Tagesarchiv für den 7. September 2010

Der Club – ein gefährlicher Lieblingsgegner

7. September 2010

Fünf gegen fünf wurde zum Abschluss gespielt, das Spielfeld war ungefähr 30 mal 40 Meter groß – und es ging mächtig zur Sache. Das machte den Trainingskiebitzen großen Spaß, den meisten Spielern auch. Aber nicht allen. Frank Rost zum Beispiel musste für seine Begriffe wohl einig Tore zuviel schlucken, und wenn das der Fall ist, dann wird er laut. Diesmal wurde er richtig gut laut. Überhaupt war Feuer drin. Auch David Jarolim fuhr gelegentlich aus der Haut und wurde ein wenig lauter, wenn es in seinem Fünfer-Team nicht so lief, wie erhofft und gewünscht. Später sagte er mir: „Das war ein starke und intensive Einheit, so macht es Spaß, wenn alle mitziehen.“ Die genau richtige Einstellung im Hinblick auf das Nürnberg-Spiel am Sonnabend. Bleibt nur zu hoffen, dass alle Nationalspieler morgen wieder heil nach Hamburg zurückkehren, um dann ebensolche Einheiten an den Tag zu legen (legen zu können), wie an diesem Dienstag.

Bei diesem Abschlussspiel fehlte übrigens Jaroslav Drobny, der sich am Vortag keine Knie- sondern eine Schienbeinverletzung zugezogen hatte (aber er trainierte heute bis genau zu jenem Spielchen voll mit). Auffällig in dem heutigen Kick: Dennis Aogo hielt durch, obwohl er, so Co-Trainer Michael Oenning, immer noch Schmerzen (zwischen den Adduktoren und dem Rücken) verspürt. Dennoch behaupte ich einmal: Aogo wird am Sonnabend auf jeden Fall im Kader sein, ich glaube sogar, dass er hinten links spielen wird. Auch schon deshalb, weil Marcell Jansen in meinen Augen wohl kaum spielen wird, denn er hat immer noch Schmerzen im Knie, und er hat immer noch nicht mit der Mannschaft trainieren können.

So, zum Abschluss noch einmal drei Personalien zu diesem Trainingsspiel: Robert Tesche hat einige schöne Tore erzielt, einige davon sogar mit links (sehr hart, sehr platziert), zudem bewies Paolo Guerrero sehr gute Vollstrecker-Qualitäten, obwohl er eisern und oftmals sehr hart bekämpft wurde. Und der „dritte Mann“ ist in diesem Fall Michael Oenning: Der ging um kurz vor zehn Uhr leicht humpelnd zum Trainingsplatz, und er ging natürlich auch kurz nach halb Zwölf wieder leicht humpelnd zurück zur Kabine. Der Grund ist eine Oberschenkel-Verhärtung. Die hat sich der Veh-Assi beim Spiel der Legenden am Millerntor zugezogen. Künstlerpech. Aber besser er, als dass es noch einen (aktuellen) HSV-Spieler erwischt . . .

Zum Nürnberg-Spiel. Beim Training war vielfach schon zu hören, dass alles andere als ein Heimsieg überhaupt kein Thema ist. Dazu hat gestern ja schon Armin Veh gesagt: „In dieser Bundesliga kann jeder jeden schlagen.“ Das wird wahrscheinlich nicht von vielen Fans, hoffentlich aber von den meisten Spielern für voll genommen. Und wenn ich dazu noch anmerken darf: Nürnberg hat am ersten Spieltag ein 1:1 in Mönchengladbach erreicht. Und Mönchengladbach hat am zweiten Spieltag gegen Bayer in Leverkusen immerhin einen sensationellen 6:3-Sieg erreicht. Das sind zwar Quervergleiche, die bekanntlich ja hinken sollen, aber sie sollten in diesem Falle davor warnen, von einem „Selbstgänger“ gegen den Club zu sprechen.

„Wir haben eine gute Bilanz gegen Nürnberg, und die wollen wir natürlich erweitern“, sagt Jarolim und ergänzt: „Der Club setzt verstärkt auf junge Leute, und ich glaube, es wird mal wieder eine schwere Saison für sie. Obwohl ich schon hoffe, dass mein ehemaliger Verein am Ende dann doch wieder drin bleiben wird.“ Zum HSV befand „Jaro“: „Wir sind gut gestartet, aber ein guter Start ist nicht alles. Wir müssen von Spiel zu Spiel denken und unsere Leistungen bestätigen.“ Dann erinnert der ehemalige Kapitän an die vergangene Saison: „Da sind wir auch überragend gestartet, es war der beste Beginn des HSV überhaupt, aber dann gab es einen Bruch, weil sich fünf, sechs Spieler verletzt hatten – und dann zerbrach etwas innerhalb der Mannschaft. Mein Wunsch ist es deshalb, dass wir in dieser Saison konstant bleiben.“

Immerhin kann der HSV aber dem Sonnabend optimistisch entgegen blicken, denn Nürnberg ist ein Lieblingsgegner. Warum das so ist, versucht David Jarolim zu erklären: „Die Mannschaft will immer Fußball spielen, die machen auch dann nicht dicht, wenn sie nach Hamburg kommen. Mauern ist nicht das Gesicht der Nürnberger, die spielen mit, die spielen nach vorne.“ Bleibt nur abzuwarten, ob das auch diesmal wieder der Fall sein wird, oder ob sich Trainer Dieter Hecking (dessen Co der ehemalige Pagelsdorf- und Jara-Assistent Armin Reutershahn ist) einmal zum Einigeln entschließen kann.

Am Sonnabend feiert nicht nur David Jarolim ein Wiedersehen mit einem seiner ehemaligen Klubs, auch für Michael Oenning ist es eine besondere Begegnung. War er doch zuletzt bei den Nürnbergern als Chef-Trainer angestellt. Und natürlich gibt es noch viele Verbindungen ins Frankenland, doch die lässt der Co-Trainer des HSV auf jeden Fall in dieser Woche ruhen. Und zu bevorstehenden 90 Minuten befindet Oenning: „Natürlich ist die Rollenverteilung ist im Vorfeld relativ klar. Wir werden zu Hause versuchen, das Spiel zu machen, wir werden auch nach vorne spielen – und ich glaube auch, dass die Nürnberger hier nicht mit offenem Visier antreten werden.“

Mit Dennis Diekmeier gibt es einen weiteren Ex-Nürnberger, aber der Verteidiger ist immer noch nicht fit, hat noch nicht mit der Mannschaft trainieren können – und ist deshalb für dieses Spiel absolut kein Thema.

Apropos kein Thema: Dass Jonathan Pitroipa ein Tor für den HSV schießt, ist bislang auch kein Thema gewesen, jedenfalls kein großes. „Piet“ aber gibt nicht auf, denn er sagt: „Mir fehlt nach meinen Dribblings dann oftmals die Konzentration – daran arbeite ich.“ Und versprüht gleichzeitig Optimismus: „Ich glaube ja, dass wenn ich ein Tor geschossen habe, dass dann der Bann gebrochen ist – und ich mehrfach treffe.“ Wie toll wäre das denn? Auf jeden Fall verspricht Jonathan Pitroipa: „Wir gewinnen gegen Nürnberg, weil wir unsere gute Serie fortsetzen wollen.“

Damit wäre dann ja alles geklärt. Und auch gesagt. Und sogar geschrieben.

Training morgen um 16 Uhr im Volkspark.

PS: Die Resonanz auf den “Test-Spieler” von den Malediven war riesig, viel größer als ich gedacht habe – dafür danke ich vorab schon einmal ganz heftig. Ich verspreche allen, die ihre Unterstützung angeboten haben, dass ich am Ball bleiben werde. Es müssen nun erst einmal einige Dinge geklärt werden, dann melde ich mich bei Euch (bezüglich des weiteren Vorgehens). Auf jeden Fall schon einmal vorab: Kompliment, Ihr seid schon eine ganz besondere Art von Fans. Klasse!

17.51 Uhr