Tagesarchiv für den 11. September 2010

1:1 mit hektischem Finale

11. September 2010

Moin liebe Matz-abber zur ersten Pletz-da-Version, hoffentlich früh genug nach dem Abpfiff. Ich möchte mich nicht lange mit Vorgeplänkel aufhalten, denn das hat der HSV gegen den Club ja auch nicht gemacht. Obwohl Armin Vehs Aufstellung eine große Überraschung parat hatte – Eljero Elia saß auf der Bank, dafür spielten Piotr Trochowski (zentral) und Paolo Guerrero (links) von Anfang an -, präsentierte sich der HSV in den Anfangsminuten wie eine hellwache, einzig auf Angriffe ausgerichtete Einheit. Guerreros Hackentrick an der Außenlinie als Anspiel für Marcell Jansen (2.) und Guy Demels Flanke von rechts, die Guerrero etwas kläglich per Kopf vergab (6.), machten Appetit auf mehr. Der Ball lief auf dem kurz vorm Anpfiff extra gewässerten Rasen schnell und präzise. Das hatte einen Hauch von One-Touch-Fußball mit vielen Stationen.

Nürnberg, das mit einer 4-1-4-1-Formation kompakt und stabil auf Konter lauern wollte, schien in diesen ersten zehn Minuten total überfordert zu sein. Vergeblich liefen die Franken den variablen HSV-Spielern hinterher. Einzig das Tor fehlte. Und nachdem Ruud van Nistelrooy auch noch eine Demel-Hereingabe knapp verpasste (15.), endete dann der Dauerdruck.

Die FCN-Defensive, eigentlich ständig bestehend aus acht bis neun Mann, stellte sich immer besser auf die Hamburger Vorstöße und die bevorzugten Diagonalbälle der Innenverteidiger auf die Außenpositionen (Guerrero oder Jonathan Pitroipa) ein. Besonders Trochowski, der mit Simons einen unbequemen Sonderbewacher der Marke „Kettenhund“ hatte, fand gar nicht mehr ins Spiel.

Stattdessen gab es wie aus dem Nichts Nürnberger Großchancen. Die erste landete nach einem Eigler-Schlenzer an der Latte (27.), nachdem Gündogan den Überzahlkonter (vier gegen drei) eigentlich schon verschenkt hatte (Pitroipa war hervorragend zurückgeeilt). Im Gegenzug schallte ein kollektiver Elfmeter-Schrei durch die immer noch Buchstaben-freie Imtech-Arena, aber Judts Rettungsaktion gegen Pitroipa war regelkonform (28.).

Obwohl der HSV in dieser Phase die Zügel etwas schleifen ließ, nachlässig im Passspiel wirkte und zu wenig Überraschungsmomente produzierte, wirkte Armn Veh im Gegensatz zu seinem FCN-Kollegen Hecking entspannt. Doch Dominanz, eindeutige Überlegenheit in allen statistischen Bereichen (u.a. 74:26 Prozent Ballbesitz) und sehenswertes Aufbauspiel reichen auch gegen einen fußballerisch limitierten Club aus Nürnberg nicht, um Chancen im Dutzend einzufahren. Und letztlich konnte Trainer Veh sogar glücklich sein, dass es torlos in die Kabine ging. Bei Bunjakus geschlagenem Luftloch, elf Meter freistehend vorm Tor nach einem Eigler-Querpass (für mich klares Abseits, laut Schiedsrichter aber wohl eine neue Spielsituation) stockte jedenfalls nicht nur den meisten Fans der Atem (37.). Dem stand auf Seiten des HSV nur noch ein herrliches Trochowski-Zuspiel (seine einzige und beste Szene in Hälfte eins) auf van Nistelrooy gegenüber, das der Niederländer auf Zé Roberto zurücklegte, der Brasilianer aber aus acht Metern knapp vorbei zielte (42.).

In der Pause, in der es einige Pfiffe für den HSV gab (und noch mehr für den gar nicht so schlechten Schiedsrichter Markus Wingenbach aus Dietz), dürfte Veh seine Mannschaft zu Geduld ermahnt haben. Und zu größerer Aufmerksamkeit in der Rückwärtsbewegung. David Jarolim war etwas fahrig, leitete zu viele Konter ein, und die Abwehr hatte mit ihrem Stellungsspiel einige FCN-Konter stark begünstigt.

Die Worte fruchteten zunächst. In der zweiten Hälfte machte die Vierer-Abwehrkette lange einen wesentlich stabileren Eindruck. Auch, weil der HSV sich nicht mehr so viele leichte Abspielfehler erlaubte, das Spielgeschehen zudem immer wieder verlagerte und die Nürnberger laufen ließ. Ich will die Partie jetzt nicht schönreden, denn sie war kein fußballerischer Leckerbissen, aber das Führungstor hatte sich der HSV dennoch verdient.

Wie es fiel, passte eigentlich gar nicht ins Bild. Zé Robertos Ecke von der rechten Seite segelte unberührt durch den Fünfmeterraum, kam einmal auf und flog dann von Joris Mathijsens Knie aus drei Metern ins Netz (61.). Der kollektive Jubel war auch ein Aufschrei der Erleichterung, denn das Nürnberger Bollwerk hatte bis dahin ja gut gehalten.

In der Folgezeit schien lange Zeit nichts mehr zu passieren. Der HSV, allen voran Pitroipa, lief zu häufig ins Abseits (wobei die Schiedsrichterassistenten bei einigen haarscharfen Situationen, und von denen gab es mehrere, im Zweifel mal für den Angreifer entscheiden sollten), die Nürnberger wirkten mittellos in ihren Angriffsbemühungen.

Dann wurde es trotzdem noch hektisch, und wie! Bei einem der wenigen FCN-Vorstöße in den Strafraum (Fehler Jarolim) bekam die Hamburger Innenverteidigung den Ball nicht aus der Gefahrenzone, Nürnbergs Schieber legte den Ball am herausstürzenden Frank Rost vorbei, der weder Ball noch Gegner touchierte, und hob dann gekonnt ab. Ein typischer Fall von „Einfädelung“, wie ich fand, aber einen Elfmeter gab es trotzdem. Pinola versenkte eiskalt – ein harter Rückschlag zum 1:1 (81.).

Die Wut des HSV sollte sich eigentlich in Angriffen und leidenschaftlichen Offensivaktionen entladen, aber das verhinderte der FCN inklusive seines Trainers. Clever oder unsportlich? Als der für den enttäuschenden Trochowski eingewechselte Eljero Elia und Demel einen Einwurf vor der Nürnberger Bank schnell ausführen wollten, schob Hecking den Ball zur Seite. Die Folge: Rudelbildung mit jeder Menge Pöbeleien, Demel und Eigler wären sich fast an die Wäsche gegangen, die Fans tobten. Der Unparteiische schickte Hecking auf die Tribüne, schien plötzlich selbst komplett verwirrt (er ermahnte Pitroipa wegen einer angeblichen Schwalbe, die Elia gemacht hatte), der Spielfluss war völlig hin. Auch die Letzte-Hoffnung-Einwechslungen Eric Maxim Choupo-Moting und Gojko Kacar (für Pitroipa und Jarolim) brachten nichts mehr. Nach vier Minuten Nachspielzeit und dem Abpfiff jubelte nur einer – der Nürnberger Tross.

Der Traum vom Neun-Punkte-Start für den HSV ist dahin. Trotzdem beginnt jetzt die Vorbereitung auf das erste Derby dieser Saison. Und das wird bestimmt noch ein ganzes Stück emotionaler.

17:35 Uhr