Monatsarchiv für September 2010

Van Nistelrooy: “Ich denke positiv”

28. September 2010

Ruud van Nistelrooy ist ja ein erfahrener Mann. Er hat für Manchester United Tore geschossen, und auch für Real Madrid. Für andere Klubs zwar auch, und dann natürlich für den HSV. Was ich damit sagen will: „Van the man“ ist in meinen Augen über jeden Zweifel erhaben. Er hat es nicht nötig, sich in die Tasche zu lügen, er hat es nicht nötig, auf die Pauke zu hauen – er sagt das, was er denkt, was ihn bewegt. Und heute hat er mit uns mal wieder über den HSV, seinen HSV, gesprochen. Ich gebe zu, immer dann, wenn van Nistelrooy etwas sagt, dann hänge ich an seinen Lippen. Denn er hat immer etwas Kluges zu sagen. Denkt einmal zurück, an das Interview im Trainingslager in Längenfeld. Für mich immer noch in Highlight. Ich schicke das jetzt nicht ohne Hintergedanken voraus, denn ich möchte damit allen diejenigen, die jetzt schon, nach zwei Niederlagen in Folge, über „ihren“ HSV herfallen, den Sinn für die Realität schärfen.

„Die Ergebnisse sind natürlich nicht schön. Zwei Unentschieden nach zwei Siegen, das kann mal passieren, aber dann die beiden Niederlagen . . . Obwohl ich hatte das Gefühl, dass wir in den Spielen gegen Wolfsburg und in Bremen mindestens gleichwertig waren, oder sogar ein bisschen besser als unsere Gegner. Aber wenn du dann solche Spiele verlierst, dann ist das sehr, sehr bitter“, sagt van Nistelrooy über die kleine Negativserie.

Dennoch blickt der Niederländer nicht pessimistisch in die HSV-Zukunft. Er sagt: „Ich habe eigentlich kein schlechtes Gefühl, denn die gesamte Leistung von uns ist gut. Und das ist das Wichtigste. Anders herum wäre es nicht gut: Wir verlieren Spiele nicht deshalb, weil wir individuelle Fehler begehen, sondern weil wir keine Energie haben, wir kommen hinten nicht raus, wir erspielen uns keine Chancen – so war es am Ende der vergangenen Saison. So ist es jetzt aber nicht. Und das gibt mir den Mut, positiv zu denken.“ Vor dem Spiel gegen Werder hielt Teamkollege Ze Roberto noch die Meisterschaft für den HSV für möglich. Und wie sieht es danach aus? Van Nistelrooy: „Ich denke, wir müssen ruhig bleiben. Wir müssen nicht so viel reden, sondern es auf dem Platz zeigen. Wir haben jetzt zweimal in Folge verloren, wir sind sicher noch nicht da, wo wir sein wollen, aber wir sind, so denke ich, auf einem guten Weg. Wir müssen nicht reden, wir müssen es als Mannschaft auf dem Rasen zeigen was wir können. Von Spiel zu Spiel denken. Und zeigen. Nicht reden. Darüber reden ist anstrengend. Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Und ich hoffe, dass wir am Ende oben dabei sind.“

Auch für ihn stellt sich die Frage, warum die Mannschaft trotz der überlegen geführten Spiele viele Gegentore bekommt, und er beantwortet sich diese Frage auch selbst: „Das hat etwas mit Konzentration zu tun. Wir gehen auf den Platz und wollen das Richtige tun, und dann bist du auf dem Platz und machst nichts, du machst Fehler. Das ist auch eine Qualität, wenn du unter Druck kommst und dann genau das Richtige zu machen. Daran liegt es meiner Meinung nach.“

Ruud van Nistelrooy ist ein Führungsspieler dieser Mannschaft. Er könnte die Mannschaft aufrütteln, wecken, mitreißen – auch verbal. Aber er macht es nicht. Heute, auf dem Trainingsplatz, da hat er viel gesprochen. Da hat er sich nach dem Trainings-Ende seinen Nebenmann Eric-Maxim Choupo-Moting zur Seite genommen und mit ihm über die Laufwege im Angriff gesprochen. In aller Ruhe. Und sachlich. Und wenn Ruud van Nistelrooy so etwas macht, dann macht es vor allem Sinn. Denn ihm hören sie alle zu. Dennoch sagt er über seine Mentalität als Fußball-Profi: „Ich bin nicht der Typ, der schreit. Das bringt in meinen Augen nichts. Ich bin mehr ruhig, ich rede dann eher ruhig mit anderen Spielern, was wir verbessern müssen. Ich frage auch andere Kollegen, was wir ändern könnten – so versuche ich zu helfen.“

Grundsätzlich ist mein Empfinden ja, dass beim HSV viel mehr miteinander (auf dem Spielfeld) gesprochen werden müsste, was auch RvN so sieht. Aber er sagt auch: „Wenn da 50 000 oder 60 000 Zuschauer im Stadion sind, dann kannst du schreien soviel du willst, du wirst ohnehin nicht verstanden. Weil es niemand hört. Und dann muss die Mannschaft ganz einfach auch so funktionieren, ohne zu schreien, und das hat ja auch zu Saisonbeginn gut geklappt. Nur in einigen Momenten eben nicht, und das wird sofort und eiskalt bestraft – so geht Fußball heute.“ Dann nennt er das Beispiel Wolfsburg: „Wir bestimmen das Spiel deutlich, Wolfsburg kommt einmal über die Mittellinie und schießt sofort ein Tor. Wenn man zwei, drei Momente hat, in denen man nachlässt, dann ist das tödlich, das wird sofort bestraft. Oder Bremen. Nach 0:2 kommen wir zurück, schaffen das 2:2 und denken, dass wir noch gewinnen – und das ist sicher auch eine Frage der Mentalität in unserer Mannschaft, die noch verbessert werden kann. Sind wir in diesem Punkt besser, verlieren wir dieses Spiel auch nicht mehr.“

So, um den Artikel nicht übermäßig lang werden zu lassen, werde ich nun zum Ende kommen. Teil zwei des heutigen Tages, ein ausführliches Gespräch mit Trainer Armin Veh, folgt dann in den späteren Abendstunden – ich möchte Euch nicht überfordern. So viel sei aber immerhin verraten: Der zuletzt von Veh gescholtene Piotr Trochowski kann sich trotz allem Hoffnungen auf einen baldigen Einsatz in der HSV-Mannschaft machen. „Die Sache ist vorbei, ich bin nicht nachtragend“, sagte der Trainer. Trochowski hatte fünf Minuten vor dem Ende des Spiels bei Werder Bremen (2:3) den Ball in der eigenen Hälfte verloren und damit den Bremer Siegtreffer ermöglicht. Daraufhin hatte Veh den Mittelfeldspieler noch auf dem Rasen gerügt. „Das war eine Ausnahme, im Normalfall behält man das für die Kabine“, meinte der HSV-Coach über diese ungewöhnliche Attacke.

Wobei Ruud van Nistelrooy zu diesem Vorfall lächelnd befand: „Das war noch freundlich, was der Trainer da gemacht hat.“ RvN hatte mit Machester-Trainer Ferguson einige ähnliche Tänze erlebt, und die müssen deutlich drastischer und nachhaltiger gewesen sein.

Schnell noch einige Personalien: Von den Langzeitverletzten wird vor allem Linksverteidiger Dennis Aogo vermisst. Er wird wegen einer Schambeinentzündung erst Mitte Oktober ins Mannschaftstraining zurückkehren, hält sich zurzeit noch in Berlin auf, wo er mit einer Stoßwellen-Therapie behandelt wird. Armin Veh: „Ich hoffe, dass diese Behandlung anschlägt.“ Unterdessen gibt es seit heute einen weiteren verletzten HSV-Spieler. Mladen Petric droht für das Heimspiel am Sonnabend gegen den 1. FC Kaiserslautern auszufallen. Der kroatische Nationalspieler erhielt im Training einen Schlag auf die Wade und musste von Physiotherapeut Uwe Eplinius in die Kabine gefahren werden. Wegen einer Waden-Verletzung hatte bereits Paolo Guerrero in Bremen gefehlt, beide Offensivkräfte müssen nun um ihre Einsätze bangen. Dafür ist Dennis Diekmeier nach einem auskurierten Bänderriss im Sprunggelenk wieder fit, er könnte gegen die Pfälzer im HSV-Kader stehen.

Das Training am heutigen Dienstag dauerte 90 Minuten, nach der Aufwärmarbeit gab es ein Spiel ohne Tore (was sehr intensiv geführt wurde), danach folgte ein Spiel mit zwei Torhütern – und Aufgaben für die Feldspieler. Die Offensive griff jeweils mit einem Mann mehr an, das heißt: Vier Abwehrspieler gegen zwei Spitzen und drei Mittelfeldspieler, die restlichen Spieler beider Teams mussten dann an der Mittellinie warten. Der Stamm gewann überlegen, wobei Choupo-Moting nicht nur die meisten Tore erzielte, sondern auch sonst sehr gut und sehr auffällig spielte. Als zweite Spitze neben van Nistelrooy. Dazu aber später mehr.

17.27 Uhr

Der “alte Fritz” und die neue “Zehn”

27. September 2010

Welch ein Echo! Fix was los bei „Matz ab“. Was ein solches 2:3 in Bremen doch nicht alles bewirken kann. Keine Angst, ich werde auf keinen einzelnen Beitrag (mehr) eingehen, ich finde es klasse, dass Ihr Eure Meinung äußert – auch wenn sie oftmals konträr zu meiner ist. So lange es so fair und in den meisten Fällen auch sportlich gehalten ist, ist absolut alles in Ordnung. Bin ich der Fußball-Gott? Schieße ich im Schlaf Tore? Nein. Ich teile Euch meine Auffassung vom Fußball und vom HSV mit – und Ihr mir Eure. So soll es sein. Und so wird es auch bleiben. Dass es darunter auch einige Missverständnisse gibt, liegt in der Natur der Sache, früher hätte ich versucht, sie aufzuklären, aber auch das wird nicht mehr stattfinden, denn inzwischen habe ich den Eindruck, dass ich auch ganz bewusst mal falsch verstehen werde.

So, zum HSV. Es geht um die „Zehn“. Jawoll, um die Nummer, die einst der Spielmacher auf dem Rücken über den Rasen schleppte. Leute wie Fritz Walter, Wolfgang Overath, Günter Netzer. Wenn ich hier von der „Zehn“ schreibe, dann sind nicht Leute wie Walter, Overath oder Netzer gemeint, sondern der Mann, der hinter der einzigen HSV-Spitze spielen soll. Das waren bisher Paolo Guerrero, Piotr Trochowski, Mladen Petric und Eljero Elia. Ihr könnt mir glauben, dass ich inzwischen sehr wohl weiß, dass keiner dieser vier Herren so spielen kann, wie Walter, Overath oder Netzer. Und dennoch sprechen inzwischen alle, sogar die Leute beim HSV, von der „Zehn“. Ich werde das auch beibehalten. Obwohl ich weiß, dass es in diesem modernen Fußball keinen Spielmacher mehr gibt. Alles klar?

Wobei ich bei Elia gelandet wäre. Es enttäuscht mich schon ein wenig, wenn ich einige Kommentare sehe, die den Niederländer regelrecht zum Teufel wünschen. Er wird von einigen Usern hier fast schon vernichtet. Dabei weiß niemand hier, was in Eljero Elia zurzeit vorgeht. Er wirkt beim Training verschlossen, er wirkt bei Spielen in sich gekehrt und keineswegs in jener spaßigen und freudigen Stimmung, in der man Fußball spielen sollte. Was den jungen Mann aber bewegt, womit er sich derzeit beschäftigt, das weiß niemand. Doch genau deswegen sollten sich alle hüten, diesen jungen Menschen derart anzuprangern, wie es hier in den letzten 24 Stunden geschehen ist. Denkt an den „Fall Robert Enke“. Was wurde damals nicht alles gesagt und geschrieben, wer gelobte seinerzeit nicht alles Besserung, sprach von einem menschlicheren und faireren Umgang untereinander?

Alles schon vergessen?

Viele von Euch blicken im Moment ja etwas neidisch nach Dortmund und Mainz. Ich gebe zu, ich auch. Da spielen Fußballer mit Spaß, mit Herz, mit Leidenschaft. Und sie spielen nicht nur, sie rennen auch. 90 Minuten. Ich habe die Aussage eines Bayern-Spielers nach der 1:2-Niederlage gegen das Tuchel-Team gehört: „Wir konnten nie in Ruhe den Ball kontrollieren, 90 Minuten lang stand uns mindestens ein Mainzer auf den Füßen, um zu stören.“ Ein besseres Kompliment kann man einem Underdog wohl kaum machen. Und das ausgerechnet von einem Bayern-Profi! Der den Mainzern zudem bescheinigte, dass sie die vorgegebene taktische Marschroute meisterhaft eingehalten hätten.

Warum klappt das in Mainz, warum auch in Dortmund?

Okay, es sind erst sechs Spieltage absolviert. Kein Experte weiß heute, wie lange die Mainzer oder auch Dortmunder Fußball-Herrlichkeit noch andauern wird. Beide Vereine können noch ihren Einbruch erleben, doch auch das wäre ganz normal, weil ja jeder Klub im Laufe einer Saison mal eine Schwächeperiode durchläuft. Aber im Moment sind Mainz und Dortmund das Tagesgespräch, wenn über die Bundesliga diskutiert wird. Und, das sagen nicht wenige: Das sind zwei Klubs, die offensichtlich weit weniger Geld in der Kasse haben, als der HSV. Deswegen wird dort mit Auge statt mit Millionen eingekauft. Vor allen Dingen junge Leute.

Der HSV hat auch junge Leute. Elf von diesen jungen Burschen sind derzeit ausgeliehen. Und einige trainieren mit den Profis, einige spielen in der „Zweiten“. Aber sie spielen eben nicht in der Mannschaft von Trainer Armin Veh.

Noch nicht, möchte ich sagen. Viele haben es offenbar noch nicht geschnallt, einige haben es ignoriert, andere wiederum wollen erst gar nichts davon hören – aber es ist schon vielfach von kompetenter HSV-Seite prophezeit worden: In der nächsten Saison wird es finanziell noch einmal enger für die drei großen Hamburger Buchstaben. Ohne internationalen Wettbewerb fehlt dem Klub viel Geld, so dass kaum noch einmal große Sprünge in Sachen Neuverpflichtungen getan werden können. Schmalhans ist dann der Küchenmeister. Und das ist auch gut so.

SO, HIER MUSS ICH NUN EINMAL KURZ VOR MITTERNACHT EINGREIFEN, FÜR ALLE, DIE JETZT ODER AM DIENSTAG LESEN: ICH MEINE DEN FINANZIELLEN ENGPASS FÜR DIE NÄCHSTE SAISON – WEIL DER HSV IN DIESER (!) SAISON KEINE ZUSÄTZLICHEN EINNAHMEN DURCH DEN INTERNATIONALEN WETTBEWERB HAT. ICH MÖCHTE ALSO NICHT, WIE VON EINIGEN HIER VERMUTET, BEREITS DIESE SPIELZEIT NACH NUR SECHS SPIELTAGEN ABSCHENKEN. UM GOTTES WILLEN, NEIN, NATÜRLICH NICHT. ABER ETLICHE HSV-OBEREN HABEN ZULETZT DOCH SCHON DURCHBLICKEN LASSEN, DASS 2011 DAS GELD NOCH KNAPPER WIRD, ALS IN DIESEM JAHR. DAS, NUR DAS WAR DAMIT GEMEINT.
(Hinzugefügt am Montag um 23.55 Uhr)

Jetzt geht es weiter im Original-Text:
Natürlich werden die Betriebsblinden nach wie vor Weltstars nach Hamburg fordern. Und selbstverständlich ist nur das Beste gut genug für den HSV, selbst wenn zweistellige Millionensummen gezahlt werden müssten. Und natürlich würde jeder noch so mittelmäßige Einkauf nur milde belächelt werden, denn nicht nur in Bayern sagen sie: „Mia sind mia.“ In Hamburg klingt das ganz ähnlich: „Wir sind schließlich wir.“ Ich höre heute schon das Geschrei jener, die teure Weltstars hier haben wollen – und total enttäuscht werden, ich aber freue mich auf diese Zukunft, denn:

Dann muss der HSV auch mal mit Auge kaufen, und nicht mit Millionen. Das würde für mich heute shcon bedeuten: Junge, hungrige Leute, die sich darauf freuen, mit der Raute auf der Brust um Bundesliga-Punkte kämpfen zu dürfen. Dann ist die Scouting-Abteilung gefragt, dann sind diejenigen Beobachter dran, ihr Können unter Beweis zu stellen. Und wenn dann der HSV solchen jungen, hungrigen und engagierten Spieler in seinen Reihen hat, dann dürfen wir alle auch davon träumen, dass hier endlich einmal jener Fußball gespielt wird, der den Fans zurzeit in Mainz und Dortmund präsentiert wird.

Welch herrliche Perspektive!

Bleibt nur zu hoffen, dass der HSV auch über Leute verfügt, die Fußballsachverstand und das dementsprechende Auge besitzen. Wobei ich dabei auch den Herrn Urs Siegenthaler noch mit einschließe. Er hat schließlich seine (beiden) Leute hier stationiert, die ihre Arbeit in seinem Sinne verrichten (sollen).

Und wenn dann der HSV eine so rollende und begeisterungsfähige Mannschaft besitzen sollte, die wir hier alle schon seit vielen Jahren sehen wollen, dann kann ich dazu nur sagen: Hamburg hat es endlich verdient! Weil doch viel zu lange schon gewartet wurde. Und weil es trotz der vielen, vielen Millionen, die hier in die Hand genommen wurden, immer viele, viele Enttäuschungen gegeben hat.

Hinweisen möchte ich an dieser Stelle noch auf einen lesenswerten Beitrag, den uns (wieder einmal) der Trapper „Doc“ Seitenberg um 13:43 Uhr aus Berlin schickte. Lieber „Doc“, Du hast Dich wieder einmal selbst übertroffen, Dein Bericht, Deine Analyse ist genial, ich hoffe sehr, dass Deine Zeilen auch von kompetenter HSV-Seite gelesen und registriert werden. Du schreibst genau das, was viele HSV-Fans jetzt denken, Du schreibst es sachlich, fair, ohne jede Polemik – das ist einfach nur überragend, vielen Dank, Deine Beiträge schmücken unser „Matz ab“. Sehr sogar.

Ein ganz anderes Thema:

Nie wieder Bremen!“ So sagt es „Benno Hafas“ nach diesem zurückliegenden „Super-Sonnabend“. Ich kann das nachvollziehen. Er bekam, weil er HSV-Fan ist, einen Faustschlag an den Kopf. Das mag ein Bremer ja einem harmlosen Rentner antun, aber so langsam beschleicht mich das Gefühl, als ob es wieder schlimmer und brutaler wird, im deutschen Profi-Fußball. Oder habt Ihr eine andere Meinung dazu? Ich möchte an dieser Stelle gerne einen Brief veröffentlichen, den ich nach dem Hamburger Derby erhalten hatte. Er sollte allen Fußball-Anhängern zu denken geben. Den Absender-Namen schicke ich natürlich nicht mit, ich bitte um Verständnis:

Sehr geehrter Herr Matz,
die Vorkommnisse vor, während und nach dem Derby in Hamburg veranlassen mich, diese Zeilen an Sie zu richten.

Ich habe als „Buttje“ am Rothenbaum erstmals Seeler und Co. gesehen und habe seit dieser Zeit die Raute im Herzen und zeige sie noch heute in der Arena und bei div. Auswärtsspielen sichtbar am Körper.
Durch meine Tätigkeit bei der Polizei habe ich u. a. diverse Jahre tiefe Einblicke in die Fan-Problematik und Fankultur gewinnen können und kann die nicht nur bei den zuständigen Behörden, sondern auch
bei den Vereinen angesiedelten Projekte, die sich mit den Ursachen und Erscheinungsformen von Gewalt von Fußballfans befassen, nur positiv bewerten.

Leider sind Aggressivität und massive Gewalt zu ständigen Begleiterscheinungen bei Fußballspielen geworden. Pöbeleien, Beleidigungen, körperliche Angriffe und Wurfgeschosse jeglicher Art gegenüber den Sicherheitskräften sowie das Werfen und Abbrennen von pyrotechnischer Gegenstände gehören mittlerweile zum Alltag vor und in den Stadien und finden in der medialen Berichterstattung kaum noch Beachtung.

Dass bei den „ Fanmärschen „ wie auf der Reeperbahn aus der Anonymität heraus mittels Wurfgeschosse bewusst und gewollt Sachbeschädigungen und Körperverletzungen vorgenommen werden, ist sicher kein reines Hamburger bzw. HSV-Phänomen.

Der Vorfall bei der Einlasskontrolle am St.-Pauli-Stadion, wo man sich, ohne im Besitz einer Karte zu sein, Zugang in das Stadion verschaffte und dabei billigend Schäden an der Gesundheit unbeteiligter Personen in Kauf nahm, ist für mich eine neue Dimension der Gewalt. Nur dem besonnen Handeln der vor Ort befindlichen Polizeibeamten ist es zu verdanken, dass es zu keinen lebensgefährlichen Verletzungen kam.

Bisher habe ich dazu von den HSV-Verantwortlichen und den Vertretern des SC keine offizielle Stellungnahme vernommen. Hat man von dieser Seite sein Bedauern über die verletzten Beamten zum Ausdruck gebracht?

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. Übrigens: Ihr Blog wird von vielen Kollegen, die sowohl HSV- als auch Pauli-Fans sind, gelesen.

Ich, Dieter Matz, würde Ihnen gerne eine Antwort auf Ihren Brief geben – wenn ich denn eine hätte. Wie oben bereits skizziert, ich glaube dass es wieder mehr Randale gibt. Ich kenne HSV-Fans, die eigentlich ganz lieb, nett und zurückhaltend sind, die ich nie als gewaltbereit einschätzen würde – die beim Fußball aber ihr zweites Gesicht zeigen. Dann wird randaliert und geprügelt. Warum? Ich weiß es nicht. Ich werde demnächst versuchen, einmal (anonym) mit einem solchen HSV-Anhänger zu sprechen, darüber, was ihn zu dieser Gewalt animiert.

Ich kann an dieser Stelle nur immer wieder darum bitten: Macht den Fußball gewaltfrei, bitte bleibt besonnen, lasst Euch nicht von den Schlägern mitreißen oder provozieren. Man ist ganz sicher kein „Weich-Ei“, wenn man diesen Randalierern aus dem Wege geht.

Ich wünsche allen Verletzten, die in Bremen zu Schaden gekommen sind, weiterhin gute und schnelle Genesung. Alles Gute für Euch.

18.13 Uhr

Gute Besserung!

26. September 2010

Jetzt regt sich alles über den Trainer auf. Herrlich. Dass der HSV 2:3 in Bremen verlor, dass er vier Spiele in Folge nun schon sieglos ist, dass er erneut drei Gegentore kassierte, dass schon jetzt alle Träume, seien sie noch so heimlich gewesen, in Sachen Meisterschaft begraben werden können – das spielt für viele HSV-Fans nur eine Nebenrolle. Dass Armin Veh aber Piotr Trochowski wie ein Kesselflicker bepöbelt hat, das schlägt nun hohe Wellen. Denn das darf ein Trainer offenbar nicht. Oder? Oder hat Veh eventuell in voller Absicht ein solches Schauspiel inszeniert, um von den fußballerischen Defiziten des HSV abzulenken? Ich gebe allen gerne zu: Natürlich sah Veh bei dieser Disziplinierung an Ort und Stelle nicht gut aus, natürlich war es der falsche Ort und der falsche Zeitpunkt, aber das wird der Trainer heute auch wissen und sich wahrscheinlich fragen: „Wieso konntest du dich dazu nur hinreißen lassen?“

Ich kann nur sagen: Auch Trainer sind eben nur Menschen, und jeder Bundesliga-Coach steht zudem unter einem ungeheuren Druck – in Hamburg offenbar jeder Coach sogar vermehrt. Trochowskis Pech war nur, dass er sich den entscheidenden Lapsus genau vor der Trainerbank erlaubt hatte. Und nach dem Schlusspfiff war es für Veh dann ein Leichtes, auf den Rasen zu gehen und den Übeltäter zusammenzufalten. Der Trainer musste sich ganz einfach Luft verschaffen. Denn er weiß spätestens jetzt: Es könnten unangenehme Hamburger Wochen auf ihn zukommen, ganz, ganz unangenehme Wochen.

Immerhin: Am Tag danach zeigte sich Piotr Trochowski einsichtig, indem er sagte: „Es war ein blöder Fehler von mir, der dann am Ende zu dieser Niederlage geführt hat. Die Kritik des Trainers war berechtigt und ist nachvollziehbar.“

Wie und was Armin Veh über diesen Vorfall rückblickend denkt, konnte an diesem Sonntag nicht geklärt werden. Kann auch am Montag vermutlich nicht geklärt werden, denn morgen haben die HSV-Profis kein Training.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass mir ein Hamburger Werder-Fan (ja, die gibt es!), der bei einem Sieg der Bremer stets seine grün-weiße Flagge hisst, heute schrieb: „Was der Herr Veh gestern gegenüber Trochowski auf dem Platz gemacht hat, das war weit unter der Gürtellinie. Bei aller Verärgerung, das darf einem Profi-Trainer nicht passieren!!“

Darf nicht, passiert aber mal. Weil wir alle doch nur Menschen sind.

Bevor ich auf Trochowski eingehe, möchte ich noch eine Situation schildern, die zu dem Vorfall Veh/Trochowski bestens passt. Werder gegen den HSV, es lief die 25. Minute. Heiko Westermann stürmte mit dem Ball in die Bremer Hälfte und leistete sich einen Fehlpass, der zum Konter und zum 1:0 der Hausherren führte. Westermann hatte sich einen vergleichbaren Fehler erlaubt, wie Trochowski in der 85. Minute. Ich habe Armin Veh nach dem 0:1 nicht tobend gesehen, ich habe ihn auch nicht schreien gehört, der HSV-Trainer lief auch nicht auf den Rasen, um seinen Kapitän zur Räson zu bringen – alles blieb ruhig. Und deswegen tut mir Piotr Trochowski schon ein wenig Leid.

So, und wer nun gleich auf mich einpöbelt, weil ich den lieben und guten „Troche“ wieder einmal in Schutz neme, der sollte erst abwarten, tief Luft holen und folgende Zeilen lesen. Das alles dann sacken lassen, bis 26 oder auch bis 37 zählen – und erst dann pöbeln. Oder auch nicht.

Nun aber zu Eurem, zu unserem „Sorgenkind“. Piotr Trochowski, immerhin schon 26 Jahre alt, steht in dieser Saison eindeutig am Scheideweg. Er muss jetzt, endlich, endlich jetzt, zeigen, dass er ein Mann ist. Ein Mann, ein ganzer Kerl, ein Mensch, der Verantwortung für sich übernimmt. Und einer, der eventuell allen Ballast von sich wirft, um noch einmal ganz von vorne anzufangen. So wie in den vergangenen Jahren, so kann es einfach nicht weitergehen mit ihm, denn dann hat er sein großes Talent verschleudert. „Troche“ könnte alles, könnte auf jeden Fall viel mehr, als er es zuletzt bei HSV-Einsätzen gezeigt hat, denn er hätte es eigentlich drauf. Aber er steht sich oft selbst im Wege. Und ich glaube auch, dass er ganz schlecht beraten wird.

An ihm scheiden sich die Geister. Ich bekomme es bei „Matz ab“ so hautnah mit, wie vielleicht kein anderer. Was hier von HSV-Fans auf einen HSV-Spieler (Trochowski eben) eingeprügelt wird, ist für mich nicht nachvollziehbar, habe ich in dieser schweren Form auch noch nie erlebt. Wenn ich dann einzelne Leute frage, warum sie einen solchen Hass (jawohl, es ist Hass!) auf einen Spieler ihres Lieblings-Klubs haben, dann höre ich immer wieder: „Trochowski schwebt in höheren Sphären. Der sagt ja in jedem Interview, dass er eigentlich bei Manchester United, Real Madrid oder für den FC Barcelona spielen müsste.“ Wie gesagt, das ist Volkes Stimme. Und das zweite Argument, was ich auch immer wieder gehört habe und immer wieder höre: „Trochowski dreht einen Kringel, noch einen Kringel, und noch einen Kringel, und noch einen Kringel, und noch einen – und dann spielt der dann Ball zurück.“

Er hätte längst seine Lehren daraus ziehen können, aber er lässt diese Kritik, so mein Empfinden, gar nicht erst an sich heran. Oder lässt sie ganz einfach nur von sich abprallen. Dabei, so denke ich, hätte ihn sein Berater (Roman Grill) längst einmal zur Seite nehmen müssen, um Klartext mit seinem Schützling zu sprechen. Das ist in meinen Augen die richtige Fürsorge, nicht immer nur den Spieler von einem Klub zum nächsten transferieren. Fürsorge ist das Stichwort, auch deshalb sollten sich Spieler einen Berater halten, damit dieser Berater seinen Spieler berät, um ihn vor Schaden zu bewahren.

Ob das in den letzten Jahren mal in dieser Form geschehen ist, das entzieht sich meinen Kenntnissen, wenn aber ja, dann ist danach nichts (in die richtige Richtung) passiert. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem sich Piotr Trochowski überdenken muss. Auch deshalb, um auf diesen verhängnisvollen Fehler die richtige Antwort geben zu können. Dazu gehört nicht, über den Dingen stehen zu wollen, sondern dazu gehört auch eine Portion Demut, gepaart mit einer gehörigen Prise Selbstkritik.

Wobei ich hoffe, dass nach diesem Fehler nicht das Unheil so über ihn hereinbricht, was einst am 14. März 1997 Richard Golz im Derby gegen den FC St. Pauli erlebte. Als der HSV-Keeper ein Tor des Erzrivalen begünstigte und fortan bei jedem zweiten HSV-Fan total unten durch war. Das wünsche ich Piotr Trochowski wirklich nicht, und ich setze da auch auf die Fairness aller HSV-Anhänger. Bei all der berechtigten Kritik bedenkt bitte: Es ist ein HSV-Spieler, den ihr niedermacht, es kein Spieler von einem Konkurrenz-Klub. Bewahrt die Contenance, ich bitte Euch darum – egal, wie sauer Ihr im Moment auch auf alle, auf jeden oder speziell auf den einen Profi seid. Bei der Gelegenheit: Wer von Euch hat nicht auch früher auf Jonathan Pitroipa geschimpft? Und heute? Die meisten von Euch jubeln ihm zu, tragen ihn nun gedanklich auf Händen. Nicht alle, das gebe ich zu, aber deutlich mehr als noch vor einem Jahr. Und dann muss klar festgehalten werden: So schnell kann es gehen, so kann es auch kommen.

Zudem hoffe ich auch auf Armin Veh, dass er trotz seines lautstarken Vortrags auch verzeihen kann, dass der Trainer den Spieler deshalb nicht fallen lässt. Die Gunst der Stunde wäre sogar wunderbar zu nutzen, denn nun könnten Gespräche geführt werden, die dazu führen könnten, dass der Knoten bei Trochowski endlich einmal platzt. Wie gesagt, es wäre nun eine Chance . . .

Wenn sie nicht genutzt wird, dann könnte das zur Folge haben, dass der HSV einiges an Geld in den Sand setzt, denn: 2011 läuft der Vertrag des Nationalspielers und WM-Teilnehmers Piotr Trochowski aus. Dann, Ihr werdet es alle wissen, darf der HSV-Profi den HSV ablösefrei verlassen. Er wird deshalb wohl kaum in der Winterpause gehen, sondern bis zum Sommer warten – und dann ist Nase wischen angesagt. Nein, nein, deswegen wäre es jetzt schon angebracht, die ein wenig verfahrene Situation zu nutzen, um wirklich alle Unklarheiten zu beseitigen.

Dabei ist natürlich auch Sportchef Bastian Reinhardt gefragt. Eigentlich ist er ein Trochowski-Befürworter. Eigentlich. Es war jedenfalls so, solange Reinhardt ein Teamkollege des kleinen Dribbelkünstlers war. Ob es jetzt noch so ist, entzieht sich meinen Kenntnissen. Auf jeden Fall aber muss sich der Sportchef natürlich auch mit dieser Situation befassen.

Obwohl es zurzeit wirklich viele Baustellen gibt. Nach nur sechs Spieltagen. Der Ärger um Mladen Petric, die Tatsache, dass immer noch kein „Zehner“ gefunden wurde, dass die WM-Teilnehmer immer noch ihrer Form hinterher laufen, dass die letzten vier Spiele sieglos endeten, dass immer mehr Skeptiker auf den Plan treten, die das 4:2:3:1-System als größtes HSV-Übel ausgemacht haben, dass ein so begnadetes Talent wie Eljero Elia einfach nicht auf die Füße kommt, dass die Mannschaft nicht immer und überall als Einheit auftritt, sondern sich als Zweckgemeinschaft von Einzelkämpfern erweist, und, und, und. Es gibt viel zu tun, aber wo soll angefangen werden?

Petric hat sich zu einem Dauerthema entwickelt. In Bremen saß er 90 Minuten auf der Bank. Dabei hätte er, wie schon gegen St. Pauli, eventuell das rettende Tor schießen können. Hätte. Das sage ich ganz deutlich. Gegen Wolfsburg spielte Mladen Petric von Beginn an, aber außer zwei Freistößen (die allerdings glänzend getreten waren) trat der Kroate nicht in Erscheinung. Warum nicht? Und: Hatte Armin Veh Angst davor, dass Petric in Bremen (nach einer Einwechslung) in der Wolfsburg-Form spielen würde? So ganz von der Hand zu weisen wäre diese Angst ja auch nicht. Aber wir soll es unter diesen Umständen nur weitergehen?

Zum Thema Petric befand Reinhardt übrigens: „Es saßen in Bremen auch noch andere Spieler 90 Minuten auf der Bank, das ist doch ganz normal. Das sind Entscheidungen, die der Trainer trifft, und er denkt sich etwas dabei. Es geschieht ja nicht, um Mladen eins auszuwischen, sondern der Trainer muss seinen Gedanken und Gefühlen während des Spiels folgen. Ganz normal. Hier geht es nicht um Mladen Petric, hier geht es um den Hamburger Sport-Verein. Einzelschicksale zählen da nicht, wir wollen mit dem Hamburger Sport-Verein erfolgreich sein, dazu gehört es, dass man Spiele gewinnt, und das haben wir nun nicht getan.“

Und zum Thema System sagte „Basti“ Reinhardt: „Ich verstehe ja, dass Journalisten gerne auf solchem System herumhacken und meinen, es wäre der heilige Gral, aber so ist es nicht. Im Prinzip müssen die Spieler ein System mit Leben füllen, und wenn ein System vernünftig umgesetzt wird, dann ist es auch egal, welches System gespielt wird.“

Aber: Wie geht es nun auf der „Zehn“ weiter? Reinhardt: „Wir müssen nun Spiele gewinnen, das ist wichtig, und mir ist es ganz egal, wer dann auf der Zehn spielt.“ Wobei Bastian Reinhardt auch noch sagte: „Wir haben jetzt keine Zeit, um auf den einen oder anderen zu warten. Wir müssen nun alle noch eine Schippe Kohlen drauflegen, noch mehr Gas geben und noch härter arbeiten, damit alle wieder in der nötigen Form sind, dass der HSV wieder seine Spiele gewinnt.“

Zurück aber noch einmal zur „Zehn“. Mir ist auch egal, wer dort spielt, aber geht man mal die Liste der Bewerber durch, dann bleibt nicht viel: Paolo Guerrero ist für mich ein Stürmer, kein Antreiber. Ich sage das deshalb, weil ich beobachtet habe, dass der Peruaner als „Spielmacher“ nur noch schön spielen will, und dabei seine großen Stärken, die Schlitzohrigkeit vor dem Tor, der oftmals kaltblütige Abschluss, total „vergessen“ hat. Guerrero will nur noch vorlegen, einsetzen, inszenieren, und so geht es nun einmal nicht. Dazu gehört Laufarbeit, Schnelligkeit, Aggressivität, Einsatz. Und das war zuletzt nicht mehr bei Guerrero zu entdecken. Ein weiterer Kandidat wäre Petric, aber auch ihn sehe ich auf keinen Fall auf der „Zehn“, er ist nun einmal ein echter Knipser – und müsste normal neben Ruud van Nistelrooy spielen (so wie in Wolfsburg Dzeko wieder Grafite gefunden hat!). Kandidat drei ist Trochowski, und der müsste viel zielstrebiger werden, zudem auch schneller spielen. Und Elia? Dieses Experiment wurde in Bremen vorzeitig (und dennoch zu spät) abgebrochen, der Niederländer ist auf dieser Position nun absolut durchgefallen.
Bliebe für mich noch Ze Roberto. Der ist inzwischen die „Allzweckwaffe“ des HSV, spielt hinten links so, als hätte er nie etwas anderes getan. Aber der Brasilianer könnte auch die „Zehn“, weil er Ideen hat, weil er Durchsetzungsvermögen hat, weil er ballsicher ist, weil er ein gutes Auge hat, weil er ehrgeizig ist und zudem noch immer sauschnell. Aber: Wenn man sich alle diese Attribute einmal vor Augen führt, dann müsste der HSV mit zehn Ze Robertos im Feld spielen . . .

Es gibt, so meine Schlussfolgerung für heute, noch viel, viel zu tun. Packt es an, Ihr HSV-Leute, jetzt ist jeder mit seinen 100 Prozent gefordert, denn sonst könnte es noch 8oder schon) am Ende des Jahres ein ganz böses Erwachen geben.

Zum Schluss noch ein tragisches und schreckliches Thema: Es gibt viele verletzte HSV-Fans (die Zahlen schwanken zwischen 23 und 29), die nach dem Spiel in Bremen lange, sehr lange auf ihren Plätzen warten mussten und dann beim Verlassen des Stadions zu Schaden gekommen sind. Ich wünsche allen schnelle Genesung, und dass Ihr Euch alle von diesem Schock erholt. Ich habe Ähnliches auch schon erlebt, zum Glück ging es damals glimpflicher und ohne körperliche Schäden ab, aber es war die Hölle und es ist die Hölle – deswegen von dieser Stelle aus gute Besserung an alle.

Bastian Reinhardt dazu: „Es ist wirklich tragisch, ich hoffe, dass alle bald wieder genesen und auf den Beinen sind. Es ist geradezu erschütternd, wenn so etwas passiert, es ist einfach nur traurig.“ Die Mannschaft hatte von diesen Vorfällen erst bei der nächtlichen Ankunft in Hamburg erfahren. „Wir waren alle erschrocken. Es ist nicht schön, wenn Fans zum Sport gehen und dann im Krankenhaus landen. Es ist erschütternd und ich hoffe, dass solche Dinge in Zukunft verhindert werden können.“

19.22 Uhr

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