Tagesarchiv für den 17. September 2010

Es wird zur Sache gehen

17. September 2010

Alles ganz geheim. Aber was St. Pauli kann, das kann der HSV auch – wenn auch einen Tag später. Die „Braunen“ hatten heue ihre „Geheimtraining“, der HSV morgen. Wenn um 14 Uhr im Volkspark geübt wird, dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Watt mutt, datt mutt. Und auch heute schon ließ sich Armin Veh nicht in die karten schauen, denn das obligatorische Abschlussspiel gab es an diesem Freitag nicht. Dafür aber eine höchst ungewöhnliche Pressekonferenz. Eine solche hat es zu Derby-Zeiten noch nie gegeben. Die Trainer Holger Stanislawski und Armin Veh saßen an einem Tisch, dazu St.-Pauli-Kapitän Fabio Morena und HSV-Keeper Frank Rost. Der brachte es bei aller Freundschaft und Harmonie auf den Punkt: „Das ist kein Freundschaftsspiel, es wird schön zur Sache gehen.“ Davon ist auszugehen. Hoffentlich nur auf dem Rasen, hoffentlich nur 90 Minuten. Rost warnt aber auch seine Kollegen: „Eine Niederlage in einem Derby hängt einem noch ein halbes Jahr nach, das sollten wir uns schon ersparen.“

Es ist das erste Hamburger Derby am Millerntor, St. Pauli wird bemüht sein, den ersten Derby-Sieg seit 33 Jahren zu schaffen – und die Stadt ist voller Vorfreude auf dieses Spiel. „Bei einem Derby zählen keine Tabellenstände, wir wissen ganz genau, dass wir mit dem HSV eine extrem starke Mannschaft zu Gast haben werden. Um zu bestehen, müssen wir eine außergewöhnliche Leistung bringen“, sagt Stanislawski. Er hat sich in dieser Woche noch einmal ganz genau das Video des HSV-Spiels gegen den 1. FC Nürnberg angeschaut und befand danach: „Der HSV war die klar bessere und stets Spiel bestimmende Mannschaft, er hätte schon in der Anfangsphase 2:0 führen können.“ Ein Kompliment, das Veh artig zur Kenntnis nahm – und gleich die Revanche gab: „Man kann bei St. Pauli die Handschrift von Holger Stanislawski erkennen, die Mannschaft spielt richtig guten Fußball.“

Acht HSV-Bundesliga-Siege stehen in Sachen Hamburger Derby auf der Statistik-Seite, dazu fünf Unentschieden. Und nur eine Niederlage, dieses legendäre und unvergessene 0:2 von 1977. Damals gewann David, auch diesmal ist „Goliath“ HSV der Favorit, doch Papier ist geduldig. Frank Rost sagt dann auch: „Es steht viel Prestige auf dem Spiel, wir können sicher mehr verlieren als gewinnen. Man wird gute Nerven brauchen, aber man sollte die Brisanz auch genießen.“

Gut für mich, dass mit Florian Meyer ein sehr guter Schiedsrichter mit von der Partie ist, der Mann aus Hannover ist erfahren und zählt zu den besten Leuten seiner Zunft in Deutschland. Vorbeugend sagte Holger Stanislawski heute schon einmal: „Ich gehe davon aus, dass es auf dem Platz ruhig bleiben wird, und dass es auch außerhalb des Platzes ruhig bleiben wird.“ Dann sagt der einstige „Eisenschädel“ auch richtungsweisend: „99 Prozent der Hamburger freuen sich auf dieses Derby, nur ein Prozent sind Chaoten, und die werden hoffentlich von beiden Fangruppen an den Rand gedrückt.“ Hoffentlich. Über 1000 Sicherheitskräfte werden am Sonntag auf dem Kiez Einsatz haben, um ein gewaltfreies Derby zu gewährleisten.

Beim HSV hatte sich die Mannschaft, die den Aufsteiger St. Pauli besiegen soll, schon zu Wochenbeginn angedeutet: Rost; Demel, Westermann, Mathijsen, Jansen; Jarolim, Ze Roberto; Pitroipa, Guerrero, Elia; van Nistelrooy. Obwohl es an diesem Freitag, wie bereits gesagt, kein Spielchen gab, ging es dennoch recht munter zur Sache. Einmal trat David Jarolim ohne Absicht Dennis Aogo in die Hacken, einmal landete der rechte Fuß von Collin Benjamin auf der linken Achillesferse von Mladen Petric, der sich für einige Sekunden einen „Auszeit“ nehmen musste. In beiden Fällen aber, das war höchst erfreulich, gingen die „Übeltäter“ zu ihren Opfern, trösteten es und entschuldigten sich. Das ist nicht immer der Fall. Am Vortag (und nicht nur dann) waren sich die beiden Heißsporne Paolo Guerrero und Tomas Rincon an die Wäsche gegangen, der Peruaner war dabei der eigentliche Sünder – aber es gab keine Entschuldigung, stattdessen nur böse Blicke.

Wobei ich das Training in dieser Woche genau beobachtet habe, und es schien mir so, als habe Guerrero dabei nicht wirklich gut trainiert. Er kann es jedenfalls deutlich besser. Gut aber in dieser Woche dabei: Ruud van Nistelrooy. Der Niederländer heimste auch beim heutigen Schusstraining den meisten Beifall (der Trainingskiebitze) ein, als er gleich zwei herrliche Treffer für sich verbuchen konnte. Viel Applaus heimste aber auch Muhamed Besic ein, der mit einer Art Schlenzer Erfolg hatte. Da klatschten sogar die meisten Mitspieler vor Begeisterung. Und Ruud van Nistelrooy, typisch für ihn, klatschte sich mit Besic ab und umarmte ihn kurz. Das ist gelebte (und vorbildliche) Kollegialität. Übrigens hatte auch Eric-Maxim Choupo-Moting eine erstaunlich gute Trefferquote, ich habe es ja schon zweimal geschrieben: Der Mann kommt immer besser.

Das einzig Unerfreuliche an diesem Trainingstag: Lennard Sowah brach die Einheit bereits nach 15 Minuten ab, er klagte über Kopfschmerzen.

Ohne große Szene blieb an diesem Tag, und nicht nur an diesem, Eljero Elia. Ihm hatte ich ja vor Wochen zugetraut, wieder die „Rakete im Volkspark“ werden zu können. Bislang aber verhält sich die „Rakete a. D.“ auffällig unauffällig. Bei der WM in Südafrika hat er mich bei seinen Kurzeinsätzen wirklich begeistert und überzeugt, aber zurück in Hamburg gibt er uns wieder den „Elia 2010“. Ein Fall für den Psychologen? Der HSV hat ja einen Mann eingestellt, der sich aber vorzugsweise in Ochsenzoll um den Nachwuchs kümmert. Wie wäre es mal mit einem kurzen Abstecher in den Volkspark? Irgendwann sollte (und müsste) Elia ja damit anfangen, den HSV-Fans sein wahres Können zu zeigen, denn eigentlich hat er ja alles drauf. Warum aber spielt er bislang mit angezogener Handbremse?

Ähnlich verhält es sich ja auch mit Gojko Kacar. Armin Veh sagt, dass der Serbe noch nicht bei 100 Prozent ist. Aber wie lange dauert es noch? Oder hat der Mittelfeldspieler schon ein wenig resigniert, weil er an Jarolim und Ze Roberto (zurzeit) nicht vorbei kommt? Es wäre schade. Ich sage aber auch deutlich: Die Trainingsleistungen von Kacar sind zwar nicht schlecht, aber sie sind auch keinesfalls so, dass er sich damit für die Stamm-Formation anbieten würde. Auch von ihm muss noch mehr kommen. Und: Eigentlich hatte ich mir das bei seiner Verpflichtung schon erhofft, ich hatte Kacar schon zugetraut, dass er eine wesentlich dominantere Rolle beim HSV spielen kann – hoffentlich kommt da noch mehr.

Drei kurze Anmerkungen noch zum Schluss:

Am Sonntag ist, das sollten alle Fans bedenken, die sich das Derby in der Imtech-Arena (auf den Video-Wänden) ansehen wollen, die Autobahn-Abfahrt Volkspark gesperrt.

Und zu dem Video, dass Ihr bei „Matz ab“ zum Derby sehen könnt, sei gesagt: Ich möchte mich da nicht mit fremden Federn schmücken. Es war nicht meine Idee, wie vielfach schon von Euch geschrieben, sondern die Idee unseres HA-„Filmemachers“ Axel Leonhard. Er hat sich viel, viel Mühe damit gemacht, aus unserem Gestammele einen „richtigen“ Film zu machen, nach Euren Reaktion zu urteilen ist ihm das sehr, sehr gut gelungen.

Und dann noch einmal in eigener Sache, obwohl ich diesmal nicht betroffen bin (nur enttäuscht): Bitte, bitte hört endlich damit auf, andere „Matz-abber“ zu beschimpfen und zu verunglimpfen, wir haben uns doch vor allem hier vereint, weil es um einen Klub, um unseren Klub, geht.

Nur der HSV!

18.30 Uhr