost vorhergesagt. Hoffentlich von beiden Mannschaften. Wenn Rost im Feld spielen würde, dann hätte ich keine große Angst, denn der Keeper würde mit Sicherheit den großen Worten auch Taten folgen lassen. Hoffentlich wird Rost seinen Vorderleuten verbal genügend Dampf machen, damit diese dann mit der nötigen Aggressivität in diese brisanten 90 Minuten gehen.

Das heutige Abschlusstraining aber sah nicht so aus, als würde dort schon etwas hoch kochen. Es ging eher gemächlich zur Sache. Erst gab es einige Laufeinheiten über jeweils zehn Meter, dann wurde Handball gespielt – mit einem Kopfball als Torabschluss. Es spielte A gegen B, wobei David Jarolim zunächst bei B spielen musste. Es gab einige Sekunden Verwirrung auf den billigen Plätzen, aber dann war schnell kalr: „Jaro“ war das Opfer, weil es für elf gegen elf nicht genügend Spieler gab. Auffällig bei diesem Handballspiel: Das ist nicht Ruud van Nistelrooys Disziplin, er lag mit seinem Abspiel per hand doch einige Male krass daneben. Und Tomas Rincon vergab eine Kopfballchance aus zwei Metern, die mit drei Elfmetern gleichzusetzen war. Ob der Mann aus Venezuela deshalb später als einziger Profi (freiwillig) noch Liegestütze machte?

Später setzte der große Regen ein, und es spielte A (diesmal mit Jarolim)gegen den Rest von B, der allerdings nur angriff und nicht verteidigen musste, B spielte ohne Torwart und mit den Aufbauspielern Michael Oenning und Reiner Geyer. Begleitet wurde diese Einheit doch von einigen HSV-Fans (es mögen 50 gewesen sein), die sich im Stadion vor der „Raute“ aufhalten mussten, die aber fleißig sangen und ihre Männer anfeuerten. Das war genau die richtige Einstimmung für das Derby.

Zwischendurch wurden auch noch einige Eckstöße (von Ze Roberto) zur Mitte gebracht, aber es waren höchsten vier oder fünf. Was dabei auffiel: Armin Veh nahm sich lange Zeit, um jeden Spieler genau richtig zu postieren. Bevor es den ersten Schuss zur Mitte gab, vergingen Minuten. Später durfte auch Piotr Trochowski noch einige Eckbälle schlagen, damit sich die HSV-Abwehr schon mal auf Standards einstellen konnte. „Troche“ und Mladen Petric, beide wie erwartet nicht im A-Team, brachten danach auch noch einige Freistöße aus der halbrechten Position zur Mitte, ein Tor aber fiel weder nach einem Eckstoß noch nach einem Freistoß, Frank Rost hielt die Bälle souverän. Der Keeper ist ohnehin meine ganz große Hoffnung auf das Spiel am Millerntor. Er strahlt derzeit eine unglaubliche Ruhe aus, und er weiß wohl auch ganz genau, dass er im Moment topfit ist.

Da steht schon ein unheimlicher Bär zwischen den Pfosten des HSV-Gehäuses, ihn wird wohl auch der Hexenkessel auf dem Kiez nichts anhaben können. Wobei ich noch einmal kurz auf diese Woche zurück blicken möchte. Da kam der „rasende“ Matz-ab-Reporter „Benno Hafas“ einmal zu mir angehastet und sagte; „Hast du das gehört und gesehen? Frank Rost hat eben den Jaroslav Drobny gelobt.“ Ja, so kann es gehen. Rost und Drobny wechselten sich beim Schusstraining zwischen den Pfosten ab, so stand ein Keeper im Tor, der andere nur einen Meter daneben. Und als Drobny einige sehr scharfe und bestens platzierte Schüsse hielt, da lobte Rost dann seinen Vertreter auch schon mal. Da sind offenbar zwei Torhüter, die auf dem besten Wege sind, die Eiszeit zwischen sich zu beenden. Es wäre ja zum Wohle der Mannschaft, der HSV-Gemeinschaft. Und das würde helfen, den Weg zu neuen Erfolgen zu ebnen. Wie gesagt, Frank Rost wirkt auf mich zurzeit so sicher wie die Bank von England.

Zum Abschluss der heutigen Einheit durfte dann jeder nach Herzenslust schießen. Ruud van Nistelrooy schnappte sich einen Ball und versuchte sich gegen Drobny als Elfmeterschütze. Ist ja gut möglich, dass der Niederländer dann schießen muss, wenn es einen Strafstoß gibt. Die etatmäßigen Schützen sitzen ja nur auf der Bank: Petric und Trochowski. Die ersten beiden Schüsse hielt Drobny, dann verwandelte „Van the man“ den dritten Elfmeter souverän. Aber erst den dritten!

Dann war Ende des Trainings. Und es gab zwei kleinere Überraschungen personeller Art: Weder Dennis Aogo noch Gojko Kacar sind im Kader. Zwei Härtefälle? Aogo hielt zwar durch, ist aber noch nicht so weit. Und bei Kacar, das muss ich so sagen, hat Armin Veh nach Trainingseindrücken entschieden, und diese waren in dieser Woche nicht gerade berauschend. Der Serbe muss sich deutlich besser einbringen, muss auch von der Körpersprache her noch kräftig zulegen, um so Ansprüche auf einen Platz in der Mannschaft (oder im Kader) zu untermauern. So wird es noch dauern, bevor er eine Hilfe für den HSV sein kann.

So, nun möchte ich Euch noch einmal ganz nett bitten, morgen keine Randale mit den Leuten des FC St. Pauli zu beginnen. Versucht es friedlich, freut Euch über ein Derby, auf das Hamburg acht Jahre gewartet hat, freut auch ein eine außergewöhnliches Fußballspiel – aber verbringt diesen Sonntag ohne jede Gewalt. Diese große Bitte haben 99 Prozent der Hamburger Fußball-Anhänger, bitte respektiert diesen Wunsch und seid faire Fans. Wie toll wäre es, wenn alle Hamburger Medien am Abend oder am nächsten Tag von einem gewaltfreien, von einem absolut friedlichen Derby sprechen und berichten würden. Es wäre ein Sieg für den Fußball. Egal wer dieses Spiel am Ende gewonnen hat.

18.32 Uhr

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